Archiv für die Kategorie ‘RegenBogen’

Begegnungen, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 07. April 2018

Bild: Veleda Alantia

Tee trinken

“Hör mir zu, das passt mir grade nicht. Ich war nur duschen! Da kann ich jetzt nicht. Der Tag war lang und eigentlich hab ich keine Lust jetzt mit dir zu reden!” empöre ich mich, in mein flauschiges Mikrofaserhauskleid gekuschelt.

Doch Sie lächelt nur. Nachsichtig wie eine Mutter und hinterhältig wie ein Fuchs. Ihre Augen ruhen auf mir. “Bist du fertig?” fragt sie mich und setzt sich einfach. Auch sie trägt einen Bademantel, doch sieht der fast schon robenhaft aus. Und ein Duft wie vom besten Männerparfum umweht sie.

“Wie soll das denn zusammen passen? Spiegelst du jetzt meine Vorlieben mit Männerdüften?” Ich stell eine zweite Tasse einer Kräutermischung hin. Nix mit Anrufung und Kerzenlicht. Warmes LED tuts wohl auch. Sie kichert. ”Ich bin wie du. Und ich bin nicht nur die pure Weiblichkeit. Du kennst doch meinen Sohn..Er ist auch ein bisschen ver-rückt. Denkt nie, daß wir so sind wie ihr erwartet. Wir sind immer bei euch. Sind Naturgewalten der Verwandlung. Nicht jeder Tag und jeder Mond ist gleich.”

Aufgrund dieses philosophischen Ansatzes kapituliere ich und nehme die Situation also hin.

“Was möchtest du?” Sie schaut mich an als hätte ich eine kindliche Frage gestellt. “Nichts. Du gibst mir doch schon alles. Ich weiß, daß du`s nicht leicht hast. Doch dafür gibst du immer das Wichtigste. Dein Vertrauen und deine Liebe.” Auch wenn sie von Liebe spricht so ist sie mehr. Eigentlich alles. Und alles von ihr ist in allem. Also auch uns.

“Schön, du lernst schnell. Ich habe sehr viel Freude an dir. Mach weiter. Denn du kannst. Und du wirst. Vertrau weiterhin. Und achte die Rhythmen”

Der Tee ist leer. Ich setzte neuen auf. Doch sie ist weg. Scheinbar….


Im Café

Lang war die Woche. Hart und anstrengend. Unter all der Arbeit hatte sie sich fast selbst vergessen. Deswegen nahm sie sich jetzt Zeit und die Muse hier nur zu sitzen, einen guten Kaffee zu trinken und zu beobachten.

Sie merkte nicht wie sich ein von Alter schwer einschätzender Mann zu ihr gesellte. Ein Duft von Lorbeer und Fichte begleitete ihn unaufdringlich.

“Immer in Gedanken.Wenn man nur denkt überhört man das Lied der Erde und die Harmonie der Welten.” Er lächelte sie an und erschrocken sah sie zu ihm.” Sie..kennen mich doch nicht so etwas zu behaupten.” //Spinner!//dachte sie sich. Aus dem Lächeln wurde ein Kichern.

“Überrascht es dich mich hier zu treffen?“ fragte der Mann. Kurz fühlte die Frau sich in einen tiefen Wald versetzt. Voller uralter Eichen, Efeu und tiefen Mooren. Ein Reif aus Efeu lag auf den gewellten Haaren des Mannes, in seiner Hand ein kurzer Stab mit Runen bedeckt. Dann verschwand der Eindruck.

“Ihr denkt wir liegen im Krieg miteinander. Dabei sind wir wie eine Familie. Zwar haben wir unsere Unterschiede doch verbindet uns mehr. Es ist gleich ob ihr euch von uns auf dem Olymp, dem Norden, der Wüste Ägyptens oder den Neuen öffnet. Das einzig Beständige ist die Wandlung. Nie bleibt alles gleich. Doch werden wir euch immer zur Seite stehen. Denn ihr gehört zu uns. Mit all euren Zweifeln, Fehlern und Gaben. Lebt sie …mit allen Facetten.”

