Chinakohl

04. Februar 2012

Welches Gemüse passt gut in die kalte Jahreszeit, kann auch ohne weite Reisewege aus regionalem Anbau genossen werden und ist vor allem gesund? Der Chinakohl ist eine passende Antwort auf diese Frage.

Bereits im 5. Jahrhundert soll man in China den Chinakohl gekannt und kultiviert haben. Das Gmüse mit dem Namen „Bai-Tsai“, was auf deutsch soviel wie „weißes Gemüse“ bedeutet, kam erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach Eurpa, wo wir es seitdem kennen und gerne auch im Winter genießen, da man ihn hauptsächlich im Spätherbst erntet.

Auch wenn man ihn vom Namen her eigentlich zu den Kohlarten zählen würde, ist der Chinakohl eigentlich gar kein Kohl, sondern eine Salatpflanze – und kann deshalb auch als Salat und somit roh gegessen werden. Außerdem braucht der Chinakohl nicht lange geschmort zu werden, da seine Blätter sehr weich sind. Er eignet sich hervorragend für Dampf-gerichte oder schnelle Wok-Speisen.

Chinakohl-Taschen für 4:

  • 8 große Chinakohlblätter (ergibt 8 Taschen)
  • 25 g Bambussprossen
  • 4 gehackte Frühlingszwiebeln
  • 2 in Scheiben geschnittene Maiskölbchen
  • 2 TL Sojasauce
  • 1 geschnittene Selleriestange
  • 1 geriebene Karotte
  • 1 gehackte Knoblauchzehe
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer
  • 1 TL Sesamöl

Die Chinakohlblätter in heißem Wasser einige Minuten lang einweichen lassen, damit sie weich werden. Währenddessen kann man das übrige Gemüse vorbereiten und gut vermischen. Dann werden die Chinakohlblätter mit je 1-2 EL der Gemüsefülle belegt und zusammengerollt. Mit Zahnstochern kann man die Taschen fiieren, damit sie nicht wieder auf gehen. Am besten steckt man die Zahnstocher dazu durch die dichten weißen Äste in der Blattmitte. Die fertigen Taschen werden in einen Dampftopf gelegt oder in einen Bambustopf, welchen man in eine Pfanne mit etwas Wasser setzt. Den Deckel des Topfs schließen und das Wasser in der Pfanne zum Kochen bringen, damit Wasserdampf entsteht, welcher die Taschen im Topf gar kocht. Aber Achtung, das Wasser muss rechtzeitig immer wieder nachgefüllt werden, damit der Topf nicht auf der heißen Pfanne sitzt.

Wer keinen Dampftopf hat, kann die Taschen auch im Wok anbraten. Zwar habe ich es selbst noch nicht versucht, denke aber, dass es sicherlich lecker schmecken wird.

Eine Variation zur oben genannten Fülle besteht darin die Karotten mit Zwiebel und Knoblauch, Paprika oder Kichererbsenpüree zu füllen, oder aber auch mit etwas fleischlichem. Die Vielfalt auszuprobieren ist spannend und macht zudem noch enormen Spaß, da die Zubereitung der Taschen keine Hexerei ist, schnell funktioniert und man dazu keinen Teig vorbereiten muss.

Chinakohl mit Lauch-Sahne für 4 Personen

  • 500 g Chinakohl
  • 300 ml Gemüsebrühe
  • 4 TL Wasser
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 Stangen Lauch
  • 2 EL Sahne oder auch Joghurt
  • 2 EL Erdnussöl
  • 2 TL Speisestärke
  • 1 EL Sojasoße
  • 1 EL frische gehackte Korianderblätter

Den Chinakohl waschen, in kleine Streifen schneiden und in Wasser kochen. In einem Wok das Öl erhitzen, und den abgetropften Chinakohl, den geschnittenen Lauch, sowie Knoblauch hinzugeben und unter Rühren einige Minuten anbraten lassen. Mit der Gemüsebrühe wird das Gemüse nun abgelöscht und mit Sojasauce abgeschmeckt. Den Wok abdecken und bei geringer Hitze 10 Minuten kochen lassen. Das Gemüse wird nun mit inem Schaumläffel aus der Brühe gehoben und beiseite gestellt. Die restliche Brühe wird weiter gekocht, bis sie etwas zur Hälfe eingekocht ist. Die Speisestärke nun separat mit den 2 TL Wasser vermischen und in die Brühe einrühren. Unter ständigem Rühren auf höherer Stufe aufkochen, bis die Brühe merklich dicker wird. Dann das Gemüse wieder hinzugeben, die Hitze erneut reduzieren und die Sahne einrühren. Das Gemüse sollte dann bald vom Herd genommen weren, damit die Sahne nicht verklumpt. Auf einem Teller anrichten und mit dem frischen Koriander bestreuen.

