Archiv für die Kategorie ‘KräuterKistl’

„Ein Männlein steht im Walde …

Samstag, 24. Januar 2015

… ganz still und stumm.
Es hat vor lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sag wer mag das Männlein sein,
dass da steht im Wald allein
mit dem purpurroten Mäntelein“

Diese paar Zeilen kennen viele (zumindest die Älteren unter uns) noch aus ihren Kindertagen. Die eine oder andere Großmutter/Mutter/Kindergartentante/sonstige Anverwandte bzw. Betreuungsperson[1] hat dieses Lied mit mir gesungen und ich bekam als Kind verschiedene Interpretationsmöglichkeiten aufgetischt, welche Pflanze jetzt wohl diesem Männlein entspricht. Die häufigste Antwort war die Hagebutte, wohl aufgrund der zweiten Strophe des Liedes wo ein schwarzes Käpplein erwähnt wird. Meine Großmutter und einige andere ältere Verwandte aber boten mir als Auflösung den Fliegenpilz[2] an. Aus heutiger Sicht scheint mir der Grund dafür darin zu liegen, dass die anderen Autoritätspersonen wohl vermeiden wollten, das ich mich mit meinen jungen Jahren auf eine Entdeckungsreise in Au und Wald mache um das Männlein mit dem purpurroten Mäntelein zu suchen und vielleicht auch noch davon zu kosten. Immerhin bin ich in dem Glauben aufgewachsen, dass es kein giftigeres Schwammerl gibt als den Fliegenpilz. Welche Pflanze August Heinrich von Fallersleben bei seiner Dichtung jetzt wirklich vor Augen gehabt hat können wir aus heutiger Sicht wohl nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

"Ein Männlein steht im Walde ..."

"Ein Männlein steht im Walde ..."

Zu Weihnachten habe ich von einer Freundin ein kleines Buch von Christian Rätsch mit dem Titel „Abgründige Weihnachten“ geschenkt bekommen, in dem er sich mit den Weihnachtsbräuchen, Raunächten und ausführlich auch mit dem Fliegenpilz auseinandersetzt. Dies hat mich dazu bewogen euch in diesem Artikel den Pilz mit dem schlechten Ruf etwas näher zu bringen.

Fliegenteufel, Krötenstuhl und Hexenring

Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) zählt zur Gattung der Wulstlinge und wird namentlich in den verschiedenen Regionen meist mit Fliegen, Mücken oder Kröten in Verbindung gebracht – Mückenschwamm, Fliegenteufel, Narrenschwamm oder Krötenstuhl sind einige volkstümlichen Namen dieses Pilzes. Früher bestand der Glaube, dass ein in Milch eingelegter Fliegenpilz als Insektizid genutzt werden kann. In einem Versuch haben Forscher auch festgestellt, dass Fliegen nach dem Genuss dieser Flüssigkeit umfallen und sich nicht mehr bewegen. Allerdings dauert dieser Zustand nur zwischen 40 und 60 Minuten. Sie verfallen in eine Art Schockstarre und nachdem sie den Rausch praktisch „ausgeschlafen“ haben fliegen sie wieder ihrer Wege. Die Verbindung mit den Kröten kann einerseits daher kommen, dass die getrocknete Haut der Fliegenpilzes eine Ähnlichkeit mit der Krötenhaut hat oder weil öfters Kröten in der Nähe des Pilzes beobachtet wurden.

Als Standort bevorzugt der Fliegenpilz hauptsächlich den Platz unter Birken, Kiefern und Fichten – manchmal auch Tannen. Durch diese Wirtspflanzen erhält er lebenswichtige Nährstoffe und versorgt auf der anderen Seite die Bäume mit Spurenelementen und Mineralstoffen. Er tritt in Mitteleuropa meist von Juli bis Oktober auf und ist auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Südamerika vertreten. Wobei es seit einigen Jahren auch ein begrenztes Vorkommen im nördlichen Kolumbien gibt, was wahrscheinlich mit der dortigen Einfuhr und Aussetzung von europäischen Kiefern zu tun hat. Der Fliegenpilz verbreitet sich durch Sporen, wobei neue Pilze allerdings wieder nur unter den schon erwähnten Bäumen gedeihen können. Manchmal kommt es dazu, dass das Pilzgeflecht unterirdisch Kreise bildet. Dies führt dazu, dass sich ein sogenannter „Hexenring“ an der Oberfläche bildet – Fliegenpilze die in einem Kreis bei einander stehen. Dieses ringförmige Vorkommen des Fliegenpilzes wird im Volksglauben als magisch bezeichnet und in diesem Ring können besondere Zauber gewirkt werden. In diesem Hexenring sollen nachts auch die Hexen tanzen, weil sie durch diesen Kreis vor anderen Kräften gut geschützt sein sollen.

fast ein Hexenring

fast ein Hexenring

Das auffälligste Merkmal ist der rote, weißgepunktete Hut des Fliegenpilzes – das „purpurne Mäntelein“. Die weißen Punkte sind die Überreste der Hülle, die den jungen Pilz während des Wachstums umschließt. Diese Hüllenreste lassen sich leicht, z.B. durch Regen abwischen und dann kann es zu einer Verwechslung mit einem essbaren Pilz, dem Kaiserling kommen. Der „ungenießbare“ Fliegenpilz hat aber im Gegensatz zum essbaren Kaiserling weiße Lamellen und einen weißen Stiel.

Narrenschwamm und Schamanenurin

Nun zu dem warum der Fliegenpilz als ungenießbar, tödlich und giftig gilt – daran ist nämlich sein Hauptwirkstoff, die Ibutensäure schuld. Im getrockneten Zustand oder durch Aufarbeitung des Pilzes zerfällt die Ibutensäure durch eine chemische Reaktion zu Muscimol. Und dieser Wirkstoff wiederum führt zu bewusstseinsverändernden Zuständen. Interessant dabei ist zum Beispiel auch, dass das Wort für Fliege in Sardinien, musca, sind vom Wort muscare ableitet, was so viel wie „sich närrisch gebärden“, „betrunken sein“ heißt. Daher kommt wahrscheinlich auch die Bezeichnung „Narrenschwamm“ für den Fliegenpilz. Die Symptome nach einer „Fliegenpilzvergiftung“ sind einem Alkoholrausch ähnlich – Sprachstörungen, Mattigkeit, starke motorische Unruhe, Verwirrung und je nach Stimmungslage kommt es zu Angstzuständen, Depressionen, Euphorie oder Gleichgültigkeit. Manchmal wird auch das Gefühl des Schwebens beschrieben – was ebenfalls vielleicht zur Namensgebung beigetragen hat. Weiters kommt es zur Beschreibung von Farbillusionen und außergewöhnlichen Leibeskräften. Häufig kommt es am Ende zu Muskelzuckungen, Krämpfen und am Ende steht meist ein tiefer Schlaf, wobei sich die meisten nicht mehr an die Erlebnisse erinnern können. Selten kommt es auch zu Spätfolgen wie Gedächtnisschwäche, Müdigkeit und Interessenslosigkeit.

