Archiv für die Kategorie ‘KräuterKistl’

Kräuter im Alten Ägypten

Samstag, 23. Juli 2016

Die Alten Ägypter besaßen eine ausgefeilte Heilkunst, die sehr eng mit der Anwendung von Magie verknüpft war. Neben verschiedenen Materialien der Natur, fanden auch viele Pflanzen Einsatz in der altägyptischen Medizin und Magie. Nicht alle konnten heute zweifelsfrei identifiziert werden und zum Teil nahmen es selbst die Alten Ägypter mit der botanischen Unterscheidung der Pflanzen nicht so genau.

Dennoch kann man heute auf eine umfangreiche Sammlung altägyptischer Medizinpflanzen zurück greifen, die ohne größere Umstände hierzulande erhältlich sind und z.B. für Rituale und magische Aktivitäten genutzt werden können

Im Folgenden soll daher ein Überblick über die im Alten Ägypten verwendeten Kräuter und Pflanzen gegeben werden, jeweils mit der Art der Anwendung und sofern überliefert mit der magischen oder mythologischen Bedeutung.


*** Wichtiger Hinweis ***
DIE REZEPTUREN SIND NICHT ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN!

Die Anwendungshinweise geben lediglich die überlieferten Einsatzgebiete der verschiedenen Pflanzen wieder, stellen aber in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar.
Bei Anwendung von Pflanzen oder Pflanzenteilen als Amulett bitte die jeweiligen Richtlinien für geschütze Pflanzen beachten.

Akazie (Nilakazie)
Wundheilung, bei Knochenbrüchen, um die Blutgefäße zu kühlen, Baum der Geburt und des Todes, Verhütungsmittel

Akazie, Foto: Wikimedia Commons

Alant
Wundheilung, um Insekten und Schlangen fern zu halten, um sich Krokodile vom Leib zu halten

Alraune
Gegen Schmerzen, als Betäubungsmittel (z.B. für operative Eingriffe) als Aphrodisiakum
Um einen Alraune zu ernten sollte man zunächst mit einem Schwert drei kreise um die Alraune ziehen, beim ersten Schnitt soll das Gesicht nach Westen gerichtet sein, beim zweiten Schnitt soll man um die Alraune tanzen und die Mysterien der Liebe besingen.

Alraune, Foto: Wikimedia Commons

Basilikum
Aphrodisiakum, um die Geburt zu erleichtern, „königliche Pflanze“

Bohnen
für Priester waren Bohnen tabu, es war ihnen nicht einmal erlaubt sie anzusehen, da sie als unrein galten, als Aphrodisiakum in der Volksmedizin, Arbeiter erhielten Bohnen als Lohn

Dattelpalme
Als Süßigkeit, zur Herstellung von Sirup, Wein, Schnaps und Likör, der Wein wurde getrunken, aber auch zur Waschung der Mumien benutzt, gegen geschwollene Arme und Beine, gegen Husten, als mildes Abführmittel

 

Datteln an einer Dattelpalme, Foto: Wikimdia Commons

 

Feigenbaum
Früchte gegen Verdauungsbeschwerden, zusammen mit Kuhmilch gegen Herzerkrankungen, die durch einen Dämon verursacht wurden, Opfergabe an die Götter, als mildes Abführmittel

Gerste
Als Opfergabe v.a. an Osiris als Symbol der Wiederauferstehung,
als Geburtsorakel: die schwangere Frau musste täglich in zwei Behälter urinieren, einen mit Emmer der andere mit Gerste gefüllt. Wuchs die Gerste würde sie einen Jungen gebären, wuchs der Emmer mehr würde es ein Mädchen werden. Wuchs keines der beiden würde sie kein Kind gebären.

Hanf
Gegen Trübsal und Depression, als Mittel um den Uterus zu kühlen, gegen Entzündungen, Symbol der Seshat, weibliches Pendant des Gottes Thoth, Gottheit der Mathematik, Schreibkunst und Magie

Die Göttin Seshat, Foto: Wikimedia Commons

Henna
Soll Verstorbene wiederbeleben können, als Stimulantium, Haar- und Hautfarbe

Körpermalerei mit Henna, Foto: Wikimedia Commons

Kalmus
Aphrodisiakum, zur Zahn- und Körperreinigung, oft Bestandteil der Räuchermischung Kyphi

Knoblauch
Aphrodisiakum, verleiht Kraft und Ausdauer

Knoblauch, Foto Wikimedia Commons

Koriander
Grabbeigabe, Opferung an die Götter, um den Milchfluss bei Müttern anzuregen, gegen Verdauungsbeschwerden, als Antidote gegen das Gift der „zweiköpfigen Schlange“, gegen Magenbeschwerden

Lattich
heilige Pflanze des Gottes Min und des Gottes Seth, wichtiges Fruchtbarkeitssymbol, Teil des Nahrungstabus für Priester, „Allheilmittel“, als Beruhigungsmittel, gegen Männerleiden

Kopfsalat gehört zu den Lattichgewächsen, Foto: Wikimedia Commons

Myrrhe
Bestandteil der Räuchermischung Kyphi, Harz zur Einbalsamierung bei der Mummifzierung, als Parfüm

Papyrus
Papyrusherstellung, als Baumaterial für heilige Zeremonienboote, Herstellung von Sandalen, Pflanze des Schöpfugsprozesses, die aus dem Urmeer Nun hervorgeht, Symbolpflanze von Unterägypten

Papyruspflanze (mit Katze :) )Papyruspflanze, Foto: Sati

Safran
Als Schutzamulett um giftige Tiere zu vertreiben, Grabbeigabe

Schlafmohn
Aphrodisiakum, gegen Schmerzen, als Betäubungs- und Schlafmittel, als Stimulantium

Schlafmohn, Foto: Wikimedia Commons

Sellerie
Gegen jede Krankheit, die durch einen Dämon verursacht wurde, Frauengesundheit, zu Kränzen geflochten als Grabbeigabe

