Archiv für die Kategorie ‘Noreia, die Eule’

Wenn Wicca nicht Wicca ist – Teil II, geschrieben von Jason Mankey, übersetzt von Anufa

Samstag, 11. Februar 2017


Wicca hat siebzig Jahre an moderner Geschichte – die sollte genutzt werden

In Wicca ging es immer um Kreativität und Fortschritt aber das bedeutet nicht, dass alles – ganz egal was – in den Ritualen zusammengeworfen werden sollte. Wicca ist nicht New Age Gesänge oder moderne positive Affirmationen. Wicca hat Jahrzehnte kreiserprobter Chants, die nur darauf warten gesungen zu werden und es gibt viele, die von denen, die wissen, wie es ist sich zu versammeln, „Einmal im Monat, am besten wenn der Mond voll ist“ neu geschrieben werden. Ich brauch dann wohl auch nicht zu sagen, was ich mit trendigen New Age Ideen macht, ein Buch voll mit Doreen Valientes Poesie ist in den meisten Fällen für mich mehr als genug.

Davon abgesehen, indem Dinge von denen, die vor uns den Weg gegangen sind, verwendet werden (neben unseren eigenen Ideen und Erfindungen) verbindet uns mit diesen Einzelpersonen. Wenn ich die Worte von Gardner oder Valiente rezitiere (und von etlichen anderen Hexen, die viele Leute nicht kennen), dann bringe ich sie näher an meinen Kreis. Ich will keine Geister und Energien in mein Ritual ziehen, die meinen Glauben nicht teilen. Ich möchte mit Hexen tanzen (heute und in jeder anderen Nacht).

Priesterinnen und Priester werden gemacht und nicht selbst proklamiert

Wie weiß man, dass man Hohepriesterin oder Hohepriester ist? In einem traditionellen Coven wird das öfters durch die Erreichung eines bestimmten Grades oder Ranges angezeigt. In einem breiteren Sinn wird das dadurch festgelegt, dass jemand anders jemanden als solches wahrnimmt. Zu einem ziemlich frühen Zeitpunkt meines Lebens als Wicca habe ich Rituale geleitet, aber ich hätte nie daran gedacht mich selber als Hohepriester anzusehen – so lange bis jemand mich mit diesem Titel angesprochen hat. Sobald sich jemand diesen Titel selbst verleihen muss, wird er ihn vielleicht nicht verdient haben.
Innerhalb von Wicca sind wir alle Priester und Priesterinnen, aber den Titel „Hohe-“ verwende ich nicht leichtfertig. In meinen Augen ist eine Hohepriesterin jemand, der befähigt ist die Craft zu lehren, Rituale zu leiten und von denen in der Gemeinschaft rundum, als solche angesehen wird. (Eine Gemeinschaft sollte sich nach außen über jeden Persönlichkeitskult hinaus, ausdehnen.) Nur weil das alles sehr gruppenzentriert klingt, so muss es doch nicht so sein. Ich habe über die Jahre viele großartige Solitary getroffen, die wunderbar für das „Hohe-“ qualifiziert waren.

Wicca dreht sich nie um eine bestimmte Person

Das ist etwas, das oftmals fehlinterpretiert wird, aber ich denke, dass das sehr, sehr, sehr wichtig für diese Diskussion hier ist. Wicca war nie ein Personenkult oder drehte sich je um eine bestimmte Person. In vielen traditionellen Kreisen leitet die Hohepriesterin den Coven, aber die Tradition, die sie führt, steht und fällt nicht ausschließlich durch ihre Mitwirkung. Wenn ich meinen Coven morgen verlassen würde, dann denke ich, dass er ohne mich weiterbestehen und höchstwahrscheinlich auch gut gedeihen würde.
Generell erschrecken mich Personenkulte eher (und das sollten sie euch auch). Länger bestehende Wicca Traditionen sind nie um eine einzelne Person aufgebaut. Sie mögen durch bestimmte Einzelpersonen stark beeinflusst sein, aber wenn eine Tradition auf hundert Leute anwächst und sich keine Tochtercoven herausbilden (und sie dadurch wächst), dann ist der Apfel innen faul. Es gib eine Tradition die um das BoS von Alex Sanders aufgebaut ist, aber er und Maxine haben kontinuierlich Leute in den dritten Grad erhoben, damit die ihren eigenen Coven leiten und so zur Tradition beitragen konnten. Wenn jemand der große Oberheini ist, keinen Raum für Verbesserungen offen lässt, Geld verlangt und daran glaubt für immer und ewig der große Oberheini zu bleiben, dann konsultiert einmal den „Bonewits´Cult Danger Evalutation Frame“.

