Archiv für die Kategorie ‘RegenBogen’

Die Geschichte der AllRaunenFrau, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 21. Oktober 2017

Diese Geschichte flüsterte mir brausend ein Sturmwind zu..Fallenden Blättern gleich versuchte ich die Bilder zu erhaschen und Worte daraus zu weben und ihnen Leben zu geben…

Lange waren sie hergefahren. An diesen besonderen Ort. Majestätisch ragten die Klippen hervor und durchpflügten die Wälder ringsherum. Einige Menschen waren bereits dort und gingen spazieren. Andere hatten wildere Musik gehört und waren abseits der Wege gegangen.

Die junge Frau sah lächelnd zu ihrem Freund. “Wir trennen uns hier und treffen uns in einer dreiviertel Stunde wieder.” Ein Kuss und beide begaben sich auf ihren ureigenen Pfad.

Eine kurze Zeit allein..was könnte dabei schon passieren?
Schatten und Licht jagten sich über ihrem Kopf.
Von irgendwo aus dem Wald waren die Töne einer Holzflöte zu hören.

Wie an einem Faden der Ariadne gleich, folgte die junge Frau diesen Tönen. Weg vom normalen Weg in das Zwielicht- Zwischenreich des Waldes um sie herum.

Die Steinchen unter ihren Sohlen knirschten, als sie nun vor dem Flötenspieler stand. Ganz ruhig sass er auf der Kante einer der Felsen. Die Geräusche unten drangen gedämpft zu ihr rauf. Das betörende Spiel, eine Magie der besonderen Art, verklang. Die letzten Töne nahm der Wind mit, der um die Felsen strich.

Die Flöte aus dem Mund genommen sah er die junge Frau an. “Sei gegrüsst Kind von Wasser und Erde. Deine Suche in die Tiefe deines Wissens beginnt hier.
Sag ..weisst du zu raunen? Zu ritzen?”

Ohne ein Wort nickte sie und neigte kurz ihren Kopf vor der Gestalt. Hier an dem Ort war alles möglich.

“Gehe nur weiter. Und du wirst finden was dich sucht.” sagte der Mann..Sein Hund kam kurz und wedelte mit der Rute. Die junge Frau hätte Angst verspüren sollen, der Hund war gross und zottelig, wild in seinem Aussehen. Doch standen in seinen Augen, die die Farbe von Salbei hatten, andere Worte.
So streichelte sie ihn und eine Melodie begleitete sie auf ihrem Weg.

Sie ging tiefer hinein. An einem Felsen spürte und wurde sie zur Urkraft der Erde.

An einem See wurde sie zum Fluss, See, Quell und Teich.

Sie wurde zum Gedanken der Götter.

Zum Pferd, das durch die Weiten der Welten reitet.

Zum Raben und Hirsch am Weltenbaum.

Zur Birke, der Nährenden.

Zum Bewahrer des göttlichen Familienerbes.

Zur Notwendenden Kraft.

Zum Blitz und Krieger der Seele.

All dies wurde sie. Verwandlung auf Verwandlung folgte. Bis sie die Runen ganz geworden war.

An einer Birke ruhte sie sich aus. Spürte die Kraft der Erdenmutter unter sich. Sie hatte ihre Angst, ungenügend zu sein, umarmt und war dafür belohnt worden.

Ein unaussprechliches Geheimnis und Band verband sie nun mit den Felsen im Wald. Sie war Teil des Waldes. Eine Frau der Runen.
Die AllRunenFrau.

Das Wasser glitzerte auf dem See als sie ihren Gefährten fand.

Auch er war verwandelt worden. Durch Erde, Feuer, Wasser und Erde der Drachenlinien war er gegangen.

Mit wissendem Lächeln verliessen sie in Regen und Matsch, nachdem sie ihre Opfergaben dargebracht hatten, am Felsen der grossen Mutter, den heiligen Ort der Vorfahren.

