Archiv für die Kategorie ‘Noreia, die Eule’

Ein Treffen mit Dayonis – Teil II , geschrieben von Morgana, übersetzt von Anufa, bearbeitet von Chris

Samstag, 17. Juni 2017

Eingeweiht von Gerald Gardner, Mitte der Fünziger, war Jack Bracelin mein Hohepriester. Wir waren zu selben Zeit eingeweiht worden, wir leiteten zusammen den Bricket Wood Coven bis ich ihn 1959 verließ um zu heiraten, denselben Kerl mit dem ich immer noch verheiratet bin, die Göttin möge ihn segnen. Mein Buch der Schatten ist schon lang durch Feuchtigkeit und Insekten vernichtet worden, als wir in der Karibik lebten. Es war nur zwanzig Seiten dick und ganz schön skizzenhaft aber es hat verflixt gut funktioniert. Zumindest taten wir das als Coven. Lois war meine Maiden und ein beachtliches Medium. Wir ihr vielleicht alle wisst, habe ich mich zumindest auf diesen Foren vor ein paar Jahren geoutet und habe Californien dank Anna besucht. Ich schätze, wenn man all das Obige mit einbezieht, dann könntet ihr mich Urgroßmutter (durch die Macht von zwei nur zwei?) nennen und das ist der Titel, den ich am meisten mögen würde, jetzt, da ich die wirkliche Großmutter einer wunderhübschen Enkelin bin.

Habe Lois Bournes Buch “Dancing with Witches” gelesen und sie trifft im ersten Teil des Buches mit ihren Kommentaren zu Gerald ins Schwarze. Ich wusste von Idries Shah, traf ihn einmal als Jack mich mitnahm um ihn zu sehen. Er sah gut aus und war auch eine faszinierende Persönlichkeit! Zu ihren Kommentaren zur Volkskunde – ich habe sie nie wirklich sorgfältig gelesen – damit werde ich sie auch nicht kommentieren.
Liebe und seid gesegnet … Dayonis”
(Mit Erlaubnis wiedergegeben)

Für mich war das interessanteste Faktum an Dayonis Vorstellung, dass mir ihre Herangehensweise so bekannt und mit meinen eigenen Erfahrungen des Arbeitens in einem Coven vergleichbar war. Wir standen nicht auf Zeremonien und machten einfach weiter.

Es folgten mehrere andere E-Mails von langgedienten amerikanischen und europäischen Gardnerischen, die etliche Themen abdeckten. Viele waren damit befasst, was “richtig” im Sinne der Gardnerische Praxis war. Tatsächlich wurde die Liste so geschäftig, dass ich sie schon aufgrund der reinen Menge verließ.

Nach den anfänglichen Vorstellungen und üblichen Diskussionen über das Buch der Schatten, wurde es weniger interessant, einfach deshalb, weil so vieles von dem sich nicht auf das anwenden ließ, was in den Niederlanden geschah.

Auch gab es Listen und Foren die bei uns neu auftauchten. Mit einer Vollzeitarbeit und Craft-Aktivitäten beschäftigt, hatte ich einfach nicht die Zeit an diesen “transatlantischen” Diskussionen teilzunehmen.

Also vorspulen ins Jahr 2014. Ich war beschäftigt damit Pläne zu machen die URI (United Religions Initiative) und die PFI beim nächsten “Parlament der Weltreligionen” 2015 in Salt Lake City zu vertreten. URI würde einen Gästebereich einrichten und ich hatte angeboten zu helfen. Es gab die üblichen Facebook-Gruppen in denen Leute aus den unterschiedlichsten Organisationen interagierten. Zu meinem Erstaunen und meiner Freude stellte ich fest, dass Dayonis ebenfalls teilnehmen würde. Ich beschloss ihr eine persönliche Nachricht zu schicken und sie wissen zu lassen, dass ich ebenfalls teilnehmen würde … aber sie antwortete nicht. Wie auch immer, ich hatte keine Ahnung, dass Anna und Don auch teilnehmen würden (Don in seiner Funktion als URI Repräsentant) und Dayonis bereits gefragt hatten, ob sie mich und Vivianne Crowley, die auch am Parlament teilnahm, treffen wolle.

