Archiv für die Kategorie ‘RegenBogen’

Das Märchen von der Fuchsspur (Märchen aus Britannia I), geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 07. Juli 2018

Diese Geschichte vertraute mir mein Begleiter bei einer unserer gemeinsamen Reisen an. Nicht immer ist alles Schlechte wirklich schlecht. Und um manche Wünsche muss man kämpfen. Der Wind in den Eichen war ein Zuhörer der mir jetzt beim Erzählen hilft…

Es war zu einer Zeit, die immer sein wird und doch schon vergangen ist, daß eine junge Frau zum Markt ging. Viel Geld besaß sie nicht und oft kreisten ihre Gedanken darum.

Der Markt war für sie ein Ort der Magie. Dort gabs Händler die Gewürze in Form von duftenden bunten Pyramiden auftürmten. Edle Geschmeide und viel Fleisch das duftend an Spiessen briet. Ein Bäcker buck Brot und Naschwerk.

Ihr Magen machte sich bemerkbar so schlich sie um die Stände herum. Manchmal schien der Moment gut zu sein…da aber liess sie es doch bleiben.

Als sie etwas vom Stand des Bäckers stehlen wollte ergriff eine Hand die ihre.

“Stehlen ist nichts für Kinder.” Der Mann hatte rote Augen wie Granaten und trug Leder in der gleichen Farbe während an seinem Kragen ein Fuchsfell hing.

“Ich wollte nichts stehlen!” verteidigte sie sich. Irgendwie fühlte sie sich von ihm bloßgestellt.

Der Mann lächelte geheimnissvoll. ”Komm mit mir mit und du kannst dir etwas verdienen.“ Sie wurde von ihm mitgezogen. Erst weg vom Markt, dann raus aus der Stadt, hin zu einem Wald.

Dort zeigte er ihr eine Grube. Auf eine der dicken Wurzeln eines Baumes kletterte er und hockte sich hin. Deutete nach unten.

“Dort ist dein Lohn. Los, los…zeig mir kleine Diebin wie gut du bist.” Doch blieb sie wie erstarrt stehen…bis der seltsame Mann sie hinunter stiess und lachte.

Sie fiel und landete in Dunkelheit und Dreck. Einfach rauskommen konnte sie nicht!

Tatsächlich sah sie vor sich einem Gang und dem folgte sie, Flüche murmelnd.

Am Ende des Tunnels fand sie einen sanften Lichtschimmer. Da war ein Ausgang!

Doch war sie plötzlich in der mächtigen Krone eines riesigen Kirschbaumes.

Ein Kelch aus Silber schwebte über einem Teich. Das Wasser roch seltsam. War das der Lohn?

Als sie den Kelch ergreifen wollte verschwand er von einer Ranke fortgetragen.

Von unten hörte sie Männergeschrei. Soldaten! Und sie griffen den Baum an!

Ihre Oma, eine weise Frau hatte ihr erzählt, daß der Wald denen zu Hilfe kam der darum bat. Es ging nicht nur um ihr Leben…alles hier schien von einer seltsamen Lebendigkeit.

“Ich bitte euch, Geister des Waldes, helft mir!” Der Baum wehrte sich auf ihrem Ruf hin. Blätter gaben ihr Wasser auf um das Feuer zu löschen.

Ein Ast gab ihr eine kleine Glasphiole aus dunkelblauem Glas das ein Zeichen aufwies. Sonne und Mond zusammen, umgeben von Sternen.

“Danke…”

wisperte sie und sah, daß der Baum eine Öffnung hinab führte.

Sie ging den Weg zurück und fand sich am Eingang der Grube. Der Mann war zu einem roten Fuchs geworden.

“Dies ist ein Lohn der jemandem gehört der Neues wagt. Diebe erhalten einen anderen Lohn.”

Der Fuchs musste ein Trickser sein. Statt ihn zu verjagen dankte sie ihm mit einem Schluck aus der wundersamen Phiole.

Das Fläschchen brachte ihr Glück, sie fand arbeit und fand die Magie und Reichtum im Alltag, selbst wenn ihr Einkommen nur für das Nötigste reichte.

Ende

 

Autorin: Veleda Alantia

Das Märchen vom Kelch aus Silber, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 30. Juni 2018

Dieses Märchen sprach die Herrin des Sternenlichtes in ihrem Tal im Wald.
Sie sprach zu mir im Vertrauen an einem Morgen wo noch die Kühle der Dämmerung sich mit der Wärme des Tages zu vereinen suchte…

Eine junge Frau lebte mit ihrer Familie in einer Stadt, die an einem Wald mit tiefen Schluchten grenzte.