 

Autorin: Veleda Alantia

Bilder: Veleda Alantia

Samhain – Märchen, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 30. September 2017

Diese Geschichte wurde mir auf einem stillen Friedhof anvertraut. Er liegt mitten im Herzen einer lebendigen Stadt. Die Naturwesen wachen über jenen Ort der schon seid 189 Jahren existierte. Freud und Leid hatte er gesehen. Geheimnisse und Offenbarungen lagen unter dem Stein der teils kunstvollen Grabmäler. 

Der Herbst hatte das Land in seine Umarmung gezogen. Blätter fielen und bildeten eine Decke auf so manches Grab. Was die geschäftigen Menschen nicht mehr wahrnehmen konnten war, daß die Toten nicht immer tot blieben. Gerade in den Zeiten zwischen den Zeiten, wo Leben und Tod sich die Hände zum Tanzen reichten, wenn die Nebel manch Sehenden alte Magie neu offenbarten, dann kamen sie als Geister zurück. Viele bedauerten nicht mehr am Leben zu sein, wollten sich nicht fügen.

Frau Tod ging umher und bot jedem ihre Gaben an. Vergessen und Wiedergeburt..aber auch Treffen mit ihren Familien schenkte sie her. So wie sie Königin des Todes war,  so war sie zugleich auch Herrin des Lebens.

An einem Mausoleum angelangt sah die Göttin eine junge Tote. Sie weinte bitterlich, knickste vor der Göttin. “Warum weinst du Kind?” fragte die Todesfrau voller Mitgefühl. “Ich vermisse meinen Liebsten so. Oh Herrin..könnte ich ihn doch nur einmal im Fleische sehen.” Das Herz der Göttin war nicht aus Stein und so schenkte sie ihr die Stunden von Samhain als Lebende.

Ihre Seele, nun in Fleisch und Spitze gekleidet, fand das Haus ihres einstigen Geliebten. Mit flatterndem Herzen klopfte sie an die Tür und eine schöne Frau öffnete ihr.

“Ich suche den Herrn des Hauses…Ich..war..bin seine Verlobte.” Die Frau runzelte die Stirn. ”Das kann nicht sein. Ich bin seine angetraute Frau. Sie müssen sich irren.”

Das Herz der jungen Toten brach entzwei. Sie stiess einen Fluch aus. Da sie früher eine Hexe gewesen war bekam ihr Fluch mit dem Wort der Macht, in Zorn ausgesprochen, erst recht Kraft und  Gewicht.

Danach stürzte sie sich in einen Fluss wodurch sie zweifachen Frevel begang.

Die Göttin aber liess das nicht gelten. Den Fluch wandte sie in Segen um. Denn der Mann hatte seine verstorbene Verlobte nie vergessen und hielt regelmässig am Grab Zwiesprache.

Der Toten jedoch..nun in den Mantel des Hasses gekleidet, erwartete ein andres Schicksal.

“Vergangen hast du dich an meinen Geschenken. Sowohl das geheime Wort als auch der Fluch war nicht dein Recht. Mein Urteil lautet…du wirst erst dann wieder Ruhe finden wenn du diese Familie, die deine hätte sein können, beschützt. Als Schutzgeist wirst du wachen bis deine Schuld abgegolten ist. Deine Kraft nehme ich dir nicht, denn ich stehe zu meinen Geschenken. Beobachte das Leben. Und sieh was geschieht.”

Die Jahre vergingen. Das Leben ging seinen Lauf im Lebenskreis. Die Tote war eine gute Schützerin und die Familie lauschte auf ihre lautlosen Ratschläge und Weisungen. Auch wurde das Grab gehegt und oft Zwiesprache mit ihr gehalten. So waren Leben und Tod statt durch einen Fluch, in tiefster Magie verbunden.