Peking-Enten-Suppe für 4 Personen

  • 850 ml Hühner oder Gemüsebrühe
  • 220 g Chinakohl
  • 200 g (Peking)enten-fleisch
  • 2 zerdrückte Koblauchzehen
  • 1 EL Reiswein
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 Prise Sternanis
  • 1 EL Sesamöl
  • 1 EL Sesamkörner
  • 1 EL frische Petersilie

Diese Suppe eignet sich hervorragend dazu Reste von chinesischem Essen oder Entenfleisch zu verwerten. Das Entenfleisch wird in Würfel geschnitten, während die Brühe in einem Topf erhitzt wird. Reiswein (wahlweise auch trockener Sherry) und Entenfleisch kommen nun gemeinsam mit dem Chinakohl in die Suppe. Alles gut verrühren und bei mittlerer Stufe eine Viertelstunde kochen lassen. Dann Knoblauch und Sternanis hinzugeben und weitere 10 Minuten köcheln lassen, bis das Fleisch gar ist – oder weniger, wenn es sich um bereits gekochte Reste handelt. In einem Wok dann extra die Sesamkörner ohne Öl oder Fett ein wenig anbraten, damit sein Geschmack intensiver wird. Der Sesam wird gemeinsam mit Sesamöl und der frischen Petersilie in die Suppe eingerührt und schon ist sie fertig, um gegessen zu werden.

Vorsicht Kanalarbeiter! geschrieben von MMarheinecke

04. Februar 2012

Es ist ein uraltes Phänomen, und es ist seit einigen Jahren Mode in der Esoterikszene: das Canneln oder Channeling.

Früher, vor der “New Age-”Welle, nannte man diese Form der Kontaktaufnahme zu andersweltlichen Wesenheiten “Durchsage”. Dabei ist das Medium in Trance, aber es ist “es selbst”, es wird nicht wie bei einer Invokation von der Wesenheit “besessen” oder, wie im Voodoo, “geritten”, und es reist, anders als z. B. ein Schamane, auch nicht in eine “nichtalltägliche Wirklichkeit”. Es dient also als Übermittler oder “Kanal” für eine Wesenheit.

Die Medien verweisen oft auf ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben, seit dem sie nach eigenen Angaben zu andersweltlichen Intelligenzen Kontakt haben – beispielsweise zu Engeln, zu Geistwesen, zu Göttern, zu den Seelen Verstorbener, aber auch zu außerirdischen Raumfahrern. (Stichworte: Kryon und Ashtar Sheran.)
Bemerkenswert ist, dass nicht nur Menschen, die bereits vorher durch Medialität aufgefallen sind, zum “Kanal” werden. Es scheint auch sonst keine besonderen persönlichen Merkmale zu geben, die einen für diese Funktion qualifizieren. Oft werden die Medien völlig überrascht oder überwältigt.
Auch mir selbst ging es so. Ja, ich bin auch so etwas wie ein “Channel-Medium”, wenn man so will. An anderer Stelle in diesem Blog kann man darüber bei Interesse einiges Lesen, z. B. hier, hier oder hier. Nein, ich stehe nicht für irgendwelche spirituellen Dienstleistungen zur Verfügung, schon gar nicht für Fremde und erst recht nicht gegen Geld! Ja, ich bin schon gefragt worden. Nein, ich habe keine schizoide Persönlichkeitsstörung.

