Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Yin und Yang – Teil II, geschrieben von Sacriba

Samstag, 24. März 2018

Was sind Fraktale?

Dieser Artikel mag auf den ersten Blick nicht zur Artikelreihe passen. Inwiefern das Thema für Yin und Yang relevant ist, werde ich erklären.

Das Konzept über Fraktale, die Fraktaltheorie, wurde von Benoît Mandelbrot entwickelt und 1975 publiziert. Mittlerweile wird es als die größte Weiterentwicklung der Mathematik seit dem 18. Jahrhundert angesehen. In seiner Grundidee besagt es, dass alle von selbst wachsenden Strukturen (direkt: wie Lebewesen, indirekt: wie Sterne) sich selbst ähnliche Strukturen bilden. Eine solche Struktur wird dann ein Fraktal, oder mehrere Fraktale, genannt.

Beispiele:
Ein Baum besteht erst einmal aus Wurzeln. Dann wächst ein Stamm, von dem Äste wegstehen, die wiederum Zweige entwickeln. Das Netzwerk aus Wurzeln sieht dem Netzwerk aus Ästen ähnlich, und wie die Äste vom Stamm wegwachsen, sieht ähnlich aus wie die Zweige, die von den Ästen wegwachsen, usw. Die Wurzeln sind ein Fraktal von den Ästen, und die Äste sind fraktal zu den Zweigen. Die Reihenfolge ist allerdings nicht wichtig, sondern nur die Ähnlichkeit: So sind auch die Wurzeln fraktal zu den Zweigen, usw.

Die korrekte Formulierung ist dabei entweder “ist ein Fraktal von” oder “ist fraktal zu”, mit der gleichen Bedeutung.

Eine häufige Anwendung erfahren die Gleichungen der Fraktaltheorie in Computerspielen mit hohem Anspruch an lebensechte Grafik, um genau über solche Ähnlichkeiten Lebewesen realitätsnah zu animieren.

Aber nicht nur physische, sondern auch psychische Strukturen (wie Ideen und Konzepte) wachsen selbst – und bestehen daher aus Fraktalen, welcher wieder neue Fraktale ausbilden können. Diese beiden Fraktalmöglichkeiten beeinflussen sich sogar gegenseitig – und so kommen Konzepte wie Yin und Yang in der Evolution physisch und psychisch an immer wieder neuen Orten vor.

Wie bereits gesagt, ist die Reihenfolge zur Bestimmung von Fraktalen irrelevant. Allerdings kann es hilfreich sein, die jeweils älteste Form eines Fraktals zu kennen, da sich so andere Fraktale, die sich aus diesem entwickelt haben, leichter identifizieren lassen. Bei Yin und Yang ist das älteste (bekannte) Fraktal die Aufgabenteilung bei der sexuellen Fortpflanzung. Um weitere Fraktale zu finden, macht es daher Sinn, die Evolution der Sexualität zu durchforsten.

 

Sex ist mehr als nur Fortpflanzung

 Evolution funktioniert nach dem Faulheitsprinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Klar, denn ein Lebewesen, das unnötigerweise Energie verbraucht, wird die nächste Verknappung an Ressourcen schwerer überleben. Daher muss jeder hohe Energieaufwand durch einen entsprechenden Nutzen gerechtfertigt sein, denn sonst bleibt der Spezies nur, das “teure” Merkmal rechtzeitig wieder zurückzubilden – oder auszusterben. Eine interessante Folge daraus ist, dass Vorgänge mit einem hohen Energieverbrauch, die bereits einen Nutzen haben, sich oftmals so weiterentwickeln, dass sie noch mehr Vorteile bringen.