(Dayonis und Morgana beim Parlament der Weltreligionen, Salt Lake City 2015)

Wir sprachen über Abstammungslinien und die regelrechte Besessenheit, die Amerikaner diesbezüglich haben. Natürlich verstehen wir, warum das so geschehen ist und warum das nötig ist, aber wie Dayonis später anmerkte, “wussten wir nicht immer, was Gerald vor hatte.” Und wir wissen tatsächlich, dass Gerald viele Verbindungen hatte und viele Leute traf.
Ich hatte diese Erfahrung auch gemacht, wenn ich mich an meine eigene Initiation erinnerte und an den Coven, in dem ich ausgebildet wurde. Es erinnerte mich daran, wie Vivianne und ich uns das erste Mal trafen. Obwohl wir beide von Eleanor Bone “abstammten” und damit schlussendlich von Dayonis, wussten wir nur wenig über den Hohepriester und die Hohepriesterinnen der anderen. Wir wussten, dass sie alle geringfügig unterschiedliche Versionen des Buches der Schatten zu haben schienen. War das das Resultat schlampigen Kopierens? Oder waren die Dinge geändert worden? (Wir wissen, dass Dinge manchmal von GBG geändert wurden, manchmal von dem betreffenden Hohepriester/der Hohepriesterin). Dayonis erzählte mir später, dass sie sich öfters Jacks Buch ausborgte …

Das Gespräch war gefüllt mit wunderbaren Anekdoten. An einem Punkt sprachen wir auch über die Kerzen in den vier Richtungen – wir fragten Dayonis ob sie damals eine bestimmte Reihenfolge oder bestimmte Farben verwendeten. “Oh nein”, antwortete sie. “Wir haben nur weiße Kerzen verwendet …” Ich fügte hinzu, dass wir in unserem Englischen Coven blaue Kerzen verwendeten und Anna erinnerte sich an Doreens Kommentar “Wir verwendeten rote Kerzen für die Himmelsrichtungen – weil es da im Supermarkt ein billiges Angebot gegeben hat”. Alle platzten vor Lachen!

Ende Teil II

Ein Treffen mit Dayonis – Teil I , geschrieben von Morgana

Samstag, 13. Mai 2017

Als ich 1979 initiiert wurde, war es für mich nicht seltsam, dass ich über die Gruppe in die ich aufgenommen wurde, so gut wie nichts wusste. Der Weg auf dem Merlin und ich das Paar fanden, das später unser Hohepriester/Hohepriesterin werden sollte, war auch nicht seltsam. Er war eher … schicksalshaft (im Englischen: weird). Weird oder wyrd im Sinne von “werdend, sich entfaltend”, – als ob es vorherbestimmt gewesen wäre. Das zufällige Finden einer Adresse, das zufällige Treffen mit jemandem im Zug. Zweifellos kennt jeder diese Erfahrungen, die ich da meine. Nichtsdestotrotz, war es in den 1970ern noch immer sehr schwierig, Gardnerische Hexen zu finden, die bereit waren, Leute aufzunehmen. Nicht dass sie irgend etwas zu verbergen hatten. Ganz im Gegenteil, es war die Gesellschaft im Allgemeinen, die es nicht gewohnt war mit Menschen umzugehen, die eine andere Wahrnehmung von der Natur und eine andere Art der Kommunikation mit ihr hatten, eine andere Sichtweise auf das Hexe-sein und auf den Kontakt mit Göttern (Plural) …
Das Nachkriegsengland erfuhr viele Veränderungen, inklusive die Ablösung von überholten Gesetzen, wie dem „Witchcraft Act 1735“ durch den „Fraudulent Mediums Act 1951“ (der übrigens 2008 in Folge einer EU Verfügung durch die neuen „Consumer Protection Regulations“ ersetzt wurde). Das bedeutete allerdings nicht sofort, dass Hexen so einfach aus dem Besenschrank heraus kommen konnten. Es gab, und gibt immer noch, die Notwendigkeit zur Diskretion. Nachdem wir den Erstkontakt geschlossen hatten, fanden wir heraus, dass die Leute eigentlich sehr offen mit ihrer Praxis umgingen.
Sogar heute, innerhalb des „initiatorischen Wicca“, das in den US oft als BTW/British Traditional Witchcraft bezeichnet wird, gibt es immer noch Dinge, die als eidgebunden betrachtet werden. Sicherlich sind die bürgerlichen Namen und Name und Ort des Covens absolut privat aber das gilt auch für bestimmte Praktiken und natürlich magische Arbeiten. Wicca selber kann nicht studiert werden, ungeachtet der Existenz von sogenannten „Wicca-Schulen“. Bestimmte Techniken können erlernt werden aber was Wicca ist, kann nur erfahren werden – als persönliches Mysterium. Zumindest ist das meine Wahrnehmung!

Initiation war 1979 also verbunden mit einer bestimmten Tradition, einer bestimmten Strömung. In unserem Fall der Garderischen Tradition. Wir lernten bald, dass ein Großteil unseres Trainings mündlich stattfand, mit einem starken Schwerpunkt auf der Entwicklung unserer Intuition. Zuhören und Muster zu erkennen – „die Punkte verbinden“ – zu verstehen, was Körpergedächtnis wirklich ist. Den Mondphasen zu folgen und den Jahreszeiten. Die Vermischung von altem Volksbrauchtum und Stadleben. Alte Grimoires zu studieren und über okkulte und natürliche Gesetze zu lernen – pure Alchemie, pure Magie!