 Pater M:M im inspirierten Kontakt mit der Entität Methorn (nicht zu verwechseln mit Metatron)

Pater M:M im inspirierten Kontakt mit der Entität Methorn (nicht zu verwechseln mit Metatron)

Channeling ist leider auch Geschäftemacherei. Kein Massengeschäft für Telefon-Hotlines und Online-Portale wie Tarot-Legungen, Pendeln, Horoskope usw. Eher verdienen “Kanalarbeiter” Geld in Einzelsitzung und durch Bücherschreiben.
Es ist, etwas Charisma und Menschenkenntnis und ein elastisches Gewissen vorausgesetzt, ziemlich einfach, sich als Channel-Medium auszugeben, man muss, anders als ein Plastikschamane, nicht einmal trommeln können.
Ein “echtes” Medium könnte man theoretisch daran erkennen, ob die Inhalte der Botschaften die alltäglichen Möglichkeiten des Übermittlers übertreffen. Das ist z. B. dann der Fall, wenn ein Medium mit normalerweiser mäßiger Ausdrucksfähigkeit in Trance stundenlang komplizierte Sachverhalte in druckreifer Sprache ausführt. Noch überzeugender wirken Menschen, die in einer Sprache “channeln”, die sie eigentlich nicht beherrschen. Aber auch so etwas kann inszeniert werden.

Auch bei ehrlichen Medien kann es für Ratsuchende gefährlich werden. Das Problem liegt daran, dass Channeling-Klienten stärker als etwa Astrologie-Klienten, dazu neigen, die Durchsagen als unumstößliche Wahrheiten zu werten. Das liegt meiner Ansicht nach nicht an größerer Leichtgläubigkeit, sondern an der geringer Distanz, sowohl zwischen dem Klienten und dem Medium, als auch zwischen dem Medium und seiner andersweltlichen Quelle. Es stehen keinen astrologischen Berechnungen, keine Tarot-Karten und noch nicht einmal eine Kristallkugel dazwischen.
Selbst die vergleichsweise distanzierten Astrologie-Klienten neigen dazu, von Horoskopen abhängig zu werden. Ein abhängig gewordener Ratsuchender traut sich keine eigenen Entscheidungen mehr zu und muss immer wieder das Orakel, die Karten, die Sterne, das I-Ging usw. befragen. Beim Channeln und beim Spiritismus, der psychologisch gesehen ähnlich wirkt, ist dieser Risiko besonders groß.
Kommerziell orientierte Medien nutzen dieses Abhängigkeitsverhältnis eiskalt aus. Manche “Kanalarbeiter” fördern diese Abhängigkeit absichtlich, indem sie bei regelmäßiger Teilnahme einen spirituellen Aufstieg versprechen. Ein “Geschäftsprinzip”, das die kommerzielle Channel-Szene sich offensichtlich bei “Psycho-Sekten” wie Scientology abgeguckt hat.

Eine weitere Gefahr, auch bei ehrlichen Medien und für ehrliche Medien, besteht darin, abzuheben, den Kontakt mit der Alltäglichen Wirklichkeit zu verlieren und sich in wahnhafte Vorstellungen hineinzusteigern.
Der Psychologe und Esoterik-Gegner Colin Goldner geht so weit, schon den bloßen Glauben an die Existenz von Geistwesen, auch innerhalb der etablierten Kirchen, für riskant zu halten. Er hält es für jederzeit möglich, dass Geister- oder Engelgläubige in psychotische Wahnvorstellungen abgleiten. Wobei Goldner die Medien selbst, soweit sie nicht ohnehin Betrüger sind, für von wahnhaften Vorstellungen beherrscht hält. Grundsätzlich begrüße ich Goldners skeptische Haltung, und auch seinen betont materialistischen Ansatz kann ich gut nachvollziehen. Allerdings halte ich ihn auch für einen selbstgerechten und verbohrten Fanatiker.

Mit “gechannelten” Büchern kann man ohne Weiteres ganze Bibliotheken füllen. Der Begriff “Channeling” ist relativ neu, Autoren, die nach eigenen Angaben Kontakt mit “jenseitigen” Wesenheiten hatten, deren Botschaften sie aufschrieben, nicht.
Bekannte historische Buchschreib-Medien sind z. B. Jakob Lorber, der “Schreibknecht Gottes”, Helena Petrovna Blavatsky, die Mitgründerin der “Theosophischen Gesellschaft”, Emanuel Swedenborg und, hinsichtlich der Produktivität auch unter den notorisch produktiven medialen Autoren herausragend, auch Rudolf Steiner. Großzügiger definiert sind auch alle offenbarte religiösen Texte “gechannelt”, z. B. der Koran und das meiste in der Bibel.

