Archiv für die Kategorie ‘Leerheit und Form’

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil V, geschrieben von Uwe

Samstag, 16. Juni 2018

Die Freiheit in der Wirklichkeit
„Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Alles was geschieht und erfahren wird ist ein Geschehen, dass nur geschieht, weil ich hieran beteiligt bin. Ich als „Selbst“ in einem relativen Geschehen. Und dass dies alles, das Geschehen als auch dieses Selbst, nur ein zusammengekommenes ist, vorübergehende Erscheinungen ohne jede wirkliche Substanz.
So wie ein Kind, das plötzlich verstirbt, zustande gekommen ist aufgrund verschiedener Bedingungen. Und aufgrund verschiedener Bedingungen wieder gegangen ist.

Genau so ist es mit allem, jedem, immer und überall. Was macht man nun mit dieser Brutalität des Zusammengesetzten, Vorübergehenden, unabwendbar Auseinanderfallenden, das erlebt wird?
Die Wertschätzung für das, was einen umgibt und was einen ausmacht ist der erste Schritt, um mit sich, mit dem Erleben von vorübergehendem Leiden und Glück ins „Reine“ zu kommen.
Vor allem ist es die Einsicht, dass man für alles, was einem widerfährt selbst Verantwortung trägt. Denn ohne definitive Beziehung zu dem, was einem widerfährt gäbe es keine Erfahrung. Und wer in Beziehung mit etwas steht, sei es nun angenehm oder unangenehm, der steht in der Verantwortung. Vor allem für das eigene Erleben und das agieren auf das, was erlebt wird. Ob einem das, was da geschieht, nun passt oder nicht. Sei es nun etwas Beglückendes. Oder etwas Leidvolles.
Dabei geht es um die grundlegende Fähigkeit, für alles, was geschieht, Achtsamkeit zu entwickeln. Besser ausgedrückt, ein Gewahrsein walten lassen zu können. Wer die Fähigkeit entwickelt, Gewahrsein zu entfalten für das Geschehen im eigenen Geist übernimmt automatisch Verantwortung.

Für das eigene Leben. Und wird tatsächlich fähig, Freiheit zu erlangen. Freiheit von der krankhaften Vorstellung, die Dinge müssten genau so laufen, wie es einem gerade in den Kram passt. Freiheit von Wünschen und Hoffnungen. Freiheit von Ängsten und Sorgen. Freiheit von mentalen Upps und Downs. Freiheit von der psychischen Abhängigkeit von anderen Menschen, von Bedingungen und Umständen.
Wie sagt es Dzongsar Khyentse Rinpoche so schön dazu, wenn dieser Zustand erreicht ist? Wenn man im Gleichmut durch die Wellen des Lebens surfen kann, ohne in diesen zu ersaufen, ohne von irgendetwas mental abhängig sein zu müssen? „Was will man mehr an Erleuchtung“.

Die verborgene Ebene

Ich habe mich nun über viele Worte hinweg über das ausgelassen, was unsere Wirklichkeit ausmacht. Das was wir erleben, erfühlen, genießen und erleiden. Doch was steckt hinter all diesem Erleben? Es ist eine Ebene, die uns verborgen ist. Die wir intellektuell durchaus durchdringen können. Besser tatsächlich, als das weit schwierigere Phänomen Unbeständigkeit.
Aber was heißt schon intellektuell. Was nützt aller Hirnschmalz, wenn es nicht ins Herz dringt? Apropos Herz.
Es gibt eine buddhistische Lehrrede, die sich Herz-Sutra nennt. Dieses sehr kurze Sutra bringt die verborgene Ebene brillant auf den Punkt. Das Herz-Sutra ist in den Lehren des Prajnaparamita enthalten, einem umfangreichen Werk, das Leerheit beschreibt. In einem Gespräch zwischen dem Bodhisattva Avalokitesvara und einem Schüler des Buddha, Sariputra, kommt es in diesem kurzen Herz-Sutra zu folgender Aussage:

„Form ist Leerheit. Leerheit ist Form. Leerheit ist nichts anderes als Form. Form ist nichts anderes als Leerheit. So Sariputra, sind alle Erscheinungen ganz und gar leer, sind ohne Eigenschaft, sind nicht entstanden, enden nicht, sind ohne Makel, ohne Freisein von Makel, ohne Schwinden und ohne Wachsen.“

Aus diesem Grund habe ich in meiner letzten Abhandlung schon davon gesprochen, dass es keine wirkliche Ursache für etwas gibt. Sei es nun Form, Geräusch, Geruch, Geschmack, Tastbares oder rein geistig Erfahrbares wie Gedanken, Gefühle oder aber Träume. Alles erscheint klar und wohlgeordnet, ist jedoch leer von einer unabhängigen, dauerhaften Existenz.
Aus diesem Grund kann es all die Dinge wie Teller, Tasse, Honig, Multiversen, Bananen, Wiedergeburt, Multivitamintabletten, Schwarzarbeit, Kapitalismus, Liebe, Karma, Berge, Kleinste Teilchen, Ausbeutung, Stringtangas, Quarks, Panama und Paradies Papers geben. All das ist letztlich so wahrhaft vorhanden wie ein Traum, eine Illusion, eine Fata Morgana.
Das Problem ist, dass wir normal gestrickte Menschen diesen Traum nicht durchschauen. Wer schon mal geträumt hat weiß, wie real sich ein Traum anfühlen kann. Wir sind meist in unserem Traum vollkommen überzeugt davon, dass alles wahr ist.

