Archiv für die Kategorie ‘RegenBogen’

Zwei Märchen, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 28. April 2018

Das Märchen von der Rabin und der Eule (oder den zwei Schwestern)

Dieses Märchen vertraute mir an einem Morgen mein Kristallgefährte an.
Er nannte Namen die ich ihm versprach nicht zu wiederholen.
Folgendes sagte er mir in der Sprache und im Gesang der Stille…

Bild: Veleda Alantia

Es war einmal zu einer Zeit die war und noch ist, daß sich mitten in den grünen Hügeln eine heilige Stadt erhob.

Die grosse Halle und ihre Türen standen allen offen die gerufen waren und lernen wollten.

Das Volk welches dort lebte wurde ‘die Strahlenden ‘ genannt und ihre Weisheit aus den Hainen war weit über die Grenzen bekannt.

Dort lebte am Hof des hohen Königs eine Frau mit Sternenseele. Sie und ihr Gemahl und Bruder lebten als Dreiheit.

Doch wo Frieden und Weisheit herrscht, konnte die Schattenseite im Geheimen ihre Wurzeln schlagen.

Von der Insel der Nebel in einem heiligen See kam eine junge Tochter an den Hof des hohen Königs.
Ihr Stand war schwer, den Misstrauen hatte bereits gewuchert und einige der reinen Herzen vergiftet.

An einem Abend, als sie den Heilergott gelauscht hatte, traf sie die hohe Gemahlin und Schwester des Königs. Sie fühlten, daß sie aus anderen Zeiten verwandt waren und es immer sein würden.

Die vergifteten Strahlenden wollten durch diese beiden Schwestern das Königreich einreißen. Ein Kriegshorn des Verrats war erklungen.

Den beiden Schwestern wurde es unmöglich gemacht gemeinsam sich zu wehren so schlossen sie einen Treuepakt indem die Sterne der Weisen Zeuge waren.

Und die Sterne und ihre Herren gaben ihnen die Fähigkeit ihre Gestalt im Laufe der Zeiten zu verändern.

Viele Jahre gingen vorbei…vieles geschah was vergessen wurde in den Leben.

Die Tochter der Nebel und die hohe Sternenfrau trafen sich gemäß ihrer eigenen Wege und Prophezeiung wieder.

Sie wurden zur weißen Rabin und der Eule der Nacht und gaben alles um ihre Völker zu versöhnen und zu retten, den der Krieg und Verlust hatten sie entzweit.

So leben sie nun in dieser Zeit und wandeln und handeln.

Ende

Die Geschichte von der Mondperle

Bild: Veleda Alantia

Diese kleine Geschichte hab ich erfahren, als ich mit meiner Hündin durch den Wald nach einem Regen ging.
Der Geruch von nassem Holz und feuchter Erde, die Spiegelungen in einem Regentropfen, schickten meinen Geist auf Reise..zu einem Ort wo das Flüssige kostbarer und magischer ist als jedes Juwel…

In einer Zeit im Anderswo, irgendwo zwischen hier und dort lag ein kleiner Ort. Ein junger Mann, der von vielen gemieden wurde, lief viel durch die Wälder und Felder und auch in die Stadt. Er verstand nicht warum die Leute ihn mieden, mobbten. Er hatte eine Birke als Freundin und der klagte er daß er das nicht verstand. Die Menschen achteten weniger das was mit ihnen lebte, sie umgab. Aus der Birke trat eine schöne Frau. Ihr Kleid glich der Rinde der Birke. “Suche die Mondperle. Ihre Schönheit liegt im Verstehen der Menschen und der der Anderswelt.” Sie strich ihm übers Gesicht und zeigte ihm den Schimmer der Perle. Es musste eine Kostbarkeit sein. Entrissen dem Meer.. Also ging er voller Mut zum Meer. Seine Reise dauerte viele Tage und vielen Menschen erzählte er von dieser Perle um sie zu finden..Sie schickten ihn zu Juwelieren und Messen doch auch dort war sie nicht und dem Jungen dämmerte das man diese Einzigartigkeit nicht kaufen konnte. Ja, nur zu finden aber nicht zu erwerben und zu besitzen.

Als er am Meer ankam war er traurig. Das Meer war aufgewühlt, der Himmel bedeckt. Wie sollte er da die Perle finden?

