Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Geistestraining – Dharma – Teil II, geschrieben von Enrico

Samstag, 11. November 2017

In den Pfad bringen

Alle quälenden Geisteszustände, alle Ängste und Probleme entstehen aus unseren falschen Auffassungen, fehlerhaften Konzepten, sowie den falschen Wahrnehmungen und deshalb liegt es bei uns, unseren Geist durch die Anwendung der befreienden Information des Dharmas zu zähmen.
Die Wurzelursache für die Lebensqualen ist das Greifen nach einer Identität, da man der falschen Auffassung unterliegt, das Dasein hätte eine inhärente Existenz. Man erkennt nicht die wechselseitige Bedingtheit und somit die Untrennbarkeit von zwischen dem eigenen Geist und den Wahrnehmungs- und Handlungsobjekten, sowie dem eigenen Tun. Diese sind untrennbar. Aber durch ein falsches Selbstverständnis versteht man diese als getrennt. Wenn man jedoch diese Untrennbarkeit erkennt, dann erlangt man eine Freiheit von der Qual, da man in die Handlungskompetenz kommt und versteht, dass man selbst Schöpfer bzw. Schöpferin ist, die niemals verschieden vom Geschaffenen ist.
Nebenbei bemerkt, das ist kein Zurückfallen in einen präspirituellen Zustand, kein Eintauchen in einen Ozean des Daseins (oder des Geistes), was ja manche postulieren. Wäre dem nämlich so, dann hätte die Befreiung und Erleuchtung eines einzigen Wesens genügt, weil diese Erleuchtung dann auf alle anderen automatisch übergesprungen wäre. Untrennbarkeit – Non-Dualität – meint eben genau diese Nichtverschiedenheit von Subjekt, Objekt und Aktion. Dies nennt man im Dharma auch „frei von den drei Kreisen“. Um eben diese falschen Ansichten, die die Wurzel für das Greifen nach inhärenter Existenz sind, zu beseitigen, muss man die wahre Natur der Phänomene und des Geistes verstehen lernen. Andernfalls wird es nicht möglich sein, Freiheit vom beständigen Auf- und Abwogen des Lebens zu erlangen.
Aufgeben – Annehmen
Um zunächst einmal überhaupt günstige Bedingungen zu schaffen, versucht man die Zusammenhänge zwischen Handlungen und ihren Auswirkungen zu verstehen, da jede Erfahrung aufgrund von Ursachen und Bedingungen zustande kommt. Qualvolle, leidbringende Umstände resultieren aus negativen Motivationen und Handlungen und erfreuliche Erfahrungen ergeben sich durch positive Motivationen und Taten. Es ist ratsam, negative Motivationen und Handlungen aufzugeben, da negative Erfahrungen bloß noch ein weiteres Greifen nach inhärenter Existenz nach sich ziehen. Auf diese Weise gelingt kein Entkommen aus diesem Teufelskreis. Doch auch durch das bloße Erleben von erfreulichen Zuständen ergibt sich auch keine Befreiung.

