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Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!! – Teil II

Samstag, 25. März 2017

Da tatsächlich einer der gaaaanz seltenen Fälle eingetreten ist, dass tatsächlich jemand im Blog nach einer Fortsetzung gefragt hat. Also vielen Dank, fürs Kompliment Irene und speziell für dich ein zweiter Teil!

 

Herz is Trumpf

Ein mittlerweile zwanzig Jahre alter“ Film, „Der Hexenclub“, war lange Zeit (damals leistete ich noch Covenarbeit) einer meiner Lehrfilme, den ich mit den Newbies durchdiskutiert habe. In diesem wird zum Beispiel wunderschön ein Liebeszauber aufgearbeitet. In Kurzfassung: überlege gut, was Du Dir wünschst, es könnte eintreffen.
Sarah, eine der Hauptprotagonistinnen, webt einen Liebeszauber um Chris, einen Mitschüler, für sich zu gewinnen. Die Beziehung entgleist – Chris bedrängt sie massiv und sie wird ihn nicht mehr los. Nancy, ebenfalls eine der Hauptfiguren, bringt Chris schlussendlich um, indem sie ihn – mittels magischer Beeinflussung – aus dem Fenster springen lässt.

Die Grundsatzfrage, die mich, bezüglich derartiger Magie, immer wieder beschäftigt stelle ich dann ein wenig später – die Frage der Ethik.
Vorerst möchte ich mich ein wenig mit der Genese eines Zaubers beschäftigen, gleich anhand eines derartigen Liebeszaubers. Genauso wie es auch die ,im Film zu Rate gezogene, Hexe den Hexenclub-Teens erklärt.
Bei einem Zauber will ich ein bestimmtes Ergebnis erzielen (sonst wäre die Sache ja auch nie verifizierbar) und von diesem angestrebten Ergebnis hängt ab, wie der Zauber aussehen muss.
Klingt nach „no na ned“, ist aber vielfach schwieriger als es klingt. Eine glückliche Beziehung zu zaubern ist etwas völlig anderes als „diesen Typen will ich haben“ als Motto zu wählen. Wobei ich da noch weit von einer Frage der Ethik entfernt bin, sondern mich rein auf das Sachliche beziehe. Bei einer glücklichen Beziehung ziele ich nicht auf einen bestimmten Menschen sondern auf einen Seinszustand für mich! Ich werde dann jemanden kennen lernen, der es mir ermöglicht eine glückliche Beziehung zu führen.
Diese Formulierung habe ich bewusst gewählt, weil das noch lange nicht heißt, dass auch der andere mit dieser Beziehung glücklich sein muss! Es muss auch nicht sein, dass diese Beziehung Entwicklung für mich ermöglicht. Nichts ist inkludiert, außer dass ich glücklich bin – wie und warum auch immer!
Wenn Magie wirkt, dann wirkt sie auch. Damit sitze ich dann in dieser Beziehung fest … zumindest bis ich eindeutig mehr Kraft investiere um mich daraus wieder zu lösen also ich verwendet habe um sie zu bekommen. Und wenn die Energie, die ich für den Zauber verwendet habe erschöpft ist, wird sich die Verbindung von selber auflösen. Auch etwas das gerne vergessen wird. Ein gewirkter Zauber hat ein Ablaufdatum und so lang er dauert, dauert er auch.
Wenn ich genau diesen Menschen mit Magie für mich entflamme, dann muss mir klar sein (eben wie im Film), dass ich den/die dann auch bis zum Ablaufdatum nicht mehr los werde. Wenn ich die glückliche Beziehung inkludiere, werde ich um Ecken mehr Energie aufwenden müssen – und ob sich das machen lässt ist wieder ein anderes Thema, das ich noch vor der Ethikfrage in Angriff nehme.

Hat der Zauber funktioniert, dann erhebt sich nur noch die Frage nach dem Preis. Im besten Fall steht auf dem Rechnungszettel der Posten „Ich bin mir im Klaren, dass ich einen anderen Menschen durch Magie in die Lage gebracht habe mich zu lieben“. Selbst wenn alles zu 100% so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, bleibt immer noch der Zweifel, ob mein Partner nicht nur wegen meines magischen Wirkens mein Partner ist oder ob wirklich ich als Person gemeint bin … Wie kann ich mir da sicher sein? Wäre mir das egal?
Es muss also nicht so überzogen sein, wie im Film – aber alles hat seinen Preis.


Wo kommt die Energie denn überhaupt her?

Als kurzen Einschub möchte ich noch die Frage nach dem Treibstoff eines Zaubers einwerfen. Wo kommt die denn eigentlich her?
Einfache Antwort: im Normalfall aus oder durch einen selber!

