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Die kleine Geschichte vom Drachentrunk, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 22. April 2017

Märchen aus Avalon 3

In einem Ort im Anderswo lebte einst ein junger Mann mit seinem Vater in einem Dorf das umgeben war von Hügeln und tiefen Tälern und Wäldern. In diesem Dorf wohnte der Vater mit seinem Jungen etwas abseits von den anderen Dorfbewohnern. Es hieß, daß der Vater wunderlich sei, denn er sprach zu seinen Pflanzen, zu den Steinen und den Tieren.
Und Pflanzen wuchsen bei ihm im Garten kräftiger dadurch, daß er mit ihnen sprach, das machte es noch wunderlicher.
Der junge Mann liebte seinen Vater sehr und verstand, da er damit aufgewachsen war, nicht was die anderen hatten, wenn sie sich wieder über seinen Vater lustig machten.
Es geschah in einem kalten Winter, so kalt, daß Tropfen an Häusern zu Eiszapfen gefroren, daß der Vater krank wurde.
Der junge Mann tat alles um ihm zu helfen. Er wusch, buk das Brot, redete sogar mit den Pflanzen, versorgte die Tiere. Doch seinem Vater ging es immer schlechter je kälter der Winter wurde, und sogar des Vaters Pflanzen am Höhepunkt des Winters eingingen, brodelte seine Sorge zur Gänze hoch. Der junge Mann ging zu einer weisen Frau.
Sie kannte den Jungen gut, hatte sie das Kind einst auf die Welt geholt.
„Was möchtest du mein Junge?“ Der junge Mann sah sie fest an. „Meinem Vater geht es schlecht je weiter der Winter vorrückt.“
„Sterben gehört zum Leben dazu.“ sagte das alte Weib kichernd.

„Möglich, doch jetzt noch nicht.“ erwiderte der Junge im verzweifelten Stolz. Die Alte sah ihn lange an, entzündete sich eine Pfeife mit süßem Gras. „Gut..Ich werde dir helfen. Wenn du es schaffst, in einer tiefen Mutterhöhle, aus deren Bauch alle Höhlen in unserer Gegend entstehen, einen Drachen zu finden und von ihm den Drachentrunk zu bekommen..dann..und nur dann..mag dein Vater vielleicht gerettet werden.“ sprach sie paffend und musterte ihn mit blitzenden Augen.
Der junge Mann wollte mit großmütigem Herzen losstürmen doch die Alte hielt ihn zurück.
„Hilf mir zuerst etwas Jüngchen. Hol aus der Grube Lehm..Forme eine Figur daraus und back sie einen Sonnen- und einen Mondlauf im Ofen hinterm Haus.“
„Was soll das bringen?“ erwiderte der Junge.
„Sie wird dir helfen den Weg zum Drachenhort zu finden.“ entgegnete die Alte nur.
Zweifelnd ging er zur Grube, hob den Lehm heraus, vermischte ihn bis er weich war mit Wasser vom Fluss, formte eine Puppe daraus und begann den Ofen anzuheizen , der klein und kugelig hinterm Haus wartete und nach gebackenem Brot roch. Die alte Hebamme aß mit ihm draußen im Kräuter und Gemüsegarten und der Duft von Salbei, Lavendel und Rosmarin lag noch in der Luft.

Die Alte sprach nicht, doch musterte sie den jungen Mann prüfend. Zum Sonnenaufgang war die Puppe fertig gebrannt.
Die alte Hebamme holte die Figur heraus und wies den Jungen an, sie anzumalen.
„Geb ihr Gestalt und deinen Wunsch.“sprach sie mit gackerndem Ton.
Der Junge tat dies. Er malte Spiralen in den Ton, in Grün und Blau, da sie ihn an saftige grüne Wiesen und blühende Bäume unter dem Himmel erinnerten. Rote Streifen standen für das wärmende Feuer, die Sonne, gesundes Blut. So verging eine Zeit und die Figur war bunt gemalt. Als sie trocken war, kam die alte Hebamme und zertrat die Figur, daß der Ton scheppernd krachte und in viele Stücke zersprang.

