Editorial

12. Mai 2012

Well met, alle zusammen!

Dieses Wochenende soll ja nicht gerade das schönste Frühlingswetter mit sich bringen und deshalb habe ich unsere beiden UpdateArtikel etwas länger ausfallen lassen …

Der Teil II von Werners “Die andere Welt” bietet Euch hoffentlich genauso viel Gedankenfutter wie Merienptahs Teil III von “Ressourcen und deren Verschwendung“.

Wie immer freuen wir uns über (je lebhafter desto besser) Diskussionen mittels Kommentarfunktion hier im Blog oder auf unserer facebookpage direkt.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Ressourcen und deren Verschwendung – Teil III geschrieben von Merienptah

12. Mai 2012

Trotz neuer Medien wie E-Mail und Computer sind wir heute weit entfernt vom erhofften „papierlosen“ Büro, sie haben den Papierverbrauch sogar noch stärker ansteigen lassen als bisher. Deutschland gehört neben Japan und den USA mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 250 kg zu den größten Papierverbrauchern weltweit, und Jahr für Jahr steigt der Verbrauch bei uns weiter um drei Prozent an. Seit 1950 hat sich unser Papierverbrauch versiebenfacht. Unser Land verbraucht so viel Papier wie der gesamte afrikanische und lateinamerikanische Kontinent zusammen. Bereits heute landet jeder fünfte weltweit gefällte Baum in einem Zellstoffwerk, mit steigender Tendenz. Während Papier in all seinen Verarbeitungsvariationen zum größten Teil in den Industriegesellschaften verbraucht wird, werden die Rohstoffe hierfür mehr und mehr in Entwicklungsländern erzeugt, mit teilweise erheblichen ökologischen und sozialen Konsequenzen. Ganze Ökosysteme werden für die Frischfaserherstellung zerstört und Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen.

Dabei muss ich auch nochmal einen Bogen zum vorherigen Beispiel schlagen was Transportwege angeht. Ein Großteil unseres Papieres (oder der Rohstoffe zur Papierherstellung) kommt aus Südostasien oder Brasilien. Das sind wie oben schon erwähnt über 11‘000 km Transportstrecke.

Parallel zum steigenden Papierverbrauch ist in Deutschland die Nachfrage nach Recyclingpapieren drastisch zurückgegangen. Stellvertretend für den Bereich der grafischen Papiere belegt das der gut messbare Sektor Schulmaterialien: Zu Beginn der 90er Jahre waren ungefähr 70% der Schulhefte aus Recyclingpapier, heute sind es gerade noch 5-10%. Die grafischen Papiere, die immerhin knapp die Hälfte unseres Papierverbrauchs ausmachen, beinhalten nur sehr wenig Altpapier. Tageszeitungen sind zwar komplett aus Altpapier, aber alle anderen Papiere bringen es nur auf einen Anteil von 22 %. Die Gründe hierfür sind in erster Linie alte Vorurteile, die nicht mehr gerechtfertigt sind. Modernes Recyclingpapier erfüllt heute belegbar höchste technische Ansprüche und schneidet in Untersuchungen hervorragend ab. Obwohl Deutschland weltweit als Vorbild in Sachen Altpapierrecycling gilt und einen hohen Einsatz an Altpapier in der Papierproduktion zu verzeichnen hat, gibt es hier keinen Markt für Recyclingpapiere. Woran liegt das? Einzig am Verbraucher!

Im Bereich der grafischen Papiere wird der Löwenanteil von Großunternehmen und öffentlichen Verwaltungen verbraucht. Und gerade hier haben sich die Vorurteile, dass Recyclingpapier zu grau, zu teuer sei und ungeeignet für Drucker und Kopierer, besonders manifestiert. So ist auch im Bürobereich die Nachfrage nach umweltfreundlichen Papieren stark rückläufig, während der Verbrauch von Frischfaserpapieren zunimmt.