Genau das ist mit der sexuellen Fortpflanzung passiert, die verglichen mit der asexuellen Fortpflanzung einen höheren Energieaufwand benötigt. In allen genügend komplexen Lebewesen haben sich Belohnungsmechanismen entwickelt, die sich einschalten, sobald dasjenige Lebewesen eine Handlung setzt, die förderlich für das eigene Überleben ist. Handlungen, die zwar das Überleben fördern, aber gleichzeitig einen hohen Energieaufwand und damit ein gewisses Risiko beinhalten, haben besonders starke Belohnungsmechanismen. Die Belohnung für Sex ist die sexuelle Lust und die anschließende Befriedigung. Beim Menschen und einigen anderen besonders intelligenten Tierarten hat genau dieser Belohnungsmechanismus beim Sex einen weiteren Nutzen bekommen: Zusätzlich zum Sex für Fortpflanzung haben diese Lebensformen eine weitere Form von Sex entwickelt, deren Ziel nicht mehr die Schaffung von Nachkommen ist – nämlich Sex zum Spaß. Bisher ist bekannt, dass große Aras (eine Papageienart), Delfine, Elefanten, einige Menschenaffen wie Schimpansen und Bonobos, sowie Menschen selbst das Konzept von Sex zum Spaß kennen.

Alle diese Lebensformen haben gemeinsam, dass sie eine gewisse Mindestintelligenz haben und in sozialen Gruppen zusammenleben. Sex ist eine lustvolle Handlung, die ein Mitglied der Gruppe mit den anderen Mitgliedern teilen kann. Wenn Individuen der Gruppe nun miteinander lustvollen Sex haben, stärkt das den sozialen Zusammenhalt: Schließlich werde ich einem Gegenüber, das mir Lust bereitet, und mir positive Erfahrungen verschafft, eher helfen, wenn es in einer Notlage ist, als einem anderen Gegenüber, das mir mögliche lustvolle Erlebnisse vermiest, oder mir sogar mein Fressen und andere Ressourcen wegnimmt. Sex zum Spaß erhöht so die Bereitschaft der Gruppenmitglieder, sich gegenseitig zu helfen, also Solidarität zu zeigen, und macht damit die gesamte Spezies überlebensfähiger.

Wenn du der obigen Beschreibung von Solidarität innerlich zugestimmt hast – Gratulation: Du hast die Fairness einer solchen Situation instinktiv verstanden. Das bedeutet, dass du ein unbewusstes evolutionäres Erbe (nämlich das Verständnis von und das Bedürfnis nach Solidarität) im Bewusstsein hast. Während alle Menschen dieses Erbe in ihren Gehirnwindungen mit sich herumtragen, schlummert es bei der Mehrheit unbewusst und ungenutzt vor sich hin, weswegen sich die meisten erwachsenen Menschen immer wieder in Lebenssituationen wiederfinden, in denen sie entweder ausgebeutet werden oder selbst ausbeuten – also eben keine Solidarität erfahren oder zeigen.

Ende Teil II

 

 

Scheibenschlagen – ein schamanisches Ritual? geschrieben von Karin

Samstag, 24. März 2018

Dieses Mal geht es nicht direkt um die Kräuter, sondern um eine uralte Tradition, die die Vegetationskräfte in der Natur weckt. An diesem Sonntag ist es nämlich wieder soweit: Im Vinschgau ist wieder  Scheibenschlagsonntag. Dieser Brauch hat mich vom ersten Moment an, vor nun rund 27 Jahren, seit ich im Vinschgau lebe, auf einer tiefen Ebene berührt. Er strahlt so eine Kraft und Magie aus, wie ich es noch nie vorher in meinem damaligen jungen Leben erlebt habe. Und er hat mich nie mehr losgelassen.

Scheibenschlagen in Mals Unterdorf, vor der gigantischen Bergkulisse
Foto&Bearbeitung Martin Ruepp

Ich muss vielleicht noch vorausschicken, dass ich mich nicht nur tief mit den Pflanzen und deren Heilkraft verbunden fühle, sondern auch mit den uralten Traditionen. Es mag ihr Sinn und Zweck vergessen geworden sein, aber ihr Geist umweht uns heute noch.
Meine Zugänge zur Wissenserfahrung sind einmal wissenschaftlicher Natur und ein andermal durch meinen Zugang zur Anderswelt. Diese Ebene, die untrennbar mit der alltäglichen Wirklichkeit verbunden ist, und die auf ihr Einfluss nimmt sowie umgekehrt.
Früher wusste man noch, dass solche mächtigen Rituale die Brücken sind, durch die Kraft und Energie von der Anderswelt in die materielle Welt manifestiert werden konnte. So auch das Scheibenschlagen. Wie bei jedem Wechsel und Übergang macht es einen Unterschied, ob man es gehen lässt, wie es halt geht, oder ob man die Veränderungskraft lenkt und leitet. Am besten geht die Lenkung durch ein Ritual mithilfe der Kräfte aus der feinstofflichen Ebene. Und solch ein Ritual ist das Scheibenschlagen; eigentlich sind es ja zwei getrennte Rituale, die zusammen praktiziert werden. Aber dazu später mehr.