Sellerie, Foto: Wikimedia Commons

Süßer Majoran
Pflanze des Krokodilgottes Sobek, gegen Erkrankungen des Ohres, Grabbeigabe, als Bestandteil von Parfüm, um die Menstruation anzuregen, gegen Zahnschmerzen und rheumatische Beschwerden

Wassermelone
Um Krankheitsdämonen zu vertreiben, als Orakel um eine schwangere Frau von einer nicht fruchtbaren Frau zu unterscheiden (die Schwangere übergibt sich nach Einnahme), Fruchtbarkeitspflanze (mit dem Gott Seth assoziiert, aus seinem Samen der auf den Boden fällt erwachsen Wassermelonen)

Weißer Lotos
Gehört zu den beliebtesten Pflanzen im Alten Ägypten, Lebens- und Wiederauferstehungssymbol (weil sich die Blüten nach der aufgehenden Sonne ausrichten), häufige Pflanze auf Opfertischen für die Götter, gegen Erkrankungen des Darms die durch Dämonen verursacht wurden, Regeneration, Aphrodisiakum, einige Lotusarten wurden als Rauschmittel konsumiert, Symbolpflanze Oberägyptens

Weißer Lotos, Foto Wikimedia Commons

Wermut
Gegen Erkrankungen des Anus die durch einen Dämon verursacht wurden, gegen Entzündungen der Haut, gegen Wurmerkrankungen

Wunderbaum
Rizinusöl als Haarwuchsmittel für Frauen, gegen Hauterkrankungen, als Abführmittel

Zwiebeln
Hält Schlangen fern und schützt das Heim, zur inneren Reinigung, bei Atemwegserkrankungen, Grabbeigabe, zur inneren Reinigung

Zwiebel, Foto: Wikimedia Commons

 

Literatur:
Lisa Manniche, An Ancient Egyptian Herbal

 

 

Leuchtend rote Mohnblumen, geschrieben von Michaela

Samstag, 07. Mai 2016

IMG_4659 Seit ich denken kann, gehören Mohnblumen zu meinen Lieblingsblumen. Es liegt an dem leuchtenden Rot, der Zartheit der Blätter, die doch dem Wind standhalten und der Kurzlebigkeit der Blüte, die uns erinnern möchte, jeden Moment zu genießen, denn zu schnell vergeht das Leben. Ich bin Gott dankbar für die vielen schönen Momente in meinem Leben und für die Natur. Er hat sie erschaffen, um uns körperlich und seelisch gut zu tun, damit wir eine Beziehung zu ihm haben können und Dankbarkeit erleben. Und ich genieße es, die Heilpflanzen der Natur zu nutzen, anstatt von Medikamenten oder dem Zucker süchtig zu werden, die wir Menschen erfunden haben.

Deshalb kam der Moment, an dem ich diese Pflanze nicht nur anschauen, sondern auch nutzen wollte. Ich recherchierte und kostete und fand einige tolle Anwendungsmöglichkeiten. Doch nun erst einmal ein paar allgemeine Informationen:

Artenvielfalt

Mohn gehört zu den ältesten Kulturpflanzen weltweit. Es gibt zwischen 50 und 120 Arten von Mohngewächsen –roter Klatschmohn ist am bekanntesten. Weiterhin gibt es Schlafmohn, türkischen Mohn oder Staudenmohn (mehrjährige Pflanze), Islandmohn, Alpenmohn, Arktischer Mohn, Sandmohn, Goldmohn oder kalifornischer Mohn und viele mehr.

Die ersten Blüten kannst du ab Ende Mai bestaunen. Allerdings sieht man heute an den Feldern nicht mehr so viel Mohn, denn die Pflanze überlebt den hohen Einsatz von Herbiziden nicht. Im Kraut und speziell in dem Milchsaft der Pflanze finden sich Alkaloide.

Schlafmohn

Der Schlafmohn ist eine einjährige Pflanze und bis auf den Samen ist alles giftig! Vor allem der Milchsaft bildet in getrockneter Form das Rauschgift Opium. Es gibt verschiedene Zuchtformen, meist ist die Blütenfarbe rosa. Die Samen werden als Lebensmittel oder für die Ölgewinnung genutzt.  Aufgrund von verschiedenen Erntemethoden schwankt der Morphingehalt in den Samen und deshalb gibt es eine maximale tägliche Aufnahmemenge. Der Anbau von Schlafmohn ist in Deutschland genehmigungspflichtig – das war mir auch neu….

kalifornischer Mohn

  • im Kraut mehr, in den Blüten weniger Alkaloide
  • Kraut wird deshalb als giftig bezeichnet
  • Blätter wurden von amerikanischen Ureinwohnern als Heilmittel genutzt – Schlaf und Beruhigungsmittel sowie Schmerzmittel wurden daraus hergestellt
  • abgekochte Blüten waren Heilmittel gegen Kopfläuse
  • Er hat eine andere Wirkung auf das Gehirn als der Schlafmohn. Deshalb finden die Inhaltsstoffe heute Verwendung in der Homöopathie und der Pflanzenheilkunde.
  • Weiteres findest du bei Wikipedia.

Mohnsamen

Die Mohnsamen des Schlafmohns gehören zu den calziumreichsten Lebensmitteln und enthalten viel Vitamin B, Aminosäuren, Magnesium und Kalium. Sie finden Verwendung als Gewürz und Öl oder in Süßspeisen wie Kuchen, Germknödeln und Mohnbrötchen.

Es gibt folgende Mohnsamenarten:

  • Blaumohn – eher herb und intensiv
  • Graumohn – zart und eignet sich für Mohnsüßspeisen
  • Weißmohn – eine seltene Sorte mit nussartigem Geschmack

 

Mohnsamen werden nur aus Schlafmohn gewonnen, andere Mohnsamen gelten als unbekömmlich. Gemahlenen Mohn solltest du schnell verbrauchen, weil er durch den hohen Ölgehalt schnell ranzig wird. Ganze Mohnsamen sind sehr lange haltbar.