Dann sprechen wir mit diesen Traummenschen, besteigen das fliegende Traumpferd und reiten auf dem rosaroten Traumwolkenteppich hinauf zur Traumburg des Traumriesen um dort die Traumhenne zu finden, die goldene Traumeier legt. Und wenn der Riese uns erwischt und das riesige Maul, das uns gleich verschlucken wird immer näher kommt…
…dann wachen wir schweißgebadet und mit laut klopfendem Herzen auf. Hurra, nur ein Traum. Und merken dabei nicht, dass wir uns in einem weiteren Traum befinden.
Oder wir sitzen in einem Kino und heulen Rotz und Wasser, nur weil jemand schlaflos in Seattle rumhängt und um seine filmtote Frau trauert. Freuen uns, wenn tatsächlich Liebe den britischen Premierminister befällt und der schusselige Schriftsteller seine portugiesische Haushaltshilfe heiratet. Und schreiben bescheuerte Wut-Emails an die Macher von Games of Thrones, weil sie ein Detail aus dem Roman falsch ausgelegt haben.

Insbesondere halten wir jedoch unsere Gedanken, Konzepte, Ideen und Gefühle für so real und wichtig, dass wir dafür Kriege anfangen, Menschen umbringen, Banken ausrauben oder uns in anderen kleinen und großen Dummheiten verirren. Wir gehen fremd, erwürgen unsere Frauen und Kinder, kaufen hässliche Hunde, klauen kleinen Kindern Kekse, gehen zum Billigfriseur, besitzen Smartfones und Kleider, die von Sklaven gefertigt wurden, essen Tiere von dem Supermarkt, dem das Tierwohl scheißegal ist, lieben vögelkillende Katzen, hassen Kinderficker, wählen AfD, CDU, SPD, BND oder ARD und orientieren uns an Rumpelstielzchen, Angela Merkel, Jesus, Günter Jauch, Buddha, Mohamed oder Bon Jovi. Nur, weil wir nicht erkennen, dass alles, was da ist, nur klar erscheint. Und dabei leere Erscheinung in jeder denkbaren Form ist.
Und so nehmen wir fühlenden Wesen immer und immer wieder Form an. Eine Form, die nur leere Erscheinung ist, eine leere Erscheinung, die Form ist. Wir werden geboren, sterben, werden wieder geboren und sterben. Mal als langlebige, mal als kurzlebige, gesunde und kranke, arme und reiche Wesen, den Trieben unterworfen, dumm wie Brot oder mit Intelligenz geschlagen. Wir tun dies und jenes, setzen Handlungen, die Bedingungen schaffen die wiederum zu Formen führen und Lebenswelten kreieren, ob sie einem nun passen oder nicht. All das geschieht ganz einfach. Sehr simpel eigentlich. Alles geschieht in einem klaren absehbarem Zusammenhang. Wenn man denn die Bedingungen kennt.
Ein professioneller Magier, der weiß, wie ein Trick funktioniert, wird sein Publikum im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern. Ein ebenfalls professioneller Zauberkünstler, der genau weiß, was da vor sich geht wird dabei nicht mit solch offenem Mund dasitzen wie ein kleines Kind oder ein erwachsener Hillibilli, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.
Und wir gleichen in gewisser Weise einem Kind, einem Einfaltspinsel. Wir sitzen im Fieberwahn Samsaras und wundern uns, was abgeht. Und beschweren uns dann auch noch, wenn mal was nicht so läuft, wie wir das gerne hätten.
Der Buddha ist der Magier, der alles durchschaut. Das unterscheidet uns vom Buddha. Nicht mehr. Nicht weniger.

Wir haben die Bedingungen selbst gelegt unter denen wir nun leben und leiden. Die einzige Möglichkeit hier rauszukommen, ist dieses Spiel zu durchschauen. Und auszusteigen.
Wenn nicht, dann hat man ein gewaltiges Problem. Dann ist man dem Schicksal unterworfen, dem Zufall, dem lieben Gott, hängt in einem scheinbar ewigen Kreislauf, „Samsara“ genannt. Oder man glaubt allen Ernstes, dass nur der jetzige Moment wahr ist. Dass es keine früheren Handlungen gibt, keine früheren Existenzen und dass später eh alles egal ist.
Doch das ist alles nicht mehr als ein Irrtum. Selbst der jetzige Moment ist leer von einer wahrhaften eigenständigen Existenz. Ist nicht mehr als leer, weit, klar, licht. Gefüllt mit einer ganzen Menge Erscheinung. Ohne Anfang, ohne Ende.

