Archiv für die Kategorie ‘Am LagerFeuer’

Von bösen Wölfen, Rosinen und Weltuntergängen

Samstag, 27. Mai 2017

Es erinnert mich die momentane Situation (nach den Anschlägen der letzten Monate/Jahre und noch einigen anderen Katastrophen) an meinen Großvater. Jedes Mal, wenn er zum Frühstück die Regionalzeitung las und darin unter den Todesanzeigen einen bekannten Namen fand, sagte er: „Jaja, die Einschläge kommen näher!“ und grinste dann breit.
Jeder hat so seine eigene Art mit dem Leben und den Schlägen, die es zeitweilig auch austeilt, umzugehen und fertig zu werden. Deshalb halte ich Binsenweisheiten durchaus für Leuchtfeuer (an denen mensch sich orientieren kann) aber sicher nicht für Allheilmittel oder gar Lösungsanleitungen.

Vor etlicher Zeit habe ich schon einen Vierteiler zum Thema „Die dunkle Nacht der Seele“ geschrieben, in dem ich mich besonders mit dem Thema „Warum hast Du mich verlassen?“ beschäftigt habe. Da habe ich meinen Schluss dargestellt, dass ich meinen Hauptpunkt dabei in der Eigenverantwortung verorte. Das möchte ich gerne voraussetzen und als gedankliche Basis etablieren.

Heute geht es mir mehr darum, wie es möglich ist – für einen selber – sinnvoll mit Dingen umzugehen, die von außen auf einen einwirken.


Der böse Wolf

Wir haben heute viele böse Wölfe … vor denen wir uns zu Recht oder Unrecht fürchten. Für mich ist der erste Zugang ein eher rationaler (für den ersten Anlauf). Im Anlassfall stelle ich mir Fragen – wie z. B. : Was ist das Schlimmste was mir passieren kann?
Diese Frage führt schon in einige Denkschleifen, da ich sie nur wirklich sinnvoll beantworten kann, wenn ich dazu einige Informationen schon parat habe. Was ist mir lebenswichtig? Was oder wen brauche ich unbedingt für mein Leben? Je umfassender und ehrlicher ich diese Fragen beantworten kann, desto leichter fällt mir eine Antwort auf die Eingangsfrage. Mir ist dabei besonders wichtig zwischen „wirklich brauchen“ und „haben wollen“ zu unterscheiden.
Sich gesund zu ernähren, ist beispielsweise für mich ein wichtiger Faktor (weil meine Lebensqualität dadurch steigt) das will ich haben. Den Göttern sei Dank leide ich nicht unter Allergien, wenn ich es aber täte, dann wäre es für mich unbedingt nötig, mich allergenfrei zu ernähren. Meine Bücher will ich haben (weil ich dem Netz allein nicht traue), aber wirklich brauchen tue ich sie nicht. Was ist Luxus, was Sicherheitsbedürfnis, was Wohlfühlminimum? Diese Maßstäbe können imho nicht allgemein gültig etabliert werden, sondern sind sehr individuell. Womit der eine zurecht kommt, das bringt den anderen auf die Dauer schon um.

Bei den bösen Wölfen ist es ähnlich. Mich erschreckt es wesentlich mehr langsam vor mich hinsiechen zu müssen (und nichts dagegen tun zu können) als einen plötzlichen Tod zu sterben. Dass mich der plötzliche Tod weniger schreckt ist dem Faktum geschuldet, dass ich dafür möglichst gute Vorkehrungen getroffen habe, dass „nach mir“ alles geregelt ist (oder es auf niemandes Kosten geht, dass etwas nicht geregelt wurde). Das beruhigt …

Jeder kann an seinen eigenen Antworten ablesen, was es eigentlich ist, das ihm wichtig ist (und vor dessen Entzug er sich fürchtet). In meinem Beispiel wäre das qualitatives Leben, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung.


Da such ich mir doch die Rosinen raus!

Auch dabei will ich wieder bei meinem Beispiel bleiben. Ein qualitatives Leben heißt für mich nicht, dass ich in den Tag hinein lebe und es mir gutgehen lasse, im Sinne von „keine Notwendigkeiten zu erfüllen habe“. Für mich ist klar, dass Katzen Katzenklos haben und die jemand saubermachen muss – und das bin nun mal ich, weil ich Daumen habe und das Schauferl halten kann. Also muss ich eben auf Katzengesellschaft verzichten, sofern ich es nicht gebacken kriege, die Klos sauber zu machen.
Selbstbestimmung heißt für mich nicht, dass ich alles machen kann/darf, wonach ich grad lustig bin (egal was andere davon halten). Wenn ich im Grünen wohnen will, ohne Nachbarn aber nur mit maximal Anreise von ein paar Minuten in die nächste Stadt – kann ich bestimmen, was ich will, das wird nicht möglich sein. Für einen Millionär wäre es vielleicht machbar, für mich aber nicht!
Eigenverantwortung ist nicht die platte Ansage, dass ich für mein Tun schon verantwortlich bin und fertig. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, dann kann ich zwar sagen „Ok, für den Unfall bin ich verantwortlich!“ aber die Sache ist damit nicht erledigt. Je nach angerichtetem Schaden wird sich das massiv auf mein Leben auswirken – also ist es meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass für den Fall der Fälle Vorsorge getroffen ist.

