Editorial

22. April 2017

Well met, alle zusammen!

Ein Blick aus meinem Küchenfenster sagt mehr als tausend Worte … wenigstens hab ich die Sonne noch am Fenster selber kleben


In unserem heutigen Update findet Ihr eine wunderschöne Geschichte, die schon XVII für den RegenBogen organisiert und von Veleda Alantia geschrieben wurde, „Die kleine Geschichte vom Drachentrunk
Unser zweiter Artikel stammt aus der Feder von Richard und ist ein Thema, das meiner persönlichen Ansicht nach, mehr als nötig ist, es ausführlich zu behandeln. „Schamanöser Beipackzettel„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder vielleicht sogar eure Diskussionebeiträge auf fb.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Die kleine Geschichte vom Drachentrunk, geschrieben von Veleda Alantia

22. April 2017

Märchen aus Avalon 3

In einem Ort im Anderswo lebte einst ein junger Mann mit seinem Vater in einem Dorf das umgeben war von Hügeln und tiefen Tälern und Wäldern. In diesem Dorf wohnte der Vater mit seinem Jungen etwas abseits von den anderen Dorfbewohnern. Es hieß, daß der Vater wunderlich sei, denn er sprach zu seinen Pflanzen, zu den Steinen und den Tieren.
Und Pflanzen wuchsen bei ihm im Garten kräftiger dadurch, daß er mit ihnen sprach, das machte es noch wunderlicher.
Der junge Mann liebte seinen Vater sehr und verstand, da er damit aufgewachsen war, nicht was die anderen hatten, wenn sie sich wieder über seinen Vater lustig machten.
Es geschah in einem kalten Winter, so kalt, daß Tropfen an Häusern zu Eiszapfen gefroren, daß der Vater krank wurde.
Der junge Mann tat alles um ihm zu helfen. Er wusch, buk das Brot, redete sogar mit den Pflanzen, versorgte die Tiere. Doch seinem Vater ging es immer schlechter je kälter der Winter wurde, und sogar des Vaters Pflanzen am Höhepunkt des Winters eingingen, brodelte seine Sorge zur Gänze hoch. Der junge Mann ging zu einer weisen Frau.
Sie kannte den Jungen gut, hatte sie das Kind einst auf die Welt geholt.
„Was möchtest du mein Junge?“ Der junge Mann sah sie fest an. „Meinem Vater geht es schlecht je weiter der Winter vorrückt.“
„Sterben gehört zum Leben dazu.“ sagte das alte Weib kichernd.

„Möglich, doch jetzt noch nicht.“ erwiderte der Junge im verzweifelten Stolz. Die Alte sah ihn lange an, entzündete sich eine Pfeife mit süßem Gras. „Gut..Ich werde dir helfen. Wenn du es schaffst, in einer tiefen Mutterhöhle, aus deren Bauch alle Höhlen in unserer Gegend entstehen, einen Drachen zu finden und von ihm den Drachentrunk zu bekommen..dann..und nur dann..mag dein Vater vielleicht gerettet werden.“ sprach sie paffend und musterte ihn mit blitzenden Augen.
Der junge Mann wollte mit großmütigem Herzen losstürmen doch die Alte hielt ihn zurück.
„Hilf mir zuerst etwas Jüngchen. Hol aus der Grube Lehm..Forme eine Figur daraus und back sie einen Sonnen- und einen Mondlauf im Ofen hinterm Haus.“
„Was soll das bringen?“ erwiderte der Junge.
„Sie wird dir helfen den Weg zum Drachenhort zu finden.“ entgegnete die Alte nur.
Zweifelnd ging er zur Grube, hob den Lehm heraus, vermischte ihn bis er weich war mit Wasser vom Fluss, formte eine Puppe daraus und begann den Ofen anzuheizen , der klein und kugelig hinterm Haus wartete und nach gebackenem Brot roch. Die alte Hebamme aß mit ihm draußen im Kräuter und Gemüsegarten und der Duft von Salbei, Lavendel und Rosmarin lag noch in der Luft.