„Warum hast du das getan?“ rief er aus, böse sah er die Hebamme an.
Sie lachte wieder, doch ihr Blick war ernst.
“Ich habe dir deine Angst zerstört. Denn wenn du den Drachen finden willst, musst du ohne Angst sein. Geh mit meinem Segen nun.“
Und er spürte, nachdem er sie verlassen hatte, daß er wirklich keine Angst mehr verspürte.
Der Wald war tief und voller Täler und auch Anhöhen. Voller Geheimnisse die ihn locken oder zerstören konnten.
Immer tiefer ging er in den Wald, umgeben von knackenden Ästen, grasenden Hirschen und über ihn schwebte ein mächtiger grauer Falke.
Der Junge empfand dies als seinen Beschützer und so fand er in der tiefsten Stelle des Waldes eine Höhle, vor dessen Eingang ein Bach floss. Drei Frauen saßen da, spielten miteinander und lachten.
Ihre Kleidung schwebte wie Seegras im Wasser um ihre Körper, in ihren Augen schien die Tiefe der Seen zu sein.
Ihre Stimmen waren hell wie Glöckchen.
“Guter Jüngling, komm, spiel mit uns .“ riefen sie ihn an.
Doch der Junge spürte ein Unbehagen.
“Ich ehre euch, ihr Wasserfrauen, doch bitte ich euch um Segen auf meiner Weiterfahrt.“ sprach er voller Ehrerbietung.
Die drei Wasserfrauen schwebten zu ihm, wie Nebel der auf dem Wasser glitt, und umringten ihn. Bildeten einen Kreis und fassten sich an den Händen. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem Chor, der sang :“ Bei den alten Mächten bist du geborgen, mag der Weg noch so sein verworren. Wir segnen dich mit unserer Macht, sie hat schon vieles geschafft. Nun geh mit unserem Segen fort, hinein in den dunklen Hort.“

Sie verließen ihn, wie ein Gewitter das aufgezogen und wieder verschwunden war. Der Junge fühlte sich ermutigt und trat nun in die Höhle ein. Es war nicht dunkel, denn Steine und Mineralien leuchteten im sanften Schein um ihn her. Ein seltsames Flüstern erfüllte die warme Luft.
„Hallo?“ fragte der Junge in die vom Flüstern erfüllte Dunkelheit.
„Wir sind die Erde, umfangen stirb und werde. Wir sind eins mit unser Erde und sie trägt uns gerne. Menschenkind, gehe fort,
denn was suchst du hier an diesem Ort?“
Es klang in den Ohren wie ein Gedicht aus alten Sagen und Tagen.

„Ich komme von weit her, das Herz es ist mir in der Brust so schwer. Ich komme aus dem Dorf am Grund, mein Vater ist krank, wird nicht gesund.“
Weiter ging er hinab, fühlte sich in der Höhle und dem Gang sehr geborgen.
Sollte er nicht Angst haben? Immerhin näherte er sich einem Drachenort. Drachen waren alles, aber nicht gut. Sie waren mächtig und zauberreich. Schlau und uralt. Wesen des Feuers und der Luft mit glühendem Herzen und Schuppen hart wie die Klingen der Schwerter. Drachen waren Mächte, die man fürchten sollte, das wurde dem Jungen beigebracht.
„Geh weiter Kind, gut ist dein Wille, dein Herz wurd erkannt in der Stimme der Stille, zwischen Herzschlag und Herzschlag. Nun geh voran und wag.“
Die Stimmen der Steine verklangen und er blieb allein zurück, nur begleitet vom Leuchten der Mineralien. Der Junge trat immer näher bis er zu einem Gewölbe kam. Hoch wie das Innenschiff einer Kirche war es, hallte sein Schritt wieder. In der Mitte, umgeben von Rauchquarzen und Amethysten, saß an einem prasselnden Feuer eine Gestalt.
„Hallo..?“ Der Junge kam näher. “Tritt ruhig näher und wärm dich auf.“ sprach die Gestalt mit warmer Stimme.
Mit einem leichten Schauer den er nicht einordnen konnte, setze er sich zu der Gestalt ans Feuer. Er sah vor sich einen älteren Mann, der seltsam zeitlos wirkte, ohne daß man es genau ausmachen konnte wodran.
“Nach langer Reise sollte man sich an einem Feuer aufwärmen. Das sagten schon seid uralten Zeiten die Großmütter, da das Feuer Segen gibt.“sprach der Alte und rührte in einem großen aus Eisen gefertigten Kessel.
Es duftete herrlich und der Jüngling verspürte doch Hunger. Ohne seine Frage abzuwarten, gab der Alte ihm eine Tonschüssel.