In unserer Zeit jetzt, sind viele Menschen in unseren Breitengraden, so etwas wie einen Sozialstaat gewohnt. Vater Staat sorgt schon dafür, dass jeder das Nötigste bekommt und Notfälle versorgt werden. Durchaus eine erstrebenswerte Sache, das soziale Denken. Es hat leider auch den Nachteil, dass sich immer weniger darüber Gedanken gemacht wird, was selber beigetragen werden könnte zum eigenen Leben – darum das für einen selber „wertvoller“ zu gestalten. Allerdings müsste das auch erlernt werden – dieses „wertvoll“ überhaupt zu (er)kennen und auch die Fähigkeiten müssten erworben werden um das selber etwas tun zu können! All das geht bei einer Vollversorgung nur schwerlich von allein … Wie soll ich auf die Idee kommen, dass ich etwas erfragen sollte, von dem ich gar nicht weiß, dass es existiert?

Was vorgelebt wird in der Gesellschaft ist vielfach mehr das Haben als das Sein. Daraus entsteht natürlich zu allererst der Gedanke, dass mensch glücklich wäre, sofern mensch nur „genug hätte“. So einfach ist das aber leider nicht. Jedes Haben hat auch Konsequenzen – und sei es nur die des wieder Verlierens. Da wären wir bei der Binsenweisheit, dass jede Medaille zwei Seiten hat.


Das ist für mich jetzt ein Weltuntergang

Und jetzt komme ich zu den Katastrophen – die ich tatsächlich für notwendig halte. Mir persönlich hat jede Katastrophe in meinem Leben aufgezeigt, dass meine Skala an Wichtigkeiten verschoben werden musste. Jeder schwere Krankheitsfall (von einem selber oder im nahen Umfeld), jeder Todesfall (von Mensch oder Haustier), jeder heftigere Unfall oder Verlust an Geld und Gut – das alles rückt die Skala zurecht. Natürlich nur, wenn ich es zugelassen habe.
Ich habe kein Problem wenn Menschen beschließen ihrem Leben ein Ende zu bereiten, sofern sie keinen Weg sehen, es für sich selber sinnvoll zu gestalten (und ja, ich hatte Freitod in der Familie). Die Dokumentation von Terry Pratchett war für mich da sehr erhellen, weil bis dahin seltenst offen über dieses Thema diskutiert werden konnte. Nur am Rand: natürlich bin ich mir im Klaren, dass auch hier Missbrauch immanent sein kann!
Bei jedem Haustier, das je bei mir lebte, war das jeweilige Ableben für mich eine kleinere oder größere Katastrophe und jede davon hat in meiner Welt etwas zurecht gerückt. Vorstellung zu Realität ist in meinen Augen immer etwas das anzustreben ist. Vorstellen kann ich mir so gut wie alles, ob ich das aber in der Realität dann so gebacken kriege, ist eine völlig andere Sache. In der Vorstellung brauche ich keine Grundvoraussetzungen, in der Realität sin die unabdingbar. In der Vorstellung gibt es keine Konsequenzen (weder meines Tuns noch meines Lassens) in der Realität geht es nicht ohne ab.

Materielle Realität kann hart sein – aber sie ist in meiner Welt nie bösartig. Dinge passieren mir, weil ich zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort und in bestimmte Vorgänge involviert bin. Sie passieren mir nicht, weil das Leben böse ist (oder jemand anderes oder ich selber oder oder oder). Sie passieren!
Je besser meine Vorstellung in der Realität verwurzelt ist, desto besser kann ich in diesem Realitätsfluss meinen Vorstellungen entsprechend steuern. Damit werden mich böse Wölfe nicht in Panik versetzen, die Handvoll Rosinen im Kuchen für mich völlig ausreichend und Katastrophen durchaus schon mal schlimm aber nicht der Weltuntergang sein.

 

Beltane Afterglow und Nachdenklichkeiten, geschrieben von Dreamdancer

Samstag, 13. Mai 2017

Sonntag vor einer Woche zelebrierten wir unser schönes und stimmiges Beltane Ritual und wir waren erstaunlich Wenige dafür, dass es an einem freien Tag stattfand. Wir wurden diesmal dabei gefilmt, aber dazu mag ich noch nicht gross etwas schreiben, denn da ist alles noch sehr vage. Speziell war es dennoch, zu wissen das alles was man sagt oder flüstert dann aufgenommen ist. Mein Mann machte schöne Bilder, auch eine Premiere, und diese wiederum schenken uns wunderbare Erinnerungen. Letztlich war das Ritual so, als wäre gar niemand ausser uns und den Göttern und Geistern dabei gewesen. Es ist klasse, wie schnell man so eine Kamera ignorieren kann. 

Rituale sind kräftigend, aufbauend und Beltane stand im Zeichen von Kreativität und Liebe. Vor allem letzteres braucht es mehr in der Welt und eine der Teilnehmerinnen im Kreis verstand es wundervoll auf die globalen Entwicklungen und den erhöhten Bedarf lichtvoller und herzensfroher Energien im Kollektiv hinzuweisen, von denen die Welt derzeit so viel braucht.

Als jemand der Licht und Schatten kennt und um beide Seiten der Medaille weiss, bin ich ja eigentlich keiner der das Augenmerk nur auf “Licht und Liebe” legt. Aber diesmal schien es mir ein Muss, denn Negativität im Aussen ist für viele ein Stichwort derzeit.