Die Alte sprach nicht, doch musterte sie den jungen Mann prüfend. Zum Sonnenaufgang war die Puppe fertig gebrannt.
Die alte Hebamme holte die Figur heraus und wies den Jungen an, sie anzumalen.
„Geb ihr Gestalt und deinen Wunsch.“sprach sie mit gackerndem Ton.
Der Junge tat dies. Er malte Spiralen in den Ton, in Grün und Blau, da sie ihn an saftige grüne Wiesen und blühende Bäume unter dem Himmel erinnerten. Rote Streifen standen für das wärmende Feuer, die Sonne, gesundes Blut. So verging eine Zeit und die Figur war bunt gemalt. Als sie trocken war, kam die alte Hebamme und zertrat die Figur, daß der Ton scheppernd krachte und in viele Stücke zersprang.

„Warum hast du das getan?“ rief er aus, böse sah er die Hebamme an.
Sie lachte wieder, doch ihr Blick war ernst.
“Ich habe dir deine Angst zerstört. Denn wenn du den Drachen finden willst, musst du ohne Angst sein. Geh mit meinem Segen nun.“
Und er spürte, nachdem er sie verlassen hatte, daß er wirklich keine Angst mehr verspürte.
Der Wald war tief und voller Täler und auch Anhöhen. Voller Geheimnisse die ihn locken oder zerstören konnten.
Immer tiefer ging er in den Wald, umgeben von knackenden Ästen, grasenden Hirschen und über ihn schwebte ein mächtiger grauer Falke.
Der Junge empfand dies als seinen Beschützer und so fand er in der tiefsten Stelle des Waldes eine Höhle, vor dessen Eingang ein Bach floss. Drei Frauen saßen da, spielten miteinander und lachten.
Ihre Kleidung schwebte wie Seegras im Wasser um ihre Körper, in ihren Augen schien die Tiefe der Seen zu sein.
Ihre Stimmen waren hell wie Glöckchen.
“Guter Jüngling, komm, spiel mit uns .“ riefen sie ihn an.
Doch der Junge spürte ein Unbehagen.
“Ich ehre euch, ihr Wasserfrauen, doch bitte ich euch um Segen auf meiner Weiterfahrt.“ sprach er voller Ehrerbietung.
Die drei Wasserfrauen schwebten zu ihm, wie Nebel der auf dem Wasser glitt, und umringten ihn. Bildeten einen Kreis und fassten sich an den Händen. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem Chor, der sang :“ Bei den alten Mächten bist du geborgen, mag der Weg noch so sein verworren. Wir segnen dich mit unserer Macht, sie hat schon vieles geschafft. Nun geh mit unserem Segen fort, hinein in den dunklen Hort.“

Sie verließen ihn, wie ein Gewitter das aufgezogen und wieder verschwunden war. Der Junge fühlte sich ermutigt und trat nun in die Höhle ein. Es war nicht dunkel, denn Steine und Mineralien leuchteten im sanften Schein um ihn her. Ein seltsames Flüstern erfüllte die warme Luft.
„Hallo?“ fragte der Junge in die vom Flüstern erfüllte Dunkelheit.
„Wir sind die Erde, umfangen stirb und werde. Wir sind eins mit unser Erde und sie trägt uns gerne. Menschenkind, gehe fort,
denn was suchst du hier an diesem Ort?“
Es klang in den Ohren wie ein Gedicht aus alten Sagen und Tagen.

„Ich komme von weit her, das Herz es ist mir in der Brust so schwer. Ich komme aus dem Dorf am Grund, mein Vater ist krank, wird nicht gesund.“
Weiter ging er hinab, fühlte sich in der Höhle und dem Gang sehr geborgen.
Sollte er nicht Angst haben? Immerhin näherte er sich einem Drachenort. Drachen waren alles, aber nicht gut. Sie waren mächtig und zauberreich. Schlau und uralt. Wesen des Feuers und der Luft mit glühendem Herzen und Schuppen hart wie die Klingen der Schwerter. Drachen waren Mächte, die man fürchten sollte, das wurde dem Jungen beigebracht.
„Geh weiter Kind, gut ist dein Wille, dein Herz wurd erkannt in der Stimme der Stille, zwischen Herzschlag und Herzschlag. Nun geh voran und wag.“
Die Stimmen der Steine verklangen und er blieb allein zurück, nur begleitet vom Leuchten der Mineralien. Der Junge trat immer näher bis er zu einem Gewölbe kam. Hoch wie das Innenschiff einer Kirche war es, hallte sein Schritt wieder. In der Mitte, umgeben von Rauchquarzen und Amethysten, saß an einem prasselnden Feuer eine Gestalt.
„Hallo..?“ Der Junge kam näher. “Tritt ruhig näher und wärm dich auf.“ sprach die Gestalt mit warmer Stimme.
Mit einem leichten Schauer den er nicht einordnen konnte, setze er sich zu der Gestalt ans Feuer. Er sah vor sich einen älteren Mann, der seltsam zeitlos wirkte, ohne daß man es genau ausmachen konnte wodran.
“Nach langer Reise sollte man sich an einem Feuer aufwärmen. Das sagten schon seid uralten Zeiten die Großmütter, da das Feuer Segen gibt.“sprach der Alte und rührte in einem großen aus Eisen gefertigten Kessel.
Es duftete herrlich und der Jüngling verspürte doch Hunger. Ohne seine Frage abzuwarten, gab der Alte ihm eine Tonschüssel.

