Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Schamanöser Beipackzettel, geschrieben von Richard Chao

Samstag, 22. April 2017

Ich hab in den letzten 4 Wochen genau 4 „Klientinnen und Klienten“ ablehnen müssen. Zum Einen finde ich lustig, dass nach einer gewissen Pause plötzlich so viele ungetriggerte Anfragen kamen (Liegt vielleicht am Frühling?), und zum anderen wollten alle das ungefähr gleiche, was mich auch zu einer kleinen Erklärung auf meiner fb-Seite führte, die ich hier nochmal wiedergeben und vielleicht erweitern will.

 

Was ist eine „Schamanische Behandlung“ (bei mir)

 In den meisten Fällen würde ich dich, nach mindestens einem Vorgespräch, „anreisen“. Dich als Person, System, mit deinem Umfeld. Um zu sehen oder wahrzunehmen, wie du als Person, System, mit Umfeld „drüben“ aussiehst. Manche Dinge, die hier schwer oder nicht erkennbar sind, sind drüben sichtbar und in der Regel auch manipulierbar.
Das ist die extrem simplifizierte Erklärung dessen, wie ich meistens vorgehe.
Viel wichtiger ist, was ich nicht tue (auch nicht, wenn du mich dafür bezahlen willst):

-Ich werde dir nicht deine eigenen „Diagnosen“ bestätigen sondern möchte im Gegenteil so wenig von dir über vermutete Hintergründe hören, wie möglich.

(Viele Interessenten kommen z.B. mit der bereits gefestigten Information, dass sie dämonische Anhaftungen haben, die beispielsweise auch sexuell an ihnen interessiert sind usw. . Ich schau mir das lieber selbst an.)


-Ich werde nicht mit dir streiten, wenn deine vorherige Eigendiagnose dir wichtiger ist als meine Reiseergebnisse

(Vielleicht hast du ja mehr recht als ich  , aber wozu dann streiten?)


-Ich bin nicht dazu da, dein Ego zu streicheln oder dich zu etwas „Besonderem“ zu krönen

(Kommt auch immer häufiger. Ich werde jetzt nicht die Phrase benutzen, dass ja jedes Kind etwas Besonderes ist, aber natürlich zeigen sich manche Dinge drüben, manche Menschen, anders als sie im materiellen Leben ausschauen. Gelegentlich auch unmenschlich. Aber das heißt nicht, dass man in diesem Fall eine total unmenschliche Wesenheit im Körper eines missverstandenen Menschen ist. Mags schon geben, aber ist doch eher selten. Bitte erwarte also nicht von mir, dass ich dir erkläre, dass du ein Drache, Engel, eine Fee, ein Bandwurm oder Odin im missverstandenen Menschenkörper bist. Dafür gibt’s ganze Horden anderer „Kollegen“, einen richtigen Tiergarten.)


-Bitte verschone mich mit Partnerrückführungen
(Nur der Vollständigkeit halber :D)


-Ich mache nur Seelenteilrückholungen wenn ich auch der eigenen Überzeugung bin, dass es da etwas gibt, was zurückgeholt werden kann/will/soll

(Die Konzepte der Seele(n), der Seelenteile, der Seelenrückholungen, Verluste usw. sind für mich ein sehr aktuelles und wichtiges Thema. Ich habe dazu eine sehr eigene und möglicherweise heikle Meinung, die nicht in das extrem simple Harner-Konzept passt. Hajo, mal eben nen Seelenanteil verloren, ma eben zurückholen und alles ist gut. Kannste schon machen, kann schon klappen. Bin ich aber der Falsche.

-Obwohl Schadens- und Verwünschungsmagie kein Tabu für mich sind, werde ich das in der Regel nicht machen, außer ich empfinde es für unser „schamagisches Verhältnis“ als zumindest taktisch oder strategisch notwendig. Wenn du dagegen ein Problem mit übergriffigen „Kollegen“ hast, bin ich genau der Richtige und in der Regel macht mir das auch richtig Spaß.

 

Organisatorisch ist noch Folgendes wichtig

-Terminabsprachen könnten etwas tricky sein, da ich gut beschäftigt bin. Aber eben nicht nur deshalb. Manchmal braucht es für eine bestimmte Sache eine bestimmte Zeit. Diese Zeit kann auch die Effektivität beeinflussen, ist also in deinem Interesse. Wenn du mir überzeugend darlegst oder ich in einem Vorgespräch der Meinung bin, dass es sich um eine akute Angelegenheit handelt, dann ist das was anderes.

(Ich habe keine Praxis, ich bin kein Heilpraktiker. Ich arbeite Vollzeit, pflege eine Art rudimentäres Sozialleben, habe Verpflichtungen, Ehrenämter, Hobbies. Manche Dinge müssen schnell erledigt werden, manche nicht. Und bei einigen, und das sind nicht wenige, ist wirklich auch eine bestimmte Zeit erforderlich)

-Ich bin kein Arzt, kein Heilpraktiker und vor allem bin ich kein Psychiater. Abgesehen davon darf ich diese Funktionen auch gar nicht wahrnehmen (wobei das letzte Beispiel oft sehr verlockend wäre)

-Ich bin im Allgemeinen ein möglichst höflicher und freundlicher Mensch. Ich erwarte von dir, dass du dich ähnlich verhältst, wenn du mit mir zu tun hast. Wenn dir das nicht möglich ist, kann ich dir gerne ähnlich gesinnte „Kollegen“ empfehlen.

