Editorial

09. Dezember 2017

Well met, alle zusammen!

Stürmisch ist es draußen – politisch haben wir uns ja an den schärferen Wind fast schon gewöhnt und in einigen anderen Ecken bläst es ebenfalls ordentlich um die Ecke … Da ist es schon gemütlicher, wenn die Füße auf dem  Boden bleiben. Bei mir geht das ganz gut mit „Wohlfühlen“ – also warme Sommererinnerungen mit, von lieben Menschen, geschenkt bekommenem superschön anzusehendem Tee. Eine willkommene Pause im allgemeinen Weihnachtsstress.

 

In unserem heutigen Update gibt es einen kleinen Nachtrag fürs „SternenKind-ErdenKind„. Samhain kommt aber (nona ned) jedes Jahr, also schon mal merken für 2018. Ich durfte wieder eine Pooka-Geschichte von Lora übersetzen, „Pookas Samhain-Zauberspruch„. Wie immer würden wir liebend gerne auch Geschichten, speziell für Kinder aus „heimischen Gefielden“, mit Euch teilen – können wir aber leider nicht, weil wir keine ausfindig machen können!
Den zweiten Artikel bestreitet MartinM mit dem Teil II von „Wikingerkult und Rechtsextremismus„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure tätige Mithilfe, damit das WurzelWerk weiter wachsen und noch vielfältiger werden kann!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Wikingerkult und Rechtsextremismus – Teil II, geschrieben von MartinM

09. Dezember 2017

WAS ALSO TUN GEGEN DEN „BRAUNEN GERMANEN-KULT?“

Eine Antwort gab aus dem Plenum heraus Professor Rudolf Simek. Er forderte seine Fachkollegen auf, sich mehr für populärwissenschaftliche Arbeiten zu öffnen und eventuell sogar Beiträge für Illustrierte zu verfassen, denn „(…) wenn wir es nicht tun, tun es andere (…)!

Simek zeigt durch eigene an ein breites Publikum gerichtete Veröffentlichungen und durch seine Zusammenarbeit mit Tommy Krappweis schon seit Jahren, wie so etwas aussehen kann.
Auch die Broschüre „Nazis im Wolfspelz“ von Karl Banghard, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen, ist ein guter und wichtiger Ansatz. (Download.) Leider scheint Banghard der einzige seiner Zunft zu sein, der sich bisher überhaupt öffentlichkeitswirksam mit dieser Problematik auseinander gesetzt hat.

Die Broschüre hat aus meiner Sicht einige Mängel, etwa den, dass er seine Darstellung an einer Veranstaltung im polnischen Wollin festmacht – die Rechtslage ist in Polen eine andere, was deutsche „Braunwikinger“ ebenso ausnutzen wie russische „Faschos im Slawenkittel“, von einheimischen Rechtsextremisten ganz zu schweigen. Auch wird die von Banghard zurecht angegriffene Gruppe „Ulfhednar“ heute nicht mehr von einigermaßen seriösen deutschen Veranstaltern gebucht, da sich ihr Umgang mit Hakenkreuzen und völkischen Geschichtsklischees herumgesprochen hat. Die aktuellen Verhältnisse sind also weniger schlimm, als es bei der Lektüre dieser Broschüre den Anschein haben könnte.
Dass sich einige Wikinger-Darsteller und Veranstalter von Wikinger-Märkten ect. von Banghards Darstellung auf den Schlips getreten fühlen, kann ich teilweise nachvollziehen. Die Be- und Zuschreibungen der in der Broschüre dargestellten Symbole sind meines Wissens korrekt, aber, da gebe ich Ralf recht, zu oberflächlich gehalten – sie gehen über die bekannten Auflistungen suspekter und verbotener Symbole kaum hinaus.
Allerdings wäre eine tiefer gehende Darstellung in einem knapp 60 Seiten langen umfangreich illustrierten Heftchen kaum zu machen. Die Broschüre kann allenfalls ein Einstieg sein. Der allerdings andere allgemeinverständliche vertiefte Medieninhalte zum Thema voraussetzen würde, die es kaum gibt.

