Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Geismar – Teil II, geschrieben von Michael

Samstag, 11. August 2018

Ein Tag vor Sonnwend, im Dorf Geismar in Hrodgars Haus

Habt ihr schon gehört? Der Prediger ist wieder da. Er trägt jetzt einen seltsam spitzen Hut und einen langen Stab. Hält sich wohl für den Wanderer.“ Hrodgar betritt das einräumige Langhaus, wirft seinen Ledersack in die Ecke und schnauft wie ein Zugochse: „Mann, hab ich Hunger.“ Der zahnlose und schwerhörige Ahne am Feuerplatz kräht aus dem Hintergrund : „Was ist mit dem Predigtfuzzi? Ist er endlich vernünftig geworden? Macht er jetzt ordentlichen Zauber?“ „Im Gegenteil, Mummelvater – wisst Ihr was er vor hat? Er möchte den heiligen Baum fällen.“ „In welchem Raum will er bellen?“ „Ach Hrodgar, was du immer für Geschichten erzählst. Wenn dir das Bier nicht bekommt, dann gieß den Garten damit. Wer sollte sich sowas ausdenken?“ Die Frau im mattblauen Wollkleid nimmt unbeirrt eine tönerne Schüssel vom Bord neben dem Herd und befüllt sie mit Suppe. Der blonde untersetzte Mann mit den ledernen Riststulpen trägt ein Gesicht zur Schau, als hätte ihm jemand den Bart angesengt und greift sich ein Stück Pökelfleisch: „Nein-es ist wahr, Oda! Beim Herrn der Eide! Ich habe es gehört. Die Langkittel erzählen es jedem, der des Wegs kommt. Ich sag ́ dir, der will ernst machen.“ Oda scheint ungerührt: „Er wird es nicht wagen. Immerhin haben wir ein paar gesunde, starke Männer im Dorf.“ Ihr Blick zieht rasch über die Gestalt ihres krumm dalehnenden Gatten mit dem ansehnlichen Speckunterbau, dann schüttelt sie den Kopf: „Unter anderem….“ Hrodgar schmeisst den Gürtel von seinem Leibrock mit der schön bestickten Kragenborte, eine Arbeit seiner Frau, und lässt sich auf den, mit Fellen bedeckten Hocker in der Westecke des lehmverputzten Hauses fallen. „Du hast keine Ahnung. Diesmal hat er nicht bloß ein paar seiner Pfaffen mit. Ich habe sie gesehen. Eine mächtige Horde dieser ekelhaften Franken. Gerüstet und bewaffnet. Man sagt, er sei nun befreundet mit dem Frankenhäuptling Karl, den sie den Hammer nennen. Sie haben die Büraburg wieder unter volle Besatzung gesteckt. Mit DEM Rückenschutz kann er einen ganzen Wald umhacken. Da ist nicht viel Heldentum nötig.“

Heldentum….jawohl. Heldentum ist nötig . Ich erinnere mich an meine Jugend, da haben wir am Ederufer die Rübenfresser vom Nachbardorf vermöbelt, dass sie aus dem Arsch geraucht haben! Bis auf den Eckerich haben wir sie gejagt, die feigen Saukerle.“ Mummels Backen nehmen

Farbe an, er begeistert sich. Die Frau stellt die letzte der Schüsseln ab. „Aber denkst du denn…“ hebt sie nun mit einer Stimme an, die klingt, als wollte sie einem Kind die Angst vor den Schwarzalben nehmen: „…denkst du, Donar wird es zulassen, dass man sein Heiligtum zerstört? Der Segner des Feldes und der Schützer der Menschen? Denkst du nicht dass einer, der es gegen die Frostriesen schafft, einen einfachen spitzhütigen Spaßmacher in die Schranken weisen kann?“ Hrodgar zuckt die Achseln: „Ich weiß nicht. Man hört so viel von diesen Missionarren mit ihren neuen drei Göttern; sie sind überall. Und sie sind Zauberer. Verwandeln Wein und machen irgendwas mit Brot: Die Leute lassen sich in Scharen von ihnen Wasser über den Schädel gießen und sind dann ganz wunderlich hinterher. Das sagt zumindest der Hiltmunt , der weiter unten an der Eder wohnt, und der muss es wissen, weil er…“ Von draußen dringt das Krakeelen rauher Jungenstimmen herein und unterbricht das Gespräch. Offenbar haben sich zwei Vertreter der Dorfjugend, die der akuten Prahlsucht verfallen sind, in der Wolle. Oda wirkt kurz genervt, dann hebt sie die Hand, und geht zum Fenster. Mit der ganzen Autorität der Hausherrin öffnet sie den Verschlag und schleudert ein paar Worte an die Luft. Schlagartig senken die zwei Fünfzehnjährigen da draußen die Stimmen zu einem Flüstern herab. Oda dreht sich wieder ihrem Mann zu: „Was meintest du?“ Hrodgar sucht den Faden, aber es scheint, als hätte eine Dise ihn durchtrennt. Oda schüttelt den Kopf: „Ach, wie auch immer, mach dir keine Sorgen. Weißt du, ich denke, bevor er die heilige Eiche zerstört, wird eher das Bier mit Hopfen gebraut.“