Einige Bestsellerautoren unter den “Kanalarbeitern” verdienen mit Hilfe ihres “gutes Geistes” Millionen.
Dem Erfolg des heute fast vergessenen “Autorenteams” aus Jane Roberts und einer sich Seth nennenden Wesenheit in den 1970er Jahren folgten unzählige Nachahmer. Allerdings hielt Jane Roberts selbst es immer für möglich, dass Seth eine Personifizierung eines überbewussten Teils ihrer normalen Persönlichkeit, als also ihrem Unterbewusstsein entstammen könnte. Diese selbstkritische Haltung ist unter den “Channelern” nach meinem Eindruck eine seltene und löbliche Ausnahme. Davon abgesehen ragt die anspruchsvolle Metaphysik im “Seth-Material” auch inhaltlich aus der Masse der “gechannelten” Botschaften heraus. Egal, ob aufgestiegene Meister aus Atlantis, Nostradamus, Albert Einstein, Metatron, Jesus, Außerirdische vom fünften Planeten des Aldebaran oder nur die verstorbene Großmutter gechannelt werden, oder ob ein Medium Einblick in die Akasha-Chronik oder das Buch mit den sieben Siegeln zu haben behauptet – kanalisierte Botschaften laufen nach meinem Eindruck fast immer auf dasselbe hinaus: Wir gehen schweren Zeiten entgegen, und wie müssen uns dringend ändern, wenn wir uns weiterentwickeln oder, bei den nicht seltenen Weltuntergangspropheten unter den gechannelten Wesenheiten, überleben wollen. Die Texte der Wesenheiten unterscheiden sich bei den konkrete Aussagen, im Weltbild und, bei den Apokalyptikern unter der Kanalarbeitern, in der Art der finalen Katastrophe. Gemeinsam ist den meisten eine tiefe Belanglosigkeit, verbunden mit ausgeprägten Wortreichtum. Das Ganze garniert mit dem in der esoterischen Literatur üblichen Licht- und Liebe-Zuckerguss.
Da frage ich mich doch, wozu man für solche Banalitäten den Kontakt zu Wesenheiten aus der Nichtalltäglichen Wirklichkeit braucht!

Es mag unfair sein, und ich räume ein, dass meine Stichprobe an gelesenen kanalisierten Schriften für valide Aussagen zu klein ist, aber mit liegen bei neun von zehn “gechannelten” Botschaften Stoßseufzer wie “schade um das Papier”,”dafür müssten Bäume sterben” oder, wenn die “Botschaften von oben” in elektronischer Form vorliegen, “spiritueller Spam” auf der Zuge, und meistens noch die quälende Frage: “Verdammt, warum ich verschwende meine Zeit, um diesen Blödsinn zu lesen?”
(Um einige Namen von Kanalarbeitern zu nenne, die ich besonders nervig finde: Judith Z. Knight, Thomas Nagel und natürlich Lee Carroll und Barbara Bessen.)

Dabei möchte ich mediale Durchsagen nicht in Bausch und Bogen ablehnen, und nicht nur deshalb, weil ich mir damit sozusagen ins eigene Fleisch schneiden würde. (Was mir nebenbei auch egal wäre.)
Der Übergang zwischen Inspiration und medialem Kontakt ist fließend.
Künstler, darunter natürlich auch Schriftsteller, sind meistens sehr spirituell, selbst wenn sie überzeugte Atheisten sind. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass Kunst, die diesem Namen verdient, eine spirituelle Tätigkeit ist: In dem Moment, in dem so etwas wenig Fassbares wie Inspiration oder Intuition ins Spiel kommt, ist der schöpferische Prozess spirituell, inspiriert.
Dabei ist es für das Werk völlig egal, ob die Künstler sich nur von einer Muse geküsst fühlen oder einen “Geistesblitz” haben, oder den Eindruck, mit einer realen, mit eigener Persönlichkeit versehenen Wesenheit im Kontakt zu stehen. Auch Wissenschaftler oder Erfinder können inspiriert sein.
Egal, ob Götter, Daimonen, Engel, aufgestiegene Meister, das kollektive Unbewusste oder das persönliche Unterbewusstsein die Quelle der Inspiration ist, kommt es auf das inspirierte Werk selbst an. Nicht jeder, der Inspiriert ist, schafft großartige Kunstwerke, geniale Erfindungen, oder tiefsinnige Einsichten, und nicht jeder Künstler, Denker oder Erfinder ist inspiriert.
Ich bin sogar der Ansicht, dass es ohne Inspiration keine wirkliche Kreativität gibt, und das ungeachtet der alten Faustregel, dass kreatives Schaffen zu 99 % Transpiration und nur zu 1 % Inspiration ist. Es geht meiner Ansicht nicht ganz ohne Inspiration von “außerhalb” der Alltagspersönlichkeit, jedenfalls dann nicht, wenn das Endergebnis in irgend einer Weise originell sein soll.
Es fällt mir jedoch immer wieder auf, dass sehr religiöse bzw. fromme Menschen, vor allem Fundamentalisten, oft auffallend phantasielos und unkreativ sind. Das gilt übrigens auch für dogmatische Esoteriker. Es gilt auch für Möchtegerns, Wichtigtuer und die meisten Scharlatane. Die Einfallslosigkeit der meisten angeblich gechannelten Botschaften spricht meiner Ansicht nach für sich.

