Editorial

23. Juli 2016

Well met, alle zusammen!

So schön dieser (seit März andauernde) April, der sich Juli nennt tageweise auch sein mag, so verheerend wirkt sich dieses Wetter in manchen Gegenden aus.
So wohlmeinend und hilfreich manche Menschen sein können (z. B. sich unter den Balkon vom 2. Stock zu stellen um ein am Geländer balancierendes Kleinkind, im Fall des Falles aufzufangen – was auch nötig ist und dann mit einem gesunden Kind und einem gebrochenen Arm beim Fänger endet) so furchtbar können einzelne (da brauche ich wohl keine Beispiele zu geben!) auf der anderen Seite sein. Spiegelbilder an allen Ecken und Enden …

Spiegelwelten copyright Sandra

Spiegelwelten copyright Sandra

In unserem heutigen Update geht es diesmal um Heilmittel im alten Ägypten, „Kräuter im Alten Ägypten“ und den Teil XI von Maras Mehrteiler „Fantasy und Neuheidentum„.
Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und gerade jetzt die innere Ruhe in heftigen Zeiten die Füße am Boden behalten zu können.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Kräuter im Alten Ägypten

23. Juli 2016

Die Alten Ägypter besaßen eine ausgefeilte Heilkunst, die sehr eng mit der Anwendung von Magie verknüpft war. Neben verschiedenen Materialien der Natur, fanden auch viele Pflanzen Einsatz in der altägyptischen Medizin und Magie. Nicht alle konnten heute zweifelsfrei identifiziert werden und zum Teil nahmen es selbst die Alten Ägypter mit der botanischen Unterscheidung der Pflanzen nicht so genau.

Dennoch kann man heute auf eine umfangreiche Sammlung altägyptischer Medizinpflanzen zurück greifen, die ohne größere Umstände hierzulande erhältlich sind und z.B. für Rituale und magische Aktivitäten genutzt werden können

Im Folgenden soll daher ein Überblick über die im Alten Ägypten verwendeten Kräuter und Pflanzen gegeben werden, jeweils mit der Art der Anwendung und sofern überliefert mit der magischen oder mythologischen Bedeutung.


*** Wichtiger Hinweis ***
DIE REZEPTUREN SIND NICHT ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN!

Die Anwendungshinweise geben lediglich die überlieferten Einsatzgebiete der verschiedenen Pflanzen wieder, stellen aber in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar.
Bei Anwendung von Pflanzen oder Pflanzenteilen als Amulett bitte die jeweiligen Richtlinien für geschütze Pflanzen beachten.

Akazie (Nilakazie)
Wundheilung, bei Knochenbrüchen, um die Blutgefäße zu kühlen, Baum der Geburt und des Todes, Verhütungsmittel

Akazie, Foto: Wikimedia Commons

Alant
Wundheilung, um Insekten und Schlangen fern zu halten, um sich Krokodile vom Leib zu halten

Alraune
Gegen Schmerzen, als Betäubungsmittel (z.B. für operative Eingriffe) als Aphrodisiakum
Um einen Alraune zu ernten sollte man zunächst mit einem Schwert drei kreise um die Alraune ziehen, beim ersten Schnitt soll das Gesicht nach Westen gerichtet sein, beim zweiten Schnitt soll man um die Alraune tanzen und die Mysterien der Liebe besingen.

Alraune, Foto: Wikimedia Commons

Basilikum
Aphrodisiakum, um die Geburt zu erleichtern, „königliche Pflanze“

Bohnen
für Priester waren Bohnen tabu, es war ihnen nicht einmal erlaubt sie anzusehen, da sie als unrein galten, als Aphrodisiakum in der Volksmedizin, Arbeiter erhielten Bohnen als Lohn

Dattelpalme
Als Süßigkeit, zur Herstellung von Sirup, Wein, Schnaps und Likör, der Wein wurde getrunken, aber auch zur Waschung der Mumien benutzt, gegen geschwollene Arme und Beine, gegen Husten, als mildes Abführmittel

