Editorial

19. Mai 2018

Well met, alle zusammen!

Ziemliche „Grünexplosion“ haben wir hier in meinem Garten – alles blüht und grünt und wächst und … der Kampf gegen die Schnecken, die Wanzen und Blattläuse ist demnach auch entbrannt. Gehört halt zusammen der Überfluss und die Nutznießer desselben. Ich schau da lieber auf das Blütenmeer und höre dem „Harfengezupfe“ der Grillen zu.


In unserem heutigen Update haben wir ein sehr aktuelles Schmankerl, das uns Johanna zur Verfügung gestellt hat. Sie hat sich absolut zu Recht über einen Artikel echauffiert „Hexenmystik“ 6, setzen!“ Vielen lieben Dank Johanna! Wenn der besprochene Artikel nur 10% so gut gewesen wäre, wie Dein Leserbrief, dann wären wir um ein großes Lesevergnügen gekommen …
Den zweiten Artikel bestreitet Isis, mit einer Rezension „Candle Burning – its occult Significance„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Vergnügen beim Lesen und uns Eure Mithilfe beim Verbreiten und Vermehren unserer ArtikelVielfalt!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

„Hexenmystik“ 6, setzen!, geschrieben von Johanna

19. Mai 2018

„Hexenmystik“ 6, setzen! oder: ein Leserinnenbrief zu „Esoterik und Feminismus: Hexenmystik als emanzipatorische Praxis?

Eine bekennende Atheistin, die über Esoterik und magische Praktiken schreibt, ist m. E. vergleichbar mit einer Veganerin, die über Schlachtmethoden der örtlichen Großmetzgerei berichtet oder einer Schulmedizinerin, die gegen Homöopathie hetzt – immanente Meinungsmache ist in allen drei Fällen vorprogrammiert. Aber dass es gleich sooooo polemisch wird… („Tut das Not?“ hätte meine heidnische Großmutter gefragt…)
Warum die Autorin praktizierende Esoterikerinnen, Kartenleger und Hexen a) in einen Topf wirft und b) als unterprivilegiert bezeichnet, ist mir als Leserin nicht nur unverständlich – es bürstet mich auch stark gegen den Strich! Offenbar ist die Schreiberin des Artikels auch gegen Bachblüten und homöopathische Medizin eingestellt. Polemische Journaille anstatt neutraler Berichterstattung – nun gut oder eher schlecht, das gibt es ja leider oft, und polarisierende Schwarzweiß-Malerei scheint gerade „in“ zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, was dieser Artikel bezwecken soll, außer die darin „Niedergemachten“ (Hexen, Esoterikerinnen, Kartenleger etc.) zu provozieren und aus der Meditation zu reißen, damit sie mit der Faust auf den Tisch schlagen, was ich hiermit tun will – nein, Frau Kuhnen, so nicht, und schon gar nicht mit mir!

Ich bin Hexe, Priesterin der Göttin, schamanisch Praktizierende, Autorin, Kartenlegerin, durch Homöopathie und Bachblüten Geheilte und passe damit vermutlich in viele der bunten Schubladen, die Sie gern zudrücken würden. Das geht allerdings bei mir gar nicht, irgendein verquerer Zipfel von mir wird immer wieder raushängen… Sie glauben also, einzelne Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm angehören, die sich mit Dingen beschäftigen, die Ottilie Normalbürgerin (an die sich das Magazin „Siegessäule“ allerdings doch wohl eh nicht richtet?) könnten nichts bewirken? Da liegt der Irrglaube auf Ihrer Seite… aber ich vermute, Sie haben Sekundärliteratur bemüht, statt aktive Feldforschung zu betreiben. Das dauert ja auch so lange und ist so unbequem…