Autorin: Veleda Alantia
Bilder: Veleda Alantia

Gespräch mit der Göttin (I) und (II), geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 16. September 2017

Gespräch mit der Göttin (I)

Endlich kam sie nach Hause. Ihr Leben ein Trubel von Sehnen, Suchen und Finden. Dort hatte sie einen Raum um zu sein, bei sich daheim.

Ein Raum, der nur ihr gehörte und dem was sie rufen würde. Manchmal fühlte sie sich berührt ..mitten im Alltag.  Dann kamen die Zweifel.
Und die Vorwürfe und Misstrauen sich selbst gegenüber.

Erst nahm sie ein Bad. Eine Vorbereitung sei ein Muss. Von der Reinigung der Seele spürte sie nicht viel, da sie doch gedanklich wieder bei der Arbeit war. Immer woanders. Immer besser sein oder werden. Schnell schnell.

Nach dem Bad und einer kleinen Ruhephase ging sie zu ihrem Regal. Dort stand eine kleine Figur der Tara. Es war ein Geschenk von einer spirituellen Freundin.

Die junge Frau entzündete das Räucherstäbchen. Der Duft war herb und ganz anders als sie erwartet hatte. Nichts Heiliges oder so.  Es stank sogar etwas. Und der Duft sollte eine Göttin rufen?

Der ging gar nicht. Allerdings stand es so in dem schlauen Buch einer SternenFalkin.

Wütend, daß es so formell sein musste verwarf sie das. Wenn es Göttinnen gab konnte man sie dann nicht treffen wie andere Menschen auch?

Die Tage vergingen im Ticken der Uhr und sie ging einkaufen. Ausnahmsweise war ein Bauernmarkt in der Stadt. An einem Stand verkaufte eine Frau, unbestimmten Alters und mit silbrigem Haar, bemalte Steine, trockene Kräuter und Kurioses.

“Und das soll magisch sein?” fragte die junge Frau und strich über einen Stein mit Sonnensymbol. “Magisch wird es wenn du dich nicht auf etwas Fernes konzentrierst sondern auf etwas Nahes. Dich selbst, deine Fähigkeiten. Dein brennendes Herz . Wenn du das kannst ist dein Leben Magie.”

Die Alte liess sie eine Karte ziehen. Es zeigte eine Art Baum oder Figur mit ausgebreiteten Armen. “Das ist Algiz. Der Moment um Magie zu leben ist jetzt. Und nur jetzt.”

Gespräch mit der Göttin (II)

Nach dem seltsamen Tag auf dem Bauernmarkt ging sie mit gemischten Gefühlen in ihren Lieblingspub. War das die Göttin gewesen? Eine alte Frau, doch so normal? Sie hatte gehofft es wäre erhabener..magischer! Doch weder glitzernder Feenstaub, noch ein ekeliges Gebräu, das im Kessel siedete. Was also war das was die alte Frau von ihr wollte?

Im Bad sah sie sich selten im Spiegel an. Weder fand sie sich ansehnlich noch liebenswert. Manche sagten ihr sie habe das gewisse Etwas. Nur was soll das sein?

Was war genau Magie? Waren das die Worte der Frau? ‘Magie ist immer im Moment, im Jetzt’. Dazu diese ..’Rune’. Wie ein Baum…oder der Abdruck von Raben im Schnee. Sie hörte oft die Raben wenn sie raus ging. Als riefen sie sie. Erinnerten sie…

Sie schminkte sich die Augen schwarz. Im alten Ägypten war dies zum Schutz. Vor der Sonne und dem bösen Blick. Das sagten zumindest Leute, die sie aus Ägypten kannte.

Sie erinnerte sich an das Zeichen. Algiz. Geschützt und im Moment sein..Eine andere Bedeutung war die der Verbindung zum Göttlichen.

Sie fand eine CD ‘schamanische Seelenreise’ und liess sie laufen während sie sich anzog.