Zur selben Zeit, auf der Feste Büraberg

Filius Amatus“ – Er murmelt es leise vor sich hin, bemüht, nicht der Sünde des Stolzes zu erliegen. Der auffallend hochgewachsene Mann, er mag so um die fünfzig sein, den noch immer jugendliche Kraft umweht, rollt das Schriftstück langsam und bedächtig auseinander. Seine Augen über der kräftigen Nase und dem dichten, aber sorgsam geschnittenen, grauen Vollbart schweifen leuchtend über die Zeilen. – Filius Amatus – heißt es da. Geliebter Sohn. Damit ist er gemeint. Er hat sich durch seine, von manchen als Zehenleckerei diskreditierte, unverbrüchliche Treue gegenüber Papst Gregor, vom einfachen Wandertäufer und Almosensammler zum überregional befugten Missionar und letztlich sogar zum Bischof emporgearbeitet. Die letzte Romreise, von der er nun zurückgekehrt ist, war für ihn wie ein einziges Geschenk gewesen. Den stiernackigen Hausmeier der Franken, Martell, hatte er über dessen Stolz mit einem Empfehlungsschreiben seiner Heiligkeit gekriegt, womit die Unterstützung der fränkischen Soldaten nun sicher gewährleistet war. Immerhin, die Franken waren seit der Zeit Chlodwigs christianisiert. Auf die konnte man durchaus zählen, wenn was für sie dabei abfiel.

Ungeachtet ihrer bluttriefenden Geschichte: Mit ihnen im Rücken konnte er sehr viel mutiger an sein Werk gehen.

Ein Werk, das gerade hier, in diesem Land, schier übermenschliche Anforderungen verlangte, zumal es sich bei den hier ansässigen Chatten um extrazähe Esel handelte, die durch die heilige Schrift nicht zu knacken waren. Man konnte mit ihnen nicht disputieren, wie unter Gelehrten üblich. Etwas ,das auch nicht in Synoden oder Konzilen ausgeräumt werden konnte, weil sich diese Menschen hier völlig außerhalb des christlichen Systems bewegten. (Der Graubärtige lächelte nachsichtig, wie ein strenger aber gutherziger Vater, indes er den Brief des Papstes zärtlich streichelte.) Dennoch wusste er, dass sich nach und nach alle würden taufen lassen. Lediglich musste er die Strategie ändern, wie mit seiner Heiligkeit besprochen und von ihr voll gedeckt. Er machte sich keine Illusionen über die Missionierbarkeit der chattischen Herzen. Sie mit einem Taufgeschenk zu ködern, hatte bei den Ärmeren zwar gewirkt, war aber ein Pyrrhussieg, zumal sie dafür jeden Unsinn versprochen hätten. Es war, als würde man Wildschweine mit Eicheln in eine Kapelle locken und dann meinen, sie kämen aus Frömmigkeit. Nein, diese Geschenke bargen keinen Sinn. Das beste Mittel zur Bekehrung war immer noch Furcht. Papst Gregor der erste hatte zwar das Konzept der Angst vertreten, doch nur für die Reichen anwenden lassen. Den Armen hingegen kam er mit Versprechungen und Gaben. Leider hatte er in all seiner Weisheit vergessen, dass die Armen durch Geschenke nur gierig wurden, nicht aber eben gläubig.

Ende Teil II

Schamanin sein oder nicht sein – Ein paar Gedanken – Teil II, geschrieben von Tunritha

Samstag, 28. Juli 2018

Das Konzept zur Schamanin wie ich es im ersten Teil meines „Gedankenstromes“ vorgestellt habe, ist selbstverständlich nur eines von vielen möglichen Bildern zum Thema „Schamanin“ und wie diese so zu sein hat und welche Aufgabe diese hat.

Das von mir geschilderte Konzept der Schamanin, die Verantwortung trägt für Wohl und Wehe der Gruppe, ist Eines das ich mit meiner eigenen Familie zu spüren bekommen habe und das war nicht besonders lustig. Ich erfuhr je heiler und ganzer ich bin um so heiler und ganzer ist nämlich auch meine Familie. Im Umkehrschluss bedeutet dies leider auch das je verletzter und geschwächter ich bin, umso geschwächter sind auch sie.
Dieser Art der Verstrickung und Verknüpfung mit den eigenen Lieben sollten „Schamaninnen“ sich durchaus bewusst sein.

Jedoch bin ich ein Fan von Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstermächtigung.
Meiner Ansicht nach sollte jeder zuerst einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen. Weder will ich die Verantwortung für alles was meinen Lieben geschieht, noch steht es mir zu sie ihnen einfach zu nehmen. Jeder trägt sein Päckchen, das ist unser aller Pflicht und Privileg. Auch all meine Lieben sind zuerst einmal vor allem für sich selbst verantwortlich und das in jeder Hinsicht.
Aber natürlich liegt es in meiner Verantwortung das ihnen aus meiner Richtung und Tätigkeit, Kraft zuwächst und nicht etwa Schaden.