 

Datteln an einer Dattelpalme, Foto: Wikimdia Commons

 

Feigenbaum
Früchte gegen Verdauungsbeschwerden, zusammen mit Kuhmilch gegen Herzerkrankungen, die durch einen Dämon verursacht wurden, Opfergabe an die Götter, als mildes Abführmittel

Gerste
Als Opfergabe v.a. an Osiris als Symbol der Wiederauferstehung,
als Geburtsorakel: die schwangere Frau musste täglich in zwei Behälter urinieren, einen mit Emmer der andere mit Gerste gefüllt. Wuchs die Gerste würde sie einen Jungen gebären, wuchs der Emmer mehr würde es ein Mädchen werden. Wuchs keines der beiden würde sie kein Kind gebären.

Hanf
Gegen Trübsal und Depression, als Mittel um den Uterus zu kühlen, gegen Entzündungen, Symbol der Seshat, weibliches Pendant des Gottes Thoth, Gottheit der Mathematik, Schreibkunst und Magie

Die Göttin Seshat, Foto: Wikimedia Commons

Henna
Soll Verstorbene wiederbeleben können, als Stimulantium, Haar- und Hautfarbe

Körpermalerei mit Henna, Foto: Wikimedia Commons

Kalmus
Aphrodisiakum, zur Zahn- und Körperreinigung, oft Bestandteil der Räuchermischung Kyphi

Knoblauch
Aphrodisiakum, verleiht Kraft und Ausdauer

Knoblauch, Foto Wikimedia Commons

Koriander
Grabbeigabe, Opferung an die Götter, um den Milchfluss bei Müttern anzuregen, gegen Verdauungsbeschwerden, als Antidote gegen das Gift der „zweiköpfigen Schlange“, gegen Magenbeschwerden

Lattich
heilige Pflanze des Gottes Min und des Gottes Seth, wichtiges Fruchtbarkeitssymbol, Teil des Nahrungstabus für Priester, „Allheilmittel“, als Beruhigungsmittel, gegen Männerleiden

Kopfsalat gehört zu den Lattichgewächsen, Foto: Wikimedia Commons

Myrrhe
Bestandteil der Räuchermischung Kyphi, Harz zur Einbalsamierung bei der Mummifzierung, als Parfüm

Papyrus
Papyrusherstellung, als Baumaterial für heilige Zeremonienboote, Herstellung von Sandalen, Pflanze des Schöpfugsprozesses, die aus dem Urmeer Nun hervorgeht, Symbolpflanze von Unterägypten

Papyruspflanze (mit Katze :) )Papyruspflanze, Foto: Sati

Safran
Als Schutzamulett um giftige Tiere zu vertreiben, Grabbeigabe

Schlafmohn
Aphrodisiakum, gegen Schmerzen, als Betäubungs- und Schlafmittel, als Stimulantium

Schlafmohn, Foto: Wikimedia Commons

Sellerie
Gegen jede Krankheit, die durch einen Dämon verursacht wurde, Frauengesundheit, zu Kränzen geflochten als Grabbeigabe

Sellerie, Foto: Wikimedia Commons

Süßer Majoran
Pflanze des Krokodilgottes Sobek, gegen Erkrankungen des Ohres, Grabbeigabe, als Bestandteil von Parfüm, um die Menstruation anzuregen, gegen Zahnschmerzen und rheumatische Beschwerden

Wassermelone
Um Krankheitsdämonen zu vertreiben, als Orakel um eine schwangere Frau von einer nicht fruchtbaren Frau zu unterscheiden (die Schwangere übergibt sich nach Einnahme), Fruchtbarkeitspflanze (mit dem Gott Seth assoziiert, aus seinem Samen der auf den Boden fällt erwachsen Wassermelonen)

Weißer Lotos
Gehört zu den beliebtesten Pflanzen im Alten Ägypten, Lebens- und Wiederauferstehungssymbol (weil sich die Blüten nach der aufgehenden Sonne ausrichten), häufige Pflanze auf Opfertischen für die Götter, gegen Erkrankungen des Darms die durch Dämonen verursacht wurden, Regeneration, Aphrodisiakum, einige Lotusarten wurden als Rauschmittel konsumiert, Symbolpflanze Oberägyptens

