Editorial

20. Januar 2018

Well met, alle zusammen!

Irgendwie könnte mensch meinen, wir wären im April. Das Wetter schaut grad danach aus und die Tagesnachrichten klingen so. Es schaut nach Frühling aus .. bevor wieder der nächste Kälteeinbruch da ist.

 

copyright Uli Stein

In unserem Update findet Ihr – sehr passend zur Grippewelle – den Teil II meines „Haaaaatschi„. Und wie im Artikel schon erwähnt: Falls Ihr Hausmittel in der Familie weitergegeben bekommen habt, dann schickt sie mir einfach und es gibt auch noch einen Teil III.
Martin ist diesmal auch mit einem Teil III dabei, „Erfundene Traditionen für traditionelle Textilien – Teil III„.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure (an uns geschickten) Beiträge oder Kommentare.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Von wegen „uralt“: Erfundene Traditionen für traditionelle Textilien – Teil III, geschrieben von MartinM

20. Januar 2018

Zunächst nach Schottland:

DER KILT

Das „klassische“ Beispiel für eine erfundene Tradition im englischen Sprachraum ist der „Kilt“. Es wurde, folgt man Hugh Trevor-Roper, nach 1725 vom englischen (!) Fabrikbesitzer Thomas Rawlinson erfunden worden: Da er einige Hochlandschotten an seinem Hochofen beschäftigt hätte und sie durch das Tragen ihres voluminösen Plaids gefährdet gesehen hätte, hätte er den „great belted plaid” kürzen und die zuvor durch Wicklung hervorgerufenen Falten in das Kleidungsstück mit einschneidern lassen.
Falsch, ereifern sich Anhänger der schottischen Kilt-Tradition, schon „The Armorial Bearings of the Chief of the Skenes” von 1692 zeigt diese „Chiefs“ bereits im féileadh beag (“Kilt”), und schon im 30-Jährigen Krieg trugen schottische Regimenter den “Schottenrock”. Und überhaupt: Plaids, die im Winter lang, im Sommer kurz getragen wurden, die gab es schon im späten Mittelalter! Eine Frechheit, zu behaupten, so ein blöder Engländer hätte diese ehrwürdige schottische Tradition erfunden!! Eine unverschämte Lüge!!1!!eins-elf!1!!!

Zur Erklärung: Mit seiner Ursprungsgeschichte lag Trevor-Roper sehr wahrscheinlich daneben, egal übrigens, ob Rawlingson tatsächlich eine „hochofentaugliche“ Plaid-Version erfand oder nicht.

Hobsbawm hat hingegen sehr wahrscheinlich recht, wenn er die „Kilt-Tradition“ samt der „traditionellen“, für bestimmte Clans charakteristischen Karomuster („Tartan“) als Erfindung schottischer Nationalromantiker des frühen 19. Jahrhundert einordnet. Übrigens war die nationalromantische Traditionserfindung eine Reaktion auf das langjährige Verbot der Plaids (lang wie kurz) durch die Engländer zwischen 1746 und 1782. Ein volkstümliches Kleidungsstück wurde erst durch Verbot tatsächlich zum „Symbol der schottischen Identität“, und dieses Symbol wurde dann mit dazu passenden erfundenen Traditionen weiter zur „Nationaltracht“ überhöht.

NUN KOMMEN WIR ZUM DIRNDL

Mädchen im Dirndl, ca 1933
Mädchen im Dirnd mit spielenden Kindern – „Verschiedene Porträtaufnahmen von Charakterköpfen“, gesammelt vom „Rassepolitischen Amt der NSDAP“, 1933 (Quelle: Bundesarchiv, Bild 119-5592-12A / CC-BY-SA 3.0)

Im deutschen Sprachraum dient das „Dirndl“ als klassisches Beispiel einer erfundenen Tradition – und zwar zurecht, auch wenn es dieses mit Schürze versehene Kleid schon gab, bevor es um 1870 unter Frauen der städtischen Oberschicht in Österreich und Altbayern Mode wurde.
Eine „alpenländische Festtagstracht“ war das Dirndl übrigens nie. Festtrachten waren und sind Repräsentationskleidung. Sie sind aufwendig gefertigt, die Kleider typischerweise hochgeschlossen und nicht eben auf Tragekomfort und Bewegungsfreiheit ausgelegt. Kein halbwegs authentisches festtägliches Trachtenkleid hätte es geschafft, Massenmode zu werden.

