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Runenorakel – Teil II, geschrieben von Eibensang

Samstag, 03. Mai 2014

Achtung, Gift!

Apropos neuzeitlich: Das heutzutage dank absolut unkritischer Eso-Schreiberlinge immer noch sehr weit verbreitete sog. „18er Runensystem“ ist überhaupt keins. Dieses auch „Armanen-Futhork“ genannte Zeichensystem aus 18 „Runen“, die Runen insofern täuschend ähnlich sehen, als sie willkürlich aus dem Jüngeren Futhark gefleddert wurden, hat sich eingangs des 20. Jh. der Ideologe Guido „von“ List ausgedacht – der den späteren Nazis und vergleichbaren Rassisten damit den okkulten Überbau für ihre höchst ungermanischen Ansichten und Umtriebe lieferte. Das „18er System“ ist so germanisch wie ein Smartphone, nur viel gefährlicher: Es existiert nur aus dem einen Grund, Menschen in „wertige“ und „unwerte“ „Rassen“ aufzuteilen. Es ist Bestandteil der Ariosophie, einer okkult konstruierten Lehre, die ebenfalls besagter Guido „von“ List verantwortet (und die das noch giftigere Kind der ebenfalls ziemlich menschenfeindlichen „Theosophie“ einer gewissen Helena P. Blavatsky ist – gleichwohl deren Unsinn zumindest in Versatzstücken bis heute durch alle möglichen esoterisch vernebelten Gehirne spukt und äußerst fragwürdige Urständ‘ feiert: dies gern auch ohne bewusstes Wissen der NachbeterInnen, deren Wahrheitsdurst in Wahrheit aus kontinuierlichem Wegschauen und anhaltender Denkverweigerung besteht). Letztlich rechtfertigt diese Lehre Kolonialismus – und die Ableitung zum „Herren- und Untermenschentum“ der Nationalsozialisten ist kein Unfall gewesen, sondern in dieser Denkart folgerichtig. Das „18er Runensystem“ oder „List-Futhork“ unterstützt diese Denke – und keine andere – magisch.

Nein, man stirbt nicht sofort bei Benutzung. Genausowenig wie von Genfood, Glutamat, dem Fleisch industriell gequälter Tiere oder dem Gebrauch von Atomstrom, der BILD- oder Kronen-„Zeitung“ und vergleichbaren Angstverstärker-Journaillen oder Heroin oder Crack oder permanentem Fernsehkonsum unter Ausschluss von Alternativen. Nicht alles, wovon abzuraten ist, hat sofort spürbare Direktfolgen für uns. Aber alles macht was. Verstehst‘! Von wegen „Bewusstsein“ und „ganzheitlicher“ Lebensführung und so!

Ebenfalls gewarnt sei vor dem als meditativ oder gar als kenntnisfördernd apostrophierten Nachstellen von Runenformen mit dem eigenen Körper, so genanntem „Runen-Yoga“ (zuweilen auch mit altnordisch klingenden Begriffen wie „Stadha / Stödhur“ belegt, was den Scheiß aber weder historischer noch irgendwie germanischer macht). All dieses Geturne und Genöhle, ohne das bis heute so gut wie kein esoterisches Runenbuch auskommt (freilich, ohne die Quelle zu nennen!), geht auf einen einzigen Menschen zurück: Friedrich Bernhard Marby. Seine 1934 erschienene Broschüre hieß – lasst euch den Titel auf der Zunge zergehen, bevor ihr ausspuckt und gründlich spült – „Rassische Gymnastik als Aufraffungsweg“. Und hat nur diese Bedeutung – samt magischem Flashback.

Es gibt m.E. keinen auch nur halbwegs vernünftigen Grund – zumindest nicht für magisch kundige oder interessierte Menschen, die doch sonst so gern auf „Zusammenhänge“ verweisen und wissen, dass alles „miteinander verbunden“ ist –, solchen Quellen durch Nachmachen oder Nachturnereien auch nur die geringste Energie zuzuführen.

Grundlagen des Orakelns

Aber nun endlich zum Thema: dem Orakeln mit eckigen germanischen Zeichen. Erklärungen, was die einzelnen Runen bedeuten (und was noch, und was unter bestimmten Umständen außerdem… von ihren Zusammenhängen ganz zu schwelgen), sprengten hier den Rahmen. Persönlichen Bezug zum verwendeten System (für die deutende Person. Die fragende braucht ja nicht unbedingt einen!), Kenntnis der Zeichen und ihrer Grundbedeutungen, idealerweise empirisch erprobte Ableitungen oder Varianten davon etc. – kurz: ein bisschen „praktische Orakelerfahrung“ – setze ich hier einfach mal voraus.

Was die meisten Orakelnden wissen dürften oder sollten, sei für alle anderen kurz zusammengefasst: keine suggestiven Fragen („wann werde ich reich / verliebe ich mich“ o.ä.), keine Ja-Nein-Fragen, keine Fragen nach definitiven Zeitpunkten oder sonstigen Zahlen-Ergebnissen, und am besten jeder fragenden Person nicht mehr als ein Orakel an ein- und demselben Tag deuten – ein jedes Orakelbild will erstmal „überschlafen“ werden, gerade auch, wenn das Ergebnis zu weiteren Fragen einlädt. Die Entscheidung, Menschen in erkennbar labilem Seelenzustand oder extrem aufgewühlter Gemütsverfassung einen – ja sonstwie ausfallen könnenden – Orakelwurf für den betreffenden Tag und Zustand eher zu verweigern, aus Gründen der Verantwortung, setze ich ebenfalls voraus.