Ein junger Mann entstieg dem Meer. Ihn umgab etwas daß ihn den Jungen als Gott erkennen liess. Er sprach ihn mit Namen und um Hilfe an. Der junge Gott lächelte wissend. “Ich helfe dir. Doch erwarte daß du es dann findest wenn du es nicht mehr erwartest.” Und der Gott der Wellen gab ihm eine Brille. Als er diese aufsetzte sah er Gras..Grün. War diese Perle doch ein Teil der Erde? Lag sie in einem Feld?

Er dankte mit einer kleinen Zeremonie den Mächten des Meeres, männlich wie weiblich, und als er ging fand er noch einen Lochstein..Dies sah er als Segen und ging nun Richtung Städte und Felder. Dort hin wo viele Menschen durch ihr Leben hetzten.

Als er schon am Verzweifeln war blieb er stehen und sah auf Regentropfen auf eine Pflanze.

Der Schein war so kostbar..da war sie! Die Mondperle..Mitten im grössten Gewirr. Ein Geschenk des Wassers, der Erde. Doch nicht zum in die Hand nehmen. Nur zum Bestaunen. Diese Botschaft trug er in seinem Herzen und gab dies in weisen Worten weiter. Der Junge wurde zum geachteten Mann. Und diese Botschaft

‘Das Kostbare ist nicht zu bezahlen, da es eine Begnung der anderen Reiche mit uns im Alltag ist’  trug mir der Regen auf seine Art zu.

Ende.


Text: Veleda Alantia

Bild: Veleda Alantia

Das Märchen von der verwunschenen Burg, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 21. April 2018

Märchen aus den Nebelreichen III

Bild: Veleda Alantia

 

Diese Geschichte vertrauten mir Birken und Tannen am letzten Tag des alten Jahres an. Nach einem abenteuerreichen Weg, der mit einem Räucherkegel für die Berg und Naturgeister,der Perchta und der wilden Jagd begangen wurde, durfte ich jenes Märchen nach und nach erfahren..

Eine junge Frau, den alten Wegen wohlvertraut, ging in einem Wald spazieren. Es war ein klarer Januartag und es roch nach der Kühle der kalten Nacht vorher. Sie ging ohne einen speziellen Grund. Sie liebte den Wald und all seine Geschöpfe, sichtbare wie unsichtbare. Auf dem Weg durch den Wald wanderte sie zwischen Licht und Schatten hin und her. Schoss da ein Foto oder verweilte um mit den Naturgeistern zu sprechen. Dabei ging die junge Frau stets mit Respekt und Achtung vor.

In dem Licht, das von den dunklem Hain auf den Boden gelassen wurde, zeigte sich ihr eine Ruine. Es war ein Schloss das früher hier gewesen war. Es standen nur noch die Grundmauern und Moose und Farne, ja die ganze Natur des Waldes holte sich langsam das alte Werk der Menschen zurück.

Als sie so ging, sah sie ein Denkmal aus Stein sich mit den Kronen der Bäume vermischen. Als sie ihre Kamera erhob, hörte sie einen seltsamen Klang der von dem Stein und dem Plateau auszugehen schien.

Sie blieb und lauschte. Auch um sicherzugehen das sie nicht verrückt geworden war. Ein Wind kam auf, schüttelte die Kronen, und Blätter fielen wie Federn zu Boden.

Dort am Obelisken stand ein großer, hager wirkender Mann. Sein Haar, zu einem Zopf gebunden, war von der Farbe des Efeus. Sein Gewand war lang und liess weiße weiche Lederstiefel erkennen. War er ein Gott? Ein Geist der Burgruine? Oder gar der Geist des Waldes? Dies konnte die junge Frau nur vom Anblick des Wesens nicht sagen.

Lange Zeit sagte keiner der beiden ein Wort. Man schaute sich nur an. Ergründete die Seele voneinander. Bis das Wesen die junge Frau anlächelte. “Du bist die, auf die viele, die du noch nicht sehen kannst, gewartet haben. Doch denke nicht, daß alles einfach sein wird.” Seine Worte klangen wie eine Melodie aus einer Zeit außerhalb der Zeit. Sehr gewählt. Die Augen lächelten milde. Das Wesen sprang mit einem starken Satz zu ihr hin. Ein Duft wie von Fichtennadeln entströmte dem feinen Stoff. “Ich? Ich bin ein Mensch, was soll ich schon können.” sagte die junge Frau hastig.