(Und damit meine ich genau die Leute, von denen ich dir sonst abraten würde)

-Ich mache diese Sache nicht, um etwas zu verdienen. Ich setze zwar voraus, dass dir klar ist, dass es nicht umsonst ist, aber das ist nicht mein Fokus. Ich mache es aufgrund einer Berufung, und zwar im wörtlichen Sinne.

(Wenn du hier rauslesen kannst, dass ich mich nicht darum reiße, dann denk dir deinen Teil)

-Es kann sein, dass ich eine Einzelbehandlung ablehne und dir stattdessen anbiete, in einem mehr oder weniger kleinen Gruppenritual mitzuwirken oder dich dort schamanisieren zu lassen. Das kann spirituelle oder auch praktische Gründe haben (ich würde dir den Grund natürlich mitteilen). Da das nicht immer jedermanns Sache ist, können intime Informationen natürlich im Vorfeld besprochen werden oder es kann, wenn dies gar nicht gehen sollte, eine andere Lösung gefunden werden.

(Da das ein heikles Thema ist, kann hier aber immer eine Lösung gefunden werden)

Und noch etwas zum Schluss. Du bist bei mir sicher.
(Das mag eine blöde und nichtssagende Phrase sein. Für mich ist es das nicht. Was ich beginne, das bringe ich sinnvoll zu Ende. Für die schamanische Arbeit bin ich in der Rolle genau dieser Instanz die zwischen dir und Problemen mit „der geistigen Welt“ steht.)

Die dreifache Göttin – Teil II, geschrieben von Yvonne, übersetzt von Anufa

Samstag, 15. April 2017

Alternative Dreifache Göttinnen

Eine sehr kraftvolle dreifache Göttin ist Brighid, die drei Rollen erfüllt, die der Heilerin, der Schmiedin und die der Poetin. Auf den ersten Blick scheinen diese Rollen miteinander nichts zu tun zu haben aber der Schmied arbeitet Metall um und transformiert es, der Heiler transformiert Körper und Geist und der Dichter transformiert Worte. Alle drei sind Aspekte eines kreativen Impulses.

Mary Jones schreibt:

Die berühmteste der dreifachen Göttinnen ist Brighid, die Tochter des Dagda, die auch oft „die Dichterin“ genannt wird. Ihre Verehrung war weit verbrietet, eventuell auch durch die Teil-überlegenheit des Briganter-Stammes, der ein großes Gebiet von Irland bis Gallien abdeckte. Cormac´s Glossary folgend, gab es drei Brigits, alle Schwestern – Brigit, die Dichterin, Brigit, die Schmiedin und Brigit, die Ärztin – Schirmherrinnen der jeweiligen Kunst. Jedoch wird nicht erwähnt, dass sie Maiden-mother-crone wären; sie sind alle im selben Alter. Stattdessen legt ihre Vielzahl nahe, dass sie Meisterin vieler Künste war und wie die Matronen, Schirmherrin ihres Stammes.

Eine andere wirklich wichtige keltische Dreiheit waren die Matronen, die oftmals als romano-britische Figurine dargestellt wurden. Erst letztens habe ich ein Beispiel dafür im Corinium Museum in Cirencester (UK) gesehen. Das sind drei Frauen, manchmal dargestellt als verheiratet, manchmal als unverheiratet, mit Blumensträußen, Obst oder Weizen. Sie sind im selben Alter. Manchmal haben sie die Namen lokaler Gottheiten erhalten. Die Darstellung in Cirencester war den Suleviae gewidmet, was möglicherweise ihr lokaler Name war.

Three goddesses, small Roman relief, Corinium Museum. Photo by Tony Grist (Public domain)

Gwenhwyfar (Guinevere) die Frau von König Arthur, könnte ebenfalls eine dreifache Göttin gewesen sein, da sie in den „Welsh Triads“ als drei Königinnen beschrieben wird. „Gwenhwyfar, Tochter von Cywryd Gwent und Gwenhwyfar, Tocher von Gwythyr, Sohn von Greidiawl und Gwenhwyfar, Tocher von Gogfran, dem Riesen. Noch eine Form der dreifachen Göttin findet sich in den Göttinnen des Landes. Hier wieder Mary Jones:

Die Dreiergruppen in diesen Fällen haben nicht denselben Namen, sondern es sind drei Schwestern wie Eriu, Banba und Fotla, Töchter von Ernmas, die drei Namen für Irland. Sie waren mit den drei Königen von Irland verheiratet, den Brüdern Mac Cuill, Mac Cecht und Mac Grienne, alle Enkel des Dagda und eine männliche Dreiergruppe. Dann gibt es Erius, Banbas und Fotlas Schwestern, die Kriegsgöttinnen, Morrigan (manchmal Anand oder Anu genannt), Badb und Macha, die wiederum die Hoheitsgewalt Irlands (de facto ist diese Verwandtschaft sehr komplex und benötigt einen zweiten Zugang). Sie sind nicht in drei unterschiedlichen Altern oder Stadien sondern im selben Alter. Und sie spiegeln sich zu einem gewissen Grad in den drei Schwestern Arthurs, Morgan le Fay, Morgause und Elaine.