Als sie wieder zum Spiegel ging, war im Spiegel ein Tor zu sehen. Es schien hinab zu führen. Ihr Verstand rebellierte, doch wusste ihr Herz, daß sie folgen musste. Sie kletterte hinab. In einem höhlenartigen Raum standen Steine aufrecht. Alle mit diesen Runen verziert. Ein Mann trat hinter einem Stein hervor. Schelmisch wissende grüne Augen funkelten sie an und er trug bei sich den Geruch des Feuers. ”Dein Mut ist wunderbar. Du kannst nicht mehr abschätzen was geschieht.”

“Wer bist du?” fragte sie. “Loki. Der Trickster. Der Fuchs der Götter. ”Sein Lächeln erinnerte sie an Ban. “ Ist klar..wo bin ich hier?” “Du bist wie Alice durch den Spiegel gegangen und hier ist nun dein Ort der Kraft. Doch erwarte keine Glitzermagie und Egogepusche.“ Verdutzt wie frech dieser Loki war…

Er nahm ihre Hand küsste diese. Sein Kuss brannte und sie stand vor dem Spiegel wieder.

“Was eine CD…” hauchte sie verwirrt.

Geschrieben von Veleda Alantia

Bilder: Wikimedia Commons, Loki by Erechel

Die weiße Braut, geschrieben von XVII

Samstag, 19. August 2017

 

„Uhhhh….muß das sein, Chris? Muß das sein? Ich mag solche Schauergeschichten nicht. Ich geh jetzt lieber schlafen. Schlimm genug, daß ich in einer solchen herabgekommenen Hütte schlafen muß.“

-“Bäh, du bist einfach überempfindlich. Komm mal runter du Pussy.“

–“Jeff, kannst du nicht einmal freundlich sein, nicht mal zu deiner eigenen Freundin?“

-“Die verstehts schon, misch dich nicht ein. Chris erzähl einfach weiter.“

„Ich geh jetzt pennen, und du kannst bei deinen Kumpels am Lagerfeuer schlafen,
zu mir brauchst heute nicht kommen.“

-“Ja, schon recht, geh schlafen. Ich trink lieber noch einen.“

–“Jeff, du bist ein Arsch. Ich weiß echt nicht was Bridge an dir findet.“

-“Komm schon, du bist nur eifersüchtig.“

—“So, jetzt halten mal alle den Rand, sonst überleg ich mir echt ob wir uns nochmal hier treffen. Ich hab lang genug meine Großmutter beknien müssen, daß wir die Hütte bekommen.“

—-“Yes…wir reißen uns alle zusammen, trinken noch ein Bier, ich erzähl die Geschichte weiter und morgen pennen wir uns aus und…“

—-“Ich finde es überhaupt schön, daß wir fünf uns mal wieder treffen…fünf Freunde, das sind wir…wir haben eh sonst viel zu viel um die Ohren…“

–“Stimmt. Wir fünf kennen uns jetzt schon ziemlich lange. Und wir haben ja auch viel Spaß miteinander. Die letzten Tage hier im Wald waren ja auch cool. Das Lagerfeuer hier ist auch lässig und die Hütte, wenn wir da mal alle ein bißchen Hand anlegen, dann wird das ein toller Treffpunkt, wo wir einfach ab und an mal rausfahren und gemeinsam entspannen. Fischen gehen, die Natur genießen…in den See mal hüpfen…ist ja alles da. Und….endlich mal keine Leute, weit und breit nichts und nicht mal Handyempfang!“

-“Ja, nicht mal Handy. Wenigstens haben wir genug Bier mit.“

–“So, erzähl mal weiter!“

—-“Alsooooo…man erzählt sich hier so Geschichten von einer weißen Braut, die…“

–“So eine mit weißem Kleid und Brautschleier und so? Die durch die Wälder streift?“

