Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Heiden-TV-Projekt „Swastika“: Einladung an Nazis und völkische Verharmloser, geschrieben von MartinM

Samstag, 24. Februar 2018

Thomas „Voenix“ Vömel ist ein begabter Zeichner und ist als Künstler in „Heidenkreisen“ sehr beliebt. Auch ich schätze viele seiner künstlerischen Arbeiten. Nicht alle, da viele seiner Karikaturen unübersehbar sexistisch sind. Und vieles, was es so schreibt und sagt, kommt mir ausgesprochen esobärmlich vor: Unreflektiert und mitunter naiv bis zur Weltfremdheit. Bei vielen von seinen vermutlich immer gut gemeinten und manchmal auch wirklich guten Aktionen fiel mir ein unschönes „Wir-gegen-die“-Denken auf. Völkische Esoteriker, rassistische Germanenschwärmer, sogar offensichtliche Nazis? „Egal, wir sind doch alle Heiden und müssen doch zusammenhalten!einself!!!! Wir müssen auch anderen Auffassungen gegenüber tolerant sein!!!!“
Dumm nur, dass Toleranz gegenüber Intoleranten eine schlechte Idee ist. Wenn es jemanden gib, auf den der alte Singvøgel-Song „Freundchen“ zutrifft, dann auf Voenix.
Als seinerzeit auf einer u. A. von Voenix organisierten Demonstration gegen das Bonifatius-Denkmal in Fritzlar der zumindest in Heidenkreisen als solcher bekannte „Nazi-Druide“ „„Burgos von Buchonia“ teilnahm, da kamen Zweifel daran auf, ob Voenix nur fahrlässig naiv ist. Oder ob er nicht doch Sympathien für völkische Esoterik und extrem rechte „Weltdeutungen“ hegt.

Nun hat er über sein Projekt „Heiden TV“ angekündigt, dass er die Swastika rehabilitieren will. Eine mehrteilige Video-Reihe zu diesem Thema ist geplant. (Facebook-Link.) Blickfang ist ein lachendes und winkendes gelbes Hakenkreuz.

Das Hakenkreuz ist allerdings zu Recht extrem negativ besetzt. Schließlich wurde unter diesem Symbol millionenfach gemordet. Es steht für eine offen menschenfeindliche Ideologie und eine historisch bespiellose brutale verbrecherische Praxis. Deshalb ist das Hakenkreuz in sämtlichen Formen in Deutschland und Österreich auch als verfassungsfeindliches Symbol verboten. Das fröhliche Hakenkreuzmännchen, das wie das NS-Hakenkreuz auf einer Spitze steht, ist eine Verhöhnung der Opfer des Naziregimes.

Ja, es stimmt, die Swastika hat im Buddhismus und im Hinduismus ganz andere, positive, Bedeutung. Ja, es stimmt auch, sie war vor den Nazis auch in Europa ein weit verbreitetes Symbol. Aber: Um die Swastika, das „Sonnenrad“ rehabilitieren zu können, muss zunächst das Hakenkreuz gebrochen werden! Mit anderen Worten: Der Kampf gegen Nazis und andere Menschenfeinde hat absolute Priorität. Erst wenn es auch die Strukturen, aus denen heraus alte wie neue Nazis agierten und agieren, nicht mehr gibt, kann auch nur daran gedacht werden, das Sonnenrad wieder öffentlich als Symbol zu verwenden. Also, wie es in Europa und Nordamerika gerade aussieht, auf Jahrhunderte hinaus nicht!

Dass seitens Heiden-TV auch eindeutig extrem rechte Kommentare nicht unterbunden wurden, spricht für sich. Angenommen, es ginge der Aktion wirklich darum, die Swastika zu rehabilitieren, vom „Nazidreck“ zu reinigen, dann müssten doch wenigstens die menschenverachtenden „Wir sind doch keine Nazis, aber …“-Sager konsequent ‚rausgeworfen werden.
Es ist schon angesichts der Facebook-Kommentare deutlich zu erkennen, wohin dieser Versuch, die Swastika zu „reinigen“ führt. Wohin wohl jeder Versuch, hier und jetzt dieses Symbol zu rehabilitieren, zwangsläufig führen wird, auch ohne den Kuschelkurs gegenüber Menschenfeinden, der leider für Voenix und seine Anhänger typisch ist. Nämlich zu einer widerwärtigen Relativierung und Verharmlosung der abscheulichsten Verbrechen der deutschen Geschichte. Schöne „Reinigung“, bei der so viel brauner Dreck hochgespült wird!

Es ist auch absehbar, welche Folgen solche Aktionen für uns haben: Es wird noch schwieriger werden, sich als Heide von der braunen Scheiße abzugrenzen. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen verdammt viele Parolen wieder sagbar werden, die jahrzehntelang zurecht tabu waren. In denen de-facto faschistische Parteien in die Parlamente gewählt werden.

Sie signalisieren nämlich, dass alle Abgrenzung einzelner Heiden oder heidnischer Gemeinschaften von extremen Rechten vielleicht nur Lippenbekenntnisse sein könnten. Wir werden, als Heiden, nicht „verfolgt“. Wir werden beargwöhnt. Und zwar in manchen Fällen leider gar nicht mal zu Unrecht.