Darüber hinaus war ich von Gerald Gardners Arbeit und Einfluss fasziniert. Wie haben die/der frühere(n) Coven gearbeitet? Wer waren die frühen Gardnerischen Wicca-Priester und Priesterinnen? Einmal sah ich sogar ein Diagramm, das unser „Familienstammbaum“ sein sollte. Nicht ganz ein normale Stammbaum aber nichts desto Trotz unser Abstammungslinie.

Tatsächlich sah ich einige Namen die mir vertraut waren; andere waren völlig neu. In den nachfolgenden mehr als 35 Jahren wurde ich mit den meisten Leuten in diesem Baum mehr und mehr vertraut. Etliche waren gestorben, einige hatten die Craft verlassen – andere waren weitergezogen um ihre eigenen Zweige oder Linien zu erschaffen.

Eine der sehr frühen Priesterinnen auf diesem Diagramm – Dayonis – hatte augenscheinlich die Kunst (siehe oben) verlassen, nachdem sie geheiratet hatte und ausgewandert war. Aufgrund des Berufs ihres Ehemannes, war es nicht passend von Wicca oder von ihrem Engagement im Hexentum zu sprechen. Für viele Jahre war ihr Name damit nur ein Eintrag auf unserem Stammbaum. Ich konnte diesen Wunsch nach Diskretion auch völlig verstehen, weil ich zu dieser Zeit ebenfalls in einer Anstellung war, in der es schwierig hätte werden können, wenn bekannt gewesen wäre, dass ich eine Hexe war. Zu der Zeit war ich Lehrerin und später habe ich im Finanzsektor gearbeitet.
Der Name Dayonis, der ihr von Gardner gegeben worden war, war eigentlich ein Name, den er in seinem ersten Roman „A Goddess Arrives“ (1939), der auf Zypern spielt, verwendet hatte.

Wie auch immer, rund um 1996, suchte Dayonis, die in der Zwischenzeit in Amerika lebte, Kontakt und fand über ein sehr frühes Internet eine Verbindung zu Gardnerians in Kalifornien, USA. Zu dieser Zeit waren nicht allzu viele von uns online. Ich habe 1996 angefangen E-mails zu verwenden, aber wir hatten bereits seit den frühen 80ern Kontakt mit Gardnerischen und Alexandrischen Hexen und anderen Heiden in den Vereinigten Staaten, Großbrittannien, Australien und Kanada.
Nichtsdestotrotz  war ich verwundert als ich sah wie sich Dayonis plötzlich im Juli 1998 auf einer amerikanischen Gardnerischen E-mailliste vorstellte.

Meine Lieben,
Ich habe nur ein paar Kommentare:
1. Bitte – Ich bin keine „Lady“, nur Dayonis. Ich verstehe die Ehrenbezeichnung in diesem Kontext nicht. Ich war nie eine „lady“, nur eine Frau. Nicht ich, meine Lieben, ich bin nur eine Frau. Aber trotzdem vielen Dank.
2. Wenn ich das Obige mit einbeziehe, dann sehe ich mich selbst als Hexe, „witch“ (kleines „w“), die Hexenkunst, „witchcraft“ (kleines „w“) mit Wicca-Symbolismus praktiziert. Heutzutage allerdings, stelle ich mich in der alltäglichen Welt als „born again pagan“ vor – das macht das Leben einfacher, wenn man technisch betrachtet noch in der Besenkammer sitzt. Ich neige dazu Großschreibung als “Betitelung” zu empfinden, aber das nur vielleicht. Auf den Rest bezogen verbeuge ich mich vor Annas tiefen Verständnis des Amerikanischen Gardnerianismus.
Darf ich mich jetzt auch noch vorstellen:

Ende Teil I

Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!! – Teil II

Samstag, 25. März 2017

Da tatsächlich einer der gaaaanz seltenen Fälle eingetreten ist, dass tatsächlich jemand im Blog nach einer Fortsetzung gefragt hat. Also vielen Dank, fürs Kompliment Irene und speziell für dich ein zweiter Teil!

 

Herz is Trumpf

Ein mittlerweile zwanzig Jahre alter“ Film, „Der Hexenclub“, war lange Zeit (damals leistete ich noch Covenarbeit) einer meiner Lehrfilme, den ich mit den Newbies durchdiskutiert habe. In diesem wird zum Beispiel wunderschön ein Liebeszauber aufgearbeitet. In Kurzfassung: überlege gut, was Du Dir wünschst, es könnte eintreffen.
Sarah, eine der Hauptprotagonistinnen, webt einen Liebeszauber um Chris, einen Mitschüler, für sich zu gewinnen. Die Beziehung entgleist – Chris bedrängt sie massiv und sie wird ihn nicht mehr los. Nancy, ebenfalls eine der Hauptfiguren, bringt Chris schlussendlich um, indem sie ihn – mittels magischer Beeinflussung – aus dem Fenster springen lässt.

