Editorial

15. September 2018

Well met, alle zusammen!

Nach dem Regen gestern, scheint gerade wieder die Sonne bei mir durchs Fenster. Nach Regen kommt Sonnenschein – sagte meine Oma schon. Auch wenn die Wolken sehr dunkel sind …

Spuckdrachen copyright Julia

Im Update findet Ihr heute den vorletzten Teil von Michaels „Geismar“ und das Zwischenergebnis unserer Sinnhaftigkeitsumfrage in Bezug aufs WurzelWerk kann ich Euch auch schon präsentieren.
Es haben sich bis jetzt 11 Leute gefunden, denen es einen Kommentar wert war um uns wissen zu lassen, dass unsere Arbeit gelesen und auch (zumindest teilweise) geschätzt wird. Sonstige Beiträge, Artikel oder Ähnliches sind leider nicht bei uns eingelangt …

Habt trotzdem beim Lesen in der Landgodhtru viel Vergnügen!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Geismar – Teil V, geschrieben von Michael

15. September 2018

Zwei Tage vorher, am selben Platz

Die beiden Jungen Männer schirmen ihre Augen mit der Hand vor der Sonne ab. Sie umkreisen langsam den gigantischen Stamm der heiligen Eiche am Anger vor dem Dorfe und scheinen etwas in ihrem Blattwerk zu suchen. Zwei Raben diskutieren die Welt irgendwo im Geäst und hinter einem Birkenwäldchen hört man eine Ziege ihr Nachmittagslied meckern. „Ich sag dir was, da hat sicher ein Schrat, der in dem Baum wohnt, seine Hand im Spiel. Weggezaubert, verstehst du?“ Der etwas Größere wirkt unentspannt. Der Kleinere, Stämmigere lacht ihn aus: „Schweinemist! Ich hab ihn einfach so hoch geworfen, dass er jetzt da irgendwo in der

Baumkrone hängt. Ich seh bloß nicht , wo.“ Er grinst, nicht ohne gewissen Stolz. Immer noch wandert sein Blick durchs Geäst. „Du willst damit sagen, du könntest ein so schweres Werkzeug so hoch werfen, dass es sich tatsächlich außer Sichtweite in den Zweigen verfangen hat? Überschätzt du dich da nicht ein bisschen?“ „Wart ́s ab, Schlauschnauze, spätestens im Winter, wenn die Blätter weg sind, wirst du es sehen. Er hängt da oben. Immerhin hast du mir doch zugeschaut, wie ich ihn geschleudert hab!“ Der muskulöse Jüngling ahmt noch einmal seine Bewegung nach. Drei Schwünge, ein starkes Ausholen und : „Hopp! Ich hab ́s dir gesagt, ich kann es. Du hast ihn nichtmal auf Höhe der ersten Astreihe gebracht du Ziegenzumpf!“

Der Größere, es ist Gerwulf, zuckt die Achseln und scheint zu resignieren: „Meintewegen, Brun. Sagen wir du hättest gewonnen… möglicherweise. Aber was, wenn dein Vater dich nach dem Werkzeug fragt? Es sieht nicht so aus, als bekäme er es vor dem Winter wieder.“ „Sorgenfrei, Waldi,“ beruhigt ihn der Andere: „Der hat so viele davon, der merkt das nicht.“ „Wie du ,meinst,“ Gerwulf fügt sich in sein Schicksal, doch mangels eines letzten sichtbaren Beweises nicht halb so beeindruckt wie Brun es gern hätte: „Könnten wir aber vielleicht jetzt gehen? Ich meine, bevor uns jemand fragt, was wir hier tun….“ Der Sohn des Schmiedes grinst: „Einverstanden, Aber nur wenn du Auda erzählst, dass ich dich im Kräftemessen besiegt hab.“ Gerwulf lacht rauh: „Nicht ehe das Bier mit Hopfen gebraut wird.“