Ein jedes Orakel ist (immer nur) so gut wie seine Deutung. Sie ist der Knackpunkt der Sache. Mir ist daher, bevor ich mein Runensäckchen auch nur anfasse, wichtig, worum es der Person, die ein Orakel möchte, geht. Viele Fragende müssen sich da erstmal ein wenig sortieren innerlich – was unabdingbar ist: Wie sollte hex ein Orakelbild lesen, dem anstatt einer klaren Frage ein ganzer Wirrwarr von Themen, womöglich ein verschlungenes Knäuel unterschiedlicher Problematiken zugrundeliegt? Was zu einer weiteren Grundregel führt: Die ausgesprochene Frage sollte so einfach wie nur irgend möglich formuliert sein – und es gehört zur Verantwortung der deutenden Person, der fragenden diese Formulierung nicht etwa vorab in den Mund zu legen, auch wenn das bis dahin gediehene Vorbereitungsgespräch vielleicht längst dazu einlädt. Gerade die Runen antworten immer und nur auf das Anliegen, das der fragenden Person wirklich und zutiefst am Herzen liegt – befindet sich die deutende in Unkenntnis darüber, kann die Erklärung, die Deutung des Bildes, nur in Blödsinn münden (der im besten Fall harmlos sein mag, genausogut aber schädlich ausfallen kann).

Hier sind sowohl Menschenkenntnis als auch Fingerspitzengefühl gefragt – und gegebenenfalls ein gerüttelt Maß Geduld: gerade Menschen gegenüber, die solch ein Prozedere – ihr persönliches Anliegen in einem griffigen, klaren Satz, möglichst ohne Nebensätze – zusammenzufassen, nicht gewohnt sind und sich damit zunächst etwas schwer tun. Das Finden bzw. Herausarbeiten des Fragesatzes ist die halbe Miete! Und nochmal: Es ist zwingend erforderlich, dass die betreffende Person ihren Satz ausschließlich selbst formuliert. Die gute Nachricht dabei: Oft helfen die dazu erforderlichen Gedanken und Überlegungen bereits, das Anliegen so zu konturieren, dass die spätere Deutung des Orakelwurfes eine wird, mit dem die Fragerin auch etwas anfangen kann. ;-) Selbstverständlich sollte hex bei der Findung der Fragestellung behutsam helfen – aber eben nicht durch eigenmächtige Vorformulierungen, auch wenn die Zunge juckt.

Wichtig: keine Negativformulierungen zulassen! Will sagen: immer auf klarer Positivformulierung bestehen! ;-) Das Unterbewusste kennt keine Verneinung. „Was muss ich tun, damit meine Beziehung nicht misslingt“ kann nur zu einem Bild führen, das, folgt die Person dem Rat, diese Beziehung sicher gegen die Wand fährt. Lieber nachfragen, was sich die Fragende unter einer gelungenen bzw. gelingenden Beziehung vorstellt – und anregen, dies knapp und prägnant auszudrücken. Je konkreter, klarer und einfacher die Formulierung ausfällt, desto deutlicher werden Orakelbild und daraus ableitbarer Rat.

Das zyklische Zeitverständnis

Hier kommen wir zu einer runenspezifischen Besonderheit. Vergesst die gewohnte Zeitachse „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“! In germanischer Denke existiert die so nicht, daher können Runen, nach einer „Zukunft“ befragt, nur ziemlichen Müll absondern. Ich habe an dieser Stelle bereits vor Jahren versucht (in meinem Essay „No future – warum das Germanische keine Zukunft hat“), das (von mir so genannte) „Nornenmodell“ zu erläutern: Die Schicksalsmächte, weiblich personifiziert als (allen Gottheiten weit übergeordnete Nornen namens) Urda, Verdandi und Skuld, verkörpern ein zyklisches Zeitbild. In Kurzform: Urda ist alles, was vergangen, bereits passiert ist. Das ist unveränderlich – und kann als Boden angesehen werden, auf dem wir stehen. Dabei ist es unerheblich, ob ein Ereignis länger zurückliegt oder erst soeben geschah: Passiert ist passiert. Zugriff haben wir ausschließlich auf die Gegenwart. Die verkörpert sich in Verdandi, der „Werdenden“: was eine Art Zukunft miteinschließt – allerdings nur die unmittelbare. Jener kurze Zeitraum, der noch direkt mit der Gegenwart verbunden und von ihr nicht wirklich trennbar ist. Im Grunde das, was gerade geschieht – und uns die einzig mögliche Eingriffsmöglichkeit aufs Schicksal gestattet: dafür eine überaus umfassende. Skuld verkörpert dann nicht etwa „Schuld“ im sittenchristlichen Sinne eines irgendwie „abbüßbaren“ Vergehens oder gar einer „Strafe“. Von solch moralischer Bewertung ist das Nornenmodell – oder germanisches Denken überhaupt – so weit entfernt wie der Papst vom Menstruieren als heiliger Handlung. Die Herleitung des Nornennamens Skuld aus „(etwas) schulden“ bezieht sich vielmehr und ausschließlich auf die – in sich völlig wertfreie – „Konsequenz der Tat“. Denn die Gegenwart – das, was du darin tust, was dort passiert – verändert dann doch die Vergangenheit: dahingehend, dass ihr durch die Gegenwart etwas hinzugefügt wird, das im nächsten Moment nicht mehr verändert werden kann, weil es im Augenblick seiner Manifestation Urd bereichert – wodurch sich der Nornenkreis schließt. Urd selbst ist nicht mehr beeinflussbar, Verdandi – die Gegenwart – ermöglicht uns jede Tat, jede Eingriffsmöglichkeit: immer nur jetzt – und aus der resultiert, ausgedrückt durch Skuld, diese und jene Veränderung.

