Archiv für die Kategorie ‘All-Sinn’

Die kleine Geschichte vom Drachentrunk, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 22. April 2017

Märchen aus Avalon 3

In einem Ort im Anderswo lebte einst ein junger Mann mit seinem Vater in einem Dorf das umgeben war von Hügeln und tiefen Tälern und Wäldern. In diesem Dorf wohnte der Vater mit seinem Jungen etwas abseits von den anderen Dorfbewohnern. Es hieß, daß der Vater wunderlich sei, denn er sprach zu seinen Pflanzen, zu den Steinen und den Tieren.
Und Pflanzen wuchsen bei ihm im Garten kräftiger dadurch, daß er mit ihnen sprach, das machte es noch wunderlicher.
Der junge Mann liebte seinen Vater sehr und verstand, da er damit aufgewachsen war, nicht was die anderen hatten, wenn sie sich wieder über seinen Vater lustig machten.
Es geschah in einem kalten Winter, so kalt, daß Tropfen an Häusern zu Eiszapfen gefroren, daß der Vater krank wurde.
Der junge Mann tat alles um ihm zu helfen. Er wusch, buk das Brot, redete sogar mit den Pflanzen, versorgte die Tiere. Doch seinem Vater ging es immer schlechter je kälter der Winter wurde, und sogar des Vaters Pflanzen am Höhepunkt des Winters eingingen, brodelte seine Sorge zur Gänze hoch. Der junge Mann ging zu einer weisen Frau.
Sie kannte den Jungen gut, hatte sie das Kind einst auf die Welt geholt.
„Was möchtest du mein Junge?“ Der junge Mann sah sie fest an. „Meinem Vater geht es schlecht je weiter der Winter vorrückt.“
„Sterben gehört zum Leben dazu.“ sagte das alte Weib kichernd.

„Möglich, doch jetzt noch nicht.“ erwiderte der Junge im verzweifelten Stolz. Die Alte sah ihn lange an, entzündete sich eine Pfeife mit süßem Gras. „Gut..Ich werde dir helfen. Wenn du es schaffst, in einer tiefen Mutterhöhle, aus deren Bauch alle Höhlen in unserer Gegend entstehen, einen Drachen zu finden und von ihm den Drachentrunk zu bekommen..dann..und nur dann..mag dein Vater vielleicht gerettet werden.“ sprach sie paffend und musterte ihn mit blitzenden Augen.
Der junge Mann wollte mit großmütigem Herzen losstürmen doch die Alte hielt ihn zurück.
„Hilf mir zuerst etwas Jüngchen. Hol aus der Grube Lehm..Forme eine Figur daraus und back sie einen Sonnen- und einen Mondlauf im Ofen hinterm Haus.“
„Was soll das bringen?“ erwiderte der Junge.
„Sie wird dir helfen den Weg zum Drachenhort zu finden.“ entgegnete die Alte nur.
Zweifelnd ging er zur Grube, hob den Lehm heraus, vermischte ihn bis er weich war mit Wasser vom Fluss, formte eine Puppe daraus und begann den Ofen anzuheizen , der klein und kugelig hinterm Haus wartete und nach gebackenem Brot roch. Die alte Hebamme aß mit ihm draußen im Kräuter und Gemüsegarten und der Duft von Salbei, Lavendel und Rosmarin lag noch in der Luft.

Die Alte sprach nicht, doch musterte sie den jungen Mann prüfend. Zum Sonnenaufgang war die Puppe fertig gebrannt.
Die alte Hebamme holte die Figur heraus und wies den Jungen an, sie anzumalen.
„Geb ihr Gestalt und deinen Wunsch.“sprach sie mit gackerndem Ton.
Der Junge tat dies. Er malte Spiralen in den Ton, in Grün und Blau, da sie ihn an saftige grüne Wiesen und blühende Bäume unter dem Himmel erinnerten. Rote Streifen standen für das wärmende Feuer, die Sonne, gesundes Blut. So verging eine Zeit und die Figur war bunt gemalt. Als sie trocken war, kam die alte Hebamme und zertrat die Figur, daß der Ton scheppernd krachte und in viele Stücke zersprang.

„Warum hast du das getan?“ rief er aus, böse sah er die Hebamme an.
Sie lachte wieder, doch ihr Blick war ernst.
“Ich habe dir deine Angst zerstört. Denn wenn du den Drachen finden willst, musst du ohne Angst sein. Geh mit meinem Segen nun.“
Und er spürte, nachdem er sie verlassen hatte, daß er wirklich keine Angst mehr verspürte.
Der Wald war tief und voller Täler und auch Anhöhen. Voller Geheimnisse die ihn locken oder zerstören konnten.
Immer tiefer ging er in den Wald, umgeben von knackenden Ästen, grasenden Hirschen und über ihn schwebte ein mächtiger grauer Falke.
Der Junge empfand dies als seinen Beschützer und so fand er in der tiefsten Stelle des Waldes eine Höhle, vor dessen Eingang ein Bach floss. Drei Frauen saßen da, spielten miteinander und lachten.
Ihre Kleidung schwebte wie Seegras im Wasser um ihre Körper, in ihren Augen schien die Tiefe der Seen zu sein.
Ihre Stimmen waren hell wie Glöckchen.
“Guter Jüngling, komm, spiel mit uns .“ riefen sie ihn an.
Doch der Junge spürte ein Unbehagen.
“Ich ehre euch, ihr Wasserfrauen, doch bitte ich euch um Segen auf meiner Weiterfahrt.“ sprach er voller Ehrerbietung.
Die drei Wasserfrauen schwebten zu ihm, wie Nebel der auf dem Wasser glitt, und umringten ihn. Bildeten einen Kreis und fassten sich an den Händen. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem Chor, der sang :“ Bei den alten Mächten bist du geborgen, mag der Weg noch so sein verworren. Wir segnen dich mit unserer Macht, sie hat schon vieles geschafft. Nun geh mit unserem Segen fort, hinein in den dunklen Hort.“

Sie verließen ihn, wie ein Gewitter das aufgezogen und wieder verschwunden war. Der Junge fühlte sich ermutigt und trat nun in die Höhle ein. Es war nicht dunkel, denn Steine und Mineralien leuchteten im sanften Schein um ihn her. Ein seltsames Flüstern erfüllte die warme Luft.
„Hallo?“ fragte der Junge in die vom Flüstern erfüllte Dunkelheit.
„Wir sind die Erde, umfangen stirb und werde. Wir sind eins mit unser Erde und sie trägt uns gerne. Menschenkind, gehe fort,
denn was suchst du hier an diesem Ort?“
Es klang in den Ohren wie ein Gedicht aus alten Sagen und Tagen.

