Archiv für die Kategorie ‘Kreuz und Quer’

Wicca – Hexerei, ja klar, aber was bedeutet eigentlich Priesterschaft? geschrieben von Arion

Samstag, 12. Mai 2018

Viele Menschen interessieren sich zwar für Wicca, aber nur wenige schaffen es tatsächlich, ihren ganzen Mut aufzubringen und mit traditionellen Wicca Kontakt aufzunehmen, um über eine mögliche Initiation und Aufnahme in deren Coven zu sprechen. Bei den Gesprächen, die wir vorab mit diesen Interessenten führen, kristallisiert sich oftmals sehr schnell heraus, dass sie eine doch eher romantisierte Vorstellung von Wicca haben, die in der Regel wenig damit zu tun hat, wie oder was Wicca eigentlich ist.
Viele Leute, sowohl Wicca, als auch Nicht-Wicca, sind der Meinung, dass es DAS Wicca doch eigentlich gar nicht gibt. Und ich muss gestehen, dass ich diese Aussage, seitdem ich sie das erste Mal gehört habe, mittlerweile doch sehr pauschalisierend empfinde.

Was ist Wicca?

Es gibt schon Kriterien, an denen man ausmachen kann, ob eine spirituelle Praxis Wicca ist oder eben nicht. Es gibt ein Grundgerüst, ein Skelett sozusagen. Dieses Skelett alleine ist natürlich nicht lebensfähig, daher wird es von jedem individuellen Coven mit Fleisch, Blut und Seele bekleidet, so dass sie Wicca wirklich lebendig und individuell gestalten. Aber der Kern ist in allen Wicca-Coven gleich, daher nennen wir es Tradition. Wenn der Kern/das Skelett fehlt oder bestimmte Elemente entfernt wurden oder von Anfang an nicht vorhanden waren, dann ist es nicht (mehr) Wicca.

Wenn ich Interessenten frage, warum sie der Meinung sind, dass Wicca ihr spiritueller Weg sein könnte, dann antworten sie oft, dass sie sich gerne in der Natur aufhalten, dass sie Bäume lieben und keinem Tier Schaden zufügen können. Viele haben Interesse an Kräuterkunde oder Tarot, Runen und anderen Divinationsmethoden. Einige wenige verfügen tatsächlich über so etwas wie eine fundierte magische Ausbildung oder zumindest autodidaktische Erfahrungen im magischen Bereich. Manchmal sprechen sie über die Götter, die meisten haben schon mal etwas von dem Konzept der acht Jahreskreisfeste im Wicca gehört und fühlen sich dazu hingezogen. Es gibt natürlich auch diejenigen, die tote Menschen sehen können, immer wiederkehrende Träume haben, die irgendwann Wirklichkeit werden und deren Mütter/Großmütter schon Hexen waren (weswegen sie ja in ihrer Selbstwahrnehmung eigentlich geborene Hexen sind).
Die wenigsten Menschen, die sich für Wicca interessieren, scheinen sich darüber bewusst zu sein, dass Wicca ja nicht nur aus Sozialkomponenten und magischer Arbeit besteht, sondern eben auch und vor Allem Priesterschaft beinhaltet und dass sich jede/r Wicca diese Priesterschaft individuell und vor allen Dingen selbst erarbeiten muss.

Hierfür gibt es keine Schablonen, keine allgemeine Anleitung und kein DIY YouTube Video. Die eigentliche Frage, die sich jeder Wicca-Interessierte also stellen sollte, müsste IMHO lauten:

„Bin ich dazu bereit, meine Verbindung zum Göttlichen (egal, welches Gesicht und welchen Namen es trägt) selbst herzustellen und meine individuelle Priesterschaft im Sinne dieser Gottheit zu erfüllen“.

Die Antwort auf diese Frage finde ich persönlich viel spannender, als die Kenntnis über deren Liebe zur Natur, vegetarische Ernährungsgewohnheiten und dass sich jemand schon so und so lange mit Tarot und Kräuterkunde beschäftigt oder ob er vielleicht über ein magisches Familienerbe verfügt.

Was genau aber ist mit Priesterschaft gemeint?