Nutzen aus solchen Aktionen wie der versuchten „Hakenkreuzreinwaschung“ ziehen einzig und allein die Kackbraunen!

Ein Treffen mit Dayonis – Teil V , geschrieben von Morgana, übersetzt von Anufa, bearbeitet von Chris

Samstag, 24. Februar 2018

Über Seelenrückholung und Schamanismus

Einer der einflussreichsten Wege ihres Lebens war aber der Schamanismus. „Er hat mir einen Weg nach innen zu gehen aufgezeigt. Den Geist zu gebrauchen hat ist relevant für die Art und Weise, wie ich Wicca erlebt habe. Wie der Geist die Fähigkeit besitzt eine Lebenswelt zu erschaffen. In Wicca erschafft er einen Kreis als sicheren Ort, einen getrennten heiligen Raum. Und du kannst dort alles tun.
Ich bin fasziniert davon, wozu der Geist imstande ist. Der Kreis birgt die Kraft in diesem „Ort zwischen den Welten“. Schamanismus bietet diese Art des sicheren Raumes in deinem Geist ebenfalls.“

Obwohl Dayonis und ihr Ehemann Schamanismus zuerst durch Michael Harner entdeckten, war es Sandra Ingerman – die bei Harner gelernt hatte – die ihnen etwas beibrachte und sie inspirierte. „Es war Sandra, die mich am meisten inspirierte. Besonders ihre Herangehensweise an die Seelenrückholung erregte meine Aufmerksamkeit.“ 1991 schrieb Sandra „Soul Retrieval – Mending the Fragmented Soul”. (herausgegeben von Harper Collins San Francisco ISBN 0-06-250406-01)“

In der Einleitung beschreibt sie das „Konzept des Seelenverlusts – als – das Verlieren lebenswichtiger Teile von uns selbst, die uns mit Leben und Vitalität versorgen. Diese Teile gehen durch Traumata verloren und wer hat die meisten Traumata erlebt, wenn nicht die Kinder, die in uns leben? Hier biete ich einen Einblick in die Seelenrückholung, eine alte Technik des Schamanismus, die diesen Kinder helfen kann nach Hause zu kommen.“
Mit Sandra lernten sie nach unten, in die „unteren Welten“ zu gehen. Dayonis beschrieb es als „einen Wasserfall aus Feuer hinunter zu fliegen, wie im Zentrum eines Vulkans. Es war wunderbar frei, an all dieses wunderschönen Plätze gehen zu können.“ Durch die Technik der Seelenrückholung war es möglich diese Plätze zu bereisen. Sie erinnert sich an eine Erfahrung, als sie sich während einer Übung mit ihrem Übungspartner in diesem Workshop(,) an einem wunderschönen Strand wiederfand und dort einige Goldmünzen sah. Dann fand sie heraus, dass ihr Partner finanzielle Probleme hatte!
Natürlich war ich neugierig, wie Dayonis die Craft heute sieht. Wir sprachen ausführlich über unsere eigenen Erfahrungen der letzten 35 Jahre und Dayonis war begeistert zu hören, wie sich in Europa alles gewachsen war und sich entwickelt hatte. Sie hatte allerdings einige Ansichten über gegenwärtige Trends, besonders bezüglich dessen, was man als „Dogmatisierung“ des initiatiorischen Wicca sehen könnte.

Sie kommentierte dies und hatte auch einige Tipps:

„Die Craft hat sich so sehr verändert, dass ich denke, dass was ich auch vorschlagen würde, nicht wirklich von Wert wäre. Die einzige Sache, die ich vorschlagen würde, ist „Keep It Sweet and Simple, KISS.“

Ja, halte es einfach. Je komplizierter du die Dinge machst, desto weniger an Wert haben sie. Je mehr du hinzufügst, desto weniger bekommst du heraus. Was wir in Bricket Wood gemacht haben, das haben wir, wie ich es nenne, in aller Unschuld getan. Wir waren wie die Kinder und das alles war völlig neu. Die Craft war das Zuhause, zu dem wir alle fühlten, zurückgekehrt zu sein. Wir waren alle so glücklich in unserem „Spielzimmer“, dass wir nicht wirklich an etwas anderes dachten als an das, was wir im Moment machten. Das war alles sehr, sehr fokussiert.