KlatschmohnIMG_4668

Klatschmohn ist die bekannteste Mohnpflanze. Sie wächst viel an Feldrändern und am Wegesrand, zumindest, wenn dort keine Herbizide genutzt werden.

Früher wurden die Blüten für einen Sirup gegen Husten und als Beruhigungs- und Schlafmittel genutzt. Die Wirksamkeit wurde leider schulmedizinisch nie belegt. Die Volksheilkunde spricht dem Mohn aber beruhigende Wirkung zu. So kann er innerlich als Tee oder Hustensaft und äußerlich als Umschlag für Hautprobleme und Furunkel angewandt werden.

Ich habe mir letztes Jahr selbst den Sirup hergestellt und bin beeindruckt von der Farbe und den Anwendungsmöglichkeiten in der Küche. Du kannst selbst gemachte Gummibärchen wunderbar damit einfärben und alle möglichen Süßspeisen damit verzieren………

Die Blütenblätter kannst du hübsch dekoriert essen oder für Teemischungen nutzen, die jungen Blätter vor der Blüte kannst du im Salat essen oder wie Spinat kochen, allerdings ist nach nach der Blüte der Alkaloidgehalt zu hoch. Dann wird es auch bei Klatschmohn nicht mehr empfohlen.

Mohnsirup herstellen

Ich habe hier (http://www.kochbar.de/rezept/189329/Mohnblumensirup.html) ein Rezept gefunden, aber es geht auch einfacher:

Zutaten:

  1. ca. 20 g rote Mohnblüten
  2. 100 ml kochendes Wasser
  3. 100 g Rohrohrzucker
  4. einige Spritzer Zitrone
  • Mohnblüten mit kochendem Wasser übergießen, einige Stunden stehen lassen
  • die Blüten abseihen, Zitronenspritzer und Rohrohrzucker zugeben
  • einkochen lassen, bis die Flüssigkeit dickflüssig wird und das Wasser zu großen Teilen verdampft ist
  • in sterilisierte kleine Flaschen abfüllen

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Der Sirup eignet sich toll für leckere Farbkleckse auf dem Essen. Und falls du Zweifel hast, lies ruhig hier bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Klatschmohn ) noch weiter. Ich habe jedenfalls gute Erfahrungen damit gemacht.

Tinte aus Mohnblüten herstellen

Du kannst aus den Blättern auch eine Tinte herstellen – besonders geeignet für große Kinder die mit einem Federkiel und Tinte schreiben möchten:

  • Dazu füllt man frische Mohnblüten in ein Glas mit Schraubdeckel,
  • darüber werden 3 Teile Wasser und 1 Teil Essigessenz geschüttet
  • dann läßt du es einige Tage im Sonnenlicht stehen
  • Flüssigkeit durch´s Sieb gießen und schreiben
  • Es wird nur nicht so knallrot, sondern eher lila und sollte nur für Federkiele verwendet werden, denn z.B. Füller und die Haut von kleinen Kinderhänden greift die Essigessenz an.

Für kleine Kinder gibt es hier eine Tinte zum Malen mit Pinsel aus Sand, Wasser und Mohnblüten – einfacher geht es nicht. Weitere Herstellungsmöglichkeiten von Tinte findest du hier.

Aus den gepressten Mohnblütenblättern habe ich auch schon tolle Unruhen für Babys gebaut, sie staunen immer so schön, wenn die Blütenblätter im Wind schweben. Allerdings verblassen die Blätter mit der Zeit.

Ich wünsche dir, dass du immer mehr in der Schöpfung Gott entdeckst und ausprobierst, wie gut er für deinen Körper und deine Seele ist. Ich habe erlebt, dass mich die Dankbarkeit ihm gegenüber sehr zufrieden macht. Das ist etwas Wertvolles in einer Konsumgesellschaft, die immer in Eile und unzufrieden ist.

Alles Gute für deinen Weg, Gott segne dich

Mistel – Schmarotzer, die zum Küssen verführen

Samstag, 26. Dezember 2015

In der laubfreien Zeit sind sie wieder besonders gut zu erspähen – die Mistel, oder auch Viscum album (Weißbeerige Mistel). Meist in den oberen Regionen der Baumkronen angesiedelt ziert das parasitäre Sandelholzgewächs sowohl Laub- als auch Nadelbäume. Um die Mistel ranken sich verschiedene Mythen, sie fand und findet Verwendung als Heilmittel, aus Amerika kommt der Weihnachtsbrauch sich unter dem Mistelzweig zu küssen und besonders in den Rauhnächten wird sie zum Räuchern verwendet.

Vögel gehen ihr auf dem Leim

Im Volksmund ist sie unter anderem unter den Namen Hexenbesen, Hexen- oder Trudennest beziehungsweise Vogelleimholz bekannt. Der letzte Namen bezieht sich auf die Verwendung vorwiegend der Eichenmistel bei der Vogeljagd. Ein Teil der Früchte wurde und wird zur Herstellung von Vogelleim verwendet, der in einigen europäischen Ländern noch immer beim Vogelfang eingesetzt wird. Der klebrige Schleim der Mistelbeeren wird dabei auf Ästen angebracht und wenn sich die Vögel darauf niederlassen bleiben sie kleben und können eingefangen werden. Vielleicht kommt daher auch der Ausspruch „Jemanden auf den Leim gehen“ – wer weiß.

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Früchte der Weißbeerigen Mistel (Botanischer Garten, Karlsruhe)

Dieser klebrige Schleim kommt daher, dass die Mistelfrüchte keine Samenschalen bilden, sondern die Samen von einer klebrigen Schicht, die unter anderem aus Cellulose und Pektinen besteht, umschlossen werden. Dieser Schleim hilft der Mistel auch bei der Verbreitung, die vorwiegend durch Vögel passiert. Die klebrigen Samen bleiben an den Schnäbeln haften und werden später an anderen Zweigen abgestreift. Werden die Samen von den Vögeln gefressen, dann wird die klebrige Schicht nicht vollständig verdaut und beim Ausscheiden bleibt der Samen dadurch trotzdem gut an Ästen kleben.