Die Suppe, stellte der Junge beim Trinken fest, schmeckte krautig-würzig, und erfüllte nicht nur seinen Körper mit Wärme.
“Ich suche den Drachen der hier in dieser Höhle wohnen soll. Ich muss ihn besiegen um an den Drachentrunk zu kommen.“
Der alte Mann schnaubte, sah mit vom Feuer glühenden Augen zu dem Gast.
“So? Du glaubst, daß man alles besiegen muss was älter und magischer ist als du? So kommst du nicht weit und nicht an dein Ziel. „sprach der alte Mann mit grollender Stimme.“Alles was lebt ist Teil der Göttin Erde. Sie ist die Mutter von Frauen, Männern, Kindern, den Welten innerhalb der Welt. Vom Großen bis ins Kleinste. Ihr Gemahl ist der Himmel, in Liebe und Vertrauen begegnen sie sich jeden Tag in jedem was lebt.“
Tiefe Weisheit sprach aus dem Alten. Eine uralte Weisheit. Der alte Mann lächelte und seine Augen schimmerten grün wie das frische Gras. „Lebe eine Zeit bei mir Junge, und ich werde sehen wie ich deinem Vater helfen kann.“
So tat der Junge es. Der Alte lehrte ihn die Sprache der Mutter Erde, zeigte ihn das Sammeln von Heilkräutern zur richtigen Zeit, den Lauf des Jahresrades und die Zeichen des Sturmes. Während er all dies ihn lehrte, beobachtete er die Redlichkeit des Jungen. Er war flink im Denken, verstand all die Lehren aber auch im Herzen.

Er nahm das Wissen auf, wie die kleinen Kinder die Milch der Mutter. So verging die Zeit und der Junge vergaß seinen Wunsch den Drachen zu fangen und zu töten. Zu Zeit von Jule, der Wiedergeburt der heiligen Flamme und des heiligen Kindes, sprach er den Alten an.
“Ich habe viel bei euch gelernt Meister, nur nicht einen Drachen zu töten. Stattdessen lernte ich die Liebe zu allem was lebt. Würde ich ihn finden..ich würde ihn bitten mir zu helfen, falls es noch Hilfe für meinen Vater gibt.“
Der Alte nickte und entfachte mit seinem Atem ein Feuer in der Mutterhöhle. Die Schatten tanzten um ihn und der Alte wurde groß und größer. Bekam Schwingen und Schuppen. Uralt und mächtig stand der Drache nun vor ihm. Der Junge kniete in Ehrfurcht nieder.
„Helft mir, Flammenmeister, ich bitte euch..“
Der Drache kannte das Herz des Jungen, als Mensch hatte er ihn kennengelernt und er sah die Seele und den Ursprung den sie teilten. So gab der große weise Drache dem Jungen den Drachentrunk, ein Gemisch aus der Energie der Erde, den Flammen seines Drachenherzens, aus den Lüften der Berge und dem Wasser des entfernten Meeres.
„Gehe nun, und vergiss unsere Zeit nicht, unser gemeinsames Lernen nicht.“Der Junge umarmte den Drachen als er extra für ihn wieder menschliche Gestalt annahm, lang und innig. Dankte ihn für alles.
Der Weg nach Hause war voller Zeichen und Wunder und der Junge sah überall die Verbindungen des Lebens.
Die Schönheit in hell und dunkel. Als er das Haus seines Vaters erreichte und ihm den Trank des Drachen gab, wurde er im Dorf als weiser Mann anerkannt und geehrt.
Die Zeit verging und der Junge reifte mit den Jahreszeiten. Hin und wieder sah man bei ihm einen seltsamen alten Mann und sie saßen gemeinsam unter einer Birke. Dann flog segnend über dem Dorf ein merkwürdiger Schatten und diese Geschichte erzählt man sich bei uns im Dorf noch heute.

Ende

(Fotos und Geschichte von Veleda Alantia)

Die Anrufung

Samstag, 18. Februar 2017

-„Warum hast du mich gerufen?“

„Ich…“

-„Ich falle dir ungern ins Wort, aber du weißt, du wirst dir damit keinen Gefallen tun. Und ich kenne alle deine Schwächen, deine, wenn auch dürftig vorhandenen, Stärken… Dich. Und auch das Gespräch gerade ist absurd, weil ich weiß was du willst und wie es enden wird. Ich sehe es nur von mir als höflich an mit dir zu kommunizieren. Mich dir zu zeigen. Obwohl so wie du mich siehst, du nur einen kleinen Ausschnitt wahrnimmst. Lächerlich. Genug.
Was willst du?“

„Verzeih…ich…“

-„Es gibt nichts zu verzeihen. Jetzt agiere doch nicht so erbärmlich. Richte dich auf, Mensch. Höre auf zu knien, stehe.“

„Ich suche nach Sinn, nach Erkenntnis…nach…“

-„Wozu? Was hilft dir das? Nach welcher Art von Sinn strebt es dir? Erkenntnis?“

„Ich will die Gesamtheit erfassen, will eins sein. Will die Zusammenhänge sehen, verstehen.“

-„Das kannst du nicht. Dazu reichen deine Kapazitäten nicht. Ich kann keinem Vogel schwimmen beibringen und keinem Affen tanzen. Und euch, ihr die ihr euch erhebt seid begrenzt. Auch wenn ihr in eurer spirituellen Gier vermeint Grenzen zu erweitern und Gesamtheit wahrzunehmen ist auch dies nur wie ein flüchtiger Blick durch einen Nebel. Ihr seid so klein.“

„Und doch habe ich dich beschworen! Gerufen!“

-„Genau das zeigt mir ja dein Unvermögen. Zeigst dich beleidigt. Dein Ego gekränkt. Ich bin jetzt gerade, nach deinem zeitlichen Empfinden, ebenso in einem Gespräch mit einem achtjährigen Mädchen. Dem ich gerne meine Unterstützung zukommen lasse.