Aus einem selber ist natürlich eher eine begrenzte Ressource – wie das Beispiel vom „Cone of Power“ schön zeigt. Natürlich kann ich auch Fremdenergie durch mich durch leiten. Dazu muss ich aber geübt sein, sowohl im „Anzapfen“ (weil ich ja wissen muss wo und wie) als auch im „Kanalisieren“. Opfer sind natürlich auch eine Möglichkeit an ein Energiereservoir zu kommen. Wie funktioniert denn das?
Generell geht es, meiner Ansicht nach, um Lebenskraft (Chi, Vitalkraft, Od, Prana oder wie auch immer mensch sie nennen will). Dabei möchte ich aber betonen, dass ich diese Lebenskraft nicht als spezifisch menschlich, sondern als universal ansehe (weshalb auch Opfer durchaus funktionieren können).

Ein Beispiel, gefällig?
Ob der Treibstoff aus Erdöl, Pflanzenöl, Wasserstoff oder Sonnenenergie hergestellt wird – je nach Motor wird unterschiedlicher Treibstoff benötigt und dann bringt mich mein Fahrzeug in die Richtung in die ich möchte. Ob ich das Ziel auch erreiche, das liegt an der zu fahrenden Strecke, der Reichweite meines Treibstoffs und meinem Fahrstil. Ich glaube, dass dieses Beispiel am besten verdeutlicht, wo die Problemquellen auch beim Zaubern liegen.


Und nun zur Ethik

Damit wären wir wieder zurück beim „Hexenclub“ … hier ein paar (durchaus berechtigte, wie ich finde) Kommentare aus Wikipedia

„Wenn er doch nur wirklich böse wäre. Bei allem Horror und bei der anständigen Unterhaltung stört – neben der Hauptdarstellerin –, dass Der Hexenclub brav und moralisch ist.“
Günter H. Jekubzik auf filmtabs.de
„Es zeigefingert ganz kräftig in diesem Film, und so wirkt Der Hexenclub trotz ausgeklügelten Produktionsdesigns, spektakulärer Genreeffekte und treffsicheren Soundtracks eher wie die professionell bebilderte Broschüre eines Landesbeauftragten für Sektenfragen.“
Martin Schwickert auf ultimo online
Ethik ist für mich nicht gleichbedeutend mit Moral. Der Zeigefinger ist also für mich ein Zeigefinger und kein „DuDu“-Finger, der mir meine Verfehlungen um die Ohren haut. Der Film wirkt in großen Passagen moralisierend , das würde ich durchaus unterschreiben. Obwohl wohl jede Parabel auf die eine oder andere Art moralisiert … und niemand hat behauptet, dass dieser Film etwas anderes wäre.

Mir persönlich geht es um Ursache und Wirkung – Karma wie ich es verstehe. Wenn ich zaubere und damit einen anderen seines freien Willens beraube, dann wird mir (wohlgemerkt mir persönlich) auf Dauer kein Glück bringen, weil ich (ich ganz persönlich) es nicht richtig finde, jemanden zu meinem Vorteil so zu steuern. Wenn jemand damit wirklich d´accord wäre, dann hätte er  auch kein Problem damit und auch kaum mit negativen Folgen seines Handelns zu tun. Deshalb ist auch der Schluss – eine Nancy die im Irrenhaus für ihre Untaten büßt – für mich eher der Moralecke zuzuordnen. Abgesehen davon, dass Sarah für den Rest ihres Lebens damit leben wird, zu wissen, welche Panik Rochelle und Bonnie ihr gegenüber empfinden – was natürlich im Skript nicht mehr vorkommt …

Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!!

Samstag, 04. März 2017

Zusammen auf ein Ziel hinarbeiten ist durchaus etwas Schönes, gemeinsam ein Ziel zu haben gibt auch ein gutes Gefühl … aber „Trump verfluchen“ ist dafür ein denkbar schlecht geeignetes, wenn mich jemand fragt – wie es auch passiert ist, deshalb gibt es diesen Artikel.

Den Titel dieses Artikels habe ich aus einem Blogbeitrag von Chris Frey  geklaut. Er hat schon etliches gesagt, das ich ähnlich sehe und deshalb nicht nochmals erwähnen werde. Worauf ich mich jetzt und hier beziehen möchte ist, die Zauberei als solche, die für mich das Handwerk hinter einem Fluch darstellt – eben: wenn schon verfluchen, dann aber richtig!

Ich selber bin Hexe und zwar aus der gardnerischen Ecke, was mensch so weitläufig als „traditionell“ ansieht. Zauberei gehört für mich zu meiner Spiritualität dazu und Flüche sind ein (für mich eher unwichtiger, aber nichts dest Trotz!) Teil der Zauberei. Allerdings sage ich gleich dazu, dass meine Weltsicht MEINE Weltsicht und keinesfalls DIE Weltsich einer traditionellen Hexe generell darstellt!

