Archiv für die Kategorie ‘WeiberCraft’

Lilith – Ein Mythos – Tei lI

Samstag, 10. September 2016

Das McBurney Relief

Aus der altbabylonischen Zeit stammt das inzwischen sehr bekannte McBurney Relief (ca. 1800 bis 1750 v.Chr.), dass derzeit im British Museum in London zu bewundern ist. Da es zu diesem Relief keine Beschriftung gibt, konnte nie klar festgestellt werden um welche Gottheit es sich bei dieser Darstellung handelt. Häufig wird behauptet, es sei Lilith. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch, dass es sich hierbei um Inanna/Ishtar handelt und nicht um Lilith. Letztere kommt allein deswegen schwerlich in Frage, da Lilith ja erst tausende Jahre später als solche auftaucht und in der sumerisch-babylonischer Zeit von mehreren weiblichen „Lilith“-Dämonen auszugehen ist. Die Darstellung des Reliefs hat große Ähnlichkeit mit der „Ishtar Vase“ aus dem 2. Jahrtausend v.Chr. welches sich im Louvre in Paris befindet. Auch die weiteren Attribute wie etwa der Löwe, die Ringe oder die halbausgebreiteten Flügeln werden mit Ishtar assoziiert.

McBurney Relief, British Museum, Wikimedia Commons

Die eigentliche Lilith

Im jüdischen Mittelalter soll nun Lilith im Midrasch auftauchen, tatsächlich findet sie aber nur ein einziges Mal im Talmud Erwähnung als weibliches Wesen, das Männer plagt und damit vermutlich auf das Leitmotiv der besagten mesopotamischen Dämonen zurückgreift.

Im 13. Jahrhundert erheben die Schriften des Rabbi Isaac ben Jacob ha-Cohen Lilith zur ersten Frau Adams, die ihn verlässt nachdem sie sich weigert ihm zu gehorchen. Sie verlässt daraufhin das Paradies und verführt den Erzengel Samael. Daraufhin soll Lilith von der fügsamen Eva ersetzt worden sein. Lilith wird in der Folge unterstellt Neugeborene zu entwenden, also ganz nach dem sumerischen Vorbild der Lamaštu.

Neuinterpretation im jüdischen Feminismus

Diese Geschichte diente nun in den frühen 70ern im Rahmen der modernen jüdisch-feministischen Theologie als Sinnbild für die spirituell emanzipierte Frau, die sich dem Göttlichen selbstständig zuwendet und dazu keinen Mann benötigt. Zwar stand der Frau der religiöse Bildungsweg im Judentum grundsätzlich offen, doch war der soziale Druck meist so groß, dass jüdische Frauen sich trotzdem in einer benachteiligten Position in Sachen theologischer Bildung sahen. Die Flucht der Lilith aus dem Paradies wird nun mit der Flucht der Frau vor dem unterdrückerischen patriarchalen System des Judentums interpretiert und die satirische Lilith-Figur wird nun zu einer Ikone weiblicher spiritueller Emanzipation. Eva wird entsprechend zum gehorsamen Weibchen gemacht. Hier ist vor allem die Autorin Judith Plaskows und ihr bekanntes feministisches Midrasch „Das Kommen Liliths“ hervorzuheben. Lilith ist also weder eine mesopotamische Göttin, noch eine dämonisierte Frauenfigur der Bibel, wie so gerne behauptet wird. In der Bibel findet sie überhaupt nur einmal Erwähnung auch hier wieder lediglich als Vokabel für einen weiblichen Dämon.

Jesaja 34,14: „Es werden Wildkatzen auf Schakale treffen, ein ziegenbehaarter Dämon wird seine Gefährten rufen und dort wird auch die Lilit verweilen und ihre Behausung finden.“

Lilith – ein moderner Mythos

Heute ist Lilith Namenspatronin für Frauenberatungsstellen, gern verwendeter Nickname in Esoterik- und Hexenkreisen, vielfach verehrte „Göttin“ und Symbol der „dunklen“ Anteile der Frau, nämlich der Wunsch nach einer freien und selbstbestimmten Sexualität, nach Bildung, nach Gleichberechtigung, nach wilder, ungebremster Emotionalität. Die Kunstfigur Lilith ist zu einem Behältnis aller modernen Ideale weiblicher Emanzipation und Identität geworden. Gerade diese Aspekte sind auch wichtiger Bestandteil weiblicher Spiritualität in alternativ-religiösen Gesellschaften wie dem Heiden- und Hexentum oder der Esoterikwelt. Möglicherweise hat dies zu einer Adaption der jüdisch-feministischen Lilith geführt.

