Archiv für die Kategorie ‘RegenBogen’

Das Begräbnis, geschrieben von XVII

Samstag, 17. Februar 2018

 

Was für ein schöner Tag! Was für ein verdammt schöner Tag. Herrlich…die Sonne!

Die Strahlen werden von den Blättern der Bäume aufgefangen und…und ich hier,

da würde ich doch wirklich lieber Fotos machen oder im Wald spazieren gehen.

Eingang beim Friedhof.

Es sind ganz schön viele Leute hier. Alle in Schwarz.
Also fast alle…Charlotte kann ich da sehen,
die bei den anderen Freunden steht…stilgerecht in Regenbogenfarben gekleidet.

Ich kanns zwar von hier nicht ausnehmen, aber ich bin überzeugt sie hat auch irgendeinen pinken oder grellgrünen Lippenstift.

Ich werde mal langsam zu den anderen rübergehen.

Ah…da…der alte Herr, der die Blätter mit seinem Rechen auf die Seite kehrt…ich glaub das ist der Friedhofswärter. Ich gehe ihm entgegen. Er schaut auf.

-“Jungchen, du auch hier?“

Ja, kenn ich den? Ich bleib bei ihm stehen.

„Jungchen?“

-“Es ist selten, daß jemand von euch hier auch wirklich vorbeischaut.“

„Wie meinen sie das? Es ist doch alles voll hier?“

Ich deute auf die zahlreichen Gäste.

-“Ja, ja, sicher….“

Er zieht eine Augenbraue hoch…und kehrt weiter.

Na, sowas brauch ich…Merkwürdigkeiten.

So, endlich bei den Freunden.

–“Er würd sicher zu seiner eigenen Beerdigung zu spät kommen.“

Das war jetzt Elfie. Ich mag Elfie. Sie konnte wirklich in den schlimmsten Momenten irgendwas daran hübsch oder lustig finden. Gerade eben…sie fängt an zu weinen. Ist wohl nicht so ein Moment. Karl legt seinen Arm um sie.

Ja, genau Karl, gute Gelegenheit sich endlich an sie ran zu machen, du lässt auch echt keine Gelegenheit aus.

„Na, wenigstens kommen wir mal so zusammen, wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen.“

Ich wollte irgendwie die Stimmung auflockern.

Hans…wiederholt mich fast im Wortlaut.

—“Schön, daß wir wenigstens so zusammen kommen. Wir sehen uns zu selten.“

Das macht er ja gern. Gut, gibt meinen Worten bißchen mehr Gewicht, aber ich konnte so recht diese Art von ihm nicht verstehen. Er gibt einfach gern was von sich, was gar nicht von ihm kommt. Und verkaufts dann als seine Idee. Aber sonst…ich kann nichts sagen, er ist schon ein cooler Kerl, der sonst das Herz auch am rechten Fleck hat. Jeder hat halt so seine Eigenheiten.

Charlotte meldet sich zu Wort…und sie sieht wirklich aus wie ein Vogel aus dem Amazonas…

—-“Wirds nicht…Zeit, daß wir reingehen? Zum Sarg, oder so? Ich mein…wir können hier ja auch nicht ewig…und…es ist ja sowieso unvermeidlich.“

–“Gut, Charlie…gehen wir langsam rein.“

So trotten wir mal Richtung…ja, wie nennt man das eigentlich?
….Aufbewahrungshalle?

Ein Haufen Leute schon da drinnen. Musik spielt.

Oh…sehr cool….so 80er Musik…und Ska! Eine gute Wahl. Würde mir auch gefallen.

Betretene Gesichter. Ich weiß nicht, warum alle bei so Begräbnissen immer so traurig sind.

Ich sag immer…das soll eine Feier sein! Ändern kann mans eh nicht. Und den Zeitpunkt selbst kann man sich doch auch nur selten aussuchen. Eine Feier zu Ehren des Toten.

Die Etrusker tanzten auf den Gräbern…genauso sollte es sein. Eine große Abschiedsfeier und ab und an ein Glas am Grab des Verstorbenen heben…so….genau so.

Na, super…jetzt hab ich die Rede von dem Sprecher voll verpasst, so in Gedanken versunken.

War kurz, sehr kurz offenbar. Ein paar lachen sogar, also muß am Schluß wohl noch ein Witz dabei gewesen sein…ah…Elfie geht jetzt auch vor. Will wohl auch noch ein paar Worte verlieren.

–“Er war schon…ach was soll ich euch sagen, ihr kanntet ihn ja…unzuverlässig, ist am Leben irgendwie vorbeigegangen, hatte kaum Struktur, nie einen ordentlich Job, oder nur kurz…und er war jemand, der dem Leben und dem Lebenssinn nachjagte…stets auf der Suche. Aber er war jemand, dem man alles erzählen konnte…und er hatte nicht nur ein Ohr offen, sondern zwei. Und er half mir immer wieder aus düsteren Lagen und Stimmungen, obwohl ich immer so tat, als wäre ich die Lustige und würde alles locker nehmen. Er hat mich verstanden. Er war einfach ein verdammt guter Freund…den ich sehr vermissen werde und ich wünschte ich könnte ihm sagen wie wertvoll er für mich war. Und ist. Ich hab die Feier heute ja auch organisiert und…wir werden ihm zu Ehren heute feiern! Es dürfen Tränen fließen, keine Frage, aber wir werden unsere Gläser erheben, am Grabe, und werden ein paar Raketen abfeuern. Ich hab alles mit der Stadtgemeinde arrangiert. Also, werte Gäste, keine Bedenken, wir werden ihm zu Ehren ein kleines Feuerwerk abbrennen, so hätte er es sich gewünscht.“

Na, das ist mal ein Begräbnis nach meinem Geschmack. Seeehr cool.