“Ja, Du junge Dame. Wer denn sonst? Siehst du noch jemanden?” fragte der Anderswelthüter mit wohlklingender, eleganter Stimme.

Ohne auf weiteres nichtsagendes Geplänkel einzugehem nahm er die Hand der jungen Frau und sprang mit ihr zur Spitze des Obelisken, der als ein Mahnmal im Wald der Burg stand und wachte.

Zu überrascht um zu schreien sah sie nun den Platz aus dem Blickwinkel des Wesens.

“Sieh genau hin…dies ist einer jener Orte deren Wände dünn sind. Doch wurde er, und alles was mit ihm verbunden ist, verflucht. Eine dunkle Energie durchströmt wie Tauwasser die Wurzeln der Bäume und die Steine der Burg. Sie und alle Bewohner sind gefangen und du, Mädchen, die sieht, kannst sie retten.” Das Mädchen schluckte. Das war doch viel zuviel für sie! Und sie war allein!

“Sicher, daß du nicht geirrt hast? Es gibt doch auch andere die hierher kommen. Frag doch die!” Der Wächter lachte. Er lachte über sie!“ Ihr mit euren Beschränkungen. Dies klappt nicht..da ist es zu schwer. Dabei werdet ihr immer von uns unterstützt.” Was sollte das denn? Sie blickte zum Wächter. Sie konnte vorwärtsgehen. Das zurück schien ihr verwehrt. Und so elegant und modern der Mann wirkte, so strahlte er doch eine Kraft aus die vom Feuer der Erde und dem Wind gespeist zu sein schien.

“So genug gejammert, ich bring dich jetzt dahin wo du hin musst.” sagte der grüne Wächter und schnippte mit den Fingern.

Plötzlich war um die junge Frau der Duft von stehendem Wasser und Moos, eine Spur Pilze. Der Himmel über ihr war Wänden aus feuchtem Stein gewichen. Sie war in einer Höhle. Sie konnte sich nicht vom Fleck rühren zu gross war ihre Angst.

Ganz vorsichtig begann sie sich vorzutasten. Irgendwo würde sie schon ankommen.

Je weiter sie ging, um so tiefer schien sie zu gehen. Plötzlich roch sie frische Luft und sah Sonnenlicht und sie kam auf einem hohen Hügel heraus. Sie bemerkte an den Bäumen Zeichen. Die junge Frau untersuchte sie und der runische Zauber wurde ihr klar.

Mit einem Stock malte sie aus dem inneren Wissen ein Zeichen und ein Vibrieren und Brennen war in der Luft. Wie Eis, das unter den Schuhen knackte, brach die erste Schicht.

Ein Tor war sichtbar geworden, umrankt von Brennesseln. Wieder ein Schutz wie die junge Frau erkannte.

“Geist der Brennessel, bitte hör mich. Ich bin hier um zu lösen was gebunden ist. Nimm deine Stacheln und richte sie auf den, die den Fluch um diesen Ort wirkten.” Zuerst schien gar nichts zu passieren. Dann zog sich der Brennesselgeist zurück.

Die zweite Schicht war fort. Sie schritt mutig durch das Tor und fühlte sich von ihren Verbündeten umgeben und gestärkt.

Vor ihr kam ein Brunnen, der unter einem Weißdorn stand. Was sollte sie tun?

Sie trat näher und sah hinein. Alle Gewalttaten die Menschen einander antun wurden ihr gezeigt. Sie wollte schreien und sich abwenden, fühlte sie den Schmerz der Erde, der Tiere und Menschen. Alles schrie.

“Ich bin anders! Ich hab mich der Heilung und Verwandlung geweiht!“ rief sie weinend.

Aus den dunklen Wassern blickte sie nun eine Frau an. Das Haar silbern. Die Augen wie die Tiefe des Meeres. Eine Hand streckte sich ihr entgegen. In der Hand drei kleine Steine.

“Lege sie nach deinem wahren Willen um die Burg. Die Geister und Wesen dadrin werden von dem Fluch befreit, denn dein Mitleiden war der Preis. Tue dies und geh mit meinem Segen.”

