Editorial

18. November 2017

Well met, alle zusammen!

Der erste Schnee hat sich schon eingestellt, die ersten Nachtfröste auch schon und natürlich lauert auch schon die Weihnachtsbeleuchtung an allen Einkaufsstraßen (Weihnachtsgebäck brauchen wir ja nicht zu erwähnen, das gibt´s ja schon seit Oktober zu kaufen). Jahreszeiten, Feiertage, Jahreskreisfeste … wie schauen sie aus, warum feiern wir sie. Vielleicht nicht so schlecht, sich darüber ein paar Gedanken zu machen.

In unserem heutigen Update sind wir alles andere als weihnachtlich. XVII hat für uns seine Geschichte „Der Necromant“ weitergeschrieben (den Anfang findet ihr im RegenBogen „Der Necromant„).
Der Teil II von Uwes „Meditation … um Gottes Willen“ vervollständigt den Lesestoff dieser Woche.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und falls Euch zu den Themen „Feste“ irgend ein Gedanke kommt, lasst Euch bloß nicht aufhalten, den aufzuschreiben und mit uns zu teilen. Einfach an redaktion klammeraffe wurzelwerk Punkt at schicken …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Der Nekromant – Fortsetzung, geschrieben von XVII

18. November 2017

 

Warum wir hier sind…ist mir nicht ganz klar.

Sicher, Kirche…ja, beeindruckend. Aber eben…warum ausgerechnet hier in einer der größten Kirchen Österreichs, dem Stephansdom?

Ich sitze auf einer Kirchenbank in den hinteren Reihen.

Einige Gläubige und vor allem viele Touristen sind hier.

Aufgeregt werden Skulpturen betrachtet oder in versunkener Stille ein Kerzchen als Opfergabe angezunden.

Schon gigantisch. Man fühlt sich automatisch klein. Mächtig.

Aber auch düster hier.

Flower sitzt neben mir, hat die Augen geschlossen. Schweigt.

Ich schließe auch die Augen. Wir sitzen ruhig einige Minuten nebeneinander.

Ich öffne die Augen.

Flower lächelt sanft. Sieht mich an. Flüstert:

-“Chad…wie ist das für dich so…hier in einer Kirche?“

„Ich weiß nicht so recht. Ich bin schon christlich aufgewachsen, aber ich kann mit der christlichen Kirche einfach nichts anfangen, also mit der Religion und…“

-“Was nimmst du wahr?“

„Es ist groß…düster, das Licht wirkt unecht, welches durch die Kirchenfenster bricht, es ist…hm… Trauer hier, Frust, aber auch Erleichterung, ich denke es wird viel hier gelassen an, ja ich weiß nicht, Gefühle…es ist auch Hoffnung hier, also ich spüre sowas wie Hoffnung…“

-“Was, wer ist der Christengott für dich, Chad?“

„Sicher nicht dieser bärtige alte Mann, der auf einer Wolke sitzt…“

Ich lächle sie an.

-“Nein, das sicher nicht…aber wie nimmst du das Allmächtige, von dem die Christen sprechen, wahr?“

„Ich weiß nicht. Ich…ich hab da nicht so den Zugang dazu, vor allem zu derlei Gottesform.“

-“Wir könnten an jedem Platz der Welt sein, aber nun sind wir hier. Chad, ich möchte, daß du dich in einen gnostischen Zustand begibst und den Christengott anreist.“

„Den Gott?“

-“Ja. Such dir hier einen Platz an dem du das ungestört machen kannst. Ich bleibe derweil hier und nachher kommst du wieder und erzählst mir deine Wahrnehmungen.“

„Gut. Ok. Ich finde es komisch, aber…“

-“Tu es Chad. Mach es einfach.“

Ich stehe auf und gehe in der Kirche umher…ich gehe nach vorne und setze mich wieder, genau dort wo das Licht von außen gerade sich auf einer Bank spiegelt. Die Reihen vor mir und hinter mir sind leer. Ich habe das Bedürfnis mich zu schützen. Ziehe um mich gedanklich einen Kreis. Merke, wie mir das schwer fällt, als würde ich etwas stören, oder etwas nicht einverstanden sein. Ich versuche dem mehr Kraft, mehr Nachdruck zu verleihen. Verkleinere den Kreis, versuche mich mehr auf mich zu konzentrieren, von Innen nach Außen. Schließe die Augen. Überraschenderweise bin ich schnell…wie weggetreten. Anderer Ort. Hell. Viel zu hell. Blau, wie lächerlich. Kitschiges Blau. Und viele Wesen. Ich spüre ihre Anwesenheit. Aber sie sind weit weg. Ich fühle mich schwebend im Raum. In einem mit klarem Licht durchfluteten Raum. Gott. Gott, wo bist du, Gott.