„Ich komme von weit her, das Herz es ist mir in der Brust so schwer. Ich komme aus dem Dorf am Grund, mein Vater ist krank, wird nicht gesund.“
Weiter ging er hinab, fühlte sich in der Höhle und dem Gang sehr geborgen.
Sollte er nicht Angst haben? Immerhin näherte er sich einem Drachenort. Drachen waren alles, aber nicht gut. Sie waren mächtig und zauberreich. Schlau und uralt. Wesen des Feuers und der Luft mit glühendem Herzen und Schuppen hart wie die Klingen der Schwerter. Drachen waren Mächte, die man fürchten sollte, das wurde dem Jungen beigebracht.
„Geh weiter Kind, gut ist dein Wille, dein Herz wurd erkannt in der Stimme der Stille, zwischen Herzschlag und Herzschlag. Nun geh voran und wag.“
Die Stimmen der Steine verklangen und er blieb allein zurück, nur begleitet vom Leuchten der Mineralien. Der Junge trat immer näher bis er zu einem Gewölbe kam. Hoch wie das Innenschiff einer Kirche war es, hallte sein Schritt wieder. In der Mitte, umgeben von Rauchquarzen und Amethysten, saß an einem prasselnden Feuer eine Gestalt.
„Hallo..?“ Der Junge kam näher. “Tritt ruhig näher und wärm dich auf.“ sprach die Gestalt mit warmer Stimme.
Mit einem leichten Schauer den er nicht einordnen konnte, setze er sich zu der Gestalt ans Feuer. Er sah vor sich einen älteren Mann, der seltsam zeitlos wirkte, ohne daß man es genau ausmachen konnte wodran.
“Nach langer Reise sollte man sich an einem Feuer aufwärmen. Das sagten schon seid uralten Zeiten die Großmütter, da das Feuer Segen gibt.“sprach der Alte und rührte in einem großen aus Eisen gefertigten Kessel.
Es duftete herrlich und der Jüngling verspürte doch Hunger. Ohne seine Frage abzuwarten, gab der Alte ihm eine Tonschüssel.

Die Suppe, stellte der Junge beim Trinken fest, schmeckte krautig-würzig, und erfüllte nicht nur seinen Körper mit Wärme.
“Ich suche den Drachen der hier in dieser Höhle wohnen soll. Ich muss ihn besiegen um an den Drachentrunk zu kommen.“
Der alte Mann schnaubte, sah mit vom Feuer glühenden Augen zu dem Gast.
“So? Du glaubst, daß man alles besiegen muss was älter und magischer ist als du? So kommst du nicht weit und nicht an dein Ziel. „sprach der alte Mann mit grollender Stimme.“Alles was lebt ist Teil der Göttin Erde. Sie ist die Mutter von Frauen, Männern, Kindern, den Welten innerhalb der Welt. Vom Großen bis ins Kleinste. Ihr Gemahl ist der Himmel, in Liebe und Vertrauen begegnen sie sich jeden Tag in jedem was lebt.“
Tiefe Weisheit sprach aus dem Alten. Eine uralte Weisheit. Der alte Mann lächelte und seine Augen schimmerten grün wie das frische Gras. „Lebe eine Zeit bei mir Junge, und ich werde sehen wie ich deinem Vater helfen kann.“
So tat der Junge es. Der Alte lehrte ihn die Sprache der Mutter Erde, zeigte ihn das Sammeln von Heilkräutern zur richtigen Zeit, den Lauf des Jahresrades und die Zeichen des Sturmes. Während er all dies ihn lehrte, beobachtete er die Redlichkeit des Jungen. Er war flink im Denken, verstand all die Lehren aber auch im Herzen.

Er nahm das Wissen auf, wie die kleinen Kinder die Milch der Mutter. So verging die Zeit und der Junge vergaß seinen Wunsch den Drachen zu fangen und zu töten. Zu Zeit von Jule, der Wiedergeburt der heiligen Flamme und des heiligen Kindes, sprach er den Alten an.
“Ich habe viel bei euch gelernt Meister, nur nicht einen Drachen zu töten. Stattdessen lernte ich die Liebe zu allem was lebt. Würde ich ihn finden..ich würde ihn bitten mir zu helfen, falls es noch Hilfe für meinen Vater gibt.“
Der Alte nickte und entfachte mit seinem Atem ein Feuer in der Mutterhöhle. Die Schatten tanzten um ihn und der Alte wurde groß und größer. Bekam Schwingen und Schuppen. Uralt und mächtig stand der Drache nun vor ihm. Der Junge kniete in Ehrfurcht nieder.
„Helft mir, Flammenmeister, ich bitte euch..“
Der Drache kannte das Herz des Jungen, als Mensch hatte er ihn kennengelernt und er sah die Seele und den Ursprung den sie teilten. So gab der große weise Drache dem Jungen den Drachentrunk, ein Gemisch aus der Energie der Erde, den Flammen seines Drachenherzens, aus den Lüften der Berge und dem Wasser des entfernten Meeres.
„Gehe nun, und vergiss unsere Zeit nicht, unser gemeinsames Lernen nicht.“Der Junge umarmte den Drachen als er extra für ihn wieder menschliche Gestalt annahm, lang und innig. Dankte ihn für alles.
Der Weg nach Hause war voller Zeichen und Wunder und der Junge sah überall die Verbindungen des Lebens.
Die Schönheit in hell und dunkel. Als er das Haus seines Vaters erreichte und ihm den Trank des Drachen gab, wurde er im Dorf als weiser Mann anerkannt und geehrt.
Die Zeit verging und der Junge reifte mit den Jahreszeiten. Hin und wieder sah man bei ihm einen seltsamen alten Mann und sie saßen gemeinsam unter einer Birke. Dann flog segnend über dem Dorf ein merkwürdiger Schatten und diese Geschichte erzählt man sich bei uns im Dorf noch heute.