Auch das Aberglaube wieder zu- und das Gefühl für gelebte Selbstverantwortung wieder abnimmt ist eine Tendenz die ich zur Zeit etwas sorgenvoll betrachte. Dies hat, vorsichtig ausgedrückt, mit Sicherheit mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun. Aber auch die Medien sowie die Entertainmentindustrie tragen ihren Teil dazu bei, dass die Aufmerksamkeit – und somit die Energie – vieler in eine nicht so schöne Version von “Reality Creation” fliesst.

Ich überlege sogar ernsthaft, meine Berufung an sich begrifflich wieder vom Begriff “Hexentum” zu distanzieren, und das obwohl ich zwei jahrzehntelang für ein Reinwaschen des Begriffes und eine zeitgemässe Interpretation eintrat. Und den Pfad der Hexen mit Herz und Seele wandere.

Doch die letzten Monate wird es für mich immer ersichtlicher, dass Menschen wieder dazu neigen den Begriff “Hexe” mit überholten Vorstellungen, einer Neigung zum Klischee und somit vermehrt auch wieder mit negativen Kräften zu assoziieren. Negativen Kräften nicht unbedingt durch die Hexe selbst, aber im gleichen Realitätsrahmen in dem “magische Angriffe” und Attacken durch “böse Kräfte” im Aussen zum Alltag werden und somit zu einem guten Mittel um Verantwortung abzugeben.

Die spirituelle Komponente sowie der Heileraspekt scheinen, in diesem Zusammenhang, viele nicht mehr wirklich zu interessieren, und dies ist jene Komponente die ich mit meiner Arbeit und Philosophie vertrete und auch weiterhin vertreten werde. Diese Komponenten sucht Mensch derzeit wohl eher im dem Wicca verwandten Druidentum oder dem westlich angepassten Schamanismus.

Als Wicca kann ich natürlich diese Begrifflichkeit anstatt jenem der “Hexe” verwenden. Hier ist die einzige Frage die gleich entgegen kommt am ehesten “Ist das eine Sekte”? Was natürlich nicht weiter von der Realität entfernt sein könnte. Aber “Hexe”? Das ruft mehr und mehr Menschen auf den Plan die vom Davonlaufen des Partners bis zur Kündigung im Beruf die Ereignisse auf “schwarze Magie” oder Flüche abwälzen, welche natürlich von anderen gewirkt werden. Schwiegermütter oder neidische Familienangehörige scheinen da übrigens besonders gerne die Übeltäter zu sein.

Nicht das es das nicht gibt.

Ich durfte die Konfrontation mit gezielten destruktiven Energien auch schon erfahren, aber viele Menschen überschätzen diese Thematik etwas und suchen einfach einen Schuldigen. Das sie diesem damit direkt oder indirekt eine grosse Macht zusprechen sei nur nebenbei erwähnt. Aber der Trend nimmt zu. Und das stimmt nachdenklich.

Also wieder zurück zu Beltane, dem Hexenfest an dem wir die lichten Kräfte ehrten, die Polarität und die Vereinigung männlicher und weiblicher Energien im Individuum. Aber auch ein Fest in der die Sexualität und die Freude daran geehrt werden. Lust und Leidenschaft, Lebensfreude und Selbstbestimmung. Farbenpracht und der Zauber der Natur.

Mit Dankbarkeit und dem Wissen, dass wir dies nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen und das es auf der Welt viele Orte gibt, die nicht die Freiheit und den Luxus haben all dies zelebrieren zu können und zu dürfen.

Hier beginnt der Sommer, anderswo der Winter. Aber egal welche Jahreszeit: der Mensch braucht mehr denn je einen Zuwachs an Liebe, Mitgefühl und Empathie. Aber auch den klaren Blick um Dinge so zu sehen wie sie sind und nicht wie sie einem passen oder um die eigene Realität bestätigt zu bekommen und nix verändern zu müssen.

Denn Verdrängung führt zu noch mehr Leid, Schmerz, Angst, Neid, Misstrauen, zu noch schnellerer Klimaerwärmung, noch unfruchtbareren Böden, zu mehr Tierleid und dem Zugrunderichten eines Organismus der uns das Leben ermöglicht, der aber als Dank mit Füssen getreten wird. Und letztlich kann keine Magie der Welt hier etwas verändern, wenn man diese Magie nicht zu allererst dazu einsetzt um sich selbst zu verändern. Dies wiederum erfordert Selbsterkenntnis und die Begegnung mit den eigenen Schatten.

Der Hexenbesen sollte zuerst vor der eigenen Türe kehren.

Womit wir wieder bei der spirituellen Seite des Hexentums wären, die diese Themen anpackt. Mit Hoffnung, Realismus, in Licht und Schatten sowie einer Magie die auf Heilung abzieht, einem Bündnis mit der Natur sowie einem Verbund mit den Anderswelten und ihren Wesen der von Freundschaft sowie Respekt geprägt ist.

Und nicht davon sich Feindbilder zu erschaffen, oder sich auf diese so sehr einlassen, das man nur mehr mit “K(r)ampf” beschäftigt ist. Wie heisst es doch so treffend in einem Lied von Rosenstolz?

“Dein bester Feind bist Du…”

Bright Blessings

Betrachtungen zu den Erntedankfesten von Roadman und Anufa

Samstag, 29. Oktober 2016

Den Anfang macht diesmal Roadman, der sich so seine Gedanken auf „facebook“ gemacht hat.