Ist man sich hier darüber im Klaren, dass ein Kind in Deutschland an seinem 1. Geburtstag die gleiche Menge Papierprodukte verbraucht hat wie ein Mensch in Indien in 53 Jahren?
Jahr für Jahr verschwinden 12 bis 15 Millionen Hektar Wald (davon landet ein Fünftel in den Papierfabriken). Das ist eine Fläche dreimal so groß wie die Schweiz. Waldzerstörung ist die größte durch den Menschen verursachte Veränderung auf unseren Kontinenten. Von den Urwäldern, die auf der Erde einst existiert haben, sind heute nur noch etwa 20% geblieben. Vor allem in Russland, in Kanada und in Südamerika. In Europa ist der Urwald mittlerweile nahezu vollständig verschwunden. Sollen diese Waldflächen demnächst auch in den Papiermühlen verschwinden? Und wenn sie verschwunden sind, was machen wir dann? Darüber sollte man jetzt nachdenken, nicht erst wenn es zu spät ist!

Wir müssen also Papiermaterialien einsparen. Das heißt weniger Papiermüll zu erzeugen, weniger Frischfaserpapiere herstellen und mehr auf Recyclingpapiere zurückgreifen. Auch Verpackungsmaterialien einsparen – es muss doch nicht alles x-fach verpackt werden. Vor allem im Bereich der Hygienepapiere sollte mehr Wert auf Recyclingpapier gelegt werden. Diese Papiere werden nur einmal benutzt bevor sie unwiederbringlich in der Kanalisation und dem Hausmüll verschwinden. Taschentücher, Papierhandtücher und Toilettenpapier sollten zu 100% aus Recyclingpapier hergestellt werden, da sie als Verbrauchsgüter nach dem Gebrauch dem Recycling nicht wieder zugeführt werden können.

Hygienepapiere mit geringerem Recyclingpapieranteil müssen vom Endverbraucher unbedingt vermieden werden. Niemand stirbt davon wenn sein Tissue-Papier nicht superflauschig, 5-lagig und leuchtend weiß ist. Kauft der Verbraucher diese Frischfaserpapiere nicht mehr werden sie nicht mehr hergestellt. Die Nachfrage bestimmt bekanntlich das Angebot. Wir müssen nur endlich mal unsere Einkaufsgewohnheiten ändern um nachhaltiger mit dem umzugehen was wir haben.

Auch ist es anzuraten weniger „Schmierpapier“ zu verwenden um unnötiges darauf zu kritzeln. Notizpapiere kann man auch mehrfach wiederverwenden wenn man sie beispielsweise mit Bleistift beschreibt anstatt mit Kugelschreiber und diese Notizen nach Gebrauch wieder entfernt um das Papier erneut zu beschreiben. Somit kann man ein Notizblatt bestimmt zehnmal benutzen. Es ist dann sicherlich durch die Radierungen nicht mehr ganz so hübsch, aber der Nutzwert ist der Selbe. Auch normales Schreibpapier sollte aus Recyclingpapier bestehen. Wer hat denn festgelegt dass ein Schreibblatt blütenweiß sein muss? Schneeweißes, also gebleichtes Papier gibt es eh erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Davor war Papier eher bräunlich oder grau und das hat niemanden wirklich gestört. Auch bei der Arbeit am PC sollte man mal nachlesen was man geschrieben hat bevor man den Druckauftrag erteilt um unnötige Fehldrucke zu vermeiden.