Die Suppe, stellte der Junge beim Trinken fest, schmeckte krautig-würzig, und erfüllte nicht nur seinen Körper mit Wärme.
“Ich suche den Drachen der hier in dieser Höhle wohnen soll. Ich muss ihn besiegen um an den Drachentrunk zu kommen.“
Der alte Mann schnaubte, sah mit vom Feuer glühenden Augen zu dem Gast.
“So? Du glaubst, daß man alles besiegen muss was älter und magischer ist als du? So kommst du nicht weit und nicht an dein Ziel. „sprach der alte Mann mit grollender Stimme.“Alles was lebt ist Teil der Göttin Erde. Sie ist die Mutter von Frauen, Männern, Kindern, den Welten innerhalb der Welt. Vom Großen bis ins Kleinste. Ihr Gemahl ist der Himmel, in Liebe und Vertrauen begegnen sie sich jeden Tag in jedem was lebt.“
Tiefe Weisheit sprach aus dem Alten. Eine uralte Weisheit. Der alte Mann lächelte und seine Augen schimmerten grün wie das frische Gras. „Lebe eine Zeit bei mir Junge, und ich werde sehen wie ich deinem Vater helfen kann.“
So tat der Junge es. Der Alte lehrte ihn die Sprache der Mutter Erde, zeigte ihn das Sammeln von Heilkräutern zur richtigen Zeit, den Lauf des Jahresrades und die Zeichen des Sturmes. Während er all dies ihn lehrte, beobachtete er die Redlichkeit des Jungen. Er war flink im Denken, verstand all die Lehren aber auch im Herzen.

Er nahm das Wissen auf, wie die kleinen Kinder die Milch der Mutter. So verging die Zeit und der Junge vergaß seinen Wunsch den Drachen zu fangen und zu töten. Zu Zeit von Jule, der Wiedergeburt der heiligen Flamme und des heiligen Kindes, sprach er den Alten an.
“Ich habe viel bei euch gelernt Meister, nur nicht einen Drachen zu töten. Stattdessen lernte ich die Liebe zu allem was lebt. Würde ich ihn finden..ich würde ihn bitten mir zu helfen, falls es noch Hilfe für meinen Vater gibt.“
Der Alte nickte und entfachte mit seinem Atem ein Feuer in der Mutterhöhle. Die Schatten tanzten um ihn und der Alte wurde groß und größer. Bekam Schwingen und Schuppen. Uralt und mächtig stand der Drache nun vor ihm. Der Junge kniete in Ehrfurcht nieder.
„Helft mir, Flammenmeister, ich bitte euch..“
Der Drache kannte das Herz des Jungen, als Mensch hatte er ihn kennengelernt und er sah die Seele und den Ursprung den sie teilten. So gab der große weise Drache dem Jungen den Drachentrunk, ein Gemisch aus der Energie der Erde, den Flammen seines Drachenherzens, aus den Lüften der Berge und dem Wasser des entfernten Meeres.
„Gehe nun, und vergiss unsere Zeit nicht, unser gemeinsames Lernen nicht.“Der Junge umarmte den Drachen als er extra für ihn wieder menschliche Gestalt annahm, lang und innig. Dankte ihn für alles.
Der Weg nach Hause war voller Zeichen und Wunder und der Junge sah überall die Verbindungen des Lebens.
Die Schönheit in hell und dunkel. Als er das Haus seines Vaters erreichte und ihm den Trank des Drachen gab, wurde er im Dorf als weiser Mann anerkannt und geehrt.
Die Zeit verging und der Junge reifte mit den Jahreszeiten. Hin und wieder sah man bei ihm einen seltsamen alten Mann und sie saßen gemeinsam unter einer Birke. Dann flog segnend über dem Dorf ein merkwürdiger Schatten und diese Geschichte erzählt man sich bei uns im Dorf noch heute.