Hokuspokus und andere Mythen

Sie erwähnen z. B. „Hokuspokus“ – das entstammt der christlichen Messe aus einer Zeit, als sie noch (um „Unterprivilegierte“ vom Verständnis abzuhalten – na, merken Sie was?) in lateinischer Sprache abgehalten wurde. „Hoc est corpus meus“ sagte der Priestermann, „dies ist mein Leib“ – beim Abendmahl. Der bildungsferne Zuhörer, durch Stellwände ins seitliche Kirchenschiff abgedrängt, sah fast nichts und verstand nur „Hokuspokus“. Viel mehr haben Sie meiner Vermutung nach von dem, was wir Hexen heute praktizieren, wohl auch nicht verstanden…

Wir glauben zum Beispiel nicht an ein „fremdbestimmtes Schicksal“ – um es mit Asterix zu sagen (auch wenn er nicht queer oder LGBT ist): „Bleichgesicht Biberzahn irrt sich im Kontinent“, bzw. in der Religion. Heutige (und auch historische) Hexen bestimmen ihr Leben selbst – dazu gehören durchaus Mittel, die den Herrschenden und den „Normalbürgern“, so es die denn gibt, suspekt erscheinen mögen, wie Kartenlegen, Rituale, Beten an und Gespräche mit den jeweiligen persönlichen Göttinnen und Göttern.
Wenn die Mondin im Uranus steht, verschwinden leider weder Patriarchat, Sexismus oder schlechter Journalismus, sonst müsste ich diesen Leserinnenbrief gar nicht schreiben…

Sie greifen zwar munter in die Geschichtskiste, haben aber offenbar keinen Überblick über aktuelles religiöses Geschehen der Kirche – der Papst höchstselbst hat sich für die Morde an den Frauen, die als Hexen verunglimpft worden waren, entschuldigt. Das Rauschen im virtuellen Blätterwald, das hierdurch verursacht wurde, hat Sie, Frau Kuhnen, offensichtlich nicht erreicht. Mitnichten gibt es übrigens eine Verbindung vom spitzen Judenhut zum Hexenhut – letzterer entstammt der Zunft der Bierbrauer im Mittelalter. Dazu brauchte man Kräuter, und Hexen kennen und nutzen solche… aber das wissen Sie ja sicherlich bereits, das kennt man doch vom Hörensagen, gell!?

Zur Hexenverfolgung sei ferner angemerkt: Bei weitem nicht nur Frauen fielen den Hexenjägern und -richtern zum Opfer. Ihr Anteil lag in Deutschland im Zeitraum von 1530 bis 1730 bei 76 Prozent, in manchen Regionen, zum Beispiel im Bereich des Pariser Appellationsgerichts, sogar bei „nur“ 50 bis 60 Prozent. Während in katholischen Regionen bis zu dreißig Prozent der Hingerichteten Männer waren, verringert sich ihr Anteil in protestantischen oder reformierten Gebieten (England, Schottland, Schweden oder Niederlande) auf zehn bis 15 Prozent. Einer der Gründe für den weiblichen Überhang: Die im katholischen Bereich maßgebliche Bibelübersetzung Vulgata übersetzt die Stelle 2. Mose 22,18 mit „Die Zauberer sollst du nicht leben lassen“, die Lutherübersetzung (in Anlehnung an den hebräischen Text) hingegen: „Die Hexen sollst du nicht leben lassen“.
Ob sie Kinder aßen oder nicht – das allein genügte schon, Ihr Vergleich ist also ziemlich an den Hexenhaaren herbeigezogen.

Ebensolches gilt für den Vergleich der Verfolgung der Hexen mit dem Antisemitismus: Der Vorwurf des Schadenszaubers wurde in vielen Fällen vorgeschoben, wenn man die Menschen wegen anderer Taten nicht belangen konnte. Diebstahl, Sodomie, Alkohol-und/oder Drogenmissbrauch – auch in solchen Fällen kam es zu Anklagen wegen Hexerei. So, wie Richter ihre Anklage teilweise frei konstruierten, so folgten auch die „Besager“, also die Denunzianten oder „Zeugen“, nicht selten eigenwilligen, oft eigennützlichen Zielen: der Wunsch nach Scheidung, die frühere Verfügung über einen Erbteil, der Besitzerwerb von Nachbarn, Befriedigung persönlicher Rachegefühle, Ausschaltung von Konkurrenten um Wirtschaftsmonopolrechte, Sühne nicht verfolgter anderer Verbrechen. Und so manche Kirchengemeinde ist ihren Pfarrer, der in einem skandalösen Konkubinat lebte, mithilfe eines Hexenprozesses losgeworden.
Fazit: Juden und Hexen waren unbeliebt bei vielen „Normalbürgern“ der damaligen Zeit, aber die einen haben nicht zwingend mit den anderen zu tun außer Mitglieder einer Randgruppe der Gesellschaft zu sein. Und: nicht überall, wo Hexe draufstand, war auch Hexe drin…

