Editorial

27. August 2016

Well met, alle zusammen!

Spätsommer – eine meiner liebsten Jahreszeiten. Früher kam die zwar erst im September, aber besser jetzt als garnicht. Die letzten Brombeeren werden reif und der Holler – die Hagebutten sind auch schon rot und die Weintrauben sind auf dem Weg. So richtig schön bunt … bis dann auch die Blätter bunt werden. Am schönsten finde ich, dass es tagsüber noch richtig schön sommerlich ist, abends aber schon abkühlt. Schwellenzeit par excellence.

Es wird ein Wein sein ... copyright Sandra Pucher

Es wird a Wein sein … 

In unserem heutigen Update können wir Euch ein besonderes Schmankerl servieren. Sati hat sich in die Recherche zu Lilith gestürzt und wie so oft dabei einige Mythen aufs Korn genommen. „Lilith – ein Mythos“ ist ein Thema, das sich besonders die „älteren Häsinnen“ unter uns mal genauer anschauen könnten …
Den zweiten Artikel bestreitet Corvina mit dem Teil II ihres „Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos„.
Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder vielleicht auch den einen oder anderen Artikel aus Eurer Schreibstube!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos – Teil II, geschrieben von Quinta Albia Corvina

27. August 2016

Cernunnos (?)

Gundestrup_Cernunnos

CERNUNNOS AUF DEM KESSEL VON GUNDESTRUP, SICHERLICH DIE BEKANNTESTE DARSTELLUNG

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannteCerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

Anders als bei vielen anderen keltischen Göttern wurde Cernunnos jedoch in keiner Inschrift oder anderen Quelle mit einem römischen Gott im Rahmen der Interpretatio Romana verbunden, was wahrscheinlich auch an seiner tierartigen Form lag – Götter in Tiergestalt waren den Römern generell eher suspekt und auch wenn es diese im multikulturell geprägten Pantheon des Römischen Reichs gab, so gab es für sie keine Entsprechungen in der klassischen römischen Glaubenswelt. Wenn eine Gleichsetzung mit einem römischen Gott erfolgen sollte, wäreSilvanus, als Gott des Waldes und der Waldbewohner, sicher naheliegender als Oceanus, da dessen Zuständigkeiten ähnlich sind – möglicherweise ist auf keltisch-römischen Weihesteinen aus den Alpen, die „Silvanus“ gewidmet sind, Cernunnos (oder eine andere lokale Waldgottheit) gemeint, dies bleibt jedoch reine Spekulation.

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CERNUNNOS MIT MERKUR UND APOLLO, WEIHESTEIN AUS REIMS

Ein Weihestein aus Durocorturum (heute: Reims) zeigt einen sitzenden Cernunnos, der von Apollo und Merkurbegleitet wird. Dies, verbunden mit der Tatsache, daß Cernunnos auch auf Münzen abgebildet wurde, wird in einigen Arbeiten dahingehend gedeutet, daß er auch fürmateriellen Wohlstand steht.

Die Umdeutung eines Wald- und Naturgottes in einen Gott, der Wohlstand, Reichtum und Fülle symbolisiert, ist in der gallo-römischen Tradition gar nicht mal unwahrscheinlich – viele keltische Götter erfuhren bei der Adaption in die römische Götterwelt eine Verschiebungoder eine Verflachung ihrer Bedeutung aufgrund der Identifikation mit spezifischen römischen Göttern und der daraus folgenden Reduzierung ihrer Attribute auf einige Kernfunktionen.

So kann der Aspekt der Natur, des Wildes und des Waldes, die Verfügbarkeit von Dammwild auf dem Speiseplan in waldreichen Regionen wie dem Eifel-Hunsrück-Nahe-Raum, durchaus mit einer Vereinfachung oder Verschiebung in Richtung Fülle und Reichtum in Verbindung gebracht werden. Dies ist jedoch ebenfalls spekulativ, da es keine schriftlichen Textquellen über die tatsächliche Bedeutung des Geweihgottes in römischer Zeit gibt, sondern man sich nur auf Bildquellen und Weiheinschriften stützen kann.