Die meisten kennen den Begriff Priester ja schließlich nur aus dem christlichen Kontext und verbinden damit wenige positive und überwiegend negative Eigenschaften, wie z.B. den alleinigen Interpretationsanspruch des Göttlichen und seiner Botschaften an uns oder das sakrale Handlungen ausschließlich durch Priester durchgeführt werden können und die Gemeinde eher stumme Beobachter und weniger aktive Teilnehmer sind. An dieser Stelle eine gute Nachricht – im Wicca ist jede/r Initiierte gleichzeitig Hexe UND Priester/in.
In erster Linie bedeutet Priesterschaft, dass man den Göttern dient. Allerdings wodurch man den Göttern dient, muss jeder Wicca für sich selbst herausfinden. Das ist es, was unsere Wege innerhalb der Gemeinschaft so einzigartig macht. Alle diese individuellen Wege der Priesterschaft haben jedoch gemeinsam, dass wir den Göttern als Gefäß dienen, um ihre Botschaften zu übermitteln, um im Ritual für die Teilnehmer anfassbar/erfassbar zu sein und natürlich um die Energien dem Anlass entsprechend zu kanalisieren.

Im Erstgrad ist das Annehmen der Selbstverantwortung besonders wichtig. Selbstverantwortung bedeutet allerdings nicht, dass man ohne Absprache mit seinen Hohepriestern und seinem Coven alles macht, wonach einem so der Sinn steht und entweder alleine oder mit Covenfremden anfängt, wild in der Gegend herumzuhexen und „Rituale zu feiern“ (was auch immer das heißen mag), sondern dass man für sein spirituelles Wachstum und seine innere Entwicklung selbst verantwortlich bist.
Um den Göttern als Gefäß dienen zu können, müssen wir daran arbeiten, dieses Gefäß (uns selbst) zu veredeln und zu läutern und das beste „wir selbst“ zu werden, das wir auch nur sein können, um unser Leben in den Dienst der Götter zu stellen. Diese Arbeit an einem selbst durch Selbstreflektion, Erkenntnissuche und Integration der ungeliebten Persönlichkeitsanteile hört niemals auf. Die daraus resultierenden Lernprozesse können durchaus schmerzhaft sein, denn man wird nicht nur mit angenehmen Dingen konfrontiert, sondern vielmehr mit den Dingen, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen. An dieser Stelle kann man sich zwei Fragen stellen: „Bin ich bereit, zu leiden, um zu lernen“ und „Bis zu welchem Grad bin ich dazu bereit, Lernen/die Lernprozesse überhaupt zu erdulden“.

Im Zweitgrad dehnt sich diese Verantwortung aus, indem wir den Coven/die Gemeinschaft dabei unterstützen, den Göttern zu dienen. Wir tun dies, indem wir höhere Verantwortung im Kreis übernehmen, Zeremonien durchführen, weitergeben, was wir gelernt haben, indem wir offene Augen und Ohren haben, indem wir für den Coven/die Gemeinschaft eine Verkörperung der Götter sind und z.B. weissagen oder Segen spenden.
Die Initiation in den Erstgrad öffnet das Tor in die Gemeinschaft, aber die Initiation in den Zweitgrad bedeutet eine ewige Bindung an die Götter und an den Dienst für sie – die ewige Priesterschaft von Leben zu Leben.
Der Drittgrad ist sehr persönlich und beinhaltet die höchste Erfüllung und Vereinigung im Dienst an den Göttern.

Jeder Suchende oder Wicca-Interessierte sollte sich darüber im Klaren sein, dass wir nicht für sein Lernen oder seine spirituelle Entwicklung verantwortlich sind – das ist nur er allein. Wenn er jedoch initiiert werden und zum Coven gehören möchte, allerdings nur darauf wartet, dass ihm etwas beigebracht wird, dann ist wahrscheinlich Wicca doch nicht der für ihn geeignete Weg, denn seine Schattenarbeit können wir ihm nicht abnehmen.

Krafttierischer Arschtritt, gezeichnet von Roadman

Samstag, 12. Mai 2018

Manchmal ist er eben wirklich nötig – sonst bewegt sich nichts oder es läuft in die falsche Richtung … Der ewige Kampf zwischen idealisierter Vorstellung und gelebter Realität (wie immer gezeichnet von Roadman).