Sie wollte ihn grade auf einen Kaffee einladen da war der seltsame Mann, der eine Maske eines Gottes war…verschwunden.

Bild: Veleda Alantia

Bilder und Text von Veleda Alantia

Der Nekromant – Fortsetzung, geschrieben von XVII

Samstag, 31. März 2018

 -“Bist du soweit? Chad? Bist du soweit?“ Iver steht rechts knapp hinter mir. Ob ich soweit bin.

Sein Tonfall wirkt harsch, fordernd.

Gerade noch waren wir in Salzburg…Flowers und ich haben Iris abgeholt.

Die Fahrt war..nun, ja…lustig, unterhaltsam.

Bißchen wie ein Schulskikurs bei dem sich zwei alte Freundinnen getroffen haben.

Es war natürlich sofort klar, daß Iris vorne sitzt, neben Flowers.

–“Shotgun“ hat sie gerufen…mich zum Rücksitz bugsiert und sich lachend auf den Beifahrersitz fallen lassen.

Flowers hat sie mal ein paar Minuten lang umarmt…und dann ging die Fahrt schon los.

Die beiden Damen haben sich über alte Geschichten unterhalten…so „weißt du noch…damals und wie wir…hahaha…und dann…wuahahaha“…und die andere dann…“ja, genau…hihi…und wir…haha“

Schulskikurs.

Ab und an haben sie nach hinten geblickt…Iris hat manchmal mit Flowers über mich gesprochen, als wäre ich gar nicht da…aber später hat sie dann auch begonnen von sich zu erzählen, hat auch persönliches mit mir geteilt und war auch dann locker zu mir.

Sie ist schon in Ordnung. Kam mir halt so vor wie…Revierabstecken und Hierarchien bestätigen.

Aber eben letztlich…passt schon. Ich glaub` sie hat schon das Herz am rechten Fleck.

-“Chad?“

Ich nicke kurz.

Dann haben wir Iver abgeholt, der sich noch rasch `nen Mantel übergeworfen hat und dann sind wir schon direkt hierher gefahren.

Hierher. Uff. Psychiatrie. Das hier ist eine Psychiatrie.

Iver ist von mehreren weißbekleideten Herrschaften schon erwartet worden.

Einige Wortfetzen bekam ich mit…in denen es stets „Herr Professor…“ hieß.

Wir wurden als sein Team vorgestellt. Bekamen auch weiße Mäntel.

Mit dem Lift gings in den dritten Stock. Weiße leere Gänge.

Einzelne Betten, die auf den Gängen standen. Sonst leer. Und erschreckend leise.

Gemeinsam sind wir auf eine Tür zugesteuert.

Iver wurde kurz instruiert. Bekam die Krankenakte in die Hand gedrückt.

Wir öffneten die Tür. Ein kleines Zimmer. Ziemlich leer. Kein Fenster.

Mittig ein Bett. Darin ein junges Mädchen. Ich schnappe auf, daß sie wohl gerade mal 16 sei. Dann noch ein kleiner Tisch. Davor ein Sessel. Ein Nachtkästchen. Und irgendein medizinisches Gerät.

Lina heißt sie. Sie liegt in dem Bett. Fixiert. Venenzugang. Zwei Infusionen hängen über ihr.

Iver sagt den anderen Ärzten, daß er mit seinem Team ungestört sein will.

Das wird überraschenderweise akzeptiert…Wir sind nun alleine mit dem Mädchen im Zimmer.

Iver sagte noch zu Flowers: -“Du achtest bitte darauf, daß wir auch wirklich ungestört sind, ja?“

Iris, Iver und ich. Und das Mädchen. Ein Bett. Sie darauf fixiert.

-“Chad…brauchst du noch was? Oder…“

Ich denke nach.

„Ja, einen starken Geruch, etwas was stark riecht.“

-“Iris?“

Iris gibt mir ein kleines Fläschchen. Unbeschriftet.

Ich stelle es auf das kleine Nachtkistchen und rücke dieses vom Bett weg.

