Editorial

16. September 2017

Well met, alle zusammen!
Es ist – so gut wie Herbst … ein schöner Herbst erstmal, wie das Bild, das uns XVII gespendet hat auch wunderschön zeigt.

 

Herbst copyright XVII

In unserem heutigen Update findet Ihr den Teil II von Satis Blick aufs Thema „Heilung und Heilkunst“ – ein professioneller Blickwinkel, wie wir seit dem ersten Teil alle wissen und sowohl recherchiert als auch aus der Praxis gegriffen.
Den Kontrapunkt bildet ein „Gespräch mit der Göttin“ das uns Veleda gespendet und XVII für das WurzelWerk aufbereitet hat. Vielen Dank dafür!
Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare. Auch möchte ich nochmals daran erinnner, dass wir unsere Updates nur bestücken können, wenn Ihr uns Eure Gedanken dafür spendet. Vielfalt kommt nicht einfach von nur einer Handvoll Leuten …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Heilung und Heilkunst – Teil 2

16. September 2017

Das Problem mit den Grundbegriffen

Es gibt eine Reihe von Fallgruben, die meiner Ansicht nach jeder Heiler kennen sollte. Ein wichtiger Punkt, der mir immer wieder auffällt, ist, dass es oft schon an den Grunddefinitionen erheblich mangelt. Wenn ich jemanden heilen will, muss ich mir erstmal Gedanken machen, wie ich eigentlich Begrifflichkeiten wie „Gesundheit“, „Heilung“, „Lebenskraft“ oder „Vitalität“ definiere. Ich muss eine genaue Vorstellung von dem haben, was ich bei meinen Patienten oder Klienten erreichen will und sie natürlich auch darüber in Kenntnis setzen.

Die meisten althergebrachten Methoden wie TCM, Homöopathie, Osteopathie usw. haben dafür ihre Konzepte und Definitionen und in der Folge natürlich Techniken um deren Beschaffenheit zu untersuchen und auszuwerten. Ob ich nun von Chi, PRM oder Prana spreche ist letztlich egal, sofern ich ein genaues Bild von dem habe, mit dem ich da arbeiten will bzw. was ich herbeiführen möchte. Erst dann kann ich mir überhaupt Gedanken machen welche Behandlungstechniken ich überhaupt anwende und wo. Und diese Techniken sollten natürlich auch zu meinen Basiskonzepten passen.

von giphy.com

 

Wissen und Intuition

Sehr häufig jedoch lese ich, dass sich auf „so’n Gefühl“ verlassen wird und man sich mit der Definition von diesen Grundbegriffen überhaupt nicht befassen möchte, weil man glaubt, das auch erfühlen zu können. Nichts gegen intuitive Herangehensweisen, aber Intuition sollte idealerweise im Rahmen einer in sich logischen und einigermaßen irrtumssicheren Methodik angewandt werden, sonst ist die Gefahr groß, dass ich mir schlichtweg etwas einbilde und meinem Klienten schade. Viele althergebrachte alternative Heilweisen, die schon seit Jahrtausenden oder Jahrhunderten praktiziert werden bieten solche Definitionen, die auch einem spirituellen Weltbild kein bisschen widersprechen, es lohnt sich, davon eine auszuwählen und sich ein solides Wissen als Basis anzueigenen und wer gern vielseitig arbeitet mag sich vielleicht auch noch eine zweite oder dritte Methoden ansehen. Abraten möchte ich aber von Patchwork-Konzepten, die auf reinem Schlagzeilenwissen beruhen. Zum erlernen einer Heilmethode gehören auch immer die Inhalte die man langweilig und schwierig findet. Beim Stricken einer Patchworkphilosophie besteht die Gefahr, dass ich mich nur immer wieder selbst bestätige und dabei leider auch meine Irrtümer. Tatsächlich gehört es aber zum Weg eines Heilers dazu gerade die Konzepte zu hinterfragen, die man für selbstverständlich hält und sich auch mal auf jene offen und unvoreingenommen einzulassen, die einem überhaupt nicht gefallen.