Ich mochte ja Begräbnisse gar nicht. Ich finde auch…man solle ja nicht dann auf einmal meinen, ach ich hätte das und jenes ihm oder ihr noch so gerne gesagt oder mit ihm oder ihr unternommen…pffff…bitte…dann ists doch einfach zu spät. Das Leben leben.

Mit den Leutchen um einen herum.

So…jetzt begleiten wir bereits den Sarg Richtung Grabstätte.

Zum Glück nicht weit…und hier wieder der Friedhofswärter. Laub kehrend.

-“Jungchen, wie findest du` s?“

Wie eigenartig.

„Ja, schön. Wir werden sogar Raketen anzünden. Und am Grab etwas trinken. Wollen sie auch ein Glas?“

-“Ach…ich gehe einfach meiner Pflicht nach. Das Rundherum hier, das ist nicht so meine Sache. Aber feier nur. Hab Freude.“

Wir stehen am Grab. Viele Kränze. Der Sarg ist schon hinuntergelassen worden.

Und tatsächlich Elfie hat schon mehrere Flaschen Sekt stehen, wie zu einer Neujahrsfeier…und teilt Gläser aus.

Und Charlotte…Charlotte fängt auf einmal zu singen an.

Laut. Aber sie kann singen…das kann sie wirklich, der Regenbogenfalter.

Wie schrill…sie singt „Girl from Ipanema“. Sehr cooles Lied.

Es lockert aber wirklich die Stimmung. Ein paar lächeln jetzt sogar.

Und prosten sich gegenseitig zu. Ein paar schütten absichtlich ein bißchen was von ihrem Glas ins Grab. Und murmeln dazu etwas.

Karl richtet das Feuerwerk her. Zisssssssssch….BUMMMMMM.

Man sieht natürlich nicht viel, es ist mitten am Tag…und das hätte ich denen hier sagen können, daß man dafür spezielles Tagesfeuerwerk braucht…welches nicht umsonst so einen Namen hat.

Aber so….auch cool. Ein paar kräftige Farben sind trotzdem zu erkennen.

Endlich mal ein anderes Begräbnis. Nicht so fetzenlangweilig.

Nein…cool.

Der Friedhofswärter nähert sich mir wieder.

-“Ist was besonderes heute. Tolle Freunde. Hat nicht jeder. Das kann ich dir sagen.“

„Ja, es ist echt schön. Gefällt mir.“

-“Es wird aber langsam Zeit.“

Er macht eine einladende Geste….

„Zeit…Zeit wofür?“

Ich verstehe nicht. Schaue meinen Freunden zu….sie lachen nun alle…und witzeln.

Und noch eine gewaltige Rakete, die mit einer Wahnsinnsexplosion eine Fülle an bunten Farben in den Himmel streut. Die letzte Rakete.

-“Kommst du?“

Ellie hat einen großen bunten Luftballon in der Hand…auf dem mein Name steht.

Sie fängt zu reden an…

–“Wir wollen dir noch zum Abschied diesen Ballon gen Himmel schicken. Hab, wie der Ballon…eine tolle Reise…und dort, wo du angelangen wirst, habs gut dort..und, verdammt wir sehen uns wieder. Machs gut. Und…wir werden jetzt hier auf deinem Grab tanzen.“

Sie lässt den Ballon los. Er steigt ganz langsam hoch….alle schweigen.

Bis er nicht mehr sichtbar ist.

Charlotte fängt wieder zu singen an….und ein paar schwingen ihren Körper zunächst dezent im Takt.

Und ja…tanzen dann letztlich sogar. Schön.

Ausgelassene Stimmung…so wie ich es mir gewünscht hätte.

So…wie…

-“Kommst du?“

Er lächelt. Ich beginne zu verstehen. Nein…es ist nicht der Friedhofswärter.

Und ich nicht nur Gast.

„Ja, ich bin soweit.“

Und wir gehen langsam Richtung Ausgang.


Autor: XVII

Bild:  By Whippetsgalore – CC BY-SA 4.0, commons wikimedia

 

Vom Kaffee zum Tee, Autorin Veleda Alantia

Samstag, 10. Februar 2018

Vom Kaffee zum Tee

Sie hatte noch den Geschmack ihres Latte Macchiatos auf der Zunge, als sie sich beeilte um die Bahn zum Park zu bekommen. Das leicht Bittere, was sie nicht mochte hatte sie mit viel Karamell übertüncht. Kaffee war ihre Göttin, doch huldigte sie ihr nie bewusst. Immer nur im Vorbeigehen.

Sie schaffte die Bahn nicht mehr und leise schnaufend glitt sie in den schwarzen Tunnel.