Ich schau mir das Mädchen an. Ihr Nachthemdchen ist vollkommen durchnässt.

Sie selbst zuckt leicht. Ein leichtes Vibrieren am ganzen Körper.

Man bemerkt das aber am stärksten bei den Händen und Füssen.

Ich prüfe ihren Puls. Das Herz schlägt schnell.

Ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht und lege meine Hand auf ihre Stirn.

Ich versuche wahrzunehmen. Mich selbst frei zu machen und wahrzunehmen.

Was kommt. Was kommt….

„Die Infusionen. Wir sollten die Infusionen kappen.“

-“Iris, hol bitte Flowers, die soll das machen.“

Die Stirn ist kalt. Auch schweißig.

Das Mädchen selbst sieht nicht mich an…es sieht durch mich hindurch.

Manchmal rollen auch ihre Augen umher. Und sie öffnet und schließt rasch ihre Augenlider.

Flowers kommt. Mit ein paar gekonnten Handgriffen befreit sie das Mädchen von den Infusionen.

Sie vergewissert sich noch ob sonst noch Hilfe von ihr gewünscht wird…und geht dann wieder nach draußen.

Rasch kommt eine noch größere Unruhe in das Mädchen.

-“Chad, was siehst du und was hast du vor zu tun?“

Iver, mein großer Lehrmeister, setzt mich unter Druck. Er selbst ist vollkommen ruhig.

Das ist schon mal gut…und seine Ruhe geht zum Glück auch etwas auf mich über.

„Ich könnte aus dem Rituale Romanum….“

Chad unterbricht mich gleich.

-“Bist Du Christ?“

„Nein, aber…“

-“Jetzt schau mal genau hin.“

Ich lege ihr nochmal die Hand auf die Stirn.

Der Kopf zuckt hin- und her. Sie rüttelt am Bett.

Iris macht hinter mir einen tiefen Atemzug.

Mist. Ich weiß es nicht ich weiß es nicht. Ich sehe da….nichts…ich….

—“Chad? Jetzt mal ganz ruhig. Ganz ruhig. Du kannst das. Außerdem sind wir bei Dir. Frag Iris ob sie dir helfen kann.“ Flowers. Flowers schickt mir diese Gedanken. Ich höre Flowers deutlich, als stünde sie vor mir, obwohl sie tatsächlich gerade irgendwo draußen vor der Tür ist.

„Iris kannst du mein Wahrnehmungsfeld bitte erweitern?“

Ich muß einen verdammt flehenden Blick drauf haben.

Ein kleines Lächeln kann ich im Gesicht von Iris erkennen.

Sie macht einen Ausfallsschritt, legt ihre rechte Hand nach vorne, ihre linke nach hinten…zieht mit der rechten einen Kreis…einen Kreis…der sich manifestiert.

Ich sehe einen Kreis. Nein, vielmehr so etwas wie einen Wirbel. Der Wirbel stülpt sich über das Mädchen…wird größer weitet sich links und rechts neben dem Bett aus.

Ich schau in diesen Wirbel hinein. Sehe viele Leute. Menschen die wirr durcheinander gehen.

Wie…wie in einem komischen Zombiefilm. Einer schaut aus dem Wirbel hinauf, sieht mich, schreit. Das Mädchen beginnt auch zu schreien. Die anderen gehen ungestört weiter hin- und her.

Ich bin versucht in den Wirbel hineinzugreifen und den Schreihals zu greifen…Iver hindert mich.

-“Nein. Du bleibst hier. Die Gefahr ist zu groß. Handle von hier.“

Und dann…als hätte ich einen Eingebung…beginne ich auch zu schreien.

Ich stimme mich auf das Klagelied der Zwei ein.

Wir schreien in einer Art von Harmonie. Wir schreien gleichsam. Egal was wir beschreien, aber es ist dasselbe. Es wird zu einem Schrei. Einem einzigen Schrei. Den ich langsam übernehme. Es ist als würde ich den Schrei dirigieren. Ich werde langsam leiser. Und die zwei werden leiser. Es dauert ein paar Minuten…bis wir alle erstummt sind. Das Wesen im Wirbel schaut mich noch kurz an…und wandert dann wie alle anderen da unten auch wieder hin- und her. Ohne Blick nach oben.