Verwunderlich ist, dass die polytheistischen Traditionen zahlreiche weibliche Göttinnen aufweisen, die ebenfalls äußerst emanzipiert zu Werke gehen, jedoch hat es keine von ihnen zu einem derartigen Erfolg gebracht. Es ist zu vermuten, dass hier das große Bedürfnis alternativ-spiritueller Frauen nach Abgrenzung von einem patriarchalen bzw. patriarchal-religiösen System wie dem Christentum dazu geführt hat, dass gerade die Figur der Lilith in der modernen Auffassung so populär und letztlich sogar vergöttlicht wurde.

Lady Lilith von Dante Gabriel Rosetti, Wikimedia Commons

Lilith – Verehrung heute

In einigen modernen magischen Traditionen ist die Lilith-Verehrung ein zentraler Bestandteil der Praxis geworden, wie z.B. im Wicca, in der Ritualmagie oder auch in der Chaosmagie. Aleister Crowley benannte sogar seine Tochter Jezebel Lilith Crowley nach der göttlichen Feministin. Es stellt sich also die Frage, ob eine Lilith-Verehrung generell als falsch zu werten ist oder ob Mythos auch in einer modernen Welt ein organisch wachsendes Konstrukt spiritueller Gruppendynamiken sein darf und als solches seine Berechtigung erhalten sollte.

Sich auf „uralte Mythen“ zu berufen ist hier sicherlich nicht korrekt, doch ist die Verbreitung der modernen Lilith-Figur inzwischen so gediehen, dass man schwerlich von einer undeutenden literarischen Idee sprechen kann. Das Bedürfnis nach einer Göttin der weiblichen Emanzipation und des spirituellen Feminismus ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen.

 

Mit großem Dank an Sedjfaiemitui, Expertin für Altorientalistik,
(Binghamton University in New York State) für ihre Unterstützung!

Zum Blog „Shadows of the Sun“ bitte klicken!

Literatur
Raphael Patai, Encyclopedia of Jewish Folklore and Traditions
Lori Hope Lefkovitz, In Scripture: The First Stories of Jewish Sexual Identities
Gabbay, Uri. “A Collection of Pazuzu Objects in Jerusalem,” Revue d’Assyriologie et d’Archaéologie Orientale. 2/2001 (Vol. 94), p. 149 – 54.
Gabbay, Uri / Wayne Horowitz / Filip Vukosavovic. “A Woman of Valor : Jerusalem Ancient Near Eastern Studies

Lilith – Ein Mythos – Teil I

Samstag, 27. August 2016

Lilith, die göttliche Ikone der emanzipierten, wilden, selbstbestimmten Frau. Egal ob man in die Esoterikszene, die Astrologie oder die Heiden- und Hexenszene schaut Lilith ist das Sinnbild der dunklen Anteile der Weiblichkeit, der Frau, die ihre Sexualität frei lebt und sich vom Mann keine Vorschriften machen lässt.

Lilith, eine Göttin der heiligen Emanzipation aus grauer Vorzeit also? Da gibt es nur ein kleines Problem: Es gibt keine solche Göttin. Bei Lilith handelt es sich um einen modernen Mythos, der in den 1970er Jahren in einer feministischen Strömung des modernen Judentums kreiert wurde. Und vielleicht noch um einen Himmelskörper.

Lilith von John Collier, 1892, Wikimedia Commons

Eine tatsächliche singuläre Lilith taucht erstmals im frühen Mittelalter auf und zwar in einem satirischen Text aus der jüdischen Folklore dem Alphabetum Siracidis, das ungefähr zwischen 700 und 1000 nach Christus verfasst wurde. Hier soll Lilith die erste Frau des Adam gewesen sein und durch ihr aufmüpfiges Verhalten aufgefallen sein. Was nun folgt ist eine Reihe von etymologischen Herleitungen und Assoziationen, die sich als falsch oder unklar herausgestellt haben, so dass man zwar sagen kann, dass mesopotamischen Mythen die Inspiration für die weibliche Figur aus dem jüdischen Text geliefert haben mögen, es jedoch keinerlei „Göttin“ im mesopotamischen Raum gibt, die der modernen Figur der Lilith entspricht.

Eine sumerisch-babylonische Göttin?