Und du, nach mehr als 30 jährigem Herumgetue innerhalb obskurer okkulter Techniken vermeinst tatsächlich mehr Können und Vermögen zu haben als dieses kleine Mädchen.“

„Ich…“

-„Was willst du wirklich. WAS willst du wirklich.“

„Gleichmut, Frieden, Ruhe…“

-„Gold, Geld, Ruhm…“

„Nein!“

-„Und da bist du dir so sicher? Warum rufst du dann mich? MICH?“

„Hilf mir zu verstehen.“

-„Du willst nicht verstehen. Du willst ändern. Du willst Dinge ändern, die nicht in deinem Vermögen stehen. Dein Können weit übersteigen. Verstehen hilft dir nicht. Einem Vogel hilft es nicht, daß er weiß warum er fliegt. Einem Menschen hilft es nur…begrenzt. Und innerhalb dieser Grenzen bewegt er sich. Das macht euch aus. Und ich bin erstaunt wie gut ihr das nützt. Ja, ich bin überrascht über das was ihr daraus gemacht habt.

Gut, das mit dem „überrascht“ ist geheuchelt…ach, du amüsierst mich.“

„Was kann ich tun?“

-„Nimm dir Zeit. Ziehe dich zurück, lerne dich kennen. Fange bei dir an. Lerne dich wirklich kennen. Deine Wünsche. Dein Wollen. Dein Verlangen. Das ist die Basis. Teile das. Lebe. Genieße den Tag. Jeden Tag. Lerne andere Menschen kennen. Lerne deinen Körper kennen. Deinen Geist. Deine Grenzen.“

„Danke.“

-„Ich bin immer da für dich. War ich schon immer.“

 

—„John?“

—–„Ja? Was ist?“

—„Im Raum 18 im zweiten Stock…“

—–„Nicht schon wieder. Hat er wirklich schon wieder die Wände beschmiert?“

—„Ja. Unglaublich der Kerl. Ich werde anraten die Dosis wieder zu erhöhen.“

[Bildquelle: Wikipedia Common, Corvo_teschio_-_Julien_Champagne]

Erinnerungen

Samstag, 17. Dezember 2016

Teambuilding. Seminarwoche.

Woche heißt es, es sind aber nur zum Glück ein paar Tage.
Von Dienstag bis Freitag sind wir jetzt schon hier.
Morgen geht’s wieder heim.
Mit Sportklamotten im Kreis sitzen und diversen Rednern lauschen.
Körperzentrierte Übungen machen.
Auf der Suche nach Kraftelementen und der „Mitte der Quelle“.
Genau. „Mitte der Quelle“.
Soll uns zu besseren Managern machen.
Als hätten wir nichts besseres zu tun.

Sitze eh schon die ganze Woche im Auto um die Großkunden
im ganzen Lande zu bezierzen doch unsere wertvollen Produkte
sich mal näher anzusehen. Von einem Kongress zum anderen.
Schauen was die Konkurrenz macht. An der Produktentwicklung
weiterarbeiten und dann noch tonnenweise Büroarbeit.
Die Arbeit bleibt liegen, nur weil ich mich hier verrenke…
…und meinem Kraftelement (sic!) Farben geben muß.

Aber es kommen wenigstens schöne Erinnerungen hoch.
An Mutter Mathy. Ich nannte sie Mutter Mathy.
Sie war wirklich wie eine Mutter zu mir.
Eine Hexe. Vor ca. 15 Jahren war ich in einer Ausbildung bei einer Hexe.
Eine wunderbare, gütige, ältere Frau.
Sah so ganz und gar nicht nach Hexe aus, wie es uns aus den Büchern vermittelt wird.
Stand fest im Leben, hatte einen Job als Therapeutin, kleidete sich modern.
Ihre Wohnung in der Großstadt wurde am Wochenende zu unserem Tempel.
Mit zwei anderen Novizinnen begann ich damals meinen Weg bei ihr.
Das Thema Hexenkunst reizte mich sehr. Schon als junge Teenagerin.
Wir wurden ja auch geradezu mit Filmen und Serien und Büchern überschwemmt.
Natürlich wollte ich auch so eine Hexe sein, mit tollen Fähigkeiten.
Die einfach nur mit dem Finger schnippt, mit dem Zauberstab schwingt…
…und meine Zauberkräfte würden die Welt besser machen.