Heute

Das eigentliche Ziel schamanischen Wirkens HEUTE muss sein, jedenfalls meiner Überzeugung nach, die Menschen (wieder) selbst zu ermächtigen und sie zu schulen ihre eigenen Erkenntnisse zu gewinnen, selbst schamanisch tätig zu werden, selbst den Kontakt zu den Spirits und der Kraft herzustellen und ihren Erkenntnissen und ihrer Kraft auch zu vertrauen.

Die (vor allem dauerhafte) Abhängigkeit von einzelnen Gurus und Schamanenpersönlichkeiten ist das Gegenteil von Selbstermächtigung und kann keine echte Erkenntnis und damit Ganzheit und Heilung bringen.
Wenn Menschen zu mir in die schamanische Sitzung kommen übernehme ich für eine kurze Weile die Rolle als „Schamanin“ für sie, aber sicher nicht für immer und nicht für alles das ihnen widerfährt, das wäre Zuviel und die meisten erwarten dies heute glücklicherweise auch nicht mehr von mir.
Schamanen haben ganz klar ihren Sinn und ihre Aufgabe, auch oder sogar ganz besonders in der heutigen Zeit. Es ist gut wenn es in in der Not Schamaninnen und Schamanen gibt an die man sich wenden kann, die eine Zeitlang die Kraft halten und die helfen die spirituelle Straße wieder frei zu räumen. Denn manchmal sieht man selber einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht, ist „Betriebsblind“ oder auch selber zu geschwächt um sich noch selbst helfen zu können.
Dann ist es wunderbar wenn einem jemand die Straße wieder klärt, einem Hilfe zur Selbsthilfe gewährt.

Für mich ist es wichtiger meine Klienten und Schüler, meine Besucher, meine Hilfe- und Kraft-Suchenden in IHRE eigene und ganz persönliche Kraft zu bringen. Sie zu den verantwortlichen „Schamanen“ ihres eigenen Lebens zu machen, denn ich kann und will nicht diese Rolle für andere auf Dauer übernehmen.
Ich bin der festen Überzeugung jeder kann für sich selbst Schamane/Schamanin sein. Dies scheint mir auch die Aufgabe eines jeden Menschen zu sein, die volle materielle und spirituelle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und hin und wieder mal Hilfestellung den Anderen zu geben, geben zu können.

Der Schritt der fernen Vergangenheit, verantwortliche Schamanen zu berufen und so die spirituelle Verantwortung für sich selbst abzugeben, ja regelrecht auszugliedern aus Alltag und Leben, ist eine der schlechtesten Ideen der Menschheit überhaupt gewesen. Eine verlockende sicher, denn Spezialisierung kann das Niveau der Arbeit, der Kunst ja ungemein heben. Aber es ist meine feste Überzeugung: wir brauchen keine Gurus, keine Schamanen, keine Heiligen die für uns die Kraft halten. Wir dürfen und müssen diese Aufgabe endlich alle wieder weitestmöglich selbst übernehmen und sie uns auch zutrauen.

In meinen Augen sollten die heutigen und modernen Schamanen ganz unbedingt weniger an ihrem eigenen Mythos stricken und die Menschen statt dessen (wieder?) dahin bringen selber den Mythos zu leben.

Schamane/Schamanin ist wer von den Geistern, den Menschen und sich selbst berufen ist und dieser Berufung auch folgt.
In dem Moment, in dem die Geister Dich (be)rufen, Du Dich selbst berufst und Du dann die spirituelle Verantwortung für DICH auch tatsächlich in aller Konsequenz übernimmst, bist Du Schamane/Schamanin.
Für Dich selbst in erster Linie und an erster Stelle. Du trägst die volle Verantwortung für Dich und für Dein Sein, nicht irgendwelche Kräfte im Außen. Nicht der Nachbar, Deine Mutter, Dein Partner oder Arbeitskollege.
Erst wenn Du Kraft, Glück und Heilung in Deinem Leben materialisieren kannst, solltest Du dies überhaupt bei Anderen probieren.
Und wenn Deine Kraft ausreicht und andere sich, zumindest zeitweise, unter Deinen Schirm der Kraft stellen wollen, Du diese dann auch noch annimmst DANN bist Du vielleicht auch deren Schamanin, zumindest für einige Zeit.
Wahre Heilung kann letztlich nur in der Selbstbestimmung und eigenen Erkenntnis liegen. Alles andere können nur Zwischenlösungen sein.
Schamanische Praxis führt idealerweise über die Selbsterkenntnis zur Selbstermächtigung.
Die grundlegende schamanische Arbeit für uns SELBST, die Fähigkeit SELBER in die Anderswelt zu reisen um von dort Kraft und Heilung für uns selbst zu holen ist etwas das uns die „spirituelle“ Macht über unser Leben und unsere eigene Spiritualität zurückgibt. Wir sind nicht (mehr?) Ohnmächtig. Jede Frage die ein schamanisch Praktizierender hat, kann er mit auf die schamanische Reise nehmen und dort seinen geistigen Verbündeten und Lehrern stellen. KEIN schamanisch Praktizierender ist angewiesen auf einen Priester, Guru, Iman, Schamanen oder anderen Mittler zur geistigen Welt.
Schamanismus ist wohl die älteste und ursprünglichste Lehre der Menschheit, um ganzheitlich, im Zusammenwirken mit dem Universum und seinen Kräften, Heilung und Unterweisung in allen nur denkbaren Lebensbereichen zu erhalten. Dafür braucht es nicht immer einen „Experten“ sondern ein jeder und eine jede die dies möchten, können diese Kraft, Heilung und Unterweisung für sich selbst erlangen. Sei DEINE eigene verantwortliche Schamanin. Sei DEIN eigener verantwortlicher Schamane.