Es war alles voller Staunen! Das Staunen ist von allen wirklich die wichtigste Sache, die wir in der Craft an die Leute weitergeben sollten. Verkompliziert das nicht! Haltet es einfach. Ich habe schon Bücher der Schatten gesehen, die viele Zentimeter dick und gefüllt mit was auch immer waren. Meines waren nur sechs Seiten lang, vielleicht maximal zehn.“ Sie lachte, als ich ihr sagte, das der „Kern“ von meinem Buch der Schatten ungefähr zwölf Seiten habe…

Auf das Buch der Schatten zurück kommend fügte Dayonis noch hinzu: „Natürlich spreche ich nur von meinen eigenen Erlebnissen, die ziemlich am Anfang waren. Nachher kamen dann noch andere Sachen dazu und nicht alles davon ist schlecht. Warum sollte es keine Entdeckungen geben, dass andere Dinge auch funktionieren? Gerald sagte immer zu uns, „wenn etwas funktioniert, dann ist das gut.“ Aber du solltest es als etwas kennzeichnen, das du hinzugefügt hast. Die Menge an intellektueller Arbeit, die vom Beginn an geleistet wurde, ist gewaltig. Wir dachten, dass wir eine ganze Menge wussten, aber wir hatten gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Die Forschung, die da gemacht wurde, versetzt mich in Ehrfurcht. Das ist wirklich faszinierend.“
Natürlich ist Forschung und ein Verständnis, wo die Dinge herkommen, von Wert. Wir kamen beide überein, wie wichtig es ist, über die eigene kulturelle Geschichte Bescheid zu wissen. Zu wissen, woher wir kommen und das große Bild zu sehen, mit der Absicht zu verstehen, was heute in der Welt passiert. Man sollte aber auch kritisch sein!

Als ich Dayonis nach ihrer Verbindung mit den Göttern fragte und wo sie ihre Inspiration hernimmt, war sie sehr deutlich, was den Einluss der Natur angeht. „Sie sind die Gesamtheit des Lebens. Ich mag „Old Hornie“ weil das meine Lieblingsfacette von Ihm ist. Wann immer ich das Symbol zeichne, zeichne ich es immer mit Hörnern nach oben, weil ich nie herausgefunden habe, wie man es anders herum zeichnet. Die Göttin aber ist vielschichtiger. Sie ist die wundervolle Erdmutter, aber in ihrem Inneren gibt es auch ein gewisses Feuer. Ich habe keine wirklich konkrete Vorstellung von Ihr, aber ich kann Ihn sehr klar als eine waldige Version von Gerald sehen!“

Bei meinem Besuch fragte Dayonis mich, ob ich die Canyons in Südutah besuchen wollte. Ja, natürlich, wollte ich! Und was für ein wundervolles Wochenende wir beim Besuch vom Bryce Canyon und dem Zion National Park hatten. Ich kann wirklich behaupten, dass ich nie etwas so Atemberaubendes gesehen habe. Die Geschichte der Entstehung dieses gesamten Gebietes ist faszinierend und äußerst sehenswert. Hier einige Fotos:

Während wir nach Südutah reisten, sahen wir die sich verändernde Landschaft. Von trockener Savanne bis zu überwältigenden Bergen, der Heimat der Ute und Navajo. Wir sprachen über die Wichtigkeit des Naturschutzes und den Respekt für Mutter Erde. Während wir durch den Zion National Park fuhren, machte ich einige Bilder. Ich war plötzlich von einem bestimmten Schnappschuss gefesselt, auf dem es so aussah, als ob die Göttin über den Bergen wachen würde … fast im Schlaf … aber immer aufmerksam. Wir konnten sehen, wie diese Canyons mit ihren „Hoodoos“ die Indianer beeinflusst haben mussten. An diesem Wochenende war auch Vollmond. Wir nennen ihn „Blutmond“ – und das Panorama der Berge in rot, rosa und orange erinnerte mich an das „Feuer im Inneren“ und daran, wie Dayonis beschrieben hatte, wie sie die Göttin wahr nahm. Auch an das Eisen das unser Blut rot färbt und die Rosa- und Weißfärbung den weißen Kalksteins verursacht.

Der Indianische Name für den Bryce Canyon lässt sich sinngemäß als „Rote Felsen, die wie Männer in einer schüsselförmigen Vertiefung stehen“ übersetzen

Auf unserem Weg zurück nach Salt Lake City sprachen wir über die wunderbaren Dinge, die wir gesehen hatten, und wie belebend das gewesen war. Wie Dayonis gesagt hatte, „Wenn wir die Dinge einfach halten, können wir das Wundersame sehen!“
Was für eine wunderbare Art diese gemeinsame Woche abzurunden!

Beschreibung „A Goddess Arrives“

Gardners erster Roman entstand als Resultat eines Traumes oder besser einer Reihe von Träumen, in denen er für den Bau einer Verteidigungsmauer zuständig zu sein schien, um Eindringlinge abzuwehren. Er nahm an, dass es sich um die Erinnerung aus einem vorherigen Leben irgendwo im Mittelmeerraum oder dem Mittleren Osten gehandelt habe. Die Träume waren so lebensnah, dass Gardner dazu inspiriert wurde, „A Goddess Arrives“ zu schreiben.
Der Roman handelt zur Zeit der Ägyptischen Invasion Cyperns 1450 und erzählt wie sie schlussendlich zurückgeschlagen wurde. Die Heldin der Geschichte, Dayonis, wird als Hexe beschrieben, aber sie scheint in ihren Ritualen Tier- und in manchen Fällen – Menschenopfer zu benötigen. Er wurde Ende 1939 veröffentlicht, knapp nach der Einweihung Gardners in die Craft. Das zeigt, dass er schon vor dieser Zeit an Hexentum und Ritual interessiert war, obwohl er dazu gezwungen war, einige seiner Ideen zu ändern, beispielsweise über Menschen- und Tieropfer, nachdem er tatsächlich einige Hexen kennen gelernt hatte.
Anna Korn hat mir gesagt: „Es war Gerald, der ihr ihren Craftnamen gegeben hat und er schrieb den Namen auf eine Armspange, die er für sie gemacht hatte. (Sie wusste nicht, dass „Dayonis“ die Hauptfigur in „A Goddess Arrives“ war, bis ihr das von uns Ur-ur-ur etc Enkeln erzählt worden war)“. (privates Gespräch)