Allen Namensdiskussion zum Trotz: um zum Abschluß auf unseren wohlhabenden Villenbesitzer zurückzukommen – was liegt bei einem erfolgreichen einheimischen Geschäftsmann näher, als einen Gott, der ihm aus der langen Geschichte seiner eigenen Herkunft und Mythologie vertraut ist, in die durchlässige und anpassungsfreudige römische Glaubenswelt zu integrieren und mit einem römischen Gott zu vermischen, zu dem er offenbar eine enge persönliche Verbindung pflegt?

Die Bezeichnung als „Oceanus-Cernunnos“ ist eher symbolisch (bzw. plakativ) zu verstehen, weil „Cernunnos“ natürlich die weithin bekannteste keltische Hirschgottheit ist. Ob es sich tatsächlich um diesen Gott oder einen lokalen gallischen Hirschgott handelt, kann nicht seriös quellengestützt beantwortet werden. Deswegen dient diese Gleichsetzung, die man sowohl (mit Hinweis auf den Vorbehalt) im Museum als auch in  dazugehörigen Arbeiten findet, eher der Veranschaulichung für den Betrachter. „Oceanus-gallische Hirschgottheit“ wäre auch eine zu sperrige Bezeichnung.

Unabhängig davon, ob es sich bei dem dargestellten Gott wirklich um den „klassischen“ Cernunnos handelt oder um einen regionalen Geweihgott – auf jeden Fall stellt dieses Mosaik unseren Augen ein spannendes und anschauliches Beispiel für die Flexibilität der römischen Religion und den gallo-römischen Cultus dar, der in ganz individueller und zwangloser, aber dennoch harmonischer Weise, einheimische keltische Götter mit römischen Göttern vermischen kann.

Reisetipp

115_Bad Kreuznach_Salinental

NACH DEM MUSEUM LOCKEN DIE SALINEN!

Zum Abschluß möchten wir Euch die alte römische Siedlung Bad Kreuznach an der Nahe als Ausflugstipp empfehlen – dieRömerhalle mit ihren beiden Mosaiken und den Überresten der gigantischen Luxusvilla ist wirklich sehenswert und für römisch wie keltisch interessierte Besucher gleichermaßen interessant. Die Aufmachung ist vorbildlich und die Präsentation gelungen.

Daneben bietet Bad Kreuznach auch einige weitere Sehenswürdigkeiten neueren Datums, wie die großen Salinen und die mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke.

Die Römerhalle in Bad Kreuznach stellen wir Euch in unserer Reihe „Museen und Antike Stätten“ in einem unserer nächsten Artikel genauer vor.

 

 

 

 

 

Lilith – Ein Mythos – Teil I

27. August 2016

Lilith, die göttliche Ikone der emanzipierten, wilden, selbstbestimmten Frau. Egal ob man in die Esoterikszene, die Astrologie oder die Heiden- und Hexenszene schaut Lilith ist das Sinnbild der dunklen Anteile der Weiblichkeit, der Frau, die ihre Sexualität frei lebt und sich vom Mann keine Vorschriften machen lässt.

Lilith, eine Göttin der heiligen Emanzipation aus grauer Vorzeit also? Da gibt es nur ein kleines Problem: Es gibt keine solche Göttin. Bei Lilith handelt es sich um einen modernen Mythos, der in den 1970er Jahren in einer feministischen Strömung des modernen Judentums kreiert wurde. Und vielleicht noch um einen Himmelskörper.

Lilith von John Collier, 1892, Wikimedia Commons

Eine tatsächliche singuläre Lilith taucht erstmals im frühen Mittelalter auf und zwar in einem satirischen Text aus der jüdischen Folklore dem Alphabetum Siracidis, das ungefähr zwischen 700 und 1000 nach Christus verfasst wurde. Hier soll Lilith die erste Frau des Adam gewesen sein und durch ihr aufmüpfiges Verhalten aufgefallen sein. Was nun folgt ist eine Reihe von etymologischen Herleitungen und Assoziationen, die sich als falsch oder unklar herausgestellt haben, so dass man zwar sagen kann, dass mesopotamischen Mythen die Inspiration für die weibliche Figur aus dem jüdischen Text geliefert haben mögen, es jedoch keinerlei „Göttin“ im mesopotamischen Raum gibt, die der modernen Figur der Lilith entspricht.