Der Wald galt als verwunschen. Geschichten von Feen, Elfen und anderen Wesen kursierten seid Jahrhunderten.

Das Elfenvolk wurde nur ‘die Strahlenden’ genannt, aus Furcht und Respekt vor den Kräften über die sie wachten.

Die junge Frau hatte einen natürlichen Zugang zu den anderen Welten doch hatte sie sich entschieden ihr Herz vor den Eingebungen zu verschliessen.

Es brachte ihr, scheinbar, nichts, und so entschied sie.

Doch wurde sie weiterhin beobachtet von den anderen Welten.

Eines Tages lief sie durch den Wald. Ihr Handy, welches ihr Navigationsgerät war fiel zur Gänze aus und der Wald war ihr nicht so vertraut wie sie es gerne hätte.

Frustiert und wütend begann sie zu schreien und zu fluchen. Stundenlang ging es so. Bis eine Frau in reinem weiß, langem goldenen Haar und Sternenlicht um Hals und Finger und Stirn, zu ihr trat.

“Warum störst du den tiefen Frieden des Waldes mit deinem Geschrei?” fragte die fremde Frau mit einer für eine Frau ungewöhnlichen tiefen Stimme und Melodie.

Die junge Frau sah die Fremde an. Trotz in ihren Augen. ”Frieden? Ich kann die Autobahnen hören und die Forstarbeiter. Mein Handy ist ausgefallen. Können sie mir den Weg zeigen?” Daß sie ohne ein Navi aufgeschmissen war sagte sie nicht.

“Das werde ich, junge Schwester und Erdenkind.” Mit einer anmutigen Geste wies sie sie an mitzukommen.

Murrend und maulend folgte sie der Frau zu einem See der im Nebel lag. “Hier ist nicht das wo ich hin will.” Die hohe Frau lächelte voll von tiefer weiblicher Weisheit.

“Ich zeige dir den Weg. Gehen musst du ihn selbst. Ein bisschen Vertrauen in dich und deine Welt wäre nicht schlecht.” Das kam mit einem leichten Tadel was sie noch mehr verdross. ”Ich hab mich entschieden die Welt so zu sehen. Ob du echt bist oder nicht ändert es nicht.”

Die Herrin des Sternenlichts teilte den Nebel und plötzlich waren sie an einem hohe gelegenen Brunnen. Die hohe Frau schimmerte wie Mondstein und kühles Silber als sie etwas Wasser entnahm und in eine erhöhte Schale samt Podest goss.

Die junge Frau trat neugierig ran. Sie erkannte verschnörkselte Buchstaben, Runen und Ogham als Verzierung.

“Sieh hinein. Erkenne deinen Kelch. Deinen Kessel und Gral.”

Entnervt von diesen Worten, denn sie wollte nichts tun oder sein ,sah sie in das Wasser. In dunklem Silber sah sie die Blätterkrone über sich. “Ich seh nichts.Da bin nur ich.”

Ein Kichern erklang von der Frau. “Mach weiter. Egal was es dir bringt. Vertrau.”

Ein tiefer Seufzer und sie sah erneut rein. Das dunkle Wasser wurde golden und tief. Die Schale schien in einen Schacht zu führen angefüllt mit Gold und Silber.

“Nun da du siehst, finde deins und deinen Weg.”

Die junge Frau ,voller Zweifel an sich und Allem griff hinein. Tropfend barg sie einen schmiedeeisernen Kessel. Er wurde zum Teil von ihr und verschwand in ihrem Unterleib.

Noch einmal griff sie hinein und ein schlichter silberner Kelch, indem sich das Licht der Mondin spiegelte, wurde zu ihrem.

“Kessel und Gral. Deinen Weg hast du gefunden. Gehe und sei. Das was du in dir trägst wird dich führen und leiten. Koppel keine Erwartungen an dich, denn du bist der Sämling des Baumes von Sonne und Mond im Reich hinter den Welten und Wellen.”

Plötzlich schlug sie die Augen auf. Über ihr das Dach des Waldes im tiefen Grün des frühen Abends. Der Abendstern schimmerte durch die Blätter.

Statt Selbstzweifel war in ihr nun Hoffnung und Vertrauen. Was sie da erlebt hatte, ob Traum oder Realität, oder etwas was die Grenzen aufweichte, war ihr gleich.

In ihr war nun ihr eigener Gral. Ihr Kessel der Verwandlung.

Was es war…es war.

Mit neuer Kraft trat sie aus dem Wald in die Stadt.

