Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Heilung und Heilkunst – Teil 2

Samstag, 16. September 2017

Das Problem mit den Grundbegriffen

Es gibt eine Reihe von Fallgruben, die meiner Ansicht nach jeder Heiler kennen sollte. Ein wichtiger Punkt, der mir immer wieder auffällt, ist, dass es oft schon an den Grunddefinitionen erheblich mangelt. Wenn ich jemanden heilen will, muss ich mir erstmal Gedanken machen, wie ich eigentlich Begrifflichkeiten wie „Gesundheit“, „Heilung“, „Lebenskraft“ oder „Vitalität“ definiere. Ich muss eine genaue Vorstellung von dem haben, was ich bei meinen Patienten oder Klienten erreichen will und sie natürlich auch darüber in Kenntnis setzen.

Die meisten althergebrachten Methoden wie TCM, Homöopathie, Osteopathie usw. haben dafür ihre Konzepte und Definitionen und in der Folge natürlich Techniken um deren Beschaffenheit zu untersuchen und auszuwerten. Ob ich nun von Chi, PRM oder Prana spreche ist letztlich egal, sofern ich ein genaues Bild von dem habe, mit dem ich da arbeiten will bzw. was ich herbeiführen möchte. Erst dann kann ich mir überhaupt Gedanken machen welche Behandlungstechniken ich überhaupt anwende und wo. Und diese Techniken sollten natürlich auch zu meinen Basiskonzepten passen.

von giphy.com

 

Wissen und Intuition

Sehr häufig jedoch lese ich, dass sich auf „so’n Gefühl“ verlassen wird und man sich mit der Definition von diesen Grundbegriffen überhaupt nicht befassen möchte, weil man glaubt, das auch erfühlen zu können. Nichts gegen intuitive Herangehensweisen, aber Intuition sollte idealerweise im Rahmen einer in sich logischen und einigermaßen irrtumssicheren Methodik angewandt werden, sonst ist die Gefahr groß, dass ich mir schlichtweg etwas einbilde und meinem Klienten schade. Viele althergebrachte alternative Heilweisen, die schon seit Jahrtausenden oder Jahrhunderten praktiziert werden bieten solche Definitionen, die auch einem spirituellen Weltbild kein bisschen widersprechen, es lohnt sich, davon eine auszuwählen und sich ein solides Wissen als Basis anzueigenen und wer gern vielseitig arbeitet mag sich vielleicht auch noch eine zweite oder dritte Methoden ansehen. Abraten möchte ich aber von Patchwork-Konzepten, die auf reinem Schlagzeilenwissen beruhen. Zum erlernen einer Heilmethode gehören auch immer die Inhalte die man langweilig und schwierig findet. Beim Stricken einer Patchworkphilosophie besteht die Gefahr, dass ich mich nur immer wieder selbst bestätige und dabei leider auch meine Irrtümer. Tatsächlich gehört es aber zum Weg eines Heilers dazu gerade die Konzepte zu hinterfragen, die man für selbstverständlich hält und sich auch mal auf jene offen und unvoreingenommen einzulassen, die einem überhaupt nicht gefallen.

Intuition ist normalerweise etwas, das mit der Erfahrung stärker wird, aber selbst die erfahrensten Therapeuten, sollten ein solides Fundament aus den so unbeliebten Definitionen und Konzepten haben auf das sie immer wieder zurückgreifen können. Hinzukommt, dass solche Begrifflichkeiten auch den zu Behandelnden nicht außer Acht lassen dürfen. Welche Vorstellung hat mein Patient/Klient überhaupt von Gesundheit oder Vitalität und wie erlebt er überhaupt den Mangel dieser Dinge? Auch hierüber machen sich leider viele keine Gedanken und glauben Kraft ihrer Visionen und Ahnungen genau zu wissen, was zu tun ist, damit es jemandem besser geht.