copyright Tunritha

Geismar – Teil I, geschrieben von Michael

Samstag, 21. Juli 2018

Sonnwend, Anno Domini 723, in einem Wald an der Eder die durch das Land des Stammes der Chatten fließt.

In nomine patri et filii et Donari et Wodani, Amen.“

Das akurat an die Wand genagelte Kreuz besteht lediglich aus zwei Buchenholzästen, wie man sie nach jedem Sturm im Wald auflesen kann. Darauf eingeritzt und rötlich gefärbt, sind undeutlich die Runen Isa, Ehwaz, Sowilo, Uruz und nochmals Sowilo zu erkennen: IESUS. Der von fadenscheinigem Sackleinen umhüllte Mann mit dem räudigen Bart versucht eine ungelenke Verneigung davor und stopft sich danach ein Stück hartes Brot in den zahnarmen Mund. Dann erhebt er sich und legt ein Zweiglein Mugwurz auf die verhalten vor sich hinglimmende Opferschale aus rohem Ton.

Staubflocken gondeln durch die grobe Bretterbude am Waldrand, die nur ein winziges Guckloch an der Tür, doch keinerlei Fenster besitzt. Durch Ritzen dringt das Licht des jungen Junitages herein, lässt das ungeordnete Innere erahnen: Ein paar zerlumpte Leinenfetzen auf dem festgestampften Boden, Beyfußwedel hängen von den Deckenträgern, ein klobiger Tisch aus wurmzerrütteter Fichte markiert die Mitte der Klause. Und ein ähnlicher Baumstrunk duckt sich als Hocker an ihn heran. Darüber die dünne Stimme des Eremiten: „Pater noster qui es in Asgard sanctificetur nomen tuum….“

Plötzlich reißt das Schlagen von Hufen, Schaben von Eisen und Rasseln von Ketten in die summende Stille des morgendlichen Waldes. Harsche Befehle werden gegeben, unverständliche Rufe laut. Dann fliegt die Tür der Klause auf, sodass die Räucherschale zu Boden fällt. Quiekend stürzt sich eine Maus ins nächstbeste Loch und das Ast – Runifix Kippt von der Wand. Eine Wolke aus Schwebeteilchen erhebt sich und gibt erst nach und nach den Blick auf Bewaffnete Männer frei, die etwas unschlüssig im Eingang stehengeblieben sind.

Bist du der…äh… gefährliche Frevler Adalmar?“ Dem bellenden schwarzbärtigen Mann scheinen selbst Zweifel zu kommen, als er die dürre Gestalt erblickt, die , etwas blöde vor sich hinlächelnd nun aus dem Staubnebel tritt . Er räuspert sich, dann nimmt er den Ton zurück: „Also zumindest gotteslästerlich..?“ Der Asket antwortet nicht und blickt durch den Besucher hindurch. Alles wartet kurz. Dann taucht hinter den Gerüsteten ein weiterer Mann auf. Er trägt keine Waffen, dafür einen beigewollenen Missionarshabit, sowie ein hölzernes Kreuz in der Rechten. Er drängt die Bewaffneten beiseite, und seine Augen leuchten in Triumph, indes er vortritt und die Hand nach dem Alten ausstreckt:

Natürlich ist er es! Ich kenne ihn lang genug! Adalmar, der letzte der Eremiten von eigenen Gnaden. Einer derjenigen die die heilige Schrift mit den alten Götzengeschichten vermischt. Der sich Bekehrer nennt und dabei Christus unsern Herrn neben Balder und Frigg stellt, als ob der Erlöser nur ein weiterer dieser aus grauer Vorzeit übriggebliebenen Dämonen wäre! Adalmar, der allerletzte der gottverfluchten chattischen Quatschprediger , die der Teufel geschickt hat, damit sie ihre selbstgeschnitzten Karikaturen der Bibel verbreiten! Oh, Wehe der heiligen Mission, solange solche Zerrbilder ihren Namen missbrauchen! Es sind dies schmarotzende Mitfahrer der Christianisierung, deren Irrlehre von den, ohnehin im Morast versunkenen heidnischen Landen, wie ein Schwamm aufgesaugt wird.“

Die Bewaffneten klappen den Mund auf und wieder zu. Offensichtlich verstehen sie kein Wort, wissen aber auch nicht, ob, oder wie überhaupt sie eingreifen sollten.