Zauberei ist ein Handwerk

Wie jedes Handwerk sollte auch Zauberei ge-/erlernt sein – Naturbegabungen gibt es natürlich, aber ich schaue mir gerne an, wie eine Naturbegabung ein ganzes Haus von Grund auf sinnvoll, sicher und funktional elektrisch verkabelt, ein 5-Gänge Menü der Haut Cuisine zu Stande bringt oder eine befahrbare Autobahnbrücke konzipiert. Mozart war auch ein Naturtalent aber sein Vater auch Musiker (und zwar ebenfalls ein guter, wenn auch nicht so genial wie sein Sohn) und wieviel Zeit der Wolferl mit Üben verbracht hat, das will heute garntiert kaum mehr jemand auf sich nehmen.

Also lange Rede, kurzer Sinn: Magie ist etwas, das mensch lernen muss, das kommt nicht von allein, einfach so, aus dem Bauch per Inspiration oder „starkem Willen“ oder gar „gerechtem Zorn“. Da kommt durchaus etwas, aber seltenst das, was mensch sich so vorgestellt hätte (falls überhaupt der Intellekt involviert wurde!).
Exkurz: Klar kann jeder „beten“ oder „Fürbitten“, das macht uns ja in unseren Breiten die katholische Erziehung, die z. B. ich in meiner Kindheit genossen habe, schön deutlich. Aber das hat mit Zaubern nur sehr am Rande was zu tun.
Beim Zauber geht es darum dass ich selber für die Dinge, die ich in Gang setze verantwortlich bin, dafür den Preis zahle und die Konsequenzen trage. Chris hat die „Operation Cone of Power“ ja schon genannt. Wenn mensch den Erzählungen glauben darf, dann hat dieser Zauber Menschenleben gefordert und das wäre für mich schlüssig im Sinne von „große Veränderungen – hoher Preis“. Dem folgend wäre es wieder sinnlos, einfach irgendjemand das Leben zu nehmen oder ihn dazu zu bringen es von sich aus zu geben, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, das wäre um Ecken zu kurz gegriffen. Jeder muss sich im Klaren sein, was er da tut und dazu bereit sein die Konsequenzen zu tragen – jeder. Den Preis legt das Leben fest, nennt es Karma, Schicksal, Ursache-Wirkungs-Prinzip, Gott, Götter, Wahrer-Wille, etc ppp. Natürlich kann mensch sich jetzt streiten, was der bestimmende Faktor genau wäre, aber das ändert für mich nichst am Prinzip.

Mein Destillat für den Zauberlehrling wäre

  1. Gezaubert wird dann, wenn arbeiten nix geholfen hat (nicht wenn mensch zu faul, zu feig, zu ungeübt etc ist oder es zu langwierig, anstrengend etc aussieht, es „manuell“ zu erarbeiten).
  2. Je unwahrscheinlicher oder „größer“ das Ergebnis desto teurer.
  3. Je größer das Ziel, desto einfacher ist das Lenken der Energie
  4. Je umfassender und unsprünglicher die Motivation desto besser funktioniert der Zauber
  5. Je besser vertraut ich mit der Technik der Magie bin desto passgenauer das Ergebnis je weniger, desto schlimmere Quer- und Fehlschläger

Gleich ein für mich essentieller Einwurf: Die Liste für einen funktionierenden Zauber ist eine wirklich lange und diese fünf Punkte sind nur diejenigen, die am einfachsten zu greifen sind und an denen es am meisten scheitert. Es kommt selten auf einen einzigen Punkt an, es ist meistens die Gesamtheit dessen, was da sein sollte und oft nicht ist.

Ad 1.

Dieser Punkt lässt sich recht einfach verifizieren … Wenn ich die Möglichkeit hätte, das was ich hier zaubern möchte, auf materiellem Weg zu erreichen, würde ich es machen und öffentlich dafür gerade stehen? Das ist quasi das Prinzip, das ich auch bei anderen Entscheidungen, die dann jemand anders durchführen müsste (!) empfehle, Motto „Das sag ich meinem großen Bruder!!“. Rigorose Massnahmen lassen sich leicht anordnen, wenn mensch sie nicht selber auszuführen hat …
Zaubern als Ausweg sich die Hände nicht schmutzig machen zu müssen – ist für mich ein absolutes No-Go. Zaubern, weil mensch selber zu faul ist, weil mensch zu wenige technische Fähigkeiten besitzt und sich die nicht erarbeiten will – kurz wer sich eine Abkürzung herausschinden will – der wird wahrscheinlich keine Freude mit ebendieser haben.