Familienzugehörigkeit

Im Unterschied zur Weißbeerigen Mistel hat die Eichenmistel gelbe Beeren und gilt als eigene Gattung. Das Verbreitungsgebiet der Viscum album sind hauptsächlich Mittel- und Südeuropa, sowie Südskandinavien. Wohingegen die Eichenmistel vermehrt in Südosteuropa, Mittel- und Osteuropa und Kleinasien verbreitet ist. In Österreich beschränkt sich ihr Vorkommen hauptsächlich auf Ober- und Niederösterreich, Wien, Steiermark und das Burgenland. In den Voralpengebieten gilt sie als gefährdet. Im Unterschied zur Eichenmistel findet man die Weißbeerige Mistel auf unterschiedlichen Laubbäumen, zu denen unter anderem Apfelbäume, Linde, Birken, Weiden und Pappeln zählen. Aber auch auf Bäumen wie den Weißdorn, der Robinie und der Hainbuche findet man sie recht häufig. Die Eichenmistel ist nicht nur an den gelben Beeren von der Weißbeerigen Mistel zu unterscheiden. Sie ist auch sommergrün und ihre Äste sind ab dem zweiten Jahr braun bis schwarzgrau – im Gegensatz dazu bleiben die der Weißbeerigen Mistel grün.

Die Viscum Album kann man nach der unterschiedlichen Wirtsbaumart in verschiedene Unterarten einteilen – die Laubholz-Mistel, die Tannen-Mistel (hauptsächlich auf Weißtannen), die Kiefern- beziehungsweise Föhren-Mistel (häufiger auf Kiefern und seltener auf Fichten oder Lärchen) und die Kretische-Mistel (kommt nur auf Kreta und hier auf der Kalabrischen Kiefer vor). Als eigene Arten (neben der Eichenmistel) gelten heute auch noch die Koreanische oder die Japanische Mistel.

Weißbeerige Mistel

Weißbeerige Mistel

Schnorrer auf dem Dach

Wie kommt jetzt die Mistel zu ihren Wirtsbäumen? Sie zählt zu den Halbschmarotzern – das bedeutet, dass sie eigentlich nur auf das Wasser und darin enthaltene Nährstoffe des Wirtes angewiesen ist. Der Keimling setzt direkt an der Sprossachse des Wirtsbaumes an und bildet einen Saugfortsatz aus, der durch die Rinde wächst und hier zwischen Holz und Rinde Stränge ausbreitet. Der Hauptsaugfortsatz entwickelt sich mit der Zeit zur Primärwurzel und daraus entwickeln sich wieder die sogenannten Senkerwurzeln, die das Versorgungsleitungsgewebe der Wirtspflanze anzapfen. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist entwickelt sich die Mistel weiter. Sie bildet dann kugelige Buschen von einem Durchmesser bis zu einem Meter aus und kann bis zu 70 Jahre alt werden. Das Wachstum der Viscum album ist sehr langsam – bei einer Astlänge von ca. 50 Zentimeter ist die Pflanze schon cirka 30 Jahre alt. Eine Besonderheit ist auch, dass die Mistel ab der Keimung voll photosynthetisch aktiv ist und daher in diesem Entwicklungsstadium einige Jahre überdauern kann – zum Beispiel wenn die Saugwurzeln die Leitungsbahnen der Wirtspflanzen nicht erreichen können. Wie einleitend erwähnt ist die Weißbeerige Mistel ein Halbschmarotzer und sie müsste daher dem Wirtsbaum nur Wasser und Mineralsalze entziehen. Warum sie dennoch die Leitungsbahnen für die organischen Substanzen des Baumes anzapft und ob sie ihm dabei auch andere Nährstoffe entzieht ist noch immer Gegenstand kritischer Diskussionen unter den Biologen.

Keimlinge einer Mistel

Keimlinge einer Mistel

Giftig und heilsam zugleich?

Die Mistel gilt als giftig, wobei einige Arten beziehungsweise Bestandteile giftiger sind als andere. Viscum Album von Pappel, Robinie, Linde, Walnuss und Ahorn sind am Giftigsten und die vom Apfelbaum als am wenigsten giftig. Die Blütenknospen und Früchte haben ihren höchsten Giftgehalt im Winter und die Blätter erhöhen ihre Dosis bereits im Herbst. Dieser Giftgehalt muss man bei der Verwendung der Mistel zu Heilzwecken besonders beachten.

Die jungen Zweige mit Blättern, Blüten und Früchten dienten und dienen als Heildroge und werden traditionell als Misteltee oder als Fertigpräparat mit Mistelextrakten zur Unterstützung des Kreislaufes und als Vorbeugung der Ateriosklerose eingenommen, wobei diese Anwendungen in der Wissenschaft auf Skepsis stößt.

Was allerdings auch in der westlichen Medizin gut aufgenommen wird, sind die Präparate aus frischem Mistelkraut, die zum Beispiel bei entzündlich-degenerativen Gelenkserkrankungen, Bandscheibenerkrankungen oder Arthrosen herangezogen werden. Und dann gibt es noch die sogenannte Misteltherapie die hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz verbreitet und in der alternativ- und komplementärmedizinischen Krebsbehandlung zum Einsatz kommt. Dazu werden Extrakte der Weißbeerigen Mistel nach der antiken Signaturlehre herangezogen. Da auch Krebs als „Parasit“ im menschlichen Körper empfunden wird und die Mistel in ihrer „Lebensart“ diesem entspricht wird sie zur Heilung desselben verwendet. Trotz langjähriger Forschung und Anwendung der Mistelpräparate konnte keine Heilung von Krebs oder eine Hemmung des Tumorwachstums nachgewiesen werden. Was allerdings schon nachweisbar ist, ist die Verbesserung der Lebensqualität bei paralleler Anwendung von Chemotherapie und Mistelpräparate zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen.