Warum Sie Hexen und Esoteriker unter einen Hut stecken, erschließt sich mir ebenso wenig wie 99 % Ihres Artikels. Die eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie eine Kuh mit Radfahren. Wikipedia schreibt dazu: „Heute wird „Esoterik“ weithin als Bezeichnung für „Geheimlehren“ verstanden, wobei es sich laut Antoine Faivre de facto allerdings zumeist um allgemein zugängliche „offene Geheimnisse“ handelt, die sich einer entsprechenden Erkenntnisbemühung erschließen. Nach einer anderen, ebenfalls sehr geläufigen Bedeutung bezieht sich das Wort auf eine höhere Stufe der Erkenntnis, auf „wesentliches“, „eigentliches“ oder „absolutes“ Wissen und auf die sehr vielfältigen Wege, welche zu diesem führen sollen.“ Hexen folgen keiner Geheimlehre – das Wissen ist überall zugänglich, sowohl durch Bücher als auch tatsächliche Personen, und Hexenkreise nehmen neue Mitglieder auf, ich empfehle hier doch etwas mehr Praxis!

Über die „Matriarchatsmythen“ ziehen Sie natürlich auch her, ich habe, als ich mich durch Ihren Artikel gequält habe, schon darauf gewartet – und jaaa, da kam die Erwähnung dann ja auch. Wenn Sie sich mit der Vorstellung anfreunden können, dass Frauen durchaus als ernstgenommene Wissenschaftlerinnen ernst genommen werden, empfehle ich Ihnen die Lektüre der Werke von Marie P. König, Marija Gimbutas, Heide Göttner-Abendroth u.v.m. Oder, hier kommt wieder die Feldforschung und Praxis herein: Hexentipp! Verbringen Sie doch den nächsten Urlaub mal nicht auf Malle, sondern bei den Mosuo in China, dort wird man Ihnen gern gelebtes Matriarchat zeigen! Vielleicht bekommen Sie sogar einen Zuschuss zum Bildungsurlaub!? Und wir danach ein besseres Essay?

Matriarchat is nicht?!

Dass Sie sich die Muttergöttin nicht als Identifikationsfigur vorstellen können, siedelt auf demselben Ast, auf dem neben Ihnen als Atheistin auch die Schulmedizinerin sitzt, die in Globuli unwirksame Geldverschwendung sieht. Ich sehe mich übrigens – wie 99,99% meiner Mithexen – nicht als „in eine jahrtausendealte Opfertradition eingebettet“.
Nö. Nichts könnte mir ferner sein! Hexen handeln selbstbestimmt, holen sich Unterstützung unter ihresgleichen (ja, die wilden Walpurgisfeiern gibt es immer noch!) und bei den Göttern, Geistern, Pflanzen, Tieren, Steinen, ganz normalen unhexischen Menschen übrigens ebenfalls, egal welcher Couleur und welchen Glaubens… aber auch bei Rechtsanwälten, Heilpraktikern und den Medizinern, die den Körper als mehr ansehen als die Summe seiner Teile.

Das Hexenbild, das Sie im Kopf haben, ist schon sehr „quer“ und leider sehr platt.
Wir „glauben“ auch nicht an Zauberkräfte – wir haben sie. Ich „glaube“ auch nicht an den öffentlichen Personennahverkehr, ich nutze ihn. Letzteres hilft dem bestehenden System, klar, ersteres aber nicht. Magische Veränderungen geschehen seltenst mit Donnerschlag und publikumswirksamem Tamtam – die Welt wird LEISE aus den Angeln gehoben, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Beteiligten. Fragen Sie doch mal eine Hexe, ich kann Ihnen in Berlin einige empfehlen…

Bleibt noch die Frage, warum ausgerechnet Atheismus eine „widerständige Option“ sein soll?