Zaubere ich also beispielsweise dafür, dass dem Vergewaltiger dasselbe passiert wie seinem Opfer … dann wird sich einer finden müssen, der das erledigt. Womit kann ich gut leben – real, nicht in der Vorstellung?

Ad 2.

Wieder ein schön deutliches Beispiel gefällig? Wenn ich ein kleines Rinnsal umleiten will, dann reicht ein Spaten. Wenn ich ein Bacherl umleiten will, dann werd ich schon Steine im neuen Bett aufschichten müssen, um den Bach dort auch zu halten und bei einem Fluss werd ich mir die Baumaschinen kommen lassen müssen und haufenweise Beton.
Wenn ich den Abwasch nach dem Essen mach, dann kostet mich das eine halbe Stunde. Wenn ich mir schon zum dritten Mal neues Geschirr dazu kaufe, weil alles dreckig rumsteht, dann werden wohl (egal wie gut ich koch) kaum mehr Leuts bei mir essen wollen, der Aufwand, den ich hab die Küche wieder sauber zu kriegen (oder wo immer die Teller und Töpfe auch stehen) wird auch heftig sein und meine restliche Wohnsituation wird dadurch auch nicht unangetastet bleiben – also weit abseits der halben Stunde (und Geld hat´s auch noch gekostet).
Natürlich kann ich für einen Lottosechser zaubern – nur der Aufwand, den ich betreiben werde müssen, dass der Zauber auch gelingt, wird ebenfalls nicht ohne sein.

Wenn ich also dafür zaubere, dass niemand mehr das Verlangen hat jemanden zu vergewaltigen, dann wird das wesentlich höheren Aufwand bedeuten als wenn ich dafür zaubere, dass diesen einen Vergwaltiger die Polizei schnappt.

Ad 3.

Wieder am konkreten Beispiel: wenn ich nach Italien will, dann genügt es, egal wo, die Grenze zu überschreiten um in Italien zu sein. Wenn ich aber nach San Michele will, dann erfordert das schon um einges mehr an Planung, Wissen und Aufwand.

Wenn ich dafür zaubere, dass ich interessante Leute kennen lerne, dann ist das wesentlich einfacher, als den Lebenspartner, der auf allen Ebenen zu mir passt. Zweiteres macht um Massen mehr Aufwand und erfordert viel mehr Wissen, Können und Energie, sofern ich überhaupt weiss, wie und was ich wirklich bin, damit ich „passend“ überhaupt ansteuern kann.

Ad 4.

Wenn ich ein Stück Schokokuchen essen will, dann kann es durchaus sein, dass ich lieber keinen Kuchen kriege, weil der Schokokuchen aus ist und ein anderer gerade nicht meinem Gusto entspricht. Wenn ich aber am Verhungern bin, dann werd ich jeden Kuchen essen!

Wenn ich in Not bin und zaubere, dann werde ich „ganz von alleine“ wesentlich mehr Energie dafür bereit stellen und wesentlich erfolgreicher sein, als wenn ich etwas bloß „möchte“. Wie die Mutter, die fähig ist ein Auto anzuheben, weil ihr Kind drunter liegt … für einen Reifenwechsel wäre das sicher nicht der Fall.

Ad 5.

Wenn ich mir ein gesundes und vollwertiges Essen kochen will, dann brauche ich dazu vollwertige Zutaten, die Fähigkeit zu kochen, die Möglichkeit zu kochen und das Wissen was für mich gesund ist.
Warum sollte das in der Magie anders sein?

Natürlich ist das Thema bei weitem auch nicht halbwegs besprochen – aber ich lasse es hiermit einmal bewenden (und wer Interesse an Fortsetzungen oder Vertiefungen hat, der hat ja die Möglichkeit mir das im Blog per Kommentar oder auf fb mitzuteilen!)

Wenn Wicca nicht Wicca ist – Teil II, geschrieben von Jason Mankey, übersetzt von Anufa

Samstag, 11. Februar 2017


Wicca hat siebzig Jahre an moderner Geschichte – die sollte genutzt werden

In Wicca ging es immer um Kreativität und Fortschritt aber das bedeutet nicht, dass alles – ganz egal was – in den Ritualen zusammengeworfen werden sollte. Wicca ist nicht New Age Gesänge oder moderne positive Affirmationen. Wicca hat Jahrzehnte kreiserprobter Chants, die nur darauf warten gesungen zu werden und es gibt viele, die von denen, die wissen, wie es ist sich zu versammeln, „Einmal im Monat, am besten wenn der Mond voll ist“ neu geschrieben werden. Ich brauch dann wohl auch nicht zu sagen, was ich mit trendigen New Age Ideen macht, ein Buch voll mit Doreen Valientes Poesie ist in den meisten Fällen für mich mehr als genug.