Eine sumerisch-babylonische Göttin?

Aber beginnen wir ganz vorn vorne. Lilith soll angeblich im alten Mesopotamien beheimatet sein. Und tatsächlich findet eine „Lilith“ im Gilgamesh-Epos Erwähnung. Im Mythos der Inanna und dem Ḫuluppu-Baum tritt ein löwen-, schlangen- oder drachenartigen Mischwesen (Anzu) namens ki-sikil-lil-la-ke auf, das den Huluppu Baum im Garten Inanas besetzt. Dieses Wesen wurde sehr viel später mit Lilith assoziiert nämlich in dem eingangs erwähnten satirischen Text. Nach neueren Vermutungen handelt es sich sogar nicht nur um eine singuläre Lilith, sondern mehrere Liliths, die sich in den Zweigen des Baumes der Inanna befinden. Heute sind sich aber viel Historiker einig, dass diese Gleichsetzung von ki-sikil-lil-la-ke und der mittelalterlichen Lilith nicht korrekt ist. Zwar gibt es im sumerischen die sog. līlītu, jedoch handelt es sich dabei um sehr bösartige weibliche Dämonen, die möglicherweise für die spätere Lilith die Inspiration geliefert haben. Die Ähnlichkeit des biblischen Baums der Erkenntnis mit Inannas Huluppu-Baum mag dazu geführt habe, dass beide Mythen miteinander vermischt wurden.

Lilith statt Inanna

Interessanterweise ist es aber gerade Inanna welche viele der Eigenschaften aufweist, die dem populären Bild der Lilith entsprechen. Inanna ist die Göttin der geschlechtlichen Liebe, sie konnte männlich wie weiblich auftreten, ist kriegerisch und eine emanzipierte Herrscherin. Inanna hatte den Huluppu-Baum gepflanzt um daraus ihren Thron zu zimmern. Allein dieses mythologische Motiv weist sie als Königin aus, die sich selbst legitimiert und kein männliches Pendant dazu benötigt. Als sie ihn nach 10 Jahren Wachstum fällen will, ist dieser von Lilith(s) besetzt, die sich als Äste des Baumes darstellen. Der Dämon bzw. die Dämonen werden schließlich von Gilgamesch verjagt und der Baum gefällt.

Kindsmörderin aus Mesopotamien

Eine weitere unklare Gleichsetzung erfährt auch die mesopotamische Halbgöttin Lamaštu mit der jüdischen Lilith. Lamaštu besitzt – obwohl göttlich bzw. semigöttlich – wenig wohlwollende Eigenschaften, sondern zählt zu den sogenannten sieben Dämonen, die der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts Einhalt gebieten will. Sie ist ähnlich wie die sogenannten Lilin ein Mischwesen aus Löwe, Vogel oder Esel, hält Schlangen in ihren Händen und reitet auf einem Schwein oder Hund. Sie gilt als jener Dämon, der die bedrohlichen Aspekte der Frauengesundheit verkörpert, nämlich Kindstod, Kindbettfieber oder Fehlgeburt. Zahlreiche Amulette um Lamaštu zu bannen zeigen deutlich, wie sehr dieser weibliche Dämon in der mesopotamischen Kultur gefürchtet wurde. Es hieß sie würde Säuglinge der Mutterbrust entreißen und sie töten. Als Schützer der Schwangeren und Gebärenden tritt der ebenfalls dämonische Gott Pazuzu auf, der einzige der Lamaštu zu bezwingen vermag.