„Hypnosis“ 1904, Sascha Schneider, Wikimedia Commons

Illusionen der Heiler

Auch wenn ich mit meinem Klienten gut kommuniziere und mir ausschweifende Beschreibungen von deren Gefühlszustand anhöre, wenn mir solche Grundkonzepte und -definitionen fehlen, lauert schon die nächste Fallgrube, nämlich meinen Behandlungserfolg von den Befindlichkeiten des Klienten abhängig zu machen. Sehr oft lese ich, dass Heiler es ganz selbstverständlich als ihren Verdienst ansehen, dass der Patient überglücklich nach der Behandlung war oder heftigen negative Reaktionen durchgemacht hat, die dann als eine Art „Heilkrise“ interpretiert werden. Gewiss gibt es Methoden die solche Reaktionen häufig nach sich ziehen, dennoch darf man sich als Heiler auf keinen Fall von solchen Reaktionen abhängig machen und sie schon gar nicht per se als eine geglückte Heilung interpretieren. Befunde müssen in irgendeiner Weise objektivierbar sein und sei es auch nur, dass ich nach meinen persönlichen Definitionen einen Vorher/Nachher-Vergleich anstelle und eine tatsächliche Veränderung erkenne, die eindeutig auf meine Intervention zurückzuführen ist. Manchmal werden Patienten auch TROTZ Behandlung gesund, das heißt ich kann nie genau wissen, was von dem was ich unternommen habe wirklich zur Heilung geführt hat. Man spricht dabei auch von der sogenannten therapeutischen Illusion, wenn von mir unabhängige Dinge eine Heilung bewirkt haben, die ich aber fälschlicherweise als meinen Erfolg verbuche.

In manchen Disziplinen der Osteopathie zB. gilt es sogar als schlampige Arbeit, wenn man heftige emotionale Reaktionen auslöst. Die Rede ist vom sog. Somato Emotional Release ein Konzept, das John Upledger entwickelt hat. Er geht dabei von der Grundannahme aus, dass emotionale Inhalte im Körper in sog. „Zysten“ gespeichert sind und durch manuelles Einwirken auf die entsprechenden Körperstellen durch einen Behandler gelöst werden können. Hierbei besteht der Anspruch, dass selbst schwere psychische Traumata auf der Körperebene spürbar und damit auch dort lösbar zu sein haben. Die sichtbare Reaktion davon sollte absolut NICHTS sein. Keine Träne, keine melodramatischen Gefühlsausbrüche, maximal ein leises Seufzen, egal wie schwerwiegend das Trauma ist. Und das hat hinterher eine deutliche Verbesserung aufzuweisen, sonst gilt die Behandlung als erfolglos. Es mag verlockend sein, die Reaktionen des Klienten als Bestätigung für sich selbst heranzuziehen, aber entscheiden sollten klare Befunde im jeweiligen Konzept sein in dem man arbeitet. Das mag den Showeffekt der Heilung erheblich schmälern, aber es senkt auch das Risiko einer Retraumatisierung enorm und ist deutlich angenehmer für den Patienten/Klienten.

Im nächsten Teil werde ich mich weiteren heilerischen Meinungen widmen, die mir verstärkt in der Internetszene auffallen, wie zB. zum Thema „Blockaden“, „Energien“ oder „Psychosomatik“.

Heilung und Heilkunst – Teil 1

Samstag, 09. September 2017

Inspiriert von Anufas Artikel „Religion/Spiritualität – Zerwas brauch ich das?!“ möchte ich mich in diesem Artikel dem von ihr angesprochenen Aspekt der Heilung widmen. Heilung, so erwähnte sie ja bereits, ist ein großes Thema, besonders wenn man sich in der Neoheiden- ,Hexen- und Schamanenszene umsieht. Nicht nur die Heilung seiner selbst, sondern ganz besonderes auch die Heilung anderer. Zwar macht nicht jeder von den ambitionierten Heilern gleich einen Beruf daraus, eine Berufung jedoch schon und das oft mit großem Enthusiasmus.