Krafttierischer Arschtritt copyright Roadman

 

Yin und Yang – Teil IV, geschrieben von Sacriba

Samstag, 05. Mai 2018

Beispiele im Bereich Hetero-Sex im BDSM
Mann stößt Frau mit seinem Penis und “befiehlt” der Frau, sich nehmen zu lassen: Mann = Yang, Frau = Yin
Mann stößt Frau mit seinem Penis, während ihm die Frau “befiehlt”, wie genau er sie ficken soll: Frau = Yang, Mann = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Mann sagt der Frau, wie sie es sich besorgen soll: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Frau benutzt den Körper des Mannes als lustvolles Werkzeug: Frau = Yang, Mann = Yin

Beispiele im Bereich Homo-Sex im BDSM
Frau fingert weitere Frau, hält sie fest und “befiehlt” der anderen Frau, auf ihre Finger abzugehen:
Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Frau fingert weitere Frau, welche aber der ersten ansagt, wie genau sie gefingert werden möchte:
Frau, die gefingert wird = Yang, aktive Frau = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, hält ihn fest und “befiehlt” ihm, sich nehmen zu lassen:
Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, welcher aber dem ersten ansagt, wie er ihn ficken soll:
Mann, der sich ficken lässt = Yang, Mann, der fickt = Yin

Was ist eigentlich BDSM?

BDSM steht eigentlich für drei ineinander verwobene Begriffspaare:
B/D – Bondage/Discipline
D/S – Dominance/Submission
S/M – Sadism/Masochism
Die englischen Bezeichnungen können eins-zu-eins ins Deutsche übersetzt werden:
B/D – Bondage/Disziplin
D/S – Dominanz/Submission
S/M – Sadismus/Masochismus

Es handelt sich dabei um drei verschiedene Spielarten alternativer Sexualität, von denen sich jede der drei Gruppen noch in hunderte Feinvariationen mit eigener Bezeichnung auffächert.
Die Schreibweise der Begriffspaare ist ein Symbol: Der linke Buchstabe steht für die aktive, gebende und anstoßende Handlung (Yang), der rechte für die passive, aufnehmende und transformierende Handlung (Yin). Der Schrägstrich soll ausdrücken, dass die Begriffe Gegensätze sind, wird aber als “und” gelesen, da die aktive und die passive Seite ohne einander kein BDSM betreiben können.

Die Struktur eines (gesunden) BDSM-Spiels ist immer dieselbe:
Wenn von zwei beteiligten Menschen ausgegangen wird, übernimmt eine_r die Kontrolle über bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Handlungen, während das Gegenüber die eigene Kontrolle über dieselben Handlungen abgibt. Der Mensch, der kontrolliert, wird Domoder Top genannt, der Mensch, der Kontrolle abgibt, Sub oder Bottom.

Bondage bezeichnet Fesselspiele mit einem aktiven (fesselnden) und einem passiven (gefesselten) Menschen. Die bekannteste Spielart ist dabei das Fesseln mit Seilen aus der japanischen Kultur, allerdings können genauso Handschellen, andere Menschen, die den passiven Menschen festhalten, oder Halterungen an der Wand als Mittel für Bondage dienen. Da solche bewegungseinschränkenden Methoden vom passiven Menschen “Disziplin” verlangen, heißt die Rolle im Spiel dementsprechend.

Sadismus/Masochismus steht für das Zufügen von (Lust-)Schmerz mit einem ausführenden und einem empfangenden Menschen. Das kann mit allen Mitteln passieren, die Schmerz erzeugen: Klassisch sind Reitgerten oder Peitschen, genauso geht es jedoch mit der Hand (was Spanking genannt wird), oder Alltagsgegenständen wie einer Haarbürste aus Holz. Auch schmerzerzeugende Temperaturunterschiede durch Eiswürfel oder heißes Wachs auf der Haut fallen unter diese Kategorie.