Götter sind keine Engel

Hier muss berücksichtigt werden, dass Gottheiten in Mesopotamien durchaus nicht immer als wohlwollend und rechtschaffen zu betrachten sind. Göttlich bedeutet nicht zwangsläufig gut oder wohlgesinnt. Das ethische Gleichgewicht wird in polytheistischen Traditionen durch das Zusammenwirken mehrerer Gottheiten hergestellt. Da es sich um naturreligiöse oder zumindest naturnahe Traditionen handelt und der Mensch im Gegensatz zu heute den Mächten der Natur hilflos ausgeliefert war, wurden auch die Gottheiten als durchaus bedrohliche Übermacht verstanden, die es zu bezähmen oder sogar zu bezwingen galt.

Auch darf nicht vernachlässigt werden, dass die Begrifflichkeiten von „Gut“ und „Böse“ im Laufe der Zeit einen grundlegenden Bedeutungswandel erfahren haben. Während die Begriffe im Zusammenhang mit modernen Religionen oft stark moralisiert sind und sich auf soziale Dynamiken beziehen, drehen sich ihre Bedeutungsinhalte in den naturnäheren Religionen des alten Orients und der Levante um das Prinzip der Schöpfung als Lebensgrundlage. Demzufolge ist „böse“ was sich dem Prinzip der Schöpfung als Gesamtes entgegenstellt und nicht selten konnte diese destruktive, antischöpferische Kraft auch von göttlichen oder zumindest gottähnlichen Wesen ausgehen. Dieser Definition von „Böse“ entspricht z.B. Lamaštu, denn ihr Wirken ist gegen die Menschheit als solches gerichtet.

Ende Teil I

 

Editorial

20. August 2016

Well met, alle zusammen!

Obwohl das Wetter ja heuer so richtig schön zu wünschen über ließ, mein Holler ist schon am Reifwerden … und Dank Sati, hab ich auch ein Bild davon
Holler

Heute bringen wir Euch den letzten Teil von Sacribas Mehrteiler zum Thema „Wie funktioniert eine sexuell offene Beziehung?„. Gerade bei diesem Thema interessiert es uns natürlich sehr, wie IHR die Sache seht und für Euch handhabt – also nutzt einfach unsere Kommentarfunktion oder schreibt einfach selber einen Artikel zum Thema.
Der Teil II von „Die Kraft der Sonne„, den uns die Pooka Pages zur Verfügung gestellt haben und den ich übersetzen durfte, vervollständigt unser dieswöchiges Update.

Wie immer wünsche wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mitarbeit!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Wie funktioniert eine sexuell offene Beziehung?, geschrieben von Sacriba – Teil III

20. August 2016

Typische Praxis-Probleme in Hetero-Beziehungen

Der Weg von Fantasien im Kopf zu Umsetzungen dieser in der Realität kann überraschende Erkenntnisse beinhalten.

In einer Hetero-Beziehung kommt oft folgende Problemstellung vor:

Die Frau hat heterosexuelle Fantasien mit anderen Männern:

Zum Beispiel dem eigenen Freund und einem anderen Mann gleichzeitig einen Handjob zu geben oder sich abwechselnd ficken zu lassen.

Während die Erzählung davon noch cool war (oder nicht so ernst genommen wurde), gibt es in der Praxis auf einmal ein Riesenproblem:

Dass „seine“ Freundin/Frau mit einem anderen Schwanz Spaß hat, ist für den Mann plötzlich „komisch“ oder „total abtörnend“.

Gleichzeitig ist die Vorstellung von einem Dreier mit dem Mann, seiner Freundin und einer weiteren Frau geil – bloß ein weiterer Mann darf nicht sein. Diese Einstellung wird Cockblocking genannt.

Cockblocking kommt dir von dir selbst oder aus Erzählungen bekannt vor?

Hier ist ein offener Brief im Namen aller Frauen, die schon einmal in so einer Situation waren oder gerade sind:

Lieber Mann!

Du willst einen Dreier mit einer zusätzlichen Frau erleben, hast aber gleichzeitig ein Problem damit, wenn deine Freundin mit einem zusätzlichen Mann Spaß haben will?