Und wie passt das dann zur Aussage des Buddha „Weil dieses existiert, ist jenes“? Form ist Leerheit. Leerheit ist Form. Leerheit ist nichts anderes als Form. Form ist nichts anderes als Leerheit. Nichts anderes sagt der Buddha. Weil Form und alles andere Leerheit ist, kann sie überhaupt Form und alles sein. Und weil Form und alles ist, ist alles Leerheit. Und was ist dann die absolute Ebene des abhängigen Entstehens, von der ich zu Beginn meiner langen Abhandlung gesprochen habe? Tja, das ist noch was anderes. Wovon ich keine Ahnung habe

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil IV, geschrieben von Uwe

Samstag, 09. Juni 2018

Zwei Wirklichkeiten

„Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Die buddhistische Sichtweise schließt keine Theorie grundsätzlich aus, nur Und haben dennoch, wie wir aus der tagtäglichen Erfahrung mit Computern, Smartfones und anderen technischen Errungenschaften Auswirkungen auf die relative Ebene, das eigene Leben.

So könnte man natürlich sagen, auch ein Schöpfergott hat diese Auswirkungen. Allerdings haben wir bei einem solchen Gott das „Problem“ der Herkunft und der Unmöglichkeit des Einwirkens auf relative Erscheinungen. Wie ich das im letzten Artikel dargelegt habe. Insbesondere ist es fahrlässig, mit den Erklärungen des verborgenen im Bereich der relativ erfahrbaren Wirklichkeit mutwillig herumzupfuschen.
Es nützt vor allem nichts wenn es um den großen Bereich der eigenen Gefühle, des eigenen Selbst, des Lebens an sich geht. Zumindest solange man nicht selbst die absolute Wirklichkeit durchdrungen hat.
Es nützt nichts, wenn es um relativ erlebbares Karma und ja, auch Wiedergeburt geht. Nützt nichts bei der Frage, wie man aus diesem Schlamassel der Verstrickungen in die eigenen Gefühle und Verflechtungen, den „karmischen Gestaltungen“, in denen man brutal feststeckt, eigentlich rauskommt.

Weil sich ja dennoch, trotz aller Beteuerungen und Theorien alles immer und immer weiterdreht, ohne Unterlass. Ohne Anfang, ohne Ende. In einer Art Dauerschleife der Wiederholungen. Und was ist nun der Ausweg aus dem Dilemma? Der Versuch einer Beschreibung folgt.

Die schreckliche Wirklichkeit

„Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Auf der Ebene der relativen Wirklichkeit haben Bedingungen keinen Anfang, wenn wir sorgfältig darüber nachdenken.
Wo sollte es denn bitteschön auch irgendwo einen Anfang für Bedingungen geben? Wann hat „Evolution“ tatsächlich begonnen? Oder, was die Astrophysik ja auch nicht beantworten kann, was war vor dem Urknall? Und was war die Ursache für den großen Knall? Wo kein Anfang da kein Ende. Das sagt zumindest die buddhistische Lehre. Sie spricht definitiv von unendlichen Zeitaltern, in denen Welten entstehen und vergehen. So verlockend es nun auch sein mag, es ist grundsätzlich nicht empfehlenswert, im alltäglichen Erleben, in diesem relativen Zusammenhang mit relativen überschaubaren Zusammenhängen unserer Erfahrungen mit der Traumebene zu argumentieren.

Zuerst gilt es, die relative Wirklichkeit anzuerkennen, wie sie ist. Und da gibt es nun mal Anfang und Ende. Man akzeptiert, dass Geburt geschieht, Krankheit, Alter. Und auch Sterben. Das da erfahrbares Glück ist wenn was Hübsches geschieht und Leiden, wenn Mist passiert. Dass all dies aufgrund von Bedingungen geschieht. Und nicht aus dem Nichts, zufällig, schicksalhaft.
Geht man hierbei aus dem Kontext der Relativität hinaus und argumentiert mit Quantensprüngen, schwarzen Löchern und Leerheit mag das für die esoterische Stammtischdiskussion ganz nett sein. Bringt aber ansonsten rein gar nichts. Nicht für das relative eigene Leben. Im Gegenteil. Das wäre, als würde man einem Menschen, der soeben sein Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hat auf die Schultern klopfte und sagte, dass dies doch alles nur ein Traum sei.
Letztlich stimmt das. Alles ist wie ein Traum. Wer schon die 60 Jahre überschritten hat wird dies ohne Umschweife bestätigen. Denn woran erinnert man sich mit 60 noch konkret aus seiner Kindheit. Oder erscheint nicht doch alles wie ein langer Traum? Dennoch wird dies in einer traumatischen Situation wie dem Verlust eines Kindes keinen Nutzen haben.