Das Licht wird noch heller. Viel zu hell. Eine unglaubliche Kraft. Alles durchdringend. Ich fühle mich hilflos. Schwach. Zwei Gestalten erscheinen neben mir. Engel? Ich habe schon mit Engeln gearbeitet, aber noch nie sah ich sie so, wie sie sich mir gerade zeigen. Überdimensional groß.

Wie Türsteher. Vor einer Insiderdisco. Der eine sieht mich mit finsteren Blick an.

–“WAS IST DEIN BEGEHR, CHAD?“

Eine mächtige Stimme, die meinen Körper zum Vibrieren bringt. Ich spüre die Stimme überall. Er hat dazu nicht mal seinen Mund geöffnet. Ich spüre was er sagt. Ich bin erfasst von seiner Stimme.

Fast unbeholfen und, ja…leicht eingeschüchtert meine ich: „Gott, ich will zu Gott reisen, will ihm begegnen.“

–“GOTT ZU SCHAUEN IST DIR NICHT MÖGLICH.“

„Aber…“

–“NICHT NUR DIR. DU KANNST ALS MENSCH GOTT NICHT IN SEINER FORM GANZ ERFASSEN.“

Der zweite Engel meldet sich ebenso zu Wort. Seine Stimme klingt sanfter, das Vibrieren auf meinem Körper ist anders…nein, es ist weniger ein Vibrieren, es ist nun als würden seine Worte wie Farben auf meinen Körper niederregnen und die unterschiedlichen Regionen meines Körpers erwärmen. Es ist als würde Licht zu mir sprechen.

—“CHAD; WÄHLE NICHT DEN WEG VON FLOWER. DAS IST UNSERE BOTSCHAFT NUN DARFST DU WIEDER GEHEN.“

„Wie, was…was heißt…“ Sie verschwinden plötzlich. Und wie vom Blitz getroffen bin ich schlagartig wieder in der Kirche. Ich zucke hoch.

„AAHHH….“

Ein Tourist mit fetter Kamera, die um seinen Hals baumelt, schaut mich entgeistert an.

Ich kann noch das Licht, die Farben auf meinem Körper spüren. Noch die Stimmen hören, als wäre da noch ein Echo, ein Widerhall.

Der Tourist tut nun so, als hätte er mich nicht gesehen und schaut auf die Wand.

Ich blicke auf meine Hände. Es kribbelt.

Ich stehe langsam auf und gehe wieder zurück zu Flower.

-“Nun? Chad?“

„Ich bin vor dir gewarnt worden.“

Ich schau ihr tief in die Augen.

-“Nein, das ist so nicht richtig, Chad. Sie haben dich nicht vor mir gewarnt, sondern nur gemeint, du sollst nicht meinen Weg gehen. Und da haben sie recht. Chad, gehe nicht meinen Weg.“

„Wie, was, ich bin verwirrt? Bitte, klär mich auf. Was soll das?“

Sie berührt meine Hand. Hält sie. Lächelt mich aufmunternd an.

-“Gehen wir mal in die Richtung der Katakomben. Wir sind wegen der Katakomben hier.“

Wir bewegen uns langsam. Sie schweigt. Kurz vor dem Abgang bleiben wir stehen.

Abgesperrt. Gitter. Daneben eine Tafel mit den Zeiten an denen jeweils eine Führung stattfindet. Heute ist keine mehr.

-“Wir werden nun in einen unserer Ritualräume gehen. In die Katakomben. Auf dem Weg dorthin erkläre ich dir alles, alles was du möchtest.“

„Es ist zu. Ritualräume? Hm?“

Sie wedelt mit einem goldenen großen Schlüssel vor meiner Nase rum.