Weißer Lotos, Foto Wikimedia Commons

Wermut
Gegen Erkrankungen des Anus die durch einen Dämon verursacht wurden, gegen Entzündungen der Haut, gegen Wurmerkrankungen

Wunderbaum
Rizinusöl als Haarwuchsmittel für Frauen, gegen Hauterkrankungen, als Abführmittel

Zwiebeln
Hält Schlangen fern und schützt das Heim, zur inneren Reinigung, bei Atemwegserkrankungen, Grabbeigabe, zur inneren Reinigung

Zwiebel, Foto: Wikimedia Commons

 

Literatur:
Lisa Manniche, An Ancient Egyptian Herbal

 

 

Fantasy und Neuheidentum – Teil XI, geschrieben von Mara

23. Juli 2016

Duell der Magier-Trilogie von Jo Clayton: Unter den magischen Monden (1982), Die Bahn der magischen Monde (1983)

Vorab: Wenn sich jemand wundert, warum ich bei einer Trilogie nur zwei Bände angegeben habe: Das liegt daran, dass der dritte Band Changers Moon (1985) nach der Einstellung der Taschenbuch-Reihe Knaur Science Fiction und Fantasy in den 80er Jahren niemals ins Deutsche übersetzt wurde.

Die Biographie der US-amerikanischen Schriftstellerin Jo Clayton (1939-1998) weist einige Ähnlichkeiten mit der Marion Zimmer Bradleys auf. Geboren in Modesto, Kalifornien wuchs sie im ländlichen Raum auf und studierte Englische Literatur an den Universitäten von Kalifornien in Berkeley und von Südkalifornien in Los Angeles. Ab 1963 arbeitete sie als Lehrerin. 1969 konvertierte sie zum Katholizismus und plante sogar, in ein Kloster einzutreten, gab aber diesen Plan wieder auf. In den 80er Jahren konzentrierte sie sich ganz auf das Schreiben. Von 1983 bis zu ihrem Tod 1998 lebte sie in Portland (Oregon).

Die hier vorgestellten Romane Unter den magischen Monden (1982, dt. 1984) und Die Bahn der magischen Monde (1983, dt. 1985) gehören zu denjenigen, die mir am besten gefallen. Das liegt nicht nur an der Handlung und den Konzepten, sondern auch an den glaubhaften, sympathischen Charakteren und dem Schreibstil.

Hier kombiniert Jo Clayton die Idee einer Amazonen-Organisation, vergleichbar mit der Gilde der Entsagenden Darkovers mit der Vorstellung eines Kampfes zwischen der Göttin-Religion und einer an das Christentum oder den Islam angelehnten neuen patriarchalen Religion der Anhänger der Flamme, die Soäreh, den Herrn des Lichts, anbeten.

Die Romane sind reine Fantasy und spielen in einer imaginären Welt mit einem hauptsächlich mediterranen Klima, das sich gar nicht so sehr von ihrem heimatlichen Kalifornien unterscheiden mag. Das Matriarchat ist schon lange durch das Patriarchat abgelöst worden und findet sich nur noch bei randständigen Völkern.

Allerdings dominierte bisher noch in ganzen Kontinent Mijloc die alte Göttin-Religion, wobei insbesondere die erste Gestalt der Großen Göttin, die Jungfrau (im matriarchalen Sinne), verehrt wird. In jedem Ort gibt es einen Schrein der Göttin, dem eine Schule angegliedert ist, in der Kinder beiderlei Geschlechts unterrichtet werden.