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Querschnitt Mistelzweig mit Wurzeln in einem Wirtsbaum

Mythologisches Heilmittel, Fruchtbarkeitssymbol, Schutz und ewige Liebe

Im Altertum wurde die Mistel als Heilmittel und für kultische Handlungen von den Druiden benutzt. Laut Plinius war den keltischen Priestern besonders die selten vorkommende Eichenmistel heilig. Aufgrund ihrer immergrünen Erscheinungsart wurde sie bei den Kelten und Germanen auch als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Dies wird ihr angeblich auch heute noch in der Schweiz nachgesagt.

Abseits der Medizin wird der Mistel eine schützende Wirkung nachgesagt, was dazu führt, dass sie in manchen Gegenden besonders zur Zeit der Wintersonnenwende (oder als Weihnachtsschmuck) an Türen und Dächern angebracht wird. Ein weiterer Brauch aus dieser Jahreszeit ist das Küssen unter dem Mistelzweig – wen zwei dies tun dann soll aus ihnen ein besonders glückliches Liebespaar werden.

Weiters soll die Mistel hauptsächlich auf Bäumen wachsen die an „schwierigen“ Standorten (vermehrte Erdstrahlung, Wasseraderkreuzungen, etc.) stehen. Dies soll bewirken, dass sie beim Verräuchern „negative“ Schwingungen in positive umwandelt.

Wie ihr seht, ist die Mistel also ein sehr vielfältig einsetzende Gewächs deren Geheimnisse noch immer nicht alle entdeckt sind. Daher finde ich sie als sehr passende Pflanze für die Zeit der Wintersonnenwende und der Rauhnächte – mögen auch wir unsere vielfältigen Talente und Gaben entdecken und einsetzen. In diesem Sinne wünsche ich euch entspannte Feiertage und einen guten Start ins neue Kalenderjahr!

Quelle:
Unterlagen Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer – LFI St. Pölten
www.wikipedia.at

Ragweed – oder unser Immunsystem gegen das Kraut des Schreckens

Samstag, 01. August 2015

Was sich vielleicht anhört wie der Name eines B-Movies aus dem Horrorgenre, geistert tatsächlich mehr oder weniger mit dieser Bezeichnung durch die verschiedenen Medien. Alle Jahre wieder wird vor dem Allergie auslösenden Kraut Ragweed – Ambrosia artemisiifolia oder Beifußblättrige Traubenkraut gewarnt. Es werden Informationsfolder und Flugzettel gedruckt und verteilt, es gibt Zeitungs- und Fernsehberichte von gezielt durchgeführten Rodungsaktionen und Ärzte sprechen über die verheerende Wirkung des Ragweed auf unser Immunsystem. Was ich mich in diesem Zusammenhang immer Frage ist, ob das alles nicht nur Panikmache ist. Darum habe ich jetzt diesen Artikel zum Anlass genommen, mich mal etwas genauer über das Ragweed zu informieren.

Effektive Verbreitungsstrategien …

Die ursprüngliche Heimat dieser Pflanze aus der Familie der Korbblütler ist Nordamerika und sie wird bei uns als sogenannter „invasiver Neophyt“[1] bezeichnet. Nun habe ich ja schon einmal in einem Kräuterkistl-Artikel über Neophyten berichtet (Die Heißlände als Ein- und Auswanderungsgebiet – Donau, Traisen und die Au – Teil 3 – Oktober 2012) und bin auch dort zur Erkenntnis gelangt, dass Mechanismen die vom Menschen in Gang gesetzt wurden, nur ganz schwer (wenn überhaupt) wieder rückgängig gemacht werden können. Und so scheint es mir auch hier beim Ragweed zu sein. In Österreich registrierte man die ersten Vorkommen des Beifußblättrigen Traubenkrautes bereits im späten 19. Jahrhundert und durch die fortschreitende Technisierung beziehungsweise durch die Globalisierung kam und kommt es zu einer immer größeren Ausbreitung. Natürlich trägt auch die Pflanze selbst zu ihrer Verbreitung bei und hat hier ganz tolle Mechanismen geschaffen – mit Hilfe des Menschen geht es natürlich etwas schneller und effizienter.

Beifußblättriges Traubenkraut - gefiederte Blattstände

Beifußblättriges Traubenkraut - gefiederte Blattstände

Das Traubenkraut ist eine einjährige Pflanze und auf Grund dessen hat sie sich auf eine massenhafte Produktion von Samen verlegt, um das Überleben ihrer Art auch im nächsten Jahr zu sichern. Jede Pflanze kann zwischen 3.000 und 60.000 Samen produzieren und diese Samen sind bis zu 40 Jahre keimfähig. Das heißt, selbst wenn wir es schaffen diese Pflanze durch gezielte Aktionen in Österreich an ihrer derzeitigen Ausbreitung zu hindern, müssten wir diese Strategie mindestens noch weitere 40 Jahre mit der gleichen Vehemenz und Aufmerksamkeit verfolgen. Und dabei habe ich noch nicht die neuerliche Ansiedlung des Ragweed durch verschiedene, bereits in der Vergangenheit vorgekommene, Faktoren berücksichtigt.