Vierter Tag nach Sonnwend, Festung Büraberg

Witta schreitet auf und ab, als wäre der Schrittzähler schon erfunden. Ständig schüttelt er sein Haupt, wie um die sperrigen Brocken des Geschehenen gleichsam durch einen Trichter doch noch in seinen Verstand zu zwingen. „Das können wir seiner Heiligkeit nicht schreiben! Wir können ihm nicht schreiben, was wirklich passiert ist!“ „Aber es IST passiert! Frag jene der Soldaten, die plötzlich auf die Knie gefallen sind und gerufen haben – Vergib uns, großer Herr des Donners, dass wir an dir gezweifelt und dich verraten haben! – Willst du leugnen, dass sie uns alle davon gelaufen sind? Ja dass sie uns bedroht haben, wir sollen ihre Taufe rückgängig machen? Einige haben uns die Hemden nachgeschmissen.“ Der andere, Wunibald, der zusammengesunken am Tisch kauert, windet sich wie unter Koliken. Witta läuft weiter: „Ich leugne nicht!“ „Und,“ hebt der andere erneut an, einen Tick hysterischer als zuvor: „willst du nicht gesehen haben, wie das Dorf in Jubel ausbrach, als das Unglaubliche geschehen ist?! Wie sich bereits gewonnene Getaufte plötzlich mit unverbesserlichen Heiden in den Armen lagen und wir mit einem Schlag allein gegen den Rest standen?“ Der Andere wird lauter: „Nein! Ich leugne es nicht!“ Jetzt aber kommt Wunibald richtig in Fahrt: „Und willst du

schlussendlich leugnen, dass der Bischof Bonifatius, von allen sichtbar, grauenhafterweise, als er den vierten Hieb auf den Höllenbaum tat, tatsächlich von einem…“ „Sprich nicht weiter!“ Witta wirbelt herum und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass der Sitzende zurückzuckt. „Ich ertrage es nicht!! Wenn ich zuließe, das zu glauben, was ich gesehen, was ALLE gesehen haben, so müsste ich MEINEM Glauben abschwören und zum Heidentum übertreten!!!“

Beide schweigen. Ein dritter Mann in fränkischer Rüstung betritt den Raum. Er räuspert sich verlegen: „Es wird Zeit zum Aufbruch, ihr Herren.“ Die beiden scheinen ruckartig zu erwachen. „Natürlich….“ murmelt Witta, mühsam zusammengerafft : „Wir sollten dann… aufbrechen. Du hast recht. Wie…wie geht es ihm? Kann er gehen?“ Der Gerüstete nickt kurz: „Doch, doch. Er scheint körperlich recht in Ordnung, wenn man bedenkt, dass das Ding direkt aus dem Himmel gekommen ist,…direkt aus dem Himmel!“ „Ja, ja!“ schnappt Wunibald, worauf der Franke verstummt. Dann setzt er tonlos hinterher: „Aus dem Himmel kam er. Wir haben es alle gesehen.“ Der Franke schüttelt den Kopf und spricht halb zu sich selbst: „Ich meine gestern, als wir ihn vom Platz getragen haben, dachten wir, er sei tot. Und heute, abgesehen davon , dass er nichts redet, scheint er ganz munter.“ „Genug jetzt,“ befiehlt Witta: „Machen wir, dass wir hier wegkommen. Sag deinen Soldaten, wir brechen auf.“ „Das werde ich, Herr,“ erwidert der Geharnischte: „Bringen wir den Bischof nach Süden.“

Ende Teil V

Editorial

08. September 2018

Well  met, alle zusammen!

Ein Abschiedsgruß vom Sommer dürfte uns nächste Wochen nochmal ein wenig entspannen lassen – nicht zu heiß, aber schön sonnig. Eine Atempause in der es sich gut und in Ruhe ernten lässt.

 

Wein copyright Rothani

Im heutigen Update findet Ihr den Teil IV von Michaels „Geismar“ –  einer Neuerzählung der Ereignisse um die Donarseiche.

Mein Aufruf an Euch darf natürlich auch nicht fehlen:
Bis Ende September bleibt die Frage offen, ob weitere Updates fürs WurzelWerk Sinn machen und/oder möglich sind. Sinnvoll, weil wir eine Menge an Lesern haben und möglich, weil wir genügend Artikel für diese Leser zur Verfügung stellen können.
Während den letzten drei Woche haben uns ganze neun Kommentare erreicht, die uns bestätigt haben, dass das WurzelWerk für Euch Sinn macht.

Leider gibt es (wie schon oft erwähnt!) auch weiterhin kaum freiwillige ArtikelSpenden und wir wollen ganz bestimmt keinen „persönlichen Blog“ aus dem WurzelWerk machen, sondern die Vielfalt weiter ausbauen.

Also harre ich der Antworten, die da bei uns in der Redaktion noch bis Ende September eintrudeln und halte Euch auf dem Laufenden.