Fürs Orakeln heißt das (wie auch, genau genommen, fürs „richtige Leben“): Eine Zukunft findet nicht statt – außer in der unmittelbaren Gegenwart, in Form unserer Wünsche und Ängste oder sonstwelcher Vorstellungen, die wir darüber entwickeln. Da die Eingriffsmöglichkeit immer nur im Jetzt besteht, ist es sinnvoll, auch die Orakelfrage möglichst im Präsens zu halten. Natürlich lassen sich Entwicklungstendenzen erfragen – aber sie gehen immer vom Jetzt aus. Und so weit sie auch in eine (erhoffte oder befürchtete, immer aber nur: gedachte, nie festzumachende) „Zukunft“ zielen mögen: Das Orakelbild zeigt lediglich auf, worauf es hinauslaufen könnte, wenn die fragende Person NICHTS weiter unternimmt, sondern in ihrem bisherigen Zustand verharrt bzw. bei ihrer momentanen Haltung, Strategie oder Taktik bleibt. Insofern ist das Orakelbild vergleichbar mit einer Tankanzeige: noch soundsoviel Kilometer unter diesen Umständen so weiter, dann geht dir voraussichtlich auf halber Strecke das Benzin aus – oder der Tank ist voll genug, das Ziel zu erreichen, ohne dass du dich weiter drum kümmern musst. Niemand betrachtet eine warnende Tankanzeige als Schicksalsschlag – auch Orakel sind ggf. als Hinweise zu lesen, bestimmte Dinge zu ändern: gerade dann, wenn sie auf Gefahren verweisen.

Runenorakel – Teil I geschrieben von Eibensang

Samstag, 01. März 2014

Von allen denkbaren Orakelformen (Tarot, Kaffeesatz- oder Rauchdeuten, Pferdewiehern, Gummibärchen usw. usf.) ist das Werfen oder Ziehen von Runen nicht die idealste. Ganz einfach deshalb, weil es dem Versuch entspricht, einen Nagel in die Wand zu klopfen mit Hilfe eines Schuhabsatzes. Was nicht unmöglich ist – nur etwas unpraktisch. Was natürlich erst einleuchtet, wenn man/frau Runen eher zur Welterkenntnis und Lebensgestaltung verwendet – und sich damit weißdiegöttin andere Möglichkeiten erschließt, was aber die meisten nicht tun. Im Folgenden daher ein paar Tipps zur Sache, die helfen mögen, ein paar typische Fehler und Irrtümer zu vermeiden, und mit den Ergebnissen von Runenorakeln leichter klarzukommen.

Die Einleitung klingt kryptisch? Für mich sind Runen Ausdruck bzw. Bestandteil einer größeren Sache, die ich Ásatrú nenne – und deren Werte sich von gängigeren Weltauffassungen (zumindest meine Lebensart betreffend) unterscheiden. Zuweilen nur marginal – aber auch das führt unter Umständen zu unerwarteten Ergebnissen. So ähnlich, wie auf einer Tastatur das Drücken ein- und derselben Taste ganz unterschiedliche Folgen haben kann: je nach gerade aktiver Software, die diese Tasten mit ureigenen Funktionen belegt. Und egal, an was du glaubst oder wie du spirituell orientiert bist: Mit den Runen rufst du germanische Gottheiten an – und begibst dich damit in deren „System“. Ob dich das interessiert oder nicht. Da ich von Letzterem ausgehe ;-), sei dieser wichtige Hintergrund hier nur ansatzweise angeleuchtet – ganz ignorieren kann ich ihn bei diesem Thema nicht! Denn nur so lassen sich einige typische Effekte erklären.

In sich geschlossene magische Systeme funktionieren als solche natürlich immer. Simpelstes Beispiel ist das Werfen einer Münze – Kopf oder Zahl – auf eine Entscheidungsfrage. Dazu bedarf es keinerlei spiritueller Bindung – es sei denn, wir betrachten die Bereitschaft, sich nach dem Ergebnis solch launigen oder auch spielerischen Münzwurfs zu richten, bereits als spirituellen Akt. Was in den wenigsten Fällen so intendiert sein dürfte. „Aberglaube“ würde ich das aber auch nicht nennen – solange die genannte Bereitschaft eine freiwillige ist und nichts Zwanghaftes hat. Womit ich nur sagen will: Selbstverständlich lassen sich Runen werfen, ziehen und deuten, ohne dass die betreffende Person dafür im Bunde mit germanischen Gottheiten sein muss. Die werden ggf. auch ungefragt aktiv.

Historischer Hintergrund

Etwa 6.500 historische Runeninschriften sind bis heute bekannt; die allermeisten davon lassen sich dem so genannten „Jüngeren Futhark“ zuordnen: jenem auf 16 Zeichen reduzierten Runensystem, das die Wikinger (als Angehörige einer letzten altgermanischen, also noch als vorwiegend heidnisch titulierbaren Kultur) zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert über die damals bekannte Welt verbreiteten; die meisten dieser Inschriften finden sich auf Gedenksteinen. Dort wurden im Wesentlichen einzelne Ereignisse festgehalten – Schiffsunglücke oder Jagdglück und dergleichen, in aller Regel ohne Hinweise auf weitere Zusammenhänge, was eine wertende Einordnung erschwert.