Die Grundsatzfrage, die mich, bezüglich derartiger Magie, immer wieder beschäftigt stelle ich dann ein wenig später – die Frage der Ethik.
Vorerst möchte ich mich ein wenig mit der Genese eines Zaubers beschäftigen, gleich anhand eines derartigen Liebeszaubers. Genauso wie es auch die ,im Film zu Rate gezogene, Hexe den Hexenclub-Teens erklärt.
Bei einem Zauber will ich ein bestimmtes Ergebnis erzielen (sonst wäre die Sache ja auch nie verifizierbar) und von diesem angestrebten Ergebnis hängt ab, wie der Zauber aussehen muss.
Klingt nach „no na ned“, ist aber vielfach schwieriger als es klingt. Eine glückliche Beziehung zu zaubern ist etwas völlig anderes als „diesen Typen will ich haben“ als Motto zu wählen. Wobei ich da noch weit von einer Frage der Ethik entfernt bin, sondern mich rein auf das Sachliche beziehe. Bei einer glücklichen Beziehung ziele ich nicht auf einen bestimmten Menschen sondern auf einen Seinszustand für mich! Ich werde dann jemanden kennen lernen, der es mir ermöglicht eine glückliche Beziehung zu führen.
Diese Formulierung habe ich bewusst gewählt, weil das noch lange nicht heißt, dass auch der andere mit dieser Beziehung glücklich sein muss! Es muss auch nicht sein, dass diese Beziehung Entwicklung für mich ermöglicht. Nichts ist inkludiert, außer dass ich glücklich bin – wie und warum auch immer!
Wenn Magie wirkt, dann wirkt sie auch. Damit sitze ich dann in dieser Beziehung fest … zumindest bis ich eindeutig mehr Kraft investiere um mich daraus wieder zu lösen also ich verwendet habe um sie zu bekommen. Und wenn die Energie, die ich für den Zauber verwendet habe erschöpft ist, wird sich die Verbindung von selber auflösen. Auch etwas das gerne vergessen wird. Ein gewirkter Zauber hat ein Ablaufdatum und so lang er dauert, dauert er auch.
Wenn ich genau diesen Menschen mit Magie für mich entflamme, dann muss mir klar sein (eben wie im Film), dass ich den/die dann auch bis zum Ablaufdatum nicht mehr los werde. Wenn ich die glückliche Beziehung inkludiere, werde ich um Ecken mehr Energie aufwenden müssen – und ob sich das machen lässt ist wieder ein anderes Thema, das ich noch vor der Ethikfrage in Angriff nehme.

Hat der Zauber funktioniert, dann erhebt sich nur noch die Frage nach dem Preis. Im besten Fall steht auf dem Rechnungszettel der Posten „Ich bin mir im Klaren, dass ich einen anderen Menschen durch Magie in die Lage gebracht habe mich zu lieben“. Selbst wenn alles zu 100% so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, bleibt immer noch der Zweifel, ob mein Partner nicht nur wegen meines magischen Wirkens mein Partner ist oder ob wirklich ich als Person gemeint bin … Wie kann ich mir da sicher sein? Wäre mir das egal?
Es muss also nicht so überzogen sein, wie im Film – aber alles hat seinen Preis.


Wo kommt die Energie denn überhaupt her?

Als kurzen Einschub möchte ich noch die Frage nach dem Treibstoff eines Zaubers einwerfen. Wo kommt die denn eigentlich her?
Einfache Antwort: im Normalfall aus oder durch einen selber!

Aus einem selber ist natürlich eher eine begrenzte Ressource – wie das Beispiel vom „Cone of Power“ schön zeigt. Natürlich kann ich auch Fremdenergie durch mich durch leiten. Dazu muss ich aber geübt sein, sowohl im „Anzapfen“ (weil ich ja wissen muss wo und wie) als auch im „Kanalisieren“. Opfer sind natürlich auch eine Möglichkeit an ein Energiereservoir zu kommen. Wie funktioniert denn das?
Generell geht es, meiner Ansicht nach, um Lebenskraft (Chi, Vitalkraft, Od, Prana oder wie auch immer mensch sie nennen will). Dabei möchte ich aber betonen, dass ich diese Lebenskraft nicht als spezifisch menschlich, sondern als universal ansehe (weshalb auch Opfer durchaus funktionieren können).