Also sind die meisten Beispiele für dreifache Göttinnen aus der tatsächlichen Mythologie entweder Schwestern oder Einzelfrauen, in drei unterschiedlichen Rollen. Wie Mary Jones aufzeigt, gibt es auch männliche Dreiergruppen (Lugh, Lamhfhada, the Samildánach; Brian, lucar und lucharba, die Söhne Turenn; Cian, Cu und Cethe, die Söhne von Cainte; und Bleiddwn, Hydwn und Sychdwn, der Große, die Söhne von Gilfaethwy und Gwydion, in The Mabinogion).

Andere Mythologien haben ebenfalls dreifach Göttinnen, die nicht Maiden, Mother und Crone-Archetypen waren. Hecate, eine sehr komplexe und alte griechische Göttin, wurde öfters als dreigestaltig dargestellt, aber sie hatte mehrere Beinamen und Rollen. Die frühesten Darstellungen waren nicht dreigestaltig. Das dreigestaltige Bild (Trimorphe, dreigestaltig; Triodia/Trioditis, diejenige, die die Kreuzwege beschreitet; und Trivia, eine römische Form) kam erst später. Pausanias schrieb, dass Hecate das erste mal als dreigestaltig von dem Bildhauer Alkamenes (in der klassischen griechischen Periode, spätes 5. Jahrhundert vor Christus) dargestellt worden wäre.
Noch mehr Dreiergruppen finden sich in den Figuren der Drei Fates und er Drei Grazien, die in der grieschischen, römischne und slavischen Mythologie erscheinen und den drei Nornen aus der nordischen Mythologie. Bei all diesen ist ebenfalls kein Maiden-mother-crone Muster zu erkennen.

In der griechische Mythologie werden die drei Fates Moirai genannt (die Vollmachtgeber). Sie ähneln den Sudice aus der slavischen Mythologie. Die Moirai werden Clotho (die Spinnerin), Lachesis (die Zuteilerin) und Atropos (die Standhafte) genannt. Sogar die Götter konnten nicht verändern was die Fates auferlegt hatten.
In der römischen Mythologie wurden die Drei Fates die Parcae genannt. Sie sponnen den Lebensfaden, teilten den Menschen und den Göttern das Schicksal zu und durchschnitten am Ende das Lebens den Faden. Ihre Namen waren Nona, die den Faden des Lebens von ihrem Spinnrocken auf die Spindel spannte; Decima, die den Lebensfaden mit ihrem Stab abmaß und Morta, die den Faden abschnitt und die Todesart der Menschen bestimmte.
Die Nornen, der nordischen Mythen, waren kein direktes Äquivalent der Fates, aber sie erfüllten eine ähnliche Rolle, indem sie das Schickal der Menschen kontrollierten. Der Ursprung ihrer Namen ist interessant. Nach Wikipedia:

Der Ursprung des Namens „Nornen“ ist unsicher. Er mag von einem Wort abstammen, das „winden, verflechten“ bedeutet und was auf ihr Verzwirnen der Schicksalsfäden hindeuten könnte. Bek-Pedersen schlägt vor, das das Wort „Norn“ Verwandtschaft mit dem schwedischen Dialektwort „norna (nyrna)“ hätte, ein Wort das „geheimes in Verbindung setzen“ bedeutet. Das weist auf die Wahrnehmung der Nornen als düstere Hintergrundfiguren, die ihre schicksalhaften Geheimnisse den Menschen erst durch den Schicksalslauf selber kundtun, hin.

Der Name Urd (Altenglisches „Wyrd“ Weird) bedeutet „Schicksal“. Es ist erwähnenswert, dass wyrd und urðr etymologisch gleicher Abstammung sind. Das garantiert aber nicht, dass wyrd und urðr durch die Zeiten die selben semantischen Qualitäten von „Schicksal“ geteilt haben. Beide urðr und Verðandi stammen vom Altnordischen Verb verða „werden“. Während Urðr von der Vergangenheitsform abstammt (was „geschehen ist“) stammt Verðandi von der Gegenwartsform ab („was gerade ist“). Skuld stammt vom Altnordischen Verb „skulla“, was sein wird, nötig ist, dass wird; was bedeutet, „was werden soll“ oder „was erscheinen soll.