Traumreisen

Traumreisen

All diese Wirkungen haben dazu geführt, dass der Fliegenpilz im Laufe der Zeit von den Menschen in den verschiedensten Kulturen und Traditionen als Rauschmittel verwendet wurde. Am bekanntesten ist seine Verwendung als Ekstase auslösendes Mittel bei den sibirischen Schamanen, wie zum Beispiel bei den Kamtschadalen, Wogulen und Ostjaken. Durch seinen Gebrauch kann der Schamane einen Zugang zur spirituellen Welt finden. In diesem Zusammenhang ist auch eine weniger gefährliche Variante, in so einen Rauschzustand zu kommen, überliefert. Wenn man den Urin eines Schamanen trinkt, der sich auf einem Fliegenpilztrip befindet, kann man selbst auch in einen Rauschzustand – ohne unangenehme Nebenwirkungen – kommen. Ob man dabei auch einen Weg in die spirituelle Welt findet ist nicht dokumentiert.

Essbar oder nicht, das ist hier die Frage

Neben der Nutzung als Rauschmittel im rituellen Kontext wurde bzw. wird der Fliegenpilz auch ganz normal als Nahrungsmittel genutzt. Zum Beispiel gilt er in Teilen von Japan heute noch als Spezialität und auch im Norden Deutschlands wird er vereinzelt noch gegessen. Die Zubereitungsmethoden kennen leider zumeist nur noch die Menschen der älteren Generation. Unter anderem soll der Fliegenpilz in der Gegend von Hamburg heute noch als Zutat beim Bierbrauen Verwendung finden. Da sich die Wirkstoffe, die für die Gift- und Rauschwirkung zuständig sind, hauptsächlich in der Haut des Pilzhutes befinden und zum großen Teil wasserlöslich sind, zieht man bei der Nahrungszubereitung die Haut ab bzw. legt man die kleingeschnittenen Stücke am besten 24 Stunden in Wasser oder Milch ein. Auch beim blanchieren des Pilzes verringern bzw. verflüchtigen sich die Giftstoffe. Erwischt man allerdings ältere Fliegenpilze wirken diese Methoden nicht, da die Rausch auslösenden Wirkstoffe in das Fleisch wandern. Somit ist letztendlich nicht gewährleistet, den Pilz gänzlich von den Giftstoffen zu befreien und darum wird meist vom Genuss des Fliegenpilzes abgeraten.

"... mit dem purpurroten Mäntelein."

"... mit dem purpurroten Mäntelein."

Was jetzt den Fliegenpilz mit Weihnachten, dem Weihnachtsmann, der wilden Jagd und der nordischen Götterwelt verbindet bzw. was es mit seiner Bedeutung als Glückbringer zu Silvester auf sich hat – darüber könnt ihr entweder direkt im Buch von Christian Rätsch nachlesen – oder vielleicht schreibe ich darüber auch noch einen weiteren Artikel, mal sehen.

Quellen:
Christian Rätsch: Abgründige Weihnachten. Die Wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes. München 2014
www.wikipedia.at


[1] Ich habe hier an dieser Stelle bewusst die weibliche Form verwendet, weil es aus meiner Erinnerung her hauptsächlich weibliche Bezugspersonen waren, die mit mir und den Kindern in meiner Umgebung solche Lieder gesungen haben. Darum hab ich mir hier das Gendern erspart.

[2] Hiermit stelle ich als Autorin dieses Artikels fest, dass ich nicht verantwortlich bin, wenn die LeserInnen dieses Artikels mit psychoaktiven Substanzen unverantwortlich umgehen und gegebenenfalls Schäden erleiden. Niemand soll sich dazu aufgefordert fühlen, riskante Selbstversuche mit Fliegenpilzen durchzuführen. Ich  möchte jedem davon abraten, Selbstversuche mit psychoaktiven Substanzen zu unternehmen, ganz gleich ob sie egal, reguliert oder gesetzlich verboten sind (dieser Text wurde aus dem Vorwort des Buches „Abgründige Weihnachten“ von Christian Rätsch übernommen).

Roa und Gschtettn – Pflanzen am Rande der Gesellschaft – Teil IV

Samstag, 06. September 2014

Als heutige Pflanze des Wegrandes (Roa) beziehungsweise der abgeschrägten Brachflächen (Gschtettn) möchte ich euch zwei aus der Familie der Artemisia vorstellen – den Beifuß und den Wermut. Die Familie Artemisia gehört zu den Korbblütler und umfasst ungefähr 250 bis 500 verschiedene Arten – dazu zählen unter anderem die Edelraute, der Beifuß, die Stabwurz und den Wermut. Beheimatet sind die Arten der Artemisia hauptsächlich in den gemäßigten Zonen in Nordamerika und Eurasien. In Afrika und in Südamerika sind nur vereinzelt Vorkommen zu finden.

Bereits bei den Griechen (Dioskurides und Plinius) wurden verschiedene Arten der Artemisia beschrieben. Ihren Namen hat sie laut Überlieferung entweder von der Göttin Artemisia, weil die Wirkstoffe der Pflanze besonders bei Frauenkrankheiten hilfreich sind, oder aber von der griechischen Königin Artemisia (Gattin des Mausolos von Halikarnassos), die ihre Heilkräfte in der Volksmedizin bekannt gemacht hat.

Alle Mitglieder der Artemisia-Familie erreichen in ihrem Wuchs eine Höhe von 3 Zentimeter bis zu 3 Meter und sind ein- bis zweijährige krautige Pflanzen. Vor allem die Bitterstoffe und die ätherischen Öle machen sie als Heil- und Gewürzpflanze interessant. So wird zum Beispiel der einjährige Beifuß in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Mittel gegen die Malaria eingesetzt.