Das Mädchen ist vollkommen ruhig.

Der Wirbel wird kleiner…und verschwindet.

Ich bin fix und fertig.

-“Gut gemacht, Chad. Ungewöhnlich, aber gut.“

Ich setze mich auf den einen Sessel.

Flowers kommt herein.

—“Das war gut, Chad. Wirklich.“

„Ohne Iris…“

–“Ach, das hättest du auch ohne mich hinbekommen. Vielleicht auch mit dem Rituale Romanum. Hätt` dich gerne da jetzt ne Stunde lateinische Texte zitieren gesehen…“

Sie lächelt.

Flowers überprüft die Vitalfunktionen von dem Mädchen. Eine Infusion schließt sie wieder an.

—“Die braucht sie noch, ist besser so. Die andere können wir aber lassen.“

„Was ist jetzt mit dem Mädchen, ist sie jetzt geheilt?“

-“Nein. Aber du hast im wahrsten Sinne des Wortes…eine Stimme in ihr…zum Schweigen gebracht. In den nächsten Sitzungen wäre es hilfreich…zb. Was du als Menschen gesehen hast, die hin- und hergehen…diese in die gleiche Richtung gehen zu lassen…und dann nach und nach, wenn die Szenarie dem tatsächlichen Geiste des Mädchens entspricht, wird sie wieder völlig gesund sein…was gesund auch immer sei. Die meisten Menschen sind „gesund“ und es rennen ein Haufen von Wesen hin- und her. Oder liegen. Oder spielen miteinander. Also in dieser Art der Wahrnehmung gesprochen.“

—-“Könnte ich….könnte ich bitte ein Glas Wasser haben?“

Das Mädchen schaut mich groß an.

Jetzt erst sehe ich, daß auch ein kleines Waschbecken im Raum ist. Ein Spiegel und eine Ablagefläche mit einem Plastikbecher. Sofort gehe ich dort hin…fülle den Becher.

Flowers löst die Fixierungen. Das Mädchen setzt sich auf.

Ich reiche ihr den Becher.

Sie trinkt ein paar Schlucke recht hastig.

Während dem letzten Schluck beginnt sie schon zu reden und verschluckt sich fast…

—-“Wo…wo…bin ich? Ich bin Lina.“

„Hi, Lina. Ich bin Chad. Schön dich kennen zu lernen.“

Ich lächle sie an…und meine Augen werden leicht feucht und ich fange fast zu heulen an.

———-Fortsetzung folgt——

Bild: Rituale Romanum von Eaden, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41394407 This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Text: XVII

Von der Frau im Wald, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 17. März 2018

Von der Frau im Wald
(Märchen aus Avalon 7)

Tief im Harz, in den Waldschluchten am Brocken lebte eine weise Frau. Sie war schon sehr alt und hatte viele Kinder zur Welt gebracht, Menschen über die Schwelle geleitet. Sie lebte lieber allein, da war sie ungestörter. Jedoch wenn man sie rief, erschien sie immer, da man sie brauchte.

Eines Tages, es neigte sich gerade die Sonne in den späten Nachmittag, wurde die alte Frau von einem kleinen Jungen gerufen. Ein Baby wurde erwartet und die Mutter hatte es schwer.

So ging sie los, durch die Schluchten des Harzwaldes. Vorbei und mit den Findlingen plauschend, sich Rat vom Wind holend. Begleitet wurde sie von den Tieren und den Geschöpfen des Waldes, die für uns heute unsichtbar geworden sind. Deswegen hatte sie keine Angst allein zu gehen. Sie war ein Teil des Waldes, ein Teil von Mutter Erde, so fühlte sie sich nie allein.