Dankend nahm sie die Steine und tat wie geheissen. Sie konnte fühlen wie der Hass und Angst aus den Steinen wich. Glücklich und mit Tränen in den Augen dankte sie dem Wächter den sie nur noch im Traum sah.

Ende

Autorin: Veleda Alantia
Bild: Veleda Alantia

Begegnungen, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 07. April 2018

Bild: Veleda Alantia

Tee trinken

“Hör mir zu, das passt mir grade nicht. Ich war nur duschen! Da kann ich jetzt nicht. Der Tag war lang und eigentlich hab ich keine Lust jetzt mit dir zu reden!” empöre ich mich, in mein flauschiges Mikrofaserhauskleid gekuschelt.

Doch Sie lächelt nur. Nachsichtig wie eine Mutter und hinterhältig wie ein Fuchs. Ihre Augen ruhen auf mir. “Bist du fertig?” fragt sie mich und setzt sich einfach. Auch sie trägt einen Bademantel, doch sieht der fast schon robenhaft aus. Und ein Duft wie vom besten Männerparfum umweht sie.

“Wie soll das denn zusammen passen? Spiegelst du jetzt meine Vorlieben mit Männerdüften?” Ich stell eine zweite Tasse einer Kräutermischung hin. Nix mit Anrufung und Kerzenlicht. Warmes LED tuts wohl auch. Sie kichert. ”Ich bin wie du. Und ich bin nicht nur die pure Weiblichkeit. Du kennst doch meinen Sohn..Er ist auch ein bisschen ver-rückt. Denkt nie, daß wir so sind wie ihr erwartet. Wir sind immer bei euch. Sind Naturgewalten der Verwandlung. Nicht jeder Tag und jeder Mond ist gleich.”

Aufgrund dieses philosophischen Ansatzes kapituliere ich und nehme die Situation also hin.

“Was möchtest du?” Sie schaut mich an als hätte ich eine kindliche Frage gestellt. “Nichts. Du gibst mir doch schon alles. Ich weiß, daß du`s nicht leicht hast. Doch dafür gibst du immer das Wichtigste. Dein Vertrauen und deine Liebe.” Auch wenn sie von Liebe spricht so ist sie mehr. Eigentlich alles. Und alles von ihr ist in allem. Also auch uns.

“Schön, du lernst schnell. Ich habe sehr viel Freude an dir. Mach weiter. Denn du kannst. Und du wirst. Vertrau weiterhin. Und achte die Rhythmen”

Der Tee ist leer. Ich setzte neuen auf. Doch sie ist weg. Scheinbar….


Im Café

Lang war die Woche. Hart und anstrengend. Unter all der Arbeit hatte sie sich fast selbst vergessen. Deswegen nahm sie sich jetzt Zeit und die Muse hier nur zu sitzen, einen guten Kaffee zu trinken und zu beobachten.

Sie merkte nicht wie sich ein von Alter schwer einschätzender Mann zu ihr gesellte. Ein Duft von Lorbeer und Fichte begleitete ihn unaufdringlich.

“Immer in Gedanken.Wenn man nur denkt überhört man das Lied der Erde und die Harmonie der Welten.” Er lächelte sie an und erschrocken sah sie zu ihm.” Sie..kennen mich doch nicht so etwas zu behaupten.” //Spinner!//dachte sie sich. Aus dem Lächeln wurde ein Kichern.

“Überrascht es dich mich hier zu treffen?“ fragte der Mann. Kurz fühlte die Frau sich in einen tiefen Wald versetzt. Voller uralter Eichen, Efeu und tiefen Mooren. Ein Reif aus Efeu lag auf den gewellten Haaren des Mannes, in seiner Hand ein kurzer Stab mit Runen bedeckt. Dann verschwand der Eindruck.

“Ihr denkt wir liegen im Krieg miteinander. Dabei sind wir wie eine Familie. Zwar haben wir unsere Unterschiede doch verbindet uns mehr. Es ist gleich ob ihr euch von uns auf dem Olymp, dem Norden, der Wüste Ägyptens oder den Neuen öffnet. Das einzig Beständige ist die Wandlung. Nie bleibt alles gleich. Doch werden wir euch immer zur Seite stehen. Denn ihr gehört zu uns. Mit all euren Zweifeln, Fehlern und Gaben. Lebt sie …mit allen Facetten.”