Brennende Hex beim Scheibenschlagen in Schluderns

Bild und Copyright: Sybille Tröger

Hier an dieser Stelle möchte ich euch an meiner Sicht von der Seelenebeneaus teilhaben lassen.  Die wissenschaftliche Sicht auf diesen Brauch ist schließlich schon öfter beschrieben worden.
Die Bräuche unterscheiden sich in ihrer Ausführung und in ihrem Aussehen von Ort zu Ort sehr. Wie so üblich, wächst jedes Ritual mit den Menschen, die es ausführen, und dem jeweiligen Geist des Ortes zu einer individuellen und für hier stimmigen Handlung.

Dieser Brauch wurde Gott sei Dank nie standardisiert, denn das würde seine Lebendigkeit einschränken und ihm damit einen grossen Teil der Kraft berauben. Hinter all den Unterschieden geht es um Folgendes:

Wenn die Larmstange oder die Hex aufgestellt wird, geschieht das durch mehrere Männer gleichzeitig. Sie stellen ihre körperliche, aber auch männliche Kraft zur Verfügung, um den Fuß der Hex oder der Larmstange tief in der Erde zu verankern und durch das Aufrichten dieser hohen Gebilde, den Himmel mit der Erde zu verbinden. Die Stange ist mit Stroh umwickelt und wird zu einem vorgegebenen Zeitpunkt, meist zu  Beginn der Dämmerung, angezündet. Danach wird ein anderes grosses Feuer entfacht, in dem die Scheiben (Holzscheiben in verschiedenen Formen) an Haselnussgerten zum Glühen gebracht werden. Diese werden für sich selbst oder für jemand anderem mit einem Spruch, der auch von Ort zu Ort variert, ins Tal geschleudert. Das sind die zwei Rituale in einem, die ich vorher schon angedeutet habe.

Im Folgenden erzähle ich euch die Sicht auf diese zwei Rituale, die ich in der Anderswelt erhalten habe. Damit erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da hinter Allem mehrere Ebenen und Bilder stehen.

Seelenreise zum Brauch des Scheibenschlagens im mittleren und oberen Vinschgau:

Brennende Hex

Scheibenschlagen in Schluderns, Foto und Coppyright: Sybille Tröger

Ich sehe die Hex, die mit ihrem Fuß, ihrer Basis, in der Erde verankert ist. Dahinter steht der große Weise und entzündet sie. Die Hex brennt und in diesem Moment wird ihre Kraft frei. „Die Kraft der großen Mutter“, höre ich.
Ich sehe im Tal die weißen Lebensgeister erwachen, jedoch  nicht vollständig. Sie sind irgendwie statisch, wie blockiert. Trotzdem ist das ganze Tal erfüllt von ihnen. Wie die Spitzen von weißen Eiern, die aus der Erde lugen, bereit zu schlüpfen…