Mathy zeigt uns die wirkliche Welt der Hexerei.
Ja, es gab Zauberstäbe und wir schnippten auch mit dem Finger.
Aber die Welt blieb dieselbe. Wir veränderten uns.
Wir reiften heran. Ich bekam mehr Selbstvertrauen. Mehr Sicherheit.
Ja, auch hatten wir Kontakt zu Göttern. Zu fremden Wesenheiten.
Zumindest nahm ich es so wahr. Ich weiß nicht…jetzt…so lange Zeit danach,
ob da nicht viel Einbildung dabei war. Viel Wunschdenken.
Götter…oder doch Halluzinationen, oder durch Wünsche das eigene Wahrnehmen verzerrt.
Ich kanns nicht sagen. Heute nicht mehr. Damals war ich überzeugt von Göttern.
Spürte Energien. Sah auch Farben, wenn Energien im Fluß waren.
Ich weiß nicht. Heute seh ich nichts mehr.
Die Götter haben mich wohl verlassen. Oder…waren vielleicht nie da.
Alles nur Psychoshit vermutlich.
Wie jetzt eben die Kraftelemente und die Suche…ja, jetzt zb nach einer Tür.
Einer Tür in einem Wald.
Ja, klar.
Hab dafür einfach nichts mehr über.

Mutter Mathy war eine tolle Frau. Hatte stets ein offenes Ohr für mich.
Sie meinte auch, damals, als ich ging…
…“Die Götter sind immer da, Süße. Immer.
Ob du an sie glaubst, sie wahrnimmst oder nicht. Immer. Und sie sind auch für DICH da.
Weil du ihre Tochter bist. Süße.“
Und sie gab mir noch einen Kuß auf die Stirn.
War mir auch überhaupt nicht böse, daß ich nicht mehr kam.
Sie meinte nur „Ich bin da, für dich, wenn du mich brauchst. Und die Götter auch. Immer.“

Mir ging es damals nicht so gut.
Ich hab den Glauben an Götter verloren.
Unselige Partnerschaften. Meine Familie war keine mehr. Ich war allein.
Und dann eben der Job. Ich stieg recht rasch auf.
Gutes Geld. Hab ein tolles Auto. Tolle Wohnung.
Hin -und wieder auch eine Beziehung. Aber glücklich bin ich schon lange nicht mehr.
Ich bekam übrigens im letzten Monat die Auszeichnung Managerin des Jahres.
Mit 37 Jahren in so einem großen Konzern schon eine Leistung.
Bekam auch einen extra fetten Bonus dafür.
Werde mir diese Ledercouch kaufen, die ich schon seit langem will…nun, ja,
wenigstens erhol ich mich dann besser.

So, Alice und Bridget gehen mit mir noch einen trinken.
Toll. Mitten am Land nach so einer Teambuilding- Woche ist das auch nötig.
Machen wir immer.
Wir sitzen nun in so einem kleinen Lokal, es ist dunkel,
fetzige Musik klingt viel zu laut aus den kleinen Boxen, die überall verteilt sind.
Ein paar junge Burschen hängen hier auch rum. Sportlich, durchtrainiert.
Fesch, gut gekleidet.
Ein paar Mädels tanzen auf der…nun, ja…das ist dann wohl die Tanzfläche,
so zwischen den anderen Tischen.
Bewegen sich gekonnt und sexy.
Trotzdem schauen uns ständig die Burschen von drüben an.

Einer kommt her. Mit Getränken in der Hand.
-„Ich bin „Will“ und willig“.
Er hat einen Grinser breit über das Gesicht.
Stellt die Gläser vor uns hin.
-„Will“ nennen mich meine Kumpels. Heiß Wilhelm.
Und ihr?“
–“Charly, Alice…und ich bin Bridget.“
Sagt Bridget. Sie hat das größte Mundwerk von uns.
-“Mädels, trinkts, das geht heute alles auf uns“
Er deutet auf seine Kumpels.
Plötzlich EINE STIMME.
Ich höre EINE STIMME.
„DON`T DRINK THAT, SARA“
Sara. Das war mein Hexenname. Sara.
Es ist eine tiefe Stimme. Eindringlich.
Auf englisch. Englisch war unsere Sprache bei den Ritualen.
Wir beruften uns auf englische Traditionen.
Ich sehe Farben. In den Gläsern.
Da sind aber keine Farben.
Ich sehe sie aber.
„POISON. SARA. POISON.“
Gift.
Bridget hat das Glas in der Hand.
„Bridget. Nicht!“
Ich schau sie an.
„Bridget, die haben uns was reingehaut. Da ist was drin.“
Bridget schaut mich groß an.
Wilhelm ebenso.
Ich steh auf. Gehe auf Wilhelm zu.
Ich berühre ihn mit den Fingerspitzen meiner rechten Hand auf der Brust.
Sehe tief in seine Augen.
Ich sehe Gewalt. Ich sehe Betrug.
„Wilhelm, Du wirst ein Glas von uns jetzt selbst trinken, dann zu deinen Kumpels
gehen, die Gläser mitnehmen und jeder von euch der damit zu tun hat wird ein Glas
trinken.“
Er nimmt das Glas und trinkt.
Er nimmt die anderen Gläser und geht zu seinen Kumpels.
„Alice, Bridget…wir gehen jetzt und fahren heim.“
Beide schauen mich entgeistert an….schauen rüber zu den Burschen.
Die sacken gerade in sich zusammen. Liegen am Boden.
Keiner rührt sich mehr.
Eine Kellnerin eilt zu ihnen.
Nimmt ein Handy aus ihrer Tasche und wählt hektisch eine Nummer.
Alice und Bridget sagen fast zeitgleich: “Ja, ja, wir fahren jetzt wohl heim.“