… der Mensch hilft fleissig mit …

Die Verbreitung des Traubenkrautes fand in Österreich und in Europa in drei Wellen statt. Die erste Welle führte zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu ersten Vorkommen. Die langsame und kontinuierliche Ausbreitung in landwirtschaftlichen Flächen gab es in Österreich vor allem im Süden und Osten zwischen den Jahren 1965 und 1980 und später dann ab 1995. Die schnellste Ausbreitung fand entlang sogenannter linearer Korridore (Autobahnen, Wasserwege wie die Donau oder entlang von Bahnstrecken und in Bahnhöfen) ab dem Jahr 2000 statt und hält stetig an. Die kontinuierliche Ausbreitung auf landwirtschaftlichen Flächen ist vor allem auf verunreinigtes Saatgut beziehungsweise auf die Übertragung durch landwirtschaftliche Geräte zurück zu führen. Vor allem auf die durch die EU geförderte Brache (nicht landwirtschaftlich genutzte Fläche, damit es bei bestimmten Feldfrüchten zu keiner Überproduktion und dadurch zu einem Verfall des Preises kommt) wurde günstiges, nicht kontrolliertes Saatgut von zum Beispiel der Luzerne ausgebracht, dass oft mit Ragweed-Samen verunreinigt war. Durch das Mähen und spätere Einackern wurden auch gleichzeitig die auch auf den anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen verwendeten Maschinen mit den Traubenkrautsamen „kontaminiert“. Eine weitere Verbreitung findet zum Beispiel durch verunreinigtes Vogelfutter im häuslichen Bereich statt[2]. Durch die vermehrt ab 2000 stattfindenden Überschwemmungen kam es zu einer Ausbreitung entlang der Flüsse und durch den Transport landwirtschaftlicher Produkte fand das Ragweed seinen Weg in Bahnhöfe (landwirtschaftliche Produkte werden oft in der Nähe von Bahnhöfen für den Weitertransport gesammelt und gelagert) und entlang des Schienennetzes. Das Mähen und Mulchen der Raine entlang der Hauptverkehrsrouten durch die Straßenmeisterei tat ein Übriges. Auch die Kompostierung und wieder Ausbringung von Kompostiererde trug zur Verbreitung bei.

… kleine Ursache – große Wirkung …

Was macht das Ragweed für uns Menschen jetzt so gefährlich. Die männlichen Blüten produzieren bis zu 8 Milliarden Pollen und diese sind es, die bei uns heftige allergische Reaktionen auslösen. Sie haben eine drei bis fünfmal stärkere Wirkung als Gräserpollen und es genügen fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft um eine allergische Reaktion auszulösen. Zusätzlich können diese Pollen bis zu 1000 Kilometer weit verbreitet werden. Der Mensch reagiert mit Heuschnupfen, Bindehautentzündung, Husten, Kurzatmigkeit und/oder Hautausschlag auf diese Pollen. Laut einer Untersuchung von Professor Jäger von der Uni Wien im Jahr 2006 betrugen die durch Allergien ausgelösten Gesundheitskosten allein in Österreich 88 Millionen Euro pro Jahr.

Ragweed - rötliche Innenseite des Stängels

Ragweed - rötliche Innenseite des Stängels

Nun kann ich schon (aus eigener Erfahrung) nachvollziehen, dass es kein Spaß ist, wenn man von einer Allergie betroffen ist und es eine Beeinträchtigung beziehungsweise Einschränkung der Lebensqualität mit sich bringt. Allein ich glaube nicht, dass wir mit den derzeit durchgeführten Mitteln eine Pflanze wie das Ragweed langfristig ganz aus unserem Ökosystem entfernen können. Derzeit wird in den Informationskampagnen der Fokus auf die von der Allergie verursachten Kosten und die gesundheitlichen Schäden gelegt und es werden Anleitungen und Strategien entwickelt, wie die Ausbreitung am besten verhindert werden kann:

  • bei Entdeckung im Keimstadium Entfernung der Pflanze samt Wurzel oder Kartierung von größeren Beständen um diese später vor der Blüte zu Mähen,
  • im Stadium vor der Blüte ebenfalls Ausreißen beziehungsweise mehrmals mähen,
  • kein Kauf von billigem Vogelfutter,
  • Durchsuchen des Vogelfutters nach Ragweed-Samen,
  • Beobachten von Straßenrändern, Schutthalden, Deponien und Brachflächen

Wenn diese Strategien längerfristig (auch finanziell) durchgezogen werden, dann kann es meiner Meinung nach zu einer Eindämmung des Bestandes kommen. Aber ich glaube nicht, dass es zu einer Ausrottung der Pflanze kommt.

Ambrosia artemisiifolia - typischer Standort

Ambrosia artemisiifolia - typischer Standort

… und die Moral von der Geschichte …

Eine ganz andere Frage, die sich mir im Laufe der Beschäftigung mit dem Ragweed gestellt hat war folgende: Gibt es im Ursprungsland der Pflanze auch so große Probleme mit auftretenden Allergien bzw. sich rasant ausbreitenden Beständen? Hat unser europäisches Immunsystem nichts gegen diesen Allergieauslöser im Ärmel? Warum reagieren wir überhaupt immer sensibler auf unsere Umwelt?

Über die letzte Frage wurde schon viel geschrieben und geforscht. Sei es nun die steigende Zahl der Kaiserschnitte, die uns bei der Geburt schon weniger Grundimmunisierung mitgibt oder die immer sterilere Umgebung in der wir aufwachsen – längerfristig sollten wir Menschen uns eine (Überlebens)-Strategie in dieser Hinsicht zulegen, denn wenn es nicht das Ragweed ist, dann wird eine andere Pflanze kommen und unser Immunsystem herausfordern – einfach dadurch, dass sie durch unsere aktive Mithilfe (Verbreitung) gehäufter, als natürlicherweise geplant, vorkommt.

Quelle:
Unterlagen Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer – LFI St. Pölten
http://ragweed.boku.ac.at/


[1] Unter invasiven Neophyten versteht man eingewanderte Pflanzen die sich zu einem Problem entwickelt haben.

[2] Durch die Verwandtschaft mit der Sonnenblume kann die das Ragweed aus den Sonnenblumenfeldern nicht chemisch entfernt werden und die Samen gelangen dadurch gemeinsam ins Vogelfutter.

Warzenkraut und Krötenstein

Samstag, 04. April 2015

Der Untertitel „Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ der Ausstellung im Landesmuseum Niederösterreich hat mich neugierig gemacht und ich wollte mal sehen wie das Thema von Seiten der Ausstellungskuratoren aufgearbeitet wurde – vielleicht gibt es ja noch etwas zu lernen beziehungsweise kann ich diese Erkenntnisse euch durch einen Artikel hier im Kräuterkistl vermitteln.

Es wird eine Fülle von Themen im Bereich Volksmedizin und Aberglaube angeschnitten und den AusstellungsbesucherInnen in vielen Installationen näher gebracht.