Schon der Name verweist auf den tatsächlichen Ursprung: Dirn war die gebräuchliche Bezeichnung für eine in der Landwirtschaft arbeitende Magd oder eine häuslicher Dienstbotin, „Dirndl“ ist die Verkleinerungsform, in etwa „Dienstmädchen“. Die Schürze sollte das ursprünglich eher schlichte Kleid vor Verschmutzung bei der Hausarbeit schützen. Dieses Kleid nannte man folglich Dirndlgwand, was dann zu Dirndl verkürzt wurde. Aus den Städten stammenden „Sommerfrischlerinnen“, die zur Erholung in die Alpen führen, lernten dort das praktische und bequeme Kleid kennen und übernahmen es als Freizeitkleidung.

SYMBOL ANTI-PREUSSISCHER IDENTITÄ

Nach dem verlorenen „Deutschen Krieg“ 1866 zwischen Österreich und seinen Verbündeten, darunter Bayern, und Preußen nebst Verbündeten nahmen der „deutsch-österreichische Patriotismus“, wie das in Österreich-Ungarn damals hieß, und auch der bayrische Patriotismus geradezu hysterische Züge an. Viele, vor allem städtische, Österreich- bzw. Bayernpatrioten grenzten sich durch demonstrativ gelebte Tradition gegen die verhassten „Piefkes“ bzw. „Saupreißen“ ab.
Zu diesen Traditionen gehörten Trachten. Weil echte Trachtenkleider teuer waren und außerdem so eng mit der jeweiligen Herkunftsregion verbunden waren, dass sie nicht für überregionale Identitätskonstruktionen taugten, bildete sich unter anderem so etwas wie eine „vereinfachte altbayrisch-salzburgisch-tirolerische Klischee-Einheitstracht“ heraus, zu der bei den Herren typischerweise Lederhosen gehörten. Bei den Damen übernahm das Dirndl diese Funktion.

Ein schlichtes Dienstmädchenkleid oder auch ein daraus abgeleitetes Freizeitkleid taugte als Symbol anti-preußischer Identität nicht. Es musste also zur „traditionellen Tracht“ aufgewertet werden – was sich dann auch in der pseudo-folkloristischen Gestaltung und Verzierung der „Festagsdirndl“ niederschlug. In dieser Form wurde das Dirndl dann in München, Salzburg, Linz und schließlich Wien Mode.
Nach einigen Jahrzehnten hatte sich die gegenseitige Abneigung der einstigen Kriegsparteien so weit gelegt, dass das Dirndl, in Folge des Erfolgs der Operette „Zum weißen Rössl“ sogar in Berlin bekannt und beliebt wurde.
In der wirtschaftlich schlechten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Dirndl in schlichterer Ausführung dann wirklich volkstümlich, und zwar als bequemes und vor allem preiswertes Sommerkleid.

Moderne Dirndlkleider
Frauen in verschiedenen modernen Dirndln
By Florian Schott – Eigenes Photo, mit freundlicher Genehmigung aller abgebildeten Personen., CC BY-SA 3.0Link

WÄHREND DIESE KONSTRUKTION DES DIRNDL ALS „TRADITIONELLE“ TRACHT NOCH WEITGEHEND SPONTAN ERFOLGTE, WURDEN IN DER NS-ZEIT DANN SYSTEMATISCH „URALTE ÜBERLIEFERUNGEN“ ERFUNDEN.

Wie eine Satire auf die bürokratieverliebten, regulierungswütigen und gleichschaltungsbesessenen Nazis mutet die für Trachtenfragen zuständige „Mittelstelle Deutsche Tracht“ der „NS-Frauenschaft“ an, geleitet von Gertrud Pesendorfer, die den Titel einer der „Reichsbeauftragten für Trachtenarbeit“ trug.

Weitaus weniger komisch ist die ideologische Grundlage, auf der Frau Pesendorfer arbeitete. Die Tirolerin entwarf eine im „nationalsozialistischen Sinne erneuerte Tracht“, und zwar ausgerechnet auch auf der Grundlage von Schnitten, die unter anderem aus einem jüdischen Unternehmen stammten, dem der Brüder Wallach in München. In den 1920er Jahren war „Wallach“ der Anbieter für bayerische Trachten, Volkskunst und Interieurs schlechthin – sowohl authentisch – die Wallachs unterhielten auch eine renommierte volkskundliche Sammlung – wie modisch. Nach 1933 konnte ein Teil der Familie rechtzeitig emigrieren, der andere wurde deportiert und größtenteils ermordet. Und das Unternehmen fiel 1938 der „Arisierung“ zum Opfer.