Burn on statt Burn out – Teil I, geschrieben von Mike

Samstag, 03. Februar 2018

Die rasant zunehmende Zahl an Burnout-Fällen ist die Kehrseite einer immer kompromissloseren Leistungsgesellschaft. Das eigentliche Problem ist jedoch: Wir brennen nicht, wir verkohlen. Wollen wir der inneren Erschöpfung entkommen, müssen wir erst recht ein Feuer in uns entfachen. Das Heilmittel gegen Müdigkeit ist Aktivität.

„Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag
in deinem Leben mehr zu arbeiten.“
Konfuzius

copyright Mike

Das ist schon interessant: Auf der einen Seite kann ein Halbtagsjob zu schwerem Burnout führen. Auf der anderen Seite gibt es Personen, die 60, 70 oder sogar 80 Stunden arbeiten und dabei noch aufblühen. Der Zeitfaktor alleine kann also nicht ausschlaggebend sein, um unsere Energie-Resservoires sukzessive aufzubrauchen. Und natürlich: Zeit ist relativ, sowieso. Tätigkeiten die uns erfüllen, die uns positiv fordern, die uns in einem rauschartigen Flowzustand versetzen, vergehen wie im Flug, während die Beschäftigung mit Belanglosigkeiten die Zeiger auf der Uhr oft zum Stillstand zwingt.

Burnout ist ein Phänomen, das sich schwer greifen lässt

… außer an dem Umstand, dass es immer mehr Leute betrifft und mittlerweile Dimensionen erreicht hat, die auf individueller als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene äußerst ernst zu nehmen sind.
Eine aktuelle Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) hat gezeigt: In der Schweiz fühlen sich rund anderthalb Millionen Menschen an ihrem Arbeitsplatz häufig gestresst. Innerhalb von zehn Jahren hat diese Zahl um fast ein Drittel zugenommen. Das kostet die Volkswirtschaft mehrere Milliarden Franken pro Jahr, durch Krankenstände oder Leistungsabfall am Arbeitsplatz.
Ein Zeitgeistphänomen unserer Leistungsgesellschaft
Die Zukunftsprognose: Düster. Weil es eben nicht immer nur schneller, weiter, höher und besser gehen kann, die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen aber genau dies vermehrt einfordern, jeder muss sehen wo er bleibt, immer noch vorne blicken, keine Möglichkeit zum Stillstand, vor allem in Zeiten, in denen klassische Sicherheiten kontinuierlich wegzubrechen drohen, denn egal ob beruflich oder privat, der Lebenslauf 2.0 ist geprägt von Geschwindigkeit und zwingender Flexibilität, bis hin zum nicht mehr auf das Parkett der guten Verträglichkeit legenden Spagat zwischen allen möglichen und unmöglichen Anforderungen des Alltags, des Berufes und des Beziehungslebens.

Bei stetig steigendem und omnipräsenten Druck, schon beginnend in der Schule, nein, sogar schon im Kindergarten. Die Ich-Gesellschaft wird vermehrt zur Ellenbogengesellschaft und wer sich nicht zeitig profiliert, bleibt früher oder später auf der Strecke. Immer weniger Personen werden mit immer mehr Arbeit eingedeckt. Man kann das Gewinnoptimierung nennen. Der Rest muss sich mit nicht ganz freiwillig erwünschter Umstrukturierung auseinandersetzen.
Und auch das ist interessant: Selbst unter Arbeitslosen ist Burnout weit verbreitet, denn der existentielle Stress, nichts tun zu können, wird oft als genauso schlimm erfahren wie dauernd tun zu müssen. Burnout kann daher durchaus als Zeitgeist-Phänomen betrachtet werden, als den individuellen Kollaps, der zum Ausdruck bringt, was früher oder später auch unsere extrem leistungsorientierte Profitgesellschaft an sich treffen wird. Die eine oder andere wirtschaftliche Krise hat ja schließlich schon an die Tür geklopft.
Aber Krisen wird ungern das Tor geöffnet. Vielmehr werden alle Reserven mobilisiert, um sich dagegen zu stemmen und sie ja nicht hereinzulassen. Wobei gerade die Auseinandersetzung mit der Krise die Lösung wäre.