In einer solchen Situation hilft zuerst nur die Anerkennung dieser relativen, scheinbar wahrhaft existenten Ursachen und Wirkungsprinzipien folgende Wirklichkeit, wie wir sie als Menschen erfahren.
Hier ist ein Kind gewesen. Das man aufgezogen hat. Mit dem man Zeit verbracht, das man geliebt hat. Und nun ist es tot, gestorben. Plötzlich und unvermutet, zufällig, durch einen Unfall. Durch eine plötzliche, heftige Krankheit. Durch Selbstmord.
Statt über Träume zu faseln nimmt man einen solch verwaisten Menschen in den Arm und versucht, sein Leid zu lindern durch Anwesenheit. Wobei dieser Mensch mit seinem Leiden immer allein sein wird. Und kaum zu trösten.

Ein abgehobenes, intellektuelles Geplappere über eine „Absolute Wirklichkeit“ hilft wirklich nicht. Nicht in einem solchen Moment. Bewirkt eher das Gegenteil. Wichtig ist zuerst der Blick auf die relative, scheinbare Wirklichkeit, wie sie ist.
Dann gilt es, Hilfe zu geben. Und Formalitäten zu regeln. Die Beerdigung. Die Benachrichtigung der Verwandten. Die Wochen und Monate danach zu überstehen helfen.
Und wenn man mal so weit ist und der Schmerz nicht gar so groß ist und man irgendwann ansprechbar für solche Themen, dann ist man vielleicht auch fähig für eine kleine Einsicht.

Dann ist es vor allem wichtig zu begreifen, dass alles was uns umgibt und was uns ausmacht, alles, was wir erfahren, genießen und erleiden auf einem unendlich vielfältigen Zusammenspiel von Bedingungen beruht. Die nur mit einem selbst zu tun haben. Mit nichts anderem.

Ende Teil IV

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil III, geschrieben von Uwe

Samstag, 26. Mai 2018

Wie zum Beispiel Honig. Oder Liebeskummer. Oder Depression. Hass. Mitgefühl. Tupperschüsseln. Klimawandel. Dass dabei etwas aus etwas anderem entsteht ist eine von vielen Menschen gestellte Behauptung. Die allerdings nichts anderes als dem „einfachen“ Denken geschuldet ist.
Zwar sind Blüte, Nektar und Biene definitiv was „anderes“ als Honig. Dass aus ihnen Honig entstehen würde, diese Sichtweise beruht jedoch auf einer Art Faulheit. Auf einer grundlegenden Unachtsamkeit, besser ausgedrückt, einem NichtGewahrsein. Dieses Nicht-Gewahrsein wird insbesondere von theistisch orientierten Menschen gepflegt. Und auch von Atheisten.

Vom Schöpfergott zum Gehirn

Theisten haben sich dabei etwas ganz besonders „anderes“ ausgedacht. Alles Erfahrbare und auch nicht Erfahrbare, so stellen sie ihre Sicht dar, gehe auf die Schöpfung einer überlegenden Wesenheit, eines Gottes zurück. Der ewig, unveränderlich und unabhängig agiere. Der in der Lage ist, aus dem Nichts etwas zu erschaffen.
Nun, wie etwas aus dem Nichts erschaffen wird, mag man erst mal erklären. Aber dazu später mehr.

Der Glaube an einen ewigen, unveränderlichen und allmächtigen Schöpfergott ist dabei in doppelter Hinsicht denkwürdig. Wohlgemerkt, die buddhistische Sicht lehnt den Glauben an Götter nicht pauschal ab. Allerdings befinden sich diese Götter, so machtvoll, schöpferisch oder langlebig sie auch sein mögen jedoch logisch betrachtet ebenfalls innerhalb dieses relativen Geschehens. Und nicht irgendwo außerhalb.
Denn wären sie außerhalb dieses Geschehens, dann könnten sie keinen Einfluss auf die wechselseitigen, abhängigen Vorgänge bewirken.
Sobald sie jedoch etwas bewirken, sind sie innerhalb dieses Geschehens. Und dann unterliegen sie denselben Bedingungen wie alle Erscheinungen dieser relativen, erfahrbaren Existenz.

Und wenn ein Schöpfergott etwas erschafft, woraus erschafft er etwas? Wie gesagt, aus dem Nichts geht ja schon mal gar nicht. Und wenn der Schöpfergott ebenfalls Bedingungen nutzen würde, woher kommen diese Bedingungen? Oder hat dieser Gott diese Bedingungen ebenfalls aus dem Nichts erschaffen? Ja ja, so einfach ist das nicht.

Zum Zweiten stellt sich bei einem Schöpfergott noch die folgende Frage: Wer oder was hat diesen geschaffen?
Wenn nun jemand behauptet, dieser Gott sei „ewig“, ungeschaffen, dann sind wir schon bei der zweiten Behauptung angelangt. Das etwas aus sich selbst entstanden ist. Das eine solch komplexe Sache wie ein Schöpfergott, der etwas bewirkt und daher ja zielgerichtet vorgeht, mit einem Plan und auch Ausrichtung, aus sich selbst entstehen könnte geht aber auf dieser relativen, erfahrbaren Ebene schon mal gar nicht.