Ende Teil III

Die “andere Welt” geschrieben von Werner, Teil II

12. Mai 2012

Wenn ich die Ornamente, welche die Kelten auf all die von ihnen hergestellten Gegenstände anbrachten genau betrachte, dann fällt bei all diesen Verzierungen auf, dass sie ganz anders sind als alles, was andere Völker dieser Epochen gemacht haben. Deshalb muss auch ihre Weltsicht anders gewesen sein. Die Ornamente der Kelten sind nie statisch oder „geordnet“ Es gibt keine Zick-Zack-Linien, kaum gerade Linien oder geometrische Formen. Alles verbindet sich, alles „lebt“. Pflanzen und Tiere und sogar Menschen vermischen sich. Das Blatt eines Baumes kann der Kopf eines Vogels sein, ein Fuchs kann einen Schwanz haben, der wie ein Blumenstrauß aussieht oder die Ohren eines Tieres können Blätter sein und so weiter. Tiere, Pflanzen, Steine, alles ist verwoben und vernetzt. Gestalten können sich ändern, Menschen können zu Tieren werden und Tiere zu Menschen. Oder sie sind teils Tier, teils Mensch oder auch Teils Pflanze, teils Tier und so weiter.
Erstaunlich ist, dass die heutige Wissenschaft, insbesondere die Quantenphysik auch davon spricht, dass alles verwoben und vernetzt ist! Unsere Märchen erzählen heute noch davon, dass Menschen in Tiere verwandelt werden oder auch umgekehrt, dass ein Tier menschliche Gestalt annimmt. – Oder denken wir an die oft gesehenen Fixierbilder. Es sind Gesichter, die irgendwo versteckt sind. Sie können eine Eule darstellen oder auch ein menschliches Gesicht, je nach Blickwinkel. Oder ein Gesicht ist lachend, wenn man aber dasselbe Gesicht von oben betrachtet, dann ist es ein trauriges Gesicht.

Oder nehmen wir die immer wiederkehrende Spirale. Sie kann in vielerlei Weise dargestellt werden. Was mich jedoch besonders fasziniert: Man kann sie als eine sich öffnende Spirale erkennen, oder eine sich schließende Spirale. Man kann vom Mittelpunkt ausgehen und dann ist sie eine sich öffnende Spirale, die sich immer weiter öffnet, anscheinend endlos. Man kann nun jedoch eine Spirale auch von außen nach innen aufzeichnen oder sie in dieser Weise betrachten und dann geht sie auf den Mittelpunkt zu, wo sie dann ihr vermeintliches Ende hat. Das Spiralmuster zeigt uns jedoch nicht nur, dass alles sich ausdehnt und auch nicht nur, dass alles auf einen Mittelpunkt zustrebt, sondern sie zeigt uns automatisch damit auch, dass immer alles weitergeht. Die Spirale ist ein universales Muster, sie zeigt uns tatsächlich, wie und was das Universum ist. Dass nämlich aus dem Mittelpunkt (dem „Urknall“) sich eine Galaxie aufbaut in einer Spiralform. Dass es jedoch auch Galaxien gibt, die sich auf den Mittelpunkt hin entwickeln und dort in dem, was wir heute das „Schwarze Loch“ nennen, enden. Nach den neuesten Erkenntnissen von Stephen Hawking entwickelt sich jedoch aus dem Schwarzen Loch wieder eine neue Galaxie, sodass der Urknall und das Schwarze Loch eigentlich dasselbe sind, dass Beides ein Ende und gleichzeitig ein neuer Anfang ist.
Wussten die Kelten darüber Bescheid?

Oder wussten sie einfach intuitiv, wie die Welt beschaffen war?