Klar, deine Idealvorstellung wäre, dass deine Freundin/Frau super ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen ist – aber NUR mit deinem Schwanz, andere Männer soll sie am besten gar nicht bemerken.

Das trifft alles auf dich zu? Dann lass dich mal aufklären:

Die Ebene Lust, also die Sexualität, funktioniert so:

Wenn sie in einer Liebesbeziehung UND zum Spaß ausgelebt wird, ist sie offen: Dann kann deine Freundin ihrer Lust freien Lauf lassen und ist ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen.

Zwingst du deine Freundin, einen Teil ihrer Sexualität (= Schwänze zum Spaß) immer runterzustopfen und so zu tun, als gäbe es diesen Teil nicht, geht der Rest automatisch mit. Deine Freundin mag dann keine neuen Fantasien oder Spielarten und findet mit der Zeit Sex an sich lästig. Sie macht dann nur mit, damit du Ruhe gibst. Setzt sich diese Dynamik fort, baut sich in ihr viel Wut auf: Du behandelst sie ja wie ein Sexspielzeug, das du nach Gebrauch wieder in die Lade legst und nicht wie ein menschliches Gegenüber mit gleichen Rechten.

Nun gibt es an dieser Stelle für die Frau 4 Möglichkeiten, zu handeln:

  1. Eine selbstbewusste Frau streitet mit dir darüber und konfrontiert dich. Bist du bereit, deine Sichtweise zu überdenken und euch beiden gleiche Rechte zuzugestehen, könnt ihr euch gemeinsam an die Erfüllung einer stabilen, schönen und sexuell offenen Beziehung machen.
  2. Bist du nicht bereit, deine Sichtweise zu überdenken, wird sie sich nach einiger Zeit von dir trennen und sich einen Mann suchen, der sie und ihre Wünsche ernst nimmt.
  3. Eine nicht so selbstbewusste und daher feige Frau wird sich hinter deinem Rücken ihre Fantasien erfüllen und dich betrügen.
  4. Und eine unsichere Frau wird zwar auf dich hören, aber dadurch ihre eigene Sexualität hinunterstopfen, bis sie nicht einmal mehr an Sex mit dir interessiert ist. Zusätzlich dazu wird sie wegen Kleinigkeiten fürchterlich mit dir streiten, da sich ihre aufgestaute Wut auf dich regelmäßig spontan entlädt („Hausdrachen“).

Ich bin ein Mann und meine Freundin/Frau fällt unter 3 oder 4?

Schau dir an, was tatsächlich hinter deiner Ablehnung gegenüber anderen Schwänzen steckt. Nachfolgend findest du mögliche Ängste und eine Lösung dazu. Such dir aus, was auf dich zutrifft.

Hast du Angst, dass dich deine Freundin/Frau verlässt, sobald sie einen besseren Fick als dich findet?

Die patriarchale Lüge der Rolle „Mann“ blendet alles außer Sex in einer Liebesbeziehung aus: Du hast eine Freundin/Frau, um regelmäßigen Sex zu haben, im Gegensatz zum anstrengenden, unbefriedigten Single-Leben.
Du hast aber Fantasien über einen Dreier mit einer weiteren Frau, oder? Du könntest die Ebene Lust also auch mit anderen Menschen als deiner Liebesbeziehung teilen. Das macht deine Liebesbeziehung ja dann nicht mehr besonders, oder?
Nein? Genau.

Denn die Ebene Liebe, die du in deiner Rolle „Mann“ großteils unterdrückst, definiert überhaupt erst deine Liebesbeziehung. Bei einer intakten Ebene Liebe wird dich deine Freundin/Frau für einen besseren Fick nicht verlassen – sie teilt mit dir etwas, das nur du und kein Mensch, der an einem Schwanz zum Spaß dranhängt, ihr geben kann.
Habt ihr allerdings keine intakte Ebene Liebe (mehr), wird es gefährlich. Dann müsst ihr erst diese Ebene in eurer Beziehung erarbeiten/wiederherstellen, in schwierigen Fällen mit Psycho- oder Paartherapie. Denn eine vollständige und funktionierende Ebene Liebe ist die absolute Basis für eine sexuell offene Beziehung.