Intuition ist normalerweise etwas, das mit der Erfahrung stärker wird, aber selbst die erfahrensten Therapeuten, sollten ein solides Fundament aus den so unbeliebten Definitionen und Konzepten haben auf das sie immer wieder zurückgreifen können. Hinzukommt, dass solche Begrifflichkeiten auch den zu Behandelnden nicht außer Acht lassen dürfen. Welche Vorstellung hat mein Patient/Klient überhaupt von Gesundheit oder Vitalität und wie erlebt er überhaupt den Mangel dieser Dinge? Auch hierüber machen sich leider viele keine Gedanken und glauben Kraft ihrer Visionen und Ahnungen genau zu wissen, was zu tun ist, damit es jemandem besser geht.

„Hypnosis“ 1904, Sascha Schneider, Wikimedia Commons

Illusionen der Heiler

Auch wenn ich mit meinem Klienten gut kommuniziere und mir ausschweifende Beschreibungen von deren Gefühlszustand anhöre, wenn mir solche Grundkonzepte und -definitionen fehlen, lauert schon die nächste Fallgrube, nämlich meinen Behandlungserfolg von den Befindlichkeiten des Klienten abhängig zu machen. Sehr oft lese ich, dass Heiler es ganz selbstverständlich als ihren Verdienst ansehen, dass der Patient überglücklich nach der Behandlung war oder heftigen negative Reaktionen durchgemacht hat, die dann als eine Art „Heilkrise“ interpretiert werden. Gewiss gibt es Methoden die solche Reaktionen häufig nach sich ziehen, dennoch darf man sich als Heiler auf keinen Fall von solchen Reaktionen abhängig machen und sie schon gar nicht per se als eine geglückte Heilung interpretieren. Befunde müssen in irgendeiner Weise objektivierbar sein und sei es auch nur, dass ich nach meinen persönlichen Definitionen einen Vorher/Nachher-Vergleich anstelle und eine tatsächliche Veränderung erkenne, die eindeutig auf meine Intervention zurückzuführen ist. Manchmal werden Patienten auch TROTZ Behandlung gesund, das heißt ich kann nie genau wissen, was von dem was ich unternommen habe wirklich zur Heilung geführt hat. Man spricht dabei auch von der sogenannten therapeutischen Illusion, wenn von mir unabhängige Dinge eine Heilung bewirkt haben, die ich aber fälschlicherweise als meinen Erfolg verbuche.

In manchen Disziplinen der Osteopathie zB. gilt es sogar als schlampige Arbeit, wenn man heftige emotionale Reaktionen auslöst. Die Rede ist vom sog. Somato Emotional Release ein Konzept, das John Upledger entwickelt hat. Er geht dabei von der Grundannahme aus, dass emotionale Inhalte im Körper in sog. „Zysten“ gespeichert sind und durch manuelles Einwirken auf die entsprechenden Körperstellen durch einen Behandler gelöst werden können. Hierbei besteht der Anspruch, dass selbst schwere psychische Traumata auf der Körperebene spürbar und damit auch dort lösbar zu sein haben. Die sichtbare Reaktion davon sollte absolut NICHTS sein. Keine Träne, keine melodramatischen Gefühlsausbrüche, maximal ein leises Seufzen, egal wie schwerwiegend das Trauma ist. Und das hat hinterher eine deutliche Verbesserung aufzuweisen, sonst gilt die Behandlung als erfolglos. Es mag verlockend sein, die Reaktionen des Klienten als Bestätigung für sich selbst heranzuziehen, aber entscheiden sollten klare Befunde im jeweiligen Konzept sein in dem man arbeitet. Das mag den Showeffekt der Heilung erheblich schmälern, aber es senkt auch das Risiko einer Retraumatisierung enorm und ist deutlich angenehmer für den Patienten/Klienten.