Was sollte sie jetzt tun? Sie könnte sich noch einen Kaffee holen und warten. Oder…

Ein kleines Plakat wies auf ein Teehaus im Stadtpark hin. “Chadô..” las sie laut. ”Dem Weg des Tees folgen.” Einen Weg des Tees? War Tee nicht langweilig und oft so bitter, daß er nur mit viel Zucker zu ertragen war?

Doch etwas bannte ihren Blick darauf und so lief sie los.

Im Gehen bemerkte sie die Natur der Stadt. Grüne Orte und Steinarragements wie bei einem Zengarten. Nur deutlich feiner. Wahrer. Echter.

Der Park war leicht zu finden, immerhin lebte sie schon lange in der Stadt am Fluss. Der Duft von Regen und Flieder und anderen Blüten lag noch in der Luft als sie den Schildern folgte. Immer abgeschiedener wirkte alles..wie aus der Welt gefallen. Ein süßlich bitterer Duft ging von dem niedrigen Häuschen aus.

Der Weg war aus grossen Steinen und sie folgte ihm. Beim niedrigen Eingang, der verhangen war mit kleinen Tüchern, verharrte sie kurz. Was tat sie nur? Ihr Herz klopfte, als störe sie ein heiliges Ritual in einer Kathedrale.

Nur, daß diese Kathedrale aus Ahorn und Fichte, Bambus und Metall bestand. Sie nahm all ihren Mut zusammen und trat hindurch, in das von Dämmerlicht gewirkte erfüllte Räumchen. Eine junge Asiatin bat sie höflichst Platz zu nehmen und sie setzte sich. Um sie herum war eine Fülle an Teegegenständen und Schalen.

Intressiert blätterte sie die Karte durch. Matcha… Sencha…klangen wie ein Singsang in ihr und die Geschichte dazu faszinierte sie sehr.

So bestellte sie sich Matcha und wartete .Gespannt wie bei einer heiligen Feier.

Es dauerte etwas und die Bedienung kam wieder mit einer grossen Schale, einem Besen und einem Pulver, sowie einer Kanne.

Warum war sie hier und nicht bei dem Kaffeegiganten aus München? Sie seufzte und beobachtete wie die andre Frau die Schale behandelte. Mit grosser Sorgfalt rührte sie Wasser und Pulver zusammen bis es giftgrün und schaumig war. Dann, in einer anmutigen Bewegung stellte die junge Frau die Schale vor ihr hin. “Geniesst den Tee und den Moment.” sagte sie wie eine Priesterin.

Ängstlich nahm sie die unebene Schale in beide Hände. Grüne Süße und Bitterkeit erfüllten ihren Mund und weckten ihren Geist.

Alles ist im Chadô enthalten. Eine ganze Schale Menschlichkeit und die Heiligkeit des Alltags.

Nun verstand sie diesen rätselhaften Satz in der Teekarte. Dankbar, daß sie hier hergefunden hatte trank sie andächtig weiter bis die Chawan leer war.

Geschrieben von Veleda Alantia

Bilder: Wikimedia, caffe machiato by Takeaway / Kaffeetassen by Hendrike (1998)

Imbolc ’18, von Veleda Alantia

Samstag, 03. Februar 2018

Die erste Wärme der Frühlingsonne,
in den Bäumen steigen erste Säfte.
Imbolc entfaltet seine Kräfte.

Die ersten Vögel singen ihr Lied,
gegen die verblassende Nacht,
Brighid komm zu uns,
teil mit uns deine Macht.
Aus der Anderswelt,
wo der Quell auf der seligen Insel,
Feuer im Wasser,
und erhält.

Bringt herbei die Kreuze aus Stroh,
Ritualbrot und andere Gaben.
Zum Festmahl mit der Göttin, Götter, Ahnen und Geistern.
Schaut, Sie erhebt sich, breitet ihre Arme zum Segen aus und spricht :

Die Kälte des Winters verliert seine Kraft. Der Rückzug in die stille Zeit ist nun vorbei. Meinen Segen geb ich euch allen. Jenen die (ver)zweifeln, die hardern, die ihr Herz versteinern liessen, die ohne Hoffnung und Mut sind…

Eine Welle für den Weg, den ihr geht, möge er euch entgegen kommen,

Eine Welle für Heilung und Mut, in euch ist die heilende Quelle, der gesundende Räuchersglut,

Eine Welle für Vertrauen, in euch selbst und alle Kreise,

Eine Welle für das Streben, einst gegebene Versprechen zu halten,

Eine Welle um den Mut zu haben, auch andere zu halten,

Eine Welle für jede Reise, daß ihr immer begleitet werdet,

Drei Wellen für den Segen aus allen Welten, von Luft, Erde und Meer.”
———————–

Geschrieben von Veleda Alantia
Bilder von Veleda Alantia

Ein Waldspaziergang, geschrieben von XVII

Samstag, 27. Januar 2018

Endlich mal wieder so richtig gemütlich auf dem Waldweg entlang gehen.

War schon ewig nicht mehr hier. Ahhhh. Die frische Luft. Waldluft.

Es ist zwar heute nebelig,

aber das macht mir gar nichts aus. Herrlich. Entspannend.

Nicht der Elektrosmog des Büros. Kein Rattern der Drucker, kein Zwitschern vom Fax.

Kein ständiges Email Checken. Kundengespräche.

Sogar der Boden, ich fühle den Erdboden durch meine Wanderschuhe durch.