Das aus dem altgriechischen stammende Wort Krise bedeutet (Ent)scheidung, entscheidende Wende. Das Potential einer Krise ist: Umzudenken. Neue Wege einzuschlagen. Sich vom dem zu scheiden, was sich als nicht konstruktiv erwiesen hat. Und somit eine entscheidende Wende einzuschlagen. Burnout-Zustände sind eine persönliche Krise. Aber anstatt alles daran zu setzen, wieder fit zu werden, um genau den Weg weiter zu verfolgen, der direkt in die Krise geführt hat, sollte man diese als Chance sehen, entscheidende Wenden einzuleiten. Wenden, die eigentlich schon viel früher hätten passieren sollen.
Denn warum brennen wir überhaupt aus?

Hitze entsteht durch Reibung und Druck. Simpel auf den Punkt gebracht: Hitze entsteht meist durch Reibung oder durch Druck. Wir laufen heiß, wenn es im Leben nicht reibungslos läuft. Wir laufen heiß, wenn wir mit zu viel Druck umherlaufen. Und Reibung kann es auch bei einem 20 Stunden Job geben. Druck kann es auch bei gar keinem Job geben.
Die moderne Burnout-Forschung spricht bei Burnout begünstigenden Faktoren von geringen Entfaltungsmöglichkeiten oder Handlungsspielräumen, von Überengagement und Perfektionismus, von mangelnden Stressbewältigungsmechanismen, schlechtem Betriebsklima, fehlenden Zielvorgaben oder zu hohen Erwartungen an sich selbst. Aber: Es geht um Reibung, es geht Druck. Und das über einen längeren Zeitraum, wir sprechen von Monaten und Jahren. Wenn wir uns immer wieder entfalten wollen, aber nicht können, dann reiben wir uns am Widerstand heiß. Oder an den KollegInnen. Oder am Partner.
Aber: Im Endeffekt brennen wir dabei gar nicht wirklich, wir verkohlen nur, ganz langsam, und zerbröseln schließlich. Denn wenn wir wirklich für etwas brennen, wenn das Feuer der Leidenschaft die treibende Kraft für unser Tun ist, und nicht die engen Zielvorgaben der Abteilungsleitung oder des internen, vielleicht durch die elterliche Erziehung oder die Schule oder den gesellschaftlichen Konsens in das eigene System implementierten Kritikers, dann geht es uns im Regelfall auch gut.

Ende Teil I

Vergänglichkeit – Ein Neujahrsgruß, geschrieben von Uwe

Samstag, 27. Januar 2018

„Werde dir bewusst, was geschieht, wenn du stirbst“. Oha, jetzt kommen wir mal dahin, wo es brenzlig wird. Das kann man doch mal ausführlicher beleuchten, eindringlicher, persönlicher.

Tja, was geschieht, wenn es denn so weit ist?

Man verliert die Kontrolle erst über den Körper, dann über den Geist. Das ist alles andere als schön. Und man fühlt sich nicht wirklich gut dabei. Ich meine, wenn man nicht grade zackbumm tot umfällt. Oder zwischen zwei Lastern in einem Kleinwagen zerquetscht wird.
Wenn du heute 20, 30, 40, oder auch 50 Jahre alt bist, ist die Wahrscheinlichkeit, statisch betrachtet, natürlich ziemlich hoch, dass du auch nächstes Jahr noch lebst.
Wir leben ja nicht mehr vor 100 Jahren, als die spanische Grippe mal soeben ratzfatz ein Zehntel der Weltbevölkerung dahinraffte oder der erste Weltkrieg ne Menge Tote forderte. Oder gar im Mittelalter, als das Sterben noch eine Alltäglichkeit war.
Heute ist Sterben verbannt in Krankenhäuser und Alten- und Pflegeheime.
Und tatsächlich sterben rund 80 Prozent der Menschen in einem Alter über 70 Jahren.
Also könnte man, wenn man denn unter 70 ist, ziemlich beruhigt sein und sich zurücklehnen. Aber leider, leider geht doch alles ziemlich schnell im Leben.

Da war gerade noch das Jahr 2000, die einstmals viel beschworene SPD Agenda 2010 ist Geschichte und heute ist schon 2018 und der Berliner Flughafen ist immer noch nicht eröffnet. Also, was soll´s, ob man nun 20, 30, 40 oder doch 80 Jahre alt wird, der Tod kommt gewisslich. Und meist mit Ansage.
Und die allermeisten Menschen gehen in ihr Sterben, als hätten sie eine Reise gewonnen bei irgendeinem Preisausschreiben ohne dass ihnen jemand gesagt hätte, wohin es gehen wird. Zumindest kann man es bei Menschen, seien sie nun alt oder jung, die ans Ende des Lebens gekommen sind und die das einigermaßen bewusst erleben, ziemlich gut beobachten.
Sicher, es gibt ein paar wenige, die im Sterben Größe haben. Doch sie sind selten. Und ich werde garantiert nicht zu ihnen gehören.

Ich dachte einstmals, es sei einfach. Aber ich wurde eines besseren belehrt.
Erst kürzlich starb ein Freund von mir.