Dunkle Mächte abwehren oder schnell davonlaufen

Einer der bekanntesten Vertreter der Familie Artemisia ist der Gewöhnliche Beifuß oder auch Gemeine Beifuß – Artemisia vulgaris – genannt. Im Volksmund wird er auch Besenkraut, Sonnwendkraut, Gänsekraut oder auch Weiberkraut genannt. Für die Erklärung des deutschen Namens Beifuß gibt es zwei Varianten. Entweder er wird vom althochdeutschen „bōʒen“, das stoßen oder schlagen heißt, abgeleitet – bezogen darauf, dass die Blätter für die Verwendung gestoßen wurden oder weil er eine abstoßende Wirkung auf die „dunklen Mächte“ haben sollte. Oder die Bezeichnung bezieht sich auf Fuß (mittelhochdeutsch „bīvuoʒ“), weil dem Aberglauben nach der Beifuß ausdauerndes Laufen und Geschwindigkeit verleihen sollte.

Blüte und Samen - Gemeiner Beifuß

Blüte und Samen – Gemeiner Beifuß

Die Blütezeit des Gewöhnlichen Beifußes dauert von Juli bis September. Die Blüten werden hauptsächlich durch den Wind bestäubt und die Pollen fliegen zwischen 6.00 und 11.00 Uhr morgens. Für viele Leute bedeutet dies, dass sie besser zu dieser Zeit nicht in die Nähe von Beifußplanzen kommen sollten da der Pollen allergische Reaktionen hervorrufen kann.

Heilende Würze

Verbreitet wurde der Beifuß in Mitteleuropa wahrscheinlich im Zuge des neolithischen Ackerbaus und wird als typisches Hackfruchtunkraut bezeichnet. Vom Gemeinen Beifuß gibt es eine europäische und eine asiatische Variante, die sich in der Zusammensetzung der ätherischen Öle unterscheidet. Auf nährstoffreichen Böden fühlt sich der Beifuß am wohlsten und kommt hier auch wild vor. Gezielt wird er aufgrund der Verwendung seiner ätherischen Öle für die Parfümindustrie in Nordafrika und in Südeuropa angebaut. Geerntet werden die oberen Triebspitzen (bei noch geschlossenen Blütenkörbchen) von Juli bis Oktober. Der Sinn dahinter ist, dass die Blätter bitter schmecken wenn der Beifuß in Vollblüte steht und er sich dann nicht mehr zum Würzen eignet. Die Wurzel wird im Spätherbst geerntet.

Die kleinere Dosis Bitterstoffe, die bei der frühzeitigen Ernte enthalten ist regt die Bildung von Gallenflüssigkeit und Magensaft an und unterstützt dadurch die Verdauung. Daher eignet sich der Beifuß als Würzmittel vor allem für schwere und fette Fleischspeisen. Die Parfümindustrie nutzt die aus dem getrockneten Beifuß gewonnen Öle. In der Phyto- und Aromaindustrie werden die getrockneten Spitzen der Stängel gemeinsam mit den Blütenkörpchen verwendet und in der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Beifuß in der Moxa-Therapie eingesetzt. In der Volksmedizin wurde er früher bei Menstruationsbeschwerden, nach einer Geburt und bei verschiedenen anderen Unterleibbeschwerden. Auch heute wird er in der alternativen Heilkunde  zur Behebung bzw. Linder dieser Beschwerden und außerdem bei Appetitlosigkeit,  Muskelkater, schmerzenden Beinen, kalten Gliedmaßen, Schlaflosigkeit und Nervenanspannungen eingesetzt. Wie schon oben bei der Namensnennung beschrieben wurde der Beifuß in früheren Zeiten zur Abwehr von dunklen Mächten und Hexerei verwendet und war ein fixer Bestandteil bei vielen magischen Amuletten. Um Blitze und Seuchen abzuwehren brachte man ihn am Hausdach an und am sogenannten Sonnwend- oder Johannisgürtel, bezogen auf die optimale Zeit der Ernte, sollte er gegen Zauberei und böse Dämonen schützen.

Bitter ist gesund

Der zweite Vertreter aus der Familie Artemisia den ich euch vorstelle ist der Gemeine oder auch Echte Wermut – artemisia absinthum. Wie auch der Gemeine Beifuß ist er eine krautige Pflanze, wird aber durchschnittlich nur 40 bis 60 Zentimeter groß. Er hat einen starken aromatischen Duft und eine gräulich-grüne Färbung. Die Hauptvorkommen des Gemeinen Wermuts liegen in Nordafrika und den gemäßigten Zonen von Europa und Asien. Seine bevorzugten Standorte sind sandig-trockene beziehungsweise trockene Böden in der Nähe von Wasserläufen. Von ihm gibt es auch eine kleinere eigene österreichische Unterart – den sogenannten Österreich-Wermut (artemisia austriaca), der hauptsächlich in den Bundesländern Niederösterreich, Wien und Burgenland vorkommt. Diese Unterart hat sich vor allem östlich von Österreich ausgebreitet, ist aber auch in als Neophyt mittlerweile in Deutschland zu finden. Trotz der Ausbreitung gilt diese Unterart in Österreich mittlerweile als stark gefährdet.

Österreich Wermut - artemisia austriaca

Österreich Wermut – artemisia austriaca

Die Dosis macht das Gift

Seit der Antike wird der Wermut als heilendes Kraut eingesetzt und die Mönche im Mittelalter kultivierten den Wermut in ihren Gärten. Durch sein bitteres Aroma zählt er zu den wichtigsten Bitterkräutern und wird wie der Beifuß zur Verdauungsstärkung und bei Unterleibsbeschwerden, sowie bei Appetitlosigkeit eingesetzt.  Im Laufe der Geschichte wurde er einigen Göttinnen wie etwa der griechischen Göttin Artemis oder der ägyptischen Göttin Bastet geweiht.  Hildegard von Bingen empfahl dieses Heilmittel auch zur äußerlichen Anwendung gegen die Schädigung von Büchern durch Mäuse – Abwehr sollte die Beimengung in der Schreibtinte bringen – und gegen Kleidermotten. Und ebenso wie der Beifuß wurde er als probates Mittel gegen dämonische Einflüsse und Hexerei empfohlen. Allerdings ist bei seiner Verwendung Vorsicht geboten – bei einer länger dauernden Anwendung in hoher Dosis wirken die ätherischen Öle sinnverwirrend.