—-“Genau.“

–“Hahaha…ja die kenn ich….aber erzähl mal…“

—-“Also….man erzählt sich seit Generationen…daß hier so ein junges Mädel, manchmal wird sie auch die weiße Frau genannt…durch die Wälder geht. Barfüßig. Sie soll ein Wesen zwischen dem Tod und dem Leben sein. Eine verlorene Seele, die sich in einer Gestalt manifestiert hat. Eine enttäuschte, verbitterte Seele, die es geschafft hat in einem Grenzbereich zwischen dem Dasein und dem Jenseits sich als Person zu….“

-“Wir wollen da jetzt keine Abhandlung, sondern eine Geschichte…gibst du mir noch ein Bier rüber?“

—-“Ja, also…es sollen mehrere junge Mädchen im 16. Jahrhundert zur Heirat gezwungen worden sein. Hier in einem kleinen Ort in der Nähe…ein mächtiger Gutsbesitzer, ein alter Sack, soll die Familien genötigt haben ihm die Mädchen zu überlassen…junge, unschuldige Mädchen an die er sich dann vergriffen hat. Dafür durften die armen Familien ihren spärlichen Besitztum weiter führen und bei ihm weiter arbeiten. Er hat ein Mädchen geheiratet, welches dann unter mysteriösen Umständen verstorben ist…um dann darauf gleich das nächste zu heiraten. Und darauf nochmal.

Mehrere Mädchen sind zu Tode gekommen. Aber es hat sich keiner darum gekümmert…die Familien wurden nicht gehört, waren unterdrückt…und es waren alle nur betroffen, aber keiner hat was gemacht…bis….“

—“Bis…..“

—-“Bis auf einmal die weiße Braut aufgetaucht ist. Zunächst soll sie nur als Nebel und Spukwesen hier aufgefallen sein…mehrere Leute haben von einem jungen Mädchen berichtet, welches in der Nacht gespensterhaft über die Felder ging…und dann…soll dieses Wesen sich immer mehr geformt haben…wurde mehr lebendig…und der Gutsbesitzer, der Widerling, soll in der Nacht von ihr besucht worden sein, jede Nacht, jede verdammte Nacht…er hat sich dann an den Pfarrer gewandt…ist zum Arzt gegangen, hat an seinem Verstand gezweifelt. Es haben zwar andere auch die Gestalt gesehen…auf den Feldern…aber es wurde keiner heimgesucht. Nur er.

Er hat keine Ruhe gefunden. Und alle sprachen nur davon, daß es auch so rechtens wahr, daß nun er leidet. Er, der ja offensichtlich mit dem Tod der jungen Mädchen zu tun hatte.

Letztlich soll er dann bei einer Sonntagsmesse mit einer Axt den Pfarrer bedroht haben.

Da hat sich dann zum ersten Mal die Gemeinde gegen ihn gestellt.

Sie haben ihn aus der Kirche geworfen…ihn geschlagen…und mit Abfällen vom Marktplatz davor beworfen. Ihn bis zu seinem Gut getrieben…wo er sich dann eine Woche nicht blicken ließ.

In der nächsten Woche am Sonntag hing er dann unterhalb der Kirchenglocke.

Hat sich in der Kirche oben aufgehängt.

Von da an, war diese Gestalt nicht mehr gesehen…bis…..vor ein paar Jahren. Nun geht das Gerücht um, daß hier in den Wäldern dieses Mädchen wieder sein Unwesen treibt.

Es soll hier durch die Wälder gehen…und grausamen Menschen ihre Existenz nehmen.

Ihre Existenz komplett auslöschen. Dieses Wesen ist über die Jahrhunderte gewachsen und mächtiger geworden…und soll nun nicht mehr die Leute in den Wahnsinn treiben, sondern sie gänzlich vernichten.