Sie wollte ihn grade auf einen Kaffee einladen da war der seltsame Mann, der eine Maske eines Gottes war…verschwunden.

Bild: Veleda Alantia

Bilder und Text von Veleda Alantia

Der Nekromant – Fortsetzung, geschrieben von XVII

Samstag, 31. März 2018

 -“Bist du soweit? Chad? Bist du soweit?“ Iver steht rechts knapp hinter mir. Ob ich soweit bin.

Sein Tonfall wirkt harsch, fordernd.

Gerade noch waren wir in Salzburg…Flowers und ich haben Iris abgeholt.

Die Fahrt war..nun, ja…lustig, unterhaltsam.

Bißchen wie ein Schulskikurs bei dem sich zwei alte Freundinnen getroffen haben.

Es war natürlich sofort klar, daß Iris vorne sitzt, neben Flowers.

–“Shotgun“ hat sie gerufen…mich zum Rücksitz bugsiert und sich lachend auf den Beifahrersitz fallen lassen.

Flowers hat sie mal ein paar Minuten lang umarmt…und dann ging die Fahrt schon los.

Die beiden Damen haben sich über alte Geschichten unterhalten…so „weißt du noch…damals und wie wir…hahaha…und dann…wuahahaha“…und die andere dann…“ja, genau…hihi…und wir…haha“

Schulskikurs.

Ab und an haben sie nach hinten geblickt…Iris hat manchmal mit Flowers über mich gesprochen, als wäre ich gar nicht da…aber später hat sie dann auch begonnen von sich zu erzählen, hat auch persönliches mit mir geteilt und war auch dann locker zu mir.

Sie ist schon in Ordnung. Kam mir halt so vor wie…Revierabstecken und Hierarchien bestätigen.

Aber eben letztlich…passt schon. Ich glaub` sie hat schon das Herz am rechten Fleck.

-“Chad?“

Ich nicke kurz.

Dann haben wir Iver abgeholt, der sich noch rasch `nen Mantel übergeworfen hat und dann sind wir schon direkt hierher gefahren.

Hierher. Uff. Psychiatrie. Das hier ist eine Psychiatrie.

Iver ist von mehreren weißbekleideten Herrschaften schon erwartet worden.

Einige Wortfetzen bekam ich mit…in denen es stets „Herr Professor…“ hieß.

Wir wurden als sein Team vorgestellt. Bekamen auch weiße Mäntel.

Mit dem Lift gings in den dritten Stock. Weiße leere Gänge.

Einzelne Betten, die auf den Gängen standen. Sonst leer. Und erschreckend leise.

Gemeinsam sind wir auf eine Tür zugesteuert.

Iver wurde kurz instruiert. Bekam die Krankenakte in die Hand gedrückt.

Wir öffneten die Tür. Ein kleines Zimmer. Ziemlich leer. Kein Fenster.

Mittig ein Bett. Darin ein junges Mädchen. Ich schnappe auf, daß sie wohl gerade mal 16 sei. Dann noch ein kleiner Tisch. Davor ein Sessel. Ein Nachtkästchen. Und irgendein medizinisches Gerät.

Lina heißt sie. Sie liegt in dem Bett. Fixiert. Venenzugang. Zwei Infusionen hängen über ihr.

Iver sagt den anderen Ärzten, daß er mit seinem Team ungestört sein will.

Das wird überraschenderweise akzeptiert…Wir sind nun alleine mit dem Mädchen im Zimmer.

Iver sagte noch zu Flowers: -“Du achtest bitte darauf, daß wir auch wirklich ungestört sind, ja?“

Iris, Iver und ich. Und das Mädchen. Ein Bett. Sie darauf fixiert.

-“Chad…brauchst du noch was? Oder…“

Ich denke nach.

„Ja, einen starken Geruch, etwas was stark riecht.“

-“Iris?“

Iris gibt mir ein kleines Fläschchen. Unbeschriftet.

Ich stelle es auf das kleine Nachtkistchen und rücke dieses vom Bett weg.

Ich schau mir das Mädchen an. Ihr Nachthemdchen ist vollkommen durchnässt.

Sie selbst zuckt leicht. Ein leichtes Vibrieren am ganzen Körper.

Man bemerkt das aber am stärksten bei den Händen und Füssen.