Im nächsten Teil werde ich mich weiteren heilerischen Meinungen widmen, die mir verstärkt in der Internetszene auffallen, wie zB. zum Thema „Blockaden“, „Energien“ oder „Psychosomatik“.

Gespräch mit der Göttin (I) und (II), geschrieben von Veleda Alantia

16. September 2017

Gespräch mit der Göttin (I)

Endlich kam sie nach Hause. Ihr Leben ein Trubel von Sehnen, Suchen und Finden. Dort hatte sie einen Raum um zu sein, bei sich daheim.

Ein Raum, der nur ihr gehörte und dem was sie rufen würde. Manchmal fühlte sie sich berührt ..mitten im Alltag.  Dann kamen die Zweifel.
Und die Vorwürfe und Misstrauen sich selbst gegenüber.

Erst nahm sie ein Bad. Eine Vorbereitung sei ein Muss. Von der Reinigung der Seele spürte sie nicht viel, da sie doch gedanklich wieder bei der Arbeit war. Immer woanders. Immer besser sein oder werden. Schnell schnell.

Nach dem Bad und einer kleinen Ruhephase ging sie zu ihrem Regal. Dort stand eine kleine Figur der Tara. Es war ein Geschenk von einer spirituellen Freundin.

Die junge Frau entzündete das Räucherstäbchen. Der Duft war herb und ganz anders als sie erwartet hatte. Nichts Heiliges oder so.  Es stank sogar etwas. Und der Duft sollte eine Göttin rufen?

Der ging gar nicht. Allerdings stand es so in dem schlauen Buch einer SternenFalkin.

Wütend, daß es so formell sein musste verwarf sie das. Wenn es Göttinnen gab konnte man sie dann nicht treffen wie andere Menschen auch?

Die Tage vergingen im Ticken der Uhr und sie ging einkaufen. Ausnahmsweise war ein Bauernmarkt in der Stadt. An einem Stand verkaufte eine Frau, unbestimmten Alters und mit silbrigem Haar, bemalte Steine, trockene Kräuter und Kurioses.

“Und das soll magisch sein?” fragte die junge Frau und strich über einen Stein mit Sonnensymbol. “Magisch wird es wenn du dich nicht auf etwas Fernes konzentrierst sondern auf etwas Nahes. Dich selbst, deine Fähigkeiten. Dein brennendes Herz . Wenn du das kannst ist dein Leben Magie.”

Die Alte liess sie eine Karte ziehen. Es zeigte eine Art Baum oder Figur mit ausgebreiteten Armen. “Das ist Algiz. Der Moment um Magie zu leben ist jetzt. Und nur jetzt.”

Gespräch mit der Göttin (II)

Nach dem seltsamen Tag auf dem Bauernmarkt ging sie mit gemischten Gefühlen in ihren Lieblingspub. War das die Göttin gewesen? Eine alte Frau, doch so normal? Sie hatte gehofft es wäre erhabener..magischer! Doch weder glitzernder Feenstaub, noch ein ekeliges Gebräu, das im Kessel siedete. Was also war das was die alte Frau von ihr wollte?

Im Bad sah sie sich selten im Spiegel an. Weder fand sie sich ansehnlich noch liebenswert. Manche sagten ihr sie habe das gewisse Etwas. Nur was soll das sein?

Was war genau Magie? Waren das die Worte der Frau? ‘Magie ist immer im Moment, im Jetzt’. Dazu diese ..’Rune’. Wie ein Baum…oder der Abdruck von Raben im Schnee. Sie hörte oft die Raben wenn sie raus ging. Als riefen sie sie. Erinnerten sie…

Sie schminkte sich die Augen schwarz. Im alten Ägypten war dies zum Schutz. Vor der Sonne und dem bösen Blick. Das sagten zumindest Leute, die sie aus Ägypten kannte.

Sie erinnerte sich an das Zeichen. Algiz. Geschützt und im Moment sein..Eine andere Bedeutung war die der Verbindung zum Göttlichen.