Ausgehend von einer Zeit und Gesellschaft in der die medizinische Versorgung eher schlecht ist und das Weltbild von einer Gottgegebenheit geprägt ist wird erklärt, dass es für die Menschen natürlich war auf lebensbedrohliche Situationen nicht rational zu reagieren. Zusätzlich zu den Gebeten, religiösen Gebräuchen und Ritualen die in solchen Situationen Verwendung fanden griff der Mensch auch auf viele verschiedenen Pflanzen, Tiere, tierische Produkte, Fossilien und Mineralien zurück. Diese fanden Anwendung, um wieder gesund zu werden, um sich vor Dämonen und Naturkatastrophen zu schützen, um sein persönliches Schicksal zu beeinflussen und um Gefahr für Leib und Seele abzuwehren. Es wird auf die verschiedenen Herangehensweise an die Problemstellungen hingewiesen – je nachdem in welchem Zeitalter, in welchem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld sich die Menschen befanden und welche Ressourcen vorhanden waren, gab es verschiedene Herangehensweisen und Methoden um sie zu lösen.

NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Ausstellungsplakat - Collage Warzenkraut und Kroetenstein

Die Ausstellungsgestalter spannen hierbei den Bogen von den Kelten bis in die Gegenwart, wo es praktisch zu einer Renaissance von traditionellen Heilmitteln und Heilmethoden kommt. Da es mir schwer fällt in dieser Ausstellung einen roten Faden zu finden halte ich mich bei der Vorstellung an die Struktur des Ausstellungskataloges.

Von Zaubertränken, Bildbäumen, Klostermedizin und Signaturlehre

In diesem Abschnitt wird auf die Trepanationen (Schädelöffnungen) in Niederösterreich vor ca. 2000 Jahren, die Bräuche rund um die Mistel, auf die Symbolik der Eiche bei den Kelten und Römern und deren Fortsetzung z.B. in der heutigen Münzgestaltung sowie auf die Vorstellung der ersten „Ärzte“ und „Pharmazeuten“ eingegangen. Dazwischen wird der Besucher/die Besucherin immer wieder mit speziellen Objekten und deren Wirksamkeit konfrontiert. Der Text bei einem getragenen Lederschuh informiert z.B. darüber, dass das gebrannte und fein zerstoßene Leder von alten Schuhsohlen als Umschlag bei schmerzlichen Entzündungen – ausgelöst durch das drücken des Schuhs – hilft. Im Anschluss wird die Frage aufgeworfen, ob die sogenannten „Bildbäume“ (Bäume an denen Heiligenbilder angebracht werden) die neuen „heiligen“ Bäume der heutigen Zeit wären. Diese Tafel bildet praktisch den Übergang zum Thema Medizin im Mittelalter und Klostermedizin. Hier werden einige alte Arzneibücher und Kräuter, die in keinem Klostergarten fehlen durften, vorgestellt. Natürlich erfährt man hier auch etwas über Hildegard von Bingen und ihre Medizin. Zum Beispiel durch den Rupertsberger Riesenkodex – einer mittelalterlichen Handschrift, die eine enzyklopädisch geordnete Gesamtausgabe der Schriften Hildegards (allerdings ohne die medizinisch-naturkundlichen Werke) ist. Weiter geht es mit einer Vorstellung der verschiedenen Heilsteine und der unterschiedlichen Gegenmaßnahmen während der Pest im Mittelalter.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Medizingeschichte

Die letzten zwei Themen in diesem Abschnitt bestreiten die „Zauber der Ähnlichkeit“ beziehungsweise die Signaturlehre und die Vorstellung von zwei Männern der Heilkunde – Paracelsus und Leonhart Fuchs (wurde durch seine vielen Kräuterbücher berühmt). Früher war im Volksglauben weit verbreitet, dass eine Verbundenheit zwischen der äußerlichen Form und verschiedenen Leiden besteht. So wurde die Schwalbe wegen ihrer guten Sehkraft bei Augenleiden gegessen oder die Mistel bei Schwindelanfällen verschrieben, da sie in schwindelerregender Höhe wächst. Weiters sollte Hasenruin gemeinsam mit getrockneten Ohrwürmern bei Hörschwäche helfen. Hier wird auch auf verschiedene Pflanzen hingewiesen und die Ausstellungsgestalter unterteilen diese nach ihrer Unwirksamkeit und denen die heute noch Verwendung finden. So zählen sie z.B. den Frauenmantel (Frauenbeschwerden), das Lungenkraut (Lungenleiden) oder das Leberblümchen (Leberleiden) zu den unwirksamen Kräutern. Die Herbstzeitlose (Gicht – Knolle soll an Zehen mit Gicht erinnern), der Augentrost (Augenleiden), das Schöllkraut (Gallenleiden) und die Mistel (gegen Krebs – Mistel entzieht der Wirtspflanze Nährstoffe) werden als noch heute in Verwendung kurz vorgestellt.

Am Ende dieses Abschnittes werden auf einem hölzernen Verkaufsstand verschiedene getrocknete Kräuter von der Initiative „Natur im Garten“ (http://www.naturimgarten.at/) präsentiert.