Zwar kamen, historisch betrachtet, Atheisten oftmals in Konflikt mit bestehenden Systemen, und Atheismus war ferner Bestandteil der marxistisch-leninistischen Staatsdoktrin, aber der wahre Revoluzzergeist will mir hier nicht wirklich erscheinen, egal wo die Mondin gerade steht… Wenn Glaube Berge versetzen kann, warum sollte ich dann Atheismus befürworten? Natürlich sind Hexen mit Selbstheilung beschäftigt (unter anderem, und mit vielen Dingen mehr!). Das heißt aber nicht, dass wir weltvergessen Bauchnabelschau betreiben und uns um diese kranke Gesellschaft einen Dreck scheren!
Das gesunde Prinzip, zunächst vor der eigenen Tür zu kehren, bleibt nicht am Hexenbesen hängen. Wer sich selbst heilen kann, braucht dafür niemand anderen zu instrumentalisieren, ist unabhängig und schwer regierbar. Hexen haben Macht durch (die Götter, die Magie), nicht über…

Hexen und ihre Selbstbestimmung sind unbequem und für das bestehende gesellschaftliche System durchaus gefährlich – seit vielen tausend Jahren, ganz ohne Romantik, Geschichtsklitterung und „Emanzipation durch Esoterik“.

Schlussendlich muss ich sagen, ich habe selten außerhalb der Zeitung mit den Großbuchstaben so einen schlechten Artikel gelesen (und die Länge macht ihn nicht besser). In diesem Falle tue ich es meinen Hunden gleich und pinkele – virtuell natürlich – an die „Siegessäule“ für diese Veröffentlichung.
Johanna Klapper

Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

19. Mai 2018

 

Michael Howard – Candle Burning – its occult Significance

The most simple magical Art

 

Erstauflage: 1975/Aquarian Press; Zweitauflage 1980/Aquarian Press/ISBN UK: 085030 168 8/ISBN USA: 0877284905/95 Seiten/47,95 Pfund

 

Über den Autor

Michael Howard war seit 1976 Herausgeber des Hexen-Magazins „The Cauldron“. Er schrieb über 20 Bücher über Runen, Folklore und Magick. 1969 wurde Howard in Gardnerian Wicca initiiert und war in den 60er Jahren Mitglied des „Luciferian Order of the Morning Star“, später war Eingeweihter der englischen traditionellen Witchcraft-Gruppe „Cultus Sabbati“. Howard verstarb im September 2015.

Eine kleine Auswahl seiner veröffentlichten Bücher: Angels & Goddesses: Celtic Christianity And Paganism In Ancient Britain / Mysteries Of The Runes / The Sacred Ring: The Pagan Origins Of British Folk Festivals And Customs / Way Of The Magus / The Pickingill Papers / The Pillars Of Tubal Cain / The Sacred Earth Guide / The Roebuck In The Thicket / The Robert Cochrane Letters / The Book Of Fallen Angels / Faery Beasts And Animals Of Legends/ Modern Wicca – A History From Gerald Gardner To The Present

 

Über das Buch

Michael Howard behandelt in diesem Buch zwei Themen: Einerseits die Bedeutung von Magie mit Kerzenritualen, andererseits das Finden des persönlichen Begleiters in Form des Erzengels.