Herrlich.

Oh…was ist da vorne? Ist da wer? Am Weg?

Ich gehe rascher. Da liegt wer. Eine alte Frau, wie in Lumpen gehüllt. Fuchtelt mit den Armen.

Versucht aufzustehen. Klappt nicht.

„Oh, was ist Ihnen passiert, kann ich Ihnen helfen.“

-“Bin gestrauchelt. Mein Knöchel.“ Sie deutet auf ihren Schuh und ihren Knöchel.

Altes Leder, alte Schuhe, rissig. Ihr Knöchel…rot.

Ich knie mich zu ihr hin.

„Lassen Sie mich kurz Ihren Fuß anschauen…“

Ein paar medizinische Kenntnisse hab ich ja. Zumindest um zu sehen, ob sie sich wohl stärker verletzt hat, oder ich ihr wirklich aufhelfen kann und soll.

Ok…das wird ne massive Schwellung geben…aber beim Abtasten kann ich so nichts wahrnehmen, was da nicht so sein sollte, wie es sein soll…wahrscheinlich überdehnt.

„Glauben Sie, daß Sie den Fuß belasten können, wie stark tut es weh?“

-“Das geht schon, geht schon, hilf mir nur auf, das geht schon.“

Ich stütze sie. Sie belastet vorsichtig ihren Fuß…zappelt ein bißchen…

„Gehts? Soll ich Hilfe rufen?“

-“Nein…nein. Bring mich nur nach Hause.“

„Wo wohnen Sie?“

-“Gleich da…am Waldrand. Kleine Hütte.“

„Wie weit? Geht das für Sie?“

-“Nicht weit, 200 Meter vielleicht, nicht weit.“

Ich halte sie. Sie legt ihren alten Arm um mich…und so humpeln wir ein paar Meter.

„Haben Sie Schmerzen, geht’s?“

-“Ja, es geht. Wir sind gleich da.“

Ein paar Minuten später sind wir tatsächlich vor einer kleinen Wegabzweigung, die zu einem kleinen Häuschen führt. Direkt am Wald. Ist mir hier noch nie aufgefallen.

Nun, meistens geh ich von der anderen Seite und bin tief in Gedanken versunken.

Hier sind sogar ein paar kleinere Häuser…fällt mir auf, jetzt wo wir näher kommen.

Und eine Strasse.

Vor uns eine niedrige Gartentür.

Sie reicht mir einen großen Schlüssel.

-“Sperrst du bitte auf?“

Ein schöner Schlüssel. So richtig alt. Mit Verzierungen.

Ein kleiner Garten. Viele unterschiedliche Pflanzen. Eine Holzbank.

Wir steuern auf das Häuschen zu.

Sie reicht mir noch einen Schlüssel.

Der ist um einiges moderner. Aber auch mit viel Verzierungen und golden.

Ich sperr die Türe auf. Eine alte Holztüre, die sehr stark beim Öffnen knirscht.

Wir gehen rein.

Ein kleiner Vorraum…und ein riesiges Wohnzimmer. Es wirkt innen viel größer, als es von Außen den Anschein hat.

Und lauter Kram. Wie in einem Museum. Alles voll geräumt. Mit obskuren, eigenartigen Gegenständen und Bildern. Kleine Statuen. Kelche. Kerzenhalter.

Sie zündet ein Räucherstäbchen an.

Uah…ich hasse diese Dinger.

-“Es macht Dir doch nichts aus? Es beruhigt die Nerven.“

Ich werde eh gleich wieder gehen.

„Nein, nein…“

-“Du bleibst doch noch ein bißchen?“

„Kann ich noch was für Sie tun?“

-“Nein, nein…aber bleib doch noch.“

Wie kann ich einer alten Dame den Gefallen abschlagen. Wahrscheinlich hat sie keinen zum Plaudern und will mir jetzt ihre Lebensgeschichte erzählen.

-“Willst Du vielleicht einen Tee?“

„Ja, gerne. Aber soll den nicht ich machen, sie müssen…“

-“Nein, meinem Fuß geht es auch schon besser.“

Sie humpelt in die Küche. Ich höre, wie sie durch einige Kästen geht….Wasser rinnt, Geschirr klappert.

Ich schaue mich weiter in der Wohnung um.

Eigentlich fast gemütlich. Ein altes Fell als Teppich. Keine elektronischen Geräte.

Viele Bücher. Die Couch auf der ich sitze….angenehm. Und sogar das Räucherstäbchen ist dezent..und wirkt in der Tat beruhigend.

Ich höre wie sie in der Küche hin- und herhumpelt…aber der Schritt verändert sich auf einmal.

Ein Zischen des Teekochers bedeutet wohl, daß der Tee schon fertig ist.

-“Du hast es hoffentlich gemütlich? Schau dich derweil ruhig um.“

Ihre Stimme klingt anders. Wesentlich jugendlicher.

Jemand kommt von der Küche. Eine Frau so in meinem Alter. Hübsch. Gut gekleidet.

Bißchen farbenfroh, ein langer Hosenrock mit vielen Mustern…aber gut sitzende hübsche Bluse.

Gute Figur.

-“Du hast ein reines, gutes Herz. Kann ich etwas für Dich tun?“

„Danke, das ist aber nett, daß Sie das sagen…wie geht es Ihrer Mutter?“

Sie lächelt.