Noch eine Dreigestalt aus der griechischen und römischen Mythologie ist die der Grazien oder Charites:

In der griechischen Mythologie, eine Charis keɪrɪs Χάρις , oder Grazie, eine von drei oder mehr kleineren Gottheiten der Anmut, der Schönheit, der menschlichen Natur, der Kreativität und der Fruchtbarkeit – alle zusammen bekannt als die Chariten ˈkærᵻtiːz/ (Χάριτες [kʰáritɛːs] oder Grazien. Die übliche Reihung von der Jüngsten bis zur Ältesten ist Aglaea (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn) und Thalia (Hochstimmung). In der römischen Mythlogie waren sie als Grazien bekannt, die Gratiae. In einigen Varianten ist Charis eine der Grazien und nicht die Einzahlform ihres Namens.

Somit waren sie Göttinnen, die Glück, Schönheit und Harmonie erschufen und damit durchaus der Verehrung würdig waren.

Bilder von vierfaltigen oder fünffaltigen Göttinnen

Das Bild der dreifachen Göttin, Maiden-mother-crone wird oft mit den Wandlungsphasen des Mondes in Verbindung gebracht (Neumond, zunehmender und abnehmender Mond). Das lässt aber die Göttin des Schwarzmondes aussen vor, manchmal Hag genannt, die mit Menstruation, ungezähmter Sexualität, Widerstand gegen das Patriarchat, Lilith, Hexentum und Kinderlosigkeit verknüpft wird.

Dieser Archetyp ist enorm wichtig um Frauen von Beschränkungen der patriarchalen Bildern zu befreien, die ihnen aufgezwungen wurden. Erich Neumann identifizierte eine vierfache Göttinnenfigur. John Halstead schreibt:

Die Aspekte von Neumanns Göttin waren die Muttergöttin (betraut mit Vegetation und Geburt, repräsentiert von Demeter, Isis und Maria), die Jungfrau-Muse (betraut mit Inspiration, Vision und repräsentiert von Maria und Sophia), die Schreckliche-Mutter-Hexe (betraut mit Tod und Verschlingen, repräsentiert von Kali und Hecate) und die Junge Hexe (betraut mit Rausch, Irrsinn und repräsentiert von Astarte, Lilith und Circe).

Es ist auch der Erwähnung wert, dass die Aspekte der fünffaltigen Göttin Geburt, Einweihung, Vollendung, Rast und Tod sind. Diese werden auch im “The White Goddess” von Robert Graves genannt.

Viele Göttinnen

Es gibt viele unterschiedliche Göttinnen. Viele gibt es in einer Form und manche sind dreifach. Die dreifache Göttin des Altertums kam vornehmlich in der Form von drei Schwestern, drei Müttern, drei Königinnen und als Göttinnen des Landes, die mit Getreide, Blumen und Früchten in Verbindung standen, vor. Einige waren Einzelgöttinnen in drei unterschiedlichen Rollen, wie Hecate und Brighid. Einige waren für das Weben des Schicksals zuständig, wie die Nornen, die Sulevice, die Parcae und die Moirai; andere waren veranwortlich dafür Freude zu erschaffen, die die Drei Grazien.

Weiterführende Literatur:

Lupa Greenwolf: Maiden, Mother, Crone / Youth, Warrior, Sage and strict gender roles

Mary Jones, Triple Goddesses

John Halstead: 13 things you don’t need to know about the Triple Goddess but are kind of interesting

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 1: triads, triplicities, and trinities

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 2: the search for the Triple Goddess of antiquity

John Halstead: Beyond female role models: the Triple Goddess as Nature

Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer (Teil 2)

Samstag, 08. April 2017

Nisut (AUS) und Priesterschaft

Vielen modernen Heiden sind hierarchische Strukturen natürlich ein Greuel, daher möchte ich hier kurz auf die Organsiationsstruktur des House of Netjer eingehen. Da in der altägyptischen Religion wie auch in der Kemetischen Orthodoxie zwischen Staatskult und privatem Kult unterschieden wird, ist für ersteren eine priesterliche Struktur erforderlich um den entsprechenden Staatskult zu verrichten. Dieser dient dazu das kemetische Volk, dass ja nicht mehr geographisch sondern rein virtuell besteht, zu schützen und mit dem Segen der Götter zu versorgen. Nisut (AUS) -mit diesem Titel wird Rev. Tamara Siuda angesprochen, was soviel wie „Pharaonin“ oder „Königin“ bedeutet- fungiert dabei als oberste Priesterin, ähnlich wie der Papst für die katholische Kirche. Der Pharao bzw. die Pharaonin ist der Träger des „königlichen Ka“ also des Ka des Horus, damit sich die göttlichen Kräfte auf Erden für alle Menschen manifestieren können.

Politische Aufgaben sind damit freilich nicht mehr verknüpft, weil Kemet als Staat nicht mehr existiert. Die Priester und Priesterinnen sind dabei sozusagen der verlängerte Arm der Nisut, denn sie kann ja nicht überall gleichzeitig sein. Man legt auf eine umfassende, jederzeit verfügbare Betreuung größten Wert und diese Aufgabe übernehmen vor allem die Priester und Priesterinnen. Im Tempel in USA selbst gibt es natürlich auch noch Priester die unmittelbar an den Kulthandlungen teilnehmen, die außerhalb des Internets stattfinden.