Als ich heute morgen wie üblich meinen Kontroletti im Fratzenbuch gemacht habe, wurde ich erst mal von lauter „Happy Mabon“, „Geiles Herbstblot“ oder „schnuckeligen Herbstanfang“-Beiträgen erschlagen. Das hat schon fast etwas von den „Merry Christmas“-Grüßen, nur auf neuheidnisch/schamagisch/Wicca oder sonstwie schpürütüüll wabernd. Man merkt vielleicht: ich bin von so Floskeln eher abgenervt. Indes hat dieser Overkill dann doch mal was in mir in Bewegung gebracht – und zwar, wie ich das so sehe. Und weil eh jeder in Fratzenbuch jeden Flatus lauthals dokumentiert, denk ich´s mir: mei, auch wenn ich mich aus der Schmagieszene zurückgezogen habe, sag ich halt doch mal, wie ich das Ganze so sehe.

Für mich ist der 22. der Beginn der dunklen Jahreszeit. Einige werden sagen, dass es der 1. November ist, aber ich zähle hier ab dem Zeitpunkt, ab dem die Nächte länger werden. Vor einer Woche war noch hochsommerliche Hitze, und jetzt herbstelt es deutlich – fast auf den Termin genau. Am Morgen sind Nebelschwaden zu sehen, die Luft ist kälter und „klarer“, und die Sonne hat am Abend ein goldenes Licht. Als naturgeisteraffiner Welcher sage ich: ab jetzt beginnt die Zeit der abbauenden Kräfte, der Kräfte des Wassers, des Zerfalls und der Verwesung. Drastischer gesagt: so langsam zieht der Unseelie Court ein. Dieser Begriff stammt vom Feenglauben der britischen Inseln und bezeichnet die „bad Fairies“, also jene Naturgeister, die eher düster und weniger menschenfreundlich sind. Aber auch sie gehören gewürdigt und sogar geehrt. Ohne sie gäbe es im Frühling und Sommer kein Wachsen. Sie lassen das, was nicht durch den Winter kommen kann, über die Klinge springen. Der König ist alt geworden, stirbt und geht unter die Erde, um als dunkler, harter und die Klingen wetzender Erlkönig auf den Nebeln zu reiten und dabei mitzuwirken, dass Altes, Überholtes weichen kann. Die Königin dieser Zeit ist die Hel, die Göttin des Totenreiches und der Seelen. Sie fliegt als „Mother Goose“ oder Gänsemutter durch den Himmel.
Die meisten Leute werden zu dieser Zeit eher depri. Ich selber nehme die Zeitqualität eher als ein Komprimieren und klarer Werden wahr, und man kann sich ganz gut überlegen, was man als „Ernte“ so eingefahren hat – nicht nur ackerbautechnisch. In diversen Ritualen (die aufzuzählen wäre jetzt zu viel, da bietet der esoterische Markt Angebote zur Genüge an) ist es möglich, zu schauen, was in das nächste Jahr hinüber genommen werden kann und wo man getrost die Sense ansetzen darf. Der Samen kann dann etwas später, auf den ersten November hin, gesät werden.
Bei näherem Betrachten kommt da durchaus Freude auf, die ähnlich der Freude von Schwammerlsuchern ist, wenn sie fette Beute finden. In alten Zeiten oder auch heute noch in bäuerlichen Gemeinschaften war und ist das die Zeit des Erntedanks. Dieses Fest wird von der katholischen Kirche noch aufrecht gehalten, und es macht durchaus Sinn, mit einer gewissen Dankbarkeit Rückschau zu halten. Wir haben ein Dach überm Kopf, sauberes Wasser und täglich viel – zu viel – zu futtern. Damit gehören wir schon mal zu einer Minderheit – und es ist in diesem Zusammenhang irgendwie grotesk, über das Ehe-Aus von Brangelina zu diskutieren. Das sollte man sich in so Zeiten vielleicht mal ins Gedächtnis rufen. Die Volksfeste und Besäufnisse á la Oktoberfest sind vielleicht noch ein recht verzerrter Widerhall der Feierlichkeiten der alten Zeit, als es das Reinheitsgebot noch nicht gab und die Biere mit ordentlichem Lauchzauber gewürzt wurden. Einer Zeit, als Menschen und Naturkräfte vielleicht einander noch näher waren.
In diesem Sinne: genießt diese Zeit!

Roadman hat mir seine Gedanken zum Thema „Mabon“ zum Frühstück serviert. Weil ich da auch so meine Aufstoßer habe, hat mich das natürlich zu einem Artikel angestiftet …

Für mich als Hexe gibt’s ja massenhaft Gelegenheit zu feiern – ganze acht Jahreskreisfeste!. Da ich diese „Feiern“ aber vornehmlich als Marker durch das Jahr ansehe, die mich mit dem Lauf der Zeit durchs Jahr begleiten und nicht so sehr als „sozialisiertes Weihnachten“ kann ich mit den weitläufigen Glückwünscherein auch nicht besonders viel anfangen. Gerade deshalb find ich Roadmans Hinweis auf die Sinnhaftigkeit dieser Feste so notwendig.

Worum geht’s denn bei diesen ganzen Festeln überhaupt?