Jeder der ihn kannte, auch ich, glaubte, er könnte die Sache mit dem Sterben gut hinbekommen. Weil er sich seit über 35 Jahren damit intensiv befasst hatte. Als Buddhist. Aber der Krebs hatte ihn nach einem Jahr schließlich in die Knie gezwungen.
Am Ende war einfach nur noch Angst. Und Reue um eine verpasste Gelegenheit. Das wurde ihm schmerzlich bewusst in der Zeit, als er nicht mehr arbeiten, sich nicht mehr ablenken konnte von seinen immerzu drängenden Gedanken, von seinem eigentlichen Wissen um die Kostbarkeit der menschlichen Existenz.
Es war nicht leicht für ihn, dieses Leben zu verlassen. Aber er musste. Keine Chance. Der „Reiseveranstalter“ hatte ihn schließlich einfach so mitgenommen, ohne auf seine Einwände zu achten.

Anderen geht es noch schlimmer. Sie werden beim Sterben richtig unzufrieden. Weil sie erkennen, wie viel Mist sie im Leben gemacht haben. Oder weil sie es einfach gewöhnt sind, ein Arschloch zu sein und ihnen diese Tatsache erst beim Abgang auffällt.
Manche, insbesondere alte Menschen blicken gar nichts mehr, weil sie in einen dementen Zustand des großen Vergessens verschwinden. Viele werden einfach medikamentös ruhig gestellt, weil sie ansonsten völlig ausrasten und durchdrehen.
Etliche der Todgeweihten verweigern die Realität des nahenden Abgangs und hoffen auf Gesundung. Klammern sich an Homöophatie und Wunderheilung.
Viele verzweifeln und fallen in einen apathischen Zustand, der allerdings nichts mit echtem Loslassen zu tun hat.
Wieder andere Menschen sterben unter großen Schmerzen. Sie haben verständlicherweise Angst, unerträgliche Angst. Weil sie nichts mehr unter Kontrolle haben. Freiheit? Ach Gott.
Oft sind Sterbende so mit Opiaten vollgepumpt oder vegetieren in einem komatösem Zustand, dass sie nicht viel von ihrem Sterben erleben können oder bekommen im Gegenteil jeden beschissenen Tag ihres Dahinvegetierens noch erst recht mit. Und unsere gottverdammt großartige Medizintechnik hält sie am Leben, schlimmer als es ein geschickter Folterknecht in einem Keller der Inquisition tun könnte.

Vor allem jedoch …
… alle Menschen sterben allein.

Egal wie viele Leute um ihr Sterbebett herumstehen mögen. Und gerade die machen es einem häufig dann mit ihrem Gejammere und Geheule noch schwerer zu gehen.
Wie ist das für mich? Wenn ich mal so drüber nachdenke.
Was wird auf mich zukommen?

Werde ich zufrieden sein mit meinem gelebten Leben, wenn es soweit ist?
Oder werde ich etwas bereuen, mir wünschen, etwas anders gemacht zu haben?
Vielleicht hätte ich noch mal jemanden um Verzeihung bitten, etwas freundlicher sein sollen?
Vielleicht hätte ich doch etwas verschenken, etwas vergeben, verzeihen müssen?
Vielleicht hätte ich doch die beschissene Arbeit kündigen, die lang ersehnte Reise machen, das wunderbare Buch lesen sollen.
Vielleicht hätte ich ja doch mehr das Sitzen üben sollen, das Ruhen in diesem Denken, Fühlen und Erfahren. So wie es der Buddha seinen Schülern, also mir, dringlichst ans Herz gelegt hat.

Damit ich dann nicht so eine Scheissangst haben müsste vor dem, was da an Ungewissheit lauert in diesen letzten Stunden des Lebens. Diese Scheissangst, die kommen wird, die ich beobachten kann bei so vielen Menschen, seien sie alt oder jung.
Die Angst, die ich kenne, die da lauert, schon zu normalen Lebzeiten, dort um die Ecke, hinter den dicken Pfeilern meiner Ignoranz, die sich Langeweile nennen oder Warten, Ungeduld, Trägheit, Dumpfheit.
Die Angst, der ich jedesmal, wenn es mal still ist im äußeren und nichts geschieht mit einem innerlichen Pfeifen begegne, wie damals als Kind, allein im Keller.
Die Angst, die nichts anderes als die Angst vor dem Sterben ist, vor dem Unausweichlichen.
Vor dem großen unbekannten Ding, was wir gemeinhin „Geist“ nennen.
In einem hübschen Merkspruch für buddhistische Meditierer heißt es:
Derjenige Meditierende mit den geringsten Fähigkeiteiten bereut nichts, wenn es ans Sterben geht.
Derjenige mit mittleren Fähigkeiten hat keine Angst vor dem Sterben.
Derjenige mit den höchsten Fähigkeiten geht mit großer Neugier, gar mit Freude ans Sterben.