Ich prüfe ihren Puls. Das Herz schlägt schnell.

Ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht und lege meine Hand auf ihre Stirn.

Ich versuche wahrzunehmen. Mich selbst frei zu machen und wahrzunehmen.

Was kommt. Was kommt….

„Die Infusionen. Wir sollten die Infusionen kappen.“

-“Iris, hol bitte Flowers, die soll das machen.“

Die Stirn ist kalt. Auch schweißig.

Das Mädchen selbst sieht nicht mich an…es sieht durch mich hindurch.

Manchmal rollen auch ihre Augen umher. Und sie öffnet und schließt rasch ihre Augenlider.

Flowers kommt. Mit ein paar gekonnten Handgriffen befreit sie das Mädchen von den Infusionen.

Sie vergewissert sich noch ob sonst noch Hilfe von ihr gewünscht wird…und geht dann wieder nach draußen.

Rasch kommt eine noch größere Unruhe in das Mädchen.

-“Chad, was siehst du und was hast du vor zu tun?“

Iver, mein großer Lehrmeister, setzt mich unter Druck. Er selbst ist vollkommen ruhig.

Das ist schon mal gut…und seine Ruhe geht zum Glück auch etwas auf mich über.

„Ich könnte aus dem Rituale Romanum….“

Chad unterbricht mich gleich.

-“Bist Du Christ?“

„Nein, aber…“

-“Jetzt schau mal genau hin.“

Ich lege ihr nochmal die Hand auf die Stirn.

Der Kopf zuckt hin- und her. Sie rüttelt am Bett.

Iris macht hinter mir einen tiefen Atemzug.

Mist. Ich weiß es nicht ich weiß es nicht. Ich sehe da….nichts…ich….

—“Chad? Jetzt mal ganz ruhig. Ganz ruhig. Du kannst das. Außerdem sind wir bei Dir. Frag Iris ob sie dir helfen kann.“ Flowers. Flowers schickt mir diese Gedanken. Ich höre Flowers deutlich, als stünde sie vor mir, obwohl sie tatsächlich gerade irgendwo draußen vor der Tür ist.

„Iris kannst du mein Wahrnehmungsfeld bitte erweitern?“

Ich muß einen verdammt flehenden Blick drauf haben.

Ein kleines Lächeln kann ich im Gesicht von Iris erkennen.

Sie macht einen Ausfallsschritt, legt ihre rechte Hand nach vorne, ihre linke nach hinten…zieht mit der rechten einen Kreis…einen Kreis…der sich manifestiert.

Ich sehe einen Kreis. Nein, vielmehr so etwas wie einen Wirbel. Der Wirbel stülpt sich über das Mädchen…wird größer weitet sich links und rechts neben dem Bett aus.

Ich schau in diesen Wirbel hinein. Sehe viele Leute. Menschen die wirr durcheinander gehen.

Wie…wie in einem komischen Zombiefilm. Einer schaut aus dem Wirbel hinauf, sieht mich, schreit. Das Mädchen beginnt auch zu schreien. Die anderen gehen ungestört weiter hin- und her.

Ich bin versucht in den Wirbel hineinzugreifen und den Schreihals zu greifen…Iver hindert mich.

-“Nein. Du bleibst hier. Die Gefahr ist zu groß. Handle von hier.“

Und dann…als hätte ich einen Eingebung…beginne ich auch zu schreien.

Ich stimme mich auf das Klagelied der Zwei ein.

Wir schreien in einer Art von Harmonie. Wir schreien gleichsam. Egal was wir beschreien, aber es ist dasselbe. Es wird zu einem Schrei. Einem einzigen Schrei. Den ich langsam übernehme. Es ist als würde ich den Schrei dirigieren. Ich werde langsam leiser. Und die zwei werden leiser. Es dauert ein paar Minuten…bis wir alle erstummt sind. Das Wesen im Wirbel schaut mich noch kurz an…und wandert dann wie alle anderen da unten auch wieder hin- und her. Ohne Blick nach oben.

Das Mädchen ist vollkommen ruhig.

Der Wirbel wird kleiner…und verschwindet.

Ich bin fix und fertig.

-“Gut gemacht, Chad. Ungewöhnlich, aber gut.“

Ich setze mich auf den einen Sessel.