-“Der Schlüssel sperrt, aber er ist nur als Symbol zu sehen. Wir dürfen den Zugang nutzen. Natürlich wäre es ein Leichtes auch ohne diesen Schlüssel reinzukommen, aber wir haben auch Regeln und an die halten wir uns auch.“

Sie sperrt auf. Öffnet die Tür. Mit weiträumiger Geste bittet sie mich ihr zu folgen.

Sie schließt wieder hinter mir. Versperrt die wuchtige Tür.

Sie schnippt mit dem Zeigefinger…und es geht Licht an.

-“Ach, das…das war jetzt nichts Magisches. Ist so ein geräuschgesteuertes Modul, welches das Licht angehen lässt. Magie der modernen Technik.“

„Komm, Flower, jetzt lass mich nicht länger im Ungewissen.“

Wir gehen durch einen langen Raum. Am Ende sehe ich eine weitere Tür.

Es riecht modrig. Es ist feucht.

-“Gut, gut…also ich versuche es Dir zusammenzufassen. Damit du rasch einen Überblick hast und dann kannst ja noch immer nachfragen.

„Ok. Leg los.“

-“Daß ich mich nicht ganz nach meinem körperlichen Alter verhalte ist dir ja schon aufgefallen. Und das ist auch so. Ich bin tatsächlich viel….viel älter. Ich hab schon in Wien gelebt, als hier nur Kutschen gefahren sind, als es hier noch…nun ja, nicht mal elektrisches Licht gab und als hier hm…auch die Pest zigtausende Leute hingerafft hat. Mich auch…fast. Aber nur fast. Ich zähle meine Geburtstage schon lange nicht mehr. Alle paar Jahre ziehe ich um, ändere meinen Realnamen…nur als Spitznamen behalte ich mir…Blume vor. Bluoma …nannte man mich früher, vor langer, langer Zeit. Aber ich bin ja auch eine moderne Frau und deswegen, also…Englisch „Flower“ finde ich doch ganz gut.“

Wir stehen vor Gittern. Hinter den Gittern sind Gebeine zu sehen. Zahllose Knochen.

-“Hier würde ich wohl auch liegen. Sind durch Pest Verstorbene. Ich bin gerettet worden. Vielleicht wäre es auch besser, wenn ich damals verstorben wäre. Ich…es ist schwer so lange zu leben. Ich habe es zunächst genossen, aber ich habe auch fürchterliche Sachen gemacht, Chad, Grausames. Iver hat mich davon befreit. Er hat mir ein neues Leben geschenkt. Er hat mich zum ersten Mal Sachen sehen lassen, die ich davor nicht kannte. Ich war eine sehr verbitterte Frau. Eine verbitterte Frau, die unglaubliches Talent hatte was Zauberei und Magie betraf. Eine miese Kombination.

Ich hab mich in den Dienst von Mächten gestellt, die sich gegen das Leben und gegen den Menschen richteten. Mir war Ansehen, Gold und Vergnügen wichtig. Irgendwann erkannte ich, daß sowas wie ein Fluch auf mir lastete. Eine alte Frau hat mir damals das Leben gerettet. Aber es war an Bedingungen geknüpft…die ich über lange Zeit zu erfüllen hatte, was mich veränderte und mich zu einem grausamen gierigen Weib machte. Letztlich konnte ich mich von der Frau lösen und die Verpflichtungen auch magisch beseitigen, aber…meine Gier und mein Hass blieben. Lange. Bis ich auf Iver traf. Ich hatte den Auftrag ihn zu töten. Ich unterlag aber im Kampf. Er allerdings verschonte mich. Ich wollte und bettelte, daß er mich töten solle…aber er….er nahm nur meine Hand. Er fuhr mir durchs Haar. Wortlos. Ich erinnere mich noch genau an diese Szene. Dann küsste er meine Stirn. Half mir mich vom Boden zu erheben. Ich taumelte. Er stützte mich. Und das tut er bis heute. Nein, Chad. Wähle nicht meinen Weg.“

Ich bin wortlos. Was soll ich auch zu so einer Geschichte sagen.

Wir gehen weiter. Folgen einigen Verzweigungen, bis wir schließlich in einen festlich geschmückten Raum gelangen.