Zwischen D/S auf der einen Seite und B/D und S/M auf der anderen Seite gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Ziel des Kontrollaustauschs bei Bondage/Disziplin Bewegungseinschränkung ist, sowie bei S/M die Erzeugung von Schmerz, hat D/S keine Vorgabe, welchen Bereich die Kontrolle umspannen soll. Daher sind B/D und S/M eine Unterkategorie von D/S – eben D/S bei bestimmten Handlungen.
D/S selbst kann in jeder beliebigen Handlung stattfinden, weswegen für die Beteiligten eines Spiels besonders wichtig ist, im Vorfeld zu vereinbaren, für welche Handlungen für die Dauer des Spiels D/S gelten soll, und für welche nicht.
So kann D/S strikt auf ein bestimmtes Thema beschränkt sein – zum Beispiel, wenn bei Bondage/Disziplin der_die Fesselnde nur Anweisungen gibt, die notwendig sind, damit die Fesseln funktionieren. Das Gleiche gilt natürlich für Sadismus/Masochismus. Wenn vereinbart wurde, dass D/S auch für andere Handlungen gilt, könnte der_die Fesselnde als Dom danach noch andere Menschen ins Spiel einladen und kontrollieren, von wem sich der gefesselte Menschen wie berühren lassen darf.
Um zu betonen, dass ein solches “erweitertes” D/S stattfindet, kann die aktive Handlung mit Großbuchstaben und die passive mit Kleinbuchstaben geschrieben werden: D/s, B/d (Bondage mit Dominanz) oder S/m (Schmerz zufügen mit Dominanz). Szenegänger ziehen außerdem dieselbe Differenz zwischen Top/Bottom von Dom/Sub: Das letztere Begriffspaar steht wiederum für ein erweitertes D/S.

Ohne Kontrollaustausch funktioniert Konsens verbal über die Sprache (Ja = Ja, Vielleicht = Nein, aber frag später nochmal, Nein = Nein) oder nonverbal über Körpersprache (sich zu jemanden hin/sich von jemandem weg bewegen). Da es in einem BDSM-Spiel um bewussten Kontrollaustausch geht – der passive Mensch also für Lustgewinn im Spiel bewusst auf die Standard-Möglichkeiten zur Konsensherstellung verzichtet – sind zusätzliche Ausdrucksweisen zur Konsensherstellung zwingend erforderlich:
Bei allen BDSM-Spielarten geschieht das in Form von Sicherheitswörtern (Safe Words) und/oder Sicherheitszeichen (Safe Gestures): Bottom/passiver Mensch und Top/aktiver Mensch müssen im Vorfeld Wörter, Geräusche oder Zeichen vereinbaren, mit denen Bottom bei allen Handlungen zu jeder Zeit ein Stoppsignal geben kann, das von Top prompt befolgt wird. Die Worte “Nein” oder “Stopp” können ebenso als Stoppsignal dienen wie extra ausgedachte Codewörter. Mindestens ein Stoppsignal muss dabei die komplette Aufhebung des Kontrollaustauschs bewirken: Dann ist das Spiel pausiert oder beendet und alle Beteiligten stehen wieder auf derselben Stufe – und können, wenn benötigt, die Regeln des Spiels auf Augenhöhe neu verhandeln.

BDSM ohne Sicherheitswörter oder -zeichen oder falls Top auf Stoppsignale nicht reagiert, ist nicht “besonders experimentell”, sondern sexueller Missbrauch! Bei Anzeige wird dieser vom Staat Österreich auch als solcher strafrechtlich verfolgt!

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil II, geschrieben von Uwe

Samstag, 05. Mai 2018

Die innere Ebene „Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Wie ich in der äußeren Betrachtung meines Frühstückstisches belegt habe, lässt sich das Entstehen in Abhängigkeit an einer Vielzahl von Objekten leicht beobachten. Wer nachdenkt erkennt, dass alles, was in diesem relativen, weltlichen Geschehen erfahrbar ist, auf bestimmten Bedingungen beruht. Und nicht nur bestimmten, nein. Unendlich vielen bestimmten.