Atheisten haben ebenfalls eine sehr nette Erklärung parat wenn es um das Thema Geist geht. Diese, von keinem Neurologen, Biologen oder Wissenschaftler auch immer erklärbare Sache Geist wird flugs als ein Produkt des Gehirns bezeichnet. Nun denn, hierfür gilt selbiges wie für einen Schöpfergott.
Die Wissenschaft hat ein an und für sich lebloses Objekt wie Gehirn zu einem Schöpfer einer ihm völlig fremden Sache erklärt. Da wundert es, dass man Pinocchio, den hölzernen liebenswerten Bengel in den Bereich der Mythen verschiebt. Denn auch Holz etwas, dass wie Gehirn aus vielen Bedingungen in Erscheinung tritt. Und dann könnte Geist auch in Pinocchio „entstehen“.

Von gehörnten Hasen und Spaghettimonstern

Nun sagen einige findige Bürger, dass Gott, der Geist und die Dinge aus dem Nichts entstünden. Nun denn, das passiert ebenfalls nicht.
Auch Honig, wir erinnern uns, entsteht nicht aus dem Nichts. Und wenn dem so wäre, dann könnte auch im Himmel ein gehörnter Hase erscheinen. Einfach so.
Oder aber, wenn es denn einen Schöpfergott geben sollte, es die Gottheit der fliegenden Spaghettimonster ebenfalls geben müsste. Gibt es übrigens tatsächlich. Sogar eine Kirche, die diese anbetet. Dinge und Götter, auch nicht fliegende Spaghettimonster entstehen aber nicht aus dem Nichts.
Manche sagen auch, da gibt es halt eine Mischung aus diesen Möglichkeiten und die Dinge entstünden halt zufällig. Zwar betonen manche Leute, die Quantenphysik würde genau auf solches verweisen. Dass Dinge zufällig erscheinen. Dass es Multiversen gibt und darin Vorgänge, die jenseits der relativen physikalischen Gesetzmäßigkeiten liegen. Wo die Schwerkraft nicht gilt und Dunkle Materie die Dinge umkehrt. Wo Wurmlöcher Verbindungen zwischen den Galaxien und Dimensionen bilden und Warpantriebe Raumschiffe voranbewegen. Mit Mutter Theresa als Kapitän und Adolf Hitler als Schiffskaplan.

Nun, das ist jetzt ein wenig überspitzt. Tatsächlich verdanken wir unsere heutigen hochentwickelten technischen Geräte auch den teils verrückten Thesen der Quantenphysik. Das heißt aber nicht, dass diese Thesen nicht doch Regelmäßigkeiten folgen würden. Es kommt dabei nur darauf an, wie sie interpretiert oder überhaupt verstanden werden.
Denn, wer stellt diese Theorien auf? Sind es nur Physiker, die das mit ihrem Denken durchdrungen haben wollen und mit besonderen Geräten beobachten? Wer programmiert die Computer, die etwas außerhalb der relativen Realität beobachten wollen? Und wie interpretiert man eine solche Messung, die man macht? Und ist das Chaos, das manche Physiker dann erkennen wollen vielleicht auf einer verborgenen Ebene nicht doch wieder wohlgeordnet? Nicht, dass Quantenphysik nicht eine Geltung haben würde. Nicht, dass sie nicht gute, phantastische Theorien liefert für unser Sein. Das ist aber eine andere Sache.

Ende Teil III

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil II, geschrieben von Uwe

Samstag, 05. Mai 2018

Die innere Ebene „Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Wie ich in der äußeren Betrachtung meines Frühstückstisches belegt habe, lässt sich das Entstehen in Abhängigkeit an einer Vielzahl von Objekten leicht beobachten. Wer nachdenkt erkennt, dass alles, was in diesem relativen, weltlichen Geschehen erfahrbar ist, auf bestimmten Bedingungen beruht. Und nicht nur bestimmten, nein. Unendlich vielen bestimmten.

Vom Supermarkt zum Ich

Im äußeren Bereich ist also beispielsweise ohne Biene, Blüte und Nektar kein echter Honig möglich. Und aus Nutella entsteht nun mal kein Brot oder umgekehrt. Es braucht für das eine wie das andere die passenden Bedingungen und Umstände. Die zwar in vielen gleich sein können, in anderen jedoch unterschiedlich. So wie, auf den Honig bezogen, Biene, Blüte und Nektar nur drei Bedingungen sind, die für Honig benötigt werden.
Wobei Boden, Sonne und Regen ebenfalls nötig, die aber ebensogut für Brot, Nutella und Tupperschüsseln wichtig sind. Diese Zusammenhänge kann jeder mit ein wenig gutem Willen klar als eine logische und beweisbare These befürworten.

Nun kommen wir damit auf die „Innere“ Ebene des abhängigen Erscheinens zu sprechen. Denn das, was auf dem Bild des Frühstückstisches vordergründig zu sehen ist, ist nur die äußere Seite. Was ist mit dem Verkäufer, der den Honig handelt? Der Supermarkt, der Zulieferer, die Infrastruktur, das Geld? Was ist mit dem Haus, in dem diese Küche mit dem Tisch zu sehen ist? Mit der Kamera, die das Bild aufgenommen hat? Der Computer, der das Bild verarbeitet, das Internet, über das dieser Artikel weitergeleitet wird? Wir sehen, die äußeren Bedingungen, damit diese Betrachtung überhaupt gemacht wersen kann, werden noch vielfältiger.