Bestandteile des Wermutkrauts

Bestandteile des Wermutkrauts

Solange die Pflanze blüht werden Bruchstücke der Zweigspitzen gesammelt und daraus wässrige beziehungsweise wässrig-alkoholische Auszüge oder auch ein Tee gemacht. Eine Hauptkomponente der Bitterstoffe ist Absinthin. Dieser Bestandteil hat ihn vor allem im 19. Jahrhundert als Zutat des gleichnamigen Getränks Absinth bekannt und beliebt gemacht. Absinth wurde als alkoholisches Getränk, dem auch Melisse, Fenchel und Anis beigemischt wurden, in dieser Zeit zu einer Modedroge. Die gesundheitsschädliche Wirkung lässt sich vor allem auf den hohen Thujongehaltes zurückführen und führte dazu, dass er in vielen europäischen Ländern zu dieser Zeit verboten war. In großen Mengen wirkt Thujon toxisch und kann zu Nierenschäden, Erbrechen, Bauchschmerzen und Störungen im Zentralnervensystem führen. Wie bei vielen anderen Heilkräutern macht auch hier die Dosis das Gift. Setzt man ihn zum Beispiel in homöopathischen Dosen ein, kann er krampflösend und beruhigend wirken.

In der Verwendung des Wermuts liegt also sprichwörtlich ein „Wermutstropfen“ – in kleinen Dosen hat er eine heilende Wirkung, setzt man ihn maßlos ein wirkt er gesundheitsschädlich.

Quellen:
Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at

www.naturheilkunde-berlin.eu
www.kraeuter-verzeichnis.de

Roa und Gschtettn – Pflanzen am Rande der Gesellschaft – Teil III

Samstag, 24. Mai 2014

Im dritten Teil meiner Serie zu den Pflanzen die wir eher nur am Rande wahrnehmen, möchte ich euch einen Vertreter der Kategorie „in jeder Familie gibt es schwarze Schafe“ vorstellen. Ein Familienmitglied ist für uns nützlich – zum Beispiel in Volksmedizin oder als wiederentdeckte Nahrungsquelle – und am Anderen verbrennen wir uns wortwörtlich die Finger.

Als erstes sei hier der Wiesen-BärenklauHeracleum sphondylium – auch Gemeiner Bärenklau, Wiesenrhabarber, Bärenfuß, Ochsenzunge oder auch Kuhlatsch genannt. Er gehört zur Familie der Doldenblütler und ist in Europa heimisch. Für die lateinische Bezeichnung soll der griechische Held Herakles namensgebend sein, dessen Eigenschaften wie Kraft, Ausdauer und Härte auch dem Wiesen-Bärenklau nachgesagt werden. Zwei weitere Eigenschaften von Herakles könnten dafür verantwortlich sein, dass dem Wiesen-Bärenklau im Mittelalter eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wurde – die Wollust und die Völlerei. Für den deutschen Namen Bärenklau sollen die lappig gestielten und behaarten Blätter, die Tierfüßen ähneln, verantwortlich sein. Andere Quellen besagen wiederum, dass die Silbe „Bär“ eher etwas mit „gebären“ zu tun hat. Viele Kräuter die diese Bezeichnung im Namen tragen sind auch als Frauenkräuter bekannt – wie zum Beispiel die Bärwurz (Meum athamanticum Jacq.). So soll der Wiesen-Bärenklau unter anderem auch Menstruationsfördernd und – regulierend sein.

Wiesen-Bärenklau

Wiesen-Bärenklau

Reich gedeckter stinkender Tisch

Der Wiesen-Bärenklau erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 1,5 Meter und ist eine krautige, ausdauernde Pflanze, die einen äußerst unangenehmen Geruch verströmt. Der Grund dafür sind die in ihm reichhaltig enthaltenen ätherischen Öle. Der doppeldoldige Blütenstand besteht aus vielen kleinen weißen, manchmal auch leicht grünliche oder hellrosa überlaufenden Blüten. Diese sind ein Tummelplatz für zahlreiche Insekten wie zum Beispiel Hummeln, Bienen, Schwebfliegen oder auch die Streifenwanzen. Von Juni bis Oktober findet sie hier ein reichhaltiges Nektarangebot, das aber auch gefährlich sein kann. So viel Betrieb lockt auch Insektenjäger wie Raubwanzen oder einige Wespenarten an. Zur Blütezeit sollte man sich wirklich Zeit nehmen und das Gewusel auf den riesigen Blütendolden beobachten. Im Gegensatz zu seinem weiter unten beschriebenen großen Bruder hat der Wiesen-Bärenklau einen kantigen und gefurchten Stängel.

Wiesen-Bärenklau Blütenstand

Wiesen-Bärenklau Blütenstand

Wildgemüse – Kompost – Mulche

Wie der Name schon sagt findet sich der Wiesen-Bärenklau auf Wiesen – diese müssen allerdings sehr nährstoffreich sein. Ansonsten ist er an sonnigen Wald-, Weg- und Heckenrändern anzutreffen. Wenn die Wiese nicht überdüngt ist, dann steht er gerne in Gesellschaft von Margeriten, verschiedenen Glockenblumen, vom Wiesen-Pippau und anderen Wiesenblumen. Wenn man einen Naturgarten hat – oder überlegt einen zu gestalten – dann empfiehlt sich der Wiesen-Bärenklau für die hohe Blumenwiese. Aber Achtung – sollte der Boden zu nährstoffreich sein, dann hat er bald alle anderen Wiesenpflanzen durch sein überbordendes Wachstum verdrängt. Die Blätter und der Stängel sind in der Küche als Wildgemüse gern gesehen, lassen sich aber auch zu einem guten Kompost beziehungsweise gutem Mulchematerial verwenden. Will man eine reiche Ernte an Blättern und Stängel erzielen, dann sollte man ihn in die Hecke pflanzen. Dort bekommt er weniger Sonne und entwickelt darauf hin größere Blätter mit dicken, langen Blattstängeln und weniger Blütenstände. Der Phantasie bei der Zubereitung sind fast keine Grenzen gesetzt:

  • für die Blätter empfiehlt sich etwa Blätter im Teigmantel oder als Bestandteil von gedünstetem Wildgemüse, Wiesensalat, Wiesensuppe;
  • aus den Stängeln lässt sich ein Stängelauflauf, gebackene Wiesen-Bärenklaustängel oder ein Kompott (Stichwort Wiesenrhabarber) machen;
  • die Blütenknospen eigenen sich ebenfalls als Bestandteil des Stängelauflaufes oder auch als wilder Broccoli [1]

Wenn man dem Wiesen-Bärenklau in freier Wildbahn über den Weg läuft, dann kann man die zarten Stiele der noch nicht aufgeblühten Dolden schälen (dazu empfiehlt sich ein etwas längerer Fingernagel oder natürlich ein Taschenmesser) und das Mark heraus essen – schmeckt irgendwie nach Karotten (Möhren).