Als die einfachste Form der Magie bezeichnet er die Kerzenmagie. Warum sie so einfach ist? Weil der Lernende dafür nicht die 365 Namen Gottes auswendig lernen muss oder mühsam bei Vollmond Alraunen aus dem Boden buddeln muss. Viele hätten sie sogar schon praktiziert, die Kerzenmagie, schreibt Howard und nennt das Ausblasen der Geburtstagskerzen in Verbindung mit einem bestimmten Wunsch. Außerdem kann Kerzenmagie von jedem durchgeführt werden, ganz egal, welcher Religion er angehört. Howard erklärt die Farben für das jeweilige Ritual  (zum Beispiel Rot für die Gesundheit und sexuelle Potenz, Grün für Fruchtbarkeit und Glück, Blau für Weisheit und Schutz oder Weiß für Reinheit und Spiritualität) und nennt die entsprechenden Wochentage, an denen Rituale am besten durchgeführt werden (zum Beispiel Freitag für die Liebe oder Donnerstag für Geldangelegenheiten). Natürlich dürfen an dieser Stelle einfache Rituale nicht fehlen.

Komplizierter wird es dann ab der Buchmitte, wenn er Rituale aufzählt, für die die Hilfe von Engeln benötigt wird. Zum Beispiel bei der „Mystical Novena“, ein Ritual, das der Erfüllung eines speziellen Wunsches dient und über einen bestimmten Zeitraum hinweg durchgeführt werden muss. Oder bei Ritualen für die Astralreise oder einem Ritual zur Zukunftsschau, für die ebenfalls die Erzengel herangezogen werden. Der persönliche Erzengel kann anhand einer Tabelle im Buchanhang gefunden werden, ebenso wie der Planet fürs persönliche Sternzeichen, der auch für einige Rituale von Bedeutung ist.

 

Fazit: Insgesamt ein interessantes Buch über die Herkunft und den Gebrauch der Kerzenmagie. Die meisten Rituale sind einfach durchführbar. Dennoch ist mir persönlich dieses Buch zu Engel-lastig. Wer ein bisschen Erfahrung mit Kerzenmagie hat weiß, dass man dafür nicht einen Erzengel Raphael, Uriel oder Gabriel zu Hilfe holen muss, sondern die einfache, aber prägnante Formulierung des Wunsches, unter Umständen ein entsprechendes Öl als Verstärker (das von Howard auch erwähnt wird), aber vor allem die Konzentration reicht, um einen Wunsch Realität werden zu lassen.

Außerdem bedenklich: Howard erwähnt bei seinen Regeln zur Kerzenmagie im Anhang, dass kein Mensch gegen seinen Willen beeinflusst werden soll, hat aber offensichtlich kein Problem damit, ein Liebesritual  niederzuschreiben, mit dem genau das bewirkt werden soll. Obwohl er auf Seite 29 noch einmal explizit auf den freien Willen einer Person hinweist und vor solchen Ritualen warnt, steht auf Seite 21 unter der Überschrift „Example of Typical Spell“,  wie Person A die Liebe von Person B gewinnen kann.

Alles in allem ist dieses Buch eine nette Ergänzung zu anderen Büchern über Kerzenrituale, wie sie zum Beispiel von Raymond Buckland, Ruby Ray, Anna Riva oder Blaine Ryker publiziert wurden.

Editorial

12. Mai 2018

Well met, alle zusammen!

Was der Frühling auch oft bringt ist Veränderung … wie das Wetter sich auch ändert. Wir sind gerade dann, in Zeiten der Veränderung, natürlich auch auf Einflüsse von außen angewiesen (wenn es nicht regnet, dann kann ich pflanzen was ich will). Wenn wir lernen, den Fluß des Lebens zu erkennen und einzuschätzen, dann laufen die Dinge schon mal einfacher – obwohl jeder seine Grenzen hat, kommt es vielfach nur darauf an, damit umgehen zu lernen.