Vom Supermarkt zum Ich

Im äußeren Bereich ist also beispielsweise ohne Biene, Blüte und Nektar kein echter Honig möglich. Und aus Nutella entsteht nun mal kein Brot oder umgekehrt. Es braucht für das eine wie das andere die passenden Bedingungen und Umstände. Die zwar in vielen gleich sein können, in anderen jedoch unterschiedlich. So wie, auf den Honig bezogen, Biene, Blüte und Nektar nur drei Bedingungen sind, die für Honig benötigt werden.
Wobei Boden, Sonne und Regen ebenfalls nötig, die aber ebensogut für Brot, Nutella und Tupperschüsseln wichtig sind. Diese Zusammenhänge kann jeder mit ein wenig gutem Willen klar als eine logische und beweisbare These befürworten.

Nun kommen wir damit auf die „Innere“ Ebene des abhängigen Erscheinens zu sprechen. Denn das, was auf dem Bild des Frühstückstisches vordergründig zu sehen ist, ist nur die äußere Seite. Was ist mit dem Verkäufer, der den Honig handelt? Der Supermarkt, der Zulieferer, die Infrastruktur, das Geld? Was ist mit dem Haus, in dem diese Küche mit dem Tisch zu sehen ist? Mit der Kamera, die das Bild aufgenommen hat? Der Computer, der das Bild verarbeitet, das Internet, über das dieser Artikel weitergeleitet wird? Wir sehen, die äußeren Bedingungen, damit diese Betrachtung überhaupt gemacht wersen kann, werden noch vielfältiger.

Vor allem jedoch, was ist mit dem Menschen, der diesen Beitrag nun liest?  Und was ist mit dem, der dies alles schreibt? Hier berühren wir die innere Ebene des bedingt abhängigen Entstehens. Tatsächlich gibt es eine Menge Menschen, die davon ausgehen, dass Dinge wie Honig, Brot, Kunststoff, Haus, Computer, Internet und vor allem sie selbst, ihre Probleme, Beziehungstreitereien, Kriege, Liebe, Glück und all der Quatsch aus etwas anderem entstehen.
Wie der Honig aus Nektar. Oder diese Dinge entsteht aus sich selbst. Oder aus dem Nichts. Oder gar aus einer Mischung der ersten und zweiten Behauptung.
Diese vier theoretischen Möglichkeiten des Entstehens gibt es. Was aber so nicht ist. Denn Abhängig Bedingtes Entstehen hat (und hier berühren wir schon die „verborgene“ Ebene) keine wirkliche Ursache. Aber halt. Bleiben wir bei der relativen Erscheinung der Dinge.

Auf Messers Schneide

Alles folgt hier einem klaren Ursache-Wirkungsprinzip. Auf dieser Ebene der relativen Erscheinung zweifellos. Was auf der Ebene der Erscheinung, wie wir sie erfahren und nachvollziehen können, auch zuverlässig funktioniert, wie jeder bestätigen wird. Deshalb „entstehen“ in Abhängigkeit natürlich auch aus heilsamen Handlungen, wie es der Buddha dargelegt hat, nur heilsame Erfahrungen. Und aus unheilsamen folgen unheilsame.
Aus diesem Grund konnte der Buddha auch davon sprechen, dass die Wesen Eigentümer und Erben ihrer Taten sind. Weil Erfahrungen nur aufgrund der entsprechenden Bedingungen gemacht werden können. Und in Bezug auf Erfahrungen, die Wesen machen, seien sie nun angenehme oder unangenehm handelt es sich bei einem Teil dieser Bedingungen um Handlungen, die von Wesen gesetzt werden. Immer und immer wieder.

Weil Bedingungen zu den Resultaten passen müssen, fließt Honig deshalb auch nicht aus einem Messer. Selbst wenn dies so aussehen mag. Genauso wenig wie Glück nicht aus unheilsamen Handeln entspringen kann. Selbst wenn dies so aussehen mag. Allerdings „entsteht“ Honig auch nicht aus dem Nektar der Blüte. Denn dann müsste Nektar immer zu Honig werden oder in der Blume schon als Honig vorhanden sein. So ist es aber nicht.
Genauso ist das erfahrbare „Selbst“ eines Menschen, der etwas Angenehmes oder Unangenehmes erfährt nicht etwas, das einfach so entsteht aus dem Zusammentun verschiedener Komponenten. Oder in diesem irgendwo inhärent vorhanden. Es scheint so. Ja. Körper, Empfindung, Unterscheidung, Gewohnheitstendenzen, Bewusstsein scheinen so etwas wie ein „Selbst“ zu bilden. Diese sind aber nichts anderes als willkürlich benannte, wiederum aus vielen Komponenten bestehende Erscheinungen.