Sicherlich wussten sie es nicht intellektuell, so wie wir. Wir westlichen Menschen erfassen solche Dinge intellektuell, also mit dem Verstand. Ja, wir müssen hier besonders betonen, dass wir fast alles NUR intellektuell erfassen. Oder wir versuchen zumindest, Dinge zu erfassen, die wir nicht ganz verstehen können mit unserem Intellekt. Aber gerade weil wir sie nicht verstehen können, suchen wir immer intensiver nach einer Erklärung. Aber immer nur in intellektueller Weise. Wir schreiben dann alles auf und meinen somit, dass wir nun unser Wissen festgelegt haben. Die Kelten jedoch lehnten die Schrift ab, weil sie wussten, dass sie damit ihre intuitiven Fähigkeiten, manche Dinge und Geschehnisse zu erleben, verlieren würden. Sogar, dass sie nicht nur die Fähigkeit verlieren würden, intuitiv Dinge zu erfassen, sondern sie auch innerlich zu verarbeiten und dadurch zu einem tiefen Verständnis der Welt – und sogar der nicht sichtbaren Welt zu kommen. Wenn wir etwas aufschreiben, dann ist das Verstehen – und damit meine ich die innere Verarbeitung, also ein intensives Verständnis, das nicht nur vom Kopf kommt – nicht so wichtig. Denn wir meinen, wir haben alles festgelegt und wenn wir etwas darüber wissen wollen, dann genügt es, in einem Buch dies alles nachzulesen. Heute ist es sogar noch einfacher, da gibt uns das Internet Aufschlüsse und Antworten über fast alles. Jedoch nur über „fast“ alles. Denn was noch nicht aufgeschrieben und festgehalten wurde, das kann man selbstverständlich auch nicht nachlesen. Nachdem wir alles intellektuell erfassen, bleibt das intuitive Verstehen und somit auch die innere Verarbeitung auf der Strecke.
Nun, was hat das alles mit der „anderen Welt“ zu tun?

Ich meine, es hat sehr viel damit zu tun, was die Kelten darunter verstanden haben und was wir, die Menschen der westlich ausgerichteten Gesellschaften heute (und offensichtlich nicht nur heute, sondern sogar schon vor 2000 Jahren!) darunter verstehen und damals schon verstanden.

Was könnte nun diese „Anderswelt“ der Kelten wirklich gewesen sein?

Eine Antwort darauf gab mir meine Musik.

Nein, nicht das, was die meisten Menschen unter Musik verstehen. Denn „meine“ Musik ist anders. Für mich ist Musik nichts anderes als Töne. Natürlich eine Abfolge von Tönen ebenso. Eine Abfolge von Tönen kann eine Melodie ergeben. Sie kann nicht nur, es wird immer eine Melodie daraus. Ob sie allerdings melodisch ist – das heißt, in der Weise klingt, die wir als melodisch empfinden -  das ist nicht automatisch der Fall.

Nun muss ich noch erklären, dass ich immer dachte, ich sei nicht musikalisch. Das kam daher, dass in meiner Kindheit der Musiklehrer meiner Schule mit meinem Gesang nicht zufrieden war. Auch mit meinem musikalischen Gehör war er nicht zufrieden. Ich konnte einfach nicht hören, ob eine Tonfolge aufstieg oder abstieg. Das mag einem Musiker unverständlich sein, ja er wird sogar glauben, dass so etwas gar nicht möglich sein kann. Deshalb betrachtete mich mein Musiklehrer als aufsässig, denn er meinte, ich würde nur vorgeben, diese einfachen Abfolgen nicht hören zu können. Darunter habe ich damals ein wenig gelitten, aber schließlich akzeptierte ich, dass ich unmusikalisch war und nahm meine schlechte Note mit einem Achselzucken hin. Zwar lernte ich es trotzdem, die Noten zu lesen, so wie man eben auch Buchstaben liest, aber es war mir unmöglich, die aufgeschriebenen Noten nachzusingen oder sie auch auf dem Klavier, das wir zu Hause hatten, flüssig nach zu spielen. Die Noten waren für mich nur Zeichen auf dem Papier und nicht wirkliche Töne. Ein paar Mal übte ich auch, auf dem Klavier ein paar Noten zu spielen, aber es war extrem mühsam. Deshalb hatte ich auch keine Lust, irgend ein Instrument zu erlernen, da es so schwierig war, die Noten von dem Papier auf ein Instrument zu übertagen. Ich ging immer von dem C aus und zählte dann die nächsten Noten ab und dann die Tasten auf dem Klavier. Diese rein mechanische Methode machte ein Spiel fast unmöglich. Denn es dauerte einfach viel zu lange, bis ich die nächste Taste fand. Da mir immer wieder gesagt wurde, dass ich ohnehin nicht musikalisch war, kam es mir auch gar nicht ernsthaft in den Sinn, ein Instrument zu erlernen. Dessen ungeachtet liebte ich die Musik, selbst wenn ich wusste, dass ich selbst niemals auch nur im Entferntesten so etwas selbst produzieren könnte und nicht einmal ein Liedchen richtig singen konnte, so liebte ich es doch sehr, schöner Musik zu lauschen.