Eine „Arisierung“ anderer Art betrieb die überzeugte völkische Antisemitin Pesendorfer, als sie eine „neumodische“ Form des Dirndls aufgriff, die in traditionalistischen und völkischen Kreisen als „sittenlos“ und „jüdisch“ (Wallach!) verpönt war. Schon in den 1920er Jahren gab es modernisierte und, vor allem durch tiefe Ausschnitte und betonte Taillen, erotisierte Dirndlvarianten. Diese Kleider, die etwa so „traditionell“ waren wie die zur gleichen Zeit in Mode gekommenen Charleston-Kleider, nahm sich Frau Pesendorfer zum Vorbild, um die „Tracht „von „Überwucherungen […] durch Kirche, Industrialisierung, Moden und Verkitschungen“ und „artfremden Einflüssen“ zu befreien.

Dass diese Dirndl überaus „sexy“ waren, passte ins Weltbild der „Deutschen Frauenschaft“: Sie propagierte einerseits das Ideal der „kinderreiche Bauernfamilie“ nebst treusorgender Mutter, andererseits auch das der selbstbewussten, körperlich „gestählten“, einen Beruf ausübenden und Freude am Sex habenden „Kampfgefährtin“. (An inneren Widersprüchlichkeiten ihrer „Weltanschauung“ haben sich Nazis noch nie gestört.)
Pesendorfer war nicht nur Antisemitin, sondern gehörte, wie ihr Mann Ekkehard Pesendorfer und der Gauleiter von Tirol, Franz Hofer, zu jenen Nazis, die einen Rochus auf die römisch-katholische Kirche hatten. (Andere Nazis arbeiteten umso besser mit katholischen Würdenträgern zusammen.) Hofers sah das „germanische Wehrbauerntum“ in den Tirolern geradezu idealtypisch angelegt, in seiner Weltanschauung stand „die Kirche“ für „Rom“ und „jüdischen Geist“ und hätte im erneuerten Germanentum nichts zu suchen. Gertrud Pesendorfer warf der Kirche ihre Leibfeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit vor. Ganz im Sinne von Himmlers „Ahnenerbe“, in dem sie Mitglied war, suchte und fand sie überall Traditionselemente, die sie für „germanisch“ hielt. Ihre Vorliebe für „Fruchtbarkeitssymbole“ angebliche heidnischer Herkunft wie Lebensbaum, Lebensrad, Vogelpaare oder Dreispross schlug sich in den Verzierungen ihrer „entkatholisierten“ Dirndl nieder.

Die Tirolerin kreierte und propagierte ein kragenloses, dafür tief dekolletiertes Dirndl mit hoher Taille, geschnürtem oder geknüpftem engen Mieder, welches für stramme Haltung sorgte, und einem kurzärmeligen weißen Blüschen, das die bloßen Oberarme sehen ließ. Vorzugsweise waren ihre Dirndl kürzer als die einstige Dienstmädchenkleider, wahrscheinlich, um stramme Waden zu zeigen, einige „Jungmädeldirndl“ hatten sogar nur Minirocklänge. Daneben gab es mondäne Abendkleidausführungen in Bodenlänge. Die „Reichsbeauftragten für Trachtenarbeit“ war unbestreitbar eine hervorragende Modeschöpferin. Als Volkskundlerin zeichnete sie sich eher durch weltanschauliche Linientreue als durch Sachkenntnis aus. Dennoch war sie 1939 – 1945 Leiterin des Tiroler Volkskunstmuseums. Sie blieb auch nach 1945 die einflussreichste „Expertin“ nicht nur für die „erneuerte Tiroler Bauerntracht“, sondern für „alpenländische Trachten“ überhaupt.

In der Tat ist die heutige „Trachtenmode“ im großem Maße von der „Pesendorfer Schule“ geprägt.

Schon bald avancierte das nazifizierte Mode-Dirndl zum Festtagskleid des „Bund deutscher Mädel“ und der NS-Frauenorganisationen. Es wurde, mit kräftigem Anschub durchs Propagandaministerium und vorgeführt durch die Frauen der NS-Prominenz, weit über die Grenzen Bayerns und des 1938 „ans Reich angeschlossenen“ Österreichs hinaus zur „Nationaltracht“ bei allen Anlässen forcierter Fröhlichkeit – den überkommenen wie dem Oktoberfest, aber vor allem den von der Diktatur inszenierten wie Führergeburtstag, Reichsparteitag und Reichsbauerntag.