Bedingt und abhängig

Wenn man allerdings auf diese Weise das wechselseitig bedingte Erscheinen versteht, dann fasst man gewiss mehr Vertrauen in die Lehren Buddhas. Der Buddha hat den Dharma gemäß der Verständnisfähigkeiten der fühlenden Wesen gelehrt. Dadurch sieht man, dass die Lehren selbst auf einer wechselseitigen Bedingtheit basieren.
Die Entwicklung des kostbaren Erleuchtungsgeistes ist unabdinglich. Ohne dass man diesen großen, alle Wesen umfassenden Erleuchtungsgeist entwickelt und kultiviert, verbleibt man gerade im einem ruhigen Geisteszustand, der aber noch immer durch ein subtiles Selbstkonzept die Natur des Geistes verhüllt. Man ist bestenfalls frei von störenden Emotionen, habt aber noch immer kognitive Schleier – eben Konzepte.
Zunächst erkennt man, dass alle fühlenden Wesen in den zahllosen Existenzen unsere Mütter und Väter gewesen sind. Dadurch beginnt man das Festhalten an einer inhärenten Identitätsauffassung und das Greifen danach abzulösen. Wir zähmen auf diese Weise den selbstbezogenen Geist.
Solange wir weiterhin selbstbezogen körperlicher Bequemlichkeit nachjagen, schaffen wir nur noch mehr Unsicherheiten und Verlustängste. Entsagen wir dieser Selbstbezogenheit, lassen von ihr los, schaffen wir auf einmal mehr Raum und wir werden zufriedener. Genau da setzt das Geistestraining an.
Wenn man wirklich den Dharma praktizieren will, bleibt einem nichts anderes übrig, als den Stufenpfad und das Geistestraining zu erlernen.
Stufenpfad
Die Trainingsaspekte des Stufenpfades umfassen äußere und innere Bereiche. Auf äußerlicher Ebene reflektiert man zunächst einmal, welche Freiheiten und Bedingungen einem gegenwärtig zur Verfügung stehen. Weiters setzt man sich mit der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit aller Erfahrungen und Erscheinungen auseinander. Man versucht die Unzulänglichkeit aller weltlichen Erfahrungen zu verstehen und schließlich lernt man auch die Zusammenhänge zwischen Motivation, Handlung, Bedingungen und Erfahrungen zu verstehen. Ohne diese Aspekte zu verstehen, bringt der Dharma überhaupt keinen Nutzen, da die Täuschungen, Begehrlichkeiten und Abneigungen weiterhin bestehen bleiben.
Wenn man diese erwähnten Aspekte durchdrungen und verstanden hat, versucht man eine sichere Ausrichtung zu finden. Diese findet man in Buddha, Dharma und Sangha – der höchsten Gemeinschaft. In ihrer Essenz sind diese Drei Juwelen nichts anderes als drei Aspekte unserer Buddha-Natur. Aber das wird erst am Ende des Pfades realisiert. Vorerst kann man es bloß als Theorie aufnehmen.
Das eigentliche Training und die Zähmung des Geistes beginnt jedoch erst beim Entwickeln des wünschenden und tätigen Erleuchtungsgeistes und dem Verstehen des relativen und absoluten Bodhicitta. Dies bietet ein Gegenmittel, die eigenen Täuschungen zu unterwerfen und den Geistesstrom zu wandeln.
Für Details zum Geistestraining mag ich Euch hier nun einfach auf Lojong – Schulung von Herz und Geist verweisen und Euch bitten, lest das zunächst einmal durch und versucht dann, beispielsweise die 37 Bodhisattva-Übungen in den Alltag umzusetzen. Als kleine Hilfestellung findet Ihr bei den 37 Bodhisattva-Übungen am Ende des Posts diese auch zum Ausdrucken und eine kleine Praxisanleitung.
Ende Teil II

Meditation? Um Gottes Willen… Über ein schwieriges Unterfangen – Teil I, geschrieben von Uwe

Samstag, 04. November 2017

Vorsicht, könnte Spuren von Sarkasmus und Ironie beinhalten

Meditation? Ich ertappe mich in den meisten Fällen tatsächlich dabei, dass ich „meditiere“ wenn ich meditiere.
Ja genau, ich tu dann „meditieren“.
Dann sitz´ ich auf einem Kissen rum, hab´ die Beine verschränkt und meditiere.
Dass sieht, so glaube ich, von außen betrachtet fantastisch aus.
Phänomenal.
Manchmal setz´ ich mich vor einen großen Spiegel um mich selbst zu bewundern.
Zumindest wenn andere mich sehen, spüre ich deren bewundernde Blicke auf mir ruhen.
Das macht mich dann erst recht meditierend.
Und dann die Kommentare.
„Oh, du meditierst. Toll. Ja, so die Ruhe weg zu haben, dass muss toll sein“, höre ich dann.
Oder auch „Ich könnt nicht mal zwei Minuten still sitzen. Also, dass du da rumsitzt und so meditierst das finde ich unheimlich gut“.
Und „Ich habe dich vorhin so sitzen sehen und das sah so ruhig und toll aus. Aber ich könnte das nicht, ehrlich, das wäre mir zu schwer. Ich würde nicht mal die Beine so toll hinbekommen“.
Oh Gott, denke ich dann in einem lichten Moment.
Was bin ich für ein Scharlatan.