Bild: Veleda Alantia

Auf dem Weg pflückte sie Frauenmantel, Brennessel und etwas Eichenrinde. Immer wenn sie etwas nahm, gab sie etwas. Zu einer guten Beziehung gehörte sich das. Immer näher kam sie dem Dorf. Als sie am Fluss war, hörte sie drei alte Frauen reden. Sie wuschen ihre Wäsche in den Wogen des Flusses. “Diese Kräuterfrau ist sonderbar. Zwar ein Teil von uns, doch so selbständig. Fügt sich ins Dorfleben nicht richtig ein.“ Die ,die das sprach besaß eine dicke Lippe.

„Jaa..immer kommt und geht sie.
Hält sich nur an ihre eigenen Regeln.
Spricht vom Herzen weg und schweigt wenn es nötig ist.“ sprach die zweite alte Frau mit einem dicken Daumen.
Die dritte kicherte übers Wasser.
„Ja, sie ist eine komische Alte, allein im Wald.“ Die letzte hatte einen dicken Zeigefinger.
„Ich grüße euch, ihr weisen Spinnenfrauen.
Dank euch weiß ich, daß mein hartes Leben Sinn macht und ich das tue, was ich geschworen habe unter den Sternen.“
Sie verneigte sich und ging leichten Schrittes weiter.
Eine neue Erdenseele wollte wiedergeboren werden und sie musste sich beeilen.
Endlich erreichte sie das Dorf und die Hütte der Gebärenden.
Die Frau aus dem Wald begann ein Geburtslied zu singen und setzte die Kräuter zu einem stärkenden und schmerzstillenden Trunk auf.
Mit geübten Griffen und Wissen aus den Knochen holte sie ein kleines Mädchen zur Welt.
Das Kinde auf dem Arm trat sie hinaus unter das Sternenzelt.
„Ich weihe dich mit dem Licht unserer Großmutter Mond.
Dem Atem deiner Ahninnen des Waldes,
dem Wasser des Lebens,
dem Feuer des Ofens.
Sei Willkommen kleine Seele, willkommen zurück!“
Freude erfüllte das Heim der Eltern und sie aß und trank mit ihnen und warf ihnen dann noch die Geburtsrunen.

Bild: Veleda Alantia

„Nautiz. Sie wird die Kraft haben Not zu wenden.
Ansuz und Eilaz. Sie wird eine große Frau auf den Wegen sein, die vor ihr beschritten wurden.
Sie wird ein Teil der Schwesternschaft der Verborgenen sein.“ prophezeite die Frau aus dem Walde. “Ich werde über sie wachen und sie lehren was ich weiß.
Wenn die Zeit reif ist und unsere Mutter mir das Zeichen gibt.“
Mit Brot und Salz als Dank verliess sie das Haus .
Auf dem Weg in den Wald zurück dachte sie an die Spinnenden.
Ob sich da die Nornen gezeigt hatten?
Egal wer es war, diese Drei waren der Urgrund und ein Teil des Ursprungs. Zuhause kümmerte sie sich noch um ihr Gemüse im kleinen umzäunten Garten.Butterte noch etwas und trug alles in ihr Buch der Geheimnisse ein.
Die Zeit verstrich.
Das Mädchen wurde zu einer Frau.
Neugierig, offen, stellte sie viele Fragen.
Gerne verbrachte sie Zeit bei der Alten im Walde.
Sie rann mit den Hirschen umher, lernte sich anzufreunden mit den Elementen und Mutter Erde.
Kein Wild im Wald war ihr fremd, weder Stein noch Pflanze mit deren Hilfe sie zu heilen wusste.
Und wie die Runen vorhergesagt hatten, fand das Mädchen ihren Platz im Lebensnetz.
Doch auch wenn unser Schicksal uns zu unserem Platz im Lebensnetz weist, so kommen neue Abenteuer und ewiges Lernen auf uns zu.
Die junge Frau begann sich auf ihren Erfolgen auszuruhen.
Bald vergass sie die Weisheit ihrer Knochen.
Vergass den Gesang im Blut, der der Gesang ihrer Ahninnen war.