Die buddhistische Meditation hat tatsächlich nichts anderes im Sinne, als uns auf unser eigenes Sterben vorzubereiten. Wer glaubt, Meditation dient dazu, ein ruhigeres, beschaulicheres Leben zu führen irrt.
Denn tatsächlich sterben wir an jedem Tag, jeden Augenblick. Und Wiedergeburt geschieht ebenfalls in jedem Moment, jeden Tag.
Doch ich habe weder geringe noch mittlere, geschweige denn höchste Fähigkeiten. Aber manchmal packt es mich, dann nehme ich mir doch vor, diesen Geist etwas besser kennen lernen zu wollen. Dieses merkwürdige Ereignis Geist, diesen scheinbar vorbeigleitenden Strom von Erfahrungen, Phänomenen und Erscheinungen in dieser vergänglichen Geschichte.
Denn dieser Körper ist nicht mehr als eine ziemlich kaputtgehbare Hülle.
Ganz nett. Aber wirklich nicht mehr.

Und jetzt denk´ selbst nach

Wie sieht es bei dir aus?
Kennst du deinen Geist?
Deine Gedanken, Gefühle, Gewohnheiten?
Also, mach´ was

Ein altägyptisches Weihnachtsmärchen: Isis sucht Herberge

Samstag, 30. Dezember 2017

Die Metternichstele aus der 30. Dynastie (380-342 v.Chr.) also zur Regierungszeit des Pharaos Nektanebos II, erzählt eine Geschichte der Isis, die auf den Rat des Gottes Thot hin mit ihrem neugeborenen Sohn Horus in die Sümpfe flieht um ihn vor Seth zu schützen. Seth hat zuvor seinen Bruder Osiris, den Vater des jungen Horus, getötet und trachtet nun auch dem Sohn nach dem Leben um den Thron des Osiris zu erben.

 

Detail der Metternich Stele, Horus, das Kind steht auf einem Krokodil, zwei Schlangen, zwei Skorpione, einen Löwen und eine Oryx-Antilope haltend, Foto: Eb.Hoop, Wikimedia Commons

Detail der Metternich Stele, Horus, das Kind steht auf einem Krokodil, zwei Schlangen, einen Löwen und eine Oryx-Antilope haltend, Foto: Eb.Hoop, Wikimedia Commons

Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt, es ist also Isis selbst, die berichtet.

<<Ich bin Isis und floh aus dem Spinnhaus, in das mein Bruder Seth mich gesteckt hatte. Aber Thot, der große Gott, das Oberhaupt der Wahrheit im Himmel und auf Erden, hat mir gesagt:
Komm doch, göttliche Isis! Es ist gut zu hören: Der eine lebt, wenn der andere ihn leitet. Verbirg dich mit deinem Sohn, damit er zu uns komme, wenn sein Körper stark ist und seine Kraft voll entwickelt, auf daß man ihn auf seines Vaters Thron setze und ihm das Amt des Herrschers der beiden Länder verleihe.>>

Isis wird von sieben Skorpionen begleitet, allesamt weiblich, wie den Namen zu entnehmen ist. Skorpione galten als Symbol magischer Heilkunst, die Gifte von Skorpionen und Schlangen beherrschen zu können, galt als heilsame Magie. Nicht umsonst trug Isis den Beinamen „die an Zaubern Reiche“.

<<Und so ging ich zur Abendzeit, und sieben Skorpione gingen hinter mir her, und sie dienten mir: Tefun und Befun dicht hinter mir; Mostet und Mostetef unter meiner Sänfte; Pitet, Titet und Matet sicherten mir den Weg. Ich rief ihnen ganz eindringlich zu, und meine Worte drangen in ihre Ohren:
Kennet keinen Schwarzen, begrüßet keinen Roten, machet keinen Unterschied zwischen vornehm und gering! Haltet euer Gesicht nach unten auf dem Weg! Hütet euch, den zu leiten, der mir nachstellt [Seth], bis wir das „Haus des Krokodils“ erreichen, die „Stadt der beiden Schwestern“ vor dem Sumpfgebiet hinter Buto!>>

Auf ihrem beschwerlichen Weg sucht Isis Unterschlupf bei einer wohlhabenden („verheirateten“) Frau, die die Göttin nicht erkennt und ihr den Einlaß verweigert. Stattdessen findet Isis aber Schutz bei einer armen Frau, die in den Sümpfen lebt. Die reiche Frau wird nun aber für die unterlassene Hilfeleistung bestraft, indem alle Skorpione ihr Gift sammeln, einem einzige Skorpion eingeben und dieser den Sohn der reichen Frau sticht. Außerdem geht ihr Haus in Flammen auf.

Isis lactans, Rollette Museum, Baden NÖ

Feuer und Gift tauchen in den Mythen oft sehr eng verbunden auf, so wird vom Schlangengift auch als Feueratem gesprochen. Vermutlich ist dies auf den oft brennenden Schmerz zurückzuführen, der durch Gifte verursacht wird.