Der Mann im Habit ist aber nicht zu bremsen: „Seht euch diese elende Dreckshütte an! Wer denkt er, dass er ist? Der Eremit Antonius? Benedikt von Nursia? Ist dies das Tal zu Subiaco??!“ Sein Blick schweift lauernd umher, dann springt er vor, reißt das Holzkreuz mit den Runen hoch: „Hier! Was sag ich?! Zauberzeichen auf dem heiligen Symbol unseres Erlösers und Herrn Jesus Christus!“

Beides kann nebeneinander bestehen…es sind nur verschiedene Seiten der Wahrheit…“ Der Alte spricht nun, im Gegensatz zu seiner Murmelei von vorhin, mit unerwartet klarem Ton. Er stellt es beiläufig in den Raum, wie ein Wachslicht. Doch leise genug, dass jeder es versteht. Einzig der Kuttenträger geht darüber hinweg und beginnt gestikulierend auf und ab zu laufen: „Seine Heiligkeit selbst hat gewarnt vor Subjekten wie ihn, die zugelassen haben, dass die Heiden Gott, den Vater, einfach in ihre Götzen eingliedern und weitermachen wie bisher. Dank solcher Subjekte ist die Taufe in den Missionsgebieten das Wasser nicht wert, das sie kostet. Kaum drehen wir uns um, werden sie rückfällig und finden lustvoll Bestätigung in seinen Irrlehren.“ Dann bleibt er stehen und spricht den Klapprigen direkt an: „Wir wissen, dass du Absolutionen im Namen Wotans erteilt hast. Du vergibst Heiden, die vorher schon bei uns zur Taufe waren, doch nicht um sich zu bekehren, sondern lediglich um, wie es leider Brauch des Bischofs ist, ein neues Hemd geschenkt zu bekommen. Dafür sogar öfter. Drei Taufen, drei Hemden! Und dann ab zu dir, damit ihnen die alten Götter nicht böse sind. Nur unserer Güte sowie der Abwesenheit des Bischofs war es zu verdanken, dass du hier noch geduldet wurdest. Bis jetzt.“ Dann, viel lauter, wie um die Waffenträger zu beeindrucken: „Doch die Zeit deiner Fehlpredigten ist vorüber. Denn ich habe schlechte Neuigkeiten für dich, Alter: Der Bischof ist wieder da.“ Der Eremit hebt den Kopf ein

Stück: „So? Ich dachte, er bliebe endlich in Rom, bei seinem Herrchen…“ Der Kuttenträger namens Witta zögert kurz, dann richtet er sich zu voller Größe auf: „Pech für dich, Adalmar. Die Zeit der lahmen Duldung deiner Sorte ist endgültig vorbei. Er, dessen Namen du schmähst, verfügt nun über neue Vollmachten, höhere Würden und viel mehr Männern als je bisher. Und er hat großes vor. Denn, höre, du Relikt:

BONIFATIUS IST ZURÜCK!“

Ende Teil I

Schamanin sein oder nicht sein – Ein paar Gedanken – Teil I, geschrieben von Tunritha

Samstag, 14. Juli 2018

Ganz kurz als Definition vorweg – kennzeichnend für jedwede Variante des Schamanismus sind meinem Verständnis nach die folgenden Punkte:
kennzeichnend, unabhängig von Zeit oder regionalem Raum:
Die Einsicht in die „Beseeltheit“ oder auch „Lebendigkeit“ von allem, das existiert

Ekstase- und Trancetechniken
Seelenflug – Schamanische Reisen in andere Welten
Kontakt zu und mit der Geisterwelt und daraus resultierende, geistige Verbündete. Diese werden als eigenständige Entitäten gesehen und behandelt
Kraft aus der geistigen Welt in die materielle Welt zu „transportieren“
Mit dieser Kraft werden reale Veränderungen ausgelöst, d.h. diese Kraft wird auch tatsächlich materialisiert
Die Arbeit für andere – für Klienten, die einen aktiv und ausdrücklich um diese Art der Hilfe bitten

Schamanin sein, so wie ich den Begriff im eigentlichen Sinn verstehe, ist etwas anderes als schamanisch zu praktizieren, schamanisch zu wirken oder auch schamanisch berufen zu sein.
Auch schamanisch Praktizierende sind häufig von den Spirits oder den Menschen berufen für bestimmte Aufgaben und Wege.

Was ist also, in meinem Sprachgebrauch, der Unterschied zur eigentlichen „Schamanin“?