Das älteste Runensystem, das aus 24 Zeichen besteht und das auch ich verwende, das so genannte Ältere Futhark, ist historisch ab dem 2. bis 3. Jh. nachweisbar und kam bereits Ende des 7. Jh. außer Mode. Etwa 350 Funde sind bis heute vorhanden, davon zeigt nur eine Handvoll das komplette System (dies in zwei unterschiedlichen Versionen). Die so genannten gemein-germanischen Namen der Runen wurden – samt ihrer wahrscheinlichen Grundbedeutungen – aus späteren (letztlich bereits mittelalterlichen) Gesängen bzw. deren Aufzeichnungen so weit als wissenschaftlich möglich recherchiert. Runen sind germanische Ritzglyphen, also Ritzzeichen mit möglicher Mehrfachbedeutung und Symbolik. Außer Älterem und Jüngerem Futhark entstanden (in der Spätzeit: vor 1000 n.Chr.) noch weitere historische Systeme wie das Angelsächsische Futhark aus ca. 33 Zeichen, das Friesische und andere. Die Bezeichnung Futhark beruht – nur hier analog zum ABC – auf den ersten Zeichen des Systems: Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz. (Die Betonung germanischer Begriffe liegt übrigens immer auf der Stammsilbe, dem Anlaut!)

Germanische Kulturen dürfen dennoch als schriftlos gelten; das Ritzen von Runen war Eingeweihten, so genannten Erilar (Runenkundigen) vorbehalten. Magische Absichten sind – besonders in der Frühzeit des Älteren Futhark – historisch wahrscheinlich, wenn auch nicht beweisbar. Runen sind nicht verwandt mit dem keltischen Ogham (einem Ritzzeichensystem, das die Druiden, Angehörige der bei keltischen Stämmen üblichen Priesterkaste, verwendeten: für die es in germanischen Kulturen keine Entsprechung gab – dies nur am Rande erwähnt). Die Herkunft bzw. Ableitung der ersten Runen aus ertruskischen, italischen sowie auch phönizischen Alphabeten ist sehr wahrscheinlich, auch wenn sich nicht genau sagen lässt, wie die geheimnisvolle Kunde des Schreibenkönnens nach Skandinavien gelangte, wo das Runenritzen vor rund oder knapp 2000 Jahren zuerst praktiziert wurde. Die anfangs ausschließliche Verwendung von geraden und schrägen (nicht aber waagrechten) Strichen mag als Hinweis herhalten, dass Runen zunächst in Holz geritzt wurden (gegen die Maserung, um die Zeichen davon abzuheben), was wiederum die – ledigliche (wissenschaftlich nicht belegbare) – Vermutung zulässt, dass das Ältere Futhark ein oder zwei Jahrhunderte früher entstanden sein mag, als die ältesten Funde nachweisen können: Holz und vergleichbare Materialien verrotten eben mit der Zeit.

Für divinatorischen Gebrauch von Runen in historischer Zeit gibt es keinerlei Hinweise, geschweige denn Belege. Andere germanische Orakelformen – wie das Deuten von Pferdewiehern oder das Verbluten von Opfern über Steinen – sind überliefert; doch selbst der Römer Tacitus (der selbst nie in germanischem Gebiet war) erwähnt in seiner „Germania“ nur das Ziehen und Werfen von Holzstäbchen, die einem „fruchttragenden Baum“ entstammten – kein Wort darüber, ob in diese Stäbe irgendwelche Zeichen eingeritzt waren oder gar defintiv Runen. Demnach dürfen wir das Runenorakel als einen neuzeitlichen Brauch betrachten.

Teil I

Grabstätten und Grabsteine Teil III – Sarg-Kunst in Ghana

Samstag, 23. November 2013

Können Sie sich vorstellen in einer riesigen Kakaobohne beerdigt zu werden? Oder in einen gigantischen Huhn aus Holz, oder in einem knallroten Holz-Sportwagen? Die Bewohner des Südosten Ghanas können das, und sehen in dieser einzigartigen Form der letzten Ruhestätte, ihren Verstorbenen gegenüber, einen ganz speziellen Liebesbeweis.

Extravaganz über den Tod hinaus

Im Südosten Ghanas (Region von Greater Accra) befindet sich einige Ateliers, meist als Familienbetriebe geführt, die den Verstorbenen einen letzte Ruhestätte der besonderen Art zimmern. Hier können Verwandte die irrwitzigsten Särge bauen lassen. Jeder Sarg wird exakt nach den Vorstellungen der Hinterbliebenen gebaut und eigens von einem Künstler der Region handbemalt. Natürlich ist die Wahl des Motivs eines Sarges angelehnt an das Leben der Verstorbenen. So beerdigte man den Besitzer einer Kaffeebohnenplantage -wie sollte es anders sein- in einer bunten und fröhlichen Holz-Kaffeebohne. Eine Dame bestellte für ihre gluckenhafte und kürzlich verstorbene Mutter einen Sarg in der Form eines Riesenhuhns.

Sarg-Kunst Huhn

Wie das Sarg Bauen zur Kunst wurde

Diese Form der Sarg-Kunst findet ihren Ursprung in einer Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der sich die Häuptlinge in speziellen Sänften durch die Gegend tragen ließen. Diese Sänften stellten -je nach Clan und Vorliebe des Oberhauptes- die unterschiedlichsten Figuren dar und waren wichtige Status-Symbole. Ein Häuptling wünschte sich zur Zuschaustellung seiner wirtschaftlichen Kraft, eine Sänfte in Form einer riesigen Kakaobohne. Da er aber noch vor deren Fertigstellung starb, gab man ihm die Sänfte einfach mit ins Grab. Es ist zwar nicht bewiesen, doch gut vorstellbar, dass dies der Ursprung der Sarg-Kunst Ghanas war. So entwickelte sich eine derart spezielle Tradition, wie es sie kein zweites Mal auf der Welt gibt – ein Rückgang der Bestellungen ist für die Sargtischler nicht zu erwarten. Zumal sich die Bestellungen längst nicht mehr auf Ghana beschränken. Mittlerweile gehen Aufträge aus aller Welt ein. Trinkfreudige Bier-Liebhaber aus Deutschland wollen in Bierflaschen beerdigt werden, amerikanische Geschäftsmänner in überdimensionalen Handys. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die Ausführung der handgefertigten Särge hat oft etwas mit dem Beruf des Verstorbenen zu tun oder auch mit dessen Hobbies und Vorlieben. So stellten die ghanaischen Sarg-Künstler unter anderem bereits Särge in Form von Fischen, Flaschen, Dosen, Hühnern, Tomaten, Autos, Flugzeugen, Schuhen, Früchten und sogar einer Canon Digitalkamera her. Die Ehre in einer Raubkatze beerdigt zu werden, wird allerdings nur Würdenträgern -Oberhäuptern des Clans- zu Teil.