Sogar die auch von mir an anderen Stelle kritisierte Ausstellung „Graben für Germanien“ war ein notwendiger Beitrag zur Aufarbeitung der „völkischen Achäologie“, vor allem in der Nazieit, des von ihr propagierten Germanenbildes und ihrer Raubgrabungen und Beutezüge in den nazideutsch besetzten Gebieten. Allzu gerne wird nämlich „vergessen“, wie tief die deutsche Archäologie mit dem „Ahnenerbe“ der SS oder dem „Amt Rosenberg“ verstrickt war, und wie wichtig populäre archäologische Darstellungen für die Nazi-Propaganda waren. (Meine Kritik bezog sich vor allem auf den Teil der Ausstellung, der das Fortwirken der völkischen Germanen-Ideologie nach dem Ende Nazi-Deutschlands 1945 zu Thema hat.)

Was Veranstalter unbedingt brauchen

– Es sind klare Regeln, die szenetypische Kleidung bei Besuchern und vor allem der Verkauf und die Präsentation entsprechender Symbole durch Mitwirkende (Reenactors und Händler) verbieten, und der Wille, diese Verbote gegebenenfalls konsequent und hart durchzusetzen. Meistens wurden solche Regeln leider erst nach Auffälligkeiten entwickelt – und allzu oft braucht es einen handfesten Skandal, um den laxen Umgang mit „Armanen-Runen“, historisch unbelegten Hakenkreuzen und ähnlichem zu ahnden.
Sogar in den Hausordnungen der meisten Museen fehlen solche Verbote.

Vorbildlich ist in dieser Hinsicht das Kreismuseum Wewelsburg. Es hat sich eine äußerst rigorose Hausordnunggegeben, welche wahrscheinlich keinen Raum mehr für rechtsextremistische Inszenierungen lässt. Vor allem der Punkt „insbesondere das offene Tragen jeglicher rechtsextremer Kennzeichen ist nicht erlaubt“ wird konsequent durchgesetzt – „jegliche rechtsextreme Kennzeichen“ umfasst im Zweifel alles, was extrem rechts sein könnte – der Verdacht reicht nach Hausrecht völlig aus, um den Zutritt zu verwehren. Also muss nicht nur der Thor-Steinar-Pullover ausgezogen werden, sondern auch das Basketball-Trikot mit der Rückennummer 88, und Thorshämmer sind bitte, wenn überhaupt, verdeckt zu tragen. Und zum Rauswurf reicht auf der Wewelsburg ein schlechter Witz oder eine zynische Bemerkung – mit Recht angesichts der Bedeutung als Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus!

Eine ähnlich straffe Hausordnung hat das Freilichtmuseeum Oerlinghausen, die allerdings dem Vernehmen nach nicht ganz so rigoros durchgesetzt wird. (Also z. B. Ermahnung statt gleich Hausverbot. Das ist angemessen, denn es ist ja auch keine Gedenkstätte und auch kein „rechter Wallfahrtsort“.)

Ob harte Regeln auch für andere, weniger im Brennpunkt rechter Ideologen stehende, Museen ein akzeptabler und gangbarer Weg ist, ist eine Frage der konkreten Situation. Ich denke, Regeln nach Wewelsburg-Vorbild gehören in alle Hausordnungen, wie hart sie dann durchgesetzt werden, hängt vom einzelnen Museum an – z. B. wäre es schlicht nicht möglich, Thorshammerträger_innen aus dem Museum Heithabu zu verweisen, oder in einem viel besuchten Freilichtmuseum alle Kleidungsstücke auf mögliche Nazi-Codes zu checken.

Sehr nachahmenswert ist die Aktion Flagge zeigen gegen Geschichtsmissbrauch, für die Ralf folgenden Aufkleber für Läden und Verkaufsstände entworfen hat:

Das alles kann aber nur ein Beitrag sein – entscheidend ist es, den völkischen Geschichtslegenden die (mindestens ebenso spannenden) historischen Tatsachen entgegen zu setzten.