Überhaupt, wer hat jemals behauptet, Meditation sei leicht? 

Oder dass sie so einfach funktioniert, wie sie beschrieben wird?
Wie viele Leute, so frage ich mich manchmal, meditieren wohl wirklich und reden nicht nur drüber? Oder tun nur so.
Und wenn ja, wie oft „tun“ sie es? Und wie lange?
Keine Ahnung.
Ob es wohl eine Statistik der durchschnittlichen Meditationsdauer bei deutschen Buddhisten gibt?
Eher nicht, aber wahrscheinlich meditieren alle viel mehr als ich.
Aber was ist viel? Was wenig?
Zwanzig Minuten morgens? Oder Abends? Oder vielleicht morgens und abends? Oder vielleicht sogar 30 Minuten? Eine Stunde …
Klar.
Ich Buddhist, meditiere …
Grunz.
Zu Hochform laufe ich auf wenn Leute mich fragen. „Wie ist das mit der Meditation? Wie geht das? Kannst du das mal erklären? Sieht so einfach aus, obwohl das mit dem Sitzen würde ich glaube ich nicht hinkriegen… aber so ein bisschen Ruhe, das wäre schon was Tolles“.
Manche Leute stellen viele Fragen.
Dann sagt man, ja, es ist toll, so ein bisschen Ruhe reinzubekommen.
Nur welche Ruhe?
Manchmal möchte ich dann eigentlich so richtig losbrüllen.
Glaubt bloß nicht, dass es wirklich so einfach ist, die Sache mit der Meditation.

Von wegen „Ruhe“.

Denn irgendwer kommt immer und erzählt irgendeinen Scheiß wie:
„Oh, ich hätte auch gern so einen ruhigen Geist wie du. Ich kann nicht fünf Minuten still sitzen, ständig muss ich an was anderes denken. Irgendwie ist immer was los in meinem Kopf. Wie machst du das nur. Mein Alltag ist da viel zu durcheinander“.
Ha. Das ist es doch.
Warum soll es denn ausgerechnet bei der Übung der „Meditation“ anders sein als im ganz normalen Alltagsleben? Zumindest bei mir?
Die Frage ist doch, fällt es mir im Alltag auf, wenn ich abgelenkt bin durch eine Menge Gedanken? Oder bin ich einfach meist viel zu beschäftigt um das überhaupt zu bemerken?
Warum, Herrgott nochmal, soll also bei der „Meditation“ plötzlich alles anders sein als im „Alltagsleben“? Ich persönlich habe im Leben auch nichts anderes als Alltag. Alle Tage dasselbe. Und meine Meditation ist Alltag.
Ich möchte allen Meditierwilligen und -sehnsüchtigen nur mal auf den Weg mitgeben, wenn euch nach „Ruhe“ ist und ihr es „Schön“ haben wollt, angenehm und friedlich …
… dann ist Kiffen eindeutig besser.

Lasst euch vom Arzt einen Burnout bescheinigen und dann auf Rezept zwei Kilogramm Cannabis. Das ist heute möglich, nur zu.
Und zwar so richtig gutes Gras mit mindestens zehn Prozent THC Gehalt, das stellt fantastisch ruhig.
Dazu noch nen gut gefüllten Kühlschrank um den Heißhunger zu stillen. Dann gibt auch der Bauch endlich Ruhe …
Was auch hilft, um zur Ruhe in den Karton zu kommen ist viel schlafen.
Das hat auch deutlich weniger Nebenwirkungen als das Kiffen.
Autogenes Training kann auch super sein, um Ruhig zu werden.
Was ganz hervorragend ist, ein Schaumbad mit lauschiger Meditationsmusik.
Ich empfehle da Andreas Vollenweiders Harfengepinsel aus den frühen 80-er Jahren, düdeldüdüklimpfklampfklumpf dideldadeldumm, schrummschrummschrumm …
… oder auch gut und modern, Unheilig „Wir sind geboren um zu leben“.
Da kann man sich nämlich gleich ertränken dabei. Wobei zum Ertränken passt dann besser noch Helene Fischers „Atemlos“.
Noch besser ist es, während man so im Schaumbad liegt und Herr Unheilig vor sich hin rülpst oder Frau Fischer keucht den Fön anzumachen und vor sich ins Wasser plumpsen zu lassen.
Dann ist garantiert Ruhe im Kopf, und zwar dauerhaft.
Richtig Ruhe.