Ende

(Fotos und Geschichte von Veleda Alantia)

Fantasy und Neuheidentum – Teil XII, geschrieben von Mara

Samstag, 15. April 2017

Mary Mackey, geboren 1945 in Indianapolis, USA, studierte an der Harvard Universität und ist Professorin für Englische Literatur an der California State University in Sacramento. Sie hat neben ihrer Lehrtätigkeit zahlreiche Romane, Gedichtbände und Drehbücher verfasst. Im Jahr 1981 gründete sie zusammen mit anderen Autorinnen die Feminists Writers Guild.

Die hier vorgestellten Romane können genausogut in das Genre des Historischen Romans eingeordnet werden, zumal sie ja bei der Beschreibung der dargestellten Gesellschaften Exaktheit beanspruchen. Da aber hier die Magie (in gewissen Grenzen) wirksam ist, die Große Göttin durch Träume und Visionen zuweilen direkt in die Handlung eingreift und die Zaubereien der indoeuropäischen Priester-Schamanen ebenfalls als wirksam beschrieben werden, ist es nicht ganz falsch, sie auch unter der Überschrift Fantasy zu besprechen.

Alle vier Romane beschreiben die Konfrontation zwischen matriarchalen und patriarchalen Gesellschaften. Kornmond und Dattelwein (1983) spielt in Mesopotamien im Jahr 3643 v.u.Z., als die patriarchalen Sumerer eine vorher dort existierende matriarchale Kultur erobern und überformen. Besonders beeindruckend im Roman finde ich die Beschreibung des Zagrosgebirges östlich von Mesopotamien, das heute im Iran liegt. In der Gegenwart ist es eine trockene Halbwüste. Damals aber, und das ist durch Pollenanalysen tatsächlich belegt, war es ein dichter, subtropischer Feuchtwald. Offenbar ist diese reichhaltige Vegetation durch Überweidung, zunächst mit Schafen und Ziegen, vollständig zerstört worden.

Die drei Romane Im Jahr der Pferde (1993), Die Schmetterlingsgöttin (1995), Das Lied der Erde (1998) gehören zusammen und werden im Englischen als Earthsong-Trilogy bezeichnet. Im Deutschen haben sie keinen bestimmten Namen. Sie beschreiben die Konfrontation zwischen den matriarchalen Kulturen Alteuropas und der patriarchalen indoeuropäischen Kultur.

Mary Mackey orientierte sich bei ihrer Beschreibung Alteuropas und der Indoeuropäer an den Theorien von Marija Gimbutas, die sie insbesondere in ihren Werken Die Sprache der Göttin und Die Zivilisation der Göttin ausgearbeitet hat. Frau Mackey hatte zudem Marija Gimbutas (1921-1994) noch persönlich gekannt und sie bei den Recherchen für ihre Trilogie mehrfach getroffen. Dass es gelungen ist, ihre Theorien in eine dramatische Handlung umzusetzen, belegt der Kommentar von Marija Gimbutas zum ersten Band, der 1993, ein Jahr vor ihrem Tod erschienen ist: „Brilliant, accurate … an unforgettable work of fiction that provides much more than entertainment … Mary Mackey truly has a researcher’s precision combined with a storyteller’s magic.” (http://marymackey.com/praise-for-mary-mackeys-novels/)

Der erste Roman beginnt im Jahr 4372 v.u.Z.. In ganz Europa existiert eine matriarchale Kultur friedlicher AckerbäuerInnen, die die Große Göttin in verschiedenen Gestalten verehren. Das Mädchen Marrah aus dem Dorf Xori in der heutigen Bretagne entdeckt an der Küste ausgerechnet am Tag ihrer Volljährigkeitsfeier den schiffbrüchigen Stavan, der aus einer völlig anderen – patriarchal geprägten – Kultur von indoeuropäischen Reiternomaden kommt, die für das friedliche Alteuropa eine tödliche Bedrohung darstellen können.

Aufgeschreckt durch seine Erzählungen und die Visionen ihrer Mutter, der Priesterin Sabalah, machen sich Marrah, ihr Bruder Arang sowie Stavan auf den weiten Weg von der Bretagne in die Steppen des Ostens, um mehr über diese Reiternomaden herauszufinden, so die Inhaltsbeschreibung in der Wikipedia.

In den ersten zwei Dritteln von Im Jahr der Pferde beschreibt Mary Mackey diese Reise und lässt das Panorama einer längst vergangenen Zivilisation wieder auferstehen. Auch beschreibt sie eine „leere Erde“, die noch nicht vollkommen von den Menschen beherrscht wird und wo noch große Regionen in ihrem natürlichen Zustand sind. Das Küstenvolk Marrahs lebt, wie der Name bereits andeutet, an den Küsten der heutigen Bretagne. Es ist die Bretonische Megalithkultur, die u.a. das Alignment von Carnac errichtete. Wenige Siedlungen erstrecken sich noch die Küste herunter bis zum Mündungstrichter (Ästuar) der Ibai Nabar (Gironne). Dann aber wird beschrieben, dass sich auf der ganzen Strecke zwischen Ibai Nabar und Blauem Meer (Mittelmeer) ein riesiger, fast völlig unbewohnter Wald befindet. Im Atlantikum, der Zeitepoche, in der der Roman spielt, war das ein lichter Eichen-Eschenwald. Hier lebten nicht nur die üblichen Wildtiere, die heute meistens ausgestorben sind, wie Bären, Wölfe, Auerochsen, Wisente sondern sogar noch Löwen! Mitten in diesem Wald liegen die Höhlen von Nar. Das ist eine der bekannteren französischen Bilderhöhlen aus dem Paläolithikum. Die Menschen Alteuropas wissen, dass die Wandbilder schon vor sehr langer Zeit geschaffen wurden, beziehen sie aber in ihren gegenwärtigen Glauben mit ein, zumal ja die Göttin die gleiche war, nur in einer anderen Form. (siehe dazu Gimbutas 2006, S. XIX)