Das Amt der Nisut ist also ein rein dienendes Amt zum Wohle aller Kemeten, die sich dem House of Netjer angeschlossen haben. Davon vollkommen unabhänig ist der private Kult. Jedes Mitglied der Kemetischen Orthodoxie kann ganz wie es ihm gefällt Kontakt mit den Göttern aufnehmen und seinen privaten Kult betreiben. Priester wie Nisut, oder auch andere erfahrene Remetj stehen einem dabei über die bekannten Medien jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung oder auch einfach nur zum lockeren Austausch.

Die Pharaonin Hatschepsut, ca. 1473-1458 v.Chr.

Aufnahme in das House of Netjer

Gegen Ende und mit Abschluss des „Beginner’s course“ wird man einige Male gefragt, ob man nun bereit ist Remetj zu werden. Hierzu erhält man nochmals großzügige Bedenkzeit, füllt nochmals einen Fragebogen aus und spricht auch nochmal persönlich in einem Einzelgespräch mit der betreuenden Priesterin, hat die Möglichkeit Feedback bzgl. des Kurses zu geben, Fragen zu stellen und persönliche Eindrücke zu schildern. Stimmt man nun dem Eintritt zu, werden nochmal alle Bewerbungen von Rev. Tamara L. Siuda geprüft und nach 2-3 Wochen erhält man ein persönliches Willkommensmail als neuer Remetj. Dem folgen noch weitere Mails verschiedener Priester mit interessanten Informationen über Online-Veranstaltungen wie Themen-Chats, abermals neue Forenbereiche oder aktuelle News aus dem House of Netjer, welches sich laufend für die kemetische Gemeinschaft im hohen Maße engagiert und wertvolle Informationen bereitstellt.

House of Netjer, Illinois/Chicago

Was hat sich für mich geändert seit ich Remetj bin?

Da ich bereits vorher Kemetin war, hat sich in meinem Alltag nicht allzu viel für mich geändert. Ich habe einige neue Rituale aus der Kemetischen Orthodoxie in meine regelmäßige Praxis mit aufgenommen und empfinde es als positiv Teil einer spirituellen Gemeinschaft zu sein, die mich in keiner Weise einengt, jedoch irgendwie trägt. Ich schaue ab und zu in die Foren, was es Neues gibt, versuche an den Themen Chats teilzunehmen, sofern es mein Terminkalender zulässt, feiere unsere religiösen Feste, genieße den „Service“ immer rechtzeitig über relevante Zeitpunkte informiert zu werden und halte regelmäßigen Kontakt zu einigen anderen Mitgliedern, die mir persönlich ans Herz gewachsen sind und zu Freunden geworden sind.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man eine große Familie in der ganzen Welt verstreut mit vielen entfernten Brüdern und Schwestern. Unsere Nisut ist eine überaus mütterliche, herzliche, liebevolle und engagierte Person, so dass man sich trotz aller Virtualität ein bisschen im House of Netjer zu Hause fühlen darf. Ich glaube, wenn Tamara könnte, würde sie am liebsten für jeden höchstpersönlich da sein und manchmal mache ich mir ernsthaft Sorgen um sie, ob sie sich nicht ein bisschen übernimmt. Aber es sieht so aus, als haben sie die Götter tatsächlich mit einem derart großen Maß an Kraft gesegnet, dass sie ihr Amt als Nisut mit bewundernswerter Hingabe führt. Für jemanden wie mich, die in Deutschland kaum Anschluss an die Heidenszene hat und als Kemetin eher ein Außenseiterdasein fristet ist das wirklich etwas durchweg Schönes.

 

Fotos: Wikimedia Commons, Google Street View

Heisses Eisen, geschrieben von Dreamdancer

Samstag, 01. April 2017

Ich habe vor langer Zeit einmal einen Artikel zum Thema “Licht und Liebe” geschrieben, der auch auf den Seiten des Blogs zu finden ist: und zwar HIER (falls es Dich interessiert) Es ist inzwischen doch ganz schön die Zeit vergangen; einige Erlebnisse/Beobachtungen meinerseits aber auch im Kollegenkreis haben ihn mir aber kürzlich in Erinnerung gerufen und ich habe ihn noch mal gelesen und mir die Frage gestellt: sehe ich das heute auch noch so? Und ich darf sagen: “Ja”. Ich sehe das immer noch so, auch wenn die Jahre natürlich auch Veränderungen in mir bewirkten und die lustvoll provokative Persona die damals so gerne aktiv war, heute eher im Schlummerzustand verweilt.