Viel Lesevergnügen beim Mitleben in Geismar

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

 

Geismar – Teil IV, geschrieben von Michael

08. September 2018

Johannistag, drei Tage nach Sonnwend, am heiligen Platz

Das weite Rund um die altehrwürdige Eiche ist angefüllt mit hunderten Menschen. Viele sind gekommen, weil sie es nicht glauben konnten, was sie da gehört hatten. Andere aus purer Sensationslust, wieder andere, weil wieder andere sie mitgeschleppt haben. Einige haben sich auf ein Fest unter freiem Himmel eingestellt, reichlich mit Met vorgespült und jede Menge Pilzteigtaschen, Hühnchen in Honigkruste und Brotsuppe mitgebracht. Nur Norpe, der schiefäugige ist da, weil er den Milcheimer seiner Frau, nach einem kleinen Opfer, gestern hier stehengelassen hat und ihn wieder holen will.

Angetan mit Mitra und Stab, in einer schwarzweißen Soutane, hat Bonifatius, den sie den Missionar nennen, eine beeindruckende Prozession hierhergeführt. Fränkische Soldaten, flankiert von einer stattlichen Anzahl Kuttenträger, Handwerker und, wie es scheint, jede Menge mitgebrachter Claqueure. Die Sonne leuchtet hell vom Himmel, entfernt lagern ein paar Federwolken im herrlichen Blau. Ein zärtliches Lüftchen spielt durch die

Gewandsäume und lässt die smaragdenen Blätter der umstehenden Buchen und Linden ein perlendes Leggiero tanzen. Ebenso jene der titanesken, turmhohen Eiche, die das Zentrum des Platzes aus festgestampfter Erde bildet. Just vor ihr hat der Bischof Aufstellung genommen. Sein mitgebrachtes Gefolge bildet als lebendes Bühnenbild für das bevorstehende Drama einen offenen Halbkreis in seinem Rücken. Gegenüber lagern die Chatten, als neugierig-unschlüssiges Auditorium.

Zunächst verrichtet der Bärtige ein stilles Gebet, dann zeichnet er das Kreuz in alle Himmelsrichtungen. Seine Fraktion verneigt und bekreuzigt sich ebenfalls. Nun wendet er sich dem „Publikum“ zu und verfällt in eine Art hochfeierlichen Singsang:

Vernehmt ihr Menschen, deren Irrglaube euch den Weg in das Himmelreich bis heute verboten hat! Nicht die Sonnengötze, die lediglich eine Lampe des Herrn ist, sondern das Licht des wahren Glaubens ist in euren Schlupfwinkel gedrungen . Alle Teufelsopfer, die ihr unwissend gebracht, alle Unholde, die ihr ahnungslos angebetet habt weichen dem einzig wahren Licht: Christus , der am Kreuz gestorben ist. Er bringt euch allein die Erlösung. Ihr alle,…“ er greift mit weiter Bewegung ins Rund: „…könnt gerettet werden. Ihr seid wie Schafe, die einem falschen Hirten folgen. Deshalb bin ich, Diener des einzig wahren Hirten, gekommen, eure Blendwerke zu zerstören. Ehe das Saeculum zu Ende geht, werden alle Götzenbilder dieser Lande dem heiligen Kreuz gewichen sein.“

Hrodgar stößt seine Frau an : „Seit wann bin ich ein Schaf? Und was ist ein Säckelbum?“ Oda zuckt die Achseln. „Keine Ahnung, er will uns vor irgendwas retten. Aber schau mal, da!“

Tatsächlich produziert einer der fränkischen Soldaten eine rund meterlange Axt unter seinem Mantel hervor und reicht sie mit feierlichem Blick dem unwidersprochen vor sich hin funkelnden Kleriker.

Wie ihr alle wohl schon gehört habt,…“ hebt nun Wunibald, einer der anderen Kuttenträger an, indes Bonifaz sich meditativ versenkt wie ein Zauberkünstler vor dem Zersägen der Jungfrau: „…wird der Bischof nun diesen Baum umhauen, so dass ihr Zeugen werdet, wie schwach eure Götzen sind. Hernach werden wir aus seinen Brettern ein Oratorium zu Ehren Petri bauen und einen Zaun drumherum auch gleich. Danach ist der große Bonifaz bereit euch der Reihe nach zu taufen. Und die eine oder andere Frage zu beantworten.“

Nun, unvermittelt , setzt der Bischof den ersten Streich. Doch der Schlag ist nicht allzu kraftvoll geführt. Lediglich eine Schramme bleibt an der tiefschrundigen Borke zurück. Der erwartete Aufschrei der heidnischen Menge unterbleibt. Bonifaz hebt kurz den Blick. Schlecht, wenn bei einer

missionsdramaturgischen Handlung der Effekt versagt. Also nochmal. Bonifazius holt aus und prügelt mit aller Kraft auf den Stamm ein. Einmal- zweimal-dreimal. Borkensplitter fliegen, das Axtblatt gleitet beim letzten Schlag einmal halb ab, singt einen hellen Ton und verfehlt nur knapp das Knie des harzrünstigen Holzknechts.