Aber beginnen wir ganz vorn vorne. Lilith soll angeblich im alten Mesopotamien beheimatet sein. Und tatsächlich findet eine „Lilith“ im Gilgamesh-Epos Erwähnung. Im Mythos der Inanna und dem Ḫuluppu-Baum tritt ein löwen-, schlangen- oder drachenartigen Mischwesen (Anzu) namens ki-sikil-lil-la-ke auf, das den Huluppu Baum im Garten Inanas besetzt. Dieses Wesen wurde sehr viel später mit Lilith assoziiert nämlich in dem eingangs erwähnten satirischen Text. Nach neueren Vermutungen handelt es sich sogar nicht nur um eine singuläre Lilith, sondern mehrere Liliths, die sich in den Zweigen des Baumes der Inanna befinden. Heute sind sich aber viel Historiker einig, dass diese Gleichsetzung von ki-sikil-lil-la-ke und der mittelalterlichen Lilith nicht korrekt ist. Zwar gibt es im sumerischen die sog. līlītu, jedoch handelt es sich dabei um sehr bösartige weibliche Dämonen, die möglicherweise für die spätere Lilith die Inspiration geliefert haben. Die Ähnlichkeit des biblischen Baums der Erkenntnis mit Inannas Huluppu-Baum mag dazu geführt habe, dass beide Mythen miteinander vermischt wurden.

Lilith statt Inanna

Interessanterweise ist es aber gerade Inanna welche viele der Eigenschaften aufweist, die dem populären Bild der Lilith entsprechen. Inanna ist die Göttin der geschlechtlichen Liebe, sie konnte männlich wie weiblich auftreten, ist kriegerisch und eine emanzipierte Herrscherin. Inanna hatte den Huluppu-Baum gepflanzt um daraus ihren Thron zu zimmern. Allein dieses mythologische Motiv weist sie als Königin aus, die sich selbst legitimiert und kein männliches Pendant dazu benötigt. Als sie ihn nach 10 Jahren Wachstum fällen will, ist dieser von Lilith(s) besetzt, die sich als Äste des Baumes darstellen. Der Dämon bzw. die Dämonen werden schließlich von Gilgamesch verjagt und der Baum gefällt.

Kindsmörderin aus Mesopotamien

Eine weitere unklare Gleichsetzung erfährt auch die mesopotamische Halbgöttin Lamaštu mit der jüdischen Lilith. Lamaštu besitzt – obwohl göttlich bzw. semigöttlich – wenig wohlwollende Eigenschaften, sondern zählt zu den sogenannten sieben Dämonen, die der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts Einhalt gebieten will. Sie ist ähnlich wie die sogenannten Lilin ein Mischwesen aus Löwe, Vogel oder Esel, hält Schlangen in ihren Händen und reitet auf einem Schwein oder Hund. Sie gilt als jener Dämon, der die bedrohlichen Aspekte der Frauengesundheit verkörpert, nämlich Kindstod, Kindbettfieber oder Fehlgeburt. Zahlreiche Amulette um Lamaštu zu bannen zeigen deutlich, wie sehr dieser weibliche Dämon in der mesopotamischen Kultur gefürchtet wurde. Es hieß sie würde Säuglinge der Mutterbrust entreißen und sie töten. Als Schützer der Schwangeren und Gebärenden tritt der ebenfalls dämonische Gott Pazuzu auf, der einzige der Lamaštu zu bezwingen vermag.

Götter sind keine Engel

Hier muss berücksichtigt werden, dass Gottheiten in Mesopotamien durchaus nicht immer als wohlwollend und rechtschaffen zu betrachten sind. Göttlich bedeutet nicht zwangsläufig gut oder wohlgesinnt. Das ethische Gleichgewicht wird in polytheistischen Traditionen durch das Zusammenwirken mehrerer Gottheiten hergestellt. Da es sich um naturreligiöse oder zumindest naturnahe Traditionen handelt und der Mensch im Gegensatz zu heute den Mächten der Natur hilflos ausgeliefert war, wurden auch die Gottheiten als durchaus bedrohliche Übermacht verstanden, die es zu bezähmen oder sogar zu bezwingen galt.