Ende

 

Garten der Göttin, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 23. Juni 2018

Die junge Frau hatte sich zur Pause abseits ihrer Kollegen gesetzt. Eine nervöse Stimmung war seit dem Morgen in ihrem Magen.

Als sie saß, schloss sie die Augen und fand sich in einem Garten wieder.

Weiße symetrische Flächen aus Kieselsteinen und kleinere Sträucher und Bonsaibäume zierten den Weg den sie lang ging.

Ihr Weg führte sie zu einer niedrigen Brücke über einen Teich. Ein goldener und ein silberner Koi zogen kalligraphieartig ihre Bahnen.

Eine Frau in einem dunklen Kimono mit rotem Lippenstift und Haarknoten erwartete sie.

“Schön, daß du meiner Einladung gefolgt bist.”

“Wie kann ich nicht?” fragte die Frau zurück.

Die Göttin schmunzelte. Ihre Augen waren dunkelbraun und schmal wie die Augen eines Fuchses.

“Du hast dich lange nicht sehen lassen. Dachte schon du hättest mich fallen gelassen.”

Die Göttin holte aus ihrem langen Ärmel eine kleine dunkelblaue Glasphiole und schüttete es elegant, als würde sie Matcha oder Sake eingießen, in das Wasser.

“Ich bin immer da. Auch bei deinen Reisen mit den Begleitern. Wo immer du bist, bin auch ich, Tochter.”

Ein Klang drang aus dem Garten. Jemand schlug eine Kodô-Trommel. Ihr Rhytmus wurde eins mit dem Körper, Geist und Seele der jungen Frau.

“Wie ist dein Name in dieser Gestalt?”

Ein Lachen wie der Klang einer Bambusflöte.

“Namen sind egal…aber wenn du willst nenn mich ‘die Mitfühlende ‘, oder ‘Himmels- und Erdkaiserin‘. Mein sind die täglichen kleinen Rituale, der Tee und die Wege des Alltags. Ich bin die Kirschblüte und der Ahorn.”

Die junge Frau hatte plötzlich ein Sakeschälchen in der Hand.

“Auf dich, Tochter, und den Alltag.”

Als die junge Frau zum zweiten Mal ihren Geist auf Reisen schickte war sie an den Klippen einer Insel.

Unter ihr fühlte sie die tiefe Kraft der Wellen, auf dem Boden, auf dem sie stand spürte sie die ruhige Kraft der Erde.

Die Luft roch nach Blüten und weiße Apfelblüten tanzten im Wind.

Wieder hatte die Göttin eine andere Gestalt. Ihr Haar war silbrigblond, ihr Kleid war wie ein Saphir und silberne verschlungene Knoten waren als Zier und Zauber eingewoben.

Ein kleiner rauchender Kessel erschien vor ihr und sie bat die junge Frau sich dazu zu setzen.

“Dies ist die Heimat vieler meiner Töchter und Söhne. Jene welche meinen Ruf hören und einen Weg der Priesterschaft folgen der nicht das sein muss was sich andere darunter als Bild malen.”

Die junge Frau schwieg.

“Aber…sind Priester denn wichtig?”

“Ja und Nein. Ein jeder der den alten Weg geht, lebt seine eigene Form davon. Nur wenige können tatsächlich einer Gemeinschaft dienen. Statt an Altem sollten neue Formen entstehen und das tust du zum Beispiel, Tochter von Erde und Meer.”

Salzige Luft vermischte sich mit dem Duft des erhitzten gusseisernen Kessels.

“Dann wozu das alles?”

“Weil ihr es immer wart. Nicht jeder kann dem Ruf folgen. Es erfordert Hingabe an das Unberechenbare. Aufmerksamkeit für den jetzigen Moment. Phantasie und Vertrauen. Und ganz wichtig ist die Erdung. Wer so stark mit uns verwoben ist brauch eine Kraft die alles überwinden kann. Selbsterkenntnis und den Weg dahin. Du weißt selbst, daß ich jene hart prüfe die ich liebe und doch verlange ich nur daß ihr euer Leben lebt.“

Die junge Frau verstummt. Denkt an ihre dunkle Zeit. Ihre Prüfungen die nie enden.

“Selbst wenn du scheiterst lernst du. Es gibt weder einen richtigen Weg noch Zeit. Alles ist jetzt.”

Autorin: Veleda Alantia

Auf der Strasse und Heimat, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 02. Juni 2018

Auf der Strasse (Begegnungen III)

Der Wind pfiff durch die grauen, wie durch eine Schnur angelegte, Strassen des Gewerbegebietes. Ein paar Bäume und etwas Wiesengrün auf dem wildes, leicht fliederfarbenes Schaumkraut wuchs, das sich im Wind wiegte, bildete eine Abwechslung.