Wenn mich einer fragt, bei diesem hier (egal wie mensch es nennen mag, ob Herbstanfang, Mabon, Modron, Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, Herbstäquinox, …) meiner Ansicht nach um Dankbarkeit.
Genauso wie gerade im Netz bunte Bilder über reale Inhaltslosigkeit hinweg täuschen („können“, nicht „müssen“, weil es nicht immer der Fall ist!) so tut genau das nur ansozialisiertes Verhalten auch. Höflichkeit ist eine sinnvolle Sache, weil sie durchaus das Leben erleichtern kann. Deshalb macht es auch Sinn die „Bitte“ und „Danke“, die ich als Kind noch gelernt habe, auch als Erwachsene beizubehalten. Allerdings nicht als Floskel sondern ehrlich gemeint.
Wenn ich etwas möchte, dann ist es für mich normal darum zu bitten (auch wenn jemand dafür bezahlt wird, dass ich einen gewissen Service erhalte) und wenn ich ausreichend versorgt bin, mich dafür zu bedanken.
Natürlich gab es immer wieder Phasen in denen ich das nicht tat … als Kind z. B. weil ich einfach nicht tun wollte, was von mir verlangt wurde. Oder in der Pubertät, weil ich ja keinen Grund sah, irgendwem für irgendwas dankbar zu sein, weil das ja logisch ist, dass mir der Kellner meinen Kaffee bringt. Der kriegt ja bezahlt dafür, also warum sollte ich mich da noch extra bedanken. Die Verkäuferin kriegt ja auch bezahlt dafür, dass sie mir war verkauft, also warum soll ich drum bitten, dass sie einen Job hat? An diesen Beispielen ist schon deutlich, woran es meiner Ansicht nach, bei, ich nenne es mal „mangelndem Benehmen“, hapert. Die Selbstverständlichkeit hat sich eingenistet.

Wenn ich so zurückdenke an meine Jugend, wir hatten zu Hause einen gastwirtschaftlichen Betrieb in dem ich von klein auf mitarbeiten musste, dann war ich so erzogen, dass es selbstverständlich war, den Kunden gegenüber „dankbar“ zu sein hatte, weil ich ja (genauso wie meine Eltern) davon lebte, dass die bei uns essen und trinken wollten. Sie hätten ja auch woanders hingehen können … Damit war mir eine „wenn-dann“ Sicht immer schon vertraut. Natürlich kriege ich meinen Kaffee auch wenn ich mich ned bedanke … aber die Atmosphäre in der ich den dann bekomme ist vielleicht ein bisschen anders.

Wie war das mit dem Wald?

Wie mensch in den Wald hinein ruft, so kommt es auch zurück! Ein Spruch meiner Oma, der nicht immer stimmt, aber eine gewisse Berechtigung will ich ihm nicht absprechen. Wenn ich grantig und grußlos in ein Geschäft reinrausche und „Das Vollkornbrot dort!“ auf die Theke knalle, dann wird es dem Verkaufspersonal eher auch nicht so leicht fallen, mich freundlich zu bedienen. Ein Teufelskreis … der sich aber durchbrechen lässt. Es kostet nichts freundlich zu sein, genauso kostet es nichts dankbar zu sein!

Dankbarkeit ist ein Gefühl, dass meiner Ansicht nach, mehr von einem selber und der jeweiligen Weltsicht abhängt als von den äußeren Umständen. Ich für meinen Teil betrachte so gut wie nichts als selbstverständlich – es entspricht einfach nicht meiner Erfahrung, dass jederzeit alles mühelos zu meiner Verfügung steht.
Das wird aber einigen wohl nur schwer verständlich sein, warum sie dafür dankbar sein sollen, dass andere für sie samstags bis 18 Uhr im Geschäft stehen um noch den Einkauf zu ermöglichen. Ein Grund dafür mag sein, dass sie es gar nicht anders kennen! Womit wir wieder bei bereits erwähnter „Selbstverständlichkeit“ wären.

Bewusstsein macht´s!

Die Idee wäre sich einmal – gerade um diese Zeit und bei einem der drei Erntedankfeste – ein paar Stunden zu reservieren um einmal darüber nachdzudenken, was alles wir in unserem Leben als selbstverständlich ansehen. Für viele Verunfallte war es auch undenkbar, dass sich das Leben mit einem Schlag ändern könnte. Ein Dach über dem Kopf ist ebenso nicht selbstverständlich, wie gerade jetzt in Italien wieder deutlich wird – und da kann niemand was „dagegen“ tun. Geld ist als gerechter Lohn auch so eine Sache – wie oft hat Recht mit Gerechtigkeit nur wenig zu tun? Selbstverständlich ist – wenn mensch es genau betrachtet – nicht einmal, dass wir saubere Luft zu atmen haben (wenn wir uns manch Metropole so ansehen). Von Kriegsgebieten will ich hier gar nicht zu schreiben anfangen.

Was ich noch erwähnen möchte ist, dass es mir hier – wie meistens – um Gleichgewicht geht. Wenn mir das Leben die Extreme von Mangel und Überfluss nicht sowieso schon serviert hat (was in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unsrigen durchaus der Fall sein kann), dann wäre es sinnvoll sich diese selber bewusst zu machen. Die Folge davon könnte ein wenig mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit sein und deshalb könnte es dann sein, dass wir der Welt ein wenig freundlicher begegnen.