-“Das ist unser Ritualraum.“

„Wie kommst du an den Schlüssel und warum haben wir einen eigenen Ritualraum in den Katakomben?“

-“Der Schlüssel ist ein Abkommen mit der christlichen Kirche. Der Raum auch. Wir mischen uns nicht in ihre Angelegenheiten und sie sich nicht in unsere. Wir können aber hier den Raum nützen. Dafür darf Iver nie wieder eine Kirche betreten…und die Katakomben nur durch einen externen Zugang.“

„Ich bin verwirrt. Auch, daß du meinst schon einige Jahrhunderte zu leben.“

-“Es gibt Sachen, die leider wirklich verwirrend sind, nicht alltäglich und weit, weit ab von dem was wir als Realität wahrnehmen. Und es gibt halt Extreme, die die Realität ordentlich durchschütteln, das ist halt kein Niveau hier, wo wir mal Frühstückseier aus nem Tuch zaubern und das Huhn dazu in nem Hut verschwinden lassen und die Zuschauer dazu belustigt applaudieren. Oder wie es Jugendliche heute wohl sagen….“krasses Zeug, Alter“.“

Sie nimmt eine Flasche aus einer Kiste. Öffnet sie.

Schenkt die Flüssigkeit in zwei Gläser ein.

Stellt mir eines hin.

„Was ist das?“

-“Hm….krasses Zeug!“ Und lächelt.

Ich nehm das Glas trinke einen Schluck und meine:

„ALLLLLLTER!“

-Fortsetzung folgt-

  • Autor: XVII

[Bilder: wikicommons: Nordostansicht des Stephansdomes in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien © Bwag/Wikimedia , Grab des Kaisers Friedrich III von Niclas Gerhaert van Leyden im Wiener Stephansdom, Fotograf: Uoaei1]

Meditation? Um Gottes Willen… Über ein schwieriges Unterfangen – Teil II, geschrieben von Uwe

18. November 2017

 

Bild könnte enthalten: 1 Person, lächelnd, sitzt, Kind und Schuhe
Hm. Der war hartnäckig. Muss nachher auf das Display schauen, wer angerufen hat….
Okay, ich sollte doch auf den Atem schauen.
Kommt und geht, kommt und geht, kommt und…

…jetzt weiß ich es, ich wollte mit meiner Mutter zum Arzt fahren.

Das war meine Mutter. Scheiße.
Die hockt daheim und wartet dass ich komme.

Herrgott nochmal, in meinem nächsten Leben will ich keine Familie.
Dann kann ich gut meditieren.
Wenn du Familie hast, dann hast du immer zu tun.
Ich kann verstehen, dass manche Leute ihre Familien umbringen.
Auch wenn es ja nicht wirklich gut ist, so was zu tun.

Okay, ich habe eine Idee. Ich nehme mir fest vor, in meinem nächsten Leben sofort als Waisenkind aufzuwachsen. Also, das wäre nicht schlecht. Dann muss ich später nicht mit der zum Arzt fahren.
Oder besser, ich will so hässlich sein, dass meine Mutter einen Schreikrampf bekommt und mich stantepede zur Adoption freigibt.

Dann will mich keiner haben, ich komme ins Pflegeheim für schwer vermittelbare Kinder….
…ääääh… öhhh

Ne, auch nicht so toll. Wer weiß, wo ich hinkomme.

Dann adoptiert mich vielleicht der Erdogan und hält mich in seinem Ziegenstall.
Ne, nicht richtig gut.

Warum denke ich jetzt überhaupt darüber nach, was ich im nächsten Leben sein will oder was ich eventuell werde? Nur weil meine Mutter angerufen hat?
Vielleicht war sie es ja gar nicht. Vielleicht hat sie ja schon einen Herzinfarkt bekommen. Oder ist mit dem Taxi zum Arzt gefahren… Was denke ich da eigentlich grad für ne Scheisse zusammen?

Ich wollte doch meditieren. MEDITIEREN…MEEEEDIIIITIEEEEEREN…

Dieser Buddha hat seinen Jungs doch auch nur gesagt, sie sollen sich unter einen Baum oder in eine leere Hütte begeben, sich hinsetzen, die Beine kreuzen, den Rücken gerade machen und auf den Atem achten. So schwer kann das verdammt noch mal doch nicht sein.
Wieso gelingt es mir nicht, eine solch einfache, poplige Anweisung umzusetzen?