Wicca hat eine eigene Ethik

Ich schlage jetzt nicht vor, dass jeder Wicca der Wiccan Rede folgt „an it harm none, do what you wilt“ aber Wicca hat einen starken ethischen Kern. Idealer Weise manipulieren Wicca keine anderen Menschen um des persönlichen Vorteils Willen und versuchen auch nicht andere absichtlich und grundlos zu schädigen. Wicca zu sein ist kein Freibrief für schlechtes Benehmen oder dafür alles zu tun, was einem gerade so einfällt. Es gibt genügend Religionen, die das als Option offen halten oder zumindest die Verantwortung für das eigene Tun jemand anderem anlasten kann. Gehen Wicca hier manchmal fehl? Natürlich, sogar die beste Hexe ist nur ein Mensch, aber der Weise lernt aus seinen Fehlern und wächst an ihnen.

Wicca braucht die Fallen des Christentums nicht

Ich habe nichts gegen christliches Heidentum, aber Coven und Kreise sollten nicht wie Christliche Kirchen organisiert sein. Mein heiliger Raum hat keine Türen und mein Coven trifft sich seltenst am Sonntag.
Die Leute sind herzlich eingeladen die Götter so zu ehren, wie es ihnen gefällt, aber wenn sie etwas Neues erschaffen, dann sollten sie es vielleicht auch bei einem neuen Namen nennen. Wicca ist kein Spiel und es ist keine Modeerscheinung. Es ist kein Wort, dass man leichtfertig verwenden sollte. Für Millionen Menschen rund um den Globus bedeutet dieser Begriff etwas und ich möchte, dass das in den Jahrzehnten die da kommen auch so bleibt. Blessed be!

In seinen Büchern erwähnt Gerald Gardner „the Wica“ wie einen Stamm oder eine Gruppe von Leuten. „Ich bin „of the Wica“ meint, „ich bin eine Initiierter in diese Mysterien. Dieser Titel, das ist glaube ich sicher es so zu sagen, verbleibt aber den Eingeweihten allein.

Wenn Wicca nicht Wicca ist – Teil I, geschrieben von Jason Mankey, übersetzt von Anufa

Samstag, 28. Januar 2017

KerzeImmer schon habe ich an „große“ Definitionen geglaubt. Ich verwende eher großräumige Definitionen, die so viele Menschen wie möglich einschließen anstatt einer die konstruiert wurde, um einfach den Zugang einzuschränken. Ich glaube an einen umfassenden Ansatz für den Paganismus und dieser Ansatz dehnt sich auch darauf aus, wie ich Wicca und Hexentum definiere. Wenn ich gebeten werde, meinen spirituellen Weg genau zu beschreiben, dann ist „Wicca“ wahrscheinlich das Wort, das am meinsten Sinn macht (obwohl ich Wicca und Hexentum oft als Synonyme verwende, abhängig vom Kontext).
In den letzten fünfzig Jahren wurde das Wort „Wicca“ weiter gefasst. Worte verändern sich und zu versuchen, wie einige von uns gerne würden, zu kontrollieren wie ein Wort definiert wird, funktioniert nicht. Zu Beginn war Wicca ausschließlich eine initiatorische Tradition. Um Wicca werden zu können, musst man von einem anderen Wicca eingeweiht werden. Das fing in den 70ern an sich zu verändern und in den frühen 90ern war Wicca etwas geworden, das einfach zugänglich war. Es gibt natürlich auch bestimmte Arten von Wicca, die ausschließlich initiatorisch geblieben sind, aber in einem breiter gefassten Sinn, ist Wicca nun etwas, das für jeden, der bereit ist danach zu suchen auffindbar ist. Das bedeutet aber nicht, dass das Wort an Wert verloren hat.

Wicca bedeutet immer noch etwas und während diejenigen von uns, die es auch praktizieren, mit einigen Gesichtspunkten der Theologie nicht besonders glücklich sind, gibt es noch immer einen Schatz an Dingen, durch die definiert ist, was wir als Wicca tun. Wicca ist kein Synonym für New Age Gedankengut und es sollte nicht verwendet werden, weil es einfach cool klingt. Ich bin kein „hardline Definierer“ aber in den letzten zwanzig Jahren habe ich ein paar Dinge gesehen, und deshalb habe ich einen ganz guten Eindruck davon, was die moderne Praxis im Wicca beschreibt. Dinge die Wicca sind, sollten wie Wicca aussehen, sich wie Wicca anfühlen und wie Wicca funktionieren. Wenn sie das nicht tun, dann sind sie auch etwas anderes. In anderen Worten, wenn ich mich in einem Ritual nicht zu Hause fühle, dann kann das durchaus heidnisch sein, aber es kann nicht Wicca sein.