Flowers kommt herein.

—“Das war gut, Chad. Wirklich.“

„Ohne Iris…“

–“Ach, das hättest du auch ohne mich hinbekommen. Vielleicht auch mit dem Rituale Romanum. Hätt` dich gerne da jetzt ne Stunde lateinische Texte zitieren gesehen…“

Sie lächelt.

Flowers überprüft die Vitalfunktionen von dem Mädchen. Eine Infusion schließt sie wieder an.

—“Die braucht sie noch, ist besser so. Die andere können wir aber lassen.“

„Was ist jetzt mit dem Mädchen, ist sie jetzt geheilt?“

-“Nein. Aber du hast im wahrsten Sinne des Wortes…eine Stimme in ihr…zum Schweigen gebracht. In den nächsten Sitzungen wäre es hilfreich…zb. Was du als Menschen gesehen hast, die hin- und hergehen…diese in die gleiche Richtung gehen zu lassen…und dann nach und nach, wenn die Szenarie dem tatsächlichen Geiste des Mädchens entspricht, wird sie wieder völlig gesund sein…was gesund auch immer sei. Die meisten Menschen sind „gesund“ und es rennen ein Haufen von Wesen hin- und her. Oder liegen. Oder spielen miteinander. Also in dieser Art der Wahrnehmung gesprochen.“

—-“Könnte ich….könnte ich bitte ein Glas Wasser haben?“

Das Mädchen schaut mich groß an.

Jetzt erst sehe ich, daß auch ein kleines Waschbecken im Raum ist. Ein Spiegel und eine Ablagefläche mit einem Plastikbecher. Sofort gehe ich dort hin…fülle den Becher.

Flowers löst die Fixierungen. Das Mädchen setzt sich auf.

Ich reiche ihr den Becher.

Sie trinkt ein paar Schlucke recht hastig.

Während dem letzten Schluck beginnt sie schon zu reden und verschluckt sich fast…

—-“Wo…wo…bin ich? Ich bin Lina.“

„Hi, Lina. Ich bin Chad. Schön dich kennen zu lernen.“

Ich lächle sie an…und meine Augen werden leicht feucht und ich fange fast zu heulen an.

———-Fortsetzung folgt——

Bild: Rituale Romanum von Eaden, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41394407 This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Text: XVII

Von der Frau im Wald, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 17. März 2018

Von der Frau im Wald
(Märchen aus Avalon 7)

Tief im Harz, in den Waldschluchten am Brocken lebte eine weise Frau. Sie war schon sehr alt und hatte viele Kinder zur Welt gebracht, Menschen über die Schwelle geleitet. Sie lebte lieber allein, da war sie ungestörter. Jedoch wenn man sie rief, erschien sie immer, da man sie brauchte.

Eines Tages, es neigte sich gerade die Sonne in den späten Nachmittag, wurde die alte Frau von einem kleinen Jungen gerufen. Ein Baby wurde erwartet und die Mutter hatte es schwer.

So ging sie los, durch die Schluchten des Harzwaldes. Vorbei und mit den Findlingen plauschend, sich Rat vom Wind holend. Begleitet wurde sie von den Tieren und den Geschöpfen des Waldes, die für uns heute unsichtbar geworden sind. Deswegen hatte sie keine Angst allein zu gehen. Sie war ein Teil des Waldes, ein Teil von Mutter Erde, so fühlte sie sich nie allein.

Bild: Veleda Alantia

Auf dem Weg pflückte sie Frauenmantel, Brennessel und etwas Eichenrinde. Immer wenn sie etwas nahm, gab sie etwas. Zu einer guten Beziehung gehörte sich das. Immer näher kam sie dem Dorf. Als sie am Fluss war, hörte sie drei alte Frauen reden. Sie wuschen ihre Wäsche in den Wogen des Flusses. “Diese Kräuterfrau ist sonderbar. Zwar ein Teil von uns, doch so selbständig. Fügt sich ins Dorfleben nicht richtig ein.“ Die ,die das sprach besaß eine dicke Lippe.