Ach was soll das. Die spinnen doch alle.
Das war auch eine ganz andere Welt damals, zu Buddhas Zeiten.
Heute ist das alles so komplex.
Alles ist verdrahtet und vernetzt.
Jeder hängt am anderen, zumindest mit dem Smartphone verbunden oder per WhatsApp.
Ich kann ja kaum das Handy ausmachen, schon gar nicht das Telefon abhängen. Vielleicht bekomme ich ja gleich eine super wichtige Message.
Oder meine Mutter ruft an. Wie gerade eben.

Wie soll man da anständig zum „meditieren“ kommen?
Um Himmels willen.
Die hatten es damals echt viel einfacher als ich armer Tropf heute.
Ständig auf Speed muss man sein. Immer erreichbar. Für alle. Besonders für Mütter.
Unvorstellbar, damals. Damals warst du halt ratzfatz mit 40 uralt und mit 50 tot. Heute werden Mütter locker 120 und überleben dich im Extremfall.

Außerdem wussten die damals im alten Indien ja im Prinzip nichts.
Völlig ahnungslos waren die.
Die haben null geschnallt, enger Horizont, geistig grenzdebil.

Ich dagegen weiß alles in Nullkommanix, das Internet gibt alles preis.

Ich kenn´ mich mit der Philosophie Hegels ebenso aus wie mit Kants „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“.
Was allerdings bitter war.
Der gute Kant wurde trotzdem Dement. Seine ganze Verstandeskraft hat ihm nix genützt.

Die Physik der Quantenmechanik ist mir ebenso nah und vertraut wie die Theorie der dunklen Materie, ich habe schon von schwarzen Löchern gehört, von Pulsaren geträumt und Schrödingers Katze kann ich streicheln wann ich will. Die Muschi der Nachbarin sowieso.

Und wenn ich Bock habe, mir einen Ring durch den Pimmel zu stanzen, an dem ich von meiner liebevollen Domina durch den Swinger Club geschleift werde während Natursekt auf mich niederplätschert, so steht es mir frei genau das zu erleben.

Hauptsache Markus singt in der Dauerschleife „Ich will Spaß ich geb´ Gas“ und Manfred, der Esoterikguru, der mit viagrasteifem Ständer nebendran steht zwitschert „Deine Scham und Schuldgefühle sind ein reiner Egotrip, vergiss sie“ und „Wenn es deinem wahren Wesen entspricht, dann fühlst du es“.

Ich wollte doch meditieren.
Jetzt sitze ich hier auf meinem Kissen und denke Schwachsinn.

Himmel, so ein Mist, warum ständig diese Gedanken? Und dann so bescheuerte.

Ich fühle mein wahres Wesen…oh yeah.
Nur, welches „Wahre Wesen“ soll ich „wahrlich“ fühlen?
Dass, was es war, als es ein Jahr alt und an der Titte hing, sich wohlfühlte und ab und an rülpste?
Oder jenes, was sich fürchtete, als es das erste Mal in einen Kindergarten kam?

Ach was… es geht nicht um ein „wahres Selbst“, das soll es ja nicht geben.
Mir reicht mein imaginäres Selbst, das mich grade zur Weißglut treibt, während ich „meditiere“.

Ich habe die Schnauze voll. Da sitze ich und denke statt zu meditieren.

Zu blöde, was soll das, das kann ja zu nix führen.
Meditieren… so nen Scheiß…

…womöglich bekommt man auch noch Hämorrhoiden davon.

Oder keinen mehr hoch.
Oder die Kniescheibe verreckt.

Ach lass´ mich.
Ich geb´ auf. Meditation ist nix für mich.

Es reicht doch völlig aus, dass der Buddha sich durch den ganzen Dreck gequält hat. So was muss ich mir nicht antun. Andere Zeiten eben sind das heute. Andere Sitten. Leiden? Ach so ein Quatsch. Ich leide im Moment unter meinen Gedanken. Ohne die wäre das alles nicht so. Nein. Ohne das Hinhören zu meinen Gedanken wäre da kein Leiden.
So ist das. Fertig. BASTA…
…ich höre auf. Das bringt nix.
Ich zerhacke den Holzbuddha, den ich mir auch kürzlich gekauft habeund verbrenne damit mein Kissen. Finito. Schluss mit meditieren.