Es roch metallisch nach Regen und Gewitter. Kein gutes Zeichen um draußen rumzulaufen.

Doch brauchte die junge Frau Abstand. Zuviele drangen auf sie ein. Wollten ein Stück von ihr.

Durch das graue Wolkenmeer, fast schwarz, brach ein Sonnenstrahl. Dann hörte sie das leise Trommeln der schweren Regentropfen.

Unterschlupf fand sie unter einem Baum. Zurück gehen konnte sie eh nicht.

Während sie so da stand schien der Wind ihr was zuzuflüstern.

Ein seltsam zeitloser Mann stand neben ihr. Er trug einen dunkelgrauen Hoodie, die Kapuze so tief übers Gesicht gezogen, daß ein Auge verdeckt blieb. Er roch nach Moos und Metall. Warmen Holz und Leinen.

“Ihr meckert beständig über das Leid. Seht nur dies den ganzen Tag. Fühlt euch einsam wo ihr es nicht seid.” Zwei Raben flogen krächzend über ihre Köpfe hinweg. Der Mann lächelte.

“Wir sind alle Wanderer. Jeden Tag. Für manche Weisheit und Wissen muss man etwas hergeben. Bequemlichkeit, Sicherheit…oder auch das eigene Bild von sich.”

Es donnerte und mehrere Äste fielen auf das Gras, das die Wurzeln des schützenden Baumes bedeckte.

Raidho und Ansuz, erschrak die Frau innerlich.

“Es gibt viele Welten. Doch eint sie alle der Stamm und die Wurzel.” Er lächelte sie an und laut riefen wieder die Raben.

Der unheimliche Mann, der graue Wanderer, war verschwunden. Hatte er existiert?

Die Wolken klarten lang genug auf, daß sie sicher zurück fand.

Ende

 

Heimat.

Ein Wort und Ort der umtreibt.

Scheint für viele verborgen in einem Nebel.

Umherirren. Von einem zum anderen sinnen.

Ist der Ort greifbar?

Ja und Nein.

Er ist am Meer, im heimischen Hain, auf der Arbeit. Sogar im Bus.

Der Ort ist im Herzen. Hinter den Nebeln aus alltäglichen Sorgen und Schmerzen.

Meine Schwestern,

meine Brüder,

dort und an jedem Ort finde ich euch.

Gemeinsam weben und leben wir an etwas Zeit- und Ortlosem.

Es ist der Kraftort, uns allen unter anderem gemein.

Sie, die Göttin, Mutter, Herrin des Sees, wacht in der Nacht,

verteilt wissend schwere Aufgaben und ‘Macht’.

Er der Gott, der Vater, Sohn und Lehrer, König des grünen Waldes,

wacht über den Tag.

In Efeu und Eiche.

(Spirit II)
Autorin: Veleda Alantia

Das Märchen vom Glücksstein, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 26. Mai 2018

Dieses Märchen vertraute mir die Herrin der See an einem nebeligen Tag an ihrer Küste an. Das Geräusch von Wellen begleitete ihre Geschichte, die ich nun aufschreiben darf..

In einem Land zwischen Meer und Land, umgeben von Deichen und Dünen lebte eine junge Frau. Ihr Vater war gestorben und sie hatte nur noch Mutter und Bruder.

Sie ging am Strand an einem Sommertag spazieren. Am Tag davor war die See aufgewühlt und wer mit wissenden Augen ging, konnte kleine Schätze der Meeresgöttin entdecken.

Inmitten einer Welle fand sie einen Lochstein. Sie sah durch das Loch hindurch in die Anderswelt. Als Dank schenkte sie etwas Honig und Milch dem Meer und trug den Stein.

Bild: Veleda Alantia

Die Zeiten jedoch wurden düsterer für die junge Frau. Zweifel an sich und allem schlich sich in ihr Herz. Der Drache von der hohen Burg riet ihr in einem Traum sich an den Lochstein zu erinnern. Er sei ein Geschenk der Göttin und Ahnen und sei voller Magie. Ihrer eigenen Magie.

Mit dem Stein in der Hand ging sie an einem Markttag zu einer Verkäuferin, die mächtige Magie erkannte. Sie prüfte den Stein. An sich nichts Besonderes, so wie die Frau..So erzählte sie ihr eine Lüge um den Stein hinterher an eine schwarze Hexe zu verkaufen.

Die Hexe wollte der jungen Frau mit ihrem eigenen Stein schaden, schickte ihr Alpträume und Ängste. Doch die Göttin trat ans Dunkle und entriss ihr den Stein.