Auch darf nicht vernachlässigt werden, dass die Begrifflichkeiten von „Gut“ und „Böse“ im Laufe der Zeit einen grundlegenden Bedeutungswandel erfahren haben. Während die Begriffe im Zusammenhang mit modernen Religionen oft stark moralisiert sind und sich auf soziale Dynamiken beziehen, drehen sich ihre Bedeutungsinhalte in den naturnäheren Religionen des alten Orients und der Levante um das Prinzip der Schöpfung als Lebensgrundlage. Demzufolge ist „böse“ was sich dem Prinzip der Schöpfung als Gesamtes entgegenstellt und nicht selten konnte diese destruktive, antischöpferische Kraft auch von göttlichen oder zumindest gottähnlichen Wesen ausgehen. Dieser Definition von „Böse“ entspricht z.B. Lamaštu, denn ihr Wirken ist gegen die Menschheit als solches gerichtet.

Ende Teil I

 

Auf den Schwingen des Gesangs – die vielen Gesichter der Rhiannon – Teil II, geschrieben von Kris, übersetzt von Anufa

Samstag, 02. Juli 2016

Nach Will Parker, dem Mabinogi-Wissenschaftler, ist das Erscheinen der Vögel eine Manifestation des Durchganges zwischen den Welten der Lebenden und der Toten. Die Vögel der Rhiannon sind mit dem Mysterium von thedwfn, den tiefsten Tiefen des Meeres, einer Qualität die symbolisch für das höchste Mysterium, die Einheit und den Ursprung gleichgesetzt. Sie heiratet das Meer in Form von Manawyan und sie ist innig mit Teyrnon verbunden, der wieder selbst mit den wellenähnlichen, ozeanischen Qualitäten behaftet ist. Der Name „Terynon Twryf Liant“ kann mit „Großer König/Monarch der tosenden See“ übersetzt werden. Ein sehr passender Name als Gegenpart zu Rhiannons Namen „Große Königin“. Er wird mit Pferden und der Schwellenzeit, Calan Mai (Beltane) assoziiert.
Nun, besehen wo er lebt, Gwent ys Coed, im Severn-Tal, auch besehen, dass „thwrf“ von „twryf/twrf“ ein altes Wort für Flutwelle, wie in „Severn Bore“ stammt. Die Flutwellen und Wellen des Meeres werden oftmals als Pferde bezeichnet.

Wissenschaftler verwerfen sofort, ohne Diskussion, die Bedeutung von Liant als Lliant, was Meeresströmung gedeutet, einfach deshalb weil es nicht mit der Funktion im ersten Zweig übereinstimmt. In Ordnung, es ist nicht alleinig ihre Schuld, weil sie ja wie kleine Schafe ihren Vorgängern folgen. Aber wir haben noch eine weiter Waffe im Arsenal der Götterbelästigung … die visionäre.

Im dritten Zweig, nach ihrer völligen Vermenschlichung, heiratet Rhiannon das Meer (Manawydan). Sie kehrt zu dem ungreifbaren Unbewussten zurück aus dem sie kam – Annwfn. Der erste Zweig verbindet ihren Namen aber doch durch seine Bedeutung und Natur mit der omnipräsenten Magie und dem Geheimnis des Meeres – in diesem Fall, wenn sich das Meer tatsächlich mit dem Süßwasser vermischt – Teyrnon.

Während Rhiannon im zweiten Zweig körperlich nicht auftaucht, ist ihre Qualität als Seelenführer doch ziemlich offensichtlich.

Wenn wir das im Gedächtnis behalten, dann können wir herausfiltern, dass der gesamte Ablauf des Geschehens im Ende des zweiten Teiles, Zeichen für eine Einkehr, einen Rückzug und Assimilation ist, der körperliche Rückzug nach einer schamanischen Wunde, wenn man so will.
Dieser Prozess der Katharsis ist unbedingt nötig für uns um das Verständnis des im vierten Zweig liegenden Mysteriums zu erhalten. Dort werden die gesamten Zweige magisch eingebunden in tatsächliche Erfahrungen. Auf jeden Fall befinden sich die sieben Überlebenden in einem Zwischenstadium zwischen Leben und Tod, das erfordert, die Attribute der Rhiannon anzuwenden. Zu dieser Zeit ist der Vorgang der Assimilation eine Notwendigkeit um die weitere Transformation zu sichern. Der Adept ist eine verblüffende, reinigende und oftmals traumatische Straße bereist.