Wicca wird oft durch seine Rituale beschrieben

Kein Kreis, keine Richtungen, keine Erwähnung von Gottheiten oder Mutter Erde … dann ist das wahrscheinlich nicht Wicca. Wenn es eine Sache gibt, die in den unterschiedlichsten Richtungen gefunden werden kann, dann ist es die grundlegende Ritualform. Wicca erfordert einen Kreis (oder zumindestens irgend eine Art an rundlicher Form), die als heiliger Raum gewidmet ist und wenn versucht wird in einer Kirchenbank sitzend zu prakitzieren, dann ist das nicht Wicca, was da praktiziert wird. Es werden vielleicht Konzepte und Ideen aus dem Wicca verwendet, aber es ist sicher nicht Wicca.
Sogar Traditionen des Hexentums, die schon vor Gardner bestanden haben mögen und in den 50ern an die Öffentlichkeit gegangen sind, verwenden oft Teile dieser Ritualform. (Von Wissenschaftlern wird das der „Gardner Magnet“ genannt und während Wicca nicht alle „Gardnerische“ sind, so war er doch verflucht einflussreich.) Der Grund dafür ist, dass die Ritualstruktur, die zuerst von Gardner und seinen frühen Initiierten präsentiert wurde, funktioniert und für eine Menge Leute sehr sinnvoll zu sein scheint.
Wicca funktioniert am besten in Coven und nicht in Gruppen von 200 Leuten

Das Wicca-Ritual wurde für kleine Gruppen geschneidert und das ist immer noch, wo die meiste Arbeit getan wird. Ich war selbst Teil einiger großer Kreise und ich habe einige kraftvolle Rituale mit ein paar hundert Leuten geleitet, aber das sind Ausnahmen von der Regel. In Wicca geht es tatsächlich um die Erfahrung im Coven. Es geht darum mit den Leuten im Coven „in perfect love and perfect trust“ etwas teilt und diese beiden Dinge erarbeitet man sich über die Zeit und schustert sie nicht in letzter Sekunde noch schnell zusammen.
Die Logistik dahinter, monatliche Rituale mit ein paar hundert Leuten zusammen zu stellen, ist zu viel, als dass ich das wirklich verstehen könnte, abgesehen davon, dass eine derartige Situation für die Leute eine ständiges Kommen und Gehen wäre. Jede tiefgreifende Coven-Erfahrung bei der ich zugegen war, hat es jedem einzelnen Mitglied erlaubt wirklich daran Teil zu haben. Mit hunderten Leuten ist das einfach nicht möglich. Diese Coven-Erfahrungen lassen uns weinen, feiern und lieben – ohne Scham oder Angst. Ich bin meiner selbst viel zu sehr bewusst um derartige Dinge mnit Menschen zu tun, die ich nicht kenne und absolut nicht bereit für den Schmarren, der passiert, wenn die Tore – für jeden Aufmerksamkeitsjunkie für seine zehn Minuten im Kreis-Scheinwerfer, geöffnet werden.