Das Bild wechselt: Neben dem großen Weisen stehend, sehe ich, wie hinter dem Fuß der Hex eine Treppe hinunter in die Erde führt. Ich steige hinab und es taucht ein Bild, gleichsam einer Erinnerung, von früher auf, das eine Höhle mit einem orangen, warmen Licht zeigt. Mich durchflutet ein warmes Gefühl. In der Höhle zeigt sich eine weibliche, mütterliche Gestalt. Aber so wie ich das Bild erfasst habe, ist es auch schon wieder weg. Zurückbleibt ein Hohlraum, kalt, leer und dunkel.
Dann kommt die Botschaft:
Wenn die Männer mit dem Aufrichten der Hex die Absicht haben, den Himmel mit der Erde zu verbinden, sie zum einen durch ihre Basis mit der Mutter Erde zu verbinden, ihre lebensspendende Kraft nach unten auszurichten, zum anderen die aufragende Spitze der Hex nach oben mit der Kraft des Göttlichen, des Schöpfers zusammen bringen, dann entseht eine grosse Kraftsäule, die durch das Entzünden eine gigantische Lebenskraft freisetzt.
Diese Kraft kann jetzt vollständiger fliessen und dem Land zur Gänze, nach der Winterruhe, zur Verfügung stehen. Es ist die Kraft des Aufbruchs, der Veränderung und der Fruchtbarkeit. Es gibt dabei aber noch einen wesentlichen Aspekt, der nicht vergessen werden darf – die Kraft der Frauen.
Während die Männer ihre körperliche Kraft zur Verfügung stellen, damit das gigantische Kreuz oder die Stange, je nach Dorf, aufgerichtet werden kann, geben die Frauen auf ihrer Weise noch ihre Kraft dazu. Mit Singen, Jubeln, Tanzen, Klatschen, Stampfen, Beten, in Gedanken oder auf einer anderen ihnen entsprechenden Weise. Dadurch, dass sie es sich ebenfalls bewusst machen, dass sich jetzt das Weibliche mit dem Männlichen verbindet, ist nun der ewige Kreislauf geschlossen… Himmel und Erde, Mann und Frau erreichen eine Kraft, mit der Alles möglich ist; Fruchtbarkeit…. Neues entsteht.

Scheibenschlagen im Vinschgau

Scheibenschlagen in Kortsch, oberhalb der Ägidiuskirche. Fotografie, Gestaltung und Copyright Martin Ruepp

Anschließend wird mir noch gezeigt, wie sich das Ritual in der Feinstofflichkeit durch das veränderte Bewusstsein auf das Land auswirkt:

Ich sehe, wie in der vorbereiteten Öffnung, in die die Stange verankert worden ist, ein Ei liegt (als Symbol? als Opfer? … Ich weiss es nicht). Die Männer richten die gigantische Stange mit dem Kreuz und der doppelten Drachenform auf. Die Frauen stehen dabei und geben ihre Kraft durch das Anfeuern, Jubeln, Tanzen und Klatschen dazu. In dem Moment, in dem sie vollständig in der Erde verankert ist, aufrecht in den Himmel ragt,  sehe ich wie sich das orange, warme Licht über die ganze Hexe verteilt. Von oben hingegen ergiesst sich gleissendes helles Licht über die strohumwickelten Holzstangen. Es sieht aus wie elektrisch geladen und verteilt sich vollständig um die Hex.

Scheibenschlagen in Kortsch, oberhalb der Ägidiuskirche

Fotografie & Bearbeitung & Coppyright, Martin Ruepp

Beim Entzünden des Strohs verströmen diese vereinten Kräfte über das ganze Tal.
Jetzt kommt Bewegung in die vorher schon gesehenen Lebensgeister, sie wirbeln über das Land und nehmen dunkle Schatten auf, verbrauchte Reste des vergangenen Jahres, die es nicht mehr braucht. Sie verwirbeln sie, sodass nichts anderes mehr zurückbleibt als lichte Energie. Hell wird’s im Tal. Bis in den letzten Winkel geht der Tanz der weißen Gestalten und verwirbelt die Schatten.
Die Natur macht sich bereit, die Kräfte des Wachstums sind geweckt.
Was ist mit dem Scheibenschlagen selbst, von dem der Brauch seinen Namen hat ?

Schwingen der glühenden Scheiben

Foto & Copyright
Sybille Tröger

Ich sehe das Bild, wie eine Person die Holzscheiben ins Feuer hält und auf den richtigen Moment wartet. Dann nimmt sie die glühende Scheibe am Haselnussstock, und schwingt sie. Wieder wartet die Person den richtigen Moment ab, um dann die glühende Scheibe ins Tal zu schleudern.  Bei diesem Bild erhalte ich folgende Erklärung: Der Vorgang des Scheibenschlagens erfordert Geduld, um den richtigen Moment abzuwarten, den Willen sowie eine große Entschiedenheit und schlussendlich wohldosierte Kraft. Dies alles für ein Ziel: Die Scheibe so weit als möglich in die Welt hinaus zu schicken. Diese Fähigkeiten werden bei der ausführenden Person geweckt: Geduld, Wille, Fokusiertheit und Tatkraft. Der Person, der die Scheibe geweiht ist, bekommt auch diese geweckten Kräfte zu spüren, besonders, wenn der, oder die Schlagende vollständig in diesen Vorgang aufgeht.