Allerdings muss ich hier eine Pause einlegen und zu einem Wort zurück kommen, das in diesen Diskurs geworden wurde und keinen oder nur wenig Aufmerksamkeit erregt haben mag – Überlebender. In dieser Abhandlung bezieht sich das auf die Sieben, die aus Irland zurückkehren. Die Kraft der Worte ist gewöhnlich trügerisch, denn im Originaltext finden wir das walisische Wort für „Überlebender“ nicht, „goroeswyr“. Stattdessen finden wir das alt-walisische Wort „dihengis“ umgewandelt in walisisches „di hangdod“. Beide bedeuten „Ymgais new duedd I ffoi o ran y meddwl a’r dychymyg oddiwrth ddiflastod ac undonedd bywyd fel y mae“ das sich als „Die Anstrengung oder der Versuch durch Benutzung des Geistes und der Vorstellungskraft aus der Langeweile und der Monotonie des Lebens zu entfliehen“. Faktisch ziehen sich die Sieben an einen Platz zwischen den Welten zurück, sie sind nicht einfach nur Überlebende, sondern freiwillige Teilnehmer an einer Andersweltreise. Wir können aus diesem Blickwinkel, auf die Versammlung des wundersamen Hauptes auf der Insel Gwales, einigen Einsichten gewinnen. Zwischen den Welten, getrennt von Zeit, Raum und allen Sorgen, bis die Türe geöffnet wird in die Welt, die wir bewohnen.

Wenn wir das Vorhergehende mit einbeziehen, dann wird offensichtlich, dass die Abfolge von Einkehr, Assimilation, Verstehen der Mysterien der Schwellenzustände, von Tod und der Rückkehr fundamental für die in den vier Zweigen liegenden Mysterien ist.
Einer der ersten Archetypen, dem wir begegnen und der uns dabei hilft dieses Dilemma aufzunehmen, ist Rhiannon. Arawn, Pwyll und Hafgan machen uns mit der Realität von dwfn bekannt, aber es sind die Verbindung und die Erfahrung der Rhiannon, die uns dazu bringen die Verwirklichung einer tieferen Verständnisebene zu erreichen.
Rhiannon ist vielschichtig und einer der ersten Seelenführer, den wir kennen lernen. Sie ist viel mehr als eine sexuell selbstsichere Frau. Alle Religionen und spirituellen Traditionen dienen dazu eines der erstaunlichsten menschlichen Paradigmen verständlich zu machen – was passiert mit uns, wenn wir sterben.

Für mich macht das sehr viel Sinn, dass einer der ersten Archetypen, dem wir begegnen, dazu dient uns mit den Antworten auf die großen Fragen zu versorgen. Damit wird es uns ermöglicht weiter zu gehen, die Zweige zu erfahren, ohne die Verstümmelung durch unsere Existenzängste.

In ihrer Gestalt als Königin, als Rigantona, ist sie das Potential in uns allen, und bekannt als die Seele des Landes, bringt sie Wünsche und Verlangen mit sich. Sie rüttelt das Herz auf, zu lieben. Als verleumdete Ehefrau ist sie die Verletzlichkeit und ein Ausdruck tiefer menschlicher Gefühle und der Macht des Verlusts, der Aufgabe und Annahme.
Als Pferd ist sie das Symbol des animistischen Geistes, der im Land verborgen ist – unsere Verbindung zur Einheit mit dem Land. Als Vogel ist sie die Türe, der Durchgang zwischen den Welten und die Rückkehr in die Tiefe.
Wir sind nicht darauf beschränkt mit dem einen oder anderen Aspekt zu arbeiten, sondern wir können uns mit ihr in all ihrer bunten, vielfältigen Pracht zu verbinden, sie anzusprechen und mir ihr zu arbeiten. Wir können uns dazu bewegen lassen die Mysterien zu verstehen, nicht als intellektuelle Übung sondern so, dass unser Herz davon bewegt wird, unser Geist und unsere Seele.

Auf den Schwingen des Gesangs – die vielen Gesichter der Rhiannon – Teil I, geschrieben von Kris, übersetzt von Anufa

Samstag, 16. April 2016

A fe fyddwch yn ciniawa yn Harlech am saith mlynedd ac Adar Rhiannon yn canu ichwi…..Ac yna fe gyrchasant hwy I Harlech a dechreuasant eistedd a fe ddechreuwyd eu digoni eu hunain o fwyd a diod. Cyn gynted ag y dechreuasant hwytha I fwyta ac yfed, death tri aderyn a dechreu canu rhyw gerdd iddynt, ac o’r cerddi a glywesant erioed yr oedd pob un yn anhyfryd o’I cymharu a hi. A rhaid oedd iddynt syllu ymhell allan uwch ben y weilgi I’w gweld. Ac yr oedynt mor amlwg iddynt hwy a phe byddent gyda hwy. Ac ar y cinio hwnnw y buont am saith mlynedd. (Pedeir Keinc y Mabinogi, Williams)