„Jaa..immer kommt und geht sie.
Hält sich nur an ihre eigenen Regeln.
Spricht vom Herzen weg und schweigt wenn es nötig ist.“ sprach die zweite alte Frau mit einem dicken Daumen.
Die dritte kicherte übers Wasser.
„Ja, sie ist eine komische Alte, allein im Wald.“ Die letzte hatte einen dicken Zeigefinger.
„Ich grüße euch, ihr weisen Spinnenfrauen.
Dank euch weiß ich, daß mein hartes Leben Sinn macht und ich das tue, was ich geschworen habe unter den Sternen.“
Sie verneigte sich und ging leichten Schrittes weiter.
Eine neue Erdenseele wollte wiedergeboren werden und sie musste sich beeilen.
Endlich erreichte sie das Dorf und die Hütte der Gebärenden.
Die Frau aus dem Wald begann ein Geburtslied zu singen und setzte die Kräuter zu einem stärkenden und schmerzstillenden Trunk auf.
Mit geübten Griffen und Wissen aus den Knochen holte sie ein kleines Mädchen zur Welt.
Das Kinde auf dem Arm trat sie hinaus unter das Sternenzelt.
„Ich weihe dich mit dem Licht unserer Großmutter Mond.
Dem Atem deiner Ahninnen des Waldes,
dem Wasser des Lebens,
dem Feuer des Ofens.
Sei Willkommen kleine Seele, willkommen zurück!“
Freude erfüllte das Heim der Eltern und sie aß und trank mit ihnen und warf ihnen dann noch die Geburtsrunen.

Bild: Veleda Alantia

„Nautiz. Sie wird die Kraft haben Not zu wenden.
Ansuz und Eilaz. Sie wird eine große Frau auf den Wegen sein, die vor ihr beschritten wurden.
Sie wird ein Teil der Schwesternschaft der Verborgenen sein.“ prophezeite die Frau aus dem Walde. “Ich werde über sie wachen und sie lehren was ich weiß.
Wenn die Zeit reif ist und unsere Mutter mir das Zeichen gibt.“
Mit Brot und Salz als Dank verliess sie das Haus .
Auf dem Weg in den Wald zurück dachte sie an die Spinnenden.
Ob sich da die Nornen gezeigt hatten?
Egal wer es war, diese Drei waren der Urgrund und ein Teil des Ursprungs. Zuhause kümmerte sie sich noch um ihr Gemüse im kleinen umzäunten Garten.Butterte noch etwas und trug alles in ihr Buch der Geheimnisse ein.
Die Zeit verstrich.
Das Mädchen wurde zu einer Frau.
Neugierig, offen, stellte sie viele Fragen.
Gerne verbrachte sie Zeit bei der Alten im Walde.
Sie rann mit den Hirschen umher, lernte sich anzufreunden mit den Elementen und Mutter Erde.
Kein Wild im Wald war ihr fremd, weder Stein noch Pflanze mit deren Hilfe sie zu heilen wusste.
Und wie die Runen vorhergesagt hatten, fand das Mädchen ihren Platz im Lebensnetz.
Doch auch wenn unser Schicksal uns zu unserem Platz im Lebensnetz weist, so kommen neue Abenteuer und ewiges Lernen auf uns zu.
Die junge Frau begann sich auf ihren Erfolgen auszuruhen.
Bald vergass sie die Weisheit ihrer Knochen.
Vergass den Gesang im Blut, der der Gesang ihrer Ahninnen war.

Sie verlor die Lust, verliebte sich.
Doch machte diese Beziehung sie zu einer Gefangenen. Ihre Eigenständigkeit gab sie auf. Der Hirsch und die Bärin sahen nach ihr, die Raben sprachen zu ihr, immernoch. Doch wollte sie es nicht mehr hören.

Ihr Partner starb bei einem Jagdunfall, er hatte nicht auf die Gesetzte der Natur geachtet und zur Unzeit gejagt.

So war sie allein.
Mit sich und dem was ihr hinterlassen wurde.

Als ihre Lebensflamme fast verlöscht war träumte sie. Immer und immer wieder. Es war ein Ruf und sie musste ihm folgen. Sie ging zur Hütte, entschuldigte sich bei ihrer alten Lehrerin. Sie lernten zusammen zu vergeben, aber auch ihre Stärke aufzubauen. Später erbte die Frau das Buch der Geheimnisse und vergass nie mehr auf den Gesang der Sterne, des Blutes, der Knochen zu lauschen.

By Veleda Alantia

 

Bilderquelle: Veleda Alantia