-“Uns…uns geht es gut. Doch nun zu dir…wie wäre es wenn ich…“

Sie zückt Karten. Einen ganzen Stapel voll Karten.

-„…ich dir die Karten lege?“

Wohl so eine typische Esotante. Oh, Mann. Kartenlegen.

„Nein, nicht nötig…ich…“

-“Du glaubst nicht an die Karten? Musst du auch nicht….komm…zieh drei.“

Ich mache ihr den Gefallen. Ziehe drei Karten.

Sie legt sie vor mir auf den Tisch. Dreht sie um.

Ich sehe auf einer Leute mit vielen Münzen. Eine…da sind Schwerter drauf…und auf einer sind so ägyptische Symbole und Wesenheiten mit so Tierköpfen.

-“Oh…beruflich bist du sehr gefordert. Viel zu sehr. Das ist nicht gut für dich. Du solltest kürzer treten. Ja, vielleicht ist sogar dein Job gar nicht der richtige für dich.“

Da sagt sie mir ja wirklich nichts Neues. Mein Job fordert mich irre. Aber ist das heute…nicht normal? Anderer Job? Lächerlich. In meinem Alter. Was neu anfangen.

-“Veränderung. Es wird sich etwas tun in deinem Leben. Ein Neuanfang, der dir vorbestimmt ist.“

Leben ist Veränderung. Yeah…ich kann dann wohl auch Karten lesen.

Sie blickt mir tief in die Augen. Viel zu tief. Ich versuche zuerst weg zu sehen…dann versuche ich zu lächeln…aber ihr Blick…ihre Augen…unheimlich…ich…ich…

-“Es gibt viel mehr, als du meinst. Viel mehr als deinen Job und deine Kleinigkeiten mit denen du dein Leben erträglich machst. Wenn du dir etwas wünschen würdest….egal was, wie würde der Wunsch lauten?“

„Glück. Ich hätte gern mehr Glück.“

-“Glück?“ Sie lacht laut. „Du glaubst nicht an Kartenlegen aber an Glück glaubst du?“

Sie schenkt mir eine Tasse Tee ein. Kichert noch immer.

Schenkt sich selbst ein. Trinkt genüßlich. Ich mache auch einen Schluck.

Lecker. Der Tee ist wirklich lecker. Als würde man Früchte trinken. Also echte Früchte.

„Glaubt nicht jeder an Glück? Ich meine, es wäre doch erträglicher, wenn einem etwas mehr zufällt…wenn es einem öfter gut geht…einfach so, ohne viel Tun.“

-“Ich glaube nicht an Glück.“

Ich merke wie ich eine Augenbraue nach oben bewege und viel zu lange oben lasse.

Ich schaue sie an.

„Nun, ihre Mutter hatte wohl Glück, daß ich ihr helfen konnte.“

Sie lächelt.

-“Manches ist nicht so wie es erscheint.“

Wir trinken dann noch Tee…aber irgendwie ist die Unterhaltung da erlahmt.

Gut, ich will sowieso noch ein bißchen spazieren gehen.

„Gut, also, Danke für den Tee und gute Besserung ihrer werten Mutter, ich werde mich dann wieder auf den Weg machen.“

-“Es hat mich sehr gefreut. Wirklich. Dich kennen zu lernen. Kate wird dich noch zum Wald bringen und die Türen versperren.“

Sie nimmt das Teegeschirr auf und verschwindet in die Küche.

Herumgepolter in der Küche. Und eine ganz junge Mädchenstimme.

Ein vielleicht 12 Jahre junges Mädchen hüpft fröhlich ins Wohnzimmer…

-“Kommst du?“

„Hm. Ja, laß mir Deine Verwandten lieb grüssen, und Deiner Oma solls bald wieder besser gehen!“

-“Meine Verwandten? Oma?“ Sie grinst….und nimmt meine Hand.

Ein süßes Mädchen. Sie hoppelt neben mir…wie ein junger Hase.

Sperrt die Türe hinter uns zu. Ich kann nun ein Namensschild sehen.

Da steht… „H. Cate“

Sie hoppelt weiter, lässt meine Hand nicht aus…Richtung Gartentor.

Ich gehe durch. Wundere mich, warum sie die Tür vorher auch zu gesperrt hat.

Sie reicht mir den Schlüssel von der anderen Seite des Tores.

Den großen, stark verzierten.

-„Zwei Sachen heute sag ich dir…dein Buchhalter ist unehrenhaft und…die Diagnose deines Arztes ist falsch. Das könnte dir…zu dem Verhelfen, was du „Glück“ nennst.“

Sie reicht mir den Schlüssel.

-“Es liegt an dir nun diesen Schlüssel zu drehen, behalte ihn….als Erinnerung. Und, wenn du mich brauchst so rufe mich.“

Ich finde das alles gerade höchst merkwürdig. Sperre das Schloß aber von meiner Seite zu…möchte ihr den Schlüssel geben…sie wendet sich aber ab…und humpelt in Richtung der Haustüre.

In alte Lumpen gehüllt. Ich seh nur eine Gestalt in Lumpen.

Ich traue meinen Augen nicht.

Halte den Schlüssel in der Hand. Stecke ihn ein.