Wer channelt oder sich sonstwie als Medium betätigt, sollte niemals die Selbstkritik und die Fähigkeit, Kritik zu akzeptieren, über Bord geben. Zu viel Skepsis tötet die Inspiration, aber ein völliger Mangel an Skepsis macht sie regelmäßig wertlos.

Wahrscheinlich sind sehr viele, wenn nicht die meisten angeblich gechannelten Botschaften schlicht Täuschung.
Wenn sie keine Täuschung sind, können sie Selbsttäuschung sein. Das müssen keine wahnhaften Vorstellungen sein – manchmal reichen Wunschdenken oder starke Erwartungshaltungen aus.
Wenn Täuschung und Selbsttäuschung ausgeschlossen werden kann, sollten Medien und ihre Klienten es wie seinerzeit Jane Roberts machen und immer an die Möglichkeit denken, dass die “anderweltlichen” Botschaften aus dem Unterbewusstsein stammen könnten. Das macht sie keineswegs wertlos, wenn die Botschaften selbst inhaltlich wertvoll sind.
Was Medien und ihre Kunden regelmäßig übersehen, ist, dass selbst wenn die kanalisierten Botschaften von “drüben” oder “oben” stammen sollten, nicht gesagt ist, dass der jeweilige “aufgestiegene Meister”, Engel, verstorbene Urahn oder verstorbene große Mensch der Weltgeschichte auch derjenige ist, für den er sich ausgibt: “Jaaaa, selbstverständlich bin ich Napoleon (unterdrücktes astrales Kichern).”
Am ehesten räumen noch religiös denkende Medien diese Möglichkeit ein – nur meistens leider nicht bei sich selbst. Die Warnung, dass eine konkurrierende und womöglich abweichende Offenbarung vom Teufel komme, gehört zum Standardrepertoire religiöser Propheten.
Es ist auch seltsam, wie viele Medien und Medien-Klienten vor allem aus dem spiritistischem Umfeld daran glauben, dass ein dummer oder bösartiger Mensch nur dadurch zum Quell der Weisheit oder der Güte und Liebe würde, indem er stirbt.

Am einfachsten – wenn auch oft frustrierend (siehe oben!) – ist es, sich mit dem übermittelten Material selbst auseinanderzusetzen. Ist das Niveau hoch, lohnt es eine nähere Beschäftigung, selbst bei so notorisch wenig selbstkritischen Medien wie Rudolf Steiner oder zwielichtigen Gestalten wie dem genialen Hochstapler Aleister Crowley.

Editorial

28. Januar 2012

Well met, alle zusammen!

Heute haben wir für Euch einen Ausblick auf DAS österreichische privatinitiative Filmprojekt direkt aus der Quelle gespendet bekommen. Bernhard (der auch schon Vortragender auf den ehemals vom WurzelWerk organisierten MerryMeet Festivals war) hat “Die Erschaffung einer Welt” für uns beschrieben und ganz “frisch” darf ich Euch noch mitteilen, dass der Pilotfilm auch in Wien zu sehen sein wird.
Als zweiten Artikel hat Isis für ihre BücherTruhe wieder ein Buch besprochen. Diesmal geht es um “Das Magische Kräuterjahr: Feste, Rituale, Kräutermagie, Küchenzauber“.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen, hoffen Euch im Kino zu sehen und freuen uns auf Eure Kommentare.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Die Erschaffung einer Welt geschrieben von Bernhard

28. Januar 2012

Wie erschafft man ein komplettes fiktionales Universum ohne Budget oder vorhandenes Equipment? Ganz klar: mit Magie!