Im Zeitalter der “politischen Korrektheit” und einer extremen und kommunikativen Vernetzung haben sich jedoch einige Verhaltensweisen verstärkt und auch die Verdrängungen von als “negativ” empfundenen Emotionen sich weiter ausgeprägt. Und damit baut sich oft ein Druck auf, der so manche Maske ziemlich unschön zerdeppern kann wenn es nur ein kleines bisschen zu viel wird. Der aber manchmal auch unschöne Resultate im Aussen nach sich ziehen kann wenn er sich subtil den Weg an die Oberfläche sucht.

So findet man auf immer mehr esoterischen Diskussionsplattformen zunehmend Rassismus und rechtes Gedankengut sowie Finger die auf Andere zeigen, während man sich selbst in engelsgleichen Sphären wahrnimmt und damit natürlich auch den Anspruch auf die “alleinige Wahrheit” stellt.

Passt für mich nicht zusammen. Man kann nicht von sich behaupten tolerant und verständnisvoll zu sein und in bedingungsloser Liebe im Einklang mit den Heerscharen des Himmels zu schweben aber dann auch nur eine Gruppe, Rasse, Religion, sexuelle Orientierung davon auzusschliessen und als minderwertig oder “niedriger schwingend” zu betrachten.

Aber es ist gewaltig wie dann oft die “Engelsgleichen” extrem aus sich rauskommen und aufbauschen wenn sie nicht mehr diskutieren oder argumentieren wollen oder können. Ich habe Kolleginnen und Kollegen die schon aus so manchem “lieben” Forum geworfen wurden weil sie die falschen(?) Fragen stellten. Ich übrigens nicht. Ich tu mir Foren schon lange nicht mehr an. Hatte da aber auch meine Macken als ich es noch tat (meine Macke war der Versuch immer Frieden stiften und nicht zwischen die Stühle fallen zu wollen, auch wenn man selber eigentlich durchaus einen Standpunkt vertrat —- laaaang ist´s her, und das ist gut so, auch wenn ich immer noch aufpassen muss in manchen Situationen es nicht wieder jedem recht machen zu wollen)…

Sicher, es ist eine Zwickmühle: denn soll man nichts mehr kritisieren dürfen nur weil man sich gewissen Werten verschrieben hat? Mitnichten! Aber wenn man von sich behauptet alles zu verstehen und ein soooo weites Bewusstsein zu besitzen dann passt es einfach nicht zusammen wenn man Sündenböcke sucht oder gar Hetze gegen jemanden betreibt. Oder bewusst jemanden vorsätzlich verbal verletzt oder blossstellt, um das eigene (angeblich aufgelöste) Ego zu beschützen.

Bei gleichwohl unerwünschter (in)Fragestellung kommt die Nr. 1 Waffe zum Vorschein:


Du projizierst!

Nichts wird von “spirituellen” Menschen öfters ins Feld geführt als dieses Argument. Manchmal mag es sogar stimmen, aber oft dient es nur dazu dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen und sich nicht selbst in Frage stellen zu müssen.

Und ein Verhalten hat sogar stark zugenommen: nämlich das passiv/aggressive Reagieren. Dann wird hinter Witzchen und liebevollen Seitenhieben ein ganzer Tsunami von unterdrückten Emotionen in Gang gesetzt weil ein anderer eine individuelle Meinung zu einer Sache hat die der eigenen Sichtweise oder Wahrnehmung widerspricht. Oder man wird ironisch und verletzend, wähnt sich selber als der/die Gute während die anderen “einfach nicht verstehen” wollen oder können “weil sie einfach noch nicht so weit sind”… Und das muss man ihnen natürlich unterschwellig beibringen und klar machen…

Naja, wir sind Menschen und kochen alle mit Wasser (in der westlichen Magie steht das Wasser unter anderem für die Gefühlswelt)… Aber wenn man seine eigenen Ideale so untergräbt und dann nicht bereit ist zumindest mal bei sich nachzuschauen, dann läuft was schief. Egal was von wo aus gechannelt wird. Denn sogar das läuft durch den eigenen Bewusstseinsfilter, weshalb der klar gehalten werden sollte, was schon eine Herausforderung an sich ist in diesem Dauerfeuer and Informationen, “Fakten”, Emotionen und Meinungen.

Das Gegenteil davon sind dann jene die sich ständig hinterfragen und/oder in Frage stellen. Die Schattenarbeit zum Lebensinhalt machen und darüber etwas vergessen…… nämlich zu leben. Dann wird nämlich alles hinterfragt, jede eigene Meinung zurückgedrängt, und man hat immer das Gefühl “noch mehr” machen zu müssen. “Noch mehr Lehrer” zu brauchen um weiterzukommen, weil man alleine ja nie ganz raus kommt aus dem Dilemma und an sich arbeiten muss.

 

Leute, ich gebs zu, es ist nicht einfach! Auch für mich nicht.

Wie oft muss man – gerade als Blogger der sich auch kritischen Themen widmet – aufpassen das man nicht aus dem Glashaus mit Steinen wirft.