Vor allem jedoch, was ist mit dem Menschen, der diesen Beitrag nun liest?  Und was ist mit dem, der dies alles schreibt? Hier berühren wir die innere Ebene des bedingt abhängigen Entstehens. Tatsächlich gibt es eine Menge Menschen, die davon ausgehen, dass Dinge wie Honig, Brot, Kunststoff, Haus, Computer, Internet und vor allem sie selbst, ihre Probleme, Beziehungstreitereien, Kriege, Liebe, Glück und all der Quatsch aus etwas anderem entstehen.
Wie der Honig aus Nektar. Oder diese Dinge entsteht aus sich selbst. Oder aus dem Nichts. Oder gar aus einer Mischung der ersten und zweiten Behauptung.
Diese vier theoretischen Möglichkeiten des Entstehens gibt es. Was aber so nicht ist. Denn Abhängig Bedingtes Entstehen hat (und hier berühren wir schon die „verborgene“ Ebene) keine wirkliche Ursache. Aber halt. Bleiben wir bei der relativen Erscheinung der Dinge.

Auf Messers Schneide

Alles folgt hier einem klaren Ursache-Wirkungsprinzip. Auf dieser Ebene der relativen Erscheinung zweifellos. Was auf der Ebene der Erscheinung, wie wir sie erfahren und nachvollziehen können, auch zuverlässig funktioniert, wie jeder bestätigen wird. Deshalb „entstehen“ in Abhängigkeit natürlich auch aus heilsamen Handlungen, wie es der Buddha dargelegt hat, nur heilsame Erfahrungen. Und aus unheilsamen folgen unheilsame.
Aus diesem Grund konnte der Buddha auch davon sprechen, dass die Wesen Eigentümer und Erben ihrer Taten sind. Weil Erfahrungen nur aufgrund der entsprechenden Bedingungen gemacht werden können. Und in Bezug auf Erfahrungen, die Wesen machen, seien sie nun angenehme oder unangenehm handelt es sich bei einem Teil dieser Bedingungen um Handlungen, die von Wesen gesetzt werden. Immer und immer wieder.

Weil Bedingungen zu den Resultaten passen müssen, fließt Honig deshalb auch nicht aus einem Messer. Selbst wenn dies so aussehen mag. Genauso wenig wie Glück nicht aus unheilsamen Handeln entspringen kann. Selbst wenn dies so aussehen mag. Allerdings „entsteht“ Honig auch nicht aus dem Nektar der Blüte. Denn dann müsste Nektar immer zu Honig werden oder in der Blume schon als Honig vorhanden sein. So ist es aber nicht.
Genauso ist das erfahrbare „Selbst“ eines Menschen, der etwas Angenehmes oder Unangenehmes erfährt nicht etwas, das einfach so entsteht aus dem Zusammentun verschiedener Komponenten. Oder in diesem irgendwo inhärent vorhanden. Es scheint so. Ja. Körper, Empfindung, Unterscheidung, Gewohnheitstendenzen, Bewusstsein scheinen so etwas wie ein „Selbst“ zu bilden. Diese sind aber nichts anderes als willkürlich benannte, wiederum aus vielen Komponenten bestehende Erscheinungen.

Insbesondere das, was wir „Ich“ nennen ist eigentlich sehr einfach zu durchschauen als zusammengesetztes Ding. Einige Gewohnheitsmuster, Verhaltensweisen, das Attribut männlich oder weiblich, ein Name, den wir uns nicht mal selbst rausgesucht haben, ein Aussehen, dass ebenfalls nicht von uns abhängig ist sondern genetisch bedingt, Wissen, dass wir uns von anderen angeeignet haben und Meinungen, die wechseln wie der Wind. All das nennen wir „Ich“.
Und alles, was dieses Ich unterstützt, was ihm gut tut ist „Freund“, „Heimat“, „Parteifreund“ oder sonst ein Zeug. Alles was dieses Ich bedroht ist „Feind“, „Ausländer“, „Mobbing“ oder „Parteifreund“. Dabei sind das alles nur Bedingungen, irgendwann zusammen gekommen und benannt. Und das alles zusammen nennt man dann „Ich“ und „Mein“.

Ein fataler Irrtum

Es braucht also, um zum Honig zurückzukommen, eine unendliche Vielzahl von Bedingungen, die nicht Honig sind um den Honig in seine letztliche „Existenz“ als Honig in Erscheinung treten zu lassen. Es ist aber genau diese Vorstellung „Entstehen aus Anderem“, die zum grundlegenden, fatalen Irrtum wird. Der zu dem Leiden führt, das der Buddha benennt.
Aufgrund dieses Irrtums glauben Menschen, dass irgendetwas anderes dafür verantwortlich oder schuld ist,. dass sie glücklich sind oder dass sie leiden. Ihr Nachbar. Ihre Vergangenheit. Ihre Gedanken. Ihre Gefühle. Ihr Lebenspartner. Ihr Beruf. Ihre Gesundheit. Ihr Aussehen.