Und dann gibt es noch Biserica, das Tal der Frauen. Es liegt Herzen von Mijloc und ist zentrale Ausbildungsstätte der Schreinwächterinnen, Heilerinnen und der Meien (Amazonen). Wir lassen am besten Jo Clayton selbst Biserica beschreiben: „Überall Mädchen, eine Flut von Mädchen, in der die älteren Frauen untergingen, lachende und schweigsame, beherrschte und ungeduldige, fröhliche und finstere, träge und vor Energie übersprudelnde Mädchen. Häuslermädchen und Taromtöchter, Stadtmädchen von Selmacarth und Oras, Mädchen von fernen Gegenden und fernen Völkern, deren Namen und Lagen Tuli nicht kannte. Eine Auslese von Mädchen, die aufrührerischen und ruhelosen, die vergnügungssüchtigen und frommen, einige, die dem Druck der Anhänger [der Flamme] entfliehen wollten und andere auf der Suche nach etwas, das Biserica ihnen zu versprechen schien.“ (Clayton 1985, S. 392)

Die Meien werden als „Leibwächterinnen, Wachen der Frauenunterkünfte, Geleitschutz bei Frauenreisen auf Karawanen und Schiffen, als Handelsgehilfinnen und für andere vielfältige Aufgaben eingesetzt, die Integrität, Intelligenz, Wendigkeit und Geschicklichkeit beim Umgang mit den verschiedensten Waffen erfordern.“ (Clayton 1985, S. 12) Sowohl sie selbst als auch Biserica erhalten für ihre Dienste Vergütungen.

Die Rahmenhandlung der Trilogie besteht darin, dass Ser Norris, der mächtigste Magier aller Zeiten, Reiki Janja, eine Verkörperung der Großen Göttin und der Natur selbst zu einem Spiel um die Herrschaft über die Welt herausfordert. Jeder der Kontrahenten kontrolliert bestimmte „Spielfiguren“. Ser Norris z.B. Serroi als Kind, die Anhänger der Flamme, Reiki Janja dagegen Serroi als Erwachsene, Hern Heslin, den Herrscher von Oras etc.

In der Serie werden die Abenteuer von Serroi beschrieben, die als Kind von Ser Norris gefangen gehalten wurde, sich schließlich befreien konnte und in Biserica zur Meie ausgebildet wurde. Sie stolpert bereits auf ihrer ersten Mission zufällig in eine Verschwörung, in der der Hern Heslin, der Herrscher von Oras durch einen Dämon mit gleichem Aussehen ersetzt werden soll, der die Befehle des Ser Norris und der Anhänger der Flamme befolgt. Das kann sie zwar verhindern, aber sein Sturz ist nicht mehr abwendbar. Zudem wird ihre Kampfgefährtin und Liebhaberin Tayyan getötet. Serroi muss also mit Hern und dem Mädchen Dinafar, das sie unterwegs aufgelesen hatte, nach Biserica fliehen.

Nach dem Sturz von Hern Heslin übernehmen die Anhänger der Flamme die Macht. Die Jungfrauenschreine werden zerstört, die Menschen durch religiöse Tyrannei eingeschüchtert. Schließlich wird Biserica belagert und steht kurz vor dem Fall. Serroi wird ausgerechnet mit Hern Heslin, dem gestürzten Herrscher von Oras, auf eine verzweifelte Mission geschickt, um das Tal der Frauen doch noch zu retten. Ob das gelingt, wird im dritten Band dargestellt.

Am Beispiel der Farmers-Zwillinge Tuli (Mädchen) und Teras (Junge) werden die Auswirkungen des Putsches der Anhänger demonstriert. Tuli ist ein Wildfang. Aber ihr wurde wie Romily von ihrem Vater streng verboten, mit ihrem Bruder draußen herumzutoben. Wenn sie es doch tut, drohen Prügel.

Nach der Machtübernahme der Anhänger verschlimmerte sich ihre Situation noch erheblich. Der Jungfrauenschrein, in dem Tuli immer Ruhe und Frieden gefunden hatte, wird zerstört, ihre Familie als „Unruhestifter“ enteignet und die Frauen (Mutter mit Töchtern) in das lokale Haus der Buße eingewiesen. Dort soll ihnen durch eine Gehirnwäsche beigebracht werden, was der „wirkliche“ Platz der Frau im Leben ist. Nach ihrer Befreiung schickt sie ihr Vater selbst mit einer wandernden Meie nach Biserica, weil er sie beim folgenden Guerillakrieg gegen die Anhänger als Mädchen nicht dabei haben will, obwohl sie mindestens so gut wie ihr Zwillingsbruder Teras mit der Schleuder umgehen kann.