Da geschah es, dass mir mal eine Mundharmonika in die Hände fiel. Sie hatte wohl früher einem unserer Kinder gehört. Ich war inzwischen schon über 50 Jahre alt und hätte niemals gedacht, dass ich noch ein Instrument erlernen würde, selbst wenn auch nur so ein einfaches Instrument wie es die Mundharmonika ist. Trotzdem nahm ich sie in die Hand und blies einmal hinein. Sie gab einen sehr schönen weichen Ton von sich. Schon allein dieser eine Ton sprach mich in unglaublicher Weise an. Ich lauschte ihm nach, wie er langsam im Nichts verhallte. Dann blies ich nochmals und nochmals und war ganz benommen von dem Ton oder den Tönen, die ich mit meinem Atem produzierte. Ich machte weiter, reihte Töne aneinander und manchmal traf ich, ohne zu wollen, eine wunderbare Tonfolge. Es geschah ganz automatisch, ohne dass ich mir Gedanken machte, wie diese Töne zusammen stimmen würden oder wie ich sie gefunden hatte. Ich überließ mich dem Instrument und meinem Atem, mehr tat ich nicht.

Nun machte ich weiter. Sehr schnell lernte ich – oder sollte ich besser sagen: ich erfühlte es? – schöne Melodien zu formen. Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, dass ich es gar nicht selbst war, sondern die Mundharmonika war es, die diese Töne zustande brachte. Ich blies nur hinein und gab ihr damit die Möglichkeit, diese schönen Töne zu formen. Seitdem spiele ich oft auf der Mundharmonika. Ich habe mir inzwischen noch ein paar andere Harmonikas dazu gekauft in verschiedenen Tonarten und somit kann ich nun mit jeder Mundharmonika verschiedene Tonfärbungen spielen. Welche Tonarten das sind, das ist mir ganz gleichgültig. Ich habe eine, die spielt sehr weiche Töne, eine andere, mit der kann man flotte Melodien spielen und so weiter. Immer kommen neue Melodien. Aber ich kann keine Tonfolge gezielt spielen und somit auch sehr selten dieselbe Melodie noch einmal spielen. Selbstverständlich kann ich auch nicht willentlich sagen, ich spiele nun „Hänschen klein“ oder sonst eine ganz einfache Kindermelodie. Die Melodien sind plötzlich da, entstanden aus dem Nichts – und sie verschwinden wieder im Nichts oder im All. Trotzdem – oder vielleicht sogar DESHALB – dringen sie tief in meine Seele ein. Jede Melodie ist einmalig! Sie kommen von irgendwo her, oder auch tief aus meiner Seele heraus. Beides stimmt sicherlich gleichzeitig. Es ist ein ständiger Austausch mit meiner Seele und all dem, was um mich herum ist. Meine Seele und die Welt, diese Beiden stehen dann im Austausch. Jedoch sind es nicht zwei getrennte Wesenheiten. Zusammen sind sie EINS. Es ist das Urbild der Polarität!

Ende Teil II

Editorial

05. Mai 2012

Well met, alle zusammen!

Alles neu macht der Mai? Bei uns gibt es das wöchentliche Update, genauso wie immer – aber vielleicht gibt es ja bei Euch etwas Neues, das Ihr teilen wollt?! Schickt es uns einfach unter redaktion (klammeraffe) wurzelwerk.at oder hinterlasst uns einen Kommentar hier im Blog …

Für unsere Rubrik “Das Grüne Horn” hat Shina diesmal ein sehr zwiespältig betrachtetes Thema gewählt, die “Verantwortung“. In Zeiten von ethischen Schulungen für Politiker und fast täglichen Schlagzeilen über Finanzmachenschaften aller Art, ist das sicher auch ein paar Gedanken wert.
Als zweiten Artikel setzen wir McClaudias Serie “Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen” mit dem Teil XIV fort. Natürlich findet Ihr die vorhergehenden Folgen im “Es war einmal“.