Woher weiß sie von der Buchhaltung? Und wer ist sie? Was war das jetzt?

Hab ich da was in dem Tee gehabt?

Ich gehe langsam wieder zum normalen Weg.

Und…nein, es wundert mich fast nicht…als ich mich dann umdrehe…war da keine Wegabzweigung.

Kein Häuschen zu sehen. Den Blutbefund muß ich morgen abholen.

Ich werde den dann nochmal kontrollieren lassen.

Ich schaue ungläubig auf den Schlüssel in der Hand.

DAS…das glaubt mir niemand.

Autor: XVII

Bildquelle: Wiki Commons:  From Riis Skov. A cold foggy winters day. RhinoMind//  Head of an Old Woman, Rob. Koehler 1881, Minneapolis Institute of Art

Der Nekromant, Fortsetzung, geschrieben von XVII

Samstag, 13. Januar 2018

Türglocke läutet

Nein, nein, nein. Das kanns jetzt nicht sein. Es muß ja mitten in der Nacht sein.

Mitten in der Nacht. Ich schlaf weiter. Ich ignoriere das einfach.
Ja, die Bettdecke raufziehen. Über die Augen. Gut. Weiterschlafen.

Türglocke läutet

Holy shit. Das habe ich nicht verdient. Bitte.

Ich will nur schlafen. Ich…ach, verdammt. Es war gestern zu lange. Ich hätte früher heimgehen sollen. Und weniger Alkohol. Viel weniger…Ufff…viiiiiiiiel weniger.

Türglocke läutet

„Jaaaa, verdammt nochmal, jaaaa…ich komm.“

Mist. Ich bin so, wie die Götter mich geschufen haben, oder das was von ihnen überblieb…nackt.

Was ziehe ich rasch an. T- shirt. Wo ist mein verdammtes….

Jacke…

Türglocke läutet

„SCHEISSE, ja ich komm ja schon!“

Bettdecke. Ich wickle mir die Bettdecke rum…Mist. Mist.

Hollla…meine Füsse berühren zwar den Boden…aber die Wände bewegen sich auch.

NIIIIE wieder Alkohol.

Außerdem Füsse…abgesplittertes Rot auf meinen Nägeln. Wäh. Da muß ich mich nachher drüber stürzen. Ich hasse abgesplitterte Farbe auf meinen Nägeln.

Gehe langsam zur Tür. Zum Glück ist der Eingang gleich in Nähe von meinem Schlafzimmer.

Altbau. Ich liebe Altbau. Ziemlich viele Kisten stehen rum. Tja, das bringt es halt mit sich,

wenn man seinen Exverlobten verlässt. Viel Zeug. Zum Glück habe ich meine Wohnung behalten.

-“Nein, Liebes, zieh doch ganz zu mir.“ Jaja..dann könnt ich jetzt im Hotel pennen.

„Wer ist da überhaupt?“ ich bin fast bei der Tür.

–“Die Post“

Das kann ja wirklich jeder sagen. Ich strecke meine Hand Richtung Tür. Fächere die Finger auf.

Scanne. Ok. Da ist wirklich jemand mit nem Paket.

Ja, sicher..ich hätte auch zur Tür gehen können und durch den Türspion schauen, aber heh…

…ich öffne die Tür. Der Bote schaut mich von oben bis unten an.

„Und, bin ich hübsch genug?“

–“Äh, wie bitte?“

„Was wecken sie mich mitten in der Nacht an einem Sonntag? Ich will schlafen.“

–“Entschuldigen sie…aber es ist 10 Uhr 20, also so ziemlich genau 10 Uhr 20, ich läute bei ihnen schon seit 10 Minuten und es ist…es ist Montag.“

Er zieht eine Augenbraue hoch.

–“Und ich möchte auch gar nicht beurteilen müssen, ob sie hübsch sind oder nicht, und Leute haben auch schon nackt Pakete von mir entgegen genommen, aber es hat sich noch nie jemand in einen Duschvorhang eingewickelt, der noch dazu halb durchsichtig ist. Verzeihen sie, ich wollte sie mit meinen Blicken nicht belästigen.“

Holllly…shit. Ich schau an mir runter.

Ich hab mich tatsächlich in meinen Duschvorhang eingewickelt.

Stimmt. Ich wollte mich gestern noch duschen. Das habe ich dann wohl auch noch gemacht…

…und dann irgendwie…hm. Wie genau ich ins Bett kam, weiß ich nicht mehr.

Ich kann zwar jedem seinen Tod voraussagen oder wie so die Geschäfte am nächsten Tag laufen, sehe Empfindungen wie andere Farben, kann mit Tieren sprechen, kann Pflanzen zuhören und kann mit der Zwischenwelt mal eben locker Gespräche halten…und vieles mehr…aber wie ich gestern ins Bett kam….

„Tut mir leid. Ich hatte einen schweren Tag gestern….was sag ich, eine schwere Woche…und…“

–“Keine Ursache. Bitte hier die Unterschrift.“

Er reicht mir einen Touchpendingskuli..keine Ahnung wie das Zeug heißt…ich mag das moderne Zeug nicht…ich kracksle meine Unterschrift auf so ein Plastikfeld, Minimonitordings…da steht aufgeregt „HIER ZEICHNEN“…jo…und da zeichne ich halt meinen Namen.