Fluch, Segen und der Gesang der „Social Sirens“, geschrieben von Dreamdancer

Samstag, 13. August 2016

Das englische Wort „Procrastination“ auf deutsch zu übersetzen ist nicht einmal so leicht. Die Wörterbücher und Übersetzungsprogramme sagen „Verzögerung“ oder „Aufschub“ aber ein einziges Wort in deutscher Sprache das den Sinn dieses Wortes so richtig umfassend wie auf englisch ausdrückt, habe ich – zumindest bis jetzt – noch nicht gefunden.

socialsirens

Im englischen nämlich beschreibt es etwas, das viele von uns kennen. Wir wissen, wir wollen, wir sollen, aber wir tun nicht. Und in diesem Fall stimmt die deutsche Übersetzung, denn wir schieben es vor uns her. Und dennoch kann man wunderbar sagen „I procrastinate“ und hat damit alles ausgedrückt.

Manchmal ist das in dieser hektischen und stressigen Zeit (eigentlich wäre sie das nicht wirklich, aber es ist herausfordernd gegen den kollektiven Zeitgeist zu schwimmen) nicht mal das Schlechteste, wenn wir die Zeit die wir damit temporär herausschlagen dann auch konstruktiv nutzen oder uns der notwendigen Entspannung hingeben.

Viel öfters jedoch rufen uns die Verlockungen dieser vernetzten Welt mit einer Macht die dem Gesang der Sirenen kaum nachsteht und wir verlieren uns in den Welten des World Wide Web und hier wiederum oft in den wilden Gewässern der Sozialen Netzwerke.

Natürlich meine ich, wenn ich „wir“ schreibe durchaus vor allem mich selbst, aber das habt Ihr Euch ja sicher schon gedacht ;). Und Gespräche mit Freunden, Kollegen aus, aber nicht nur, der Heidenszene beweisen mir, das ich da durchaus nicht der Einzige bin.

Ich ging letzthin in einer gezielten Meditation so einiges durch und musste feststellen, das mich die Aktivitäen in den SN etwas unkreativ gemacht haben. Zwar bin ich viel am lesen, schreiben, teilen und kommunizieren aber gleichzeitig hat sich mein sinnvollerer und kreativerer Output doch etwas reduziert.*

Ich blogge nur mehr selten, wende keine Zeit mehr für Videos auf (obwohl es mir Spass macht und auch die Reaktionen der Leute durchaus positiv sind) und wo ich früher einen grossen Output an persönlichen Gedichten, Texten, Gedanken und Gebeten hatte die ihren Weg in mein Buch der Schatten fanden, ist es nun eher vom grossen Strom zum kleinen Bach geschrumpft.

Zwar schreibe ich immer noch wunderbare Meditationen die ich in meinen Kursen teile, Rituale die ich und andere durchführen und so finden einige Gaben ihren Weg unter die Leute, aber mit öffentlichen Gedanken und Ambitionen bin ich doch etwas stiller geworden.

Nun gut: im Vergleich zu früher bin ich inzwischen wesentlich ausgeglichener und nehme vieles nicht mehr so wichtig was dazu führt, dass der therapeutische Zweck des Schreibens etwas in den Hintergrund getreten ist (der Lebenserfahrung, der Meditation, dem Ritual, dem Vertrauen an die Götter und dem innerem Wachstum sei dank), aber gleichwohl gibt es so viele Inspirationsfunken die nicht mehr umgehend umgesetzt werden, wenn sie von Brigid (keltische Göttin des Feuers, der Heilung aber auch der Inspiration)zugespielt werden.

Manchmal, wenn die Gedanken und Ideen kritische Hintergründe haben, kommt auch die Frage: ist es Wert dahingehend Zeit zu investieren? Denn in der Fülle an Output das sich im Netz massenhaft findet bekommt man oft das Gefühl, das man nichts mehr beitragen kann, das nicht sowieso schon jemand anderer thematisiert hat.

Und das dann ebenso oft in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde wie das Meiste das sich nicht um Kim Kardashians Hintern, die sexuelle Orientierung eines Sternchens oder die rasche Empörung gegen irgendwas oder irgendwen dreht.

Dann aber denke ich das mich ebenso Texte anderer SchreiberInnen berühren und ich mir Zeit nehme sie zu lesen, wenn sie mich interessieren. Sie mich auch in Themen die ich schon erforscht zu haben glaube inspirieren oder mich gleichwohl auf neue Ideen bringen die sich auch in meiner persönlichen Praxis wiederfinden.

Und dann wird mir eben bewusst: I procrastinate ?

Und verplempere derzeit viel Zeit mit Zeug das nicht wirklich wichtig ist und auf sozialen Medien in deren Existenz Fluch und Segen beide grosse Auftritte haben.

Das stellt einen vor die Frage: wie geht man weiterhin damit um? Und hier kommt dann eine magische Kernlehre zur Anwendung, die so essentiell wichtig ist: Erkenne Dich selbst und die Wicca Ethik der Selbstverantwortung legt gleich wunderbar nach.

Ich netzwerke gerne auf Facebook, Google+ und Co. und daran wird sich auch nichts ändern. Es macht mir Spass und die soziale Komponente ist – bis zu einem gewissen Grad – bereichernd. Aber ich gehe über die Bücher und werde mal schauen wie viel sinnlose Zeit ich dort verplempere die ich – wie früher – gehaltvoller nutzen könnte.