Indianischer Schamane beim Heilen einer kranken Frau, U.S. National Archives and Records Administration, Wikimedia Commons

Ich beteilige mich gern an Internetdiskussionen in den verschiedensten Online-Hotspots zum Thema Heilung und Spiritualität. Ganz besonders interessiert mich in letzter Zeit das Gebiet der Schamanen, aber natürlich auch Neuheiden und Hexen und deren heilerische Praxis. Ich habe selbst mal in dieser Szene begonnen mich für die Kunst des Heilens zu interessieren, habe mich dann im Verlauf meiner Lehrjahre davon wegentwickelt und mich eher der wissenschaftlich orientierten, aber dennoch alternativen Heilkunde gewidmet und befinde mich nun in einer Phase der Wiederannäherung an die spirituelleren Konzepte von Heilung.

Wahrscheinlich ist das mitunter ein Grund, warum sich mir bei sehr vielen Berichten von spirituell orientierten Heilern die Stirn in tiefe Falten legt und ich mich frage, wie es um die praktische Erfahrung vieler Heiler tatsächlich bestellt sein kann. Es gibt einige „Das-ist-so“-Dogmen, die immer wieder im Brustton der Überzeugung angeführt werden, die besonders in der heilerischen Praxis  keinen erkennbaren Sinn machen, auch wenn sie theoretisch noch so ausschweifend begründet werden. Dinge, die mir zB. während meiner Ausbildung auch mehrfach als typische Fallgruben von angehenden Heilern beigebracht wurden und deren Kenntnis sich im heilerischen Alltag vielfach bewährt hat.

„Healers“ von Setongo, Wikimedia Commons

Da der Artikel etwas länger wird, möchte ich vorab einen kleinen Überblick geben, wie ich mich diesem Thema widmen werde. Ich möchte zunächst ein bisschen was zu mir selbst und zu meinem Werdegang sagen. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern einfach Hintergrundinformation, weil man Aussagen meiner Ansicht nach oft besser versteht, wenn man ein ungefähres Bild hat wer der Autor überhaupt ist und vor welchem Background diese Ansichten entstanden sind.

Im Anschluss möchte ich einige von diesen nicht ausreichend hinterfragten Glaubenssätzen der Heilung schildern und daraus resultierende Fehler in der praktischen Heilkunde beschreiben. Um das Verständnis zu erleichtern, werde ich sofern möglich auch ein paar Beispiele aus meinem eigenen beruflichen Alltag anführen.

Mein eigener Werdegang

Ich befasse mich wie eingangs erwähnt internsiv mit der schamanischen und neuheidnisch-hexischen Szene und deren Verständnis von der Heilerei. Das interessiert mich zurzeit deswegen, weil mein Metier die Osteopathie, sehr viele Aspekte eines animistischen Weltbildes, also dem Konzept des Allesbeseelten besitzt und ich auf diese Weise meinen eigenen heilerischen Horizont erweitern möchte und neue Perspektiven gewinnen möchte. Nichts anderes haben auch unsere osteopathischen Gründerväter getan, die sich sowohl mit klassischer Medizin und Anatomie befassten, wie auch mit Spiritismus, Mesmerismus, Schamanismus und ähnlichen Dingen.

Ich im Anatomie Kurs an der LMU, Foto: Sati

Mein professioneller heilerischer Weg beginnt mit einer  3-jährigen Vollzeitausbildung, die mir 2008 meine Zulassung als Heilpraktikerin bescherte. Danach folgten einige kleinere Ausbildungen, darunter die Lymphdrainage nach Dr. Vodder, Neuraltherapie nach Huneke, Grundlagen der Chiropraktik, Phytotherapie und Homöopathie, bis ich mich 2010 entschied nochmal die Schulbank für längere Zeit zu drücken und eine 5-jährige Osteopathieausbildung mit einem Abschluss der BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft für Osteopathie) zu absolvieren. Seit 2013 bin ich nun hauptberuflich als Heilpraktikerin und Osteopathin tätig und bin Assistentin an der Hochschule Fresenius für den Studiengang Osteopathie.