Und Du sollst in Harlech sieben Jahre lang dein Dasein verbringen und die Vögel der Rhiannon werden dir singen … Sie gingen nach Harlech, setzten sich nieder und fingen an sich mit Speis und Trank zu versorgen. Als sie zu essen und zu trinken begannen, kamen drei Vögel und sangen ihnen ein ganz bestimmtes Lied. Von all den Liedern, die sie jemals gehört hatten, waren selbst die schönsten hässlich im Vergleich dazu. Weit müssten sie blicken um sie auf den tiefen Ozean hinaus zu begleiten und doch war es ihnen so klar als ob sie ganz nahe wären. So feierten sie sieben Jahre lang.

Mabinogion_art

Dieser Artikel versucht die subtilen Attribute der Rhiannon anzusprechen, die anfänglich oft übersehen werden oder in der Übersetzung verloren gehen. (Die Vögel der Rhiannon) The Birds of Rhiannon, man bemerke die Großbuchstaben, die auch in den Texten erscheinen, haben eine Eigenschaft, die Rhiannons Natur bestätigt, nicht nur als die einer Königin, die souveräne Repräsentantin des Landes aber auch der Anderswelt und der Attribute des Annwfn. Gleichzeitig ist sie Andedion (eine Gottheit nicht aus unserer Welt) und eine landesbezogene Gottheit. Sie erscheint als komplexes Paradoxon aber ihre Natur kann recht einfach durch die Betrachtung des Puzzles ihrer Mythen erforscht werden, die ihre Geschichte ausmachen. Die Bande die sie an Annwfn binden werden durch die einzelnen Zweige stetig wiederholt, sofern wir wissen, wo wir suchen sollen.

Zu diesem Zeitpunkt ist es mir sehr wichtig noch einmal an die nicht lineare und nicht sequentielle Natur der vier Zweige zu erinnern. Bevor ich weiter der Besprechung folge, ist essentiell zu beachten, dass es nicht vier individuelle Zweige sind, mit denen wir hier arbeiten, sondern eher ein Mabinogi mit vier Zweigen. Sie sind verbunden, sie teilen sich den selben Stamm, existieren am selben Baum und können somit unmöglich völlig getrennt sein. Die Widersprüche und Paradoxien zeigen das auch.

Man beachte, dass das obenstehende Segment des Mabinogi im zweiten Zweig erzählt wird, Branwen, die Tochter des Llyr. Die sieben Überlebenden des Krieges in Irland sind zurückgekehrt. Vergessen wir aber nicht, dass zwei davon aufs Engste mit Rhiannon verbunden sind – Pryderi, ihr Sohn und Manawydan, ihr Ehemann. Es ist sehr einfach hier im linearen Denken gefangen zu werden und zu meinen, dass die Heirat zwischen Rhiannon und Manawydan erst statt zu finden hat aber wir bemerken noch einen absichtlichen Widerspruch in der Geschichte. Pendaran Dyfed, Pryderi´s Ziehvater im ersten Zweig, wird im zweiten Zweig als junger Bursche, ein Halbwüchsiger, beschrieben. Das scheint sich der Logik zu verweigern, was alle Zweige wunderbar hinbekommen. Sie sind keine aufeinander folgende Geschichte sondern eine Interpretation der eigenen inneren mythologischen Landschaft.

Im populären neuheidnischen Gedankengut ist Rhiannon generell mit sexueller Unabhängigkeit und Macht verknüpft, einer Qualität, die durchaus an der Oberfläche ersichtlich ist. Wie aber mit allen Archetypen der Zweige, können wir sie nicht allein nach der Oberfläche als bare Münze nehmen. Sie alle bilden die Eigenschaften der dwfn nach – der Tiefe. Um sie und ihre Funktion in unseren Leben besser verstehen zu können müssen wir an der Oberfläche kratzen.

Schauen wir uns also die Walisische Version oben an und wir finden am Ende des dritten Satzes „A rhaid oedd iddynt syllu ymhell allan uwch ben y weilgi I’w gweld.“ (Weit müssten sie blicken um sie auf den tiefen Ozean hinaus zu begleiten). Das Wort weilgi wird herkömmlich mit Meer oder Ozean übersetzt, die Richtung aus der der Vogelgesang kommt. Der Begriff weilgi ist aber keine gebräuchliche Bezeichnung für Ozean oder Meer, das wäre Môr. Es stammt von Gweilgi, das ein alt walisisches Wort für die Tiefe, für dwfn, ist. Wenn wir das im Gedächtnis behalten, dann ist die Richtung aus der der Vogelsang kommt, nicht von über dem Meer in Harlech, sondern aus der Tiefe.