Haben dir deine Eltern/deine Verwandten/deine Szene/dein Umfeld gesagt, dass du „nicht männlich genug“ bist, wenn deine Partnerin andere Männer interessant findet?

Wenn dir deine Eltern/deine Verwandten/deine Szene/dein Umfeld Regeln mitgegeben haben, wie du dein Sexualleben zu gestalten hast, gibt es nur eine Lösung: Scheiß drauf!
Kein Mensch außer deiner Liebesbeziehung hat das Recht, über das Prinzip von Konsens und Respekt hinaus bei deiner Sexualität mitzubestimmen. Wenn irgendwelchen Bezugspersonen lieber ist, dass du unglücklich ihre Regeln nachlebst, anstatt dass du erfüllt und glücklich dein eigenes Leben gestaltest, sollten diese Menschen sofort aus deinem Leben fliegen. Ist das aufgrund von Abhängigkeiten (Kinderbetreuung, usw.) nicht möglich, grenze dich so weit wie möglich ab. Wenn Bemerkungen über deine Sexualität fallen, die du nicht hören willst, sag das laut und deutlich und scheiß drauf, ob irgendjemand dadurch „beleidigt“ ist. Dazu haben sie kein Recht.

Hast du schon einmal eine sexuell offene Beziehung versucht und deine Ex hat dich daraufhin verlassen?

Erfahrungen mit Ex-Beziehungen fließen natürlich in deine jetzige Beziehung mit ein. Mach dir aber klar, dass deine Ex ein anderer Mensch ist, als deine jetzige Freundin/Frau. Frage sie, was sie sich wünscht, anstatt anzunehmen, dass sie das Gleiche will und gleich tickt wie deine Ex.

Hast du Angst, dich in Anwesenheit eines anderen Mannes zu blamieren, dass er dich auslacht, oder versucht, dir durch Imponiergehabe deine Freundin/Frau auszuspannen?

Solltest du dich auf ein Erlebnis mit einem anderen Mann einlassen, und er versucht, dir deine Freundin/Frau durch Mikroaggressionen oder offene Respektlosigkeit auszuspannen, hast du eine Gelegenheit, deine Männlichkeit zu zeigen: Schmeiß ihn sofort raus. Vielleicht hat deine Freundin/Frau diese Manöver nicht wahrgenommen und streitet dann mit dir darüber. Erklär ihr deine Gründe und dann könnt ihr gemeinsam entscheiden, welche Eigenschaften zukünftige Sex-Resonanzmenschen haben müssen, damit ihr wieder jemanden einladet.

Ich bin ein Mann und finde das alles Bullshit. Meine Freundin/Frau soll nicht mit anderen Männern Sex haben (wollen).

Es ist ok, diese Meinung zu haben. Dann musst du allerdings mit den Konsequenzen leben: Du wirst dann eben keine Partnerin haben, die beim Sex ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen ist – die z. B. bei einem Dreier mit einer anderen Frau begeistert mitmachen würde.
Such dir am besten eine Freundin/Frau, die von vorneherein beim Sex nicht sonderlich ausprobierfreudig und damit zufrieden ist. Ihr werdet beide wenige Probleme, aber halt durchschnittlich langweiligen Sex haben.
Dann allerdings zu jammern, dass deine Partnerin zu selten Sex will oder beim Sex zu langweilig ist, ist Kleinkindverhalten. Es kauft sich ja auch niemand eine Bierdose und beschwert sich nachher, dass da kein Schnaps drin ist.
Wenn du mit einer sexuell mächtigen und reflektierten Frau nicht umgehen kannst, weil du selbst nicht mächtig und reflektiert genug bist und zu feig bist, an diesem Umstand etwas zu ändern, hör auf, dir eine solche Frau zu wünschen.