Mittlerin zwischen den Welten

Ich denke also von mir inzwischen sagen zu können, dass ich einiges an praktischer Erfahrung im Bereich des Heilens und der Heilkunde habe sammeln dürfen. Als Osteopathin bewege ich mich zudem in einem Bereich, der eine besondere Stellung in der alternativen Heilkunde einnimmt. In den USA zählt die Osteopathie ganz selbstverständlich zur klassischen Medizin, in Europa und insbesondere in Deutschland zählt sie zur Komplementärmedizin. Als Osteopathin habe ich sowohl engen Kontakt zu Schulmedizinern und arbeite natürlich auf der Basis medizinischer Befunde, aber gleichermaßen auch zu alternativen Heilern und deren unterschiedlichsten Heilkonzepten. Mein Klientel ist sehr häufig an beiden Verfahrensweisen gleichermaßen interessiert und nutzt sie ganz selbstverständlich parallel ohne darin einen Gegensatz, sondern vielmehr eine wertvolle Ergänzung zu sehen.

Ganz ähnlich ist auch mein Verständnis von der alternativen Heilkunde. Ich sehe mich nicht als Freund oder Feind von Schulmedizin oder Naturheilkunde, sondern oftmals als Vermittler zwischen diesen beiden Welten. Hinzu kommt natürlich, dass ich im Gegensatz zu den meisten niedergelassenen Ärzten in der Regel viel mehr Zeit für meine Patienten habe und auch mal sehr tiefgründige Gespräche führen kann. Daher ist es oft auch an mir Aufklärungsarbeit zu leisten, Arztbriefe und Befunde zu erklären und natürlich auch Seelen zu trösten, wenn schwerwiegende Diagnosen plötzlich alles auf den Kopf stellen.

Osteopathie, Foto: Sati

Osteopathie als Mittelweg

Die Osteopathie selbst ist nicht nur eine Heilmethode, die auf der klassischen Anatomie und Physiologie fußt, sondern vielmehr eine Heilphilosophie mit sehr anspruchsvollen geistigen, ja spirituellen Inhalten. Wissenschaftlich Belegbares ist genauso Teil der Methodik, wie Kraft der eigenen Intuition Erlebtes und Gefühltes oder aus praktischer Erfahrung vieler Therapeuten gemeinsam Etabliertes. Auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in Bereiche wie TCM, Homöopathie, Ayurveda, Kräuterheilkunde, Hypnose, usw. usf. ist in der Riege der Osteopathen durchaus üblich. Alles was hilft darf sein – zum Wohle des Patienten. Ich bin also alles andere als eine alternativmedizinische Möchtegernärztin, die sich verzweifelt an ihr Buchwissen klammert und die „Ärztelobby“ verteidigt, wie mir oft vorgeworfen wird, nur weil ich weiß, wie man einen Arztbrief liest und nicht mit allen in das Böse-Schulmedizin-Horn stoße oder alles Siechtum dieser Welt mit der „Pharma-Mafia“ begründe . Ich habe gerade als Osteopathin gelernt offen zu sein für verschiedenste Methoden ohne mich bei deren Bewertung von persönlichen Präferenzen leiten zu lassen. Mich interessiert oft vielmehr WER heilt und nicht womit. Mein diagnostisches Instrument sind meine Hände und ihr seit Jahren trainierter Tastsinn und die spüren ganz unabhängig von dem, was mein Kopf gern glauben will. „Hände irren sich nicht, der Kopf schon.“ Hat einer meiner Dozenten ganz am Anfang meiner Ausbildung zu mir gesagt.

„spine guitar“ ;D, Foto: Sati

Ich habe schon so manches Wunder erlebt durch Heilmethoden, die mir mehr als suspekt waren und habe hundertfach belegte und in den heiligen Stein der Therapierichtlinien gemeißelte Verfahren kläglichst versagen gesehen. Als Therapeutin ist es mir ein besonderes Anliegen stets so synergistisch wie möglich zu arbeiten – letztlich ist das genau das was Osteopathie zum Ziel hat – und dabei ist es für mich unerheblich, ob meine Patienten vorher beim Orthopäden oder beim Schamanen war. Ich sehe es als meine Aufgabe an sinnvolle Verknüpfungen zum Wohle des Patienten herzustellen. Dabei geht es mir zum einen um faire Kollegialität zu meinen Mitbehandlern – selbst wenn ich diese niemals persönlich zu Gesicht bekomme – aber noch viel mehr darum meine Patienten nicht zu entmündigen. Denn schließlich war es DEREN Entscheidung zu Heiler A oder Arzt B zu gehen und gleichsam eben zu mir zu kommen und diese Entscheidung ist unter allen Umständen erstmal zu respektieren.