Sarg-Kunst Canon

Der bekannteste Sarg-Künstler war Seth Kane Kwei (1925 – 1992), der das Handwerk wohl von deinem Onkel Ataa Oko erlernte, die Quellen dazu sind nicht eindeutig belegbar. Kane Kwei führte gemeinsam mit seinem Bruder von 1951 an eine Sargmanufaktur in Teshie. Mittlerweile wurde diese von seinem Sohn Cedi Anang Kwei und später von seinem Enkel Eric Adjetey Anang übernommen. Seit die Särge in den 70er Jahren von einem Amerikaner in Teshie entdeckt wurden, erlangten sie auch außerhalb von Ghana große Bekanntheit. Erstmals wurde Seth Kane Kwei 1972 nach Kalifornien eingeladen, um seine Särge als Kunstwerke auszustellen. Die Ausstellung lief unter dem Namen „The Egg and The Ey“ und fand in Los Angelos statt. Seither folgten weitere internationale Ausstellungen der diversen Sarg-Künstler in den USA, in Europa sowie in Asien, beispielsweise 2011 unter dem Titel „Miracles of Africa“ in Finnland.

Besänftigung der Toten

Die aufwendige Gestaltung der Särge hängt natürlich stark mit den Vorstellungen über das Jenseits zusammen. Nach dem Glauben der Ghanaer geht das Leben im Jenseits auch nach unserem Tod in etwa so weiter, wie hier im Diesseits. Allerdings haben die Verstorbenen in ihrem neuen Status als Ahnen größere Macht und ebenso einen Einfluss auf das Leben ihrer noch lebenden Verwandten. Man glaubt also, die Verstorbenen durch einen besonders exklusiven und kunstvollen Sarg positiv stimmen zu können. Hier spielt natürlich auch der materielle Wert eine Rolle, denn so ein Sarg ist nicht ganz billig, wenn man sich das Durchschnitts-Einkommen dieser Region ansieht. In etwa 500 US Dollar müssen die Hinterbliebenen für ihre extravaganten Sarg-Wünsche bezahlen.

Sarg-Kunst Fisch

Es beschleicht einen das Gefühl, die Menschen in Westafrika gingen mit dem Tod ganz anders um, als wir hier in Europa. Es scheint, als wäre der Tod viel mehr als Teil des Lebens anerkannt als bei uns und würde genauso gefeiert werden wie das Leben selbst. Sieht man die Bilder der bunten und phantasievollen Särge, könnte man meinen, in Ghana würden die Menschen auch mitten in der Trauer um die Verstorbenen, ihre Lebensfreude und vor allen Dingen auch ihren Humor nicht verlieren.

Beerdigung im Fisch

Quellen:
Regula Tschumi: Die vergrabenen Schätze der Ga. Sarg-Kunst aus Ghana. Bern 2006.
TV-Dokumentation: Ghana – Wie das Sein, so der Sarg. Frankreich 2010.
http://www.fr-online.de/panorama/seltsame-saerge-begrabt-mich-in-einer-gebaermutter,1472782,3354456.html;
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/sarg-kunst-in-ghana-flaschenpost-ins-jenseits-a-800719.html

Bildquellen:
http://www.arte.tv/guide/de/046335-000/ghana-wie-das-sein-so-der-sarg;
http://www.spiegel.de/fotostrecke/figurensaerge-in-ghana-tot-im-fisch-fotostrecke-75695.html

Kristallstruktur und Lebensstil – Was Menschen und Kristalle gemeinsam haben könnten

Samstag, 29. Juni 2013

Jeder Kristall/Stein hat einen eine ganz bestimmte Kristallform. Laut Michael Gienger kann man die unterschiedlichen Formen der Kristalle bestimmten menschlichen Verhaltensweisen zuordnen.
Gienger teilt die Menschen grob in acht unterschiedliche Typen ein. Jedem dieser acht Charaktertypen schreibt er eine Kristallform zu. Die Theorie dahinter ist folgende: Achtet man neben der eigentlichen Wirkung der Heilsteine auch noch auf die richtige Form (also die Form, die meinen Charaktereigenschaften entspricht), so kann man eine noch bessere Wirkung durch die Steinen erzielen. An dieser Stelle sollte man vielleicht sagen, dass Kategorisierungen dieser Art immer mit Vorsicht zu genießen sind, dennoch fand ich den Ansatz interessant und auch ein wenig unterhaltsam. Ob man sich selbst gerne einer der genannten Lebensstile zuschreiben möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Hier nun eine kurze Zusammenfassung der genannten Formen und den dazu gehörigen Lebensstilen.

Formen und Stile – wer bin ich denn?