Im Roman wird beschrieben, dass die Menschen dieser Zeit bereits hochseetüchtige Boote hatten, die als Raspas („Heilige Vögel“) bezeichnet werden. Im Vergleich zu moderneren Schiffen waren sie klein und schwer zu steuern, sie hatten aber immerhin schon ein großes Gaffelsegel aus Leinen. Die Völker des Blauen Meeres betrieben mittels dieser Schiffe bereits einen schwunghaften Tauschhandel. HändlerInnen konnten sowohl Männer als auch Frauen sein. Es kam dennoch nicht zur Entstehung von Reichtumsunterschieden, da diese Schiffe von den Dörfern und Städten gemeinsam betrieben wurden und die Menschen in verzweigte Clanstrukturen eingebunden waren. Geld gab es ja ohnehin noch nicht.

In der Stadt Itesh auf Gira (Sardinien) erleben Marrah, Stavan und Arang ein rauschhaftes, orgiastisches Fest zu Ehren der Schlangengöttin mit einem spektakulären, mehrere Tage dauernden Schlangentanz, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt.

Anschließend reisen Marrah, Stavan und Arang über Italien und die Adria weiter nach Osten und erreichen den Rauchfluss (Donau). Dort sehen sie die Wunder der Donauzivilisation mit ihren Tempeln, der ausgefeilten Keramik, der Metallverarbeitung und der Schrift.

Es wird im Roman dargestellt, dass es bereits in Alteuropa am Mittelmeer und im Balkan eine hochentwickelte städtische Zivilisation gab.

Die Stadt Shara, das vorläufige Ziel der Reise, liegt am Süßwassersee (Schwarzes Meer) südlich der Donaumündung etwa auf der Höhe des heutigen Varna (Bulgarien). Dort verweilen die Reisenden längere Zeit. Das gibt Gelegenheit, die Sozialstrukturen und Bauten einer größeren Siedlung zu beschreiben: Wie eine Königin von der Bevölkerung gewählt wird, wie der Rat der Stadt in schwierigen Situationen Entscheidungen trifft, wie ein Geburtstempel aussieht etc.

Anschließend reisen sie weiter in die südrussischen Steppen und werden von dem Stamm der Hani, der indoeuropäischen Reiternomaden, gefangen genommen. Während Stavan seinen Platz als Sohn des großen Häuptlings wieder einnimmt, aber merkt, wie sehr er sich verändert hat, wird Marrah zwangsweise zur Nebenfrau eines Unterführers namens Vlahan gemacht. Anhand dieses Beispiels wird die Gewalttätigkeit und Frauenverachtung der Indoeuropäischen Gesellschaften beschrieben, die ja ebenfalls durch archäologische Ausgrabungen belegt ist und sich auch aus Vergleichen mit der vedischen Mythologie ergibt.

An Ende des ersten Bandes können Marrah, Arang und Stavan fliehen. Im zweiten Band wird dargestellt, wie die BewohnerInnen der Stadt Shara mit letzten Kräften eine großangelegte Invasion der Hani abwehren. Wie sich aber im dritten Band Das Lied der Erde zeigt, konnten sie den Niedergang Alteuropas nur um wenige Jahre aufhalten: Marodierende Reiternomaden streifen immer wieder durch das Land, die Kinder von Shara werden zu ihrer eigenen Sicherheit auf die Insel Alzac (vielleicht die heute St. Ivan genannte Insel bei Burgas) geschickt, patriarchale Vorstellungen sickern immer stärker nach Alteuropa ein, der Ackerbau wird durch die Unsicherheit zunehmend erschwert.

Möglicherweise hat Mary Mackey die Beschreibung Alteuropas etwas idealisiert, was dann den Kontrast zu den Indoeuropäern umso schärfer erscheinen lässt. Immerhin scheint ja Marija Gimbutas mit ihren Beschreibungen einverstanden gewesen zu sein.

Diese Romane bergen, genau wie die von Stefanie von Schnurbein besprochenen, eine Menge Sprengstoff. Wie ich bereits im Artikel zu den Megalithkulturen Nordhessens erwähnt habe, sind die Herkunft der Indoeuropäer und die Frage, ob es ein weitverbreitetes Matriarchat in der Vorgeschichte der Menschheit gab, in der Wissenschaft hoch umstritten und haben immer auch eine politische und ideologisch-weltanschauliche Dimension.

Während in den 90er Jahren nach ihren Tode das Werk von Marija Gimbutas gänzlich verworfen wurde und die Anatolien-Hypothese (Herkunft der Indoeuropäer aus Anatolien) von Colin Renfrew weit dominierte, ist die Situation heute nicht mehr so eindeutig. Immerhin hat sich mit David Anthony ein angesehener Archäologe praktisch für die Kurganhypothese, also für den Ursprung der Indoeuropäer in der südrussischen Steppe ausgesprochen. Harald Haarmann zählt in seinen Büchern weitere AutorInnen und eine überwältigende Anzahl von Indizien für die Kurganhypothese auf, die sich jetzt sowohl auf geographische, als auch auf linguistische, archäologische und genetische Belege stützen kann (vgl. Anthony 2007, S. 39ff, Haarmann 2010a, S. 154ff, Haarmann 2010b, S. 17ff, Haarmann 2011, S. 230).

Etwas anders sieht die Frage dem Charakter der Gesellschaft Alteuropas aus. Bisher hat von den jüngeren WissenschaftlerInnen außerhalb der modernen Matriarchatsforschung nur Harald Haarmann die Gesellschaften der Donauzivilisation aufgrund von zahlreichen Belegen unumwunden als matristisch in der Definition von Gimbutas bezeichnet, also als egalitäre Gesellschaften mit einer zentralen Stellung der Frau (vgl. Haarmann 2011, S. 150ff). Genau das ist aber die Definition von Heide Göttner-Abendroth für den Begriff Matriarchat. Alle anderen WissenschaftlerInnen lehnen die Vorstellung einer in diesem Sinne matriarchalen alteuropäischen Gesellschaft vehement ab, auch und gerade David W. Anthony.