Birkenscheiben für ein Feuerritual im Vinschgau

Fotografie & Bearbeitung & Copyright Martin Ruepp

Und leise höre ich :
Die Hex ist für’s Land, das Schlagen der Scheibe für den Mensch!

Wenn man auf ganz alten Pfaden wandelt – Teil I geschrieben von Christian

Samstag, 17. März 2018

In einer Druiden-Facebookgruppe hat kürzlich jemand etwas über ihre Liebe zu Landkarten und ihre damit verbundene spirituelle Beziehung zu diesen zweidimensionalen Darstellungen unseres Landes und seiner Topographie gepostet. Ihr Beitrag erinnerte mich daran, dass ich schon lange eine Erfahrung teilen wollte, die ich vor ein paar Jahren in meiner österreichischen Heimatstadt gemacht habe. Wie diese Erfahrung mit Landkarten zusammenhängt mag nicht sofort klar sein, ich verspreche aber, dass das noch kommt.

 

Das Gasthaus zum Reichsapfel, jedenfalls einen Besuch wert wenn man Baden bei Wien verweilt

 

Es war an einem angenehm lauen Sommerabend, nicht zu heiß aber gerade einmal warm genug um lange im Vorgarten meines Lieblingswirtshauses zu sitzen und ein paar Bier mit meinen Geschwistern und Freunden, zu denen die Wirtin zählt, zu trinken, als dann noch später der Schwager derselben zu unserer illustren Runde hinzustieß. Irgendwann ließ Rudolf, wie der Schwager heißt, dann so nebenbei fallen, dass er, immerhin damals Kurator des örtlichen Heimatmuseums, gerade ein paar bronzezeitliche Kupferbarren in Diskusform untersucht hat, die im Tal westlich der Stadt in einem Stück Land, dass von einem antiken Wall umgeben ist, gefunden worden waren.

 

Kupferbarren (Fundort Cholerakapelle)

 

Natürlich war meine Neugierde sofort geweckt. Es war zu früh, als dass Rudolf Details über den Fund herausgeben konnte, klar war aber auf jeden Fall schon, dass die Fundgegenstände aus Vor- wenn nicht Protokeltischer Zeit stammten. Ein paar der Tonscherben, die dort ebenfalls entdeckt wurden, zeigten Muster aus der frühen Hallstattzeit. Was für mich noch wichtiger war: ich fand heraus wo dieser Wall zu finden war.

Grün gekennzeichnetes Gebiet: „Regnum Noricum“, Teil des “ Gallia Transalpina“, besiedelt von den „Norii“. Wir finden Juvavum (Salzburg) dort, und Hallstatt. Im sandfarbenen Gebiet: Meine Geburtsstadt Baden (Aquae); Vindobona (Wien) und die römische Garnisonsstadt Carnuntum, alle im Stammesbereich der Boii. Die Grenze im Norden wird vom Verlauf der Donau angegeben,im südwestlichen Eckpunkt die nördliche Adria, wo sich heute Triest befindet.

Nein, hier geht es nach wie vor nicht um heilige Landkarten, auch wenn mein Bruder und ich eine benutzten um zu der besagten Stelle zu kommen. Auf einer modernen Karte findet man die Bastion in der als „Burgstall“ bezeichneten Flur unmittelbar nördlich der Cholerakapelle im Helenental, westlich der Stadt Baden bei Wien in Österreich.