Als die junge Frau wieder am Meer war ging sie zutiefst betrübt und entmutigt daher. Ihr Leid war gross, ihr Vertrauen in sich, ihre Magie fast zerstört.

Die Göttin schickte drei Wellen aus der Tiefe die den Stein, ihren Stein, ihr an die Küste spülte.

Als die Frau ihn aufhob und an ihr Herz drückte, da sie ihn wiedererkannte, hörte sie die Göttin sprechen:

“Du bist mein Kind. Vergiss nie deine eigene Kraft und Magie. Du bist stark genug. Geh in deine Schatten, mache sie zu deinen Verbündeten.”

Die junge Frau sah durch das Loch des Steins, genau auf die Grenze von Meer und Land und spürte wie der Stein sie in eine andere Seite der Wirklichkeit zog.

Sie sah, daß sie in einer Höhle war und hörte die Wellen über sich. Sie musste am Meeresgrund sein! Schnell band sie sich ihren kleinen Verbündeten eng um den Hals dann ging sie weiter in die dunkle Höhle.

Vor ihr waren drei Ströme. Ein jeder schien unüberwindlich und sie konnte hören, daß sie hier unten nicht alleine war. Angst erfasste ihr Herz. Warum war die Göttin so grausam zu ihr? Hatte sie nicht schon genug Leid zu ertragen?

Aus dem ersten Fluss kroch eine unansehnliche Frau. Ihre Haut war voller Beschimpfungen. Die junge Frau sah das unter dem Hässlichen die Frau litt. So berührte sie kurz den Lochstein und ging auf die Frau zu.Umarmte sie. Die Worte in der Haut begannen zu schreien. Es sollte sie verletzten. Tränen liefen ihre Wange hinab, als sie die Frau tröstete.”Das bist du nicht. Es sind Worte ohne Kraft. Lass nicht zu, daß sie dich weiter verletzen.”

Die Worte auf der Haut verschwanden und die hässliche Frau bekam anstatt der Beleidigungen goldene Linien. Ihre Haut erinnerte jetzt an japanische Keramik die das Kaputte damit ehrt.

“Hab Dank…”flüsterte die andere goldene Frau und strich ihr über den Bauch.”Dies ist das Zeichen deiner Kraft. Das Leben mag noch hart und dunkel werden doch wirst du alle Kraft in dir allein finden.”

Dann wurde sie eins mit dem ersten Fluss und drei Steine erschienen als Weg zum zweiten und dritten Fluss.

Mit unsicheren Schritten erreichte sie das Ufer des zweiten Flusses. Eine gefesselte Frau entstieg dem Fluss.

Bänder aus Eisen bannten sie und nahmen ihr den Platz zum Atmen. Als die junge Frau näher trat sah sie daß auf den Eisenbändern Worte standen..Anforderungen wie sie zu sein habe. ‘Eine gute Frau tut dies, eine gute Frau hat so zu sein’. Sanft berührte sie die Bänder. Schluckte. ”Nein…so musst du nicht sein. Du kannst sein was du selber möchtest.” Die Bänder schnappten auf und die Frau konnte das erste Mal überhaupt atmen.

Die junge Frau streichelte tröstend die andere Frau. Sie sprach: “Hab dank Kriegerin des Herzens. Mein Segen begleite dich zu deiner dritten und letzten Prüfung.” Dann wurde sie eins mit den dunklen Wassern.

Bestärkt überschritt sie den steinigen Pfad.

Nun stand sie am Ufer des letzten Flusses. Sie hörte den Ruf von Raben und Eulen, sowie weit entfernt den Schrei der Möwen. Kam niemand? Sie ging zum Wasser und sah hinein. Ihr eigenes Gesicht, verzerrt und entstellt, sah ihr entgegen. “Das ist das wie andere mich sehen, die mich nicht kennen…”ihre Stimme brach unter Traurigkeit und ihre Tränen fielen in den Fluss. Wurden eins mit den Wassern und bildeten kleine Kreise.

Ihr Spiegelbild erhob sich aus den Wassern. “Du hast dich angenommen. Deinen Schmerz und deine Schatten. Geh mit dem Segen zurück in deine Welt.”

Plötzlich war sie wieder am Wasser, den Stein noch vorm Auge haltend. Sie hatte sich selbst erkannt. Ihre eigene Kraft, die in ihrer Vergangenheit ruhte. Mit diesem Wissen bestärkt konnte sie ihren Alltag meistern. Jedoch vergaß sie nie denen auf der anderen Seite zu danken die ihre Verbündeten waren.

Ende

Autorin: Veleda Alantia

Bild: Veleda Alantia