Und morgen leih ich mir einen Porsche. Fahre ganz entspannt und meditativ mit 250 Sachen über die Autobahn nach Hamburg, zieh´ mir ´ne rote Robe an und geh´ ins nächste Buddhistenzentrum. Dort schwebe ich ein, sag´ ab und zu ganz entspannt Ommanipemehung und schmeiß mit 50 Euro Scheinen rum. Da stehen die Weiber drauf. Und lass mich völlig umsonst und voll tantrisch bereiten. Goil.

Keinen Nutzen
Muss auch niemand glücklich werden mit

Editorial

11. November 2017

Well met, alle zusammen!

Grad häufen sich Diskussionen um Moral und Ethik … sehr interessant für diese Zeit des Jahres auch bestens geeignet, wie ich denke. Für die einen schaut das so aus

und sie fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt, aus- oder eingeschlossen, auf jeden Fall von AUSSEN bestimmt. Andere sehen das eher als


Begrenzung, die man selber aufstellt und zwar dort, wo sie einem sinnvoll und nötig erscheint. Selbstbestimmt und quasi aus dem Inneren heraus. Persönliche Ethik im Unterschied zu aufoktruierter Moral?

In unserem heutigen Update findet ihr den Teil IV vom „Treffen mit Dayonis„, der auch hervorragend zu meinen obigen Gedanken passt.
Der zweite Artikel ist der Teil II von „Geistestraining – Dharma“ für den ich mich nochmal ganz herzlich bei Ngak’chang Rangdrol Dorje bedanken möchte.

Bei Sati bedanke ich ich mal wieder für die beiden, mehr als passenden Bilder und Euch wünsche ich viel Lesevergnügen.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

„Ein Treffen mit Dayonis – Teil IV , geschrieben von Morgana, übersetzt von Anufa, bearbeitet von Chris“

11. November 2017

Die Erwähnung der vier Richtungen und Dinge einfach zu halten, erinnerte mich an einen Kommentar, den sie ein Jahr früher über die Kerzen für die Richtungen gemacht hatte. Ich fragte mich, welche anderen Werkzeuge verwendet wurden?

„Es gab das Athamen, ein Schwert, einen Stab, ein Werkzeug um das Salzwasser zu versprengen, ein Teller für Kuchen und Wein, Kerzen, ein Messer mit weißem Griff und eine wunderschöne Statue einer Göttinnenfigur, die Freddies erste Frau gemacht hatte.“

Wir begannen mehr über die Praxis und über Magie und Ritual zu reden. Dayonis sagte,

„Craftrituale sind etwas, das mit der Intention etwas zu erschaffen gemacht wird. Das heißt einen Keis zu erschaffen, diesen und die, die sich darin befinden zu reinigen, und dann „die Arbeit tun“, wie wir es für gewöhnlich nannten.
Meiner bescheidenen Meinung nach bedarf es die Wiederholung der gleichen Worte, der gleichen Aktionen etc., da der magische Geist es einfacher findet, die Arbeit des Erschaffens zu tun und dann mit der Arbeit fortzufahren.“

Sie fügte noch hinzu,

„Ja, ich war eine effektive Hohepriesterin und wir haben einige gute Magie gemacht. N. hat meine Regenmagie auf seiner Farm sehr gut gefallen.“

Kraft aufzubauen und das zu verwenden, was wir Sympathiemagie nennen, ist etwas an dem Dayonis noch immer viel liegt. Ihr Umweltbewusstsein ist immer noch offensichtlich dadurch, dass sie organische Nahrungsmittel essen und umweltfreundliche Reinigungsmittel etc. verwenden. Obwohl sie Wicca 1959 verlassen hat, glaube ich nicht, dass sie aufgehört hat, eine Hexe zu sein. In den darauf folgenden Jahren reisten sie und ihr Ehemann nicht nur nach Kanada sondern auch in die Karibik. Sie erzählte mir, dass sie siebzehn Mal umgezogen waren, bevor sie sich endgültig in Utah niederließen. Umgeben von Bergen lieben sie es, wo sie jetzt sind.