Besprochene Romane

Mary Mackey: Kornmond und Dattelwein, Frankfurt am Main 1987 (Erstveröffentlichung 1983 unter dem Titel The Last Warrior Queen)

Mary Mackey: Im Jahr der Pferde, München 1997a (Erstveröffentlichung 1993 unter dem Titel The Year the Horses Came)

Mary Mackey: Die Schmetterlingsgöttin, München 1997b (Erstveröffentlichung 1995 unter dem Titel The Horses at the Gate)

Mary Mackey: Das Lied der Erde, München 1999 (Erstveröffentlichung 1998 unter dem Titel The Fires of Spring)

Sekundärliteratur

David W. Anthony: The Horse, the Wheel, and Language, Princeton und Oxford 2007

Marija Gimbutas: The Civilization of the Goddess, San Francisco 1991

Marija Gimbutas: The Language of the Goddess, New York 2006

Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation, München 2011

Harald Haarmann: Weltgeschichte der Sprachen, München 2010a

Harald Haarmann: Die Indoeuropäer, München 2010b

Während in diesem Teil die positiven Aspekte der Matriarchatsromane von Mary Mackey herausgestellt wurden, geht es im nächsten Teil um Kritik an diesen Romanen sowohl um eigene als auch um Kritik aus der Wissenschaft.

Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist – Teil IX, geschrieben von Ray

Samstag, 08. April 2017

 

Abschließende Bemerkungen

Man mag zur archäologischen Bürgerbeteiligung und dem „Metallsucherproblem“ stehen wie man möchte; man sollte allerdings als WissenschafterIn bedenken, welche Argumente man in Debatten über diese Themen führt bzw. ob man sich auf demagogische Propagandamittel wie die „Hobbychirurginnen“-Metapher stützen möchte; und was die Verwendung solcher Mittel über die sagt, die sie verwenden. Ein gutes Licht wirft die Verwendung dieser Metapher jedenfalls nicht auf unser Fach und das Selbstverständnis vieler unserer KollegInnen.

Archäologische Qualitätssicherung ist durchaus wichtig und richtig; und ich will mit diesem Beitrag keineswegs sagen, dass jeder wo auch immer es ihm beliebt archäologisch tun und lassen können soll, was er will, egal ob er oder sie es kann oder nicht. Was ich jedoch sehr wohl sagen möchte ist, dass wir uns dafür hüten sollten, demagogische Propagandamittel zu benutzen, um die Notwendigkeit der archäologischen Qualitätssicherung „öffentlich“ zu verkaufen, die letztendlich die

Wissenschaftsfreiheit, die gerade für uns selbst besonders wichtig ist, untergraben. Wenn wir für die durchaus notwendige archäologische Qualitätssicherung argumentieren wollen, dann brauchen wir dafür bessere Argumente als hinkende Vergleiche, die noch dazu falsch und ethisch bedenklich sind.

Wer die „Hobbychirurgen“-Metapher dennoch benutzt, hat also entweder nicht ausreichend darüber nachgedacht und plappert bloß gedankenlos etwas nach, was zwar schlau klingt, aber grundfalsch ist; oder weiß, dass die Metapher grundfalsch ist und benutzt sie dennoch, um mit unlauteren, propagandistischen Argumenten Ziele zu erreichen, die mit sachlichen Argumenten nicht zu erreichen sind; oder hat ein unzulässig verkürztes demokratisches Grundrechtsverständnis (VG Wiesbaden 3.5.2000, 7 E 818/00) bzw. ein höchst bedenkliches, weil „totalitäres“, Wissenschafts- und Gesellschaftsverständnis. Egal welchen dieser drei Fehler eine Person, die diese Metapher benutzt, im jeweils konkreten Einzelfall macht: sie disqualifiziert sich selbst als WissenschafterIn, weil keiner davon für WissenschafterInnen akzeptabel ist. Mitläufer, gefährliche Demagogen und Menschen mit mangelndem Respekt für die Rechte ihrer Mitmenschen haben wir – und zwar nicht nur, aber auch, in der Archäologie – schon genug gehabt, gerade im deutschen Sprachraum.

Wir sollten darüber hinaus auch bedenken, dass nicht nur „die HobbyarchäologInnen“ dazu verpflichtet sind, sich an denkmalschutzrechtliche Bestimmungen zu halten, auch wenn sie ihnen nicht passen, wie wir das immer – durchaus zurecht – verlangen, wenn wir gegen „Raubgrabungen“ und sonstige „illegale Archäologie“ wettern; sondern umgekehrt auch wir uns und die – wenigstens in ihren relevanten Inhalten von uns vorgegebenen – Denkmalschutzgesetze sich an die verfassungsgesetzlich garantierten Grund- und Menschenrechte zu halten haben, auch wenn sie uns

im konkreten Fall nicht passen mögen. Denn was auch immer wir im stillen Kämmerlein glauben oder uns wünschen würden: auch wir und die von uns veranlassten Gesetze (siehe Karl 2016a) stehen in modernen, demokratischen Gesellschaften nicht über dem Gesetz, sondern haben sich insbesondere an unsere jeweiligen Verfassungen zu halten. Wir haben eben keine Standesvorrechte, sondern sind

wie alle anderen Menschen auch – vor dem Gesetz allen anderen Menschen gleich.

Das bedeutet nicht zuletzt, dass wir auch akzeptieren müssen, dass die archäologische Forschungsfreiheit kein Privileg graduierter, promovierter oder gar habilitierter ArchäologInnen ist, sondern sich alle Menschen auf sie berufen können, wenn sie archäologische Forschung – und zwar selbstverständlich auch archäologische Feldforschung – betreiben wollen. Selbst wenn das für „die Archäologie“ schlecht sein sollte: alle Menschen haben ein Recht darauf; wir hingegen kein Recht, ihnen dieses Recht zu nehmen. Und ob es tatsächlich so unerträglich schlecht für „die Archäologie“ ist, dass man sich deswegen große Sorgen machen oder gar anderen Menschen Grundrechte entziehen müsste, lässt sich anhand des Beispiels von Großbritannien, wo jeder (außer auf unter Denkmalschutz stehenden Bodenflächen) frei der archäologischen Feldforschung nachgehen darf und trotzdem „die Archäologie“ nicht untergegangen ist, wenigstens stark bezweifeln.