Und ich danke den Göttern.
Und Mutter Mathy.

 

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[Bild von Kimmo Palosaari (OpenPhoto.net) [Public domain], via Wikimedia Commons]

Das kleine Restaurant

Samstag, 05. November 2016

„Dolores….Sie heißen doch Dolores?“

Natürlich heißt sie Dolores.
Ihr nicht gerade unauffälliges Namensschild
schreit ja gerade ihren Namen in großen Blockbuchstaben.

-„Sie möchten noch Kaffee?“

„Ja, gerne. Haben sie noch was Süßes? Was mit Kirschen?“

-„Ganz frisch und noch warm…ein Stück Kirschkuchen für sie?“

„Dolores, das wäre fein.“

Ein typisch amerikanisches kleines Restaurant.
Die Leute trinken hier ihren Kaffee, der solange kostenfrei nachgeschenkt wird,
wie sie es möchten…essen eine Kleinigkeit und fahren dann weiter.
Ziemlich trostlose Gegend hier. Kleinstadt. Kaum Verkehr.
Viele große Trucks die queren und ihren Weg in größere Städte suchen.
Und die Leute kommen gerne her, weil Dolores, Suzy und Ines einfach freundlich sind
und vermutlich auch, weil sie weitausgeschnittene Blusen tragen
und einen knappen Rock und hohe Stiefel.
Ein ganz einfaches Lokal, wie 1000e andere.
Aber dieses schätze ich besonders.

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Es liegen viele Zeitspuren hier.
Ich war genau 3985403 mal schon genau hier.
Ja. Obwohl ich gerade zum ersten Mal hier bin.
Verwirrend, nicht?
Nun…ich bin ein perfektes Wesen.
Klingt hochmütig, aber wir sehen uns so. Ohne hochmütig sein zu wollen.
Ihr, ihr bezeichnet uns mit vielen Namen.
Je nach Religion unterschiedlich.
Engel finde ich persönlich witzig. Dämonen…noch witziger.
Ja, mich amüsiert sowas. Und ich habe auch Sinn für Humor.
Ich habe Emotionen, ich fühle.
Zumindest jetzt gerade in der Form in der ich mich befinde.

Ein Mann, Mitte 30, viel zu elegant für die Gegend hier gekleidet.
Letzes Mal war ich als Frau hier. Als 70 jährige Frau.
Ich spiele gerne mit meinen Formen.
Wir kommen gerne auf Besuch zu Euch.
Und ändern Kleinigkeiten.
Also…für uns sind es Kleinigkeiten.
Wir verhindern dadurch…wir nennen es schlicht „Schäden“.
Unausgewogenheiten.
Denn letztlich ist alles, wirklich alles, in einer Art von Harmonie.

In einer einzigen Stille.
Und dann beginnt alles neu. Wieder. Noch einmal. Und noch einmal.
Im immerwährenden Zyklus.

Hier, also genau hier habe ich Möglichkeiten zu ändern.
In diesem einfachen Lokal…mit einfachen Leuten.
Und genau das habe ich gerade getan.

Dolores holt mir Kirschkuchen.
Dadurch gibts eine Verzögerung dieses Mal von knapp einer Minute. Sie wird nicht von dem viel zu schnell fahrenden Auto nach ihrer Schicht erwischt, muß nicht zwei Wochen im Koma liegen um dann letztlich zu sterben.
Sie wird mit Bert ein Kind bekommen. Dieses wird studieren, das Studium aber abbrechen. Und dann in der Freizeit in einer heruntergekommenen WG gemeinsam mit Karl einen kleinen Gegenstand konstruieren, der die Fahrzeugtechnologie revolutionieren wird.
Dadurch werden 7 Kriege verhindert werden.
Und das Leben von letzlich 67 Millionen Menschen wird bewahrt bleiben.
Wenn ich das nächste Mal komme, werde ich Ines viel zu viel Trinkgeld geben….
und dadurch wird…
Ach…ich möchte nicht langweilen.