Der kubische Lebensstil
Zur kubischen Kristallform gehören alle Kristalle mit einer quadratischen inneren Struktur. „Kubisch“ kommt vom lateinischen Wort „Kubus“ ab, zu Deutsch „Würfel“. Das kubische Kristallsystem zeichnet sich durch seine quadratische Grundstruktur aus und wirkt dadurch sehr regelmäßig und geordnet. So wird auch der dazugehörige Lebensstil als geregelt und strukturiert beschrieben. Menschen die nach „kubischem Stil“ leben, lieben es Dinge zu planen und das Leben nach Ordnung, Struktur und Überschaubarkeit zu regeln. Das „alles im Griff haben“ steht hier an oberster Stelle. Die geordneten Verhältnisse schaffen Sicherheit und Ruhe. Alle Dinge haben ihren fixen Platz, ob im Haus oder in der eigenen Gedankenwelt. Auch der Tagesverlauf ist gut durchorganisiert, er verläuft nach bestimmten Gewohnheiten und einem etablierten Regelwerk ab. Unvorhergesehene Dinge lösen bei Menschen mit kubischen Lebensgewohnheiten Stress aus. Sämtliche Aktivitäten müssen bereits im Voraus genau geplant sein. Menschen mit einem kubischen Lebensstil besitzen durch ihre analytische Denkweise aber die Gabe, auch in komplexen Systemen stets den Überblick zu bewahren.

Der hexagonale Lebensstil
Hexagonale Kristalle zeichnen sich durch eine – wie der Name schon sagt – sechseckige Form aus. Das Sechseck ist vergleichbar mit einer Bienenwabe und entspricht – übertragen auf den Lebensstil – dem stets hart arbeitenden Menschen. „Hexagonale“ Menschen gehen die Themen ihres Lebens mit Effizienz und Zielstrebigkeit an, ebenso läuft das Tagesgeschäft nach diesen Prämissen ab. Die zur Verfügung stehende Zeit, wird sinnvoll eingeteilt. Der schnellste Weg zum Erreichen eines Ziels ist diesen Menschen der liebste. Diesen Typus zeichnet eine gewisse Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit aus. So besitzt hexagonale Typ auch die Fähigkeit, an Dinge mit einem klaren und analytischen Verständnis heranzugehen. Meistens sind Menschen dieses Lebensstils auch sehr sportlich und gut trainiert. Man achtet auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, zumindest solange die Zeit dazu reicht. Oft kippen hexagonal begabte Menschen aber auch in eine ungesunde „Stehimbiss-Phase“, vor allem, wenn die zu erreichenden Ziele mehr Zeit als geplant in Anspruch nehmen. Somit ist die größte Stärke auch die größte Schwäche dieses Menschenschlags, aber bekanntlich hat ja alles seine Vor- und Nachteile.

Der trigonale Lebensstil
Trigonal orientierte Menschen führen meist ein einfaches und unkompliziertes Leben, sind beständig und geruhsam. Sie sind dem Luxus gegenüber nicht abgeneigt, aber wenn der Preis zu hoch ist und dieser Luxus zu viel Einsatz fordert, ziehen sie ihn schlicht und einfach nicht in Erwägung. Dieser sehr pragmatische Ansatz führt zu der Überzeugung, dass mit minimalem Einsatz maximaler Gewinn zu erzielen sein muss. Durch den Weg des geringsten Widerstandes sind „Trigonale“ selten gestresst und führen ein geduldiges und ausgewogenes Dasein. Fast beneidenswert möchte man sagen. Man sagt ihnen jedoch auch nach, sie verfolgten selten einen Leistungssport, ihre Bequemlichkeit macht sich angeblich aber auch körperlich bemerkbar.

Der tetragonale Lebensstil
Obwohl das Rechteck dem Quadrat ähnlich zu sein scheint, unterscheidet sich der Lebensstil dieser zwei unterschiedlichen Typen aber deutlich voneinander. Im Unterschied zum quadratischen Typus, der es schafft alles zu ordnen und Struktur und Sicherheit in sein/ihr Leben zu bringen, scheint der tetragonale Typ das nicht so recht zu schaffen. Nach außen hin sieht es zwar nach Ordnung und wohlüberlegten Handlungen aus, bei näherer Betrachtung erkennt man aber, dass Entscheidungen oft aus dem Bauch heraus getroffen wurden und die logische Erklärung für das eigene Tun erst im Nachhinein passend konstruiert wurde. Diese Begründungen klingen aber für die Außenwelt meist plausibel und logisch nachvollziehbar. Menschen die einen tetragonalen Lebensstil machen ebenso viele Pläne wie Menschen des kubischen Stils, tun sich aber bedeutend schwerer damit, die erstellten Pläne auch wirklich umzusetzen. Dazu kommt, dass tetragonale Menschen das Neue und Unbekannte lieben und ein Anteil in ihnen auch gerne jeden Tag neu und aufregend gestalten möchte. Altes wird nur allzu schnell durch Neues ersetzt, viele Tränen fließen dabei nicht. Sie besitzen die Fähigkeit ihr analytisches Denken mit ihrer Spontanität zu kombinieren. So ist ihnen in der Problemlösung auch eine gewisse Kreativität gegeben.

Der rhombische Lebensstil
Rhombische Kristalle sind rautenförmig. Menschen die diesem Lebensstil zugeordnet werden können, haben oft lang gleichbleibende ruhige und harmonische Phasen, in denen alles nach einer gewissen geplanten Struktur abläuft. Doch plötzlich können diese Phasen von einer unerwarteten Veränderung unterbrochen werden. Oft erleben sie schwere Stimmungstiefs und depressive Schübe, die auch Entscheidungen zu groben Lebensveränderungen mit sich bringen können. Aus diesem Grund wird auch nie weit in die Zukunft geplant, der Zeitbegriff an sich ist diesen Menschen eher unbegreiflich. Alles wird seinen Lauf nehmen, wie es sein soll. Menschen mit einem rhombischen Lebensstil treffen schnell und gerne Entscheidungen, oft auch reichlich unüberlegt. Aber da ihnen auch ein Gott gegebenes Durchhaltevermögen zu Eigen ist, scheinen die getroffenen Entscheidungen niemals ein Hindernis darzustellen. Sie sind begeisterungsfähig und besitzen großes soziales Engagement.