Im nächsten Teil werde ich mich näher mit unterschiedlichen mit den Glaubenssätzen befassen, die in der virtuellen Heilerszene kursieren, sie hinterfragen und ein paar Denkanstöße dazu anbieten.

Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht – Teil II geschrieben von Uwe

Samstag, 09. September 2017

Im ersten Beitrag zu der Behauptung eines Wanderasketen, es reiche „ethisch richtiges“ Verhalten, um als Mensch verwirklicht zu sein, ging es darum, dass der Buddha selbst diese Behauptung mit dem Kleinkind Vergleich wiederlegte.
Sicher, es mag ja in Ordnung sein, in seinem alltäglichen Verhalten so zu agieren. Doch von der „Verwirklichung des Heilsamen“, wie es der Wanderasket beschreibt, ist man dennoch so weit entfernt wie die Sonne vom Pluto.
Und der Buddha beschreibt natürlich, was dazu gehört, um diese Verwirklichung tatsächlich zu erreichen. Doch geschickt wie er ist geht er nicht sogleich auf diese Beschreibung ein.
Er stellt klar, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, dass jemand überhaupt soweit kommt, sich der „üblen“ Handlungen zu enthalten. Und diese Voraussetzungen liegen in einem klaren Nachdenken und Reflektieren.
Hier mal im Wortlaut des vom Buddha dargelegten:

„Aber zunächst einmal sage ich, muß es so verstanden werden:
„Dies sind unheilsame Angewohnheiten“, und so: „Unheilsame Angewohnheiten entspringen in diesem“, und so: „Hier hören unheilsame Angewohnheiten ohne Überbleibsel auf“, und so: „Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von unheilsamen Angewohnheiten“. Und ich sage, es muß so verstanden werden: „Dies sind heilsame Angewohnheiten“, und so: „Heilsame Angewohnheiten entspringen in diesem“, und so: ‚Hier hören heilsame Angewohnheiten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von heilsamen Angewohnheiten‘. Und ich sage, es muß so verstanden werden: ‚Dies sind unheilsame Absichten‘, und so: ‚Unheilsame Absichten entspringen in diesem‘, und so: ‚Hier hören unheilsame Absichten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von unheilsamen Absichten‘. Und ich sage, es muß so verstanden werden: ‚Dies sind heilsame Absichten‘, und so: ‚Heilsame Absichten entspringen in diesem‘, und so: ‚Hier hören heilsame Absichten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von heilsamen Absichten“.

Unheilsame Angewohnheiten, so erläutert der Buddha sind Handlungen und Lebensweisen, die im allgemeinen Sprachgebrauch und im ethischen Empfinden eindeutig unheilsam zu definieren sind.
Im Umkehrschluss ist es mit den heilsamen Angewohnheiten genauso. Sie sind eindeutig als heilsam zu definieren.
Interessant ist, woher sie nach des Buddhas Worten kommen:

„Und wo entspringen diese unheilsamen Angewohnheiten? Sie entspringen im Geist. In welchem Geist? Obwohl der Geist vielfältig ist, verschiedenartig und mit unterschiedlichen Aspekten, gibt es Geist, der von Begierde beeinflußt ist, von Haß und von Verblendung. Unheilsame Angewohnheiten entspringen in diesem.“

Womit wir die drei grundlegenden „Geistesgifte“ haben. Dieselbe Erläuterung gilt für die heilsamen Angewohnheiten, die ihren Ursprung in einem Geist haben, der nicht von Begierde, Haß und Verblendung beeinflusst ist.
Dass man die unheilsamen Teile ablegen sollte ist selbstverständlich. Dies geschieht durch Vermeidung solcher möglichen und der Verminderung entstandener.
Nun empfiehlt der Buddha allerdings auch noch ein vollständiges Aufhören der heilsamen Angewohnheiten.