Ein Beispiel, gefällig?
Ob der Treibstoff aus Erdöl, Pflanzenöl, Wasserstoff oder Sonnenenergie hergestellt wird – je nach Motor wird unterschiedlicher Treibstoff benötigt und dann bringt mich mein Fahrzeug in die Richtung in die ich möchte. Ob ich das Ziel auch erreiche, das liegt an der zu fahrenden Strecke, der Reichweite meines Treibstoffs und meinem Fahrstil. Ich glaube, dass dieses Beispiel am besten verdeutlicht, wo die Problemquellen auch beim Zaubern liegen.


Und nun zur Ethik

Damit wären wir wieder zurück beim „Hexenclub“ … hier ein paar (durchaus berechtigte, wie ich finde) Kommentare aus Wikipedia

„Wenn er doch nur wirklich böse wäre. Bei allem Horror und bei der anständigen Unterhaltung stört – neben der Hauptdarstellerin –, dass Der Hexenclub brav und moralisch ist.“
Günter H. Jekubzik auf filmtabs.de
„Es zeigefingert ganz kräftig in diesem Film, und so wirkt Der Hexenclub trotz ausgeklügelten Produktionsdesigns, spektakulärer Genreeffekte und treffsicheren Soundtracks eher wie die professionell bebilderte Broschüre eines Landesbeauftragten für Sektenfragen.“
Martin Schwickert auf ultimo online
Ethik ist für mich nicht gleichbedeutend mit Moral. Der Zeigefinger ist also für mich ein Zeigefinger und kein „DuDu“-Finger, der mir meine Verfehlungen um die Ohren haut. Der Film wirkt in großen Passagen moralisierend , das würde ich durchaus unterschreiben. Obwohl wohl jede Parabel auf die eine oder andere Art moralisiert … und niemand hat behauptet, dass dieser Film etwas anderes wäre.

Mir persönlich geht es um Ursache und Wirkung – Karma wie ich es verstehe. Wenn ich zaubere und damit einen anderen seines freien Willens beraube, dann wird mir (wohlgemerkt mir persönlich) auf Dauer kein Glück bringen, weil ich (ich ganz persönlich) es nicht richtig finde, jemanden zu meinem Vorteil so zu steuern. Wenn jemand damit wirklich d´accord wäre, dann hätte er  auch kein Problem damit und auch kaum mit negativen Folgen seines Handelns zu tun. Deshalb ist auch der Schluss – eine Nancy die im Irrenhaus für ihre Untaten büßt – für mich eher der Moralecke zuzuordnen. Abgesehen davon, dass Sarah für den Rest ihres Lebens damit leben wird, zu wissen, welche Panik Rochelle und Bonnie ihr gegenüber empfinden – was natürlich im Skript nicht mehr vorkommt …

Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!!

Samstag, 04. März 2017

Zusammen auf ein Ziel hinarbeiten ist durchaus etwas Schönes, gemeinsam ein Ziel zu haben gibt auch ein gutes Gefühl … aber „Trump verfluchen“ ist dafür ein denkbar schlecht geeignetes, wenn mich jemand fragt – wie es auch passiert ist, deshalb gibt es diesen Artikel.

Den Titel dieses Artikels habe ich aus einem Blogbeitrag von Chris Frey  geklaut. Er hat schon etliches gesagt, das ich ähnlich sehe und deshalb nicht nochmals erwähnen werde. Worauf ich mich jetzt und hier beziehen möchte ist, die Zauberei als solche, die für mich das Handwerk hinter einem Fluch darstellt – eben: wenn schon verfluchen, dann aber richtig!

Ich selber bin Hexe und zwar aus der gardnerischen Ecke, was mensch so weitläufig als „traditionell“ ansieht. Zauberei gehört für mich zu meiner Spiritualität dazu und Flüche sind ein (für mich eher unwichtiger, aber nichts dest Trotz!) Teil der Zauberei. Allerdings sage ich gleich dazu, dass meine Weltsicht MEINE Weltsicht und keinesfalls DIE Weltsich einer traditionellen Hexe generell darstellt!

Zauberei ist ein Handwerk

Wie jedes Handwerk sollte auch Zauberei ge-/erlernt sein – Naturbegabungen gibt es natürlich, aber ich schaue mir gerne an, wie eine Naturbegabung ein ganzes Haus von Grund auf sinnvoll, sicher und funktional elektrisch verkabelt, ein 5-Gänge Menü der Haut Cuisine zu Stande bringt oder eine befahrbare Autobahnbrücke konzipiert. Mozart war auch ein Naturtalent aber sein Vater auch Musiker (und zwar ebenfalls ein guter, wenn auch nicht so genial wie sein Sohn) und wieviel Zeit der Wolferl mit Üben verbracht hat, das will heute garntiert kaum mehr jemand auf sich nehmen.