Sie fand eine CD ‘schamanische Seelenreise’ und liess sie laufen während sie sich anzog.

Als sie wieder zum Spiegel ging, war im Spiegel ein Tor zu sehen. Es schien hinab zu führen. Ihr Verstand rebellierte, doch wusste ihr Herz, daß sie folgen musste. Sie kletterte hinab. In einem höhlenartigen Raum standen Steine aufrecht. Alle mit diesen Runen verziert. Ein Mann trat hinter einem Stein hervor. Schelmisch wissende grüne Augen funkelten sie an und er trug bei sich den Geruch des Feuers. ”Dein Mut ist wunderbar. Du kannst nicht mehr abschätzen was geschieht.”

“Wer bist du?” fragte sie. “Loki. Der Trickster. Der Fuchs der Götter. ”Sein Lächeln erinnerte sie an Ban. “ Ist klar..wo bin ich hier?” “Du bist wie Alice durch den Spiegel gegangen und hier ist nun dein Ort der Kraft. Doch erwarte keine Glitzermagie und Egogepusche.“ Verdutzt wie frech dieser Loki war…

Er nahm ihre Hand küsste diese. Sein Kuss brannte und sie stand vor dem Spiegel wieder.

“Was eine CD…” hauchte sie verwirrt.

Geschrieben von Veleda Alantia

Bilder: Wikimedia Commons, Loki by Erechel

Editorial

09. September 2017

Well met, alle zusammen!
Spätsommer in Reinkultur – bei uns hier zumindestens …

 

und das Bild muss ich Euch leider nachliefern, weil es mich WordPress nicht hochladen lässt …

Dafür kann ich Euch ein superspannendes Update gleich und vollständig servieren.
Sati hat sich Gedanken über „Heilung und Heilkunst“ gemacht, ein Thema das für viele spirituell Aktive immer wieder aktuell ist.
Uwe´s Teil II von „Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht“ vervollständigt unser Wochenangebot.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und möchte nochmal in Erinnerung rufen, dass unsere Artikelspeicher noch immer der Aufstockung harren.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Heilung und Heilkunst – Teil 1

09. September 2017

Inspiriert von Anufas Artikel „Religion/Spiritualität – Zerwas brauch ich das?!“ möchte ich mich in diesem Artikel dem von ihr angesprochenen Aspekt der Heilung widmen. Heilung, so erwähnte sie ja bereits, ist ein großes Thema, besonders wenn man sich in der Neoheiden- ,Hexen- und Schamanenszene umsieht. Nicht nur die Heilung seiner selbst, sondern ganz besonderes auch die Heilung anderer. Zwar macht nicht jeder von den ambitionierten Heilern gleich einen Beruf daraus, eine Berufung jedoch schon und das oft mit großem Enthusiasmus.

Indianischer Schamane beim Heilen einer kranken Frau, U.S. National Archives and Records Administration, Wikimedia Commons

Ich beteilige mich gern an Internetdiskussionen in den verschiedensten Online-Hotspots zum Thema Heilung und Spiritualität. Ganz besonders interessiert mich in letzter Zeit das Gebiet der Schamanen, aber natürlich auch Neuheiden und Hexen und deren heilerische Praxis. Ich habe selbst mal in dieser Szene begonnen mich für die Kunst des Heilens zu interessieren, habe mich dann im Verlauf meiner Lehrjahre davon wegentwickelt und mich eher der wissenschaftlich orientierten, aber dennoch alternativen Heilkunde gewidmet und befinde mich nun in einer Phase der Wiederannäherung an die spirituelleren Konzepte von Heilung.