Wenn dem so wäre könnte auch eine einfache Sache wie Honig tatsächlich aus etwas anderem entstehen. Dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass Honig wie gesagt auch aus einem Messer entstehen kann. Dem ist aber nicht so, wie wir erwachsene und aufgeklärte Menschen wissen. Einem Kind kann man noch erzählen, der Honig würde vom lieben Gott gemacht. Oder wir lassen eben Honig aus einem Messer fließen. Ein Kind würde das ohne Zweifel glauben. Aber wir sind ja keine Kinder mehr. Höchstens kindisch in unserer Denkfaulheit. Deshalb glauben wir auch, dass das, was wir erfahren etwas außerhalb von uns stattfindendes ist. Wird fortgesetzt mit einem zweiten Teil zu diesem etwas komplexeren Geschehen um das Entstehen in Abhängigkeit. Dann geht es um die beiden Wirklichkeiten des Geschehens. Die relative und die absolute. Es braucht eine Vielzahl ganz bestimmter Bedingungen, um etwas Bestimmtes zu erwirken.

Ende Teil II

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil I, geschrieben von Uwe

Samstag, 14. April 2018

Äußere Ebene

„Gut, ihr Mönche, also sagt ihr folgendes, und auch ich sage folgendes: „Wenn dies existiert, ist jenes; mit der Entstehung von diesem entsteht jenes.“ (Majjhima Nikaya)

Dies beschreibt in einem Satz das Entstehen, die Existenz in Abhängigkeit, wie es vom Buddha gelehrt wurde. Was dieser im Sutra „Von der Vernichtung des Begehren“ auf das Erscheinen der leidvollen Erfahrungen und deren Überwindung bezieht, gilt natürlich für alles Erfahrbare. Doch was hat dieser zentrale Lehrsatz, auf den sich die gesamte, relative buddhistische Sicht reduzieren lässt, nun mit dem Bild meines Frühstückstisches zu tun?

Sehr viel. Nein, einfach alles. Dieses Bild kann dabei von einer äußeren, einer inneren, einer „geheimen“ (oder, besser, verborgenen) und einer absoluten Ebene betrachtet und verstanden werden. Beginnen wir auf der einfachsten Ebene, der äußerlichen. Es zeigt einen, meinen Frühstückstisch.
Teller, Tasse, Brot, Butter, Milch, verschiedenes anderes. Nichts Spektakuläres. Nichts Spektakuläres? Wer das denkt, ist von der Sichtweise, wie sie der Buddhismus kennt, sehr weit entfernt. Und hat ein Problem.

Er oder sie ist dem Prozess von Leiden, konkret der Verwirrung und Täuschung vollkommen ausgeliefert. Erfahrungen wie Mitgefühl, Freude, Güte und Gleichmut sind dabei, wenn Weil das, was auf diesem Bild zu sehen ist, den Rahmen des Vorstellbaren bei weitem sprengt.

Eine Scheibe Brot, hat man schon mal überlegt, wie viele Faktoren, Bedingungen und Umstände dazu gehören, bis eine Scheibe Brot auf dem Teller liegt? In früheren Zeiten dankte man dem lieben Gott für das Brot auf dem Tisch. Dieser Dank war der Tatsache geschuldet, dass man einerseits angesichts drohender Hungersnöte, der mühsamen Arbeit für die Lebensmittelgewinnung überhaupt tatsächlich noch eine verständliche Wertschätzung für so etwas einfaches wie Brot hatte.
Zum anderen wollten oder konnten die Menschen gar nicht die dafür notwendige Denkarbeit leisten, tiefer in die Zusammenhänge hineinzusehen. Denn das Bedingt Abhängige Existieren, das allen Phänomenen zugrunde liegt und das der Buddha mit seinem kurzen Satz auf den Punkt bringt, ist nicht ganz so einfach zu erkennen. Von da aus war (und ist) die Verortung einer höheren, lenkenden Kraft wie die eines Gottes für diese, in früheren Zeiten so geheimnisvollen Vorgänge wie Pflanzenwachstum und Wetter nachvollziehbar.
Heute wissen wir um Genetik, Pflanzenschutz, Klima und metereologische Zusammenhänge, wir schauen sogar in quantenmechanische Vorgänge, die normalerweise verborgen ablaufen. Das ist aber immer noch nur eine sehr grobe, äußere Betrachtung des Abhängigen Existieren. Aber weiter mit dem Bild.

Man sieht Butter. Es handelt sich übrigens um eine französische Meersalzbutter. Um den salzigen Geschmack dieser Butter zu genießen, was ist dazu alles notwendig?
Abgesehen vom Salz, das aus den Salzpfannen der französischen Küste mühsam abgebaut wird muss diese Butter schließlich ihren Weg in deutsche Supermärkte finden.
Vom Honig im Glas
Sehen wir uns mal so etwas relativ einfaches wie den Honig im Glas, der im Korb zu sehen ist, genauer an. Dazu braucht es, ja was? Wo beginnen wir eigentlich bei der Betrachtung des Phänomens Abhängiges Entstehen?