Aufpassen sollte man beim Wiesen-Bärenklau aufgrund seines Furocumaringehaltes – dieser verursacht bei Sonnenbestrahlung bei empfindlichen Personen entzündliche Hautreaktionen wie unangenehme Rötungen und Schwellungen der Haut, auch „Wiesen-Dermatitis“ genannt. Daher empfiehlt es sich beim Sammeln Handschuhe zu tragen! Und dies ist auch schon die Überleitung zum „schwarzen“ Schaf der Familie.

Der „böse“ große Bruder

Ein Verwandter des Wiesen-Bärenklaus ist der Riesen-Bärenklau, Heracleum mantegazzianum beziehungsweise Heracleum giganteum – oder auch Herkulesstaude, Herkuleskraut genannt. Er stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und zählt zu den invasiven Neophyten. Im Gegensatz zum Wiesen-Bärenklau erreicht er eine Wuchshöhe von bis zu drei oder vier Metern und hat einen runden Stängel der kaum gefurcht und leicht purpurne Flecken aufweist. Die Blüten der Dolden haben einen Durchmesser von 30 bis zu 50 Zentimetern und besitzen „strahlende“ Randblüten.

Riesen-Bärenklau Blütenstand

Riesen-Bärenklau Blütenstand

Zu verdanken haben wir die Einwanderung in Österreich und den Nachbarländern der russischen Zaren Alexander. Er schenkte dem Fürsten Metternich am Wiener Kongress (1815) eine Vase voll mit Samen des Riesen-Bärenklaus. Der Fürst zog die Samen in seinen Gewächshäusern unter anderem in Böhmen (Schloss Königswart) als Zierpflanze. Im restlichen Europa wurde er circa 1890 ebenfalls als Zierpflanze für Parks und Schlossgärten eingeführt. Zur Verbreitung trug in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts  seine Propagierung als Bienenweide für die Imker bei. Es wurde ihm auch ein weiterer wirtschaftlicher Nutzen als Befestigung für Böschungen und als Deckung für das Wild in der Forstwirtschaft unterstellt. Mittlerweile ist man aber unter anderem auf Grund seines hohen Furocamaringehaltes[2] (weit höher als der des Wiesen-Bärenklaus) dazu übergegangen, den Riesen-Bärenklau als gefährliche Pflanze einzustufen und seine Ausbreitung aktiv zu bekämpfen.

Die natürliche Ausbreitung passiert hauptsächlich durch die Verbreitung der Samen durch den Wind und dadurch, dass die Samen schwimmfähig sind auch über das Wasser. Aber auch die Ausbreitung durch landwirtschaftliche Fahrzeuge und Wildwechsel verursacht Probleme bei der versuchten Eindämmung der Bestände.

Bitte nicht anfassen!

Seine Einstufung als gefährliche Pflanze wird einerseits darauf zurückgeführt, dass die bloße Berührung des Riesen-Bärenklaus zu gesundheitlichen Schädigungen wie

  • Verbrennungen ersten und zweiten Grades durch die phototoxische Wirkung des Furocamaringehaltes[3] mit der Haut (Blasenbildung, Pigmentveränderungen),
  • Atemnot und akute Bronchitis durch ausgasendes Furocamarin (an heißen Tagen gibt die Pflanze diesen Wirkstoff in die Umgebung ab) und
  • Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschocks durch den Umgang mit der Pflanze

führt. Andererseits führt er durch seine Wuchshöhe zu Sichtbehinderungen im Straßenverkehr, da er keine böschungsbefestigende Wirkung hat kann es bei Bewuchs an Fließgewässern und in Hohlwegen zu Erosionen kommen, wenn er sich in Äckern etabliert kann es zu Ertragsverlusten kommen und an Standorten wo er dominiert kommt es durch die Verschattung kommt es zu einer geringeren Artenvielfalt an gewissen Standorten.

Bekämpft wird der Riesen-Bärenklau durch das Abmähen (vor der Blüte), Einsammeln und Vernichten der Blütenstände vor der Fruchtreife, Ausgraben der Pflanze und dem Fräsen mit der Traktorfräse. Das Tragen von Schutzkleidung ist dabei sehr anzuraten.

Ob man Teile des Riesen-Bärenklaus auch als Wildgemüse verwenden kann (vielleicht in einem frühen Wuchsstadium wenn der Furocamaringehalt noch nicht so hoch ist) hat sich mir beim Studium der verschiedenen Quellen nicht erschlossen. Auch ist aus kulturgeschichtlicher Sicht keine Verwendung, außer als Zierpflanze, bekannt. Die britische Rockgruppe Genesis hat auf alle Fälle ein Lied über den Riesen-Bärenklau geschrieben – The Return of the Giant Hogweed – in dem auf satirische Weise die Pflanze als ernsthafte Gefahr besungen wird. Hier geht es zur Hörprobe: http://www.youtube.com/watch?v=gTuJQL8GBqY

Quellen:

Kursunterlagen und Abschlussarbeit Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at
www.pflanzenfreunde.com
www.heilkraeuter.de
www.kraeuter-verzeichnis.de

Klemme, Brigitte u. Holterman, Dirk: Delikatessen am Wegesrand. Un-Kräuter zum Genießen. Dresden 2005


[1] Rezepte findet ihr unter anderem in Buch Klemme, Brigitte u. Holterman, Dirk: Delikatessen am Wegesrand. Un-Kräuter zum Genießen. Dresden 2005.

[2] Phototoxisch – gelangen Furocumarine auf die Haut und werden anschließend dem Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgesetzt, kommt es je nach Schwere zu verbrennungsähnlichen Symptomen  (Hautrötung, Schwellung, Blasenbildung, Läsionen, Photopigmentierung, Narbenbildung)

[3] Weiters gehen die Furocumarine  unter UV-Einwirkung kovalente Bindungen mit den Pyrimidinbasen der DNA ein, vernetzen so die DNA-Doppelstränge irreversibel miteinander (cross-linking) und wirken dadurch krebserregend.

Von Bachblüten, Phyto- und Aromatherapie – geschrieben von Merlin

Samstag, 01. Februar 2014

Phytotherapie – Pflanzenheilkunde

Die Pflanzenheilkunde oder Phytomedizin ist die Lehre der Verwendung von Heilpflanzen als Medikament. Sie umfasst: Die Heilpflanzenkunde (Phytoharmakognosie), die die botanischen Aspekte der Heilpflanzen untersucht und ihren Anbau. Den Teilen der Pharmakologie, Pharmazeutik und Phytochemie, die sich mit pflanzlichen Drogen und der Eignung pflanzlicher Wirkstoffe als Arzneistoff in Medikamenten sowie deren Synthetisierung beschäftigen. Der Therapeutik der Medikamente pflanzlicher Herkunft und deren Einsatz als Therapatikum, die Phytotherapie. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet.