Nehmen wir über 99,9% (Aitchison et al. 2014, 19) aller Menschen dieses Recht – ob nun dadurch, dass wir, wie das österreichische Bundesdenkmalamt, das örtlich geltende Denkmalschutzgesetz so auslegen, als ob jede Art archäologischer Feldforschung nicht graduierten ArchäologInnen komplett untersagt wäre, auch wenn das rechtlich gar nicht der Fall sein kann (Karl 2016a); oder dadurch, dass wir, wie manche deutsche Landesämter für Denkmalpflege, angeblich „notwendige“ Ausbildungen von „Ehrenamtlichen“ derart verknappen, dass die, die innerhalb des örtlich geltenden gesetzlichen

Rahmens ihren archäologischen Feldforschungen nachgehen wollen, jahrelang darauf warten müssen, sie absolvieren zu können – dann sind nicht jene, die sich nicht an unsere Auslegung der von uns vorgegebenen Denkmalschutzgesetze halten, die „bösen“ Rechtsbrecher, sondern wir, weil wir die (weit wichtigeren) Verfassungsgesetze brechen, die diesen „HobbyarchäologInnen“ das Recht auf freie archäologische Feldforschung einräumen. Wir sollten also weit vorsichtiger sein, wen wir des

kriminellen“ Handelns beschuldigen, als wir es normalerweise sind; weil es sehr gut möglich ist, dass es nicht „die“, sondern „wir“ sind, die die weit schwereren „Verbrechen“ begehen.

Dass wir uns dank des „autorisierten Denkmaldiskurses“ (Smith 2006, 29-34) die Macht dazu angeeignet haben, in der Praxis jenen, die wir aus „unserem Wirkungsbereich“ ausschließen wollen, auch tatsächlich (und oft mit Unterstützung durch die Gerichte, die wir zu diesem Zweck auch gerne einmal mit Halb- und Unwahrheiten täuschen; siehe Karl 2016a) ausschließen zu können, macht das um nichts besser, sondern nur noch schlimmer. Denn unrechtmäßig angeeignete Macht auch noch zu missbrauchen, weil man es kann, zeugt keineswegs von der „moralischen“ Überlegenheit, die wir so gerne für uns in Anspruch nehmen, sondern nur von jener moralischen Korruption, die auch unsere fachlichen Ahnen im dritten Reich charakterisiert hat und die nahezu immer mit (zu viel) Macht einhergeht.

Ende Teil IX

NATuQuTAN – Teil II, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 01. April 2017

Physikalische Grundlagen

Definition von materiellen Letzteinheiten

Was ist Materie? Nun…

…allein um nur diese Frage erschöpfend beantworten zu können, gibt es eine unüber­schaubare Menge von Fachbüchern. Ich möchte versuchen, Ihnen diese Grundbegriffe um die es hier bei dieser Definition geht, mit den einfachsten Mitteln zu erklären. Denn diese Defini­tionen brauchen wir später wieder für die ganzheit­liche Betrachtung der Welt.

Als erstes sollten wir uns darauf einigen, dass es tatsächlich materielle Letzteinheiten gibt, was nichts anderes heißt, dass es definierte Teilchen gibt, die nicht mehr geteilt werden können – und da geht es schon los!

Diese Letzteinheiten setzen sich selbstverständlich aus weiteren Einheiten zu­sammen, die mit den Bezeichnungen Quarks, Gluonen (oder Leimteilchen), Flavor´s (oder Geschmacksteilchen) und anderen, noch exotischeren Namen belegt wurden. Diese „Teilchen“ sind experimentell nachgewiesen und existieren tatsächlich – dies soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Und rein theoretisch wäre es möglich, dass sich diese Teilchen wiederum aus anderen, noch kleine­ren Teilchen, zusammen­setzen würden usw. usf.

Jedoch nicht in ihrer Eigenschaft tatsächlich Materie oder materielle Letzteinheiten sein zu können!i Quarks, Gluonen oder Flavor`s können nur unter extremsten Be­dingungen und nur künstlich erzeugt werden, z.B. im deutschen Elektronen­sychrotron (DESY). Sie kommen in unserer Welt als frei beobachtbare Zustände der Materie nicht vor! Um es bildhafter zu machen:

Stellen Sie sich bitte vor, alle materiellen Letzteinheiten wären bunt angemalte Murmeln, kariert, uni, gepunktet, geblümt („Hä?“ – der Red.-Elch). Es gibt dann zwar viele unterschied­liche Murmeln (= nicht mehr teilbare Materieteilchen), aber der Lehm aus dem sie gemacht sind (= die Zusammensetzung der intraatomaren Strukturen, Quarks, Gluonen ect.) ist der Gleiche!

Was wären also diese materiellen Letzteinheiten? Es sind z.B. die Kernteilchen eines Atoms, die Elementarteilchen genannt werden. Es gibt mittlerweile einen richtigen und auch so be­zeichneten „Teilchenzoo“, in dem sich vielfältige Vertreter der Elementarteilchen tummeln und mit Namen Leptonen, Hadronen, Neutrinos usw. bezeichnet werden.

Wir wollen uns aber nicht weiter als nötig in die komplexe Welt der Elementar­teilchen und der physikalischen Beschreibungen begeben. Jeder Stoff egal ob fest, flüssig oder gasförmig, besteht aus Molekülen. Diese sind aus Atomen aufgebaut, und deren Baustoff wiederum sind die Elementarteilchen. Wir wollen bei den be­kanntesten dieser Teilchen bleiben.