Baden, das in vieler Hinsicht dem englischen Bath ähnlich ist – unter anderem darin, dass dort seit spätestens der Antike heiße Quellen aufgesucht wurden – war den Römern unter „Aquae Pannoniae“ bekannt. Diese Eindringlinge aus dem Süden wurden von dem warmen Schwefelwasser angezogen, weil sich die Kombination von Hitze und Schwefel als exzellentes Heilmittel gegen Rheumatismus herausstellte, einer Krankheit an der viele der an die trockene Hitze gewöhnten Römer in diesem nasskalten Außenposten ihres Reiches litten. Vor allem die Offiziere, die Zenturionen der in Carnuntum stationierten Legion, sollen die heißen Quellen frequentiert haben. Die Römer ließen übrigens auch ein Geschenk für uns Badener zurück: den Weinbau. Seit dieser Besatzung (es folgten über die Jahrhunderte hinweg noch weitere solche) war meine Heimatstadt von Weingärten umgeben.

Das Gebiet war allerdings schon lange vor den Römern besiedelt, unter anderem von dem Keltenstamm der Boier, und auch sie haben sich schon an den heißen Schwefelquellen ergötzt. Weniger am damit verbundenen Gestank, würde ich jedoch meinen. Wir wissen, dass der Schwefelduft schon früh ein Thema war. Immerhin geht der Name des Flusses, der durch meine Heimatstatt fließt, Schwechat, auf das alte deutsches Wort „swechan“ – riechen, stinken – zurück. Außerdem veranlasste der üble Geruch, oder ein schlechtes Gehör, einen frühen Kartenzeichner dazu, das den Fluss darstellende blaue Band auf seiner Karte mit dem Ausdruck „Schwöfat“, also schwefelig, zu versehen. Der Fluss wird in den Ausführungen über heilige Landkarten auch noch einmal eine Rolle spielen.

Ende Teil I

Yin und Yang – Teil I, geschrieben von Sacriba

Samstag, 03. März 2018

Was ist das?

Yin und Yang ist ein Konzept aus dem Taoismus, einer alten spirituellen Strömung, die heute hauptsächlich in China und Japan verbreitet ist. Die traditionelle chinesische Medizin hat dessen Philosophie später teilweise übernommen. Die Grundidee ist, dass in jedem Menschen mehrere Energieströme fließen. Stehen diese im Gleichgewicht zueinander, ist der Mensch körperlich und/oder psychisch gesund. Geraten sie hingegen in ein Ungleichgewicht, wird derjenige Mensch körperlich und/oder psychisch immunschwach oder krank. Dabei gibt es kein allgemeines Gleichgewicht, wie etwa “Gesunde Blutwerte liegen zwischen Zahl 1 und Zahl 2.” in der eurozentrischen/westlichen Medizin. Vielmehr hat jeder Mensch ein individuelles Gleichgewicht, wie ein Fingerabdruck, weswegen der gleiche und gleich starke Energiestrom den einen Menschen gesund, einen weiteren jedoch krank machen kann. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich dieses individuelle Gleichgewicht mit den Lebensumständen des Menschen mitändert. Daher kommt auch die Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen jung hält – denn ein solcher Mensch kann den eigenen Lebensstil immer wieder an die vorhandenen Energieströme anpassen und so körperlich und psychisch gesund bleiben.

Yin und Yang sind zwei dieser Energieströme, die sich gegenseitig so stark beeinflussen, dass sie oft als Begriffspaar genannt werden. Jeder Mensch hat sowohl Yin, als auch Yang in sich, wobei genau das Zusammenspiel der beiden Energieströme alle Bedürfnisse, Wünsche und Verhaltensweisen bezüglich Sex steuert. Als Folge daraus sind Yin und Yang auch bei Themen ausschlaggebend, die Sex beinhalten, also der romantischen Liebe und der Geschlechtsidentität.

Was hat das mit Sex zu tun?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir einen Abstecher in die Geschichte der Evolution:

Die ursprünglichen Lebensformen wie Bakterien, Einzeller und frühe Pflanzen hatten noch keinen Sex. Sie hätten auch keinen haben können, denn das Konzept gab es noch gar nicht. Fortpflanzung funktioniert bei diesen Lebewesen auf eine andere Weise: asexuell, also durch Teilung. Das bedeutet, dass ein Lebewesen zuerst alle Teile von sich kopiert, diese dann zusammenbaut und schließlich als ein weiteres Lebewesen in die Umwelt entlässt. Das Ergebnis sind zwei exakt gleiche Lebewesen, die sich, wenn überhaupt, in nur wenigen Merkmalen unterscheiden – wie eineiige Zwillinge. Der Vorteil dieser Methode ist der relativ geringe Energieaufwand. Der Nachteil ist allerdings groß: Denn fast identische Lebewesen haben alle auch sehr ähnliche bis identische Schwachstellen. Ein Fressfeind, Parasit oder ein Virus kann also eine ganze Spezies über die gleiche Schwachstelle befallen, töten und im äußersten Fall ausrotten.