Das weit verbreitete Misstrauen, dass die „Trachtenhuberei“ rechts bis extrem rechts sei, ist jedenfalls nicht völlig unberechtigt. Selbst seriöse Trachtenvereine tun sich mit der Auseinandersetzung mit völkischem Gedankengut schwer.

Zugespitzt zusammengefasst:

Das Dirndl beruht auf Aneignung von Dienstbotenkleidung durch Privilegierte, und das „sexy Wiesn-Dirndl“ verdankt seine Popularität den Nazis!

Nur am Rande erwähnt: die besondere Bedeutung von Schleifen am Dirndl, die je nach Position anzeigen sollen, ob die Trägerin ledig, verheiratet oder verwitwet sei, ist auch eine erfundene Tradition.

GEHÖRT DAS DIRNDL DESHALB AUF DEN MÜLLHAUFEN DER MODEGESCHICHTE?

Meiner Ansicht nach nicht. Es gibt Menschen, vor allem Frauen, die es bei passenden Anlässen gerne tragen. Allerdings sollten das Dirndl und andere Kleidungsstücke der „Trachtenmode“ ausdrücklich als Mode, und nicht als „Tracht“, und auch nicht als „traditionelle Kleidung“, wahrgenommen werden.

Haaaaatschi – Teil II

20. Januar 2018

Letztes Mal, bei Teil I, hatte ich, wie so oft, einen kleinen Aufruf gestartet, dass ihr doch ein paar eurer Hausrezepte in den Kommentaren postet möget. Tatsächlich hat mich Rota in der Wüste rufen gehört und deshalb gibt es diesen Teil II.

Rotas Hausmittel

Ich kenne noch das Hausmittel, klein geschnittene Zwiebel mit Honig zu vermengen und über Nacht im Kühlschrank stehen zu lassen. Wirksam gegen Husten. Allerdings muss man sich dazu auch mal überwinden.
Außerdem trinke ich immer Eibischtee, der effektiv schleimlösend wirkt. Vorm Schlafengehen hilft auch noch Inhalieren mit einer Salz-Kräutermischung. Ca. 15 Minuten helfen gegen eine Schnupfennase und befreien die Atemwege. Das ist jedoch sehr ermüdend und für den Kreislauf anstrengend. Beim Schlafen selbsterständlich der Thermophor.

Außerdem kenn ich den Spruch: „3 Tage kommt es, 3 Tage bleibt es, 3 Tage geht es“. Gegen Ende, wenn der Kreislauf wieder halbwegs stabil ist, tun kurze Spaziergänge (warm angezogen!) gut, damit der Kreislauf wieder in Schwung kommt.

All das sind wirksame Hilfsmittel der großen Mütter aus meiner Familie, die mir schon oft geholfen haben.

P.S.:
Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Verkühlungen auch psychisch hervorgerufen werden können, sodass man auch reflektieren kann, ob man in der letzten Zeit zu viel Stress oder ähnliches hatte. Das ist aber wahrscheinlich sehr subjektiv.

Mein Kommentar

Als Grundlage freue ich mich immer sehr, wenn unsere Leser mit dem WurzelWerk ihre eigenen Erfahrungen auch wirklich real teilen! Daher nochmals vielen lieben Dank, Rota!
Aus der eigenen Hexenküche hätt ich da noch ein paar Anmerkungen auf Lager.

Die Hustenmischung mit Zwiebel und Honig mach ich z. B. im Stofftaschentuch. Ein Stofftaschentuch einlagig in ein kleines Schüsserl legen. Den klein geschnittenen Zwiebel in die Mitte des Tuches dazu geben. Den Honig darüber (auf eine kleine Zwiebel einen vollen Esslöffel Honig) und einfach über Nacht stehen lassen.  In der Früh den Inhalt des Tuches ins Schüsserl „auswinden“ und dann Esslöffelweise verwenden. Nach genau dem Rezept (nur ohne Taschentuch) funktioniert auch der Rettichsaft.
Schwarzen Rettich aushöhlen, den Ex-Inhalt klein hacken, in den Boden des Rettichs drei Löcher machen (Stricknadel hilft!). Den Rettich dann über ein Glas stellen, den gehackten Inhalt wieder einfüllen und den Honig drüber laufen lassen. Am nächsten Morgen ist der Hustensaft im Glas gesammelt.