Davon abgesehen, indem Dinge von denen, die vor uns den Weg gegangen sind, verwendet werden (neben unseren eigenen Ideen und Erfindungen) verbindet uns mit diesen Einzelpersonen. Wenn ich die Worte von Gardner oder Valiente rezitiere (und von etlichen anderen Hexen, die viele Leute nicht kennen), dann bringe ich sie näher an meinen Kreis. Ich will keine Geister und Energien in mein Ritual ziehen, die meinen Glauben nicht teilen. Ich möchte mit Hexen tanzen (heute und in jeder anderen Nacht).

Priesterinnen und Priester werden gemacht und nicht selbst proklamiert

Wie weiß man, dass man Hohepriesterin oder Hohepriester ist? In einem traditionellen Coven wird das öfters durch die Erreichung eines bestimmten Grades oder Ranges angezeigt. In einem breiteren Sinn wird das dadurch festgelegt, dass jemand anders jemanden als solches wahrnimmt. Zu einem ziemlich frühen Zeitpunkt meines Lebens als Wicca habe ich Rituale geleitet, aber ich hätte nie daran gedacht mich selber als Hohepriester anzusehen – so lange bis jemand mich mit diesem Titel angesprochen hat. Sobald sich jemand diesen Titel selbst verleihen muss, wird er ihn vielleicht nicht verdient haben.
Innerhalb von Wicca sind wir alle Priester und Priesterinnen, aber den Titel „Hohe-“ verwende ich nicht leichtfertig. In meinen Augen ist eine Hohepriesterin jemand, der befähigt ist die Craft zu lehren, Rituale zu leiten und von denen in der Gemeinschaft rundum, als solche angesehen wird. (Eine Gemeinschaft sollte sich nach außen über jeden Persönlichkeitskult hinaus, ausdehnen.) Nur weil das alles sehr gruppenzentriert klingt, so muss es doch nicht so sein. Ich habe über die Jahre viele großartige Solitary getroffen, die wunderbar für das „Hohe-“ qualifiziert waren.

Wicca dreht sich nie um eine bestimmte Person

Das ist etwas, das oftmals fehlinterpretiert wird, aber ich denke, dass das sehr, sehr, sehr wichtig für diese Diskussion hier ist. Wicca war nie ein Personenkult oder drehte sich je um eine bestimmte Person. In vielen traditionellen Kreisen leitet die Hohepriesterin den Coven, aber die Tradition, die sie führt, steht und fällt nicht ausschließlich durch ihre Mitwirkung. Wenn ich meinen Coven morgen verlassen würde, dann denke ich, dass er ohne mich weiterbestehen und höchstwahrscheinlich auch gut gedeihen würde.
Generell erschrecken mich Personenkulte eher (und das sollten sie euch auch). Länger bestehende Wicca Traditionen sind nie um eine einzelne Person aufgebaut. Sie mögen durch bestimmte Einzelpersonen stark beeinflusst sein, aber wenn eine Tradition auf hundert Leute anwächst und sich keine Tochtercoven herausbilden (und sie dadurch wächst), dann ist der Apfel innen faul. Es gib eine Tradition die um das BoS von Alex Sanders aufgebaut ist, aber er und Maxine haben kontinuierlich Leute in den dritten Grad erhoben, damit die ihren eigenen Coven leiten und so zur Tradition beitragen konnten. Wenn jemand der große Oberheini ist, keinen Raum für Verbesserungen offen lässt, Geld verlangt und daran glaubt für immer und ewig der große Oberheini zu bleiben, dann konsultiert einmal den „Bonewits´Cult Danger Evalutation Frame“.

Wicca hat eine eigene Ethik

Ich schlage jetzt nicht vor, dass jeder Wicca der Wiccan Rede folgt „an it harm none, do what you wilt“ aber Wicca hat einen starken ethischen Kern. Idealer Weise manipulieren Wicca keine anderen Menschen um des persönlichen Vorteils Willen und versuchen auch nicht andere absichtlich und grundlos zu schädigen. Wicca zu sein ist kein Freibrief für schlechtes Benehmen oder dafür alles zu tun, was einem gerade so einfällt. Es gibt genügend Religionen, die das als Option offen halten oder zumindest die Verantwortung für das eigene Tun jemand anderem anlasten kann. Gehen Wicca hier manchmal fehl? Natürlich, sogar die beste Hexe ist nur ein Mensch, aber der Weise lernt aus seinen Fehlern und wächst an ihnen.