„Honig entsteht, indem Bienen Nektariensäfte oder auch andere süße Säfte an lebenden Pflanzen aufnehmen, mit körpereigenen Stoffen anreichern, in ihrem Körper verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen“ (Wikipedia).

Tja, das wäre die einfache Seite. Andererseits braucht es Menschen, die diesen Honig sammeln, Imker nennt man diesen Handwerker. Es braucht die technischen Geräte, mit denen er die Honigwaben zentrifugiert. Dann braucht es einen Glaser, der die Gläser herstellt, denn wo könnte man sonst den Honig hineintun. Das Glas auf dem Bild hat einen Plastikdeckel, da braucht es also auch noch den richtigen Fabrikanten, der den entsprechenden Kunststoff verarbeitet.
Ob in das so hergestellte Glas am Ende Honig, Erdnussbutter oder Nutella, wie auf dem Bild zu sehen, hineinkommt, spielt dabei weniger eine Rolle.

Aber ich habe gefragt, wo beginnen wir bei der Betrachtung des Phänomens Abhängiges Erscheinen? Bleiben wir beim Honig.
Die derzeitige Diskussion um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat rückt die Tatsache, dass wir eine Pflanzenvielfalt für eine gesunde Umwelt brauchen, zunehmend in den Blickpunkt. Denn die Monokultur der Landwirtschaft und schließlich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln selbst führte in den letzten Jahren dazu, dass Bienen es zunehmend schwer haben, Pflanzen zu finden deren Blüten sie nutzen können und überhaupt zu überleben.
Ohne eine Vielfalt an Pflanzen keine Insekten. Keine Bienen. Kein Honig.

Bis Honig in seiner bekannten Form auf dem Tisch stehen, zu dem Preis, wie wir ihn kennen, braucht es also tatsächlich eine unglaubliche Vielzahl an Faktoren, die zusammen spielen, die perfekt passen müssen. Angefangen von den Umweltbedingungen bis zu den menschlichen Leistungen.
Von Nutella und Dinosauriern 
Honig ist noch eine der einfachsten Dinge, die auf dem Tisch zu sehen sind. So wie das Brot auf dem Teller.
Obschon auch hierüber eine lange Geschichte zu erzählen wäre. Ganz zu schweigen von dem Schwarztee oder der Nutella. Das Plastik, aus dem die Deckel und die Folien gearbeitet sind, ist dann eine noch kompliziertere Geschichte. Kunststoff ist das Produkt eines komplexen Zusammenwirkens von Erdgeschichte, Umwelt, technischer Hochindustrie und menschlichem Einfallsreichtum.
Wo beginnt man hier mit dem Abhängigen in Erscheinung treten? Vielleicht bei den Dinosaurieren. Was haben die mit unserem Plastikdeckel zu tun?

Zwischen 400 Millionen und 100 Millionen Jahren vor unserer Zeit wucherte das Leben auf unserem Erdball in einer Art, wie wir uns das nicht vorstellen können. Riesige Urwälder und Tiere, viele Saurier, die über 200 Millionen Jahre lang den Ton angaben, in den Meeren wimmelte es von Kleinstlebewesen und Pflanzen. All diese organische Materie starb natürlich immer und immer wieder, wurde geboren oder entwickelte sich, bedeckte den Boden, wurde untergepflügt und mit Kontinentalverschiebungen in die Tiefe verfrachtet. Bis irgendwann aus dieser gigantischen Masse mehr oder weniger tief unten mittels Druck und Temperatur Erdöl wurde. In den letzten 150 Jahren fand der Mensch Techniken, dieses Öl zu nutzen. Dazu ersann er Methoden, dies zu gewinnen, es umzuwandeln, es als Treibstoff zu nutzen, in Granulat zu pressen, er erfand Maschinen, die Formen gossen und so weiter und so fort. Ein jeder Kunststoffdeckel auf einem Honigglas ist also nichts weiter als jahrmillionenalte einstmals organische Substanz, ein Zusammenspiel aus Umwelteinflüssen und Produkt einer menschlichen geistigen und körperlichen großartigen Leistung. Wie man sieht, es braucht nicht den Rückzug auf ein göttliches Prinzip, um Dinge, wie sie sind wertzuschätzen. Einfach nur, weil sie sind wie sie sind. Und das ist schon mal weit mehr, als man es auf diese einfache Art, wie ich es jetzt getan habe, durchdringen kann. Wie nochmal hat es der Buddha einst so trefflich formulierte: „Wenn dies existiert, ist jenes“. Wie wahr.

So viel kann man, wenn man will, auf einem Frühstückstisch entdecken. Allerdings ist dies nur eine sehr grobe Betrachtung. Die aber etwas verstärkt in den Blickpunkt setzen kann: Die Fähigkeit zur Wertschätzung für das, was uns umgibt.

Ende Teil I