Knapper Hintergrundartikel von „blick nach rechts“ (brn): Brauner Germanenkult
Ein Artikel im „ND“, der das zentrale Problem herausarbeitet-:
Verleumdung und Verharmlosung
Bericht des „Flensburger Tageblatts“:
Bedenklicher Wikingerkult

Pookas Samhainzauberspruch, geschrieben von Lora, übersetzt von Anufa

09. Dezember 2017

Pooka schaute grantig aus dem Fenster als seine Hexe Töpfe mit violetten, goldenen und karmesinroten Chrysanthemen auf die Stiegen des Häuschens stellte. Die Küche roch nach Äpfeln und Gewürzen und an diesem Morgen war ihr Freund Nathan mit einem Schubkarren voller Kürbisse, ein Geschenk des Bauern Gellis, angekommen.

Die kleine Katze wusste, was das zu bedeuten hatte. Samhain näherte sich schnell – die Nacht des Erinnerns, die Nacht der Geister und des „Süßes oder Saures“.
Die Geister beunruhigten Pooka nicht. Die „Süßes oder Saures“ Kinder taten das. Tatsächlich versetzten die ihn jedes Jahr in Schrecken. Aber dieses Jahr war er entschlossen, etwas dagegen zu tun.
Er sprang vom Fensterbrett herunter und tappste leise zum hinteren Teil des Häuschens, wo Elsies Kräuterzimmer war. Ihr Grimoire lag offen auf einem langen Holztisch. Pooka blätterte mit seiner Pfote durch die Seiten bis er den Mars-Spruch für Mut und Unerschrockenheit fand. Diesen studierte er sorgfältig.
Da hieß es, der Spruch musste an einem Dienstag gemacht werden. Schön, heute war Dienstag, also ließ ihm das nicht viel Zeit. Wie er durch die Liste an Zutaten las, schielte er auf die Kräuter, die über ihm hingen. Ja, die meisten waren da und für eine sportliche kleine Katze würde es leicht sein, hinauf zu springen und sie herunter zu werfen. Andere, so wusste er, würden im Garten sein. Kein Problem. Er las weiter … Und ein Blutstein?
Er erinnerte sich plötzlich, dass es da im oberen Stock einen Blutsteinring gab, in Elsies Schmuckkasten. Vielleicht wäre es ihr ja egal, wenn er sich den ausborgte? Unglücklicherweise plante die kleine Katze nicht, sie zuerst zu fragen. Er wollte nicht erklären müssen, was er da tat weil er es wirklich müde war, dass ihm jeder sagte, dass die „Süßes oder Saures“ Kinder nichts wären, wovor man sich fürchten musste. Also dachte er, dass er sich den Ring einfach ausborgen und ihn wieder zurückbringen könnte, wenn alles erledigt wäre. Richtig? (Nein! Das war sehr ungezogen von Pooka.)
Die kleine Katze las weiter … ein Quadrat aus roter Seide. Er hatte etwas davon im Nähkorb neben dem violetten Faden, der im Buch als nächstes aufgelistet war, gesehen. Drachenblut Räucherwerk. Elsie hatte das.
Natürlich würde er sie bitten müssen, das gemeinsam mit der roten Kerze, die der Zauberspruch auch noch zu brauchen schien, für ihn anzuzünden. Vielleicht würde sie ja nicht zu viele Fragen stellen.
Pookas Zuversicht wuchs. Er hatte das!

Dann kam er zum letzten Bestandteil des Spruches. Eine Drachenschwinge?
Er versuchte sich erstens vorzustellen einen Drachen zu finden, zweitens, höflich zu fragen, ob er eine seiner Schwingen haben könnte. Wenn eine kleine Katze den Mut aufbringen könnte DAS zu tun, dann würde sie keinen Zauberspruch brauchen!