Um dies zu verhindern, entwickelte sich im Laufe der Evolution die sexuelle Fortpflanzung, also Sex. Spätere Pflanzen, Pilze und Tiere begannen, ihre für die Fortpflanzung benötigten Merkmale innerhalb kompatibler Lebewesen auf zwei Formen aufzuteilen: weiblich und männlich. Die eine Hälfte der Information für ein neues Lebewesen ist in der weiblichen Form gespeichert, die andere Hälfte in der männlichen. Der Vorteil dieser Methode ist ein ganz entscheidender: Wenn beide Hälften der Information getrennt sind und erst später aufeinandertreffen, können sie durchgewürfelt werden, durch einen Prozess namens homologe Rekombination der Chromosomen. Im Wesentlichen ist das so, wie zwei verschiedenfarbige Haufen Sand in einen Kübel zu leeren, und solange umzurühren, bis der Inhalt in etwa gleich durchgemischt aussieht. Heraus kommt jedes Mal ein einzigartiges Lebewesen, mit individuellen Stärken und Schwachstellen. Dadurch müssen Fressfeinde, Parasiten und Viren immer wieder neue Strategien finden, was den angepeilten Lebewesen wiederum Zeit gibt, neue Abwehrmechanismen zu entwickeln, usw. In der gleichen Weise wie bei Fressfeinden haben die jeweiligen Lebensformen außerdem Möglichkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen (wie einem Klimawandel oder einer Naturkatastrophe) anzupassen, und können so besser überleben. Der Nachteil der neuen Fortpflanzungsmethode ist allerdings der höhere Energieaufwand: Da sich die beiden Informationshälften jetzt an getrennten Orten befinden, muss eine die andere finden, und auf dem Weg eventuelle Hindernisse überwinden. Die andere Hälfte wiederum muss das Gegenstück zur richtigen Zeit bereitstellen, die fehlende Hälfte empfangen und dann das gesamte Paket heranreifen lassen, bis daraus ein überlebensfähiges neues Lebewesen entstanden ist.

Diese Aufgabenteilung ist bereits eine Formulierung von Yin und Yang:

  • Yin entspricht der weiblichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) aufnehmende und (in ein Lebewesen) wandelnde Prinzip
  • Yang entspricht der männlichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) gebende und (Leben) anstoßende Prinzip

Ende Teil I

Heiden-TV-Projekt „Swastika“: Einladung an Nazis und völkische Verharmloser, geschrieben von MartinM

Samstag, 24. Februar 2018

Thomas „Voenix“ Vömel ist ein begabter Zeichner und ist als Künstler in „Heidenkreisen“ sehr beliebt. Auch ich schätze viele seiner künstlerischen Arbeiten. Nicht alle, da viele seiner Karikaturen unübersehbar sexistisch sind. Und vieles, was es so schreibt und sagt, kommt mir ausgesprochen esobärmlich vor: Unreflektiert und mitunter naiv bis zur Weltfremdheit. Bei vielen von seinen vermutlich immer gut gemeinten und manchmal auch wirklich guten Aktionen fiel mir ein unschönes „Wir-gegen-die“-Denken auf. Völkische Esoteriker, rassistische Germanenschwärmer, sogar offensichtliche Nazis? „Egal, wir sind doch alle Heiden und müssen doch zusammenhalten!einself!!!! Wir müssen auch anderen Auffassungen gegenüber tolerant sein!!!!“
Dumm nur, dass Toleranz gegenüber Intoleranten eine schlechte Idee ist. Wenn es jemanden gib, auf den der alte Singvøgel-Song „Freundchen“ zutrifft, dann auf Voenix.
Als seinerzeit auf einer u. A. von Voenix organisierten Demonstration gegen das Bonifatius-Denkmal in Fritzlar der zumindest in Heidenkreisen als solcher bekannte „Nazi-Druide“ „„Burgos von Buchonia“ teilnahm, da kamen Zweifel daran auf, ob Voenix nur fahrlässig naiv ist. Oder ob er nicht doch Sympathien für völkische Esoterik und extrem rechte „Weltdeutungen“ hegt.