Ende

(Fotos und Geschichte von Veleda Alantia)

Schamanöser Beipackzettel, geschrieben von Richard Chao

22. April 2017

Ich hab in den letzten 4 Wochen genau 4 „Klientinnen und Klienten“ ablehnen müssen. Zum Einen finde ich lustig, dass nach einer gewissen Pause plötzlich so viele ungetriggerte Anfragen kamen (Liegt vielleicht am Frühling?), und zum anderen wollten alle das ungefähr gleiche, was mich auch zu einer kleinen Erklärung auf meiner fb-Seite führte, die ich hier nochmal wiedergeben und vielleicht erweitern will.

 

Was ist eine „Schamanische Behandlung“ (bei mir)

 In den meisten Fällen würde ich dich, nach mindestens einem Vorgespräch, „anreisen“. Dich als Person, System, mit deinem Umfeld. Um zu sehen oder wahrzunehmen, wie du als Person, System, mit Umfeld „drüben“ aussiehst. Manche Dinge, die hier schwer oder nicht erkennbar sind, sind drüben sichtbar und in der Regel auch manipulierbar.
Das ist die extrem simplifizierte Erklärung dessen, wie ich meistens vorgehe.
Viel wichtiger ist, was ich nicht tue (auch nicht, wenn du mich dafür bezahlen willst):

-Ich werde dir nicht deine eigenen „Diagnosen“ bestätigen sondern möchte im Gegenteil so wenig von dir über vermutete Hintergründe hören, wie möglich.

(Viele Interessenten kommen z.B. mit der bereits gefestigten Information, dass sie dämonische Anhaftungen haben, die beispielsweise auch sexuell an ihnen interessiert sind usw. . Ich schau mir das lieber selbst an.)


-Ich werde nicht mit dir streiten, wenn deine vorherige Eigendiagnose dir wichtiger ist als meine Reiseergebnisse

(Vielleicht hast du ja mehr recht als ich  , aber wozu dann streiten?)


-Ich bin nicht dazu da, dein Ego zu streicheln oder dich zu etwas „Besonderem“ zu krönen

(Kommt auch immer häufiger. Ich werde jetzt nicht die Phrase benutzen, dass ja jedes Kind etwas Besonderes ist, aber natürlich zeigen sich manche Dinge drüben, manche Menschen, anders als sie im materiellen Leben ausschauen. Gelegentlich auch unmenschlich. Aber das heißt nicht, dass man in diesem Fall eine total unmenschliche Wesenheit im Körper eines missverstandenen Menschen ist. Mags schon geben, aber ist doch eher selten. Bitte erwarte also nicht von mir, dass ich dir erkläre, dass du ein Drache, Engel, eine Fee, ein Bandwurm oder Odin im missverstandenen Menschenkörper bist. Dafür gibt’s ganze Horden anderer „Kollegen“, einen richtigen Tiergarten.)


-Bitte verschone mich mit Partnerrückführungen
(Nur der Vollständigkeit halber :D)


-Ich mache nur Seelenteilrückholungen wenn ich auch der eigenen Überzeugung bin, dass es da etwas gibt, was zurückgeholt werden kann/will/soll

(Die Konzepte der Seele(n), der Seelenteile, der Seelenrückholungen, Verluste usw. sind für mich ein sehr aktuelles und wichtiges Thema. Ich habe dazu eine sehr eigene und möglicherweise heikle Meinung, die nicht in das extrem simple Harner-Konzept passt. Hajo, mal eben nen Seelenanteil verloren, ma eben zurückholen und alles ist gut. Kannste schon machen, kann schon klappen. Bin ich aber der Falsche.

-Obwohl Schadens- und Verwünschungsmagie kein Tabu für mich sind, werde ich das in der Regel nicht machen, außer ich empfinde es für unser „schamagisches Verhältnis“ als zumindest taktisch oder strategisch notwendig. Wenn du dagegen ein Problem mit übergriffigen „Kollegen“ hast, bin ich genau der Richtige und in der Regel macht mir das auch richtig Spaß.