Ende Teil I

Tradition – Gefängnis und/oder Handlauf – Teil II

Samstag, 31. Dezember 2016

Es globalisiert, und wie das globalisiert …

Kurz nach der Jahrtausendwende war das Netz soweit verbreitet, dass sich durch den möglich gewordenen persönlichen Kontakt auch engere Verbindungen ergaben und sich nicht nur althergebrachte Annahmen verifizieren oder falsifizieren ließen, sondern auch die Möglichkeit bestand, sich etwas besser kennen zu lernen. Dadurch zeigte sich auch oftmals, dass „die Tradition“ gar nicht so übergreifend traditionell angelegt war, wie mensch vielleicht selber gedacht hatte. Rituale, die mensch als „allgemeingültig“ eingeordnet hatte, waren auf einmal eine „Linienbesonderheit“ oder gar eine „Coventypische Vorgangsweise“. Eine Sache, die für den einen oder anderen schwer zu verdauen war …
Was war dann Tradition noch wert, wenn eh alles anders war, an jedem Eck und Ende?
Auf der anderen Seite gab es nun auch schon die „Tradition“ derer, die explizit keiner Tradition angehören wollten. Solitary oder Solohexen hatten sich zusammengefunden und dadurch entstanden naturgemäß wieder neue Traditionen (allein weil es meistens eher weniger praktikabel ist, bei jedem Treffen einen neuen Ritualablauf zu etablieren …). Je größer die Gruppen wurden, desto eher bildeten sich Muster heraus.
Die nächste Station war dann Ende der 2010er Jahre, das Zerfallen vieler dieser Gruppen – meistens weil es langweilig geworden war (wie in schlechten Beziehungen), sich die Leithammel in die Haare kriegten (wie bei Firmengründungen oft zu finden) oder schlichtweg, weil geheiratet und die Energien auf Kinder oder auf die Karriere umgeleitet wurden (wie bei vielen anderen Hobbies auch) und weil sich herausgestellt hatte, dass Magie und Co doch den Aufwand nicht wert waren. Auch „wirklich“ tradtionelle Richtungen haben davon ihren Schlag abgekommen, was an den Mitgliederzahlen der unterschiedlichsten Gruppen nicht wegzudiskutieren war.


… und was jetzt?

Die Frage die ich jetzt aufwerfen will ist:
Was kann und soll Tradition denn heute noch bringen und
für wen hat es Sinn danach zu suchen?

Wie immer kann ich natürlich vornehmlich auf meine eigenen Erfahrungen in Bezug auf „Tradition“ zurückgreifen, die ich allerdings nicht nur aus dem Bereich des Hexentums ziehe sondern sowohl aus meinem Berufsumfeld als auch aus meinen Familien- und Weiterbildungsaktivitäten.

Für mich birgt Tradition den riesengroßen Vorteil, dass sie einen bewährten und relativ einfach begehbaren, quasi beschilderten, Weg an ein vorherbestimmtest Ziel bietet. Sollte ich also genau dorthin auch wirklich wollen, dann ist sie für mich tatsächlich der sinnvollste Weg auch dahin zu kommen.
Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich gerne lebensnahe Vergleiche finde. In diesem Fall vergleiche ich Tradition mittlerweile sehr gerne mit einem Navi fürs Auto.

Wenn ich noch nie in Rom war, aber gerne die Offizien besichtigen würde, dann werde ich mit Hilfe des Navi recht rasch merken, dass ich zwar mit „Italien“ ziemlich gut liege, ich aber nach Florenz fahren muss und nicht nach Rom. Das stellt mich dann vor die Tatsache, dass meine Vorstellung mit der Realität nicht wirklich deckungsgleich gewesen ist und ich muss den weiteren Plan, den ich im Hinterkopf hatte (das Colosseum mitzunehmen und in einer Seitengasse vom Markusplatz eine Maske einzukaufen) ebenfalls abklopfen und anpassen.
Das Navi sagt mir dabei, wie ich am besten vorgehe und ob das im Rahmen meines Budgets und meiner Zeit überhaupt möglich wäre. Je nachdem wie gut mein Navi programmiert ist, werde ich damit besser oder schlechter beraten sein. Ein gut programmiertes Navi wird Zwischenziele zulassen und damit werde ich feststellen, dass die Planung bzgl. der Abfolge umgestellt werden sollte um Sprit und Zeit zu sparen. Ich werde sogar bis ins Detail Anweisungen erhalten können, wo ich Raststationen, Übernachtungsmöglichkeiten und Parkplätze auf dem Weg und an meinen Zielen finden kann. Und natürlich wird es mich auch wieder sicher von Rom heimbringen. Ich werde von keinen Mautstellen überrascht werden, von keinen Baustellen etc. und ich werde sogar einen ungefähren Zeitplan vorfinden, wann ich damit rechnen kann, anzukommen.
Das wäre für mich eine gut eingenordete Tradition.

Natürlich, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich es hier mit einem „Navi“ mit recht konkreter Programmierung zu tun habe, birgt das Potential für Schwierigkeiten. Ich kann hierbei nicht einfach doch lieber nach Norwegen fahren oder nach Australien und natürlich haben auch gut funktionierende Navis in verbindungslosen Bereichen keine Chance, manche unter Umständen eine ziemlich komplizierte Bedienung, benötigen Strom etc. Und wie jeder Vergleich hinkt auch dieser irgendwo – nämlich genau da, wo in Traditionen noch der „menschliche Faktor“ eine große Rolle spielt. Dem Navi ist egal, wer es „bedient“ solange die richtigen Knöpfe gedrückt werden.
Gerade dieser menschliche Faktor ist es aber, der viele dazu bringt, sich überhaupt einer Tradition anschließen zu wollen … um wo dazu zu gehören!