Die drei wichtigsten Vertreter dieser Gattung möchte ich Ihnen gleich vorstellen: Das elektrisch neutrale Neutron und das elektrisch positive Proton – der Stoff, aus dem die Atomkerne sind. Während diese beiden fast die gleiche Masse haben, um­kreist den Kern das, mit wesentlich geringerer Masse ausgestattete, Elektron. Je nach der Anzahl der Protonen haben im Normalfall die Atome genau die gleiche Anzahl an Elektronen, wobei die Neutronen in ihrer Zahl variieren können. Die verschie­denen Varianten eines be­stimmten Elementes nennt man dann Isotope. Von der elektrischen Ladung her gleichen sich somit Elektronen und Protonen aus und das Atom ist – normalerweise – in einem stabilen Zustand.

Weiterhin – sagen wir mal flapsig und im klassischen Sinne – umläuft den Atomkern das Elektron (oder mehrere Elektronen, je nach Element) in einer elliptischen Um­laufbahn. Diese Kreisbewegung hört niemals auf, nicht einmal in der Kälte des Welt­raumes. Allerdings gibt es nur ganz bestimmte Bahnen, auf welchen Elektronen den Atom­kern umlaufen können – und die dürfen auch nur mit Elektronen in einer ganz bestimmten Anzahl oder in bestimmten Zuständen besetzt sein.

Ganz wichtig ist auch noch, dass Elektron, Proton und Neutron eine sogenannte Ruhemasse haben, d.h. auch wenn sie sich nicht bewegen, haben sie eine Masse. Wie gesagt, normaler­weise ändert sich an dem stabilen Zustand des Atoms nichts, aber durch eine Zufuhr von Energie, die, in welcher Form auch immer, von Außen in ein Atom gelenkt wird, passieren dann abgefahrene Sachen…


Die Definition von Energie

Energie ist jede Form der bewegten Materie!

Als ein Beispiel möchte ich hier die elektrische Energie anführen. Diese Energie wird von Elektronen, den negativ geladenen Teilchen der Atomkerne übertragen. Lassen Sie uns dafür mal in das Kupferkabel eines normalen Haushaltstoaster schauen (Energiefresser!!! – der Red.-Elch), der an ein öffentliches Stromnetz angeschlossen ist. Toaster aus – kein Stromfluss, Toaster an – Strom fließt.

Und mittels der Begriffe, die ich benutzt habe, ist auch schon das Prinzip, welches hinter der elektrischen Energie steht, erkennbar. Elektrische Energie im Stromnetz, ist wie Wasser, das in ein Röhrensystem geschüttet wird. Macht man dann eine Röhre auf und gießt man oben immer nach, fließt das Wasser.

Nur dass es hier im Kupferkabel die Elektronen sind die Fließen und die Elektronen dies nur tun, weil Kupfer die besondere Eigenschaft hat, ein guter Leiter für freie Elektronen zu sein. Lassen wir also unsere Elektronen in die feinen Glühdrähtchen fließen, die sich im Toaster befinden: Wieder soll Wasser als Modell herhalten. Hatten wir vorher einen dickes Rohr, so ist es jetzt ein Röhrchen, eine haarfeine Kapillaren, durch die das Wasser durch muss. Wenn ich auf das ganze Röhren­system auch noch Druck ausübe, so knallen die Wassermoleküle ständig gegen die Wände des Röhrchens.

Die Elektronen machen das Gleiche, sie geben ihre Bewegungsenergie, die sie von einem Kraftwerk bis in den Toaster gepumpt haben, an den dünnen Draht ab. Dessen Atome nehmen diese Energie auf und die Moleküle des Drahtes fangen ebenfalls an, sich zu bewegen. Nur sie können nicht weg, sie sind in der festen Struktur des Kupferdrahtes eingefangen. Also begin­nen sie damit, hin und her zu schwingen, immer schneller und schneller, um die aufgenom­mene Bewegungs­energie wieder abzugeben. Von außen betrachtet beginnt dadurch der Draht sich zu erwärmen und schließlich zu glühen. Die schwingenden Moleküle des Kupfer­drahtes geben ihrerseits die Bewegungsenergie an die Luftmoleküle weiter. Hinzu kommt, dass Lichtenergie freigesetzt wird in Form von Hitze- oder sog. Infrarot­strahlung.

Ich könnte jetzt endlos weiter machen, wie sich durch die Wärme die chemische Zusammen­setzung des Brotes im Toaster ändert oder dass die erwärmte Luft aus dem Toaster austritt, und zu Erhöhung der Gesamtwärmemenge des Universums beiträgt (die Physiker sagen dazu „…die Entropie wird gesteigert…“

Doch ich möchte Ihnen noch ein anderes Beispiel vorstellen, vor allem weil hier Teil­chen ins Spiel kommen, die keine Ruhemasse besitzen. Einfacher ausgedrückt, wenn diese Teilchen jemals zur Ruhe kommen, sind sie nicht mehr nachweisbar bzw. haben ihre Bewegungs­energie komplett an andere Teilchen übertragen.

Die Fotonen, jene Teilchen, die elektromagnetische Energie transportieren, sind solche Teilchen ohne Ruhemasse. Elektromagnetische Energie oder Strahlung ist z.B. sichtbares Licht, Wärmestrahlung, kann auch Infrarotlicht oder in Form von Rönt­genstrahlung auftreten. Fotonen heißen auch Licht­quanten – ein Begriff den ich ab jetzt benutzen werde, der er beschreibt genau das, was sie sind: eine Portion elektromagnetische Strahlung.

Ende Teil II

NATuQuTAN – Teil I, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 18. März 2017

Einleitung

Der Versuch, Magie und Naturwissenschaft über den Ansatz einer metronisch quantisierten Feldtheorie und den String- bzw. Brane-Theoremen miteinander zu verknüpfen, wird einigen Naturwissenschaftlern als blanker Unsinn erscheinen, denn an der Universität hat man ihnen beigebracht, dass das, was nicht sein darf, auch nicht sein kann.

Ihnen stehen ebenso viele Gele(e)hrte der „anderen“ Fakultät gegenüber – und ihnen in nichts nach – denn es gibt ebenso viele Menschen, die sich mit Magie und/oder Naturreligionen beschäftigen, die von Naturwissenschaften im Allgemeinen nicht die Bohne verstehen und im Besonderen von Biologie, Chemie oder etwa Physik nichts wissen wollen.