 

Organisatorisch ist noch Folgendes wichtig

-Terminabsprachen könnten etwas tricky sein, da ich gut beschäftigt bin. Aber eben nicht nur deshalb. Manchmal braucht es für eine bestimmte Sache eine bestimmte Zeit. Diese Zeit kann auch die Effektivität beeinflussen, ist also in deinem Interesse. Wenn du mir überzeugend darlegst oder ich in einem Vorgespräch der Meinung bin, dass es sich um eine akute Angelegenheit handelt, dann ist das was anderes.

(Ich habe keine Praxis, ich bin kein Heilpraktiker. Ich arbeite Vollzeit, pflege eine Art rudimentäres Sozialleben, habe Verpflichtungen, Ehrenämter, Hobbies. Manche Dinge müssen schnell erledigt werden, manche nicht. Und bei einigen, und das sind nicht wenige, ist wirklich auch eine bestimmte Zeit erforderlich)

-Ich bin kein Arzt, kein Heilpraktiker und vor allem bin ich kein Psychiater. Abgesehen davon darf ich diese Funktionen auch gar nicht wahrnehmen (wobei das letzte Beispiel oft sehr verlockend wäre)

-Ich bin im Allgemeinen ein möglichst höflicher und freundlicher Mensch. Ich erwarte von dir, dass du dich ähnlich verhältst, wenn du mit mir zu tun hast. Wenn dir das nicht möglich ist, kann ich dir gerne ähnlich gesinnte „Kollegen“ empfehlen.

(Und damit meine ich genau die Leute, von denen ich dir sonst abraten würde)

-Ich mache diese Sache nicht, um etwas zu verdienen. Ich setze zwar voraus, dass dir klar ist, dass es nicht umsonst ist, aber das ist nicht mein Fokus. Ich mache es aufgrund einer Berufung, und zwar im wörtlichen Sinne.

(Wenn du hier rauslesen kannst, dass ich mich nicht darum reiße, dann denk dir deinen Teil)

-Es kann sein, dass ich eine Einzelbehandlung ablehne und dir stattdessen anbiete, in einem mehr oder weniger kleinen Gruppenritual mitzuwirken oder dich dort schamanisieren zu lassen. Das kann spirituelle oder auch praktische Gründe haben (ich würde dir den Grund natürlich mitteilen). Da das nicht immer jedermanns Sache ist, können intime Informationen natürlich im Vorfeld besprochen werden oder es kann, wenn dies gar nicht gehen sollte, eine andere Lösung gefunden werden.

(Da das ein heikles Thema ist, kann hier aber immer eine Lösung gefunden werden)

Und noch etwas zum Schluss. Du bist bei mir sicher.
(Das mag eine blöde und nichtssagende Phrase sein. Für mich ist es das nicht. Was ich beginne, das bringe ich sinnvoll zu Ende. Für die schamanische Arbeit bin ich in der Rolle genau dieser Instanz die zwischen dir und Problemen mit „der geistigen Welt“ steht.)

Editorial

15. April 2017

Well met, alle zusammen!

Die Feiertage sind da und das eher mässige Wetter ebenso – von der restlichen Lage kann ma nur sagen, dass wir alle mit einer Bombenstimmung konfrontiert sind (um es mal positiv auszudrücken). Da möchte mensch frank davonlaufen, nur wird´s schwierig mit dem „wohin“ …

copyright Ferdinand

In unserem Update beschäftigen wir uns wieder einmal mit Literatur. Maras Mehrteiler „Fantasy und Neuheidentum“ erfährt eine weitere Fortsetzung, diesmal Teil XI.
Der Teil II von Yvonnes „Die dreifache Göttin“ vervollständigt unseren dieswöchigen Lesestoff.

Wie immer wünschen wir Euch viel Vergnügen und uns Eure Kommentare.
Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Fantasy und Neuheidentum – Teil XII, geschrieben von Mara

15. April 2017

Mary Mackey, geboren 1945 in Indianapolis, USA, studierte an der Harvard Universität und ist Professorin für Englische Literatur an der California State University in Sacramento. Sie hat neben ihrer Lehrtätigkeit zahlreiche Romane, Gedichtbände und Drehbücher verfasst. Im Jahr 1981 gründete sie zusammen mit anderen Autorinnen die Feminists Writers Guild.