Zum Inhalieren verwende ich unterschiedliche Kräuter und natürlich, wie Rota schon erwähnte, Salz.
Für Inhalier-Anfänger: 1 Liter Wasser mit 3 Esslöffeln Salz. Im letzten Artikel für unsere Kinder/ElternRubrik („Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen“) habe ich schon ein paar Tipps zum Besten gegeben, die das Inhalieren ein wenig gemütlicher machen. Was ich persönlich allerdings bevorzuge ist ein elektrischer Inhalierer. Vorsicht: Damit meine ich nicht die Ultraschallvernebler (ich bin der Ansicht, dass die Temperatur des „Dampfes“ durchaus wichtig ist) sondern Inhalationsgeräte, die das Wasser erhitzen und es wirklich zum Verdampfen bringen. Wenn ich ein solches verwende, dann mach ich aus den Kräutern einen ganz normalen Tee und gebe in diesen einen Teelöffel Salz.
Ansonsten kann ich die Kräuter direkt in den Topf geben und dort ziehen lassen bevor ich mit der Inhalation anfange. Die Flüssigkeit im Topf sollte nur leicht simmern und nicht sprudelnd kochen! Ätherische Öle würde ich für die direkte Inhalation so nicht verwenden – die bevorzuge ich in der Duftlampe oder in der Wasserschüssel auf der Heizung.
Welche Kräuter ich verwende … mein Liebling bei Verkühlung ist Thymian. Wenn der Schnupfen grad die Nase sehr verstopft, dann leistet die Pfefferminze gute Dienste. Kamille hilft bei Entzündungen weiter, trocknet aber auch aus und Huflattich beruhigt den Husten. Das ist nur eine kleine Auswahl – generell kann ich mit allen Kräutern inhalieren, die ich auch als Tee gefahrlos trinken  kann.

Besonders erwähnenswert finde ich noch Rotas letzten Absatz.
Je gestresster ich bin, je schlechter ich schlafe (dazu zählt auch „zu wenig“), je schlechter ich mich ernähre und je mehr ich mich verausgabe, desto leichter werde ich krank. Das Immunsystem arbeitet in einem ausgeglichen Menschen eben besser als in einem gestressten.

Zusätzlich möchte ich noch eine Lanze fürs Händewaschen und gegen Desinfektionstücher oder ähnliche chemische Maßnahmen brechen. In Grippezeiten hilft häufiges Händewaschen wirklich. Dabei geht´s nicht so sehr darum, dass die kleinen Viechers getötet werden, sondern weggeschwemmt. So schnell würden die nicht sterben – aber wegspülen funktioniert durchaus. Für schon Erkrankte wäre es ein Tipp sich beim Husten oder Niesen nicht die Hand vor den Mund oder die Nase zu halten, sondern einen Ärmel. Dann fliegen wesentlich weniger Tröpfchen durch die Gegend und es haben eben nicht alles was davon.

Zum Schluss möchte ich auf den Unterschied zwischen grippalem Infekt und der echten Grippe hinweisen. Mit zweiterer ist nicht zu spaßen!! Echt Grippe macht sich meist zuerst durch Halsschmerzen bemerkbar und wird von einem wirklich ernsten Krankheitsgefühl begleitet. Abgeschlagenheit, Ganzkörpergliederschmerzen und Fieber über 39 Grad sind ebenfalls ein Warnzeichen. Da ist viel Trinken (möglichst zumindest körperwarmes Leitungswasser oder passender Kräutertee) angeraten und Schonung, Schonung, Schonung. Am sinnvollsten ist es jegliche körperliche Anstrengung zu vermeiden. Falls der Appetit fehlt, ist Fasten (für unter einer Woche und für die meisten von uns) kein Problem, im Gegenteil es hilft sogar, da der Körper nicht zusätzlich belastet wird.
Symptomatisch darf natürlich auch bei der echten Grippe geholfen werden. Also bei starkem Halsweh hilft Gurgeln mit Salbeitee und Emser-Salz. Bei Fieber an die 40° darf und soll das ein wenig gesenkt werden. Wadenwickel helfen da, und im Teil I finden sich ja auch schon so einige Tipps dafür.