RUUUHEEE

Zumindest für dieses Leben.
Ne, also soooo war das nun nicht gemeint, wispern dann einige Tollejünger und säkulare Wellnessbuddhisten.
Ich wollte doch meditie…
Ah, du willst MEDITIEREN.
Na, das ist was anderes. Da geht es darum, was zu erfahren.
Na gut, probieren wir es halt mal aus. Ohne gleich an RUHE zu denken.
Zuerst mal hinhocken, auf ´nen Kissen, mit gekreuzten Beinen.
Wie war das? Sah so schick aus auf den Plakaten der AOK.
Okay, nach einigen Anläufen und Korrekturen bekommst du es tatsächlich hin und dann sitzt du. Auf deinem 20 Zentimeter hohen, mit Haferspelzen gefüllten und obendrauf mit einem OM bedrukten rot-blauen Kissen aus Biobaumwolle aus Bangladesh das du dir extra dafür im Eine-Welt-Laden gekauft hast.
Da hockste dann, okay, du sitzt also, zehn Minuten schon…
… und es klingelt das Telefon.
Verdammt, warum gerade jetzt.
Die letzten fünf Stunden hat es nicht geklingelt, kaum setze mich hin klingelt dieses Scheißding.
Nein, ich bleib hocken.
Es klingelt. Warum geht der Anrufbeantworter nicht dran?
Es klingelt. Muss dringend sein, wer sonst lässt es so lange klingeln.
Dann plötzlich hat es aufgehört. Endlich Ruhe …

Ende Teil I

„Die schönste Zeit im Jahr …“, geschrieben von Damh, the Bard, übersetzt von Anufa

Samstag, 04. November 2017

Das singt die Stimme im Weihnachtsspot, den ich garantiert in den nächsten Wochen zu sehen bekomme. Für viele meiner Freunde ist jetzt aber wirklich ihre Lieblingszeit. Meine ist es nicht aber ich verstehe völlig, warum sie es für meine heidnischen Freunde ist.

Ich mag daran fast alles außer dem plötzlichen Frösteln, das in der Luft hängt. Gestern war es schon da, als wir , unter dem Long Man of Wilmington, den Kreis des offenen Anderida Gorsedd Samhain Rituals geöffnet haben. Zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche ist das letzte Mal, bis zur Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche des nächsten Jahres, dass er die Sonne sieht. Ab Samhain berührt ihn die Sonne kaum mehr. Sein kleiner Teil des Hügels taucht in die Schatten ein, genauso wie es der ganze Hügel tut, auf dem wir für unsere Ritualkreise stehen. In diesem Schatten fühle ich auch die Kälte des Atems der Cailleach. Tritt in den Sonnenschein hinaus und es gibt noch ein bisschen Wärme und das ist, für mich, der Grund, warum ich Samhain nicht so sehr mag.