Als hätten sie nie gelebt. Einfach weg. Sie nimmt die Leute mit. Mit ihren Erinnerungen, mit den Erinnerungen, die andere an sie haben. Deswegen, so sagt man, gibt es hier nur friedvolle Menschen, es haben sich nur nette Leute hier angesiedelt, Leute, die die Harmonie schätzen und Gewalt und Mißbrauch ablehnen.“

—“Und wie ist dann die Geschichte zustande gekommen? Ich mein…wenn es irgendetwas gäbe, daß jemandes Existenz aus der Menschheitsgeschichte löscht, als hätte es den nie gegeben, dann weiß ja auch keiner davon, daß das Ding da, das Wesen das auch können würde? Oder habe ich da einen Gedankenfehler?“

—-“Nein, nein…es soll nur eine alte Frau, die hier im Dorf gewohnt hat…gesagt haben…daß nur gute Menschen sich hier ansiedeln dürfen, denn alle anderen würde die weiße Frau mitnehmen…und zwar so…als hätte es sie nie gegeben….diese Frau soll eine Verwandte eines der Mädchen sein….aus der Linie einer Schwester eines der armen Mädchen.“

—“Ok. Hm. Komisch. Ich trink noch das Bier aus.“

-“Ja, eines haben wir noch immer getrunken, weg mit dem Bier! Das wird ja nur alt! Und das Märchen da…Alter, da hab ich schon wirklich Langweiligeres spannender gefunden…hahahaha“

.

.

.

–“Bridge?“

„Ja?“

–“Gut geschlafen?“

„Voll gut. Ich hab aber echt merkwürdig geträumt.“

–“Setz dich mal, Kaffee haben wir schon aufgesetzt, gleich fertig.“

„Ich hab von einer Gestalt geträumt…einer Frau…die ist durch die Hütte geschlichen, hat aber nur geschaut, ob alle gut schlafen, hat mir die Decke sogar raufgezogen, die ich runterstrampelt habe…dann ist sie raus…und am Lagerfeuer ist ein Typ gelegen mit Bierflaschen um sich…den hat sie geweckt und ist mit ihm dann in den Wald gegangen.“

—-“Arg. Ich hab nämlich gestern eine Geschichte erzählt von einer weißen Frau….“

„Ja, die hatte so ein langes weißes Kleid an. Und langes Haar.“

–“Du machst mir echt Angst.“

„Du, die war ja voll nett. War ja nur ein Traum. Was war das für eine Geschichte?“

–“Erzähl ich dir nachher. Jetzt sitzen wir vier mal gemütlich zusammen und essen gutes Frühstück.“

—-“Ja, wir vier, die fantastischen Vier! Meine Güte haben wir schon viel gemeinsam erlebt. Und du, Bridge, du solltest dir mal wieder einen Freund suchen, echt jetzt, bist so ein tolles Mädel, bist jetzt lange genug allein.“

Autor: XVII

Bilder: Wikimedia Commons, cabin: jerrye & roy klotz md,
Married Clark Wallace Bishop, 1928

Die Geschichte von der Tiefe, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 12. August 2017

Diese Geschichte vertraute mir ein Stein an,
der vor einem Bergwerksstollen am Eingang lag.
Die Sonne wärmte ihn und er war bereit mir die folgende Geschichte zu erzählen..

Vor einer Zeit, als die Welten noch regelmäßig miteinander verkehrten und Freundschaft eine Tugend war, lebte eine junge Frau in einem Tal. Sie war früh zur Außenseiterin geworden da sie Freundschaft mit den Elben hatte und die Geheimnisse der Wälder ihr nicht unvertraut waren.

Eines Tages hiess es ein Drache bedrohe das Land. Die Tapfersten zogen mit Getöse aus. Manche kamen angstzitternd zurück, andere nie mehr.

Das Mädchen sass am Brunnen und unterhielt sich mit der Quelljungfrau. “Was sollen wir nur tun? Keiner der Männer traut sich mehr aus dem Dorf.”

“Dann musst du es wagen.”  Erstaunt sah sie ihre Freundin an .
”Ich? Was kann ich denn schon tun.”

“Etwas, daß nur Du kannst. Hab keine Angst. Geh in den Wald bis zum heiligen Ort. Am Rand ist eine Höhle. Darin findest du Hilfe um das Bevorstehende zu bestehen.”