Die Schamanin oder der Schamane sind neben der Berufung durch die Geister der Außerzeitlichkeit auch und vor allem berufen durch die Menschen, Geister, Götter und Ahnen einer Gruppe, einer Familie oder eines Stammes oder auch eines Landes/Landstrichs und sie haben diese Berufung angenommen mit allen Konsequenzen.
Und diese Konsequenzen sind es, die das Sein als Schamanin als Schamane so schwierig und manchmal schwer zu tragen machen.
Denn was bedeutet es diese Aufgabe, diese Berufung anzunehmen als tatsächlich wahrhaftig anzunehmen? Es bedeutet das die Schamanin, der Schamane für das spirituelle Wohl und Wehe und auch das sich daraus materialisierende Wohl und Wehe verantwortlich ist.
Es bedeutet wenn den Menschen oder Tieren dieser Gruppe etwas widerfährt, dann hat dies auch mit der Kraft ihres Schamanen zu tun. Mit dem Schutz und der Kraft die diese/dieser materialisieren kann.
Schamanin einer Familie oder eines Stammes zu sein, bedeutet das die Mitglieder der Gruppe, der Familie, des Stammes stetig unter dem Schutz und in der Kraftlinie der Schamanin stehen. Mit Mann und Maus, mit Kind und Kegeln, mit Hund und Katz.

Was für eine Verantwortung! Eine Schamanin ist nicht mehr nur für sich verantwortlich sondern auch für alles und jedes das der ihr anvertrauten Aufgabe, den ihr anvertrauten Menschen (und Tieren, Pflanzen, dem Land…) widerfährt.

Und diese Aufgabe muss ihr von den Menschen (und Tieren Pflanzen, dem Land…) freiwillig übertragen worden sein, diese Aufgabe kann man sich nicht einfach nehmen oder aneignen, auch die Geister können einem nicht die alleinige Verantwortung über einen Stamm/Gruppe/Familie „aufhalsen“. Es ist ein gemeinschaftlicher Akt der von allen drei Seiten gemeinsam bestimmt und gestaltet wird. Aber wenn einmal vollzogen, dann trägt die Schamanin die Verantwortung und das ist kein Spaß, das kann grauenhaft, erschreckend, belastend sein.

Wer tatsächlich in diesem Sinn Schamanin sein möchte, hat viel zu tun und viel zu tragen.
Dies ist nicht die „Beziehung“ die man zum „normalen“ Klienten hat, der einem für eine Sitzung und Hilfe ein paar Taler gibt. Dies ist die Beziehung die eine traditionelle Stammes- und Familienschamanin für ihre Gruppe, ihren Stamm und ihre Familie hat.

Der Stamm oder die Familie wiederum trägt die Schamanin, materiell und auch emotional. Sie passen genauso auf sie und ihr Wohl auf wie umgekehrt (männliche Schamanen sind hier selbstverständlich mitgemeint) .
diese Verantwortung wünscht sich wohl kein Mensch freiwillig und diese Verantwortung kann nur in Liebe und Mitgefühl getragen werden. Jeder Schnupfen, jeder Unfall, jedes Unglück das den Lieben widerfährt, hat auch etwas mit dem sie begleitenden Schamanen zu tun. Denn wenn der Schamane, Schamanin die nötige Kraft hat, kann einer Gruppe nichts widerfahren, das nicht in Harmonie geschieht. Welche Vorwürfe macht sich also eine solche Stammesschamanin wenn es zu Krankheit und Unglück kommt? Welche Vorwürfe werden ihr gemacht?
Das ist der eigentliche Grund warum unter vielen indigenen Menschen der Beruf und die Berufung als Schamanin so gefürchtet ist, denn diese Berufung bringt eine ungeheure Last mit sich und eine ungeheure Verantwortung.
Ist die Schamanin nicht in ihrer Kraft, kann sie die Familie den Stamm nicht in ihrer/seiner Kraft halten und es geschehen vermeidbare Unglücke, Hungersnöte, Krankheiten. Wir finden dieses Prinzip auch in manchen Märchen und Legenden, in denen die versehrten alten Könige durch die Jungen ersetzt werden müssen. Der rituelle Königstod ist eine Variante davon oder auch die irisch/gälische Geschichte von Lugh der die Herrschaft vom verletzen König Nuada übernimmt, der eine Hand verloren hat und daher nicht mehr die Kraft halten kann.

Welcher Mensch im Westen der noch bei Verstand ist, wünscht sich bitte diese riesige Verantwortung auch nur für die eigene Kleinfamilie, geschweige denn für ein ganzes Dorf?

Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, in meinem Leben gibt es einen Kreis von Menschen die auf diese Weise zu meinem Stamm gehören und das ist kein Spaß und kein Ego-Vergnügen.
Das ist manchmal ganz schön hart und hat mich verstehen lassen warum so viele Indigene keinen Bock auf eine derartige Verantwortung haben.
Darum, bevor Du Schamane/Schamanin für andere sein willst, übernimm als erstes die volle Verantwortung für Dich, für Dein Leben, Dein Glück und Unglück.
Erkenne dass, das Leben das Du um Dich herum materialisierst, ein unübersehbarer Ausdruck Deiner eigenen Kraft ist und auch Deiner eigenen wachsenden oder schwindenden Kraft. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht um Bewertung oder gar Schuld. Schlimme Dinge passieren guten Menschen und Andersrum. Leben heißt auch immer Leiden, das ist wohl unvermeidbar. Und Leben heißt genauso auch immer Freude, Liebe und Berührung… Und Leben als Schamanin bedeutet die volle Verantwortung für sich selbst, das eigene Glück und Unglück, die eigene Krankheit, das eigene Leid, die eigene Freude… einfach das eigene Leben zu übernehmen und Zusätzlich und freiwillig noch ein ganzes Stück Verantwortung für Glück und Leid von Anderen…