„Ihr Aufhören ist dargelegt: da ist einer sittsam, aber er identifiziert sich nicht mit seiner Sittlichkeit, und er versteht jene Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, in der jene heilsamen Angewohnheiten ohne Überbleibsel aufhören, der Wirklichkeit entsprechend.“

Interessant, nicht? Das besagt nicht mehr und nicht weniger, dass heilsames Tun als Selbstzweck keinen Nutzen hat. Denn es führt nicht zur Befreiung aus dem Kreislauf der Existenzen im trügerischen Anschein.
Genauso gilt dies für „Absichten“, die der Buddha ebenfalls klar definiert.

„Was sind unheilsame Absichten? Es sind die Absicht der Sinnesgier, die Absicht des Übelwollens und die Absicht der Grausamkeit. Diese werden unheilsame Absichten genannt.“

Sie entspringen, so beschreibt es der Buddha, der Wahrnehmung. Ebenso die heilsamen Absichten, die geprägt sind durch die Abwesenheit von Sinnesgier, Übelwollen und Grausamkeit.
Und auch diese, müssen überwunden werden. Sowohl die unheilsamen Absichten als auch die heilsamen. Die unheilsamen werden wie folgt überwunden:

„Da tritt einer ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind.“

Interessanterweise gibt es ja auch noch die heilsamen Absichten.
Die allerdings ebenfalls überwunden werden müssen.
Und dies geschieht durch die so genannte zweite Vertiefungsstufe.
Wird fortgesetzt mit dem Weg, der zum Aufhören von Angewohnheiten und Absichten führt.


Vielleicht nützlich

Verschwurbeltes Denken = Spiritualität!?

Samstag, 02. September 2017

Ich bin ja vielfach als Pessimist verschrien und aus der „Licht und Liebe“ Ecke heraus betrachtet, mag das durchaus auch seine Berechtigung haben. Viele Dinge ertrage ich einfach nur mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie …

Als Hexe bewege ich mich (für mich völlig natürlich und unausweichlich) seit gut dreissig Jahren auch in der Anderswelt. Genauso wie ich mich in der materiellen Welt als Körperarbeiter mit den knochentrockenen materiellen Gegebenheiten auseinander setzen muss und auch will! Diese Mischung hat sich nicht zufällig ergeben, sondern quasi der Not gehorchend.

Verschwurbel, verschwurbel, … verschwurbel

Durch die Beschäftigung mit spirituellen Themen, schaut es für mich so aus, als ob eine der ersten Konsequenzen wäre, zu verschwurbeln … sich selber und alles rundherum. „Verschwurbelt“ ist für mich, wenn jemand an jeder Ecke, auf Schritt und Tritt, den ganzen Tag, einen Geist, einen Verstorbenen nach dem anderen trifft, die natürlich alle etwas von ihm wollen.

http://www.entities-r-us.com/tag/ouija-board/

Oder auspendeln zu müssen ob der Wocheneinkauf heute oder doch besser morgen zu erledigen wäre, es zum Abendessen Suppe oder Toast geben sollte und die Oma heute noch angerufen werden muss oder es morgen auch noch reicht. Als verschwurbelt sehe ich aber auch an, in einer Badewanne „heiliges Wasser“ zu fabrizieren und dann noch selber zu glauben, dass das magische Kräfte hätte – was dem einen oder anderen vielleicht aus den 80ern bekannt vorkommen dürfte …

Athrumwasser zubereitet von Uriella

In Worte, ohne meine übliche Bildersprache, gefasst: wenn jemand in einer Phantasiewelt unterwegs ist, die sich durch die (allgemein wahrnehmbare) Realität nur unter heftigsten Verrenkungen bestätigen lässt, das bezeichne ich dann als „verschwurbelt“.

Damit ist auch klar, dass ich der Ansicht bin, dass jeder (egal jetzt ob spirituell aktiv oder nicht) Phasen von Verschwurbelung haben kann und es wohl kaum jemanden gibt, der das nicht schon hatte. Problematisch wird es erst dann, wenn diese Phantasiewelt , wie immer sie auch aussehen mag, die Oberhand über die Realität bekommt und auch behält.
Für mich macht das aber keinen Unterschied, ob jemand eine Fettphobie entwickelt (tatsächlich aber anorektisch ist) oder jemand meint von Ufo-Strahlen gesteuert zu werden (sich in der Arbeit nicht konzentrieren kann) oder ob jemand das neue Gedankenkonstrukt für die ganze Menschheit in der Tasche hat (real aber Unzusammenhängedes, Unverständliches von sich gibt). Da hätten wir sie dann die Phantasiewelten.