Am Donnerstag den 18. ist ja Vollmond und der lässt sich dann gut und kreativ nutzen um – mit der darauf folgenden, abnehmenden Phase – dann auch einiges zu reduzieren das einem nicht gut tut und dort zuzulegen wo es nährt und konstruktiv ist. Öfters bloggen und am Buch weiter arbeiten wäre in jedem Fall wieder kreativer als „facebooken“.

Man muss dem Gesang der „Social Sirens“ einfach besser widerstehen und loslegen wenn der Funke da ist. Es gibt da so die „3 Sekunden Regel“ die auch psychologisch bewiesen ist. Man hat 3 Sekunden um etwas umzusetzen. Wenn man die verstreichen lässt dann rutscht man mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in das Gewohnte zurück.

Bei mir heisst das dann wohl: dem Drang nach dem Öffnen einer sozialen App oder eines Newsfeeds 3 Sekunden lang zu widerstehen *lach*. Vielleicht gilt das ja auch für Dich? ?

Blessed Be

*Das behandle ich hier nicht zum ersten mal was aber beweist, das sich da langfristig auch nicht gross etwas verändert hat

Ein Blick auf die Heidenszene im Duett – Teil IV, geschrieben von Sati und Anufa

Samstag, 09. Juli 2016

Ist Gemeinschaft für Euch etwas Sinnvolles oder Hinderliches?

Anufa: Weder noch oder sowohl als auch – es kommt auf den Blickwinkel an, aus dem ich Gemeinschaft betrachte und definiere.
Wenn ich unter Gemeinschaft ein Konstrukt verstehe, wie Sati es erklären wird, dann ist sie sicher sinnvoll. Leider entsprechen die wenigsten Gemeinschaften dieser Definition und sind (aus meiner Warte) eher hinderlich – beides auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick ist die Gemeinschaft für mich auch der Spiegel des einzelnen Menschen. Natürlich ist gerade Gemeinschaft durch Sozialisation, Lebensverhältnisse, etc. mitgeformt, aber das ist der Alleingänger auch. Gerade in der Gruppe kann ich gut erkennen was in mir selber auch rumort oder noch schlummert, weil es mir die anderen um die Ohren hauen. So mag es mehr als unangenehm sein, wenn die eigene Blauäugigkeit auf die Gruppenrealität stößt. Es ist auch sehr hilfreich zu sehen, dass es auch andere gibt, die … Es ist beruhigend einen Abgleich zu haben, beobachten zu können, wie dieses oder jenes Verhalten, Denken und Leben, von außen betrachtet, aussieht, sich anfühlt und welche Auswirkungen es hat. Kurz gesagt, Selbst- und Fremdbild können sich oftmals sehr unterscheiden und für mich ist es entwicklungsnotwendig diese Bilder abzugleichen.
Damit wäre ich wieder beim „Sinn“: Durch und in Gemeinschaft habe ich die Möglichkeit mich selber besser kennen zu lernen. Das ginge allein durchaus auch, aber eben anders und ich selber fände es wesentlich mühsamer das ausschließlich allein zu erarbeiten und von einigen Ecken bin ich mir sicher, dass ich die allein nie kennengelernt hätte.
Sofern sich aber Gemeinschaft vornehmlich dadurch auszeichnet, dass mensch „anders“ ist als „die anderen“ oder „besser“ als „die anderen“ oder „die anderen die Bösen“ sind – solange sehe ich da keinen Sinn darin. Das kann ein Anfang sein, aber imho sollte sich eine Gemeinschaft schnellst möglich in eine Richtung bewegen, in der es darum geht heraus zu finden, wo mensch mit sich (und der Gemeinschaft) hin will und darauf auch hinzuarbeiten. Oder eben die Fähigkeit zu entwickeln, diese Fragen überhaupt stellen zu können.

Im Schneckenhaus copyright Sandra

Im Schneckenhaus copyright Sandra

Sati: Eine Gemeinschaft im eigentlichen Sinne, die funktioniert, weil alle ungefähr die gleichen Visionen und Ziele haben und bereits sind sich selbst ein bisschen dafür zurückzunehmen, sind was großartiges. Dann kann vieles gemeinsam geschafft werden, was allein unmöglich ist. Dann können Prozesse sinnvoll aufgeteilt werden, der Einzelne dennoch aufgefangen werden und Erfahrungen kollektiv vielschichtiger und tiefer gemacht werden. Gerade gemeinsame Rituale sind z.B. eine sehr effektive und nützliche Art das jenseits des Erklärbaren als Gemeinschaft zu teilen und damit auch für den Einzelnen (er)tragbarer zu machen. Spiritualität und Religion beinhaltet ja nun mal auch den Umgang mit dem Unfassbaren und Unerklärlichen und das teilen zu können – und ich meine wirklich innerhalb einer wohlwollenden und konstanten Gemeinschaft und nicht in einem zusammengewürfelten Haufen von Selbstdarstellern, sozial Gestrandeten und lethargischen Mitläufern – kann definitiv eine sehr lohnende und tiefe Erfahrung sein.


Was denkt Ihr, wo driftet die Szene in Zukunft hin?