Was ich noch explizit erwähnen möchte ist, dass ich den Weg trotz Navi selber auf mich nehmen muss! Es wird mich das Navi weder hinfliegen noch hintragen und schon gar nicht beamen … gehen/fahren muss ich nach wie vor selber! Das kostet Energie, Zeit, Kraft, Willen, bringt Entbehrung mit sich und erfordert auch Vorkenntnisse (wenn ich mich nicht fortbewegen kann, dann nutzt mir auch das Navi nicht viel!) und Geld (das ich, ohne Navi, zwar auch für andere Sachen verwenden müsste – weil gratis nach Italien beamen gibt’s halt nicht!! – aber trotzdem sei es erwähnt). Wichtig ist mir, beim Geldthema, anzumerken, dass es in meiner Tradition keinen Unterricht gegen Barschaft gibt sondern Auslagen gedeckt werden müssen (von Nahrung über Getränke bis zu Ritualbedarf) – um das Navibeispiel so abzuschließen.

Damit wären wir bei der Frage nach dem „Typ“ Mensch, für den Traditionen Sinn machen können. Diese Frage sollte sich anhand meines Beispiels mittlerweile jeder selber beantworten können.
Wer das nicht kann/will oder möchte, der kann mich gerne anschreiben und ich schiebe noch einen Teil III nach – sofern sich mindestens 10 Interessenten finden, vorausgesetzt. Natürlich könnt Ihr das auch gerne in dem Blogkommentaren ausdiskutieren – dann spare ich mir den Teil III und es kommen mehrere Sichtweisen zu Wort und ich senfe natürlich auch gerne dazu!

Tradition – Gefängnis und/oder Handlauf – Teil I

Samstag, 12. November 2016

Gerade im Bereich des Hexentums, das vielfach auch unter „das Wicca“ läuft, gibt es des öfteren Diskussionen um „Tradition“. In meiner spirituellen Jugend, also vor rund dreißig Jahren, kam es hauptsächlich darauf an, „echt“ zu sein.

Was mensch damals unter „echt“ verstand

In den 80ern war es echt, wenn mensch von jemandem initiiert war, der einem (glaubwürdig, wenn mensch Glück hatte) versicherte, dass er auch initiiert worden wäre. Gerade in Österreich war das aber ein bisschen schwierig, weil es noch kaum öffentliche Kontakte auf diesem Gebiet gab und es so gut wie unmöglich war, den Wahrheitsgehalt dessen, was einem so erzählt wurde, zu überprüfen.
Deshalb bestanden die Tradition im Hexentum leider meistens darin, Buchwissen, on the go, in die jeweilige Praxis einzubauen und als traditionell zu verkauft (weil es ja eingeweihte Leute waren, die diese Bücher geschrieben hatten und so genau wollte mensch das auch nicht nehmen, eigentlich).

Ende der 80er tauchten dann, unter der Theke einiger Esogeschäfte, BoS (Books of Shadow, mehr oder minder coveninterne Hexenpraxisbücher) auf, die dann ganz geheim angeboten wurden – den zahlenden Stammkunden.

In den 90ern gab es dann, durch das Netz, endlich die Möglichkeit die Realität mit der Legende abzugleichen … und etliche Dinge ließen sich gerade rücken. Natürlich wurden dabei viele Wunden geschlagen (bei denen, die mehr oder minder hinters Licht geführt worden waren) aber das ist leider bei Ent-täuschungen – eher ein Qualitätsmerkmal, weil es nur weh tut, wenn einem das Thema wirklich wirklich war/ist!

Wozu is das dann gut?

Eine Frage, mit der sich schon viele beschäftigt haben, mein Blickwinkel auf Traditionen ist folgender. Tradition hat – genauso wie alles – Vor- und Nachteile.

Generell betrachtet bietet Tradition den Vorteil, dass einem schon „viele vorausgegangen sind“. Damit ist anzunehmen oder zu hoffen, dass die Praktiken funktional sind, das Weltbild bereits abgeklopft, Erfahrungen kolportiert wurden und werden, eine gewisse Gemeinschaft vorhanden ist, es bei Nachfragen Ansprechpartner gibt, … Einfach gesagt, ein funktionierendes Gesamtkonzept bereits erstellt wurde, in das mensch nur mehr einsteigen muss.