Wie immer wünsche ich Euch spannendes Lesevergnügen und uns Eure Kommentare.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Verantwortung

05. Mai 2012

Mit der Macht wächst auch die Verantwortung.

Verantwortung – dieses Wort ist zu einem negativen Ausdruck geworden. Mit schwingt eine Art Schwere, die auch noch dazu führt, dass man mit Verantwortung oftmals einen Druck assoziiert. Man spürt sie auf den eigenen Schultern lasten und von manchem Menschen, der viel Verantwortung mit sich trägt, kennt man den Stress, den eine solche Verpflichtung bringen kann. Selten hört man etwas Gutes über diverse Verantwortlichkeiten. „Wie schön es ist, wenn man das Ruder selbst herumreißen kann.“ „Wie ergreifend es ist, wenn man eine verantwortliche Aufgabe erfolgreich zu Ende bringen konnte.“ „Wie viel Freude es macht, wenn man sieht, wie Menschen, für die man Verantwortlich ist, glücklich sind“ – und manchmal auch dankbar dafür, dass man die Verantwortung für sie „trägt“.


Kleckern, aber nicht klotzen

Ich finde es immer wieder spannend, dass sich in unserer Gesellschaft immer klarer das Kleckerbild durchsetzt. Vielleicht ist es eine Nebenerscheinung des Informationszeitalters, in dem jeder ständig mit Informationen bombardiert wird, worauf man sich dann halbherzig ein paar Rosinen herauspickt, viele saftige Trauben dabei aber auf der Strecke bleiben. Informiert zu sein und zu bleiben wird immer anstrengender. Auch im Heidentum hat die Flut an Büchern und Informationsmaterial nach einem zaghaften Start in den letzten Jahrzehnten, sich zu einem reißenden Fluss entwickelt, bei dem es nicht einfach ist, den Überblick zu behalten. Während manche Bücher wahre Schätze an Ideen und Techniken anbieten, taugen andere nicht mal mehr als Klopapier. Natürlich wird überall versucht Geld zu verdienen, deshalb werden auch im spirituellen Bereich die Marketingmaschinen immer besser, um auch Müll an die spirituell arbeitende Person zu bringen.

Jeder kann aber für seinen eigenen Werdegang Verantwortung übernehmen und sich bewusst dafür entscheiden, nicht jeden Mist zu fressen, der einem vorgesetzt wird. Verantwortung in der spirituellen Arbeit bedeutet einerseits die bewusste Suche nach Materialien, die persönlich wertvoll ein können. Aktiv zu werden, anstatt sich passiv berieseln zu lassen. Austausch mit anderen spirituellen Menschen zu suchen, egal ob im Internet oder real, kann ein erster Schritt in diese Richtung sein. Den Mut zu beweisen, Fragen zu stellen und direkt nach Quellen zu suchen, bedeutet zwar einen Mehraufwand, der aber in jedem Falle ein Ergebnis bringt, aus dem wertvolle Erfahrungen geschöpft werden können.