Sati: Es gibt immer Generationswechsel innerhalb von sozialen Kategorien. Wenn ich die deutsche Heidenszene mit der riesigen US Heidenszene vergleiche, dann könnte ich mir eine ähnliche Entwicklung vorstellen. Sie wird vielleicht größer werden, zersplitterte, extreme Hardcore-Heiden, werden neben Wochenende-Paganen koexistieren, die Rekonstruktionisten werden sich hinter ihren Büchern verkrümeln und vielleicht im Internet fachsimpeln.

Anufa: Im Unterschied zu Sati, sehe ich die Szene in Österreich und auch in Deutschland, als viel zu klein an. Die Frage ist für mich so sehr schwierig zu beantworten, weil das sehr davon abhängt, wie die Gesamtgesellschaft sich weiterentwickeln wird.

Manchmal tendiere ich eher dahin, dass die Spiritualität, wie sie in diesem Bereich praktiziert wird, eine „Luxuserscheinung“ ist. Sobald es also wieder um die „existentiellen Bedürfnisse“ (wie auch immer mensch die definieren mag, vom Smartphone bis tatsächlich zum blanken Überleben …) flüchten viele wieder in die Denkmuster der Kindheit. Damit schätze ich, wird nicht sozial verankerte Spiritualität unwichtiger, weil sie sich einfach nicht genügend lohnt, nicht die Befriedigung/Zufriedenheit bringt, die gesucht wird.

Manchmal sehe ich doch eine gewisse Verwurzelung in den Systemen, die gewählt wurden – stelle trotzdem aber deren Haltbarkeit in Frage. Vielleicht verstehe ich nur einfach nicht, was Gatherings, Festivals oder „Healing Art Events“ dauerhaft bewirken können? Für mich waren sie immer Vehikel um einen Einstieg zu ermöglichen oder neuen Input zu bekommen, wären mir als Selbstzweck jedoch viel zu wenig gewesen. Mich erinnert das immer an Drogenkonsum. Eine Woche voll drauf und dann auf Entzug bis zum nächsten Event.
Damit wird eine Szene noch weniger tragfähig, was zum Beispiel die letzten paar Jahre an wenig besuchten Stammtischen oder offenen Ritualen beobachtbar ist.

Eine Beobachtung finde ich noch interessant. So sehr es für mich auch erfreulich ist, dass die Demarkationslinien zwischen unterschiedlichen Religionen, Traditionen und Richtungen langsam aufweichen, so nachdenklich macht mich das, was ich ich als Metrospiritualität bezeichne (dabei denke ich sowohl an den Gastrogroßmarkt als auch an die „Metrosexualität“). Ich kann mit dem Ansatz nichts anfangen, dass es super ist, einen evangelischen Pfarrer, den mensch zufällig kennt, um ein Ritual zur Taufe zu bitten und wenn der keine Zeit hat, dann halt einen Bekannten, der sich als Schamane sieht und wenn der nicht kann, dann den Lebens- und Sozialberater (den einer kennt, den mensch kennt, weil der hat das für einen anderen Bekannten so schön keltisch gemacht vor ein paar Monaten). Das ist für mich der Kreisschluss zum Phasenheiden vom Anfang und die Verdeutlichung dessen, was ich unter „nicht verwurzelt“ schon angesprochen habe.


Was wünscht Ihr Euch, für die Zukunft der Heidenszene?

Den Frosch küssen copyright Sandra

Den Frosch küssen copyright Sandra

Anufa: Ich wünsche mir für die Menschen, die sich dieser Szene als zugehörig betrachten, vieles aber etwas ist in meinen Augen besonders wichtig – nämlich dass dieses „Wir“ einen anderen Stellenwert und eine andere Definition bekommt. Gerade eben habe ich ein Gespräch gelesen …
A: … aber jedes quentchen an „wir-gefühl“ ist diesbezüglich und momentan fast schon unbezahlbar!
B: …das „wir-Gefühl“, etwas gegen das Establishment durchgesetzt zu haben, egal was?

Vielleicht wäre es an der Zeit dieses „Wir“ nicht mehr über „Wir sind wir, weil wir gegen XY sind“ zu definieren sondern über … ja – was sonst???
Also wünsche ich mir, dass möglichst viele Menschen sich diese Frage selber aus ihrer tiefen Überzeugung beantworten können. Damit wäre die Chance gegeben, dass sich tatsächlich Einzelwesen zu einem Gruppenwesen zusammen finden. Menschen, die zumindest ihre Überzeugungen teilen und wenn die dann noch ein gemeinsames Ziel finden, dann wäre das eine gute Basis für eine stabilere Szene und vielfältig wäre sie auch noch. Also mein ewig stehender Satz seit 2001 – „das hatten wir mit dem WurzelWerk eigentlich vorgehabt“. Vielleicht erlebe ich es ja noch, dass das auch von mehr als 5 Heiden und länger als 3 Jahre tatsächlich gelebt funktioniert. Allerdings sehe ich das (bei allem Optimismus) als eher unwahrscheinlich an.

Sati: Um ehrlich zu sein nichts mehr. Ich hab mich damit arrangiert wie sie ist, habe meine Ideale und Wunschvorstellungen vollständig verloren oder freiwillig abgelegt. Und viel Hoffnung verloren, wobei das nicht einmal was schlechtes ist. Für mich ist mein soziales Leben dadurch leichter geworden, vielleicht funktioniere ich im Alleingang wirklich besser. Dennoch denke ich, dass es in meinem Leben andere Gruppen gibt, die mit meinem sozialen Engagement mehr und besseres anfangen können.