Dann wünsche ich im Aktufall gute Besserung und falls euch noch etwas einfällt, dann steht euch die Kommentarfunktion wie immer offen!

Editorial

13. Januar 2018

Well met, alle zusammen!

Winterzeit ist in unseren Breiten … jawoll Grippezeit – obwohl das ja nicht der einzige Grund ist die Nase voll oder einen dicken Hals zu haben. Gerade im Moment nicht …
Von einem unserer LangzeitWurzelWerker stammt das passende Bild. Dankeschön XVII!

Anhänglich und stachelig copyright XVII

XVII hat uns auch einen weitere Folge seines „Necromanten“ für den RegenBogen geschrieben. An trüben Tagen immer sehr willkommener Lesestoff, wie ich finde.
Passend zum Wetter habe ich ein paar meiner Tipps zusammen gesammelt, was bei „Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen“ vielleicht helfen könnte. Diesmal speziell für Kinder – deshalb auch für die „SternenKinder-ErdenKinder„.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mit-WurzelWerklerei. Wie immer brauchen wir spannend, gut recherchierte oder persönlich erlebte Artikel! Unsere Speicher leeren sich wieder einmal beträchtlich und wir können nur so vielfältig sein, wie die Artikel die von Euch gespendet werden.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen

13. Januar 2018

Wie so oft im Winter laufen die Nasen, krächzen die Stimmen (sofern sie überhaupt noch einen Ton rausbringen) und lassen sich die Viren per Hustenexpress durch die Gegend schippern. Gerade bei Kindern ist das besonders schlimm. Zusehen zu müssen wie sie verzweifelt versuchen durch verstopfte Nasen Luft zu kriegen oder mit Fieber apathisch im Bett liegen ist kein Spaß. Mit Medikamenten zuschütten ist aber auch nicht die beste Lösung – vielfach geht es auch mit ganz einfachen Hausmitteln. Dabei ist allerdings Obacht geboten und Hausverstand von Nöten. Ein paar kleine Tipps helfen da vielleicht ein wenig weiter.

Mein Nachwuchs ist verkühlt und der Schnupfen ist bös

Was in diesem Fall immer sinnvoll ist, ausreichend zu trinken. Am besten sind da natürliche Tees.

Besonders empfehlenswert sind Hollerblüten, die nicht nur gegen die Erkältung als solche angehen sondern auch den Kreislauf unterstützen und vor allem den Stoffwechsel. Wichtig ist, dass Hollerblütentee immer frisch zubereitet werden muss, da sich seine ätherischen Anteile recht leicht verflüchtigen. 1 Teelöffel pro kleinem Häferl mit kochendem Wasser aufgießen, zudecken, fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und auf Trinktemperatur – zugedeckt oder im Flascherl – abkühlen lassen. Dann mit einem kleinen Löfferl Honig (falls es sich um Kleinkinder über 12 Monaten handelt!!!) aber am besten ungesüßt zu trinken geben. Wen ungesüßt so garnicht geht, dann ein Teelöffel Agavendicksaft dazu mischen.
Zwei bis drei solche Portionen pro Tag sind ausreichend. Reines Wasser geht natürlich auch, das aber bitte ohne Kohlensäure und ebenfalls warm.

Suppen sind eine gute Möglichkeit um Flüssigkeit anzubieten.
Wurzelgemüsesuppe (manche mögen sie lieber klar, andere mit dem gemixten Gemüse drinnen) machen Sinn, die wohlbekannte Hühnersuppe und wenn ein wenig Gerste oder Reis mitgekocht wird, schadet das gar nicht. Wichtig ist nur nicht zuviel zu essen – wobei die Gefahr eher gering sein dürfte, weil es meistens sowieso „nicht schmeckt“. Deshalb macht es auch nichts, wenn für zwei, drei Tage keine feste Nahrung angenommen wird – Hauptsache, die Flüssigkeitszufuhr stimmt.

Länger als zwei oder drei Tage sollte das Schlimmste aber auch nicht dauern, sonst auf jeden Fall den Arzt konsultieren.

Die gute alte Rotlichtlampe hilft ebenfalls weiter. Am besten funktioniert das, wenn der Krankensessel auf den Schoß genommen wird und dann gemeinsam mit jemandem, der noch Spaß macht auch, vor der Lampe sitzen kann. Wenn dann eine Geschichte erzählt oder gemeinsam ein Bilderbuch angeschaut wird, fällt das auch viel leichter für die 10 Minuten halbwegs still zu sitzen. Der Abstand ist dann richtig, wenn es auf dem Handrücken (vor die Schnupfennase gehalten) gerade angenehm warm aber nicht heiß ist.