Sie verlor die Lust, verliebte sich.
Doch machte diese Beziehung sie zu einer Gefangenen. Ihre Eigenständigkeit gab sie auf. Der Hirsch und die Bärin sahen nach ihr, die Raben sprachen zu ihr, immernoch. Doch wollte sie es nicht mehr hören.

Ihr Partner starb bei einem Jagdunfall, er hatte nicht auf die Gesetzte der Natur geachtet und zur Unzeit gejagt.

So war sie allein.
Mit sich und dem was ihr hinterlassen wurde.

Als ihre Lebensflamme fast verlöscht war träumte sie. Immer und immer wieder. Es war ein Ruf und sie musste ihm folgen. Sie ging zur Hütte, entschuldigte sich bei ihrer alten Lehrerin. Sie lernten zusammen zu vergeben, aber auch ihre Stärke aufzubauen. Später erbte die Frau das Buch der Geheimnisse und vergass nie mehr auf den Gesang der Sterne, des Blutes, der Knochen zu lauschen.

By Veleda Alantia

 

Bilderquelle: Veleda Alantia

Die Geschichte von der Verzauberung, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 10. März 2018

Märchen aus Avalon 4

Bild: NASA https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rho_Ophiuchi.jpg http://wise.ssl.berkeley.edu/gallery_rho_ophiuchi.html NASA/JPL-Caltech/WISE Team This file is in the public domain in the United States because it was solely created by NASA. NASA copyright policy states that „NASA material is not protected by copyright unless noted“.

Es war zu einer Zeit als die Welten noch nah beieinander waren, daß ein junger sterblicher Prinz sich in die Prinzessin der Anderswelt verliebte. Ihre Eltern herrschten gleichberechtigt im Land, das umgeben war vom Nebel, erschaffen aus Erde, Meer und Luft. Ihre Tochter Abendstern war die schönste und zauberreichste unter ihren Geschwistern. Sie als Jüngste würde auch alles erben. Der Prinz Morgenstern lebte in einem Land, das voller Wälder war. Oft waren die Beiden beieinander, Abendstern besuchte ihn oft in seiner Welt und sie wandelten gemeinsam umher und viel Freude hatten sie. Eines Tages jedoch fiel dies dem König der Anderswelt auf und er war zornig. Er rief das Paar zu sich am Hof.

„Mein Kind, warum vergeudest du dich an einen Menschen dessen Zeit so kurz ist?“ fragte er die Sternenlichtjungfrau.
„Vater, es ist nicht vergeudet. Uns verbindet etwas über die Zeiten hinweg.“ Tränen benetzten die Wangen des Kindes. Die Mutter und Königin war gerührt von dieser Rede, nur der König blieb starr im Herzen und Sinn. Er verkündete: “Da dir soviel an ihm liegt, sollst du sein Schicksal teilen. Du, Abendstern, wirst zu einem männlichen Wolf und du, Morgenstern, zu einer wilden Stute. So soll es sein!“ Und mit den letzten Worten geschah die Verwandlung. Tiere, die in der Nähe eines Steinkreises lebten und unter dem Schutz des Waldgottes standen hatten all das gehört. Als die beiden Tiere aus dem Tor traten wussten sie das sie nicht beieinander bleiben durften. Sie waren nun Jäger und Gejagte. Noch dazu hatten sie das gegenteilige Geschlecht. Morgenstern beugte seinen Stutenkopf hinab und Abendstern ihren Wolfskopf.