Regen rinnt copyright XVII

Eine Stimme aus dem „Elder and Oak Coven„, Arion, beschäftigt sich mit „Wicca – Hexerei, ja klar, aber was bedeutet eigentlich Priesterschaft?
Irgendwie als sehr passend empfinde ich dazu einen Cartoon von Roadman, den er uns gespendet hat! Ein „Krafttierischer Arschtritt“ … der halt manchmal wirklich von Nöten ist.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns wünschen wir Eure tätige Mitarbeit, damit wir auch in Zukunft unsere Updates an alle Leser verteilen können.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

 

Wicca – Hexerei, ja klar, aber was bedeutet eigentlich Priesterschaft? geschrieben von Arion

12. Mai 2018

Viele Menschen interessieren sich zwar für Wicca, aber nur wenige schaffen es tatsächlich, ihren ganzen Mut aufzubringen und mit traditionellen Wicca Kontakt aufzunehmen, um über eine mögliche Initiation und Aufnahme in deren Coven zu sprechen. Bei den Gesprächen, die wir vorab mit diesen Interessenten führen, kristallisiert sich oftmals sehr schnell heraus, dass sie eine doch eher romantisierte Vorstellung von Wicca haben, die in der Regel wenig damit zu tun hat, wie oder was Wicca eigentlich ist.
Viele Leute, sowohl Wicca, als auch Nicht-Wicca, sind der Meinung, dass es DAS Wicca doch eigentlich gar nicht gibt. Und ich muss gestehen, dass ich diese Aussage, seitdem ich sie das erste Mal gehört habe, mittlerweile doch sehr pauschalisierend empfinde.

Was ist Wicca?

Es gibt schon Kriterien, an denen man ausmachen kann, ob eine spirituelle Praxis Wicca ist oder eben nicht. Es gibt ein Grundgerüst, ein Skelett sozusagen. Dieses Skelett alleine ist natürlich nicht lebensfähig, daher wird es von jedem individuellen Coven mit Fleisch, Blut und Seele bekleidet, so dass sie Wicca wirklich lebendig und individuell gestalten. Aber der Kern ist in allen Wicca-Coven gleich, daher nennen wir es Tradition. Wenn der Kern/das Skelett fehlt oder bestimmte Elemente entfernt wurden oder von Anfang an nicht vorhanden waren, dann ist es nicht (mehr) Wicca.

Wenn ich Interessenten frage, warum sie der Meinung sind, dass Wicca ihr spiritueller Weg sein könnte, dann antworten sie oft, dass sie sich gerne in der Natur aufhalten, dass sie Bäume lieben und keinem Tier Schaden zufügen können. Viele haben Interesse an Kräuterkunde oder Tarot, Runen und anderen Divinationsmethoden. Einige wenige verfügen tatsächlich über so etwas wie eine fundierte magische Ausbildung oder zumindest autodidaktische Erfahrungen im magischen Bereich. Manchmal sprechen sie über die Götter, die meisten haben schon mal etwas von dem Konzept der acht Jahreskreisfeste im Wicca gehört und fühlen sich dazu hingezogen. Es gibt natürlich auch diejenigen, die tote Menschen sehen können, immer wiederkehrende Träume haben, die irgendwann Wirklichkeit werden und deren Mütter/Großmütter schon Hexen waren (weswegen sie ja in ihrer Selbstwahrnehmung eigentlich geborene Hexen sind).
Die wenigsten Menschen, die sich für Wicca interessieren, scheinen sich darüber bewusst zu sein, dass Wicca ja nicht nur aus Sozialkomponenten und magischer Arbeit besteht, sondern eben auch und vor Allem Priesterschaft beinhaltet und dass sich jede/r Wicca diese Priesterschaft individuell und vor allen Dingen selbst erarbeiten muss.

Hierfür gibt es keine Schablonen, keine allgemeine Anleitung und kein DIY YouTube Video. Die eigentliche Frage, die sich jeder Wicca-Interessierte also stellen sollte, müsste IMHO lauten:

„Bin ich dazu bereit, meine Verbindung zum Göttlichen (egal, welches Gesicht und welchen Namen es trägt) selbst herzustellen und meine individuelle Priesterschaft im Sinne dieser Gottheit zu erfüllen“.

Die Antwort auf diese Frage finde ich persönlich viel spannender, als die Kenntnis über deren Liebe zur Natur, vegetarische Ernährungsgewohnheiten und dass sich jemand schon so und so lange mit Tarot und Kräuterkunde beschäftigt oder ob er vielleicht über ein magisches Familienerbe verfügt.