Der monokline Lebensstil
Diese Kristallform entspricht dem Parallelogramm. Menschen dieses Stils wird eine gewisse Unbeständigkeit zugeschrieben. Ihr Leben ist von einem dauerhaften Auf und Ab geprägt. Häufig leiden sie unter Stimmungsschwankungen, auch wechseln sie häufig ihre Meinung. Das einzige das Bestand hat, ist die Tatsache, dass nichts Bestand hat. Monoklin lebende Menschen planen nicht gerne im Voraus und halten sich gerne alle Möglichkeiten offen. Die Freiheit in ihren Entscheidungen ist ein wichtiges Thema für sie. Versprechungen zu geben, liegt ihnen überhaupt nicht. Obwohl durchaus der Anspruch gegeben ist, überlegt und geplant zu handeln, wird dann doch eher spontan aus dem Bauch heraus agiert. Von einer enormen Risikobereitschaft bis hin zu Panik und großer Vorsicht, ist je nach Stimmung alles möglich. So sieht es auch bei den Überzeugungen monklin lebender Menschen aus. Die Meinungen anderer klingen einfach zu attraktiv, als dass man sie nicht mit Leichtigkeit annehmen möchte. Das bedeutet aber nicht, dass sie opportunistisch veranlagt sind, man kann es eher flexibel und aufgeschlossen nennen. Auch körperlich schlägt sich die Unbeständigkeit nieder. So ist von unregelmäßigen Essens- und Schlafrhythmen bis hin zum wohligen Appetit und Schlaf eines Babies alles gegeben.

Der trikline Lebensstil
Kristallen in Trapezform sieht man gleich an, dass je nach Lage eine stabile Basis oder eine eher schmale, instabile Basis gegeben ist. Dies lässt sich auch wunderbar auf die Eigenschaften von Menschen umlegen, die einen triklinen Lebensstil pflegen. Schwankungen sind diesem Charakter zu Eigen, dies kann sowohl Stimmungen wie auch Entscheidungen betreffen. Man sagt ihnen eine gewisse Sprunghaftigkeit nach, oft sind sie selbst überrascht von den vielen neuen Herausforderungen, die das Leben zu bieten hat und ihnen gekonnt wie durch Schicksalshand serviert. Das Zeitgefühl der „Trapezler“ ist abhängig von ihrem subjektiven Empfinden. Jede Planung ist daher fast unmöglich, was aber keine allzu großen negativen Auswirkungen hat. Das Bauchgefühl ist stetiger Begleiter und oft präziser als jede Uhr. Emotionen werden manchmal zur Qual, denn von „himmelhochjauchzend“ bis zu todtraurig kann hier alles drin sein, vor allem kann der Wechsel von einem Augenblick zum nächsten erfolgen.

Der amorphe Lebensstil
Bezogen auf die Kristallform spricht Gienger hier von einer gewissen Gestaltlosigkeit. Das nun in Bezug zu den menschlichen Charaktereigenschafte zu setzen, ist eine große Herausforderung. Gienger beschreibt es schlicht und einfach mit dem Wort „Vielseitigkeit“. Diese Vielseitigkeit bezieht sich auf jede Lebens- und Gemütslage. Jeder Moment ist neu und interessant, jeder Moment ist einzigartig. Im Mittelpunkt steht die Spontanität und Veränderung, die Wandelbarkeit des Menschen. „Jede Idee ist ein Ereignis“ schreibt Gienger. Ideen sprudeln aus dem Menschen heraus, manchmal bleiben sie, manchmal sind sie auch ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Jedes Gefühl kann empfunden und gelebt werden, sie sind in der Lage sich zu freuen über alles und jeden. „Positiv gelebt, entspricht dem Amorphen die Genialität: Denken zu können, was noch nie gedacht wurde, kreieren zu können, was noch nie gesehen wurde, erfinden zu können, was noch nie geschaffen wurde“ (Gienger, S. 81).

Quelle: “Die Steinheilkunde“, Michael Gienger
Bildquelle: http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/451786
http://www.mineral-expert.de/hemimorphit_a1230.htm

Grabstätten und Grabsteine – Teil II

Samstag, 02. Februar 2013

Im zweiten Teil der Reihe „Grabstätten und Grabsteine“ geht es um die Besonderheiten der Gräber des alten Griechenlands sowie des antiken Italiens. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine vollständige Aufzählung aller Bestattungsriten, die in der Antike vorherrschten. Ich werde den Fokus auf ein paar spezielle Grabstätten richten, die – mittlerweile wieder ausgegraben – nicht nur unter Archäologen besondere Beachtung finden. Hierbei geht es nicht um die Totenfeiern, also den Bestattungsritus an sich, sondern vielmehr um die Grabmale, die Menschen schon immer für ihre Toten bauten.

Ausgrabungen bestätigen, dass es sowohl im alten Griechenland als auch im antiken Italien bereits teils riesige Grabanlagen errichtet wurden. Diese Anlagen waren oft in die Hügel und Felsen der Landschaft integriert und nicht selten wurden große Felsen als Dächer der Grabkammern genutzt oder dienten als Kammerwände. Viele dieser Gräber waren gefüllt mit Schmuck und Gold, was darauf hin deutet, wie wichtig der Bestattungsritus schon immer in den verschiedenen Kulturen dieser Welt war. Ebenso kann man unterschiedliche Glaubenssysteme erkennen, wie zum Beispiel anhand der Tatsache, dass man im alten Griechenland den Toten Geld und Verpflegung mit auf den Weg in die Unterwelt gab.