Der Größenwahn

Wenn der Pilotfilm zur ersten österreichischen Mystery-Serie mit dem Titel PANTHERION – Reality Is Debatable am 29. März 2012 in Graz seine Premiere feiert, sind ganze zweieinhalb Jahre seit meiner ersten Idee dazu vergangen. Und keiner hätte sich damals auch nur träumen lassen, was wir da auf die Welt und uns selbst loslassen würden! Ursprünglich wollten wir in ein paar Wochen einen simplen viertelstündigen Kurzfilm fürs Internet drehen, um a) eine Geschichte zur Abwechslung mal in Graz spielen zu lassen und b) das Genre der Phantastik bei uns wiederzubeleben.
Als wäre das nicht schon hochgegriffen genug, wuchs das Ganze jedoch innerhalb kurzer Zeit zu einem multimedialen Großprojekt an, das mittlerweile folgende Früchte getragen hat: ein 160minütiger Pilotfilm, fertige Drehbücher für die erste Staffel, ein Hörspiel, mehrere Groschenromane, Konzepte für Spin-Offs, Comics und ein Pen&Paper-Rollenspielsystem sowie ein gut besuchter Blog über die Hintergründe.
Wenn mir jemand aus der Branche erzählt hätte, daß er all dies ausschließlich mit Laien verwirklichen will, hätte ich ihm … sagen wir mal, freundlich empfohlen, etwas Realistischeres zu unternehmen. Daß es dennoch geklappt hat, verblüfft mich also selbst jeden Tag aufs Neue und ist der Anlaß, einmal aus dem Nähkästchen einer Produktion zu plaudern, die’s so garantiert noch nie gegeben hat!

Die Dreharbeiten erforderten ständige Bereitschaft zur Improvisation

Der Entwurf

Von Anfang an war klar, daß wir uns stark auf lokale Eigenheiten konzentrieren wollten: Historische Ereignisse in Graz würden eine ebenso große Rolle spielen wie literarische Bezüge. Und als Liebhaber klassischer Horror-, SF- und Conspiracy-Themenkomplexe war es daher nur folgerichtig, uns der Aktivitäten jener geheimen Organisation namens PANTHERION anzunehmen, die in der steirischen Landeshauptstadt seit Jahrhunderten paranormale Vorfälle untersucht und die Menschheit vor dem Zusammenbruch der Realität beschützt.
Der Name der Gruppierung leitet sich, wie wir herausfinden konnten, von unserem Wappentier ab, dem Panther, dessen heidnische Symbolik in der Etymologie zu finden ist: Ursprünglich war es nämlich ein aus mehreren Tieren zusammengesetztes, bocksähnliches und gehörntes Mischwesen, ein All-Tier, griechisch: Pan Therion.
Ich übernahm Gesamtkonzept und Drehbuch (für das sich mit Lilo Wachter bald eine geniale Co-Autorin fand), der Grazer Künstler und Graphic Novelist Jörg Vogeltanz die Regie. Dazu konnten wir gleich zwei befreundete Komponisten für Soundtrack und Score gewinnen. Aufgrund der Tatsache, daß wir keine Profi-Schauspieler für das verrückte Vorhaben auftreiben, geschweige denn bezahlen können würden, beschlossen wir, die Rollen ganz unverschämt einfach selbst zu spielen und aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sowie der Magie- und Heidenszene zu besetzen (aus der übrigens viele vom Start weg Feuer und Flamme waren)! Darüber hinaus entschieden wir uns auch – wie in britischen oder amerikanischen Serien üblich –, unseren normalen Dialekt zu sprechen.
Und noch eines war von vornherein klar und überaus wichtig – ein Motto, an das wir uns die ganze Zeit über so gut wie möglich gehalten haben: „Jeder tut nur das, was ihm Spaß macht … und wenn nichts draus wird, haben wir halt ein paar Wochen lang Spaß gehabt.“