Insbesondere das, was wir „Ich“ nennen ist eigentlich sehr einfach zu durchschauen als zusammengesetztes Ding. Einige Gewohnheitsmuster, Verhaltensweisen, das Attribut männlich oder weiblich, ein Name, den wir uns nicht mal selbst rausgesucht haben, ein Aussehen, dass ebenfalls nicht von uns abhängig ist sondern genetisch bedingt, Wissen, dass wir uns von anderen angeeignet haben und Meinungen, die wechseln wie der Wind. All das nennen wir „Ich“.
Und alles, was dieses Ich unterstützt, was ihm gut tut ist „Freund“, „Heimat“, „Parteifreund“ oder sonst ein Zeug. Alles was dieses Ich bedroht ist „Feind“, „Ausländer“, „Mobbing“ oder „Parteifreund“. Dabei sind das alles nur Bedingungen, irgendwann zusammen gekommen und benannt. Und das alles zusammen nennt man dann „Ich“ und „Mein“.

Ein fataler Irrtum

Es braucht also, um zum Honig zurückzukommen, eine unendliche Vielzahl von Bedingungen, die nicht Honig sind um den Honig in seine letztliche „Existenz“ als Honig in Erscheinung treten zu lassen. Es ist aber genau diese Vorstellung „Entstehen aus Anderem“, die zum grundlegenden, fatalen Irrtum wird. Der zu dem Leiden führt, das der Buddha benennt.
Aufgrund dieses Irrtums glauben Menschen, dass irgendetwas anderes dafür verantwortlich oder schuld ist,. dass sie glücklich sind oder dass sie leiden. Ihr Nachbar. Ihre Vergangenheit. Ihre Gedanken. Ihre Gefühle. Ihr Lebenspartner. Ihr Beruf. Ihre Gesundheit. Ihr Aussehen.

Wenn dem so wäre könnte auch eine einfache Sache wie Honig tatsächlich aus etwas anderem entstehen. Dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass Honig wie gesagt auch aus einem Messer entstehen kann. Dem ist aber nicht so, wie wir erwachsene und aufgeklärte Menschen wissen. Einem Kind kann man noch erzählen, der Honig würde vom lieben Gott gemacht. Oder wir lassen eben Honig aus einem Messer fließen. Ein Kind würde das ohne Zweifel glauben. Aber wir sind ja keine Kinder mehr. Höchstens kindisch in unserer Denkfaulheit. Deshalb glauben wir auch, dass das, was wir erfahren etwas außerhalb von uns stattfindendes ist. Wird fortgesetzt mit einem zweiten Teil zu diesem etwas komplexeren Geschehen um das Entstehen in Abhängigkeit. Dann geht es um die beiden Wirklichkeiten des Geschehens. Die relative und die absolute. Es braucht eine Vielzahl ganz bestimmter Bedingungen, um etwas Bestimmtes zu erwirken.

Ende Teil II

Ich habe Interesse… – Teil II, geschrieben von Chris

Samstag, 21. April 2018

Im Gespräch

Nehmen wir an, der potentielle Lehrer hat sich zurückgemeldet (etwas, dass ich schon aus Höflichkeit immer tue), und es kommt zu einem tiefer gehenden Gespäch – sei es per E-mail oder in einem Café. Folgende Punkte können dir helfen, das Gespräch in die für dich beabsichtigte Richtung zu bewegen, nämlich als Trainee erwogen zu werden:

1. Hör zu
Der Lehrer hat sich in der Regel Gedanken zu dir gemacht und sagt Dinge nicht einfach so daher, sondern aus einem bestimmten Grund. Wenn du wirklich lernen willst, hör genau hin.