Ääächte ;-) Schamanen (so wie ich sie verstehe) sind daher eigentlich ganz wild darauf Menschen in ihrer Selbstbestimmung und Selbstverantwortung auf allen Ebenen zu unterstützen und nicht darauf ihnen als Guru und Bevormunder stets und ständig voranzugehen.

copyright Tunritha

Ende Teil I

Erleuchtetes Wunderwirken, geschrieben von Ngak’chang Rangdrol Dorje

Samstag, 07. Juli 2018

Übernatürliche Phänomene und Zauberkräfte sind auch den verschiedenen buddhistischen Traditionen nicht fremd. Neben der Befreiung, die durch die Realisation der Leerheit aller Phänomene erreicht wird und sich in der Manifestation des Dharmakaya verkörpert, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt, den des Formaspekts. Dieser Formaspekt manifestiert sich in einem subtilen und einem groben Aspekt. Diese werden Sambhogakaya und Nirmanakaya genannt. Die Formmanifestation ungetrennt vom grundlegenden Leersein dient dem Wohl der Wesen und wird dazu benutzt, auch Wesen, die schwer zu zähmen sind, zu führen.
Magische Kräfte wurden im Buddhismus schon immer als eine natürliche Folge von höheren spirituellen Errungenschaften angesehen und waren unauflösbar mit der Ausführung bestimmter Ritualformen verbunden. Da aber momentan die Vorstellung besteht, Buddhisten sitzen arhatgleich in Gleichmut, wird die Dimension der Wunderkräfte gerne ignoriert. Ein Grund dafür mag vielleicht sein, dass man die magischen Traditionen im Westen auch nicht mehr verstanden und wegen der mechanistischen und materialistischen Machbarkeit abgewertet hat. Im Westen gab es im Spätmittelalter bis ins 19. Jhdt. hinein eine reich blühende Literatur der Zauberbücher (Grimoire), in denen bestimmte Rituale höherer und niederer Natur dargelegt wurden.

Die Zauberbücher des Buddhismus

Dennoch ist es wert, sich mit diesem Aspekt der Lehre Buddhas näher zu befassen, da sich in verschiedensten Aufzeichnungen Hinweise dazu finden. Zwar findet man im Palikanon keine offensichtlichen Anleitungen, dennoch spricht der Buddha im Samannaphala Sutta über die allgemeinen und höheren Wunderkräfte, genauso wie im Mahasakuludayi Sutta entsprechende Hinweise zu finden sind. Im Mahasakuludayi Sutta steht: „Genau so habe ich meinen Schülern den Weg verkündet, wie man die verschiedenen Arten von übernatürlichen Kräften beherrscht: nachdem sie einer gewesen sind, vervielfältigen sie sich; nachdem sie sich vervielfältigt haben, werden sie einer; sie erscheinen und verschwinden; sie gehen ungehindert durch eine Wand, durch eine Einzäunung, durch einen Berg, als ob sie sich durch den freien Raum bewegten; sie tauchen in die Erde ein und aus ihr auf, als ob sie Wasser wäre; sie gehen übers Wasser gehen, ohne zu versinken, als ob es Erde wäre; sie reisen im Lotussitz durch den Raum, wie ein Vogel; sie berühren und streicheln mit der Hand den Mond und die Sonne, die so kraftvoll und mächtig sind; sie haben körperliche Beherrschung, die sogar bis zur Brahma-Welt reicht.“
Wie daran zu erkennen ist, wurden diese Lehren nicht der Allgemeinheit dargelegt, sondern nur einem kleineren Kreis an Schülern erteilt. Später wurden einige dieser Rituale und Zauberformeln auch in den Mahayana-Sutras wie z.B. dem Lankavatara-Sutra aufgezeichnet. Solche magischen Kräfte wurden von den Bodhisattvas manifestiert, um das Leiden der Wesen zu beseitigen und sie zur Befreiung zu führen. Diese Kräfte fallen in die Kategorie der „Geschickten Mittel“ (skt., upaya).
In Form von Zauberbüchern finden sich heute auch in der tibetischen Dharma-Tradition zahlreiche Texte zu diesem Thema. Ein wahrer Fundus dieser Grimoire-Literatur ist die „Sammlung kostbarer Schätze“ (Rinchen Terdzö; tib., rin chen gter mdzod), das von Jamgon Kongtrul Lodrö Thaye im 19. Jhdt. zusammengestellt wurde und aus 111 Bänden besteht. Einige Bände sind dieser Grimoire-Literatur gewidmet. Doch auch im Yuthog Nyingthig finden sich Anweisungen zu Heil-Mantras und zur Herstellung von Amuletten, genauso auch bei Ju Mipham Rinpoche, u.a. im Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa oder in Panchen Nazawas „Naza Be’u Bum“ (tib., na bza‘ be’u bum) – einer Sammlung von esoterischen medizinischen Vorschriften und magischen Formeln für die Behebung verschiedener Leiden – oder dem Bari Be’u Bum von Bari Lotsawa, einer Sammlung, die auch verschiedenste Heilmantras und Anrufungen enthält, um nur einige wenige zu nennen.
Im Vajramala-Tantra wird gesagt: „Wenn jemand die Meditationsgottheit entsprechend dem Tantra praktiziert, erreicht er alle Verwirklichungen.“ Mit diesen Verwirklichungen sind die höchsten und gewöhnlichen Errungenschaften gemeint. Als höchste Errungenschaft gilt die Befreiung oder auch die Große Übertragung in den jugendlichen Vasenkörper oder die Realisation des Regenbogenkörpers. Die gewöhnlichen Errungenschaften sind besondere psychische Kräfte, Hellsehen, Bilokation oder ähnliches.