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Schlummernde Kräfte

Phytotherapie im engeren Sinne verwendet ganze Pflanzen (Kraut) und deren Teile (Blüten, Blätter, Wurzel), die auf verschiedene Weise (als Frischkraut, als Aufguss, als Dekokt [Auskochung] oder Kaltwasserauszug) zubereitet werden. Auch die Pulverisierung und Trockenstandardisierung ist möglich.
Therapierichtung Phytotherapie: Bei der reinen Phytotherapie werden meist Stoffgemische verwendet, sei es, weil der Wirkstoff bisher unbekannt ist, oder sei es, weil bekannte Präparate gut wirksam sind. Die Zubereitung und Dosierung entsprechender Präparate bedarf Expertenwissens, eventuell besteht die Gefahr von tödlichen Vergiftungen. Durch pharmakologische Untersuchungen konnten viele Inhaltsstoffe in ihrer chemischen Struktur geklärt werden. Es lassen sich dabei verschiedene Gruppen zusammenfassen:
Ätherische Öle
Alkaloide
Glykoside
Bitterstoffe
Polysaccharide
Anorganische Stoffe
Hormone, hormonartige Stoffe
Vitamine

Bach Blüten Therapie
Bei der Bach-Blütentherapie handelt es sich um ein in den 1930er Jahren von dem britischen Arzt Edward Bach (* 1886, † 1936) begründetes alternativmedizinisches Verfahren. Die Hypothese Die Bach-Blütentherapie basiert auf der Hypothese, dass jeder körperlichen Krankheit eine seelische Gleichgewichtsstörung vorausgehe und dass die Harmonisierung von Gefühlen und Gedanken eine Heilung bewirken könne. Bach postulierte ursprünglich zwölf Gemütszustände (u.a. Ängstlichkeit, Ärger, Kummer),
erweiterte das Repertoire dann aber früh auf 38 disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur, denen er jeweils eine Blütenessenz zuordnete.
Traditionell tragen die Essenzen englische Namen und sind folgenden Einsatzgebieten zugeordnet:

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Edelkastanie - Sweet Chestnut

Agrimony (authentischer), Aspen (zuversichtlicher), Beech (toleranter), Centaury (durchsetzungsfähiger), Cerato (intuitiver), Cherry Plum (gelassener), Chestnut Bud
(lernfähiger), Chicory (bedingungslos liebevoll), Clematis (realistischer), Crab Apple (reinigen), Elm (verantwortungsbewusster), Gentian (ermutigen), Gorse (hoffnungsvoller), Heather (zentrierter), Holly (sanfter und liebevoller), Honeysuckle (achtsamer), Hornbeam (kräftigen), Impatiens (geduldiger), Larch (selbstwertsteigernd), Mimulus (mutiger), Mustard (stimmungsaufhellend), Oak (vernünftige Ausdauer entwickeln), Olive (regenerierend), Pine
(Selbstakzeptanz steigern), Red Chestnut (eigenständiger), Rock Rose (innerlich ruhig), Rock Water (flexibel), Scleranthus (ausgeglichen), Star of Bethlehem (befreit), Sweet Chestnut (Selbstfindung), Vervain (überlegtes Handeln), Vine (anpassungsfähiger), Walnut (veränderungswillig), Water Violet (kommunikativer), White Chestnut (ruhiger), Wild Oat (beruflich klarer), Wild Rose (lebendiger), Willow (eigenverantwortlicher).

Die Blüten werden heute noch an den ehemals von Bach festgesetzten Standorten gesammelt und nach den von Bach beschriebenen Potenzierungsmethoden verarbeitet. Bei
der Sonnenmethode werden die Blüten für etwa drei bis vier Stunden in eine mit Wasser gefüllte Schale gelegt und diese in die Sonne gestellt, bei der Kochmethode werden die Pflanzenteile eine halbe Stunde in Wasser erhitzt. Die letztere Methode wird für holziges Pflanzenmaterial oder bei Pflanzen, die zu einer sonnenarmen Jahreszeit blühen, angewendet. Laut Bach geben die Pflanzen ihre Schwingungen als heilende Energie an das Wasser ab. Das Wasser wird anschließend mit einem gleich großen Anteil Alkohol als Konservierungsmittel versetzt. Diese Urtinktur wird ähnlich wie in der Homöopathie weiter verdünnt, um die eigentlichen Blütenessenzen herzustellen.

Aromatherapie
Aromatherapie bezeichnet die Anwendung ätherischer Öle zur Beeinflussung von Gesundheit und Wohlbefinden. Geprägt wurde der Begriff in den 1920er Jahren von dem französischen Chemiker René Maurice Gattefossé. Die in der Aromatherapie verwendeten ätherischen Öle werden aus Pflanzen extrahiert. Größere Anteile sind zum Beispiel in Kamille, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Jasmin und Sandelholz enthalten, die deshalb häufig zur Gewinnung ätherischer Öle genutzt werden. Ätherische Öle sind Arzneimittel, weshalb bei ihrer medizinischen Nutzung das Arzneimittelgesetz Anwendung findet. Aromatherapie ist die gezielte Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen mit ätherischen Ölen. Sie ist Bestandteil der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Teil komplementärmedizinischer Methoden.

Die Verwendung von Duftstoffen in Privathaushalten ist schon längst üblich geworden, auch wenn selten das Wort Aromatherapie dafür herangezogen wird. Erkältungsbäder, Massageöle und Duftlampen sind Beispiele dafür. Aromatherapie wird auch als ergänzende Erweiterung für den Whirlpool angeboten. Dabei werden dem aufgeheizten Wasser Duftstoffe beigemengt, die durch die ständige Umwälzung durch Düsenpumpen besonders gut während des Bades aufgenommen werden können.
Duftstoffe allgemein können in verschiedenen Weisen auf den menschlichen Körper einwirken: Der Geruchssinn wird angesprochen; dies führt zu einer  Sinneswahrnehmung mit all den damit verbundenen Nebeneffekten (Gefühlseindruck, Erinnerung, reflektorische Beeinflussung verschiedener Körperfunktionen, etc.).