Wicca braucht die Fallen des Christentums nicht

Ich habe nichts gegen christliches Heidentum, aber Coven und Kreise sollten nicht wie Christliche Kirchen organisiert sein. Mein heiliger Raum hat keine Türen und mein Coven trifft sich seltenst am Sonntag.
Die Leute sind herzlich eingeladen die Götter so zu ehren, wie es ihnen gefällt, aber wenn sie etwas Neues erschaffen, dann sollten sie es vielleicht auch bei einem neuen Namen nennen. Wicca ist kein Spiel und es ist keine Modeerscheinung. Es ist kein Wort, dass man leichtfertig verwenden sollte. Für Millionen Menschen rund um den Globus bedeutet dieser Begriff etwas und ich möchte, dass das in den Jahrzehnten die da kommen auch so bleibt. Blessed be!

In seinen Büchern erwähnt Gerald Gardner „the Wica“ wie einen Stamm oder eine Gruppe von Leuten. „Ich bin „of the Wica“ meint, „ich bin eine Initiierter in diese Mysterien. Dieser Titel, das ist glaube ich sicher es so zu sagen, verbleibt aber den Eingeweihten allein.

Wenn Wicca nicht Wicca ist – Teil I, geschrieben von Jason Mankey, übersetzt von Anufa

Samstag, 28. Januar 2017

KerzeImmer schon habe ich an „große“ Definitionen geglaubt. Ich verwende eher großräumige Definitionen, die so viele Menschen wie möglich einschließen anstatt einer die konstruiert wurde, um einfach den Zugang einzuschränken. Ich glaube an einen umfassenden Ansatz für den Paganismus und dieser Ansatz dehnt sich auch darauf aus, wie ich Wicca und Hexentum definiere. Wenn ich gebeten werde, meinen spirituellen Weg genau zu beschreiben, dann ist „Wicca“ wahrscheinlich das Wort, das am meinsten Sinn macht (obwohl ich Wicca und Hexentum oft als Synonyme verwende, abhängig vom Kontext).
In den letzten fünfzig Jahren wurde das Wort „Wicca“ weiter gefasst. Worte verändern sich und zu versuchen, wie einige von uns gerne würden, zu kontrollieren wie ein Wort definiert wird, funktioniert nicht. Zu Beginn war Wicca ausschließlich eine initiatorische Tradition. Um Wicca werden zu können, musst man von einem anderen Wicca eingeweiht werden. Das fing in den 70ern an sich zu verändern und in den frühen 90ern war Wicca etwas geworden, das einfach zugänglich war. Es gibt natürlich auch bestimmte Arten von Wicca, die ausschließlich initiatorisch geblieben sind, aber in einem breiter gefassten Sinn, ist Wicca nun etwas, das für jeden, der bereit ist danach zu suchen auffindbar ist. Das bedeutet aber nicht, dass das Wort an Wert verloren hat.

Wicca bedeutet immer noch etwas und während diejenigen von uns, die es auch praktizieren, mit einigen Gesichtspunkten der Theologie nicht besonders glücklich sind, gibt es noch immer einen Schatz an Dingen, durch die definiert ist, was wir als Wicca tun. Wicca ist kein Synonym für New Age Gedankengut und es sollte nicht verwendet werden, weil es einfach cool klingt. Ich bin kein „hardline Definierer“ aber in den letzten zwanzig Jahren habe ich ein paar Dinge gesehen, und deshalb habe ich einen ganz guten Eindruck davon, was die moderne Praxis im Wicca beschreibt. Dinge die Wicca sind, sollten wie Wicca aussehen, sich wie Wicca anfühlen und wie Wicca funktionieren. Wenn sie das nicht tun, dann sind sie auch etwas anderes. In anderen Worten, wenn ich mich in einem Ritual nicht zu Hause fühle, dann kann das durchaus heidnisch sein, aber es kann nicht Wicca sein.

Wicca wird oft durch seine Rituale beschrieben

Kein Kreis, keine Richtungen, keine Erwähnung von Gottheiten oder Mutter Erde … dann ist das wahrscheinlich nicht Wicca. Wenn es eine Sache gibt, die in den unterschiedlichsten Richtungen gefunden werden kann, dann ist es die grundlegende Ritualform. Wicca erfordert einen Kreis (oder zumindestens irgend eine Art an rundlicher Form), die als heiliger Raum gewidmet ist und wenn versucht wird in einer Kirchenbank sitzend zu prakitzieren, dann ist das nicht Wicca, was da praktiziert wird. Es werden vielleicht Konzepte und Ideen aus dem Wicca verwendet, aber es ist sicher nicht Wicca.
Sogar Traditionen des Hexentums, die schon vor Gardner bestanden haben mögen und in den 50ern an die Öffentlichkeit gegangen sind, verwenden oft Teile dieser Ritualform. (Von Wissenschaftlern wird das der „Gardner Magnet“ genannt und während Wicca nicht alle „Gardnerische“ sind, so war er doch verflucht einflussreich.) Der Grund dafür ist, dass die Ritualstruktur, die zuerst von Gardner und seinen frühen Initiierten präsentiert wurde, funktioniert und für eine Menge Leute sehr sinnvoll zu sein scheint.
Wicca funktioniert am besten in Coven und nicht in Gruppen von 200 Leuten