Rhiannons wirkliches Zuhause ist dwfn, die Tiefe. Sie stammt aus Annwfn, was sie zur Andedion macht, einer andersweltlichen Göttin/Archetyp. Ihre Tiefe und Annwfn-igkeit (falls es ein solche Wort geben sollte) werden durch die Zweige hindurch ununterbrochen wiederholt. Der unaufdringliche Gebrauch unüblicher Worte um gewöhnliche Dinge zu beschreiben ist nicht ungewöhnlich. Das ist möglicherweise ein Hinweis auf die Fähigkeit des Barden die Mysterien zu verschleiern. Menschen sehen selten was sich genau vor ihren Nasen befindet bis sie darauf hingewiesen werden. Wenn das allerdings der Tücke der Übersetzung anheim fällt, dann ist die Magie verloren.

Stellen wir uns Pryderis Gefangenschaft in Annwfn vor. Wiederholt im dritten Zweig, als er und seine Mutter in einem Fort verschwinden, durch einen Kessel, ein einer Nebelwand, begleitetvon einem weißen Tier. Betrachten wir auch die Funktion der Vögel der Rhiannon, wie in der Geschichte Culhwch ac Olwen aus dem neunten Jahrhundert , die fähig waren Tote zu erwecken und die Lebenden in tröstenden Schlaf sinken zu lassen. Aber auch hier kommt die blöde Geschichte mit der Übersetzung ins Spiel. Das Wort, das verwendet wird um diese Qualität, die den Schlaf verursacht zu beschreiben, ist huno, das cwsg entgegen steht. Huno ist viel ähnlicher in einen todesähnlichen Schlaf zu fallen als nur einfach einzuschlafen. Der Tod, oder wohl eher der Zustand des Todes und seiner Mysterien sind für diese ganze Sequenz zentral. Schauen wir ein wenig weiter, bis in die irischen Sagen und dort wird man etliche magische Vögel mehr finden, die Eigenschaften aus der Anderswelt spiegeln. Im Mabinogion haben sie offensichtlich die nötige Funktion als Türöffner in eine andersweltliche Realität, in der die Schmerzen der sieben Überlebenden und ihre Kriegsnarben gelindert werden. Während diese erste Periode sieben Jahre dauert (sieben Jahre, sieben Überlebende … überlegt mal), der erstmalige Andersweltkontakt dauert schlappe 80 Jahre, ausgelöst durch Rhiannon und ihre Vögel. Um mit der Anderswelt beschäftigt zu sein, ist es offensichtlich, dass Tiere, die mit entweder physischen Besonderheiten ausgestattet sind oder übernatürliche Kräfte haben, bestellt werden um die Tore zu öffnen, wie es ja war. Das ist nicht unüblich in der keltischen Mythologie. Oft sind Tiere und Bäume die Urheber der Mysterien aber das benötigte weitere Besprechung und Erforschung, die weit über diesen Artikel hinaus gehen würde.

Ende Teil I

Menstruation in der Wildnis, geschrieben von Line

Samstag, 10. Oktober 2015

Nach sehr langer Zeit gibt es endlich wieder einmal ein Update für die WeiberCraft. Ein Beitrag von Line, die sich mit dem Thema „Menstruation“ beschäftigt und wie das unsere Vorfahren gehandhabt haben könnten.

Dieses Thema betrifft in erster Linie uns Frauen. Es geht um unsere Menstruation.
Was macht Frau eigentlich, wenn es keine Binde, Tampon oder Mooncup gibt?
Wie haben unsere Vorfahren das gehandhabt?
Was mach ich nur in der Wildnis, wenn ich keine Tampons oder Binden mitnehmen kann?


Mit diesen Fragezeichen in meinem Kopf, bin ich in die Wildnis abgetaucht.
In der Wildnislehrerausbildung, die wir absolviert haben,  war es uns Frauen nicht erlaubt, zivilisatorische Hilfsmittel für die Periode mitzunehmen. Zum einen konnten wir in der Wildnis keinen Plastikmüll entsorgen und gerade bei Binden und Tampons wäre Plastikmüll angefallen.  Doch selbst ein Mooncup oder ein Schwamm waren nicht zugelassen. Wir sollten an das Wissen unserer Vorfahren herangeführt werden. Und das Material, aus dem Mooncups hergestellt werden, gab es schlicht weg nicht für unsere Vorfahren und Schwämme wären in dem Klima, indem wir lebten, höchstwahrscheinlich durch die Luftfeuchtigkeit verschimmelt.