Sobald der Kreis intakt war, bekamen wir Begleitung von einigen über uns kreisenden Krähenvögeln. An Samhain forme ich den Kreis als Rand des Cauldron of Annwn, auf dem wir alle stehen. Ich lade die Nebel der Anderswelt ein, den Kessel vor uns zu füllen und in diesen Nebel sprechen wir die Namen unserer Lieben, unserer Freunde, Familie und der Ahnen unserer Tradition, die schon vor uns gegangen sind. Während wir in den Nebel eintreten, sprechen wir ihre Namen laut aus, damit sie uns auch hören und wissen, dass wir uns an sie erinnern. Dann teilen wir ein mit ihnen ein symbolisches Mahl, die Leute singen, rezitieren Gedichte und erzählen Geschichten die in die Jahreszeit passen, bevor wir den Geistern danken und den Kreis wieder schließen. Das ist ein sicherer Raum, ein Platz den dem die Tränen vergossen werden können, wenn sie kommen. Ein Platz um den Verlust zu empfinden aber auch die Verbundenheit. Mir wurde einmal erklärt, dass unsere Augen überlaufen, wenn sich unsere Herzen auffüllen. Das ist niemals so wahr, wie im Samhain-Kreis. Wir machen genau dieses Ritual nun seit 17 Jahren. Es fühlt sich schlichtweg nicht richtig an, daran etwas zu verändern. Es tut, was es tun soll. Wir Briten sind eigentlich nicht sehr offen, wenn es um unsere Gefühle geht, aber es ist wichtig tatsächlich zu fühlen. Samhain gibt uns dazu die Gelegenheit.
Ich habe neulich in einigen Blogs und Facebookposts gelesen, dass es historische Beweise gäbe, dass Samhain niemals ein „Totenfest“ gewesen wäre. Das ist mir ziemlich wurscht.Wenn es das nicht gewesen ist, dann hätte es eines sein sollen. Es macht einfach Sinn. Was wir haben sind Wagenladungen voll von Brauchtum, dass uns sagt, dass Feen um diese Zeit des Jahres unterwegs wären – dass der Schleier dünn ist. In der Anderswelt, in Annwn, steht der Kessel der Wiedergeburt. Die Geschichten erzählen, dass diejenigen, die in den Kessel geworfen werden, wiedergeboren würden, aber ohne die Fähigkeit zu sprechen. Das macht auch Sinn. Der Geist der Verstorbenen sollte niemals den Lebenden über das erzählen, was sie gesehen haben. Wenn sie also wiedergeboren werden, dann können sie nicht sprechen, genauso wie Neugeborene nicht sprechen können. Vielleicht sind diese ersten Schreie der Kinder, „Oh Götter! Ich glaubt nieee wo ich gerade gewesen bin!! Es war erstaunlich! Verflucht nochmal! Warum versteht mich denn keiner!!!“ Alles was wir hören, sind die Schreie von neugborenen Babies … aber das Brauchtum legt nahe, dass der Geist derer, die vor uns gegangen sind, zum Kessel zurück kehren, um wiedergeboren zu werden. Deshalb funktioniert das erstellen eines Kreises und die Nebel zu Samhain zu rufen, wenn die Tore offen sind, für mich hervorragend.

Sobald neue Forschungsergebnisse ans Licht kommen, wird oft angenommen, dass das was wir uns unter einem Fest vorgestellt haben, nicht das ist, was es mal gewesen ist. Ich habe auch oft festgestellt, dass es nicht darauf hindeutet was es tatsächlich war, dass halt unsere moderne Art es zu feiern nicht 100%ig mit der Vergangenheit zusammen passt. Mein Leben unterscheidet sich von meinen eisenzeitlichen Druidenvorfahren. Ich denke, dass sogar wenn es eine ununterbrochene Linie von Samhain-Ritualen bis dahin zurück gegeben hätte, dann hätten wir diese Veränderungen über die Jahrhunderte beobachten können. Ich bin mir 100%ig sicher dass Weihnachten, Ostern, Ramadan, jede dieser Feiern in jeder anderen Religion unserer modernen Gesellschaft, nicht mehr in genau derselben Art gefeiert werden, wie vor 100 Jahren. Aber sie funktionieren für diejenigen, die heute diesen Wegen folgen und das ist, was mir wichtig ist.

Wenn Samhain nicht das heidnische Fest der Toten gewesen sein mag, dann schlage ich vor, dass es das jetzt ist und für die letzten 50 Jahre gewesen ist. Ich habe einen Haufen meines Wachstums als Heide und Druide für den Blick über die Schulter in die Vergangenheit verbraucht. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wo man herkommt – die alten Geschichten und Gedichte des Mabinogion und von Taliesin erfüllen mich und es sind großartige Lehrstücke darin enthalten. Aber ich bin weniger von wissenschaftlichen Erkenntnissen beunruhigt, wenn es darum geht, wie wir Dinge wie das Jahresrad feiern. Natürlich ist das immer noch interessant aber ich bin in meiner eigenen, modernen heidnischen Haut sehr glücklich.

Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen, geschrieben von Beate Helene

Samstag, 28. Oktober 2017

Die Tage sind merklich kürzer geworden, der Oktobersonnenschein schenkt uns das goldene Licht, das typisch ist für das müde gewordene Jahr. Ich bin sehr dankbar um diese Sonnenstunden, die nun nicht mehr so selbstverständlich sind.
Vieles bewegt mich im Moment. Vielleicht merkt man das an meinem Rückzug im Außen, meine Schneckenhauszeit hat wieder Einzug gehalten. Wie kann man sich auch mit vielen anderen Menschen beschäftigen, wenn es manchmal schon schwer fällt, sich auf ein beiläufiges Gespräch einzulassen. Mit meinen Hortkindern genieße ich diese Zeit, denn mit ihnen gibt es keinen Smalltalk, das haben erst die Erwachsenen erfunden. Das ist Kommunikation von Herz zu Herz und mein Erziehungsauftrag, der mir in Fleisch und Blut liegt. Ich empfinde dieses Tun nicht mehr als meine Arbeit, sondern als einen wichtigen, freudvollen Teil meines Lebensinhaltes, den zu erfüllen ich hier auf der Welt bin.

Was ist es nun, das mich in die Nebel zieht? 

Melancholie umspielt mein Herz. Ihre Wellen treffen mich, manchmal hart, manchmal ganz sanft. Die Erinnerungen an letztes Jahr um diese Zeit steigen auf, manchmal brechen sie auch komplett unvermittelt über mich herein. Es sind Bilder von Krankenhaus und dem Bangen um Leben und Tod, es ist die Erinnerung an eine unzerstörbare Liebe, die vom Tod nicht tangiert wurde.
Ich habe das große Bedürfnis, meine braun gewordenen Blätter dieses Jahres einem Mantel gleich über meine Wurzeln fallen zu lassen. Meine Kräfte ziehen sich zurück aus den kleinen Ästchen und sammeln sich in Stamm und Wurzeln. Ich brauche den Geruch der nassen Herbsterde und ihrer noch bunten, raschelnden Blätterdecke, durch die ich erst letztes Wochenende an wunderbaren Orten spazieren durfte. Dieser Oktoberduft beschreibt mein Gefühl am besten.

Beates Samhain copyright Beate Helene

Ich bemerke, dass ich große Sehnsucht nach meinen lieben Verstorbenen habe. Ich erinnere mich an meinen Opa mit seiner Ruhe und Herzlichkeit. In seinen Armen war die Welt immer in Ordnung, egal was mir vorher passiert war. Er konnte alles wieder gut machen. Meine Schwester fehlt mir so unendlich. Ihr Lachen, ihre unverhohlene Liebe zum Leben und zu uns, ihre kleinen Phrasen, die sie so gerne verwendete… am meisten ihr gesprochenes „Liiiiiebe“, das sie uns so oft sagte, zu allen möglichen Gelegenheiten… Die anderen Mitglieder meiner Familie, die früher sehr groß war und es gewohnt war, alles zu feiern was ging… dies alles fehlt mir.
Sehnsucht breitet sich aus… nach etwas, das dem Menschen Beate nicht mehr wiederbringlich ist.

Die Konfrontation mit dem Tod, mit immer mehr Toden und Abschieden im Laufe eines Lebens, lässt mich jedes Mal ein Stück mitsterben. Ich werde nachdenklich. Eigentlich beginnt das Sterben schon bei der Geburt. Nichts sonst im Leben ist wirklich determiniert, bis auf den Tod. Dies meine ich keinesfalls negativ oder aus einer pessimistischen Einstellung heraus. Was ich bei mir beobachten kann, ist, dass mich jeder Tod eines geliebten Menschen ein bisschen in die andere Welt hinüber bringt. Ich meine damit die Welt hinter den Schleiern der Materie.
Ich habe dadurch, dass ich bereits zwei Menschen (meinen Großvater und meine kleine Schwester) vom Leben ins Sterben begleitet habe und dabei war, als sie ihren letzten Atemzug taten, einen ganz speziellen Bezug zum Tod bekommen.