Die hier vorgestellten Romane können genausogut in das Genre des Historischen Romans eingeordnet werden, zumal sie ja bei der Beschreibung der dargestellten Gesellschaften Exaktheit beanspruchen. Da aber hier die Magie (in gewissen Grenzen) wirksam ist, die Große Göttin durch Träume und Visionen zuweilen direkt in die Handlung eingreift und die Zaubereien der indoeuropäischen Priester-Schamanen ebenfalls als wirksam beschrieben werden, ist es nicht ganz falsch, sie auch unter der Überschrift Fantasy zu besprechen.

Alle vier Romane beschreiben die Konfrontation zwischen matriarchalen und patriarchalen Gesellschaften. Kornmond und Dattelwein (1983) spielt in Mesopotamien im Jahr 3643 v.u.Z., als die patriarchalen Sumerer eine vorher dort existierende matriarchale Kultur erobern und überformen. Besonders beeindruckend im Roman finde ich die Beschreibung des Zagrosgebirges östlich von Mesopotamien, das heute im Iran liegt. In der Gegenwart ist es eine trockene Halbwüste. Damals aber, und das ist durch Pollenanalysen tatsächlich belegt, war es ein dichter, subtropischer Feuchtwald. Offenbar ist diese reichhaltige Vegetation durch Überweidung, zunächst mit Schafen und Ziegen, vollständig zerstört worden.

Die drei Romane Im Jahr der Pferde (1993), Die Schmetterlingsgöttin (1995), Das Lied der Erde (1998) gehören zusammen und werden im Englischen als Earthsong-Trilogy bezeichnet. Im Deutschen haben sie keinen bestimmten Namen. Sie beschreiben die Konfrontation zwischen den matriarchalen Kulturen Alteuropas und der patriarchalen indoeuropäischen Kultur.

Mary Mackey orientierte sich bei ihrer Beschreibung Alteuropas und der Indoeuropäer an den Theorien von Marija Gimbutas, die sie insbesondere in ihren Werken Die Sprache der Göttin und Die Zivilisation der Göttin ausgearbeitet hat. Frau Mackey hatte zudem Marija Gimbutas (1921-1994) noch persönlich gekannt und sie bei den Recherchen für ihre Trilogie mehrfach getroffen. Dass es gelungen ist, ihre Theorien in eine dramatische Handlung umzusetzen, belegt der Kommentar von Marija Gimbutas zum ersten Band, der 1993, ein Jahr vor ihrem Tod erschienen ist: „Brilliant, accurate … an unforgettable work of fiction that provides much more than entertainment … Mary Mackey truly has a researcher’s precision combined with a storyteller’s magic.” (http://marymackey.com/praise-for-mary-mackeys-novels/)

Der erste Roman beginnt im Jahr 4372 v.u.Z.. In ganz Europa existiert eine matriarchale Kultur friedlicher AckerbäuerInnen, die die Große Göttin in verschiedenen Gestalten verehren. Das Mädchen Marrah aus dem Dorf Xori in der heutigen Bretagne entdeckt an der Küste ausgerechnet am Tag ihrer Volljährigkeitsfeier den schiffbrüchigen Stavan, der aus einer völlig anderen – patriarchal geprägten – Kultur von indoeuropäischen Reiternomaden kommt, die für das friedliche Alteuropa eine tödliche Bedrohung darstellen können.

Aufgeschreckt durch seine Erzählungen und die Visionen ihrer Mutter, der Priesterin Sabalah, machen sich Marrah, ihr Bruder Arang sowie Stavan auf den weiten Weg von der Bretagne in die Steppen des Ostens, um mehr über diese Reiternomaden herauszufinden, so die Inhaltsbeschreibung in der Wikipedia.