Vierfaches erleuchtetes Wirken

Man kennt im Dharma vier Arten der erleuchteten Aktivität. Diese ergeben sich aus den Mantra-Siddhis, der Kraft durch Versenkung in die Mantra-Visualisation und –Rezitation. Als Vorbedingung für die erfolgreiche Anwendung muss die Praxis der Meditationsgottheit ausgeführt werden, wobei der Aspekt der Visualisation und Erzeugung dieser Meditationsgottheit entscheidend ist. Durch die vierfache Ermächtigung wird man in diese Praxis eingeführt und lernt im Laufe der Praxis das gewöhnliche Konzept des Körpers zu transformieren, sodass die vier erleuchteten Aktivitäten erfolgreich ausgeführt werden können.
Die erleuchtete Aktivität des Befriedens wird eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, äußere und innere Hindernisse zu beruhigen, gegen störende Gefühle, gegen Geister, Dämonen und alles, was Schwierigkeiten bereiten könnte. Die erleuchtete Aktivität des Vermehrens führt zum Anwachsen von Lebensspanne, Wohlstand, Ansehen, Ausstrahlung, Gefolge und Verdienst, sowie den eigenen Erfahrungen und der Realisation. Die erleuchtete Aktivität des Magnetisierens ist ein Heranziehen und unter Kontrolle bringen von hartnäckig störenden Wesen. Man verschafft sich auf diese Weise auch Respekt. Auf diese Weise werden Wesen unter Dienst gestellt und unterworfen, man hat die Kraft, andere Wesen wie weltliche Gottheiten, Geister und Dämonen – also alle nichtmenschlichen Wesen – anzuziehen und von ihnen ihre magischen Kräfte zu erlangen. Die erleuchtete Aktivität des „Heiligen Zorns“ ist eine machtvolle, zornvolle Ritualhandlung. Diese wird gegen rigide Geisteshaltungen eingesetzt, gegen die zehn Feinde des Dharma, aber auch gegen Geister und Dämonen, um ihr reines Bewusstsein aus dem Festhalten an Form zu befreien und ihre Elemente zu transformieren.
Wesentlich für das Ausführen dieser erleuchteten Ritualhandlungen sind die Grundlagen des Dharma – Zuflucht; Bodhicitta; reine Sicht; die Fähigkeit, Wesen auf den Pfad der Befreiung zu führen usw.

Weltliche Wunderkräfte

Zu den gewöhnlichen Verwirklichungen zählen das Siddhi des Schwertes, das Siddhi der Augenmedizin, das Siddhi der Pillen, das Siddhi des schnellen Gehens, das Siddhi des Sehens unter die Erde, das Siddhi der Unsichtbarkeit, das Siddhi des langen Lebens und das Siddhi, durch das man Kupfer und Eisen in Gold verwandeln kann.
Es hängt von der eigenen Realisation ab, ob man diese Siddhis verwirklichen kann. Nicht alle können dies. Auch gliedern sich die gewöhnlichen Verwirklichungen in drei Gruppen: 1) niedere Siddhis; 2) mittlere Siddhis; und 3) höhere Siddhis. Zu den niederen Siddhis gehören die vier Aktivitäten und die zwölf Taten, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen. Zu den zwölf Taten gehören u.a. Fähigkeiten wie, Wesen zu kontrollieren, zu fangen, sie heranzuziehen, zu trennen usw. Die acht Vollendungen wurden bereits zuvor genannt. Zu den acht höheren Siddhis zählt die Fähigkeit, in verschiedenen Manifestationen den Wesen zu nützen, Kontrolle über die Lebensdauer zu haben oder sich in verschiedene Formen zu verwandeln.

Außergewöhnliche Kräfte

Zu den außergewöhnlichen Siddhis zählen die Fähigkeit, sich in verschiedenen Formen manifestieren, die Körpergröße verändern, das Körpergewicht verändern, die Fähigkeit des Durchdringens von fester Materie, sowie einen durchsichtigen Körper zu manifestieren. Man kann den Regenbogenkörper manifestieren, man geht in den Raum ein und man erlangt den Vajra-Körper, die Vajra-Rede und den Vajra-Geist. Und schließlich ist es die Befreiung in die letztendliche Realität aller Dinge, sowie das Erkennen der relativen Wahrheit.