Das Wicca-Ritual wurde für kleine Gruppen geschneidert und das ist immer noch, wo die meiste Arbeit getan wird. Ich war selbst Teil einiger großer Kreise und ich habe einige kraftvolle Rituale mit ein paar hundert Leuten geleitet, aber das sind Ausnahmen von der Regel. In Wicca geht es tatsächlich um die Erfahrung im Coven. Es geht darum mit den Leuten im Coven „in perfect love and perfect trust“ etwas teilt und diese beiden Dinge erarbeitet man sich über die Zeit und schustert sie nicht in letzter Sekunde noch schnell zusammen.
Die Logistik dahinter, monatliche Rituale mit ein paar hundert Leuten zusammen zu stellen, ist zu viel, als dass ich das wirklich verstehen könnte, abgesehen davon, dass eine derartige Situation für die Leute eine ständiges Kommen und Gehen wäre. Jede tiefgreifende Coven-Erfahrung bei der ich zugegen war, hat es jedem einzelnen Mitglied erlaubt wirklich daran Teil zu haben. Mit hunderten Leuten ist das einfach nicht möglich. Diese Coven-Erfahrungen lassen uns weinen, feiern und lieben – ohne Scham oder Angst. Ich bin meiner selbst viel zu sehr bewusst um derartige Dinge mnit Menschen zu tun, die ich nicht kenne und absolut nicht bereit für den Schmarren, der passiert, wenn die Tore – für jeden Aufmerksamkeitsjunkie für seine zehn Minuten im Kreis-Scheinwerfer, geöffnet werden.

Ende Teil I

Tradition – Gefängnis und/oder Handlauf – Teil II

Samstag, 31. Dezember 2016

Es globalisiert, und wie das globalisiert …

Kurz nach der Jahrtausendwende war das Netz soweit verbreitet, dass sich durch den möglich gewordenen persönlichen Kontakt auch engere Verbindungen ergaben und sich nicht nur althergebrachte Annahmen verifizieren oder falsifizieren ließen, sondern auch die Möglichkeit bestand, sich etwas besser kennen zu lernen. Dadurch zeigte sich auch oftmals, dass „die Tradition“ gar nicht so übergreifend traditionell angelegt war, wie mensch vielleicht selber gedacht hatte. Rituale, die mensch als „allgemeingültig“ eingeordnet hatte, waren auf einmal eine „Linienbesonderheit“ oder gar eine „Coventypische Vorgangsweise“. Eine Sache, die für den einen oder anderen schwer zu verdauen war …
Was war dann Tradition noch wert, wenn eh alles anders war, an jedem Eck und Ende?
Auf der anderen Seite gab es nun auch schon die „Tradition“ derer, die explizit keiner Tradition angehören wollten. Solitary oder Solohexen hatten sich zusammengefunden und dadurch entstanden naturgemäß wieder neue Traditionen (allein weil es meistens eher weniger praktikabel ist, bei jedem Treffen einen neuen Ritualablauf zu etablieren …). Je größer die Gruppen wurden, desto eher bildeten sich Muster heraus.
Die nächste Station war dann Ende der 2010er Jahre, das Zerfallen vieler dieser Gruppen – meistens weil es langweilig geworden war (wie in schlechten Beziehungen), sich die Leithammel in die Haare kriegten (wie bei Firmengründungen oft zu finden) oder schlichtweg, weil geheiratet und die Energien auf Kinder oder auf die Karriere umgeleitet wurden (wie bei vielen anderen Hobbies auch) und weil sich herausgestellt hatte, dass Magie und Co doch den Aufwand nicht wert waren. Auch „wirklich“ tradtionelle Richtungen haben davon ihren Schlag abgekommen, was an den Mitgliederzahlen der unterschiedlichsten Gruppen nicht wegzudiskutieren war.


… und was jetzt?

Die Frage die ich jetzt aufwerfen will ist:
Was kann und soll Tradition denn heute noch bringen und
für wen hat es Sinn danach zu suchen?

Wie immer kann ich natürlich vornehmlich auf meine eigenen Erfahrungen in Bezug auf „Tradition“ zurückgreifen, die ich allerdings nicht nur aus dem Bereich des Hexentums ziehe sondern sowohl aus meinem Berufsumfeld als auch aus meinen Familien- und Weiterbildungsaktivitäten.