Zugegeben – jetzt klafft eine Ritze im Holz des Riesen. Doch noch immer reißt sich niemand die Kleider vom Leib, noch immer stürzt keiner mit dem Ausruf: „Taufe mich!“ in die Knie, noch immer glotzen die Geismarer lediglich, als hätte ihnen jemand die Butter geklaut. Das lauteste Geräusch im Rund ist das Keuchen des Missionares.

Alles wartet

Im Hintergrund bellt ein Hund. Leise rasselt eine Rüstung. Norpe, der schiefäugige, schnäuzt sich in den Ärmel. Ein Sack Korn fällt um und einer der fränkischen Soldaten tritt einen Schritt vor. Offenbar überlegt er, Bonifaz beizuspringen, doch dieser wehrt ab. „Seht ihr?“ ruft er der Menge zu, nun wieder bei Atem: „Euer Götze tut mir nichts! Er ist ein Teufel, der gegen den Willen des einzig wahren, allmächtigen Gottes nichts auzurichten vermag. Er muss zusehen, wie ich sein sogenanntes Heiligtum zerstöre!“

Leises Gemurmel weht, einer blassen Rauchfahne gleich, durch die Menge. Von weiter hinten tönt es halblaut: „Naja, wirklich zerstört…ist irgendwie…anders.“ Bonifaz ergrimmt und stemmt die Axt erneut empor. In heiligem Trotz reckt er den Bart vor : „So seht, wie ich das Werk vollende! Und wisset: In Bäumen wohnt nichts. Sie sind leere Kreaturen, die Gott der Herr erschaffen hat, doch uns zur Nutzung. In ihnen steckt weder Gott noch Wesen.“ Womit er ein viertes Mal auf die mächtige Pflanze eindrischt.

Diesmal jedoch erfolgt eine Reaktion.

Ende Teil IV

Editorial

01. September 2018

Well met, alle zusammen!

Hier im Osten weint der Himmel (vielleicht in Einklang mit etlichen Schülern …) aber für die Natur war es schon bitter nötig. So wie sich langsam der Herbst meldet, ändert es grad rundherum so einiges – ob das zum Besseren ist, wird sich noch zeigen. Dafür ist ja dann im Winter noch genügend Zeit … Noch ist die Ernte in vollem Gang und deshalb ist gut im Überfluss schwelgen.
Den Drachen an der  gut gefüllten Tränke haben wir von Lisa gespendet bekommen. Herzlichen Dank dafür!

Lisas Drachen

In unserem Update findet Ihr den Teil III von Michaels „Geismar“ – auch das eine ArtikelSpende, für die wir uns – wie immer – herzlich bedanken. Da uns sonst nichts an Artikeln erreicht hat, bleibt es leider wieder beim Sololesestück.

Dafür stelle ich Euch wieder meinen Aufruf ins Editorial:

Wer weiter von uns Updates lesen möchte, der möge uns das bitte Kund tun. In Anbetracht der ganzen neuen Internetregelungen haben wir keine Statistiken mehr laufen und stehen somit im Dunkeln. Kommentare und Artikel trudeln auch mehr als sparsam in der Redaktion ein. Die Heidenlandschaft hat sich seit den 2000ern massiv verändert und damit ist es für mich nicht mehr klar, ob wir ausreichend Leser erreichen um die Arbeit an neuen Updates überhaupt zu rechtfertigen!

Wenn Plattformen, auf denen Material aus den unterschiedlichsten Richtungen zu finden ist, kaum mehr frequentiert werden, was anhand der obigen Punkte fast anzunehmen ist, weil sie durch Whatsapp, facebook, persönliche Blogs und Co ersetzt wurden, dann ist das eine Zeiterscheinung, der Rechnung zu tragen ist.

Solltet Ihr also weiter neue Artikel im WurzelWerk lesen wollen, dann lasst uns das wissen (per Mail oder per Kommentar im Blog oder vielleicht sogar durch Zusendung eines Artikels). Ende September werde ich Euch dann das Ergebnis gerne mitteilen.

Trotzdem viel Lesevergnügen und bis nächste Woche
Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team