Bloß nicht im Fahrwasser schwimmen

Eine sehr beliebte Möglichkeit des Verantwortung-abgebens, wenn es um spirituelles oder heidnisches Weiterkommen geht, ist sich nach dem ersten Hinein-schnuppern in ein Thema nach einem Mentor umzusehen. Ein Mentor/Lehrer/Hohepriester –In wird immer noch fälschlicherweise als eine Person verstanden, die einem das Wissen mit dem Löffel füttert. Bis zu einem gewissen Grad kann das auch funktionieren, doch irgendwann ist man selbst dazu angehalten dieses Wissen auch zu verdauen, Fragen zu stellen und selbst Erfahrungen zu sammeln. Wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, denkt man vielleicht an die schönen Nachmittage, an denen man während der Stunde ein wenig weg-gedöst ist oder mit dem Banknachbarn unter dem Tisch Zettel getauscht hat. Dass aber auch die Schule allein nicht so romantisch ist, zeigte sich dann später bei Prüfungen und Schularbeiten. Gut, manches Mal hat man es dort vielleicht auch nicht so schlimm genommen, wenn man einmal eine schlechte Note hatte – spätestens aber, wenn man sich vor den Eltern dafür rechtfertigen – oder die Verantwortung übernehmen musste – war es nicht mehr ganz so angenehm.

So und ähnlich wird es auch in jedem Lernverhältnis sein, dass man sich im spirituellen Sinne auferlegt. Ein Lehrer kann einen nur bis zu einem gewissen Punkt bringen. Danach ist man dazu angehalten selbst zu lernen und Prüfungen zu meistern – sich selbst Rede und Antwort zu stehen und auch vor den spirituellen Eltern sowie Lehrern. Natürlich fällt es auf, wenn jemand stagniert und sich nicht weiter bewegt und natürlich hat dies auch Konsequenzen. Ein jeder Mensch ist für sein eigenes Fortkommen verantwortlich, aber nicht jeder Lehrer kann und wird sich auf Dauer mit einem Drückeberger abfinden. Natürlich kann es auch bei einer spirituellen Ausbildung dazu kommen, dass sich Wege wieder trennen, man „die Schule wechseln muss“ oder ein Lehrer seine Aufgabe niederlegt. In einem Lernverhältnis übernehmen beide Seiten eine Verantwortung – der Lernende, die sich weiter zu bilden, und der Lehrende sich um den Lernenden zu kümmern. Wenn diese Verantwortung nicht auf beiden Seiten funktioniert, wird das Verhältnis natürlich auf Dauer angeschlagen. Kein Lehrer will Leute „zur Weisheit treten müssen“ und kein Lernender will „im Stich gelassen werden“.

Choose your path

Das wunderschöne Gedankenbild von gemeinsamen Kräuterwanderungen, oder Covenversammlungen im Sonnenuntergang wird meistens beim ersten Real-Meeting schon Zunichte gemacht – wenn es denn heißt: „Wonach suchst du? Und sind wir da die richtige Adresse?“ Einen Lernweg einzuschlagen bedeutet auch, dass man die Verantwortung übernehmen sollte, für den Weg den man einschlägt. Das heißt: Was will ich und was muss ich tun, um dorthin zu kommen? Wer kann mir helfen, wen kann ich fragen? Eine Ausbildung zu machen, nur um irgendwohin zu kommen, ist in den meisten Fällen kontraproduktiv. Ein Meditationskurs wird mir persönlich nur dann etwas bringen, wenn ich Meditation als gangbare Möglichkeit ansehe, um dorthin zu kommen, wo ich hin will. Natürlich kann ich auch, wenn ich ein anderes Ziel habe, ein bis zwei wertvolle Dinge mitnehmen. Die Frage, die man sich dazu jedoch stellen sollte ist, ob sich das lohnt oder ob man nicht lieber etwas anderes lernen möchte, das einem dem eigentlichen Ziel näher bringt. Genau deshalb gibt es bei einer spirituellen Ausbildung meist sehr viele Gespräche – zu Beginn einer Ausbildung und auch währenddessen.

Heiligenscheine färben nicht ab

Man kann sehr viel lernen, wenn man eine Person beobachtet, die mit ihrer Spiritualität in Einklang lebt. Die Entscheidungen, die diese Person trifft und der Grund dafür, können Aufschluss über eine Einstellung geben, die zum Erreichen der eigenen Spiritualität hilfreich sein kann. Allerdings ist es kein Allheilmittel. Durch bloßes Zusammensein mit einer Person kann man zwar deren Einstellung erahnen, um dadurch aber auch persönlich voranzukommen, muss man das gelernte zuerst eigenverantwortlich umsetzen. Dabei sollte man außerdem auch darauf achten, dass man eine Person nicht Idealisiert. Jede Hohepriesterin hat auch einen Haushalt zu führen, einer Arbeit nachzugehen, eventuell auch Kinder zu wickeln etc.