Für mich birgt Tradition den riesengroßen Vorteil, dass sie einen bewährten und relativ einfach begehbaren, quasi beschilderten, Weg an ein vorherbestimmtest Ziel bietet. Sollte ich also genau dorthin auch wirklich wollen, dann ist sie für mich tatsächlich der sinnvollste Weg auch dahin zu kommen.
Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich gerne lebensnahe Vergleiche finde. In diesem Fall vergleiche ich Tradition mittlerweile sehr gerne mit einem Navi fürs Auto.

Wenn ich noch nie in Rom war, aber gerne die Offizien besichtigen würde, dann werde ich mit Hilfe des Navi recht rasch merken, dass ich zwar mit „Italien“ ziemlich gut liege, ich aber nach Florenz fahren muss und nicht nach Rom. Das stellt mich dann vor die Tatsache, dass meine Vorstellung mit der Realität nicht wirklich deckungsgleich gewesen ist und ich muss den weiteren Plan, den ich im Hinterkopf hatte (das Colosseum mitzunehmen und in einer Seitengasse vom Markusplatz eine Maske einzukaufen) ebenfalls abklopfen und anpassen.
Das Navi sagt mir dabei, wie ich am besten vorgehe und ob das im Rahmen meines Budgets und meiner Zeit überhaupt möglich wäre. Je nachdem wie gut mein Navi programmiert ist, werde ich damit besser oder schlechter beraten sein. Ein gut programmiertes Navi wird Zwischenziele zulassen und damit werde ich feststellen, dass die Planung bzgl. der Abfolge umgestellt werden sollte um Sprit und Zeit zu sparen. Ich werde sogar bis ins Detail Anweisungen erhalten können, wo ich Raststationen, Übernachtungsmöglichkeiten und Parkplätze auf dem Weg und an meinen Zielen finden kann. Und natürlich wird es mich auch wieder sicher von Rom heimbringen. Ich werde von keinen Mautstellen überrascht werden, von keinen Baustellen etc. und ich werde sogar einen ungefähren Zeitplan vorfinden, wann ich damit rechnen kann, anzukommen.
Das wäre für mich eine gut eingenordete Tradition.

Natürlich, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich es hier mit einem „Navi“ mit recht konkreter Programmierung zu tun habe, birgt das Potential für Schwierigkeiten. Ich kann hierbei nicht einfach doch lieber nach Norwegen fahren oder nach Australien und natürlich haben auch gut funktionierende Navis in verbindungslosen Bereichen keine Chance, manche unter Umständen eine ziemlich komplizierte Bedienung, benötigen Strom etc. Und wie jeder Vergleich hinkt auch dieser irgendwo – nämlich genau da, wo in Traditionen noch der „menschliche Faktor“ eine große Rolle spielt. Dem Navi ist egal, wer es „bedient“ solange die richtigen Knöpfe gedrückt werden.
Gerade dieser menschliche Faktor ist es aber, der viele dazu bringt, sich überhaupt einer Tradition anschließen zu wollen … um wo dazu zu gehören!

Was ich noch explizit erwähnen möchte ist, dass ich den Weg trotz Navi selber auf mich nehmen muss! Es wird mich das Navi weder hinfliegen noch hintragen und schon gar nicht beamen … gehen/fahren muss ich nach wie vor selber! Das kostet Energie, Zeit, Kraft, Willen, bringt Entbehrung mit sich und erfordert auch Vorkenntnisse (wenn ich mich nicht fortbewegen kann, dann nutzt mir auch das Navi nicht viel!) und Geld (das ich, ohne Navi, zwar auch für andere Sachen verwenden müsste – weil gratis nach Italien beamen gibt’s halt nicht!! – aber trotzdem sei es erwähnt). Wichtig ist mir, beim Geldthema, anzumerken, dass es in meiner Tradition keinen Unterricht gegen Barschaft gibt sondern Auslagen gedeckt werden müssen (von Nahrung über Getränke bis zu Ritualbedarf) – um das Navibeispiel so abzuschließen.

Damit wären wir bei der Frage nach dem „Typ“ Mensch, für den Traditionen Sinn machen können. Diese Frage sollte sich anhand meines Beispiels mittlerweile jeder selber beantworten können.
Wer das nicht kann/will oder möchte, der kann mich gerne anschreiben und ich schiebe noch einen Teil III nach – sofern sich mindestens 10 Interessenten finden, vorausgesetzt. Natürlich könnt Ihr das auch gerne in dem Blogkommentaren ausdiskutieren – dann spare ich mir den Teil III und es kommen mehrere Sichtweisen zu Wort und ich senfe natürlich auch gerne dazu!