Steirischer Panther, wie er sein sollte

Die Durchführung

Da ahnte jedoch noch keiner, wie sehr die Sache an Umfang zunehmen und unsere Zeit und Energie beanspruchen sollte. Und das war auch ganz gut so! Ich nehme an, wenn wir gewußt hätten, was da auf uns zukommen würde, hätten wir’s gleich bleiben lassen.
So aber machten wir uns eifrig an die Arbeit, getrieben von einer Begeisterung, die bis heute anhält und inzwischen immer mehr Menschen angesteckt hat. Ich saß nächtelang vorm PC, um die erhaltenen Informationen über Charaktere und Begebenheiten zu einem dramaturgischen Ganzen zu weben. Daraus wurden Wochen und Monate des Drehbuchschreibens und gleichzeitigen Planens und Organisierens: Foto-Shootings, Location-Scouting, Leseproben, Schauspiel- und Kampf-Training, Drehplanerstellung, Einholen von Dreherlaubnissen, Set Decoration, Requisiten, Maske, Kostüme … wofür es normalerweise ganze Preproduction-Abteilungen gibt, mußte allein vom Kernproduktionsteam koordiniert werden, das man zu diesem Zeitpunkt gerade mal an einer Hand abzählen konnte.
Doch auch alle anderen Beteiligten brachten sich auf bewundernswerte Weise ein und sowohl Behörden als auch Ansprechpartner vor Ort unterstützten das idealistische Projekt mit einer Bereitschaft, die uns schon fast unheimlich erschien. Ein besonderer Geist schien so gut wie alle ergriffen zu haben. Und das meine ich wörtlich.
Fast alle im Team praktizieren auf die eine oder andere Weise Magie; es lag also nichts näher, als ein gemeinsames Ritual zu begehen, bevor es in die „heiße“ Phase ging. Wir riefen Pan Therion an und baten um seinen Segen für die Produktion. Und was soll ich sagen? Es ergaben sich an nahezu jedem Drehtag Fügungen und Synchronizitäten, die uns nur demütig „Danke Pan Therion!“ sagen ließen.
Trotzdem gab’s natürlich mehrere teils massive Schwellenhüter, die auf den Plan traten und unsere Flexibilität und Bereitschaft, loszulassen, auf strenge Weise einforderten. Mehr als einmal schien es, daß wir die Sache komplett vergessen konnten. Eine Woche vor Drehbeginn war das Haupt-Set beispielsweise nicht einmal ansatzweise hergerichtet, wir hatten weder Kamera noch sonstiges Equipment, und als es richtig losging, noch keinen Kameramann! Dafür tauchten dann bei Drehbeginn gleich zwei auf. So war es häufig: In allerletzter Minute ergaben sich neue Wege oder Kontakte, die ein Weitermachen überhaupt erst ermöglichten.
Die Story an die Gegebenheiten und quasi nicht vorhandenen finanziellen Möglichkeiten anzupassen und ihr dennoch treu zu bleiben, war eine andere große Herausforderung. So existierte etwa ein fertig geschriebener Comic, dessen Szenen unserem Regisseur aber so gut gefielen, daß er sie stattdessen als Rückblenden ins Drehbuch eingearbeitet haben wollte.
Die immense Eigeninitiative, die das Ganze von Beginn an getragen hatte, sollte Programm werden – bald merkten wir nämlich, daß nichts mehr funktionierte, wenn wir versuchten, mit Profis zusammenzuarbeiten. So entstand ein Werk, das praktisch ausschließlich von Liebhabern gestaltet wurde. Bis auf zwei Ausnahmen wurden alle Szenen in Graz und direkter Umgebung gedreht. Und wer schon einmal bei so einem  Independent-Film mitgemacht hat, wird es kaum glauben können, daß wir es geschafft haben, sage und schreibe 50 Drehtage ohne Streit und Verletzungen über die Bühne zu bringen. Dafür kann ich mich bei unserem verläßlichen Team, allen Darstellern (es waren insgesamt über 90!) und natürlich Pan Therion nur aus tiefstem Herzen bedanken.

Sonnenaufgang über Graz: Viele Stunden Dreh für ein paar Sekunden Zeitrafferaufnahme am Beginn des Films

Das Wagnis

Wir hatten für alles nur eine Kamera, zwei Scheinwerfer und ein Mikro … im Grunde genommen ein Witz. Manchmal wußten wir am Tag vor einem aufwendigen Dreh noch gar nicht, wo dieser überhaupt gemacht werden sollte. Und so weiter. Nach Abschluß der Dreharbeiten war ich an der Grenze zum Burn-Out.
Man wird dem Pilotfilm natürlich ständig ansehen, daß es ein Amateur-Projekt ist; aber vielleicht macht gerade das (neben den vielen Referenzen und popkulturellen Anspielungen) seinen Charme aus … wir werden sehen, wie er letztlich ankommt. Gedacht ist er jedenfalls als Visitenkarte: Wir wollen zeigen, was uns ohne nennenswertes Budget möglich war – und hoffen, daß sich ein Produzent findet, der uns dabei unterstützt, die Geschichte der Organisation sowie ihrer Partner in anderen europäischen Städten weiter zu erzählen.
Abgesehen davon gibt’s ja noch eine weitere Schiene innerhalb des PANTHERION-Universums! Mit der edition preQuel > grotesque findet gerade die Wiederbelebung des guten alten Romanhefts statt. Melchior v.•. Wahnstein schreibt die Reihe OMEN über die Ereignisse vor dem Pilotfilm und Zoë Angel & Charly Blood starten MORBUS, das in Wien in den 80ern spielt. So. Wenn jetzt noch jemand wissen möchte, weshalb in allen Welten ich mir das alles zumute, dann kann ich nur sagen: It’s magic.