Ein – wohl schon etlichen von uns geläufiges Beispiel: in Lokalen trifft mensch hie und da auch Leute, die nach reichlichem Alkoholgenuss die Lösung für die Probleme der Welt gefunden haben und die auch in Diskussionen schärfstens verteidigen. Genau diese Gespräche auf Sprachmemo aufgenommen bringen dann den wieder Nüchternen schier zum Verzweifeln, welchen Schmarrn er da verzapft hat. Während der Diskussion im Rausch hätte er sich aber für seine Ideen steinigen lassen … Manche brauchen dafür keinen Alkohol!


Wie meine Oma immer sagte …

„ a bissl deppat san ma alle – aber irgendwo is a Grenz“.

Für mich ist die Grenze erstens dort erreicht, wo ein sinnvolles Miteinander nicht mehr möglich ist … sofern das überhaupt möglich ist,  vorausgesetzt! Und zweitens dort, wo ich von außen (auch wenn es mich nicht betrifft!) Massen an Inkongruenzen entdecken kann aber versucht wird der Umwelt die eigene Denke als einzig wahre Lebensweise aufs Auge zu drücken. Wer in seinem Schwurbel glücklich ist und anderen damit nicht auf die Nerven fällt, dessen gutes Recht ist es auch, weiter in diesem Schwurbel zu leben.
Zwei wunderschöne Beispiele aus der täglichen Praxis kann ich dem werten Leser auch vor Augen führen.

Der Anlassfall, der mich überhaupt zu diesem DrachenSabber angestiftet hat, mit Genehmigung des Autors.

„kennt ihr einen guten heizungsinstallateur?“
die antworten:
-„ich kenne jemanden, der hat schon mal mit einem telefoniert.“
-„im nachbarort soll einer wohnen.“
-„nein, kenne ich nicht will ich nicht, sollen mich am arsch lecken.“
-„das sind die mit der latzhose….und mit werkzeugkoffer. nein, keine ahnung.“
-„ich hab schon mal einen gesehen. echt jetzt. der hat so ausgeschaut.
wird dann wohl ein heizungsinstallateur gewesen sein.“
-„ich hab ein buch gelesen darüber, ich kann das selber.“
-„ich glaube, es gibt auch frauen, die installateure sind.“
-„ich hab damit nichts zu tun. warum auch. ich heize mit strom.“

ersetze „heizungsinstallateur“ mit einem beliebigen esobegriff.
hurra.

Ein täglich in den Gruppen/Foren/Diskussionslisten stattfindendes Frage- und Antwortspiel. Mit leider meistens genau diesem Ergebnis. Nur dass das Ergebnis im Bezug auf „Installateur“ seine Skurrilität wohl mehr als deutlich macht, wenn es um Schamanen/Hexen/Priester/Druiden geht, scheint das irgendwie aber den wenigsten aufzufallen.

Warum ist das so?

Wenn spiritueller Outcome genauso merk- und messbar wäre, wie der reale Outcome eines Installateurs, dann wäre das wohl nicht so! Ob die Leitung dicht is, das Klo wieder spült und die Rechnung bezahlbar ist, bzw. der Fachmann, ned nur überhaupt sondern sogar pünktlich, aufgetaucht ist, das zeigt einem die Realität. Zugegeben früher oder später, weil manch Hoppala sich erst nach Tagen oder Monaten wirklich bemerkbar macht – den tropfenden Heizkörper merkt mensch halt erst dann, wenn der Radiator wieder aufgedreht wird. Dann aber ganz sicher und die Heizung selber hat auch noch was davon.
Auf spirituellem Gebiet fängt das Jammer meist damit schon an, dass sich kaum einer sicher ist, was denn nun überhaupt gefragt/gwünscht ist. Sollte es davon eine Idee geben, dann gibt es aber meist keinen Plan für eine Erfolgskontrolle. Woher will ich den wissen, ob mich das, was ich da tu, glücklicher gemacht hat. Woran mach ich das fest? Keine Idee – blöd! Beim tropfenden Rohr steht mensch irgendwann in der Lacke …