Foto Claudia Hauer - NÖ Museum Betriebs GmbH - Pressestelle

Kräuterstand


Blitzableiter, Pechvögel, Hexenkräuter und Gebärmutterkröten

Der nächste Raum steht im Zeichen von Aberglaube gepaart mit verschiedenen Heilmittel aus dem Bereich der Volksmedizin. Die Installation in der Mitte zeigt uns ein Holzhaus und die unterschiedlichen Dinge aus der Tier und Pflanzenwelt die Haus, Hof und BewohnerInnen schützen sollten. Vor Blitzschlag soll die Königskerze im Garten, das Hirschgeweih über der Tür oder sogenannte „Donnerkeile“ (Teile von urzeitlichen Tintenfischen[1]) schützen. Viel Information bekommt man über die Wirksamkeit des Hollunder – hier wird der Bogen von der Göttin Holla über den Holler als „Blitzableiter“ für Krankheiten bis hin zum Einsatz des Hollers als Heilpflanze zum Beispiel bei Gicht- und Rheumaerkrankungen gespannt. Die AustellungsbesucherInnen erfahren über glück- und pechbringende Vögel wie Storch, Bachstelze und Eichelhäher auf der Seite der Glücksboten und Rabenkrähen, Elstern, Eulen oder dem Seidenschwanz auf der Seite der Pechbringer. Es werden verschiedene Räucherpflanzen und das Brauchtum rund um den Palmbuschen und die Barbarazweige vorgestellt. Der Rainfarn, Amulettketten, Verschrei- und Schrecksteine sowie der Fuchsschwanz finden als Abwehr von Unheil, Teufel und Dämonen Eingang in die Ausstellung. Platz finden auch die verschiedenen Hexenkräuter und Pflanzen der weisen Frauen – Beifuß, Roter Fingerhut, Frauenmantel, Echtes Johanniskraut, Gefleckter Schierling, Gemeine Alraune, Schwarzes Bilsenkraut und die Tollkirsche – um nur einige zu nennen.

Foto Andreas Praefcke - Quelle Wikimedia

Gebärmutterkröte - Museum für Klosterkultur, Bayern

Ein weiteres Thema in diesem Raum ist der Liebe gewidmet. Hier geben die Kuratoren einen Überblick über Mittel zur Potenzsteigerung und zur Hemmung des Sexualtriebes, Liebes- und Fruchtbarkeitszauber sowie die Pflanzen der Engelmacherinnen. Von den formgebenden Dingen und Pflanzen wie das Horn des Alpensteinbocks, der Gurke, dem Spargel oder dem Rohrkolben über den Käfer der „Spanische Fliege“ genannt wird bis hin zu Sellerie, Zwiebel und Knoblauch wird hier einiges an Potenzmittel angeboten. Neu für mich sind die sogenannten Scham- und Muttersteine – Steinkerne fossiler Muscheln, die Ähnlichkeiten mit der weiblichen Scham zeigen. Sie wurden zermahlen und bei Frauenkrankheiten beziehungsweise auch zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und im Ganzen unters Bett gelegt, um Verhexungen in diesem Bereich abzuwehren. Interessant finde ich auch den Einsatz von den sogenannten „Gebärmutterkröten“. Lange Zeit wurde die Gebärmutter der Frau als eigenständiges Wesen im Körper betrachtet und als Symbol dafür die Kröte genommen – laut Ausstellungstext aufgrund der versteckten Lebensweise der Kröten. Es wurde vermutet, dass Unterleibsschmerzen ihre Ursache in einem Krötenbiss haben. Frauen opferten daher in Wallfahrtskirchen Figuren von „Gebärmutterkröten“ um sich von den Schmerzen zu befreien, aber auch um für Kindersegen beziehungsweisen einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu bitten.

In diesem Ausstellungsraum befinden sich auch die sogenannten Universalheilmittel wie Bergkristall, Gold, Bezoarsteine (verfilzte Haare und Pflanzenfasern aus den Mägen von Wiederkäuern), Krötensteine (Bufoniten – Zähne fossiler Fische, die man als Steine, die im Gehirn von Kröten wachsen, interpretierte) oder die Echte Kamille. Auch die verschiedenen Heilmittel gegen rheumatische Erkrankungen, wie Murmeltierfett, Echter Beinwell, Steinöl, Katzenfell oder die Herbstzeitlose, Mittel gegen Blutungen sowie Wunden, wie Zunderschwamm, Odermenning, Hämatit oder Feuersalamander und allerlei, das bei Augenleiden helfen soll, wie das Judasohr, der Augentrost, Luchssteine oder der Topas, finden sich in diesem Raum. Den Abschluss bildet das Thema heilende und heilige Erde.

Foto Claudia Hauer -  NÖ Museums GmbH - Pressestelle

Alternativmedizin

Natürlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit dem Thema der Traditionellen Europäischen Medizin, der Kneipp-Medizin, den Bachblüten und der Homöopathie.

Viele Themen – kein roter Faden

Diese Fülle an Themen ist meiner Meinung nach ein Nachteil dieser Ausstellung. Auf eher kleinem Raum (einem Gang und einem Ausstellungsraum) werden sehr viele Themen kurz und knackig vorgestellt, allein mir fehlt dabei die Möglichkeit zur vertiefenden Information für Menschen, die sich mit diesem Thema schon etwas beschäftigt haben. Auch fehlt mir der rote Faden beziehungsweise die logische Abfolge durch die Ausstellung. Immer wieder werden dazwischen verschiedene Objekte mit kurzem Text vorgestellt, bei denen sich für mich kein Zusammenhang mit den umgebendem Thema feststellen lässt – zum Beispiel die Verwendung von alten Schuhen bei schmerzenden Entzündungen. Mir persönlich sind zu viele Themen nur kurz angerissen und ich hätte über einige Themen gerne mehr erfahren. Die Ausstellungsinstallation – Präsentation der Objekte, Ausstellungstexte in angenehmer Schriftgröße und lesbarer Höhe, Verwendung von Geräuschen, etc. – gefällt mir sehr gut und das macht die Ausstellung sehenswert. Summa summarum – als Anregung, sich mit diesem Themenkomplex einmal grundsätzlich zu befassen und neugierig auf mehr zu machen passt die Ausstellung gut.

Quellen:
Ausstellungskatalog „Warzenkraut + Krötenstein. Natur in Volksmedizin und Aberglaube“, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015
Pressefotos des Landesmuseum NÖ
Museum für Klosterkultur, Bayern


[1] In verschiedenen Landesteilen von Niederösterreich findet man heute noch Überreste aus einem ehemaligen urgeschichtlichen Meer – interessant dazu sind die Dauerausstellung im Krahuletzmuseum in Eggenburg bzw. auch die Rekonstruktion einer Seekuh im Stadtmuseum von Bad Vöslau