Der Tod ist kein Feind

Er ist auch nicht unbarmherzig, wie es das Sterben sein kann – nein, der Tod ist friedlich, er ist das Ende, die Krone eines Lebenszyklus‘, ästhetisch und furchtbar zugleich. Er mag Sinngeber sein – was täte ich, hätte ich die Ewigkeit zur Verfügung und wäre immer in diesem Wesen eingesperrt… Dieser Gedanke kommt für mich der mittelalterlichen Hölle am nächsten. Der Tod begrenzt das Leben und gleichzeitig ist er der größte Motivator zur Vollendung eines Projektes, genannt „Leben“.
Denn hätte ich die Ewigkeit zur Verfügung, die Unsterblichkeit, so verdiente dieser Zustand im Körper eines Menschen wohl eher die Bezeichnung „untot“ oder „existierend“.

Der Tod bringt mich dem Leben näher. Ich spüre intensiver. Meine Wahrnehmung wird tiefer. Oft verbinden sich Geschmacks-, Geruchs-, Tast- und Sehsinn, sodass Geschmäcker Formen bekommen, oder ich etwas sehe und den Geschmack dieses Ereignisses auf der Zunge schmecke, genauso wie ich die Ausstrahlung eines Menschen riechen kann (was nicht immer angenehm ist, wenn man jemanden nicht sympathisch findet z. B.).

Der Tod hat mich grundlegend verändert

Nie mehr werde ich die sein, die ich war, bevor er mich sicher durch meine größte Angst auf der Welt geführt hat. Und er war ein guter Begleiter, voll des Trostes, denn er leerte meinen vollen Kopf von allen kreischenden Gedanken und er leerte mein überschwappendes Herz durch die Wasser meiner Augen. Vor allem im vergangenen Trauerjahr, das in etwa zwei Monaten zu Ende geht, begann ich Zuneigung zu ihm zu empfinden.
Er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse meines Körpers und meines Geistes wieder sehen zu lernen und sie zu stillen. Ich erkannte den Unterschied zwischen „mich für andere verbiegen“ und etwas für mich selbst zu tun – oder wie gerade in dieser Zeit NICHT zu tun, in die Stille zu gehen. Meinem Geist ist das schon unheimlich, er will mich immer wieder dazu überreden, wieder voll loszulegen, doch ich weiß, dass meine Energie für ein sprühendes Gesellschaftsleben noch nicht stabil genug ist. Ich weiß noch nicht einmal, ob mir dies noch gefällt… aber das werde ich herausfinden an der sicheren Hand des Todes, der mich festen Schrittes wieder zurück in mein Leben führt, während er meiner Seele immer größere Räume eröffnet und ihr zeigt, wie sie ihre Schwingen nutzen kann, um diese Räume Zentimeter um Zentimeter zu erforschen.
Ich bin überzeugt davon, am Ende meines Lebens jenes wirklich ausgekostet zu haben, von bitter bis honigsüß. Ich werde ohne Angst gehen können, denn ich weiß, dass ich meinen persönlichen Tod bis dahin sehr gut kennen gelernt haben werde. Möge viel Zeit in Glück und Gesundheit bis dahin vergehen!
Doch wenn es auch einmal soweit ist und ich meinen Körper zurück zu Mama Erde legen darf, so werde ich meinen Tod umarmen und wissen, dass ich den letzten Schritt über die Schwelle niemals werde alleine bewältigen müssen, wenn ich seiner Hand vertraue.

Holle – Herzenskunst made by Beate

Wie geht es euch in dieser Zeit?
Schwarz und Weiß
Leben und Tod
Wo ist der Schatten, wo ist das Licht?
Fehlt eins der beiden, definiert das and’re sich nicht.
So ist’s auch die Not mit Leben und Tod:
Was ist des Lebens wahrer Sinn,
wenn ich der Endlichkeit ungewahr bin!

Wie das so ist mit Seminaren … gezeichnet von Roadman

Samstag, 21. Oktober 2017


Roady hat zum Thema „Seminar“ so einiges zu zeichnen … sichtlich gibt´s ja viele Motive, Seminare zu besuchen.


Was dabei dann so passiert ist halt auch nicht jederelfs Geschmack … vielfach eher im Gegentum!