Was genau aber ist mit Priesterschaft gemeint?

Die meisten kennen den Begriff Priester ja schließlich nur aus dem christlichen Kontext und verbinden damit wenige positive und überwiegend negative Eigenschaften, wie z.B. den alleinigen Interpretationsanspruch des Göttlichen und seiner Botschaften an uns oder das sakrale Handlungen ausschließlich durch Priester durchgeführt werden können und die Gemeinde eher stumme Beobachter und weniger aktive Teilnehmer sind. An dieser Stelle eine gute Nachricht – im Wicca ist jede/r Initiierte gleichzeitig Hexe UND Priester/in.
In erster Linie bedeutet Priesterschaft, dass man den Göttern dient. Allerdings wodurch man den Göttern dient, muss jeder Wicca für sich selbst herausfinden. Das ist es, was unsere Wege innerhalb der Gemeinschaft so einzigartig macht. Alle diese individuellen Wege der Priesterschaft haben jedoch gemeinsam, dass wir den Göttern als Gefäß dienen, um ihre Botschaften zu übermitteln, um im Ritual für die Teilnehmer anfassbar/erfassbar zu sein und natürlich um die Energien dem Anlass entsprechend zu kanalisieren.

Im Erstgrad ist das Annehmen der Selbstverantwortung besonders wichtig. Selbstverantwortung bedeutet allerdings nicht, dass man ohne Absprache mit seinen Hohepriestern und seinem Coven alles macht, wonach einem so der Sinn steht und entweder alleine oder mit Covenfremden anfängt, wild in der Gegend herumzuhexen und „Rituale zu feiern“ (was auch immer das heißen mag), sondern dass man für sein spirituelles Wachstum und seine innere Entwicklung selbst verantwortlich bist.
Um den Göttern als Gefäß dienen zu können, müssen wir daran arbeiten, dieses Gefäß (uns selbst) zu veredeln und zu läutern und das beste „wir selbst“ zu werden, das wir auch nur sein können, um unser Leben in den Dienst der Götter zu stellen. Diese Arbeit an einem selbst durch Selbstreflektion, Erkenntnissuche und Integration der ungeliebten Persönlichkeitsanteile hört niemals auf. Die daraus resultierenden Lernprozesse können durchaus schmerzhaft sein, denn man wird nicht nur mit angenehmen Dingen konfrontiert, sondern vielmehr mit den Dingen, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen. An dieser Stelle kann man sich zwei Fragen stellen: „Bin ich bereit, zu leiden, um zu lernen“ und „Bis zu welchem Grad bin ich dazu bereit, Lernen/die Lernprozesse überhaupt zu erdulden“.

Im Zweitgrad dehnt sich diese Verantwortung aus, indem wir den Coven/die Gemeinschaft dabei unterstützen, den Göttern zu dienen. Wir tun dies, indem wir höhere Verantwortung im Kreis übernehmen, Zeremonien durchführen, weitergeben, was wir gelernt haben, indem wir offene Augen und Ohren haben, indem wir für den Coven/die Gemeinschaft eine Verkörperung der Götter sind und z.B. weissagen oder Segen spenden.
Die Initiation in den Erstgrad öffnet das Tor in die Gemeinschaft, aber die Initiation in den Zweitgrad bedeutet eine ewige Bindung an die Götter und an den Dienst für sie – die ewige Priesterschaft von Leben zu Leben.
Der Drittgrad ist sehr persönlich und beinhaltet die höchste Erfüllung und Vereinigung im Dienst an den Göttern.

Jeder Suchende oder Wicca-Interessierte sollte sich darüber im Klaren sein, dass wir nicht für sein Lernen oder seine spirituelle Entwicklung verantwortlich sind – das ist nur er allein. Wenn er jedoch initiiert werden und zum Coven gehören möchte, allerdings nur darauf wartet, dass ihm etwas beigebracht wird, dann ist wahrscheinlich Wicca doch nicht der für ihn geeignete Weg, denn seine Schattenarbeit können wir ihm nicht abnehmen.