Möglicherweise hat Jo Clayton in der Figur der Tuli selbst Teile ihrer Kindheitserfahrungen verarbeitet. Sie lebte ja auf dem Land in einer Farm, genau wie Tuli.

Angesichts der Figurenkonstellation könnte man annehmen, Jo Clayton würde viele Männer als Monstren darstellen. Sie vermeidet allerdings eine solche Schwarz-Weiß-Zeichnung und versucht auch die Motive der Antagonisten verständlich zu machen.

Wie schon Marion Zimmer Bradleys Amazonen hat auch Biserica eine starke utopische Komponente, ja sie ist hier sogar noch stärker. In Jo Claytons Welt kommen zwar auch patriarchale Verhaltensweisen vor, aber die Meien, die hier ein ganzes Tal okkupieren, sind in Mijlock als integraler Bestandteil der traditionellen Religion des Landes erheblich stärker akzeptiert, auch von vielen Männern. Sie müssen sich nicht – wie die freien Amazonen von Darkover – ständig für ihr Anderssein rechtfertigen.

Umso schmerzlicher wird die Zerstörung dieser Religion empfunden, die vermutlich irreversibel ist. Auch dafür gibt es historische Vorbilder: Jo Clayton beschreibt in der Duell-der-Magier-Trilogie eine Situation, die so ähnlich am Ende der Antike, als Kaiser Theodosius 392 u.Z. das Christentum zur Staatsreligion erklärte, tatsächlich eingetreten ist. Alle heidnischen Tempel wurden geschlossen oder zerstört, die Statuen von Göttern und Göttinnen zerschlagen. Auch wurden die olympischen Spiele verboten und die berühmte Akademie in Athen geschlossen, in der bereits Sokrates, Platon und Aristoteles lehrten. Die größten Bibliotheken wurden ebenfalls geschlossen und ihre Bücher massenhaft verbrannt. Die heidnische Philosophin Hypatia wurde in Alexandria von Christen bestialisch ermordet.

Jo Clayton weist in ihren Romanen aber durchaus darauf hin, dass die Anhänger der Flamme aufgrund von gesellschaftlichen Widersprüchen insbesondere bei den ärmeren Schichten der Bevölkerung populär geworden sind. Auch dies entspricht ja der Entwicklung im Christentum, das gerade aufgrund der massiven sozialen Widersprüche der Gesellschaft im Römischen Reich so stark wachsen konnte.

Besprochene Romane

Jo Clayton: Unter den magischen Monden, München 1984 (Erstveröffentlichung 1982 unter dem Titel Moongather)

Jo Clayton: Die Bahn der magischen Monde, München 1985 (Erstveröffentlichung 1983 unter dem Titel Moonscatter)

Im nächsten Teil geht es um den Roman Madru von Frederik Hetmann.

Editorial

16. Juli 2016

Well met, alle zusammen!

Tür und Tor

Tür und Tor copyright XVII

Gerade jetzt Nachrichten anzusehen ist nicht so einfach – Umbrüche und dräuende Katastrophen an allen Ecken und Enden. Wie geht der einzelne damit um?
In unserem heutigen Update bieten wir Euch eine Geschichte, von XVII geschrieben (von dem auch unser heutiges Foto stammt, herzlichen Dank dafür), „Der Magier„. In der SteinWeise findet Ihr schon einiges zum Thema „Divination“ und deshalb habe ich mich heute ein wenig mit dem Thema „Rosenkranz, Gebetsschnur, Mala und Co …“ beschäftigt.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder vielleicht sogar Eure reale Mitarbeit!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Rosenkranz, Gebetsschnur, Mala und Co …