Copyright Hugo.arg

Aromatherapie

Ein Beispiel hierfür ist die Aromatherapie-Massage: Sie ist die wichtigste Methode der Aromatherapeuten auf dem Sektor der alternativen Gesundheitspflege. Wesentlich geprägt wurde dieses Anwendungsgebiet von der Französin Marguerite Maury: Sie untersuchte die Wirkung von Aromen, wenn sie auf die Haut aufgetragen werden. Dies erfordert Kenntnisse zur Anatomie und Massage sowie über die Eigenschaften der einzelnen ätherischen Öle. Nach Einnahme oder Inhalation können ätherische Öle auch eine direkte Wirkung auf die Organe haben. Lavendelöl soll zum Beispiel beruhigend wirken, Thymian aktivierend, Jasminöl stark anregend, Orangen- und Zitronenöl sollen die Stimmung aufhellen. Einige ätherische Öle besitzen antiobiotische Eigenschaften, wodurch sie sich gut für die Prophylaxe und zur Behandlung leichterer Infekte eignen. Neben den reinen Aromaölen eignen sich hierfür auch bestimmte Heilkräuter und Gewürze, wie Thymian, Salbei und Zitronenmelisse. Besonders häufig findet diese Therapieform Verwendung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten, wofür sich neben der oralen Einnahme ganz besonders die gezielte Inhalation, wie auch eine Anreicherung der Raumluft über Verdunstung eignen.

Schon zur Zeit der alten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten wurden Duftstoffe, bzw. Pflanzenteile, meist in Form von Räucherwerk für therapeutische und rituelle Zwecke angewandt. Davon abgeleitet wurde die heutige Bezeichnung Parfum (lat. per fumum – durch den Rauch) für wohlriechende Duftölmischungen. Der römische  Geschichtsschreiber Plinius berichtet etwa von der Anwendung von Pfefferminzblättern zur Reinigung von Krankenräumen.

Roa und Gschtettn – Pflanzen am Rande der Gesellschaft – Teil 2

Samstag, 19. Oktober 2013

Mit dem heutigen Artikel möchte ich euch weitere Pflanzen aus dem Bereich des Roa und der Gschtettn näher bringen.

Gschtetten im Waldviertel

Gschtetten im Waldviertel

Violetter Kern bringt blaue Farbe

Der erste Kandidat ist heut zu Tage hauptsächlich in gepflegten Hecken zu finden. Aber auch in seinen ursprünglichen Habitaten  – in den Wäldern, Auen und Gebüschen von Mittel- und Südeuropa bis in die Kaukasusländer – ist der Gewöhnliche Liguster – Ligustrum Vulgare noch immer zu finden. Der Gemeine Liguster, auch Tintenbeerstrauch, Rainweide, Hartriegel oder Beinholz genannt, ist die einzige in Europa heimische Ligustergattung und gehört zur Familie der Ölbaumgewächse.
War der Liguster ursprünglich eine laubabwerfende, halbimmergrüne Strauchart, so wurde er als kultivierte Heckenpflanze auf wintergrün gezüchtet. Zum Laubabwerfen im natürlichen Rythmus, oft auch erst beim Austrieb der neuen Blätter, kommt er heute meist nur mehr in seiner Wildform. Das Holz des Gewöhnlichen Ligusters ist sehr hart, fest, glatt und hat einen violett gefärbten Kern. Diese Eigenschaften haben es zu einem beliebten Holz für Schnitz- und Drechslerarbeiten gemacht. Oft werden Werkzeuggriffe aus Ligusterholz gefertigt. Früher verwendeten es auch die Schuhmacher (Pflöcke) und die Weinbauern (Rebstangen). Eine weitere Verwendung finden die jungen Zweige des Hartriegels, sie werden ob ihrer Biegsamkeit beim Korbflechten verarbeitet.

Ligusterbeeren

Ligusterbeeren

In alten Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert findet man eine weitere Nutzung für den Liguster. Nach dem ersten Frost lassen sich die Beeren nämlich sehr gut als Farbstoff einsetzen. Nachdem die Färber die Wolle mit Aluminium- oder Eisensalzen oft auch mit Soda vorgebeizt hatten, erzeugten die Ligusterbeeren einen tiefblauen Farbton. Aber auch die Blätter, die Rinde und die gelben Zweige lassen sich zum Färben verwenden. Insgesamt werden Farbtöne von gelb über grün bis blau erzielt, je nachdem welche Beize verwendet wird beziehungsweise welche Färbevorgänge gewählt werden. Auch zum Malen wurde der rote bis blaue Saft der Beeren verwendet. Rot wurde durch Zusatz von Sulfaten erzielt, um Purpur zu erhalten mengte man Urin bei und für Blau wurde der Saft mit Pottasche und Kalk vermischt. In einigen Regionen wurde der Saft der Ligusterbeere auch zum Färben von Wein benutzt.

Zum Verzehr nur für spezielle Zielgruppen geeignet

Ob sich durch das Färben der Geschmack beziehungsweise die Genießbarkeit des Weines geändert hat konnte ich nicht herausfinden. Aber generell ist festzustellen, dass die Beeren des Ligusters giftig sind und es bei Verzehr zu Durchfall, Erbrechen, Leibschmerzen und Übelkeit kommen kann. Natürlich gilt auch hier wieder „Die Dosis macht das Gift“, aber generell bin ich froh, dass heute der Wein nicht mehr mit Ligusterbeeren gefärbt wird.
Auf alle Fälle sind die Beeren bei insgesamt 20 Vogelarten, wie etwa dem Dompfaff, der Drossel und der Amsel, und auch bei einer Reihe von Nagetieren. Vor allem im Spätwinter bietet der Liguster diesen Tierarten eine willkommene Nahrungsquelle. Und da die Keimung der Samen durch den Frost gefördert wird und diese ja wieder ausgeschieden werden, kommt es auch zu einer Verbreitung der Pflanze. Die Ligusterblüte bietet Bienen, Fliegen und verschiedenen Schmetterlingen Nahrung und die Raupe des Ligusterschwärmers bevorzugt den Strauch mit seinen Blättern als bevorzugte Nahrungsquelle.