Ah, ok! Wenn ich unglücklich bin, dann hat das mit der Spiritualität halt nicht funktioniert? Leider ist das auch nicht so einfach. Wenn der Installateur einen Rohrbruch in der Wand beseitigt, dann schaut das zu Beginn auch eher nach Bombenangriff aus – solang er eben noch nicht fertig ist. Wann aber ist Spiritualität fertig?

Wann ist das Leben fertig?

 

Leben copyright XVII

 

Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht – Teil I geschrieben von Uwe

Samstag, 26. August 2017

Im Majjhima Nikaya 78 gibt es folgende hübsche Geschichte:

Der Zimmermann Pancakanga ging einst zum Wanderasketen Uggahamana. Er wollte wissen, wie er einen „Verwirklichten“ definiert. Der Wanderasket gab ihm folgende Antwort:

„Zimmermann, wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…) als einen, der das Höchste erlangt hat, als einen unbesiegbaren Mönch. Was sind die vier?

Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht (…), als einen unbesiegbaren

Klar, sagen wir im ersten Überschwang. So ist es, genau so ist es.
Zumindest so genannte säkulare Buddhisten würden dem zustimmen und sagen, oh ja, genau so reicht es aus, um ein „buddhistisches“ Leben zu führen. Niemandem schaden und ethisch ordentlich handeln.

Nun, der Zimmermann Pancakanga ist offensichtlich, genau wie der etwas informierte „Buddhist“ nicht überzeugt und begibt sich zum Buddha und schildert diesem das vom Wanderasketen Uggahamana dargelegte.

Der Buddha antwortet direkt:

„Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, nach der Behauptung des Wanderasketen Uggāhamāna verwirklicht (…), ein unbesiegbarer Mönch.“

Logisch nicht? Der Buddha hat genau die Schwachstelle aufgedeckt, und argumentiert im Folgenden auch mit scharfer glasklarer Logik, die des Wanderasketen Behauptung zerschießt wie ein Artilleriegeschoss einen VW Golf.

„Denn ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Körper“, also wie könnte es da eine üble Handlung über bloßes Strampeln hinaus begehen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Sprache“, also wie könnte es da üble Rede über bloßes Jammern hinaus führen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Absicht“, also wie könnte es da üble Absichten über bloßes Schmollen hinaus haben? Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Lebensunterhalt“, also wie könnte es sich da seinen Lebensunterhalt durch üble Lebensweise über bloßes Gestillt werden an der Mutterbrust hinaus verdienen?
Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, (…) ein unbesiegbarer Mönch.“

Der Buddha wird noch deutlicher.
Er führt die Behauptung des Wanderasketen nicht nur ad absurdum.
Sondern stellt diese auch noch ausdrücklich als falsch dar. Das ist beeindruckend, denn manche Leute denken ja, der Buddha wäre „tolerant“ gewesen.
Was er jedoch ganz und gar nicht war, wenn es darum ging, klare Kante zu zeigen und nicht nur irgendwelche wohlgefällige Worthülsen wie die des Wanderasketen unter sich zu lassen. Sondern das Gesagte auch mit Leben zu füllen.

„Wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, Zimmermann, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…), der das Höchste erlangt hat, oder als einen unbesiegbaren Mönch, sondern als einen, der zur gleichen Kategorie gehört, wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt. Was sind die vier?
Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht (…), sondern als einen (…) wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt.“

Dass der Buddha natürlich eine „richtige“ Darlegung hat, was einen Mann (eine Frau) zu einem verwirklichten Menschen macht, kann man sich denken.
Dass er eben seine Behauptung auch mit „Leben“ füllen kann, wie ein solches verwirklichtes Sein auch erlangt werden kann.
Das werde ich ausführlich im nächsten Beitrag erörtern.
Denn das ist ja, wie man sich denken kann, nicht in ein paar Sätzen zu erläutern.

Vielleicht nützlich

Ende Teil I