In dem Moment als sie sich berührten leuchtete auf der Stirn des Wolfes und des Pferdes jeweils ein weißer sternförmiger Fleck. Mit schwerem Herzen trennten sie sich. Die Tiere des Cerrunnos hatten dies beobachtet und sich geschworen die beiden tragischen Liebenden zusammenzubringen.
Viele Jahre gingen ins Land.
Abendstern war Anführer eines Rudels geworden, war stark und konnte sich durchsetzten. Morgenstern war Teil einer Herde. Lernte seine Fürsorge kennen, seine Intuition. Die Tiere fanden sie endlich und brachten sie zusammen, es war Herbst und das Feld, wo sie sie hinbrachten war verbrannt um den neuen Samen zu empfangen. Doch ein Jäger hatte von dem seltsamen magischen Wolf und der Stute gehört. Er machte sich auf und fand die Tiere. Da er kalt im Herzen war, gierig und Spass am Jagen hatte, schoss er das Wild nicht aus Hunger sondern aus Gier. Ein Schuss gellte und Abendstern war getroffen. Ihr Fell war rot durchnässt. Die Tiere, ein Hase, ein Dachs und ein Reh zitterten. Was sollten sie jetzt tun? Sollte so alles enden? Alle Mühe?
Aus dem Boden stieg eine Kraft.
Es war die Königin der Anderswelt.
Betroffen sah sie ihre Tochter, löste die Wolfsgestalt auf und erlöste auch Morgenstern.
Ihre Tochter war schwach vom Leben in dieser Welt, doch ihr Wille war durch das Leben als Wolf stark geworden.
Morgenstern hatte gelernt welche Pflanzen heilen konnte und so fand er die Heilkräuter und Abendstern genass. Die Tiere senkten dankbar das Haupt und wurden mit langem Leben belohnt und sie wurden Freunde des Paares, das sie solange begleitet hatte. Selbst der Vater und König musste einsehen, daß er die Liebe nicht aufhalten konnte.
Liebe und Vertrauen besiegte alles.
War die größte Magie.
So erlaubte er seiner Tochter die Heirat mit ihrer Zwillingsseele und gewährte ihnen die Wahl wo sie leben wollten.

Leider ist ihre Wahl nicht überliefert, doch die Magie ihrer Liebe lebt mit jeder verstrichenen Jahreszeit auf. Grade dann wenn die Tore zu den anderen Welten am dünnsten sind.

Ende

by Veleda Alantia

Als der Wandel der Zeit zur Musik wurde, geschrieben von Kristina Pfeifer & Herbert Pfeifer

Samstag, 03. März 2018

Seit cirka 9 Jahren gibt es jetzt das Pagan Piper Project. Mittlerweile ist es eine fixe Band, begonnen hat es als offene Plattform, um modernes Heidentum künstlerisch zu beleuchten.

Ständig kamen neue Menschen hinzu, andere gingen wieder, je nach Änderung der Situationen, Vorlieben und Interessen. Manche bleiben lange, über Jahre, andere sind für wenige Songs – oder sogar nur für einen einzigen Song – zu Gast. Im neuen Album ist dieser Wandel, der das Projekt immer begleitet hat, besonders präsent. Wandel ist manchmal etwas Sanftes, Langsames, das auch eine gewisse Konstanz in sich birgt. Und es gibt natürlich den Wandel als plötzliches Ereignis, das ja oft als unangenehm wahrgenommen wird. Wer kennt das denn nicht? Wir wachsen ja alle damit auf.

Vivianne Crowley erschuf 2010 eine Sequenz von Worten, die aus den Inhalten des Buches „The Egyptian Book of the Dead“ zusammengesetzt sind, hierbei handelte es sich um eine Übersetzung von E.A.Wallis, die 1998 veröffentlicht wurde. In dieser Sequenz kommt die magische Abfolge dieser Zyklen des Wandels zum Ausdruck, worin einerseits die Vernichtung durch Veränderung zu spüren ist, aber auch ihre Konstanz, die in sich ein Geheimnis des Lebens birgt. „I am the Phoenix of the living flame, I arise from the ashes of the past. / I am the keeper of the book of things that are and the things that will be. / Eternity is the day. Everlastingness is the night.“ Etliche Jahre später, durch Sigrid Massenbauer, Veronika Kusová, Petra Kociánová und Anna Doubková wurden aus diesen Textzeilen ein Chant erschaffen und zusätzlich mit Damh the Bard, Karen und dem Broomstick Rallye Chor vertont und aufgenommen. Und dieser Chant ist das Herzstück des neuen Albums „Phoenix“ vom Pagan Piper Project.