Mit der Pfote knallte er das Grimoire zu. Er ließ seinen kleinen Kopf hängen und seine Schnurrbarthaare hingen traurig nach unten. Es hatte keinen Sinn. Pooka war verdammt dazu Samhain unter dem Sofa versteckt zu verbringen, mit den Wollmäusen, anstatt mit seiner Hexe zu feiern.
Er sprang vom Tisch herunter und schleppte sich durch die offene Türe in den Garten. Elsie und Nathan saßen auf den Stiegen der Häuschens, lachten und schnitzen Kürbisse.
Pooka hielt es nicht aus, sich zu ihnen zu gesellen. Statt dessen trugen ihn seine Pfoten in den Wald und letztendlich zu Thistles Haus.
Die Fee hatte sich draußen niedergelassen, hämmerte auf einer Eichel herum und rief ihm einen fröhlichen Gruß entgegen: „Hallo, Pooka! Ich bin grad dabei Suppe zu machen. Möchtest Du fürs Abendessen bleiben?“ „Nein danke,“ sagte er. Thistle schaute ihn scharf an und hörte mit ihrem Hämmern auf. „Was is los?“ fragte sie. Da Thistle vielleicht die einzige Freundin war, die sich nicht über seine Angst vor Kindern, die als furchterregende Wesen zu Samhain verkleidet waren, lustig machte, erzähle es Pooka.
„Ich bin es müde mich vor den „Süßes oder Saures“ Kindern zu fürchten!“
Die Fee nickte und flatterte zu ihm hinüber. „Ich habe einen Zauberspruch für Mut nachgeschlagen und ich kann alle Zutaten zusammenbekommen … bis auf eine. Diese eine ist unmöglich!“
„Was ist es?“ fragte Thistle.
„Eine Drachenschwinge“, rief Pooka. „und dann soll ich sie noch in einen kleinen roten Beutel tun! Dieser Spruch is Blödsinn!“

Thistle lächelte. (Naja, eigentlich schmunzelte sie.) „Ich glaube ich kann dir da helfen.“
Pookas Kopf schoss in die Höhe und seine Augen wurden groß. „Wirklich? Wie?“
Die Elfe zwinkerte ihm zu. „Mach den Rest des Zauberspruchs fertig und triff mich heute Abend in Elsies Kräuterzimmer.“
Die Katze hatte noch ihre Zweifel, aber nichts desto Trotz, stimmte er zu. Er sammelte die Zutaten im Garten und dann machte er in Elsies Kräuterzimmer Unordnung, während er den Rest sammelte. Er stahl ihren Blutsteinring aus ihrem Schmuckkästchen, entwendete ein Quadrat der roten Seide und violetten Faden aus ihren Nähkorb.
Dann fand er seine Hexe in der Küche beim Keksebacken und hatte die Nerven zu sagen: „Ich brauche eine rote Kerze und Du musst sie für mich anzünden. Oh, und auch ein wenig Drachenbluträucherung, bitte.“
Elsies Augenbrauen gingen in die Höhe. „Wirklich! Mmmmmh … okay.“
Sie folte ihrer Katze in das Kräuterzimmer und tat, worum sie gebeten worden war. Ihr Blick fiel auf die Seite des offenen Zauberbuches.
„Magst Du mir sagen, was wir hier tun?“ frage sie.
„Nein!“
„Okay,“ nickte sie. „Sag mir nur, wie ich helfen kann.“
„Du könntest die Kerze und die Räucherung für mich anzünden,“ sagte Pooka. „Und vielleicht mir dabei helfen einen Kreis zu ziehen?“

Elsie wusste, dass ihre Kekse fertig waren um aus dem Ofen genommen zu werden. Sie murmelte einen Spruch an die Küchengötter und stimmte zu, ihrem Familar zu helfen.