Also lange Rede, kurzer Sinn: Magie ist etwas, das mensch lernen muss, das kommt nicht von allein, einfach so, aus dem Bauch per Inspiration oder „starkem Willen“ oder gar „gerechtem Zorn“. Da kommt durchaus etwas, aber seltenst das, was mensch sich so vorgestellt hätte (falls überhaupt der Intellekt involviert wurde!).
Exkurz: Klar kann jeder „beten“ oder „Fürbitten“, das macht uns ja in unseren Breiten die katholische Erziehung, die z. B. ich in meiner Kindheit genossen habe, schön deutlich. Aber das hat mit Zaubern nur sehr am Rande was zu tun.
Beim Zauber geht es darum dass ich selber für die Dinge, die ich in Gang setze verantwortlich bin, dafür den Preis zahle und die Konsequenzen trage. Chris hat die „Operation Cone of Power“ ja schon genannt. Wenn mensch den Erzählungen glauben darf, dann hat dieser Zauber Menschenleben gefordert und das wäre für mich schlüssig im Sinne von „große Veränderungen – hoher Preis“. Dem folgend wäre es wieder sinnlos, einfach irgendjemand das Leben zu nehmen oder ihn dazu zu bringen es von sich aus zu geben, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, das wäre um Ecken zu kurz gegriffen. Jeder muss sich im Klaren sein, was er da tut und dazu bereit sein die Konsequenzen zu tragen – jeder. Den Preis legt das Leben fest, nennt es Karma, Schicksal, Ursache-Wirkungs-Prinzip, Gott, Götter, Wahrer-Wille, etc ppp. Natürlich kann mensch sich jetzt streiten, was der bestimmende Faktor genau wäre, aber das ändert für mich nichst am Prinzip.

Mein Destillat für den Zauberlehrling wäre

  1. Gezaubert wird dann, wenn arbeiten nix geholfen hat (nicht wenn mensch zu faul, zu feig, zu ungeübt etc ist oder es zu langwierig, anstrengend etc aussieht, es „manuell“ zu erarbeiten).
  2. Je unwahrscheinlicher oder „größer“ das Ergebnis desto teurer.
  3. Je größer das Ziel, desto einfacher ist das Lenken der Energie
  4. Je umfassender und unsprünglicher die Motivation desto besser funktioniert der Zauber
  5. Je besser vertraut ich mit der Technik der Magie bin desto passgenauer das Ergebnis je weniger, desto schlimmere Quer- und Fehlschläger

Gleich ein für mich essentieller Einwurf: Die Liste für einen funktionierenden Zauber ist eine wirklich lange und diese fünf Punkte sind nur diejenigen, die am einfachsten zu greifen sind und an denen es am meisten scheitert. Es kommt selten auf einen einzigen Punkt an, es ist meistens die Gesamtheit dessen, was da sein sollte und oft nicht ist.

Ad 1.

Dieser Punkt lässt sich recht einfach verifizieren … Wenn ich die Möglichkeit hätte, das was ich hier zaubern möchte, auf materiellem Weg zu erreichen, würde ich es machen und öffentlich dafür gerade stehen? Das ist quasi das Prinzip, das ich auch bei anderen Entscheidungen, die dann jemand anders durchführen müsste (!) empfehle, Motto „Das sag ich meinem großen Bruder!!“. Rigorose Massnahmen lassen sich leicht anordnen, wenn mensch sie nicht selber auszuführen hat …
Zaubern als Ausweg sich die Hände nicht schmutzig machen zu müssen – ist für mich ein absolutes No-Go. Zaubern, weil mensch selber zu faul ist, weil mensch zu wenige technische Fähigkeiten besitzt und sich die nicht erarbeiten will – kurz wer sich eine Abkürzung herausschinden will – der wird wahrscheinlich keine Freude mit ebendieser haben.

Zaubere ich also beispielsweise dafür, dass dem Vergewaltiger dasselbe passiert wie seinem Opfer … dann wird sich einer finden müssen, der das erledigt. Womit kann ich gut leben – real, nicht in der Vorstellung?

Ad 2.

Wieder ein schön deutliches Beispiel gefällig? Wenn ich ein kleines Rinnsal umleiten will, dann reicht ein Spaten. Wenn ich ein Bacherl umleiten will, dann werd ich schon Steine im neuen Bett aufschichten müssen, um den Bach dort auch zu halten und bei einem Fluss werd ich mir die Baumaschinen kommen lassen müssen und haufenweise Beton.
Wenn ich den Abwasch nach dem Essen mach, dann kostet mich das eine halbe Stunde. Wenn ich mir schon zum dritten Mal neues Geschirr dazu kaufe, weil alles dreckig rumsteht, dann werden wohl (egal wie gut ich koch) kaum mehr Leuts bei mir essen wollen, der Aufwand, den ich hab die Küche wieder sauber zu kriegen (oder wo immer die Teller und Töpfe auch stehen) wird auch heftig sein und meine restliche Wohnsituation wird dadurch auch nicht unangetastet bleiben – also weit abseits der halben Stunde (und Geld hat´s auch noch gekostet).
Natürlich kann ich für einen Lottosechser zaubern – nur der Aufwand, den ich betreiben werde müssen, dass der Zauber auch gelingt, wird ebenfalls nicht ohne sein.