Alleine das Verfassen eines solchen Beitrages wird heutzutage zum Risiko. Das Internet vergisst nicht und alles das man vielleicht auch nur aus einer Laune oder Befindlichkeit heraus veröffentlicht bleibt lange irgendwo gespeichert und ist abrufbar. Jedes einst gesagte Wort, jede einmal veröffentlichte Meinung bleibt “drin” egal ob man sich vorwärts, rückwärts oder im Kreis bewegt hat.

Aber ich nehme für mich auch nicht in Anspruch “heilig”, “perfekt” oder “hochschwingend” zu sein. Das gibt hoffentlich mildernde Umstände wenn ich selber mal wieder Mist baue, selber passiv aggressiv bin oder aus einer Laune heraus “Seich” schreibe der eigentlich mehr über mich als über die anderen aussagt. Und das kann – und wird vermutlich – irgendwann wieder vorkommen. Und in den Augen mancher vielleicht sogar recht oft.

Aber die projizieren sicher nur *frechgrins*… Ganz bestimmt 

Spass beiseite: dann werde ich hoffentlich weiter daraus lernen oder zumindest eine Menge Freude dabei gehabt haben 

Und alles nur mehr an- und hinzunehmen ohne auch einen kritischen Blick zu wagen würde sowohl die Diskussion als auch die Entwicklung unserer Spezies ziemlich ausbremsen und vielleicht Kräften Raum schaffen, die nicht wirklich in eine konstruktive Zukunft steuern wollen und glauben sie hätten den Anspruch auf “die Wahrheit” und alles das dieser nicht entspricht ist “das Andere”. “Das Gefährliche”… Oder man redet es anderen so ein um die eigene Macht auszubauen.

Ein heisses Eisen… immer wieder und heute – in Zeiten zunehmender Polarisierung auch im esoterischen Bereich – wieder mehr denn je… Ein Grund mehr sich damit auseinanderzusetzen…

Prost 

Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!! – Teil II

Samstag, 25. März 2017

Da tatsächlich einer der gaaaanz seltenen Fälle eingetreten ist, dass tatsächlich jemand im Blog nach einer Fortsetzung gefragt hat. Also vielen Dank, fürs Kompliment Irene und speziell für dich ein zweiter Teil!

 

Herz is Trumpf

Ein mittlerweile zwanzig Jahre alter“ Film, „Der Hexenclub“, war lange Zeit (damals leistete ich noch Covenarbeit) einer meiner Lehrfilme, den ich mit den Newbies durchdiskutiert habe. In diesem wird zum Beispiel wunderschön ein Liebeszauber aufgearbeitet. In Kurzfassung: überlege gut, was Du Dir wünschst, es könnte eintreffen.
Sarah, eine der Hauptprotagonistinnen, webt einen Liebeszauber um Chris, einen Mitschüler, für sich zu gewinnen. Die Beziehung entgleist – Chris bedrängt sie massiv und sie wird ihn nicht mehr los. Nancy, ebenfalls eine der Hauptfiguren, bringt Chris schlussendlich um, indem sie ihn – mittels magischer Beeinflussung – aus dem Fenster springen lässt.

Die Grundsatzfrage, die mich, bezüglich derartiger Magie, immer wieder beschäftigt stelle ich dann ein wenig später – die Frage der Ethik.
Vorerst möchte ich mich ein wenig mit der Genese eines Zaubers beschäftigen, gleich anhand eines derartigen Liebeszaubers. Genauso wie es auch die ,im Film zu Rate gezogene, Hexe den Hexenclub-Teens erklärt.
Bei einem Zauber will ich ein bestimmtes Ergebnis erzielen (sonst wäre die Sache ja auch nie verifizierbar) und von diesem angestrebten Ergebnis hängt ab, wie der Zauber aussehen muss.
Klingt nach „no na ned“, ist aber vielfach schwieriger als es klingt. Eine glückliche Beziehung zu zaubern ist etwas völlig anderes als „diesen Typen will ich haben“ als Motto zu wählen. Wobei ich da noch weit von einer Frage der Ethik entfernt bin, sondern mich rein auf das Sachliche beziehe. Bei einer glücklichen Beziehung ziele ich nicht auf einen bestimmten Menschen sondern auf einen Seinszustand für mich! Ich werde dann jemanden kennen lernen, der es mir ermöglicht eine glückliche Beziehung zu führen.
Diese Formulierung habe ich bewusst gewählt, weil das noch lange nicht heißt, dass auch der andere mit dieser Beziehung glücklich sein muss! Es muss auch nicht sein, dass diese Beziehung Entwicklung für mich ermöglicht. Nichts ist inkludiert, außer dass ich glücklich bin – wie und warum auch immer!
Wenn Magie wirkt, dann wirkt sie auch. Damit sitze ich dann in dieser Beziehung fest … zumindest bis ich eindeutig mehr Kraft investiere um mich daraus wieder zu lösen also ich verwendet habe um sie zu bekommen. Und wenn die Energie, die ich für den Zauber verwendet habe erschöpft ist, wird sich die Verbindung von selber auflösen. Auch etwas das gerne vergessen wird. Ein gewirkter Zauber hat ein Ablaufdatum und so lang er dauert, dauert er auch.
Wenn ich genau diesen Menschen mit Magie für mich entflamme, dann muss mir klar sein (eben wie im Film), dass ich den/die dann auch bis zum Ablaufdatum nicht mehr los werde. Wenn ich die glückliche Beziehung inkludiere, werde ich um Ecken mehr Energie aufwenden müssen – und ob sich das machen lässt ist wieder ein anderes Thema, das ich noch vor der Ethikfrage in Angriff nehme.