Luftfeuchtigkeit ist bei Schnupfen der nächste Punkt. Es gilt – je feuchter das Raumluft desto besser für das kranke Kind und genauso für die Mitbewohner. Wenn die Luft trocken ist, dann steckt man sich viel schneller an, als bei feuchtem Raumklima.
Aromalampen sind da gleich das passende Thema. Zwei drei Tropfen Thymianöl, eine Fingerspitze Salz ins Wasser und für eine Stunde so aufstellen, dass sie für neugierige Kinderfinger nicht erreichbar ist. Für Babies reicht es völlig eine Wasserschale mit den zwei oder drei Tropfen ätherischem Öl auf die Heizung zu stellen, so verdunstet es langsamer.
Inhalationen gefallen wohl den wenigsten Kindern, deshalb gibt es eine Reihe an Tricks. Sollte das Kind nicht fiebern, kann anstatt dessen einfach ein Dampfbad gemacht werden. Badezimmer dicht machen, Heißwasser solang laufen lassen, bis z. B. die Spiegel beschlagen sind, dann erst das Badewasser mit temperiertem Wasser, einer Handvoll Salz und zwei Litern Thymiantee einlassen. Darauf achten, dass das Wasser nicht zu kalt wird und spätestens nach einer Viertelstunde raus aus der Wanne, rein is Bett (vorher noch Nase putzen).

Bei Fieber geht das natürlich nicht, also Plan B. Niemand sitzt gerne am Küchentisch, mit dem Kopf unter einem Badetuch über einer Wasserschüssel, 15 Minuten lang. Eine Alternative ist, mit dem Kind zu inhalieren (schadet ja auch einem Gesunden nicht!). Den Topf mit Wasser auf eine der vorderen Kochstellen am Herd zu stellen, nach dem Aufkochen Salz und einen gehäuften Esslöffel Thymian dazu geben und auf kleiner Flamme zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen. Der Topf sollte größer als das Kochfeld sein! In der Zeit einen Sessel neben den Herd stellen, eine Decke – so weit hinter dem Topf ,mittels eines schweren Gegenstandes, „festmachen“, dass sie nicht mit dem heißen Kochfeld in Berührung kommt – und nachdem man auf dem Sessel Platz genommen hat, über den Topf und den eigenen Kopf ziehen. Dadurch einsteht ein Zelt in dem der Dampf aus dem Topf eingefangen wird und bereits etwas abgekühlt, nach unten fällt. So kann das kranke Kind gemütlich am Schoß sitzen und dann ist das Inhalieren sogar gemütlich.
Natürlich kann so ein Zelt auch unter dem Tisch gebaut werden, indem die Decke einfach über den Tisch gehängt wird. Allerdings ist der Dampf dann weniger dicht, weil der Nachschub langsam versiegt (außer man hat eine zusätzliche Kochplatte, die man da unten verwenden kann). Dann wieder die Nase putzen und hinlegen (falls die Müdigkeit zuschlägt, was ich jetzt einmal annehme).

Womit wir schon beim Schlafen mit Schnupfen wären – eine oft böse Geschichte für die ganze Familie.

Wie kommen wir zu ein bisschen Schlaf?!

Verstopfte Kindernasen sind wahrlich kein Vergnügen, für niemanden. Deshalb vor dem Schlafen bei den ganz Kleinen nochmals die Nase absaugen. Bei den Größeren kann durchaus solang ein Meersalznasenspray angewendet und wieder ausgeschneuzt/weggeputzt werden, bis sie halbwegs durchgängig geworden ist. Über die Luftfeuchtigkeit haben wir schon gesprochen und falls das alles noch nicht genügt, dann hilft Zwiebel.
Einfach eine größere halbierte Zwiebel neben das Bett legen und das hilft die Nase halbwegs frei zu halten. Soll die Wirkung verstärkt werden (bei älteren Kindern!) dann einfach die Zwiebel klein würfeln, in ein Stück Stoff einwickeln und neben das Bett legen. Diesen Zwiebel dann bitte morgens wegwerfen!

Nächstes Mal beschäftige ich mich mit dem Umgang mit hustenden Kindern.

Ende Teil I