Wenn ich also dafür zaubere, dass niemand mehr das Verlangen hat jemanden zu vergewaltigen, dann wird das wesentlich höheren Aufwand bedeuten als wenn ich dafür zaubere, dass diesen einen Vergwaltiger die Polizei schnappt.

Ad 3.

Wieder am konkreten Beispiel: wenn ich nach Italien will, dann genügt es, egal wo, die Grenze zu überschreiten um in Italien zu sein. Wenn ich aber nach San Michele will, dann erfordert das schon um einges mehr an Planung, Wissen und Aufwand.

Wenn ich dafür zaubere, dass ich interessante Leute kennen lerne, dann ist das wesentlich einfacher, als den Lebenspartner, der auf allen Ebenen zu mir passt. Zweiteres macht um Massen mehr Aufwand und erfordert viel mehr Wissen, Können und Energie, sofern ich überhaupt weiss, wie und was ich wirklich bin, damit ich „passend“ überhaupt ansteuern kann.

Ad 4.

Wenn ich ein Stück Schokokuchen essen will, dann kann es durchaus sein, dass ich lieber keinen Kuchen kriege, weil der Schokokuchen aus ist und ein anderer gerade nicht meinem Gusto entspricht. Wenn ich aber am Verhungern bin, dann werd ich jeden Kuchen essen!

Wenn ich in Not bin und zaubere, dann werde ich „ganz von alleine“ wesentlich mehr Energie dafür bereit stellen und wesentlich erfolgreicher sein, als wenn ich etwas bloß „möchte“. Wie die Mutter, die fähig ist ein Auto anzuheben, weil ihr Kind drunter liegt … für einen Reifenwechsel wäre das sicher nicht der Fall.

Ad 5.

Wenn ich mir ein gesundes und vollwertiges Essen kochen will, dann brauche ich dazu vollwertige Zutaten, die Fähigkeit zu kochen, die Möglichkeit zu kochen und das Wissen was für mich gesund ist.
Warum sollte das in der Magie anders sein?

Natürlich ist das Thema bei weitem auch nicht halbwegs besprochen – aber ich lasse es hiermit einmal bewenden (und wer Interesse an Fortsetzungen oder Vertiefungen hat, der hat ja die Möglichkeit mir das im Blog per Kommentar oder auf fb mitzuteilen!)

Wenn Wicca nicht Wicca ist – Teil II, geschrieben von Jason Mankey, übersetzt von Anufa

Samstag, 11. Februar 2017


Wicca hat siebzig Jahre an moderner Geschichte – die sollte genutzt werden

In Wicca ging es immer um Kreativität und Fortschritt aber das bedeutet nicht, dass alles – ganz egal was – in den Ritualen zusammengeworfen werden sollte. Wicca ist nicht New Age Gesänge oder moderne positive Affirmationen. Wicca hat Jahrzehnte kreiserprobter Chants, die nur darauf warten gesungen zu werden und es gibt viele, die von denen, die wissen, wie es ist sich zu versammeln, „Einmal im Monat, am besten wenn der Mond voll ist“ neu geschrieben werden. Ich brauch dann wohl auch nicht zu sagen, was ich mit trendigen New Age Ideen macht, ein Buch voll mit Doreen Valientes Poesie ist in den meisten Fällen für mich mehr als genug.

Davon abgesehen, indem Dinge von denen, die vor uns den Weg gegangen sind, verwendet werden (neben unseren eigenen Ideen und Erfindungen) verbindet uns mit diesen Einzelpersonen. Wenn ich die Worte von Gardner oder Valiente rezitiere (und von etlichen anderen Hexen, die viele Leute nicht kennen), dann bringe ich sie näher an meinen Kreis. Ich will keine Geister und Energien in mein Ritual ziehen, die meinen Glauben nicht teilen. Ich möchte mit Hexen tanzen (heute und in jeder anderen Nacht).