In den ersten zwei Dritteln von Im Jahr der Pferde beschreibt Mary Mackey diese Reise und lässt das Panorama einer längst vergangenen Zivilisation wieder auferstehen. Auch beschreibt sie eine „leere Erde“, die noch nicht vollkommen von den Menschen beherrscht wird und wo noch große Regionen in ihrem natürlichen Zustand sind. Das Küstenvolk Marrahs lebt, wie der Name bereits andeutet, an den Küsten der heutigen Bretagne. Es ist die Bretonische Megalithkultur, die u.a. das Alignment von Carnac errichtete. Wenige Siedlungen erstrecken sich noch die Küste herunter bis zum Mündungstrichter (Ästuar) der Ibai Nabar (Gironne). Dann aber wird beschrieben, dass sich auf der ganzen Strecke zwischen Ibai Nabar und Blauem Meer (Mittelmeer) ein riesiger, fast völlig unbewohnter Wald befindet. Im Atlantikum, der Zeitepoche, in der der Roman spielt, war das ein lichter Eichen-Eschenwald. Hier lebten nicht nur die üblichen Wildtiere, die heute meistens ausgestorben sind, wie Bären, Wölfe, Auerochsen, Wisente sondern sogar noch Löwen! Mitten in diesem Wald liegen die Höhlen von Nar. Das ist eine der bekannteren französischen Bilderhöhlen aus dem Paläolithikum. Die Menschen Alteuropas wissen, dass die Wandbilder schon vor sehr langer Zeit geschaffen wurden, beziehen sie aber in ihren gegenwärtigen Glauben mit ein, zumal ja die Göttin die gleiche war, nur in einer anderen Form. (siehe dazu Gimbutas 2006, S. XIX)

Im Roman wird beschrieben, dass die Menschen dieser Zeit bereits hochseetüchtige Boote hatten, die als Raspas („Heilige Vögel“) bezeichnet werden. Im Vergleich zu moderneren Schiffen waren sie klein und schwer zu steuern, sie hatten aber immerhin schon ein großes Gaffelsegel aus Leinen. Die Völker des Blauen Meeres betrieben mittels dieser Schiffe bereits einen schwunghaften Tauschhandel. HändlerInnen konnten sowohl Männer als auch Frauen sein. Es kam dennoch nicht zur Entstehung von Reichtumsunterschieden, da diese Schiffe von den Dörfern und Städten gemeinsam betrieben wurden und die Menschen in verzweigte Clanstrukturen eingebunden waren. Geld gab es ja ohnehin noch nicht.

In der Stadt Itesh auf Gira (Sardinien) erleben Marrah, Stavan und Arang ein rauschhaftes, orgiastisches Fest zu Ehren der Schlangengöttin mit einem spektakulären, mehrere Tage dauernden Schlangentanz, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt.

Anschließend reisen Marrah, Stavan und Arang über Italien und die Adria weiter nach Osten und erreichen den Rauchfluss (Donau). Dort sehen sie die Wunder der Donauzivilisation mit ihren Tempeln, der ausgefeilten Keramik, der Metallverarbeitung und der Schrift.

Es wird im Roman dargestellt, dass es bereits in Alteuropa am Mittelmeer und im Balkan eine hochentwickelte städtische Zivilisation gab.

Die Stadt Shara, das vorläufige Ziel der Reise, liegt am Süßwassersee (Schwarzes Meer) südlich der Donaumündung etwa auf der Höhe des heutigen Varna (Bulgarien). Dort verweilen die Reisenden längere Zeit. Das gibt Gelegenheit, die Sozialstrukturen und Bauten einer größeren Siedlung zu beschreiben: Wie eine Königin von der Bevölkerung gewählt wird, wie der Rat der Stadt in schwierigen Situationen Entscheidungen trifft, wie ein Geburtstempel aussieht etc.

Anschließend reisen sie weiter in die südrussischen Steppen und werden von dem Stamm der Hani, der indoeuropäischen Reiternomaden, gefangen genommen. Während Stavan seinen Platz als Sohn des großen Häuptlings wieder einnimmt, aber merkt, wie sehr er sich verändert hat, wird Marrah zwangsweise zur Nebenfrau eines Unterführers namens Vlahan gemacht. Anhand dieses Beispiels wird die Gewalttätigkeit und Frauenverachtung der Indoeuropäischen Gesellschaften beschrieben, die ja ebenfalls durch archäologische Ausgrabungen belegt ist und sich auch aus Vergleichen mit der vedischen Mythologie ergibt.