Ein Bastard mit vielen Namen

Als zweite Pflanze der Randzone stelle ich hier den Weißdorn – Crataegus vor. Wie der Gewöhnliche Liguster ist es er entweder in Strauchform oder als kleiner Baum in den Hecken der Gschtetten und Roa zu finden. Er zählt zu der Familie der Rosengewächse und in den gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre lassen sich zwischen 200 und 300 verschiedene Arten unterscheiden. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in Nordamerika und in Europa bringt er es auf ca. 22 Arten. Der Weißdorn hat die Angewohnheit sich unter den Arten sehr stark zu vermischen (bastardieren), was eine genaue Bestimmung mitunter schwierig macht. In Mitteleuropa sind ursprünglich drei Weißdornarten heimisch – der Eingriffelige Weißdorn, der Zweigriffelige Weißdorn und der Großkelchige Weißdorn. Aus diesen drei Arten entstanden durch Wildstandskreuzung (das schon oben erwähnte bastardieren zwischen den Arten) weitere Formen.

Weißdorn

Weißdorn

Wie der Weißdorn zu seinen Namen kam ist ebenfalls nicht ganz eindeutig fest zu machen. Mögliche Verdächtige – die weißen Blüten, die besonders im freien Gelände ins Auge fallen, die ausgeprägten Sprossdornen (als Schutz der Knospen vor Befraß) oder auch die helle Rinde (als Unterscheidungsmerkmal zum Schwarzdorn = Schlehe). Klar ist, das sein botanischer Name Crateagus zurückgeht auf die alte Bezeichnung einer Weißdornart die im Mittelmeer verbreitet ist und die früher von den Griechen als Krataigos bezeichnet wurde (altgriechisch Krataiós bedeutet fest und ist auf das harte Holz des Weißdorn zurückzuführen). Umgangssprachlich hat der Weißdorn viele Namen – Hagedorn, Heckendorn, Christdorn, Hagapfel oder auch Mehlbeere. Der letzte Name kommt wahrscheinlich daher, dass die Früchte des Weißdorns etwas mehlig schmecken – aber bitte nicht verwechseln mit der eigentlichen Mehlbeere! Der Wortteil „Hag“ leitet sich etymologisch von Hag (= von einem von Hecken umstandenen Gelände) ab.

Der Weißdorn ist an und für sich jetzt nicht vom Aussterben bedroht, aber seine Vielfalt ist trotz allem gefährdet. Besonders durch die Zerstörung der begrenzenden Hecken zwischen den Feldern und Weiden, die ein wichtiger Lebensraum des Weißdorns ist. Es werden zwar in letzter Zeit immer wieder Neupflanzungen getätigt um diesen Trend Einhalt zu gebieten, allerdings wird dabei auf einheitliche Ware aus den verschiedenen Baumschulen zurückgegriffen. Sinnvoller finde ich, wenn auf die in der Region gewachsene Naturbestände zurückgegriffen wird und der Bastardierung seinen Lauf gelassen wird.

Fruchtiger Genuss – Genussmittelersatz – Lebensmittelzusatz

Wie schon der volkstümliche (leicht zur Verwechslung beitragende) Name Mehlbeere zeigt, schmecken die Früchte des Weißdorns sehr mehlig aber auch säuerlich-süß. Wenn man sie nicht roh genießen will dann empfiehlt sich die Zubereitung als Kompott, Saft, Sirup oder Marmelade und das sie gut gelieren kann man sie auch mit anderen Früchten vermischen. In früheren Notzeiten wurden sie als Mus gegessen, die Kerne dienten als Kaffeeersatz und das getrocknete Fruchtfleisch verwendete man als Mehlzusatz beim Brotbacken. Getrocknet lassen sich die Früchte gemeinsam mit den getrockneten Blüten und Blättern zu einem Tee oder alkoholischen Auszug verarbeiten, der bei Herz- und Kreislauferkrankungen angewendet wird.

Früchte des Weißdorns

Früchte des Weißdorns

Für Herz und Nieren

In der Traditionellen europäischen Medizin wird der Weißdorn ungefähr im 1. Jahrhundert nach Christus erwähnt. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Heiler der Native Americans arbeiten mit dem Weißdorn. Er wirkt auf zwei verschiedene Arten – einerseits steigert er die Kontraktionskraft des Herzens und andererseits erweitert er die Gefäße und sorgt somit für eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung (insbesondere in der Herzgegend). In der TCM findet er Verwendung zur Tonisierung des Herz-Qi, zum Auflösen von Blutstagnationen, zur Nährung des Nieren- und Herz-Yin sowie des Herz-Blut- und Milz-Qi bei Mangel und hilft bei Lebensmittelstagnation im Mittleren Erwärmer. In der Homöopathie wird er letztendlich bei Herzinsuffizienz und Pulsunregelmäßigkeiten mit Schmerz unter dem linken Schlüsselbein, brennendem Ausschlag und Verschlimmerung durch Wärme verwendet.

Wie beim Liguster lässt sich auch das Holz des Weißdorns vorzüglich für Schnitz- und Drechslerarbeiten verwenden. Auf Grund seiner Langlebigkeit – der Weißdorn kann bis zu 500 Jahre alt werden – und auch wegen seiner Dornen war er als Grenzhecke im ländlichen Raum sehr beliebt. Bleibt zu hoffen, dass Beliebtheit ein Revival erlebt.

Die mythologische und rituelle Bedeutung des Weißdorns ist aus unterschiedlichen Epochen und unterschiedlichen Erdteilen überliefert. Generell kann man sagen, dass er nicht nur zur Abgrenzung von Grundstücken Verwendung fand, sondern ihm auch die Kraft um böse Geister zu vertreiben und vor Verhexung zu schützen zugeschrieben wurde (siehe auch volkstümliche Namensgebung wie zum Beispiel Hagedorn). Er gilt auch als Wohnung der Elfen, weshalb man in manchen Regionen Mitteleuropas Haare und Stofffetzen im Weißdorn befestigte um den Schutz der Elfen herauf zu beschwören. Auch galten Kinderwiegen aus dem Holz des Weißdorns als Schutz vor Wechselbalge (Austausch der Kinder durch böse Feen). In Indien füllt man Weißdornblätter in kleine Säckchen und trägt sie als Schutz vor dem Bösen beziehungsweise zum Anziehen des Glücks mit sich. Wenn man diese Säckchen im Haus anbringt, dann sollen sie die schlechte Energie abhalten.

Ein Roa im Waldviertel

Ein Roa im Waldviertel

Wie ihr seht, sind die Pflanzen an Roa und Gschtetten sehr vielfältig und durchaus schützenswert. Vielleicht schenkt ihr ihnen beim nächsten Spaziergang etwas von eurer Aufmerksamkeit und bringt sie somit vom Rand der Gesellschaft wieder mehr Richtung Mittelpunkt.

Quellen:
Kursunterlagen und Abschlussarbeit Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at
www.naturheilkunde-berlin.eu
www.kraeuter-verzeichnis.de