Bernhard

Das Magische Kräuterjahr: Feste, Rituale, Kräutermagie, Küchenzauber

28. Januar 2012

Silja: Das Magische Kräuterjahr: Feste, Rituale, Kräutermagie, Küchenzauber

Originaltitel: The Green Wiccan Year

Kamphausen Verlag/2011/ISBN: 3899014790/144 Seiten/19,95 Euro

Über die Autorin

Silja ist Hohepriesterin eines keltischen Covens in Irland. Für das englische Magazin „Spirit and Destiny“ schreibt die Mutter zweier Kinder die Kolumne „Verhext“.  Andere Bücher: Green Wiccan Year (2008)

Über das Buch

Von der gestalterischen Aufmachung gleicht „Das Magische Kräuterjahr“ oder „The Green Wiccan Year“ ihrem Erstlingswerk „Magische Kräuter“ aus dem Jahr 2008. Kein Wunder, denn auch für diese Gestaltung sich die Autorin Michael A. Hill geholt.

Im Innenteil hat Silja ihr Buch nach Monaten unterteilt. Das ist schön übersichtlich und macht Lust aufs Weiterblättern. Dann aber die faustdicke Überraschung: Auf zwei Seiten beschreibt sie kurz das jeweilige Fest – und dann folgt viel, viel Raum für Notizen. Konkret: Silja hat für jeden Tag der jeweiligen Monate ein paar Zeilen reserviert, auf dem der Praktizierende seine persönlichen Gedanken niederschreiben kann. Welche das sein sollen, lässt die Autorin offen. Denn sie gibt in diesem Buch nur spärliche Hinweise auf Rituale. Einige Seiten sind mit kleinen Zaubern versehen – hier finden sich unter anderem Geldzauber, Liebeszauber, Zauber um Probleme bei der Arbeit zu lösen oder einer, um die Parkplatzfee mit einem Stückchen Schokolade anzulocken.

Auch hat dieses Buch nichts mit Kräutern zu tun, wie der Titel vermuten lässt, sondern in erster Linie mit Festen. Auf den letzten Seiten findet sich ein Vollmond- und ein Neumond-Ritual und einige Seiten für Notizen bei einem Coven-Treffen und so genannte Zauber Notizen, also Seiten, die für Rituale vorbehalten sind.

Fazit: Minimalistisch! Das ist der Ausdruck, der mir für dieses Buch einfällt. Mir persönlich kommt es vor, als hätte die Autorin mit wenig Zeit viel Geld machen wollen.

Ich tue mir wirklich schwer, die Meinung anderer Rezensenten zu teilen (siehe amazon.uk), die das Buch als geradezu ideal für Einsteiger bewerten und von den Seiten für Notizen begeistert sind. Ich persönlich erwarte mir mehr von einem Einsteigerbuch. Das dürfen schon ein paar Seiten mehr sein, ein bisschen weniger grafische Spielereien, die zwar nett anzusehen sind, aber nicht davon ablenken können, dass das Buch keinerlei fundierte Information enthält.

„Das Magische Kräuterjahr“ passt meiner Ansicht nach sehr gut in die heutige Konsumgesellschaft. In eine Gesellschaft, in der sich die Menschen immer weniger Zeit nehmen, um sich wirklich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Alles muss in kleinen, kompakten Häppchen serviert werden, schnell nachvollziehbar, leicht umsetzbar sein und am besten sofort zum Erfolg führen.

Nur ist das nicht der Weg der Magie. Und es wird auch niemand, der sich für Wicca interessiert, die Essenz der Religion aus den paar Zeilen, die Silja den Festen gewidmet hat, erfahren können.