Priesterinnen und Priester werden gemacht und nicht selbst proklamiert

Wie weiß man, dass man Hohepriesterin oder Hohepriester ist? In einem traditionellen Coven wird das öfters durch die Erreichung eines bestimmten Grades oder Ranges angezeigt. In einem breiteren Sinn wird das dadurch festgelegt, dass jemand anders jemanden als solches wahrnimmt. Zu einem ziemlich frühen Zeitpunkt meines Lebens als Wicca habe ich Rituale geleitet, aber ich hätte nie daran gedacht mich selber als Hohepriester anzusehen – so lange bis jemand mich mit diesem Titel angesprochen hat. Sobald sich jemand diesen Titel selbst verleihen muss, wird er ihn vielleicht nicht verdient haben.
Innerhalb von Wicca sind wir alle Priester und Priesterinnen, aber den Titel „Hohe-“ verwende ich nicht leichtfertig. In meinen Augen ist eine Hohepriesterin jemand, der befähigt ist die Craft zu lehren, Rituale zu leiten und von denen in der Gemeinschaft rundum, als solche angesehen wird. (Eine Gemeinschaft sollte sich nach außen über jeden Persönlichkeitskult hinaus, ausdehnen.) Nur weil das alles sehr gruppenzentriert klingt, so muss es doch nicht so sein. Ich habe über die Jahre viele großartige Solitary getroffen, die wunderbar für das „Hohe-“ qualifiziert waren.

Wicca dreht sich nie um eine bestimmte Person

Das ist etwas, das oftmals fehlinterpretiert wird, aber ich denke, dass das sehr, sehr, sehr wichtig für diese Diskussion hier ist. Wicca war nie ein Personenkult oder drehte sich je um eine bestimmte Person. In vielen traditionellen Kreisen leitet die Hohepriesterin den Coven, aber die Tradition, die sie führt, steht und fällt nicht ausschließlich durch ihre Mitwirkung. Wenn ich meinen Coven morgen verlassen würde, dann denke ich, dass er ohne mich weiterbestehen und höchstwahrscheinlich auch gut gedeihen würde.
Generell erschrecken mich Personenkulte eher (und das sollten sie euch auch). Länger bestehende Wicca Traditionen sind nie um eine einzelne Person aufgebaut. Sie mögen durch bestimmte Einzelpersonen stark beeinflusst sein, aber wenn eine Tradition auf hundert Leute anwächst und sich keine Tochtercoven herausbilden (und sie dadurch wächst), dann ist der Apfel innen faul. Es gib eine Tradition die um das BoS von Alex Sanders aufgebaut ist, aber er und Maxine haben kontinuierlich Leute in den dritten Grad erhoben, damit die ihren eigenen Coven leiten und so zur Tradition beitragen konnten. Wenn jemand der große Oberheini ist, keinen Raum für Verbesserungen offen lässt, Geld verlangt und daran glaubt für immer und ewig der große Oberheini zu bleiben, dann konsultiert einmal den „Bonewits´Cult Danger Evalutation Frame“.

Wicca hat eine eigene Ethik

Ich schlage jetzt nicht vor, dass jeder Wicca der Wiccan Rede folgt „an it harm none, do what you wilt“ aber Wicca hat einen starken ethischen Kern. Idealer Weise manipulieren Wicca keine anderen Menschen um des persönlichen Vorteils Willen und versuchen auch nicht andere absichtlich und grundlos zu schädigen. Wicca zu sein ist kein Freibrief für schlechtes Benehmen oder dafür alles zu tun, was einem gerade so einfällt. Es gibt genügend Religionen, die das als Option offen halten oder zumindest die Verantwortung für das eigene Tun jemand anderem anlasten kann. Gehen Wicca hier manchmal fehl? Natürlich, sogar die beste Hexe ist nur ein Mensch, aber der Weise lernt aus seinen Fehlern und wächst an ihnen.

Wicca braucht die Fallen des Christentums nicht

Ich habe nichts gegen christliches Heidentum, aber Coven und Kreise sollten nicht wie Christliche Kirchen organisiert sein. Mein heiliger Raum hat keine Türen und mein Coven trifft sich seltenst am Sonntag.
Die Leute sind herzlich eingeladen die Götter so zu ehren, wie es ihnen gefällt, aber wenn sie etwas Neues erschaffen, dann sollten sie es vielleicht auch bei einem neuen Namen nennen. Wicca ist kein Spiel und es ist keine Modeerscheinung. Es ist kein Wort, dass man leichtfertig verwenden sollte. Für Millionen Menschen rund um den Globus bedeutet dieser Begriff etwas und ich möchte, dass das in den Jahrzehnten die da kommen auch so bleibt. Blessed be!

In seinen Büchern erwähnt Gerald Gardner „the Wica“ wie einen Stamm oder eine Gruppe von Leuten. „Ich bin „of the Wica“ meint, „ich bin eine Initiierter in diese Mysterien. Dieser Titel, das ist glaube ich sicher es so zu sagen, verbleibt aber den Eingeweihten allein.