Eine Hürde am Anfang, gerade bei einer Mysterientradition, und damit ein offensichtlicher Nachteil ist, dass mensch, gerade in spirituellen Belangen, als Außenseiter, nur bedingt sicher sein kann, was in der Dose drinnen ist. Was drauf steht, ist manchmal besser, manchmal schlechter lesbar aber das heißt noch lange nicht, dass auch genau das drinnen sein muss.
Deshalb wäre es mir als Neuankömmling besonders wichtig, mit den Leuten zu sprechen und zwar ausführlich. Fragen , fragen, fragen – wie genau heißt die Tradition; wo kommt sie her; wer ist die „Mutter“ (des Covens), die „Großmutter“ etc. Gerade im traditionellen Craftbereich sollte es kein Problem darstellen, darauf Antworten zu erhalten. Dabei kann auch das Netz eine große Hilfe sein, Suchmaschinen anwerfen und all das nochmal durchlaufen lassen. Menschen fragen, die derselben Tradition angehören und mit diesen die Informationen abgleichen.

Sobald sichergestellt ist, ob es sich um eine tradierte Praxis handelt (wobei Handgestricktes durchaus Sinn machen kann, aber das ist ein anderes Thema!), bleiben noch ein paar Punkte über, die für manchen als Nachteil gesehen werden könnten.

Der Vorteil als Nachteil und der Nachteil als Vorteil

Da ich mich in einem überlieferten System befinde oder dieses erlernen möchte, bin ich natürlich (auf jeden Fall einmal am Anfang) an dieses gebunden. Das kann mensch durchaus als Nachteil empfinden, ich sehe das allerdings als großen Vorteil an. Ich erlerne durch ein neues System – eine neue Weltsicht, erarbeite mir ein Lebensmuster (wenn es gut geht). Allerdings stammt meine Einschätzung sicher daher, dass ich selber nach dem Motto lebe, dass „ein bissl schwanger“ vielleicht irgend etwas tut, eventuell auch irgendwas dabei rauskommt – das aber ganz sicher kein Kind wird.
Der Unterschied zwischen einem spirituellen Leben und einem unspirituellen liegt in meinen Augen darin, dass sich so gut wie alles verändert. Die Weltsicht wird eine andere, der eigene Zugang zum Leben und damit auch das was mensch wie tut, was wieder am täglichen Leben (vielfach nur in Kleinigkeiten und/oder von denjenigen, die schon wissen, woran sie das merken!!) erkennbar ist.

Der Vorteil einer Tradition, eines Systems ist dass ich mir das alles nicht von A an selber erarbeiten muss, sondern durch das System schon einen roten Faden vorgegeben habe, an dem ich mich entlang handeln kann. Klar, dass mich das dann auch einschränkt, weil ich eben nicht zu jeder Zeit jedem Impuls einfach so nachgeben kann – was ja auch Kennzeichen einer Tradition ist. Genau diesem Faktum wird in der Struktur der Craft, wie ich sie kenne, auch durch die unterschiedlichen „Stufen“ die „Grade“ entsprochen. Aber das ginge jetzt zur sehr ins Detail … Trotzdem zeigt das, dass scheinbar in diesem System eben diesen Entwicklungen bereits Aufmerksamkeit geschenkt und daraus Konsequenzen gezogen wurden.

Gerade im Hexentum geht es oft um Gemeinschaft – die hat ebenfalls so ihre Fußangeln. Traditionell für die Craft ist es in Coven zu arbeiten. Schön, weil damit immer eine kompetente Anlaufstelle erreichbar ist, unschön, weil das alte Sprichwort von „mitgefangen – mitgehangen“ genauso gilt. Sofern ich der Tradition X angehöre, werde ich auch mit anderen Mitgliedern der Tradition X in Verbindung gebracht werden, im Positiven wie im Negativen. Der übliche Effekt von Gemeinschaft, durchaus nicht beschränkt auf das Hexentum …

Ende Teil I

Wie funktioniert eine sexuell offene Beziehung?, geschrieben von Sacriba – Teil III

Samstag, 20. August 2016

Typische Praxis-Probleme in Hetero-Beziehungen

Der Weg von Fantasien im Kopf zu Umsetzungen dieser in der Realität kann überraschende Erkenntnisse beinhalten.

In einer Hetero-Beziehung kommt oft folgende Problemstellung vor:

Die Frau hat heterosexuelle Fantasien mit anderen Männern:

Zum Beispiel dem eigenen Freund und einem anderen Mann gleichzeitig einen Handjob zu geben oder sich abwechselnd ficken zu lassen.