Paket. Er reicht mir ein kleines Paket.

„Danke.“

–“Keine Ursache. Und der Duschvorhang ist hübsch.“

Ok. Jetzt muß ich fast lachen. Ich ja, ich lächle und gehe mit gesenktem Haupt in meine Wohnung zurück. Mann. Mann.

Ich muß echt gestern zu viel erwischt haben.

Das Paket lege ich mal auf den Küchentisch. Jetzt gibt’s mal tiefschwarzen Kaffee der müde Nekromanten munter macht. Den Duschvorhang…hm…ich schau nachher ob ich den wieder montiert bekomme…den lege ich mal ab. Sooo….Kaffeemaschine läuft.

Was gibt der Kühlschrank her? Ich hab Hunger. Ich könnte jetzt nen kleinen Magier essen…wuaaahahaha…kleiner Spaß…ohhhh…damn….ich seh da gerade was. Synchro.

Die Idee da mit dem Magier. Das kam nicht so…um mich selbst zu erheitern. Damn.

Ich sehe was. Ich schau auf das Licht im Kühlschrank…ich sehe tief ins Licht. Ich bin im Licht.

Und…damn. Da ist wer. Den kenne ich noch nicht. Ein Magier. Ich lerne einen Magier kennen.

Ein Novize? Einen…was…Butter. Ich brauch Butter. Honig. Und…Butterstriezel.

Kaffee ist fertig.

Mein Exverlobter sagte dann immer in der Früh…-“Und magst du heute Iris-sch- Kaffee?“
Er fand das immer superlustig. Irish Coffee. Ich bin Iris. Und er spielte gerne mit meinem Namen.

Ich mochte das ja nicht soooo…aber ab und an hat er mich damit schon erheitert. Und mir hats gefallen..daß er stets -“EIRIS“…also lautmalerisch…Englisch Iris zu mir sagte.

War irgendwie stolz darauf englische Vorfahren zu haben. Umso lustiger fand mein Ex den Bezug zu „Irish“.

Paket. Jetzt hätte ich mich fast gedanklich versprochen und wollte schon Pakt denken.

Kennt ihr das? Pakt- Paket.

Ich brauch das Ding gar nicht öffnen. Ich weiß was drin ist.

Also so ungefähr.

Ich spüre Iver. Das Paket hat eindeutig seine Signatur. Und Flowers. Flowers hat das eingepackt.

Warum ruft der Kerl nicht einfach an? Nein, sicher wieder ein Brief in so uraltem Papier mit nem Siegel drauf…und ein paar Worte hingefetzt. Uaaaaah.

Ich habe echt andere Sorgen jetzt.

Ich bin nicht umsonst jetzt hier in Salzburg.

„Nie wieder Wien.“ Das waren meine Worte damals beim Abschied.

Ich hasse Wien. Verdammtes Wien. Scheiß Großstadt. Salzburg ist anders. Die Leute sind anders.

Angenehmer. Und mein Verlobter, mein Exverlobter…ist aus der Gegend hier.

Ich liebe Salzburg. Ich habe hier eine kleine Boutique.

Eigentlich bin ich ja Psychotherapeutin. Da bin ich schon stolz darauf. War schon hart die Ausbildung. Und ich war ganz gut darin. Nun, ja…ich hab auch gut „dahinter“ sehen können. Ich wußte was die Leute wirklich empfinden, und was sie wirklich durch gemacht haben. Machts aber nicht leichter. Und als ich mich mal dazu hinreißen ließ…daß ich meinem Klienten gesagt habe…gut…ich habe ihn fast angebrüllt…“Verlassens doch endlich ihre Scheiß Frau, die sie ständig betrügt…sie kommen seit nem Jahr her…und wir bewegen uns keinen Millimeter, weil sie einfach die Schlampe nicht ziehen lassen können…“ Gut…ok…ich habe ihn nicht fast angebrüllt…ich habe ihn angebrüllt. Und er hatte nicht den leisesten Hauch einer Ahnung, daß ihn seine Frau betrügt. Zunächst war er schockiert, dann entsetzt. Dann wollte er mich verklagen….und letztlich hat er seine Frau verklagt….nun, ja…jetzt ist er getrennt…und keine Ahnung was mit ihm ist. Aber ich hab das als Anlaß genommen diesen Job…an den Nagel zu hängen. Manchmal bin ich einfach zu emotional. Jetzt verkaufe ich hübsche italienische Mode. Mailand. Mhhhh…ich bin so gern in Mailand.

Nicht so gern bin ich wieder in meiner Wohnung. Allein.

Damn.

-“Du hast Geheimnisse vor mir. Du vertraust mir nicht. Du…“

Usw. Blabla.

Ja, klar….ich wollte ihm nicht sagen, daß ich eine Nekromantin bin und und…daß ich sehe, daß sein Bruder Leute auf dem Gewissen hat, seine Mutter in Wirklichkeit lieber mit ihrem Schwager zusammen wäre und …und…ich sehe seinen Tod. Ich sehe seinen verdammten Tod.

Da werden Beziehungen nicht gerade einfacher.

Ja, ja…ich kann das unterdrücken. Ich blende meine Fähigkeiten oft aus.