Wahrscheinlich ist das mitunter ein Grund, warum sich mir bei sehr vielen Berichten von spirituell orientierten Heilern die Stirn in tiefe Falten legt und ich mich frage, wie es um die praktische Erfahrung vieler Heiler tatsächlich bestellt sein kann. Es gibt einige „Das-ist-so“-Dogmen, die immer wieder im Brustton der Überzeugung angeführt werden, die besonders in der heilerischen Praxis  keinen erkennbaren Sinn machen, auch wenn sie theoretisch noch so ausschweifend begründet werden. Dinge, die mir zB. während meiner Ausbildung auch mehrfach als typische Fallgruben von angehenden Heilern beigebracht wurden und deren Kenntnis sich im heilerischen Alltag vielfach bewährt hat.

„Healers“ von Setongo, Wikimedia Commons

Da der Artikel etwas länger wird, möchte ich vorab einen kleinen Überblick geben, wie ich mich diesem Thema widmen werde. Ich möchte zunächst ein bisschen was zu mir selbst und zu meinem Werdegang sagen. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern einfach Hintergrundinformation, weil man Aussagen meiner Ansicht nach oft besser versteht, wenn man ein ungefähres Bild hat wer der Autor überhaupt ist und vor welchem Background diese Ansichten entstanden sind.

Im Anschluss möchte ich einige von diesen nicht ausreichend hinterfragten Glaubenssätzen der Heilung schildern und daraus resultierende Fehler in der praktischen Heilkunde beschreiben. Um das Verständnis zu erleichtern, werde ich sofern möglich auch ein paar Beispiele aus meinem eigenen beruflichen Alltag anführen.

Mein eigener Werdegang

Ich befasse mich wie eingangs erwähnt internsiv mit der schamanischen und neuheidnisch-hexischen Szene und deren Verständnis von der Heilerei. Das interessiert mich zurzeit deswegen, weil mein Metier die Osteopathie, sehr viele Aspekte eines animistischen Weltbildes, also dem Konzept des Allesbeseelten besitzt und ich auf diese Weise meinen eigenen heilerischen Horizont erweitern möchte und neue Perspektiven gewinnen möchte. Nichts anderes haben auch unsere osteopathischen Gründerväter getan, die sich sowohl mit klassischer Medizin und Anatomie befassten, wie auch mit Spiritismus, Mesmerismus, Schamanismus und ähnlichen Dingen.

Ich im Anatomie Kurs an der LMU, Foto: Sati

Mein professioneller heilerischer Weg beginnt mit einer  3-jährigen Vollzeitausbildung, die mir 2008 meine Zulassung als Heilpraktikerin bescherte. Danach folgten einige kleinere Ausbildungen, darunter die Lymphdrainage nach Dr. Vodder, Neuraltherapie nach Huneke, Grundlagen der Chiropraktik, Phytotherapie und Homöopathie, bis ich mich 2010 entschied nochmal die Schulbank für längere Zeit zu drücken und eine 5-jährige Osteopathieausbildung mit einem Abschluss der BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft für Osteopathie) zu absolvieren. Seit 2013 bin ich nun hauptberuflich als Heilpraktikerin und Osteopathin tätig und bin Assistentin an der Hochschule Fresenius für den Studiengang Osteopathie.

Mittlerin zwischen den Welten

Ich denke also von mir inzwischen sagen zu können, dass ich einiges an praktischer Erfahrung im Bereich des Heilens und der Heilkunde habe sammeln dürfen. Als Osteopathin bewege ich mich zudem in einem Bereich, der eine besondere Stellung in der alternativen Heilkunde einnimmt. In den USA zählt die Osteopathie ganz selbstverständlich zur klassischen Medizin, in Europa und insbesondere in Deutschland zählt sie zur Komplementärmedizin. Als Osteopathin habe ich sowohl engen Kontakt zu Schulmedizinern und arbeite natürlich auf der Basis medizinischer Befunde, aber gleichermaßen auch zu alternativen Heilern und deren unterschiedlichsten Heilkonzepten. Mein Klientel ist sehr häufig an beiden Verfahrensweisen gleichermaßen interessiert und nutzt sie ganz selbstverständlich parallel ohne darin einen Gegensatz, sondern vielmehr eine wertvolle Ergänzung zu sehen.