Wandel drückt sich natürlich nicht nur so aus, er hat viele Gesichter, er hat einen Anfang und ein Ende, er erschafft Angst und Zuversicht, Isolation und Befreiung, Zweifel und Erkenntnis, sowie letztendlich einen Überblick über das Leben im Großen und im Kleinen. Im Song “Starting the Rite“, der bald nach dem ersten Album „The Turning of the Wheel“ entstand, werden schlichtweg die vier Elemente angerufen und der Ritus gestartet. Das hatte seine Wirkung, da in der Band sich zugleich ein heftiger Wandel vollzog. Eine schwierige Zeit. Wie soll es weitergehen? Da kam ein alter Spruch zu Tage, der von Kristina schon vor Jahren gedankenlos auf Papier gekritzelt worden war, und nicht nur die Situation ausgezeichnet beschrieb, sondern auch Hoffnung geben sollte: „Fear is just a mirror in the demon’s eyes.“ Darum herum entstand der Song „Morning Star“. Ein anderes Mitglied der Band hatte sich nach Jahren endlich aus einer schlimmen privaten Situation befreit, und schrieb darüber den Song „Tree of Life“, wo es darum geht, dass unser Lebensweg manchmal wie der verästelte Zweig eines Baumes wirkt, voller Weggabelungen, wo wir uns entscheiden müssen. Manchmal sind diese Entscheidungen besonders schwierig, und man fühlt sich gefangen, aber in Wirklichkeit ist man in jedem Moment frei, das zu tun, das einem nahe steht.

Als die schwierigen Zeiten sich dann zu lichten begannen, entstand aus langen Improvisationen schließlich einer der imposantesten Songs des Albums: „Panta Rhei“, der in sich dann schon eine abgeklärte Einstellung zu dem Auf und Ab der Zeit trägt. Nachdem das alles eigentlich auch immer wieder mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat, und dies dann besonders intensiv wird, wenn es um Liebe geht, kamen noch zwei Songs dazu, die mit einem leichten Augenzwinkern das Thema Partnerwunsch aus der heidnischen Sicht beleuchten („I Want a Pagan Man“ und „The Witches‘ Song“).

Und dann kam wieder die Kunst selbst ins Spiel. Die Band hat Kontakt zu vielen Formen des Heidentums und aber auch zu Menschen, die zu mystischen oder heidnischen Konzepten gar keinen Zugang haben. Doch da gibt es für alle ein verbindendes Element, das zudem den Wandel hervorruft: Es ist die Kunst selbst, die Kreativität, die uns hilft, das Gewohnte zu verlassen. Ein sehr alter Song, „Troubled and Sad“ der keinen Bezug zum Heidentum hatte, trug in sich eine Erklärung für die Wirkung in den verschiedensten Traditionen des Heidentums, wo in vielfältiger Art durch Kreativität eine neue Sicht der Dinge geschaffen wird. Und letztendlich in „Hands of Time“ wird rekapituliert, wie man doch immer wieder versucht, „sehend“ oder „erleuchtet“ zu sein, und dann stets auf die Ernüchterung trifft, dass man doch nicht alles sehen kann – oder vielleicht gar nicht will. Aber dafür gibt es eine Erklärung und letztendlich zumindest Anerkennung für den Versuch, der in sich Wert trägt.

Und damit ist das Album zu Ende. Die Geschichte selbst natürlich nicht. Mittlerweile geht es weiter und wir werden sehen, ob es Wandel oder Konstanz ist, oder eigentlich beides ohne klare Grenzen.


Ist es im Heidentum, abseits der Musik hier, nicht auch so? Es wandelt sich stets und jeder von uns hat sein/ihr Lied zu singen. Es ist oft eine Geschichte, die im Laufe der Zeit ein gesamtes Bild malt oder einen übergreifenden Song erschaffen kann. Vielleicht findet die eine oder der andere darin sich wieder. Man probiere es aus, auf 
www.paganpiper.com, auf Facebook oder Youtube, oder auf einer der anderen zahlreichen Plattformen, wo man die Videos des Projekts sehen kann oder die Musik lädt und hört.