Weils das Leben einfacher macht. Ich weiß gerne was NICHT. Ich lasse mich gerne überraschen.

Ich liebe Überraschungen.

Das Paket.

Ich nippe an der Kaffeetasse…mhhhh…lecker.

Das Paket…gut…

Als wäre ich eine Katze mache ich eine schwungvolle Bewegung mit meiner Hand… tu so…als hätte ich Krallen…und nähere mich dem Klebestreifen…yessss…scharfe Fingernägel braucht die Frau.

So…offen.

Vorsichtig reinblicken.

Ein Brief. Ein doch sehr großes Paket…und darin ein Brief.

Typisch Iver. Das ist sooo typisch. Theater. Drama.

Ich nehme den Brief auf. Altes Papier. Geschlossen mit Wachs. Siegel.

Draaaama. Iver ist sooo eine Dramaqueen.

Nein, da können wir nicht einfach anrufen…oder auch mal nachfragen wie es einem denn geht…nein…da schreiben wir nen suuuuperokkultmagischen Brief.

Ratsch. Brief offen. Altes Pergament darin. Darauf steht mit Tinte geschrieben:

„Montag, 17 Uhr, Wien, Cafe Dreivierteltakt“….dann noch unser Zeichen unterhalb…

…und…oh…ich staune…ganz klein steht da „Bitte“.

Oh…Iver setzt ein „Bitte“ unter seinen Brief? Das ist neu. Flowers muß da nen gewaltig guten Einfluß haben….17 Uhr. Es ist jetzt so…11…dann kann ich mich nochmal hinlegen und….

handygeklingel

Na. Nicht ernsthaft jetzt. Wo ist mein Handy?

Ich…ich…nie wieder Alkohol.

Es kommt so aus Richtung Schlafzimmer…ok…dann mal…ja…da…unter der verf—- echten Bettdecke, die da am Boden liegt…da liegt auch mein Handy…und….ah…unbekannter Teilnehmer, die habe ich ja besonders gerne…und…nein, ich spüre auch nichts…ich weiß wirklich nicht wer das ist…ich…

Ach, was solls. Ich heb ab.

—-“Schatz? Schwester? EIIIIIRIS?“

Flowers. Es ist Flower.

—-“Komm sag was. Du freust dich doch.“

„Verdammt ja, Flowers. Süße. Das Paket habe ich gerade erhalten. Du….“

—-“Ach, du kennst doch Iver. Er kann das nicht lassen. Aber das „Bitte“ kommt doch schon mal gut, oder?“

„Das hast du ihm gesagt, gell? Du Luder.“

—-“Hihihi….ja, ich hab ihm gesagt, das freut dich sicher.“

„Und was ist los? Weltverschwörung? Illuminaten, Reptilienkongress, Mondlandung, diesmal die echte?“

—-“Du hast deinen Humor nicht verloren, Iris…ich vermisse dich echt. Wir fahren einfach gemütlich nach Wien und Iver wird dir alles persönlich sagen.“

„Wir fahren…was heißt…“

—-“Schau doch mal aus dem Fenster, Schatz.“

Ich ziehe die Vorhänge auf die Seite. Da unten. Flower. Und n Typ. Der Magier.

„Novize?“

—-“Genau.“

„Wie macht er sich?“

Sie reicht ihm das Handy.

—–“Sie sind dann wohl Iris?“

„Ja, das zur Hölle bin ich. Und du?“

—–“Chad. Freut mich.“

„Mich auch, sag einfach Iris zu mir und nenne mich bitte nie Schwester sonst reiß ich dir die Juwelen raus und sag nie Süße zu mir und…“

—–“Iris, das merke ich mir…ich geb dir wieder Flowers.“

„Flowers? Netter Typ. Kann ihn nicht scannen…aber wirkt sympathisch. Warum hab ich dich nicht spüren können?“

—-“Iris, ich wollte dir die Überraschung nicht nehmen. Hab uns abgeschottet. Und auch jetzt Chad. Lern ihn einfach mal kennen. Er kann viel von dir lernen. Hilf ihm ein bißchen. Und…Iver braucht dich. Wir brauchen dich. Die Suppe kocht heiß…und….wir müssen wieder mal zusammenkommen.“

„Danke, mein Schatz. Ok. Klingt gefährlich. Wenn ihr Tante Iris braucht ists gefährlich. Bin dabei.“

—-“Natürlich bist du das. Leg dich nochmal hin. Chad und ich gehen ein paar alte Kultstätte hier besuchen…dann essen wir gemeinsam zu Mittag in der Stadt und nachher fahren wir nach Wien, ganz entspannt.“

„Liebe Schwester, so machen wir das. Bin gespannt. Ich liebe Überraschungen….“

—-“Guuuuut. Wir holen dich nachher ab.“

„Bis später!“

Sie winkt mir. Chad winkt.

Das wird spannend.

Und….ja….jetzt lege ich mich nochmal nieder.

Ohne Duschvorhang diesmal.

—–Fortsetzung folgt—–

Autor: XVII

Bildquelle: Salzburg_view_from_Monchsberg, By Paulo Maurício (56501) (Self-photographed) [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons. org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons,
Description= Photo of a human skull |Source=Personal work |Date=7 june 2008 |Author= Cyril NOVEL (~~~~Xerto), via Wikimedia Commons