An Ende des ersten Bandes können Marrah, Arang und Stavan fliehen. Im zweiten Band wird dargestellt, wie die BewohnerInnen der Stadt Shara mit letzten Kräften eine großangelegte Invasion der Hani abwehren. Wie sich aber im dritten Band Das Lied der Erde zeigt, konnten sie den Niedergang Alteuropas nur um wenige Jahre aufhalten: Marodierende Reiternomaden streifen immer wieder durch das Land, die Kinder von Shara werden zu ihrer eigenen Sicherheit auf die Insel Alzac (vielleicht die heute St. Ivan genannte Insel bei Burgas) geschickt, patriarchale Vorstellungen sickern immer stärker nach Alteuropa ein, der Ackerbau wird durch die Unsicherheit zunehmend erschwert.

Möglicherweise hat Mary Mackey die Beschreibung Alteuropas etwas idealisiert, was dann den Kontrast zu den Indoeuropäern umso schärfer erscheinen lässt. Immerhin scheint ja Marija Gimbutas mit ihren Beschreibungen einverstanden gewesen zu sein.

Diese Romane bergen, genau wie die von Stefanie von Schnurbein besprochenen, eine Menge Sprengstoff. Wie ich bereits im Artikel zu den Megalithkulturen Nordhessens erwähnt habe, sind die Herkunft der Indoeuropäer und die Frage, ob es ein weitverbreitetes Matriarchat in der Vorgeschichte der Menschheit gab, in der Wissenschaft hoch umstritten und haben immer auch eine politische und ideologisch-weltanschauliche Dimension.

Während in den 90er Jahren nach ihren Tode das Werk von Marija Gimbutas gänzlich verworfen wurde und die Anatolien-Hypothese (Herkunft der Indoeuropäer aus Anatolien) von Colin Renfrew weit dominierte, ist die Situation heute nicht mehr so eindeutig. Immerhin hat sich mit David Anthony ein angesehener Archäologe praktisch für die Kurganhypothese, also für den Ursprung der Indoeuropäer in der südrussischen Steppe ausgesprochen. Harald Haarmann zählt in seinen Büchern weitere AutorInnen und eine überwältigende Anzahl von Indizien für die Kurganhypothese auf, die sich jetzt sowohl auf geographische, als auch auf linguistische, archäologische und genetische Belege stützen kann (vgl. Anthony 2007, S. 39ff, Haarmann 2010a, S. 154ff, Haarmann 2010b, S. 17ff, Haarmann 2011, S. 230).

Etwas anders sieht die Frage dem Charakter der Gesellschaft Alteuropas aus. Bisher hat von den jüngeren WissenschaftlerInnen außerhalb der modernen Matriarchatsforschung nur Harald Haarmann die Gesellschaften der Donauzivilisation aufgrund von zahlreichen Belegen unumwunden als matristisch in der Definition von Gimbutas bezeichnet, also als egalitäre Gesellschaften mit einer zentralen Stellung der Frau (vgl. Haarmann 2011, S. 150ff). Genau das ist aber die Definition von Heide Göttner-Abendroth für den Begriff Matriarchat. Alle anderen WissenschaftlerInnen lehnen die Vorstellung einer in diesem Sinne matriarchalen alteuropäischen Gesellschaft vehement ab, auch und gerade David W. Anthony.

Besprochene Romane

Mary Mackey: Kornmond und Dattelwein, Frankfurt am Main 1987 (Erstveröffentlichung 1983 unter dem Titel The Last Warrior Queen)

Mary Mackey: Im Jahr der Pferde, München 1997a (Erstveröffentlichung 1993 unter dem Titel The Year the Horses Came)

Mary Mackey: Die Schmetterlingsgöttin, München 1997b (Erstveröffentlichung 1995 unter dem Titel The Horses at the Gate)

Mary Mackey: Das Lied der Erde, München 1999 (Erstveröffentlichung 1998 unter dem Titel The Fires of Spring)

Sekundärliteratur

David W. Anthony: The Horse, the Wheel, and Language, Princeton und Oxford 2007

Marija Gimbutas: The Civilization of the Goddess, San Francisco 1991

Marija Gimbutas: The Language of the Goddess, New York 2006

Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation, München 2011

Harald Haarmann: Weltgeschichte der Sprachen, München 2010a

Harald Haarmann: Die Indoeuropäer, München 2010b

Während in diesem Teil die positiven Aspekte der Matriarchatsromane von Mary Mackey herausgestellt wurden, geht es im nächsten Teil um Kritik an diesen Romanen sowohl um eigene als auch um Kritik aus der Wissenschaft.