<<Endlich erreichte ich die Häuser der verheirateten Frauen. Aber sobald mich eine vornehme Dame von weitem sah, schloss sie ihre Türe vor mir. Das verdroß meine Begleiter[die Skorpione].
Sie berieten sich miteinander über sie und legten ihr Gift zusammen auf den Stachel der Tefun. Da öffnete mir ein [armes] Sumpfmädchen seine Tür, und wir traten in ihre armselige Hütte ein. Tefun war schon unter den Flügeln der [ersten] Tür hineingeschlüpft und hatte den Sohn der Reichen gestochen. Da brach im Hause der Reichen Feuer aus, und es war kein Wasser da, um es zu löschen.>>

Verzweifelt vor Sorge um ihren Sohn läuft die reiche Frau in der Stadt umher und ruft um Hilfe, doch niemand erhört sie. Durch die laute Klage der reichen Frau wird nun aber doch das Mitgefühl der Isis geweckt, die ja selbst bald Mutter wird, ist sie doch auch die einzige die den unschuldigen Jungen von seiner Qual befreien kann. Sie nimmt sich des Kindes an und befiehlt dem Gift aus dem Körper des Jungen zu fließen und rettet ihm somit damit das Leben.

<<Sie rannte unter Wehklagen durch die Stadt, aber keiner kam auf ihren Ruf herbei. Da ward auch mein Herz betrübt um den Kleinen ihretwegen, weil es [das Herz] den Unschuldigen leben lassen wollte. Ich rief zu ihr: Komm zu mir! Siehe, mein Mund hat Lebenssprüche. Ich bin eine Tochter, in ihrer Stadt bekannt, weil sie das giftige Gewürm mit ihrem Spruche austreibt. Mein Vater hat mich die Wissenschaft gelehrt. Denn ich bin seine geliebte, leibliche Tochter.

Dann legte ich meine Arme auf das Kind, um den Verröchelnden zu beleben [und sagte]:
Gift der Tefun, komm, fließe aus zu Boden! Ich bin Isis, die Göttin, die Herrin des Zaubers, die den Zauber ausübt, glänzend im Beschwören. Jedes beißende Gewürm gehorcht mir. Tropfe herab, Gift der Mostet! Sause nicht herum, Gift der Mostetef! Steige nicht auf, Gift der Pitet und der Titet! Wandre nicht herum, Gift der Matet! Falle also ab, Maul des Beißenden! (…)>>

In diesem Moment erkennt die reiche Frau natürlich die göttliche Kraft der Isis. Aus Dankbarkeit über die Rettung ihres Sohnes vermacht sie nun all ihr Hab und Gut der armen Frau im Sumpf.

<<Das Feuer war erloschen und der Himmel wieder still durch den Ausspruch der Isis, der Göttin. Die Reiche kam herbei und brachte mir ihre Habe und füllte auch das Haus des Sumpfmädchens für das Sumpfmädchen, weil es mir seinen hintersten Winkel geöffnet hatte, während die Reiche krank war vor Leid die ganze Nacht hindurch. Sie hatte die Folgen ihrer Worte zu spüren bekommen: Ich Sohn war gebissen worden. Und jetzt brachte sie mir ihre Habe als Buße dafür, dass sie mir nicht geöffnet hatte.>>

Die Geschichte über die Herbergssuche der Isis hat erstaunliche Ähnlichkeit mit der klassischen Geschichte der Weihnachtsnacht. Auch hier wird das Göttliche, das in menschlicher Gestalt um Einlass bittet verkannt und abgelehnt. Ähnlich wie in der Weichnachtsgeschichte soll auch dieses altägyptische Märchen lehren, dass Götter auch im Mitmenschen in Erscheinung treten können und es daher wichtig ist füreinander zu handeln ungeachtet des sozialen Standes. Dies wird auch in dem Satz “ Der eine lebt, wenn der andere ihn leitet.“ zum Ausdruck gebracht. Mit Leiten ist gemeint, dass derjenige der mehr hat, denen geben soll, die weniger haben oder jene die mehr Macht haben, den weniger mächtigen zur Unterstützung moralisch verpflichtet sind. Denn dadurch „lebt“ der einzelne, das heißt durch diese Handlungsmaxime der vertikalen Solidarität wird eine Gemeinschaft zur Lebensgrundlage des Einzelnen.

Der Gott Horus, Sohn der Isis

Bei der Metternich-Stele handelt es sich um eine magische Stele, deren Inschriften davon handeln Gifte und wilde Tiere zu beschwören um Menschen vor ihnen zu schützen bzw. sie davon zu heilen. So darf auch bei diesem Märchen von einem magisch wirksamen Märchen ausgegangen werden, eine Art erzählerischer Zauberspruch. Die Stele wurde durch das Übergießen mit Wasser aktiviert.

Eine weitere Interpretation der Geschichte der Herbergssuche besagt, dass Horus selbst durch Seth mit Skorpiongift vergiftet wurde und Isis ihn heilt. Der Sinn bleibt der gleiche, es geht also letztlich um die Heilung und Rettung des Horus, damit dieser den Thron des Osiris erben kann und somit die Linie der Königsgenerationen weiterführen kann – ein Garant für Frieden und Gerechtigkeit im Alten Ägypten. Von der Kraft des Horus versprach man sich gleichsam magische Heilung von Giften.

Literatur und Zitate:

  • Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen: Mythen und andere volkstümliche Erzählungen