2. Gib keine Widerworte
Das hört sich erst einmal an wie eine Belehrung, die man Fünfjährigen erteilt, aber ich meine es ernst. Im Fall einer Ablehnung mit „Ja aber…“ zu reagieren und all die Gründe aufzuzählen, warum man doch ausgebildet werden muss, ist ziemlich unklug. Frage stattdessen, was du tun kannst, um die Voraussetzungen für das Training zu erfüllen. Das zeigt dem Lehrer, dass du zuhörst, lernwillig bist und mit Kritik umgehen kannst. Bedenke immer, du willst etwas von dem Lehrer, nicht umgekehrt. Mach es dir nicht kaputt, indem du dich wie ein Fünfjähriger benimmst.

3. Lies zwischen den Zeilen
In Wicca wird eine Menge Wissen und Weisheit durch Vorleben und Beobachten weitergegeben, nicht durch formellen Unterricht. Das liegt unter anderem daran, dass Magie so viel mit Erfahrung, Intuition und Einfühlungsvermögen zu tun hat. Ein Mensch, dem man alles haarklein erklären muss, wird im Wicca schnell seine Frustrationsgrenze erreichen. Zeige dem Lehrer am besten gleich, dass du in der Lage bist, versteckte Hinweise zu erkennen und zwischen den Zeilen zu lesen. Oder tu zumindest so, frei nach dem Motto Si tacuisses, philosophus mansisses.*

4. Sei bescheiden
Zeige Bereitschaft zu lernen. Traue dem Lehrer zu, die Tradition besser zu kennen als du. Warum sonst solltest du überhaupt von ihm lernen wollen?

5. Und, besonders wichtig: Sei selbstbewusst
Das mag sich etwas widersprüchlich anhören, wenn man den vorhergehenden Punkt als Unterwürfigkeit deutet. Was ich als Wicca-Lehrer aber am meisten schätze, ist eine Person, die offen dafür ist, etwas Neues zu lernen, Kritik anzunehmen und zuzuhören, aber dennoch weiß, wo sie selbst steht und mir auf Augenhöhe begegnet. Wicca ist ein Weg der Erwachsenenbildung. Wir wollen keine Anwärter, die jammern oder nörgeln, bei einem Anflug von Kritik gleich in sich zusammenbrechen oder nichts hinterfragen.

No-Gos

Zum Abschluss (jetzt aber wirklich) noch ein paar Stereotypen, auf die ich immer wieder treffe – und die deutlich zeigen, wie man es nicht machen sollte. Wenn ein Anwärter in eine dieser Kategorien fällt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich einen großen Bogen um ihn mache.

„Die Große Hexe“ (oder der Ich weiß schon AllesTyp)**
Die Große Hexe ist in einer Familientradition großgeworden und weiß dementsprechend schon alles über Wicca. Dennoch möchte sie aus unerfindlichen Gründen eine Ausbildung in Gardnerian Wicca. Bei ihrer Bewerbung lässt sie einen gleich wissen, dass sie bereits mit einem Generationen überspannenden Wissen ausgestattet ist und damit schon viel weiter als alle anderen Bewerber. Sie ahnt nicht, dass genau diese Einstellung ihr zum Verhängnis werden wird, denn mal ganz ehrlich – gibt es einen besseren Weg, einem Lehrer zu zeigen, dass man nicht nur ein aufgeblasenes Ego besitzt, sondern wahrscheinlich auch eine absolut beratungsresistente und nervtötende Person ist?

„Die Dienerin der Göttin“ (oder der Ich bin unwürdigTyp)
Dieser Typ ist das komplette Gegenteil der Großen Hexe, leidet wie diese zwar auch an mangelndem Selbstbewusstsein, aber kompensiert dieses nicht durch vorgespielte Größe, sondern durch Opferhaltung. Sie sieht die Göttin (oder die Götter) als hoch über sich selbst – dem unwürdigen Wurm – thronend, deutet aber dennoch jedes fallende Laubblatt oder Werbeplakat als Zeichen der Göttin, die sich herablässt mit ihr zu kommunizieren – häufig um sie zu tadeln. Dabei erkennt sie nicht, dass sie lediglich den strafenden Gott ihrer Kindheit gegen eine andere übernatürliche Richterfigur ausgetauscht hat. An sich stellt die Haltung der Dienerinkein unüberwindbares Problem dar, wenn die Person bereit ist, ihre Projektion zu entlarven und aufzugeben, sich aus dem Staub zu erheben und einen neuen Umgang mit den Göttern – aber vor Allem mit sich selbst – zu lernen. Leider bestehen Dienerinnen oft darauf, dass sie die Welt komplett richtig sehen, und es bedarf einer Menge Arbeit, sie davon abzubringen; Arbeit, die ein Hohepriester möglicherweise nicht zu leisten bereit ist.