Kuppelgräber – Die Fürstengräber von Mykene

Die Zeit um 1600 – bis ca. 1150 v. Chr. Bezeichnet man als die Späthelladische Epoche. Dies war die Zeit in der im Mittelmeerraum monumentale Festungen erbaut wurden. Den Mittelpunkt solcher Burgen bildete das „Megaron“, ein großer Bau bzw. Saal, ebenso auch Männersaal oder Thronsaal genannt. Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Bauten sind die „zyklopischen“ Mauern. Burgen und Mauern waren aus riesigen Felsen gebaut.  Die Namensgebung dieser Mauern geht auf die Vorstellung zurück, nur die einäugigen Riesen wären fähig, solch gigantische Felsen zu bewegen und solche Bauwerke zu errichten. Überreste von Burgen dieser eindrucksvollen Epoche finden sich unter anderem in Mykene, Tiryns, Pylos und Athen.

Besonders berühmt sind in diesem Zusammenhang die Fürstengräber von Mykene. Hier wurden in immer größeren Burgen die so genannten Kuppelgräber für den Ahnenkult der Herrscherschicht errichtet (z.B. das Schatzhaus des Atreus), sowie immer größere Befestigungsanlagen wie beispielsweise das Löwentor von Mykene. Dieses Tor stammt aus dem 13. Jahrhundert vor Christus und besteht aus vier riesigen Steinblöcken, darauf befindet sich im Entlastungsdreieck ein Relief zweier Löwen. Auch die Überreste dieses Tors sind Teil einer zyklopischen Mauer – der Türsturz besteht aus einem Felsblock, der für sich alleine schon ca. 12 Tonnen wiegt.

Mykene ist für seine Kuppelgräber sowie für die Ausgrabungen der Schachtgräber berühmt. Innerhalb der dort erbauten Burg, befindet sich der königliche Friedhof. Dieser besteht aus einem Kreis, der von einer doppelten Reihe großer Steinplatten umgeben ist und einen Durchmesser von 27,5 Meter hat. Der wohl bedeutendste Fund von Mykene sind fünf Fürstengräber und die darin enthaltenen Grabbeigaben aus Gold, Juwelen und Waffen. Die 2 Reihen der Steinplatten um den Grabkreis herum, nennt man Grabring/Grabzirkel A und  B. In Grabzirkel B, der erst in den 50er Jahren ausgegraben wurde, fand man noch weit ältere Gräber. Erstmals wurden die Fürstengräber in Mykene um 1876/77 herum geöffnet, Entdecker war Heinrich Schliemann. Zuerst war er der festen Überzeugung, er habe das Grab des Agamemnon und das seiner Gefährten gefunden. Bald fand man aber heraus, dass es sich in Mykene um ca. 400 Jahre ältere Gräber handelte.

Nekropole oder die Totenstadt der Etrusker

Eine erhebliche Ansammlung der bereits erwähnten Kuppel- sowie auch Schachtgräber, sind sogenannte Nekropolen. Dies sind große Ansammlungen teils enormer Grabanlagen, die vor allem bei den Griechen und Römern durchaus ihrer Bezeichnung „Nekropolis“ – übersetzt: „Totenstadt“ – mehr als gerecht wurden. Charakteristisch für diese Grabstätten, sind ihre unter Hügeln angelegten Grabkammern. Diese Hügel schlossen die Grabkammern als eine Art Dach nach außen hin ab und waren oft stark bepflanzt. Eine der berühmtesten Nekropolen ist die „Necropoli della Banditaccia“ in Cerveteri (Italien).

Auf dieser 400 Hektar großen Anlage findet man in etwa 1000 Gräber unterhalb der dafür angelegten Erdhügel. Teilweise wurden die Gräber aus Tuffstein gehauen, also aus dem bestehenden Hügel/Felsen herausgeschlagen. Sie wurden anschließend mit Erde bedeckt und begrünt. Später wurden dann Grabanlagen aus eigens herbeigeschafften und behauenen Felsen und Steinen errichtet. Die Grabmale der Nekropole waren aber keineswegs nur einfache Erdhügel mit darunter liegenden kleinen Höhlen. Sie waren über einen Eingang zugänglich, bestanden aus mehreren begehbaren Räumen und wurden bunt geschmückt. Ein besonders schönes Beispiel ist das „Tomba dei Rilievi“ (Grab der Reliefs). Sowohl die Wände als auch die stützenden Säulen der Grabstätte sind mit bunten Reliefs verziert.

Entdeckt wurden diese Gräber, auch genannt Schachtgräber, 1957. Nekropole gibt es in den verschiedensten Kulturen. Die Anlage in Cerveteri, die als größte des Mittelmeerraumes gilt, geht auf die Etrusker zurück (ca. 900 – 300 v. Chr.). Sie stellt die bisher größte und bekannteste etruskische Totenstadt dar. Da anfangs die finanziellen Mittel für die Ausgrabungen fehlten und daher die Etrusker-Gräber lange Zeit zwar teilweise geöffnet, aber ungeschützt waren, wurden sie nach ihrer Entdeckung immer wieder geplündert und deren Inhalt an die Meistbietenden verkauft.

Seit 2004 gelten die antiken Gräber von Cerveteri als Weltkulturerbe.

Bildquellen: http://www.geo.de/reisen/community/bild/541237/Cerveteri-Italien-Grabkammer-Tomba-dei-Rilievi
http://www.kreta.com/kreta/mykene.html
http://historicalfictionresearch.blogspot.co.at/2012/05/in-search-of-etruscans-part-3-cerveteri.html