Hat der Zauber funktioniert, dann erhebt sich nur noch die Frage nach dem Preis. Im besten Fall steht auf dem Rechnungszettel der Posten „Ich bin mir im Klaren, dass ich einen anderen Menschen durch Magie in die Lage gebracht habe mich zu lieben“. Selbst wenn alles zu 100% so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, bleibt immer noch der Zweifel, ob mein Partner nicht nur wegen meines magischen Wirkens mein Partner ist oder ob wirklich ich als Person gemeint bin … Wie kann ich mir da sicher sein? Wäre mir das egal?
Es muss also nicht so überzogen sein, wie im Film – aber alles hat seinen Preis.


Wo kommt die Energie denn überhaupt her?

Als kurzen Einschub möchte ich noch die Frage nach dem Treibstoff eines Zaubers einwerfen. Wo kommt die denn eigentlich her?
Einfache Antwort: im Normalfall aus oder durch einen selber!

Aus einem selber ist natürlich eher eine begrenzte Ressource – wie das Beispiel vom „Cone of Power“ schön zeigt. Natürlich kann ich auch Fremdenergie durch mich durch leiten. Dazu muss ich aber geübt sein, sowohl im „Anzapfen“ (weil ich ja wissen muss wo und wie) als auch im „Kanalisieren“. Opfer sind natürlich auch eine Möglichkeit an ein Energiereservoir zu kommen. Wie funktioniert denn das?
Generell geht es, meiner Ansicht nach, um Lebenskraft (Chi, Vitalkraft, Od, Prana oder wie auch immer mensch sie nennen will). Dabei möchte ich aber betonen, dass ich diese Lebenskraft nicht als spezifisch menschlich, sondern als universal ansehe (weshalb auch Opfer durchaus funktionieren können).

Ein Beispiel, gefällig?
Ob der Treibstoff aus Erdöl, Pflanzenöl, Wasserstoff oder Sonnenenergie hergestellt wird – je nach Motor wird unterschiedlicher Treibstoff benötigt und dann bringt mich mein Fahrzeug in die Richtung in die ich möchte. Ob ich das Ziel auch erreiche, das liegt an der zu fahrenden Strecke, der Reichweite meines Treibstoffs und meinem Fahrstil. Ich glaube, dass dieses Beispiel am besten verdeutlicht, wo die Problemquellen auch beim Zaubern liegen.


Und nun zur Ethik

Damit wären wir wieder zurück beim „Hexenclub“ … hier ein paar (durchaus berechtigte, wie ich finde) Kommentare aus Wikipedia

„Wenn er doch nur wirklich böse wäre. Bei allem Horror und bei der anständigen Unterhaltung stört – neben der Hauptdarstellerin –, dass Der Hexenclub brav und moralisch ist.“
Günter H. Jekubzik auf filmtabs.de
„Es zeigefingert ganz kräftig in diesem Film, und so wirkt Der Hexenclub trotz ausgeklügelten Produktionsdesigns, spektakulärer Genreeffekte und treffsicheren Soundtracks eher wie die professionell bebilderte Broschüre eines Landesbeauftragten für Sektenfragen.“
Martin Schwickert auf ultimo online
Ethik ist für mich nicht gleichbedeutend mit Moral. Der Zeigefinger ist also für mich ein Zeigefinger und kein „DuDu“-Finger, der mir meine Verfehlungen um die Ohren haut. Der Film wirkt in großen Passagen moralisierend , das würde ich durchaus unterschreiben. Obwohl wohl jede Parabel auf die eine oder andere Art moralisiert … und niemand hat behauptet, dass dieser Film etwas anderes wäre.

Mir persönlich geht es um Ursache und Wirkung – Karma wie ich es verstehe. Wenn ich zaubere und damit einen anderen seines freien Willens beraube, dann wird mir (wohlgemerkt mir persönlich) auf Dauer kein Glück bringen, weil ich (ich ganz persönlich) es nicht richtig finde, jemanden zu meinem Vorteil so zu steuern. Wenn jemand damit wirklich d´accord wäre, dann hätte er  auch kein Problem damit und auch kaum mit negativen Folgen seines Handelns zu tun. Deshalb ist auch der Schluss – eine Nancy die im Irrenhaus für ihre Untaten büßt – für mich eher der Moralecke zuzuordnen. Abgesehen davon, dass Sarah für den Rest ihres Lebens damit leben wird, zu wissen, welche Panik Rochelle und Bonnie ihr gegenüber empfinden – was natürlich im Skript nicht mehr vorkommt …