Ich fragte mich, wie sie das Leben im Herzen und Zentrum des Mormonentum empfunden hatten. Ich fragte, „Würdest Du Salt Lake City beispielsweise als tolerante Stadt beschreiben?“ Dayonis antwortete, dass sie nie irgendwelchen wirklichen Problemen begegnet sei, aber sie habe nie offen über ihre Verbindung zu Wicca gesprochen.

Tatsächlich hatte sich ihre spirituelle Ausrichtung in Richtung transzendentaler Meditation verschoben und später befassten sie sich mit den Lehren von Sai Baba.

Viele Jahre lang unterhielten sie einen Treffpunkt für Sai-Baba-Anhänger. Sie besuchten auch bei mehreren Gelegenheiten den Ashram in der Nähe von Bangalore, Indien. Und natürlich waren es die Mormonen, die 2015 das Parlament der Weltreligionen in Salt Lake City ausrichteten. Also war es dort nicht allzu schwierig eine alternative Form der Spiritualität zu praktizieren.
Meditation war immer wichtig … und ist es noch

Dayonis erinnerte sich an eine Erfahrung während einer Meditation:

„Ich hatte eine sehr bewegende Erfahrung, während ich im Haus meiner Tochter meditierte. Das war zu einer Zeit in meinem Leben als ich noch transzendentale Meditation praktizierte. Meine Tochter und ihr damaliger Ehemann hatten gerade ein Haus gekauft. Ihr und mein Mann waren draußen Skifahren und meine Tochter und ich waren zuhause und strichen die Wände. Ich ging in den Keller um die Farbrollen auszuwaschen und ich hörte wie die Stimme meines verstorbenen Bruders mich rief. Er hatte eine unverkennbare Stimme. Ich konnte fühlen, wie sich die Haare auf meinem Kopf aufstellten! Er rief mich erneut und ich schaute, dass ich so schnell wie möglich aus dem Keller kam. Am nächsten Morgen beschloss ich, mich während meiner Meditation darum zu kümmern. Ich ging auf eine Meditationsreise und fand meinen Bruder in einem „Rattenloch“ – es gibt eine Geschichte zu einem wohlbekannten Platz. Er war auf der falschen Seite gefangen und versuchte heraus zu kommen, aber anstatt dessen grub er sich tiefer ein. Ich konnte ihn erreichen und sagte, „Okay, folge mir!“ Ich brachte ihn hoch in die mittlere Welt und da bemerkte ich, dass das nicht länger er war und ich in meinen erhobenen Armen einen Körper aus Licht hielt. Und so schubste ich ihn in die obere Welt hinauf und sagte ihm, „Geh jetzt und finde eine andere Mama.“

Dann tauchte ich aus der Meditation auf. Ich merkte, dass ich geweint hatte, obwohl es mir nicht aufgefallen war, als es passiert war. Mein Bruder war in mancher Hinsicht keine besonders nette Person. Er war frauenfeindlich, nicht verheiratet, hatte sich keine Freunde gemacht und lebte allein in einem Haus, das unsere Eltern gekauft hatten als sie geheiratet hatten. Er war eine sehr schwierige Persönlichkeit und für mich war es eine wirkliche Erleichterung fähig zu sein, ihn an einen besseren Ort zu schicken. Und ich glaube nicht, dass ich dazu fähig gewesen wäre wenn ich nicht mit der Craft angefangen hätte und dann zu anderen spirituellen Dingen weiter gegangen wäre.“

Rückblickend sieht Dayonis ihre Erfahrungen und Zeit im Bricket Wood als Katalysator. Obwohl sie als orthodoxe Jüdin aufgewachsen war, sagte sie dass „das mir nie wirklich sinnvoll vorgekommen ist…“.

Sie fühlte sich mehr angezogen vom alten Ägypten, beispielsweise. Einer ihrer Lieblingsautoren zu dieser Zeit war Joan Grant, die über ihre „vergangenen Leben“ schrieb. Ja! Ich musste zustimmen, Bücher wie „The Winged Pharaoh“ aber auch auch so facettenreiche wie „Scarlet Feather“. Sie ist immer noch eine begeisterte Leserin.

Ende Teil IV