Nun hat er über sein Projekt „Heiden TV“ angekündigt, dass er die Swastika rehabilitieren will. Eine mehrteilige Video-Reihe zu diesem Thema ist geplant. (Facebook-Link.) Blickfang ist ein lachendes und winkendes gelbes Hakenkreuz.

Das Hakenkreuz ist allerdings zu Recht extrem negativ besetzt. Schließlich wurde unter diesem Symbol millionenfach gemordet. Es steht für eine offen menschenfeindliche Ideologie und eine historisch bespiellose brutale verbrecherische Praxis. Deshalb ist das Hakenkreuz in sämtlichen Formen in Deutschland und Österreich auch als verfassungsfeindliches Symbol verboten. Das fröhliche Hakenkreuzmännchen, das wie das NS-Hakenkreuz auf einer Spitze steht, ist eine Verhöhnung der Opfer des Naziregimes.

Ja, es stimmt, die Swastika hat im Buddhismus und im Hinduismus ganz andere, positive, Bedeutung. Ja, es stimmt auch, sie war vor den Nazis auch in Europa ein weit verbreitetes Symbol. Aber: Um die Swastika, das „Sonnenrad“ rehabilitieren zu können, muss zunächst das Hakenkreuz gebrochen werden! Mit anderen Worten: Der Kampf gegen Nazis und andere Menschenfeinde hat absolute Priorität. Erst wenn es auch die Strukturen, aus denen heraus alte wie neue Nazis agierten und agieren, nicht mehr gibt, kann auch nur daran gedacht werden, das Sonnenrad wieder öffentlich als Symbol zu verwenden. Also, wie es in Europa und Nordamerika gerade aussieht, auf Jahrhunderte hinaus nicht!

Dass seitens Heiden-TV auch eindeutig extrem rechte Kommentare nicht unterbunden wurden, spricht für sich. Angenommen, es ginge der Aktion wirklich darum, die Swastika zu rehabilitieren, vom „Nazidreck“ zu reinigen, dann müssten doch wenigstens die menschenverachtenden „Wir sind doch keine Nazis, aber …“-Sager konsequent ‚rausgeworfen werden.
Es ist schon angesichts der Facebook-Kommentare deutlich zu erkennen, wohin dieser Versuch, die Swastika zu „reinigen“ führt. Wohin wohl jeder Versuch, hier und jetzt dieses Symbol zu rehabilitieren, zwangsläufig führen wird, auch ohne den Kuschelkurs gegenüber Menschenfeinden, der leider für Voenix und seine Anhänger typisch ist. Nämlich zu einer widerwärtigen Relativierung und Verharmlosung der abscheulichsten Verbrechen der deutschen Geschichte. Schöne „Reinigung“, bei der so viel brauner Dreck hochgespült wird!

Es ist auch absehbar, welche Folgen solche Aktionen für uns haben: Es wird noch schwieriger werden, sich als Heide von der braunen Scheiße abzugrenzen. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen verdammt viele Parolen wieder sagbar werden, die jahrzehntelang zurecht tabu waren. In denen de-facto faschistische Parteien in die Parlamente gewählt werden.

Sie signalisieren nämlich, dass alle Abgrenzung einzelner Heiden oder heidnischer Gemeinschaften von extremen Rechten vielleicht nur Lippenbekenntnisse sein könnten. Wir werden, als Heiden, nicht „verfolgt“. Wir werden beargwöhnt. Und zwar in manchen Fällen leider gar nicht mal zu Unrecht.

Nutzen aus solchen Aktionen wie der versuchten „Hakenkreuzreinwaschung“ ziehen einzig und allein die Kackbraunen!