Vielleicht sehen WIR zwei uns ja einmal?

Ach, nein, was solls…ich gebe es ja gerne zu…
…..ich weiß, daß wir uns begegnen werden.

 

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[Bildquelle: Free stock photo: Restaurant: https://www.pexels.com /
Last Angel: wikimedia.commons]

Der Flohmarkt

Samstag, 01. Oktober 2016

Ich liebe ja Flohmärkte. Herumstöbern. Kleine Schätze aufstöbern.
Am liebsten habe ich alte Bücher, oder Gegenstände, die Geschichten erzählen.
Wie zb den Kerzenhalter, der angeblich einer Gräfin aus der Umgebung gehörte,
die unter mysteriösen Umständen zum Tode gekommen ist.
Creepy. Ich mag sowas.

In der Halle 7, normal eine leere Lagerhalle im Stadtzentrum,
findet einmal im Monat so ein Flohmarkt statt.
Gegen kleines Entgelt kann man hier einen Stand mieten und seine Sachen verkaufen.
Bin schon bei etlichen Ständen vorbeigegangen. Leider nichts Interessantes.
Bügeleisen. Pfffff. Sogar eine Spülmaschine hab ich gesehen. Oder so komische Figuren.
Schade.

Es sind viele Leute hier. Buntes Treiben.
Jeder auf der Suche nach dem Einzigartigen. Oder auch nach dem Gewöhnlichen,
dieses aber dafür billig. Billigst.
Gehandelt wird auch immer. Ein paar Euros weniger sind schon drin.

Ah…hier, Bücher!
Hm. Geschichtsbücher…Billige Schundheftchen. Nix dabei.
Heute wohl kein Glück.
Ha, nächster Stand. Eine witzig aussehende alte Dame.
Als wären die Jahrhunderte stehen geblieben.
Viele Falten im Gesicht, trotzdem wirkt sie freundlich.
Sie grüsst mich sogar.

-„Sie sollten sich die Dinge…näher ansehen. Schauen sie genau.“

Keine Ahnung was sie meint. Ein paar Lexika sehe ich, ja nicht unspannend,
ein paar alte Romane. Eine kleine Lampe mit merkwürdigem Muster.
Eine Decke. Ah…unter der Decke ist was.
Ich greife hin. Ein Buch.

-“Manches ist zugedeckt. Manches bleibt zugedeckt. Bücher sind zu wenig.
Aber ein guter Anfang! Ein guter Anfang.“

Ich nehme das Buch hoch. Ein schwerer Einband. Das Buch muß sehr alt sein.
Aus Leder? Die Seiten wirken unterschiedlich. Als würde das Buch aus unterschiedlichen
Seiten bestehen, aus unterschiedlichen Materialien. Teilweise ausgefasert.
Viele Zeichnungen. Komische Worte mit Feder und Tinte geschrieben.
Mehrfärbig. Handgeschrieben. Ich blättere darin herum. Keine Seitenangaben.
Wirres Zeug. Ich blicke wieder aus dem Buch hoch, will die Dame fragen,
wie viel sie dafür verlangt. Sie ist aber…
…weg.

Wo ist sie hin?

Eine jüngere Dame kommt von der Seite…frägt ob sie mir helfen kann.
„Wieviel möchten sie für das Buch?“

–“Hm. Das Buch gehört mir nicht. Woher haben sie das?“

„Nun, ja…hier unter der Decke ist es gelegen. Habe gerade noch mit einer älteren Dame
gesprochen. Ihre Mutter?“

–“Ja, die Decke gehört mir. Sagen wir 10 Euro für die Decke? Alte Dame? Nein,
meine Mutter ist zu Hause, hier war auch keine alte Dame.“

„Ich hab doch gerade noch mit ihr gesprochen. Also, wie viel für das Buch?“

–“Sie verstehen nicht richtig…das Buch gehört mir nicht, ich weiß nicht woher sie das haben.
Und hier ist keine alte Frau und ich stehe hier schon seit 4 Stunden.“

„Und was ist jetzt mit dem Buch?“

–“Nehmen sie es doch einfach mit.“

„Ich…hm….ich lasse ihnen meine Visitenkarte da, geht das? Wenn die alte Dame wieder kommt,
dann soll sie mich anrufen, und ich bringe das Buch wieder zurück, oder zahle es ihr nachträglich.