16. Juli 2016

RosenkranzIn unserer Kultur sind viele von uns mit Rosenkränzen schon in der Kindheit konfrontiert worden. Lange Perlenketten, aus den unterschiedlichsten Materialien, meist mit einem Kreuz und/oder einer Heiligengemme als „Anhänger“.
Althergebracht wurde er als Zähl- und Gebetskette verwendet, um eine regelmässige Abfolge von Gebeten  z. B. Vater unser/Ave Maria/Ehre sei dem Vater kontrolliert abzuarbeiten. Erstmalige Erwähnungen gibt es im 15. Jahrhundert und er hat sich bis heute in der Praxis gehalten.

Der Aufbau des Rosenkranzes richtet sich nach der Tradition in der gebetet wird.

Gebetsweise des katholischen Rosenkranzes

(1) Kreuzzeichen,
Glaubensbekenntnis

(2) Vater Unser

(3) drei Ave Maria

(4) Ehre sei dem Vater

(5) fünf Gesätze mit je einem Vaterunser, zehn Ave Maria und einem Ehre sei dem Vater

Als „marianische Leben-Jesu-Meditation“ verbindet der Rosenkranz die Verehrung von Jesus Christus mit der Anbetung von Maria, die die Leiden ihres Sohnes als Mensch betrachtet.  Hier kommt schon recht deutlich zum Ausdruck, dass es sich bei der Verwendung des Rosenkranzes nicht um „stures Beten“ handeln muss, sondern es auch um eine Meditation und Kontemplation tiefer Glaubensinhalte gehen kann. In diesem Kontext werden sie als (Rosenkranz)Geheimnisse bezeichnet.

Gebetsschnüre

Sowohl in der russischen als auch in der griechischen orthodoxen Kirche, wird ebenfalls mit Gebetsschnüren gebetet. Diese bestehen allerdings tatsächlich aus Schnur, in die Knoten gemacht werden – die altorthodoxe Form wird sogar aus Leder gemacht.

Gebetsketten

MalaIm Buddhismus und Hinduismus wird die Gebetskette „Mala“ genannt und besteht meistens aus 108 Perlen (meistens aus Naturmaterialien, denen ganz bestimmte Bedeutungen zuerkannt werden). Die Zahl 108 weist im Buddhismus auf die gesammelten Bände der Lehren Buddhas hin und im Hinduismus auf die Anzahl oder die der Attribute der einzelnen Gottheiten.
Die islamische Gebetskette nennt sich Misbaha oder Subha. Diese Form wird vornehmlich als Zählmechanismus verwendet aber auch als Talisman und Schmuck um den Hals getragen oder als religiöses Symbol an die Wand gehängt. Sie besteht aus 99 Perlen (3 Teile zu jeweils 33 Perlen). Die Sektionen sind jeweils durch eine verlängerte oder vergrößerte und andersfarbige Perle gekennzeichnet oder die Schlussperle ist anders gestaltet. Häufig besitzen Masabih kurz vor der Schlussperle eine kleine Nebenkette mit bis zu zehn Perlen, die auf einer dickeren Schnur sitzen. Diese Perlen verrutschen nicht von selbst, mit ihnen wird die Zahl der Gebetsrunden festgehalten. Nach jedem Durchgang wird eine Perle verschoben, die dann an ihrem Platz bleibt. Die Haupt- und Nebenketten können an den Enden durch Stoffquasten oder Schmuckstücke verziert sein. An Materialien findet sich von Kunststoff bis Edelstein so gut wie jedes Material.