Warum das so ist, kann ich nur mutmaßen, aber die Befürchtung liegt nahe, dass es sich bei diesen Extremhaltungen nicht nur um die natürliche Ignoranz von Fach­idioten handeln kann. Nein, der Grund für diese ablehnende Haltung liegt wohl tiefer, denn eine Haltung haben die Verfechter dieser kurz angerissenen – und ge­wissulent überzogenen – Weltbilder gemeinsam:

Ihr arrogantes Auftreten und der Glaube an die Gültigkeit von unveränderlichen Dogmen, welche hinter dieser Weltsicht steht. Weiterhin nennen sie ein gerüttelt Maß an blindem Fa­natismus ihr eigen – vor allem der eigenen Idee gegenüber, das genau ihr Weltbild eine ultima­tive Gültigkeit habe. Und da ist natürlich kein Platz für eine Koexistenz oder die Diskussion gegensätzlicher Standpunkte.

Glaubt hier der eine Extremist fest an sein rein magisches Weltbild, nur weil er Angst hat, dass bestimmte physikalische Modelle nicht zu seinem Glauben passen – und ihm quasi damit auch noch die Arbeitsgrundlage entzogen würde?

Keine Bange, der andere Extremist hat die gleichen Ängste bezüglich der Konse­quenzen, zöge man die Existenz von Magie auch nur in Erwägung – nur eben dia­metral entgegengesetzt. Und nicht nur mit der Tatsache, dass durch eine Aner­kennung, dass es Magie gäbe, viele der alltäglichen Handlungen in Frage zu stellen wären; sondern auch wegen der religiösen Konsequenzen, die sich aus einem naturwissenschaftlich-magischen Modell von selbst ergäben.

Letztlich sind beide hier beschriebenen Sub-Spezies des Homo sapiens gleich ängst­lich und stets darauf bedacht, sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegen­heit gegenseitig in die Pfanne zu hauen, indem jeder das Weltbild des Anderen be­harrlich ableugnet und sein eigenes – s.o. – als das einzig Richtige ins Rampenlicht stellt…

Um es gleich zu sagen: die in diesem Essay entworfenen theoretischen Vorstellungen haben nichts mit solchem Fanatismus oder Dogmen zu tun!

Ich will mit dieser Arbeit den Versuch unternehmen, ein Modell dieser Welt zu be­schreiben, in welchem magische, energetische und spirituelle Phänomene gleich­berechtigt auftreten können ohne sich gegenseitig auszuschließen – und sich manchmal sogar einander bedingen. Ich möchte mit diesem Werk ein Bild der Welt entwerfen, welches einen Kontext zwischen allen Dis­ziplinen des Lernens herstellen kann – ob Geistes- oder Naturwissenschaften, ob Magie oder Naturreligionen – und dabei so offen ist, dass immer ein Platz ist, für ein sowohl – als auch.

Ich habe mir deshalb Mühe gegeben, dass dies kein Essay für eine – in welchem Fachgebiet auch immer angesiedelte – Elite sein soll. Dafür habe ich die Erklärungen der naturwissenschaftlichen und metaphysisch-magischen Sachverhalte so gewählt, dass sie auch ein Laie nachvollziehen kann.

Wer sich auf seinem Fachgebiet auskennt und dem die Leserei der Grundlagen zu langweilig wird, der möge diese Kapitel überspringen und gleich in die Vollen gehen.

Es ist mir einigermaßen schwer gefallen, Prioritäten zu setzen, mit welchem Thema ich beginnen soll und wie ich das Ganze so aufbaue, dass die Darstellungen ei­ner­seits gedanklich nachvollziehbar und andererseits nicht nur langweiliger Theoriekram sind.

Wegen der trockenen Theorie kam ich auf die Idee, manche Sachverhalte durch Cartoons zu beschreiben; ich bin mir sicher dass es eine kosmische Humorformel gibt und wir über uns als Spezies, welche auf einem winzigen Staubkorn durch das Universum rast, viel zu wenig lachen.

Ich habe mit den physikalischen Grundlagen begonnen, damit der interessierte, aber natur­wissenschaftliche Laie weiß, wovon Physiker sprechen, wenn sie mal etwas anderes als nur Formeln von sich geben. Und damit ein Physiker sieht, dass ich mei­nen Einstein nicht nur ge­lesen, sondern auch verstanden habe … was nicht sonderlich schwer war, da ich mit magischen Parallelmodellen zu arbeiten gewöhnt bin.

Warum ich danach die parapsychischen Phänomene gesondert anspreche und von den magischen Grundlagen getrennt habe, hat etwas mit Akzeptanz zu tun. Namentlich damit, dass die – zu­mindest phänomenologische – Akzeptanz der Para­psychologie von Seiten der Meister magischer Disziplinen her ähnlich groß zu sein scheint, wie von der Seite mancher Gelehrten der Na­turwissenschaften. Wer einer Natur­religion angehört, weiß sowieso, dass diese Dinge existie­ren, insofern ist hier die Akzeptanz gegeben.

Und wenn etwas wie eben die parapsychischen oder paranormalen Phänomene – zwar mit Widerwillen, aber dennoch als möglich – akzeptiert werden, dann möchte ich diesen Zustand nutzen; z.B. wie energetische Phänomene und psychische Phä­nomene zu­sammenhängen oder aufeinander einwirken können.

Die magischen Grundlagen habe ich wiederum aus den gleichen Gründen auf­geführt, wie die physikalischen. Nur eben hier im umgekehrten Sinne, damit die magischen Spezialisten unter meinen Lesern sehen, dass ich mein 5. Arkanum; äh, das 7.?, oder war’s Aleister Crowley??? – na, was soll’s, jedenfalls damit klar ist, dass ich auch da meine Hausaufgaben gemacht habe.

Ach ja, natürlich braucht kein Leser eine abgeschlossene Ausbildung in einer magischen oder naturwissenschaftlichen Disziplin, noch muss er einer Naturreligion angehören. Um dem Text gedanklich zu folgen, lassen Sie sich einfach erst einmal auf die beschriebenen Überlegungen ein – und denken Sie daran – nichts ist so, wie wir glauben, dass es ist…

Ende Teil I