Der Kreis war gezogen, die Richtungen gerufen und die Kerze brannte. Der Rauch vom Räucherwerk kringelte sich durch den Raum. Pooka wartete dann noch auf die letzte Zutat für seinen Spruch und Elsie wartete mit ihm.
Sie warteten und warteten. Trotz ihres Spruches konnte Elsie riechen, wie die Samhain Kekse anfingen zu verbrennen …
Die kleine Katze war schon fast bereit aufzugeben, als Thistle durch die offene obere Hälfte der Türe schoss.
„Da – bitte schön!“ rief sie siegessicher. Sie ließ eine kleine schillernde Schwinge auf den Holztisch fallen.
Pooka schloß ein Aug und untersuchte sie aus der Nähe. „Sie ist wunderschön, aber so klein!“ Bist Du sicher, dass sie von einem Drachen ist? Das war doch kein Babydrachen, oder?“
Die Fee kicherte. „Das ist von einer Libelle, Dummerchen. Das ist, was der Spruch meinte!“
„Tat er das?“
Die Katze schaute beunruhigt. „Du hast doch nicht …?“
„Würde ich doch nie! Diese Libelle hat nun Geistflügel und hat diese nicht mehr nötig.“
Er nickte und dann gab Pooka die Schwinge zu den Kräutern und dem Blutsteinring (den Elsie vorgab nicht zu sehen) und sammelte sie alle auf dem Stoff, den er aus ihrem Nähkästchen genommen hatte.
Er chantete dann:
Bei Kräuterrauch und Kerzenflamm,
Rufe ich den Gott der Mutes an.
Stark und mutig will ich sein.
Mars ist hier. Er wird jetzt bei mir sein!

Er drehte sich zu Elsie. „Würde es Dir etwas ausmachen, daraus ein Päckchen zu machen und es mir an mein Halsband zu binden, bitte? Ich würde es ja selber machen …“
„Keine Daumen?“, beendete sie den Satz. Pooka nickte.
Sie machte, was er verlangt hatte und fragte: „Möchtest Du mir sagen, wofür das alles gut ist?“ „Nein.“ Pooka schüttelte seinen Kopf.

Elsie lächelte und band das Päckchen an sein Halsband. Natürlich wusste sie es sowieso schon. Und wenn der Spruch wirken würde, dann rechnete sie sich aus, dass ein Blech voller verbrannter Kekse dafür ein kleiner Preis sein würde!

Editorial

02. Dezember 2017

Well met, alle zusammen!

Die Weihnachtsmärkte sprießen schon allerorts aus dem Boden wie die Schwammerl im Herbst und die Stille-Nacht-Berieselung ist mittlerweile fast überall von „Last Christmas“ (ich entschuldige mich auch gleich für die Verabreichung eines Ohrwurms!) abgelöst worden. Wie sich die Zeiten ändern … oder doch nicht?
XVII hat genau dazu wieder ein sehr passendes Bild geschossen, herzlichen Dank!

die fotografierte Vorfreude copyright XVII

Wir lassen es dafür in unserem Update ein wenig ruhiger angehen. Veleda hat uns wieder eine Ihrer wunderschönen Geschichen gespendet, die XVII für Euch aufbereitet hat – „Das Lied der Banshee„.
Ein für Asatru besonders heißes Thema hat MartinM beleuchtet und uns als ArtikelSpende überlassen. „Wikingerkult und Rechtsextremismus“ wird immer wieder in einem Atemzug genannt …

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure tätige Mitarbeit, weil wir nur so gut sein können, wie es Eure Spenden an uns zulassen!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Das Lied der Banshee, von Veleda Alantia

02. Dezember 2017

Geschichten aus den Nebelreichen

 

 

Diese Geschichte erzählte mir meine Freundin, die Banshee..-
Jedes Jahr zu Samhain sitzen wir ein paar Tage zusammen.
Teilen Met und Brot und erneuern unsere Freundschaft.
Folgendes vertraute sie mir an einem nebeligen Morgen an…

Vor Urzeiten wurde aus Erde und Wasser und der sanften Wärme der Herbstsonne die Banshee geboren. Mit ihr wurden noch acht weitere Schwestern aus Nebel erschaffen. Das Geschenk, das sie von der alten Göttin erhielten war die Kraft ihrer Stimme. Da ihre Erscheinung flüchtig war konnten sie bei dem Menschen weilen und wenn ihre Zeit, durch die Schere der Norne, in diesem Leben endete, so begleitete sie die Totenklage der Banshee in die Anderswelt.

Doch gab es einst eine Banshee, die die Menschen nicht nur betrachten wollte. Sie wollte mit ihnen sein. Die Sonne fühlen, zu der Musik tanzen und lachen und lieben.