–“Geben sie mir halt 20 Euro und es passt schon.“

„Ich dachte es ist nicht ihr Buch?“

–“Was erwarten sie. Ich will Geld verdienen. Ich hab noch andere Kunden.“

Ein Herr neben mir wirkt interessiert.

—“Ich gebe ihnen beiden 50 Euro und dafür gehört das Buch mir, einverstanden?“

–“Gute Idee. Ich gebe es auch dann „der alten Frau“ weiter.“

„Wissen sie was. Ich behalte das Buch einfach. Und gehe jetzt.“

—“100 Euro. Nur für sie.“

„Das ist mir doch zu dumm. Ich gehe jetzt. Mit dem Buch.“

—“Seien sie doch nicht töricht. 300 Euro.“

Ich drehe mich um. Gehe.
Er geht mir nach.

—“400 Euro. Bar.“

„Sagen sie mal, was ist so spannend an dem Buch? Ich mein, sie werden mir
ja nicht einfach 400 Euro geben wollen, aus reiner Großzügigkeit?“

—“Sie verstehen den Inhalt sowieso nicht. Werden ihn nicht begreifen.
Nehmen sie das Geld und kaufen sie sich was schönes. Und vergessen das Buch.“

„Nein. Jetzt behalte ich erst recht.“

Seine Stimme verändert sich wird laut und gleichzeitig auch tiefer, sehr viel tiefer.

—“GEBEN SIE MIR DAS BUCH!“

Er greift nach mir, will mich am Weitergehen hindern.
Seine Hand ist kalt, aber seine Finger krallen sich kräftig in mein Handgelenk.

—“DAS BUCH!“

Ich bekomme Angst. Seine Augen…leer, hasserfüllt. Sein Blick geht durch mich durch.
Er wirkt nun größer.

Auf einmal kann ich die alte Dame wieder hören:
-“Ach, klopf ihm doch einfach mal mit dem Buch auf seinen dummen Kopf.“

Das Buch, jetzt mit der rechten Hand haltend…ich hole mit der Hand aus und…
…ja, ich hau ihm damit auf den Kopf.
Er lässt ab. Wirkt wie versteinert.
Ich gehe weiter. Blicke zurück. Er bleibt stehen, macht so ruckartige Bewegungen,
als würde er sich bewegen wollen, aber er kann nicht. Wie festgewurzelt.

Und…keine alte Frau. Hab ich mir die Stimme eingebildet?
Habe ich mir das alles eingebildet?
Aber…ich habe ein Buch in der Hand.
Ich geh mal zum Auto.
Wo…wo ist mein Auto?

Ich habe es doch hier abgestellt. Da, zwischen den zwei Bäumen.
Hier ist aber nichts. Gar nichts. Abgeschleppt?
Das gibt’s doch nicht. Bitte was soll das?
Und…hinter mir wieder der merkwürdige Typ. Jetzt reichts mir.

—“Geben sie mir einfach das Buch und sie bekommen…ihr Leben. Und ihr Auto wieder.
Und Charlotte und Sissy passiert nichts.“

WAS?

„Woher kennen Sie Charlotte und Sissy? Wer sind sie?“

Stimme der alten Dame:
-“Erste Seite, erstes Zeichen und spuck ihm vor die Füsse.“

Er wirkt wieder größer, als würde er wieder anwachsen. Steht fast vor mir.
Sein Blick wird wieder eigen.
Ich schlage das Buch auf. Blicke auf das erste Zeichen. Ein mehrstrahliger Stern.
Von Mustern umgeben und ein paar Strichen durchzogen. Und was jetzt?

-“Stell dir das Zeichen vor. Projeziere es auf ihn. Und dann…“

Ich schau mir das Zeichen nochmal an. Und…fast wie ein Wunder…
es ist so…als wäre es vor meinen Augen…als würde es vor meinen Augen
aus der Seite in die Realität gezogen. Ich sehe das Zeichen vor mir.
Und ich ziehe es zu ihm. Ich bedecke ihn damit. Und spucke auf den Boden.
Nicht meine Art…aber ich mache es.
Diesesmal schüttelt es ihn. Er fängt an zu sabbern. Seine Augen verdrehen sich
unnatürlich nach oben. Als hätte er einen Schlaganfall.

Er versucht zu reden…
aber stammelt nur.

—“WAPDBJ…WAHHH.“

Und…jetzt werde ich wohl wirklich irr.
Meine Auto steht wieder hier. Zwischen den Bäumen.
Ok. Zuhause werde ich mir wohl ein kleines Getränk alkoholischer Art gönnen…

…aber jetzt…jetzt….steig ich da mal ein und fahr.
Sowas passiert mir auch nicht jeden Tag.

Und Charlotte werde ich anrufen.

Und…ja, also jetzt mal weg hier.