Ganz ähnlich ist auch mein Verständnis von der alternativen Heilkunde. Ich sehe mich nicht als Freund oder Feind von Schulmedizin oder Naturheilkunde, sondern oftmals als Vermittler zwischen diesen beiden Welten. Hinzu kommt natürlich, dass ich im Gegensatz zu den meisten niedergelassenen Ärzten in der Regel viel mehr Zeit für meine Patienten habe und auch mal sehr tiefgründige Gespräche führen kann. Daher ist es oft auch an mir Aufklärungsarbeit zu leisten, Arztbriefe und Befunde zu erklären und natürlich auch Seelen zu trösten, wenn schwerwiegende Diagnosen plötzlich alles auf den Kopf stellen.

Osteopathie, Foto: Sati

Osteopathie als Mittelweg

Die Osteopathie selbst ist nicht nur eine Heilmethode, die auf der klassischen Anatomie und Physiologie fußt, sondern vielmehr eine Heilphilosophie mit sehr anspruchsvollen geistigen, ja spirituellen Inhalten. Wissenschaftlich Belegbares ist genauso Teil der Methodik, wie Kraft der eigenen Intuition Erlebtes und Gefühltes oder aus praktischer Erfahrung vieler Therapeuten gemeinsam Etabliertes. Auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in Bereiche wie TCM, Homöopathie, Ayurveda, Kräuterheilkunde, Hypnose, usw. usf. ist in der Riege der Osteopathen durchaus üblich. Alles was hilft darf sein – zum Wohle des Patienten. Ich bin also alles andere als eine alternativmedizinische Möchtegernärztin, die sich verzweifelt an ihr Buchwissen klammert und die „Ärztelobby“ verteidigt, wie mir oft vorgeworfen wird, nur weil ich weiß, wie man einen Arztbrief liest und nicht mit allen in das Böse-Schulmedizin-Horn stoße oder alles Siechtum dieser Welt mit der „Pharma-Mafia“ begründe . Ich habe gerade als Osteopathin gelernt offen zu sein für verschiedenste Methoden ohne mich bei deren Bewertung von persönlichen Präferenzen leiten zu lassen. Mich interessiert oft vielmehr WER heilt und nicht womit. Mein diagnostisches Instrument sind meine Hände und ihr seit Jahren trainierter Tastsinn und die spüren ganz unabhängig von dem, was mein Kopf gern glauben will. „Hände irren sich nicht, der Kopf schon.“ Hat einer meiner Dozenten ganz am Anfang meiner Ausbildung zu mir gesagt.

„spine guitar“ ;D, Foto: Sati

Ich habe schon so manches Wunder erlebt durch Heilmethoden, die mir mehr als suspekt waren und habe hundertfach belegte und in den heiligen Stein der Therapierichtlinien gemeißelte Verfahren kläglichst versagen gesehen. Als Therapeutin ist es mir ein besonderes Anliegen stets so synergistisch wie möglich zu arbeiten – letztlich ist das genau das was Osteopathie zum Ziel hat – und dabei ist es für mich unerheblich, ob meine Patienten vorher beim Orthopäden oder beim Schamanen war. Ich sehe es als meine Aufgabe an sinnvolle Verknüpfungen zum Wohle des Patienten herzustellen. Dabei geht es mir zum einen um faire Kollegialität zu meinen Mitbehandlern – selbst wenn ich diese niemals persönlich zu Gesicht bekomme – aber noch viel mehr darum meine Patienten nicht zu entmündigen. Denn schließlich war es DEREN Entscheidung zu Heiler A oder Arzt B zu gehen und gleichsam eben zu mir zu kommen und diese Entscheidung ist unter allen Umständen erstmal zu respektieren.

Im nächsten Teil werde ich mich näher mit unterschiedlichen mit den Glaubenssätzen befassen, die in der virtuellen Heilerszene kursieren, sie hinterfragen und ein paar Denkanstöße dazu anbieten.