Während die Erzählung davon noch cool war (oder nicht so ernst genommen wurde), gibt es in der Praxis auf einmal ein Riesenproblem:

Dass „seine“ Freundin/Frau mit einem anderen Schwanz Spaß hat, ist für den Mann plötzlich „komisch“ oder „total abtörnend“.

Gleichzeitig ist die Vorstellung von einem Dreier mit dem Mann, seiner Freundin und einer weiteren Frau geil – bloß ein weiterer Mann darf nicht sein. Diese Einstellung wird Cockblocking genannt.

Cockblocking kommt dir von dir selbst oder aus Erzählungen bekannt vor?

Hier ist ein offener Brief im Namen aller Frauen, die schon einmal in so einer Situation waren oder gerade sind:

Lieber Mann!

Du willst einen Dreier mit einer zusätzlichen Frau erleben, hast aber gleichzeitig ein Problem damit, wenn deine Freundin mit einem zusätzlichen Mann Spaß haben will?

Klar, deine Idealvorstellung wäre, dass deine Freundin/Frau super ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen ist – aber NUR mit deinem Schwanz, andere Männer soll sie am besten gar nicht bemerken.

Das trifft alles auf dich zu? Dann lass dich mal aufklären:

Die Ebene Lust, also die Sexualität, funktioniert so:

Wenn sie in einer Liebesbeziehung UND zum Spaß ausgelebt wird, ist sie offen: Dann kann deine Freundin ihrer Lust freien Lauf lassen und ist ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen.

Zwingst du deine Freundin, einen Teil ihrer Sexualität (= Schwänze zum Spaß) immer runterzustopfen und so zu tun, als gäbe es diesen Teil nicht, geht der Rest automatisch mit. Deine Freundin mag dann keine neuen Fantasien oder Spielarten und findet mit der Zeit Sex an sich lästig. Sie macht dann nur mit, damit du Ruhe gibst. Setzt sich diese Dynamik fort, baut sich in ihr viel Wut auf: Du behandelst sie ja wie ein Sexspielzeug, das du nach Gebrauch wieder in die Lade legst und nicht wie ein menschliches Gegenüber mit gleichen Rechten.

Nun gibt es an dieser Stelle für die Frau 4 Möglichkeiten, zu handeln:

  1. Eine selbstbewusste Frau streitet mit dir darüber und konfrontiert dich. Bist du bereit, deine Sichtweise zu überdenken und euch beiden gleiche Rechte zuzugestehen, könnt ihr euch gemeinsam an die Erfüllung einer stabilen, schönen und sexuell offenen Beziehung machen.
  2. Bist du nicht bereit, deine Sichtweise zu überdenken, wird sie sich nach einiger Zeit von dir trennen und sich einen Mann suchen, der sie und ihre Wünsche ernst nimmt.
  3. Eine nicht so selbstbewusste und daher feige Frau wird sich hinter deinem Rücken ihre Fantasien erfüllen und dich betrügen.
  4. Und eine unsichere Frau wird zwar auf dich hören, aber dadurch ihre eigene Sexualität hinunterstopfen, bis sie nicht einmal mehr an Sex mit dir interessiert ist. Zusätzlich dazu wird sie wegen Kleinigkeiten fürchterlich mit dir streiten, da sich ihre aufgestaute Wut auf dich regelmäßig spontan entlädt („Hausdrachen“).

Ich bin ein Mann und meine Freundin/Frau fällt unter 3 oder 4?

Schau dir an, was tatsächlich hinter deiner Ablehnung gegenüber anderen Schwänzen steckt. Nachfolgend findest du mögliche Ängste und eine Lösung dazu. Such dir aus, was auf dich zutrifft.

Hast du Angst, dass dich deine Freundin/Frau verlässt, sobald sie einen besseren Fick als dich findet?

Die patriarchale Lüge der Rolle „Mann“ blendet alles außer Sex in einer Liebesbeziehung aus: Du hast eine Freundin/Frau, um regelmäßigen Sex zu haben, im Gegensatz zum anstrengenden, unbefriedigten Single-Leben.
Du hast aber Fantasien über einen Dreier mit einer weiteren Frau, oder? Du könntest die Ebene Lust also auch mit anderen Menschen als deiner Liebesbeziehung teilen. Das macht deine Liebesbeziehung ja dann nicht mehr besonders, oder?
Nein? Genau.