„Die Schnäppchenjägerin“ (oder der Darf’s noch etwas mehr sein Typ)
Die Schnäppchenjägerin ist oft eine Variante der Großen Hexe, aber nicht immer. Manchmal ist sie einfach nur ein Opfer unserer kurzlebigen Instant-Gratification-Ära, in der man Alles bekommt was man will, und zwar jetzt sofort und ohne Anstrengung. Die Schnäppchenjägerinhat bereits erfolgreich vierunzwanzig Ausbildungen im spirituell-therapeutischen Bereich absolviert. Sie ist Kristalltherapeutin, Reiki-Meisterin und von südamerikanischen Buschleuten ausgebildete Schamanin, und hat nun beschlossen, dass ihr zur Komplettierung ihres Seins nur noch Wicca fehlt. Frei nach dem Motto Wo ich schon dabei bin, kann ich das auch noch mitnehmen. Nun, was soll ich sagen. Auch das ist ein guter Weg gleich ausgesiebt zu werden. Diese Kandidatin hat offenbar nicht begriffen, dass Wicca mehr ist als ein Wochenend-Workshop in Kerzenmagie. Möglicherweise ist dieser Typ aber irgendwann tatsächlich brauchbar – wenn er begriffen hat, dass eine Wicca-Ausbildung ein Weg ist, der viel Zeit, Einsatz und ein persönliches Vertrauensverhältnis zum Lehrer erfordert und nicht gegen Geld aufzuwiegen ist.

„Die Bequeme“ (oder der Hexen in deiner Nähe Typ)
Viele Interessenten realisieren nicht, dass eine beträchtliche Menge von uns Initiierten viele Stunden des Reisens in Kauf genommen hat, um ausgebildet zu werden. Ich kenne einige, mich selbst eingeschlossen***, die dafür alle paar Wochen in ein anderes Land gefahren sind, und sich nicht nur die Mühe der Reise sondern auch des Sprechens in einer Fremdsprache gemacht haben – immer noch glücklich und dankbar, weil sie als Schüler angenommen wurden. Die Bequeme jedoch verlangt von ihrem Coven, dass er sich möglichst in ihrem Wohnort, am besten irgendwo in einem Zweihundert-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein, zumindest aber im Radius von zehn Kilometern, trifft. Natürlich ist sie ernsthaft interessiert, aber für weite Reisen hat sie gern wahlweise kleine Kinder, Allergien oder die teuren Tickets der Deutschen Bahn als Hinderungsgrund in petto. Sorry, ich kenne genug Hexen, die es trotz dieser Dinge geschafft haben, an der Ausbildung in einer weiter entfernten Gruppe teilzunehmen.

Zuletzt (aber jetzt absolut in echt, versprochen!)

Die Ironie dieses Artikels ist wie so oft, dass die, die wirklich für eine Wicca-Ausbildung in Frage kommen, ihn nicht benötigen, weil sie ohnehin ein gutes Gespür dafür haben, was sinnvoll ist. Die, die die Tipps gebrauchen könnten, werden sie oft nicht beherzigen, weil sie sich lieber beleidigt und unverstanden fühlen möchten, statt die Hilfestellung zu erkennen. Ich wünsche beiden Gruppen alles Gute auf ihrem Weg, wo immer er sie hinführen mag.
Wie immer Blessed Be

*Als Wicca kommt man nicht darum herum Dinge zu recherchieren. Also fang am Besten gleich hier an, falls du im Lateinunterricht nicht aufgepasst hast.
** Ich habe der Einfachheit halber die weibliche Form gewählt, aber natürlich gibt es diese Typen bei allen Geschlechtern.
*** Zugegeben, die Niederlande sind vom Ruhrgebiet aus nicht sehr weit.