Misbaha

Theorie dahinter

Was hat das nun alles mit Heidentum zu tun? Ganz einfach, die Theorie dahinter ist es, die mich schon sehr lange interessiert hat. Der einfache Gedankengang, dass es wohl etwas auf sich haben muss, wenn mehrere Traditionen und/oder Religionen es für wichtig ansehen, einen Zählmechanismus oder einen „materiellen Anker“ zu haben, während die kontemplativ oder betend zu Gange sind.
Deshalb hat sich wohl auch seit etlichen Jahren die Gebetskette auch in den heidnischen Bereich eingeschlichen. Es geht also ums ritualisierte Gebet oder um einen fixen Komplex an Meditationsthemen im Auge zu behalten! Für mich als Priesterin der Craft schaut das beispielsweise so aus (in der Nummerierung ähnlich dem Rosenkranz):

(1) ein Symbol für „meine“ Göttin und „meinen Gott“
dann folgen vier „Stationen“ für die vier Elemente
(4) ein Symbol für das „All-Eine“
dann folgen 8 „Unterteilungsperlen“ (vier kleine – Yule, Ostara, Litha und Herbst-Tag und Nachtgleiche; und vier große – Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh) zwischen denen jeweils drei Perlen für die Göttinnen dieses Zeitabschnitts und zwei für die Götter gefädelt sind

oder:

(1) ein Mondsymbol
je eine „Elementenperle“
(4) ein persönliches Symbol
dann folgen 29 Perlen für die einzelnen Tage (wovon eine für den Vollmond stehen sollte) oder zwei unterschiedliche Arten von Perlen, die abwechselnd für die 13 Voll- und Schwarzmonde eines Jahres aufgezogen werden.

Es gibt aber im heidnischen Bereich auch die Gebetsschnur, die nicht als Kranz gefertigt ist (nach dem Vorbild der Hexenleiter). Sie wird gerne verwendet um zu Zaubern oder Ritualabläufe zu verinnerlichen oder zu kontemplieren. Als Beispiel dient mir hier eine Elementengebetsschnur.
Elementengebetskette
Was all diesen Hilfsmitteln gemeinsam ist, ist die Notwendigkeit mit jeder einzelnen Station der Kette etwas ganz Bestimmtes zu verbinden und das auch zu verinnerlichen. Je besser diese Kombination durch Übung und Wiederholung gefestigt ist, desto prägnanter ist die Wirkung.
Wenn ich beispielsweise einen bestimmten Ritualablauf habe …
Reinigung des Raumes, Ziehen eines Kreises, Anrufen der Elemente, Reinigung der Person im Kreis, Formulierung des Ritualinhalts, Rufen von Wesenheiten, Begrüßen und Instruieren der Wesenheiten, Sammeln der Energien, Manifestieren, Danken und Verabschieden der Wesenheiten, verabschieden der Elemente, Auflösen des Kreises und Versiegeln des ganzen Vorgangs; dann könnte ich 13 (für mich wirklich eindeutige!) Symbole für die unterschiedlichen Stationen auf eine Schnur ziehen und dann diesen Ablauf jederzeit – allein durch Kontemplation – „durchgehen“. Dadurch werden sowohl Kette als auch das Ritual selbst mit Energie geladen, die dann zur Steigerung der Effektivität des Rituals beiträgt. Die Kette selber wird dann zum Hilfsmittel für Zauber (um wieder die Hexenleiter zu erwähnen) und Ritual.

Ein wunderschönes Beispiel dafür hat dieser Blog zu bieten. Hier ist die Personalisierung wunderschön nachzuvollziehen. Dabei wird noch ein mir wichtiges Faktum deutlich – die Materialwahl ist ebenfalls (sofern sie keiner Tradition untergeordnet wird) völlig vom persönlichen Blickwinkel abhängig.

adf-ritual-beads

Wer natürliche Materialien bevorzugt wird Kerne, Samen und Perlen aus Holz oder Mineralien wählen und wer handwerklich geschickt (oder auch nur inspiriert) ist, der wird sich vielleicht die einzelnen Symbole/Perlen/Artefakte selber herstellen – wie eben im Beispiel aus Salzteig oder selbsthärtender Knetmasse. Alles geht … solange der Praktizierende die passenden Verbindungen herstellen kann. Je klarer die Bedeutung für einen selber ist, desto leichter fällt dann die Konzentration, desto flüssiger ist anschließend die Praxis und desto geladener die Kette.