Denn die Ebene Liebe, die du in deiner Rolle „Mann“ großteils unterdrückst, definiert überhaupt erst deine Liebesbeziehung. Bei einer intakten Ebene Liebe wird dich deine Freundin/Frau für einen besseren Fick nicht verlassen – sie teilt mit dir etwas, das nur du und kein Mensch, der an einem Schwanz zum Spaß dranhängt, ihr geben kann.
Habt ihr allerdings keine intakte Ebene Liebe (mehr), wird es gefährlich. Dann müsst ihr erst diese Ebene in eurer Beziehung erarbeiten/wiederherstellen, in schwierigen Fällen mit Psycho- oder Paartherapie. Denn eine vollständige und funktionierende Ebene Liebe ist die absolute Basis für eine sexuell offene Beziehung.

Haben dir deine Eltern/deine Verwandten/deine Szene/dein Umfeld gesagt, dass du „nicht männlich genug“ bist, wenn deine Partnerin andere Männer interessant findet?

Wenn dir deine Eltern/deine Verwandten/deine Szene/dein Umfeld Regeln mitgegeben haben, wie du dein Sexualleben zu gestalten hast, gibt es nur eine Lösung: Scheiß drauf!
Kein Mensch außer deiner Liebesbeziehung hat das Recht, über das Prinzip von Konsens und Respekt hinaus bei deiner Sexualität mitzubestimmen. Wenn irgendwelchen Bezugspersonen lieber ist, dass du unglücklich ihre Regeln nachlebst, anstatt dass du erfüllt und glücklich dein eigenes Leben gestaltest, sollten diese Menschen sofort aus deinem Leben fliegen. Ist das aufgrund von Abhängigkeiten (Kinderbetreuung, usw.) nicht möglich, grenze dich so weit wie möglich ab. Wenn Bemerkungen über deine Sexualität fallen, die du nicht hören willst, sag das laut und deutlich und scheiß drauf, ob irgendjemand dadurch „beleidigt“ ist. Dazu haben sie kein Recht.

Hast du schon einmal eine sexuell offene Beziehung versucht und deine Ex hat dich daraufhin verlassen?

Erfahrungen mit Ex-Beziehungen fließen natürlich in deine jetzige Beziehung mit ein. Mach dir aber klar, dass deine Ex ein anderer Mensch ist, als deine jetzige Freundin/Frau. Frage sie, was sie sich wünscht, anstatt anzunehmen, dass sie das Gleiche will und gleich tickt wie deine Ex.

Hast du Angst, dich in Anwesenheit eines anderen Mannes zu blamieren, dass er dich auslacht, oder versucht, dir durch Imponiergehabe deine Freundin/Frau auszuspannen?

Solltest du dich auf ein Erlebnis mit einem anderen Mann einlassen, und er versucht, dir deine Freundin/Frau durch Mikroaggressionen oder offene Respektlosigkeit auszuspannen, hast du eine Gelegenheit, deine Männlichkeit zu zeigen: Schmeiß ihn sofort raus. Vielleicht hat deine Freundin/Frau diese Manöver nicht wahrgenommen und streitet dann mit dir darüber. Erklär ihr deine Gründe und dann könnt ihr gemeinsam entscheiden, welche Eigenschaften zukünftige Sex-Resonanzmenschen haben müssen, damit ihr wieder jemanden einladet.

Ich bin ein Mann und finde das alles Bullshit. Meine Freundin/Frau soll nicht mit anderen Männern Sex haben (wollen).

Es ist ok, diese Meinung zu haben. Dann musst du allerdings mit den Konsequenzen leben: Du wirst dann eben keine Partnerin haben, die beim Sex ausprobierfreudig, geil und aufgeschlossen ist – die z. B. bei einem Dreier mit einer anderen Frau begeistert mitmachen würde.
Such dir am besten eine Freundin/Frau, die von vorneherein beim Sex nicht sonderlich ausprobierfreudig und damit zufrieden ist. Ihr werdet beide wenige Probleme, aber halt durchschnittlich langweiligen Sex haben.
Dann allerdings zu jammern, dass deine Partnerin zu selten Sex will oder beim Sex zu langweilig ist, ist Kleinkindverhalten. Es kauft sich ja auch niemand eine Bierdose und beschwert sich nachher, dass da kein Schnaps drin ist.
Wenn du mit einer sexuell mächtigen und reflektierten Frau nicht umgehen kannst, weil du selbst nicht mächtig und reflektiert genug bist und zu feig bist, an diesem Umstand etwas zu ändern, hör auf, dir eine solche Frau zu wünschen.