So ging sie ans Meer. Der Wind ließ ihre Gewänder wie Nebelfahnen aussehen. Ihre Schwestern sagten, daß sie hier Hilfe bekäme. Doch schien sie ganz allein. Sie brauchte Hilfe um ihre Sehnsucht zu stillen!

“Hör mich, du tiefe See! Ich brauche deine Hilfe!”

“Ich habe gehört.” Ein Mann mit den Augen der Nordsee, farblich zwischen sturmgrau und grün schwankend, stand vor ihr. Er war alterslos, doch waren seine Augen uralt. Die Banshee sank nieder. Der Mann lächelte. Hob sie auf.

”Ich habe den tiefen Wunsch gehört. Ich werde ihn dir gewähren doch wisse, daß Leid dich begleiten wird.”
“Das ist mir gleich, unerwarteter Gott. “
So nickte er und verwandelte ihre Gestalt, so dass sie aus Fleisch und Blut war.
”Geh nun..doch höre die Bedingung. Kein Mensch darf deinen Gesang vernehmen. Denn das grosse Lied darf nicht durch dein Fehlen verändert werden. Zu jedem Neumond solltest du alleine singen dürfen. Kein Mensch darf dich hören. Tut er das verlierst du deinen Körper.” sagte der Gott sanft aber mit Melancholie. Er erahnte den  Fortgang.

Die Banshee dankte ihm dafür und begab sich in die Stadt am Meer. Mit ihrer aussergewöhnlichen Art, der schlichten Schönheit aus dem Inneren und ihrem Geschichtenreichtum die sie aus der Anderswelt mitgebracht hatte, war sie bald ein wichtiger Teil des Lebens der Menschen. Doch ..bald verlief ihr Leben anders. Sie verliebte sich und heiratete einen Menschenmann. In der Weihenacht hatte sie ihn gebeten ihr zu jedem Neumond ihre Zeit allein zu lassen und sie nie zu fragen warum.

Im ersten Jahr konnte die Banshee zu jedem Neumond mit ihren Schwestern singen und das grosse Lied webte das Gleichgewicht von Leben und Tod.

Im zweiten Jahr wurde ihr Mann misstrauisch. Seine Frau verschwand nächtelang. Spurlos. Keiner konnte sie finden.

Im dritten Jahr reichte es ihm. Statt sich um die Familie zu kümmern und um ihn, ihren Herren, war die Banshee draussen. Bei Nacht und Nebel am Meer. Dort hatten manche der Stadtbewohner sie gesehen. Allein mit dem Nebelreich, den Elementen.

Eines Nachts, die Kinder schliefen, folgte er ihr zum Strand. Ein Lied flog mit dem Wind, rauschte in den Wellen, ruhte im Stein. Dort war seine Frau und sang! Doch sang sie nicht allein. “Hier bist du, Hexe! Beschwörst du den Sturm herauf, der die Fischer zum Kentern bringt?!” Unbedacht hatte er diese Worte gesprochen, doch waren sie gehört und nicht zurückzunehmen.

Mit traurigem Blick sah die Banshee zu ihrem Mann während ihr Fleisch sich nach und nach zum Nebel verwandelte. Fleisch zu Geist wurde.

Der unerwartete Gott mit den Meeraugen tauchte als Silhouette hinter ihr auf. Legte mitfühlend die Hand auf ihre Schulter.

“Durch deine eigene Unsicherheit hast du das beendet. Ich werde unsere Kinder ihr Leben lang begleiten. Doch Mensch werd ich nicht mehr werden können.“
Und die Banshee wurde zu Nebel.

In der Anderswelt begrüssten ihre acht Schwestern sie. Sie hatten sie vermisst und teilten ihr Leid.

Die Kinder wurden erwachsen, gründeten selber Familien.
So ist es, daß das Blut des Anderweltlichen und Fernen sich in vielen Menschen dieser Zeit bewahrt hat.

Ende

 

Autorin: Veleda Alantia

Bilder: Veleda Alantia