Sie ging nach Hause, packte ihren Beutel und nahm Proviant und Geschenke für die Anderswelt mit und machte den ersten Schritt ins Ungewisse.

Sie fand die Höhle wie von ihrer Freundin vorhergesagt.

Von aussen war die Höhle unheimlich, es roch nach Tod und Algen. Als stünde irgendwo Wasser.

Die junge Frau ging nun mit vor Angst klopfendem Herzen vorran. Ein Wind geboren aus Chaos bliess ihr das Feuerzeug aus und sie bekam es nicht wieder an.

Nun hatte sie die Wahl. Zurückzugehen und ihr Scheitern eingestehen oder die Angst zum Freund machen.

Sie wählte letzteres, machte die Angst zu ihrem Verbündeten und ging weiter in die Dunkelheit.

Es war so dunkel wie in einem Mausoleum.

Plötzlich schimmerte es vor ihr, als sei in der Höhle der Mond aufgegangen.

Es war so schön, daß ihr das Herz aufging. Ein Mond mitten in der Höhle? Sie ging in das Licht und spürte wie es sich wie Seide um sie schmiegte. Als sie heraustrat trug sie ein silbriges Gewand mit Glockenärmeln. An deren Enden waren Mond und Wassersymbole gestickt. Nun hatte sie die Erkenntnis, daß die Höhle nicht unbewohnt war. Ein Wesen musste hier leben.Verborgen von der Welt.

“Danke für das schöne Kleid. Zeig dich mir doch.” sagte sie in die Finsternis.

Eine Frau trat raus. Jung und alt zugleich. Sie strahlte voller Macht und Geheimnis. ”Lebe eine Zeit bei mir. Der Herr der Höhle und ich sind gute Nachbarn seit langer Zeit. Und von ihm ist auch das Kleid.”

So begann ihre Lehrzeit bei der alten Frau in der Tiefe. Sie lernte den Rhytmus und die Magie des Meeres. Aus Buchenstäben weisszusagen. Mit Kristallen zu heilen.

Eines Abends hörte sie ein Grollen in der Tiefe der Höhle und sie fragte die Alte was das sei. “Geh nur und schau nach. Du hast alles in dir was du brauchst.“ sagte sie mit wissendem Lächeln. Da sie die Alte liebte und ihr vertraute ging sie voran.

Es wurde wärmer, je weiter sie kam. Am Ende brannte ein Feuer und ein knorriger Mann sass dort. ”Sei willkommen.” flüsterte er mit brüchiger Stimme.

Da sie eingeweiht worden war machte sie ihm einen Tee aus Heilkräutern und segnete ihn ehe sie den Tee an den Mann weiter reichte.

Dankbar trank er, wurde gesund, schien jünger zu werden. Der Schatten, den er warf, war der Schatten des Drachen! Wasser rauschte um ihn, das Feuer sprang an ihm hoch wie ein Welpe und die Erde und die Luft trugen den Duft der Magie mit sich, als er sich verwandelte und zum Drachen wurde.

Doch statt wie früher vor Angst zu vergehen kniete sie nun in Demut vor ihm nieder.

“Mein Herr der Elemente nehmt bitte den Schatten von unserem Land..”
Eine Kralle hob sie an daß sie aufstand.

“Steh aufrecht vor mir. Ich liebe dich für deine Beharrlichkeit und Demut. Darum tue ich was du dir erbittest. Bleibe bei mir.”

Als geachtete Priesterin ging sie in ihr Dorf zurück. Geliebt von ihrem Drachen und gesegnet von der Göttin der Tiefe trat sie aus der Höhle hinaus.

An manchen Tagen der kommenden Jahre sah man sie auf ihrem Drachen über das Land gleiten. Verbunden in Liebe.

Ende

Autorin: Veleda Alantia, Bild: Veleda Alantia