Und nicht jeder Mensch ist natürlich immer in Einklang mit sich selbst und seinen Göttern. Das soll aber auch so sein – denn wenn man den Weg der Götter nicht ab und an verlassen würde – wie sollte man sonst lernen ihn zu erkennen und schätzen zu wissen? Je weiter man manchmal vom eigenen Weg abkommt, desto eher merkt man irgendwann, wie man wieder dorthin zurück findet oder wie man ihn überhaupt finden kann. Ein spirituelles Leben bedeutet meiner Ansicht nach, dass man sich auch ab und an außerhalb des Flusses befindet, nicht eins mit allem ist und sich dabei auch manchmal sehr gut fühlen kann, oder auch mal richtig elend. So wie Eltern manches Mal von ihren schreienden Kindern genervt sein können, und sich dann umso mehr freuen, wenn das Kind sich wieder beruhigt und zu einem kommt – so denke ich geht es auch den Göttern.

Tu was du willst, solange es keinem schadet

Wer ein verantwortliches Leben führt und selbst nach seinem Weg sucht, der wird auch diverse Konsequenzen für sein Handeln erleben. Noch so ein erdrückendes Wort. Dabei ist eine Konsequenz einer Handlung gar nicht so furchtbar, wenn man sich vollends hinter das eigene Handeln stellen kann. Konsequenzen sind dann furchteinflößend, wenn sie auf eine Handlung folgen, die man nicht aus eigenem Ermessen getan hat – zu der man sich vielleicht überreden ließ, von der man nicht vollends überzeugt war. Genau so sehe ich auch die Weisung, die das magische Gesetz „Tu was du willst,…“ vermitteln soll. Du darfst tun, was du willst. Überlege dir aber vorher, welche Konsequenzen es haben könnte. Wenn du dann noch immer handeln kannst, ohne dich vor den Folgen zur fürchten – dann übernimmst du die Verantwortung für dein Tun und niemand kann es dir zu Lasten legen. Vielleicht werden manche es trotzdem versuchen, aber aus deiner Sicherheit kannst du Kraft schöpfen. Wie ein anderes magisches Gesetz sagt: Magie ist Einfluss unter Willen. Wenn dein Wille stark ist, dann ist er Energie, die einem Zweck folgt und niemand kann diese brechen. Solange deine Energie sich auf deine Stärke und Verantwortung fokussiert und nicht auf die eigenen Zweifel, oder Zweifel an deiner Entscheidung.

Es gibt keine „verantwortungslosen“ Abkürzungen

Verantwortung ist in meinen Augen eine Kraft, ohne die es auf dem spirituellen Weg nicht geht. Interaktion mit Göttern, Erlernen von Techniken, Ausüben von Magie – das alles sind Dinge, bei denen es ohne Verantwortung nicht geht. Anfangs braucht es sicherlich ein wenig Bestätigung, bis man sich weit genug fühlt, um eigenverantwortlich gehen zu lernen. Irgendwann muss man jedoch Verantwortung übernehmen, für sich selbst, für die eigenen Handlungen, oder auch für andere – und das ist dann wahrscheinlich der Punkt, an dem es so richtig Kabumm macht und man mit einem Schnall nach vorne katapultiert wird. Wer bereit ist sein Herz in seine Taten zu legen und hinter diesen zu stehen, den kann nichts mehr aufhalten. Und das ist eine weitere Bedeutung des weisen Satzes: „Je größer die Macht, desto größer die Verantwortung“. Denn „Macht“ bekommt nur, wer bereit ist sich etwas aufzulasten, Verantwortung für etwas zu übernehmen.