Ich war sehr skeptisch, wie es mir ohne Tampons ergehen würde.
Umso erstaunter war ich, als ich merkte, wie gut das mit dem Wildnistampon funktionierte, den ich mir (in meiner Verzweiflung)  selbst entworfen habe. Denn ich mag Binden überhaupt kein bisschen. Not macht bekanntlich erfinderisch und Du kannst meinen Naturtampon/Moostampon und seine Herstellung im Video anschauen.

Moos, ein wunderbares Naturmaterial!

Moos ist ein unwahrscheinlich saugendes Naturmaterial und ich habe ihn für meine Tampons verwendet.
Alternativ kann man jedoch auch mit einer Socke eine Art Binde basteln. Ich zeige das in dem unten verlinkten Video genauer.

Man sollte, wie bei herkömmlichen, zivilisatorischen Tampons auch, darauf achten, dass sie nicht zu lange in der Scheide verbleiben oder Frau sie gar vergisst.

Bitte achtsam sein im Umgang damit. Teilweise steht es unter Naturschutz. Die Philosophie der Indianer: Nur das nehmen, was man wirklich benötigt und nicht mehr.
Man kann das Moos auch auswaschen und wiederverwenden –

Moos hat eine antiseptische Wirkung! Da ein Stoff um das Moos ist, kommt es jedoch auch gar nicht direkt mit der Scheide in Verbindung.

Ungesunde Tampons

Ich finde diese Moostampons / Naturtampons oder auch Binden eine toller Alternative zu den Tampons, die man gängiger Weise kaufen kann.

  • Es entsteht kein Müll. Im Gegenteil. Man gibt es einfach zurück in die Natur (aus hygienischen Gründen bitte verbuddeln) und es düngt die Erde. Normale Tampons produzieren neben Papier auch Plastikmüll, gar nicht zu sprechen von dem Müll, der bei der Herstellung anfällt…
  • Kein langes Herstellungsverfahren. Moos trocknet sehr schnell
  • Kein genmanipuliertes Material, was in den Körper eingeführt wird, denn viele konventionelle Tamponhersteller verwenden genmanipulierte Baumwolle!
  • Keine Pestizidrückstände wie sie im Baumwollanbau verwendet werden. Ebenso wenig ist Bleichmittel (Dioxin)  nötig bei Moostampons
  • Keine Transportkosten und Umweltverschmutzung durch eben diese Transporte
  • Man bekommt das Moos unentgeldlich, während Frau im Laufe des Menstruationslebens einiges an Scheinen für die Monatshygiene ausgibt
  • Die Größe des Tampons kann man individuell, je nach Stärke der Blutung, anpassen Tampons verbleiben mehrere Stunden im Körper einer Frau. Wenn Frau sich bewusst macht, was da solange in ihr aufbewahrt ist, macht das ganz schön nachdenklich, finde ich..
  • Da erscheint mir die Variante mit dem Moos sehr gesund. Wobei ich zugeben muss, dass ich in der Zivilisation nicht auf das Moos zurückgreife. In Deutschland findet man eher selten den flauschigen Moos.

Das eigene Blut

Nicht jede Frau möchte so direkt mit ihrer Monatsblutung in Kontakt kommen. Das geschieht zwangsweise bei der Verwendung von auswaschbaren Binden und Tampons.

Es wäre ein eigenes Thema, warum Frauen sich vor ihrem eigenen Blut scheuen. Und es muss ja auch nicht jede Frau machen. Doch ich finde es beruhigend für mich, zu wissen, dass ich selbst in einer Notsituation zurecht kommen würde.

Manche Frauen gehen soweit, dass sie das Blut als derart heilig ansehen und sich damit, wie soll ich es ausdrücken, beschmieren? Nun ja – nein! Ich gehöre definitiv nicht dazu. Doch eine Binde auszuwaschen oder besser gesagt, meinen Naturtampon/Moostampon, fand ich nicht so schlimm.

Du willst wissen, wie unser Alltag ansonsten aussah? Wie wir das mit Toilettenpapier gemacht haben? Oder wie wir überhaupt aufs Klo gegangen sind, wie unser Wildniskühlschrank aussah und vor Allem, wie unsere Kinder und Jugendlichen damit klar gekommen sind? Dann besorge Dir unser Buch: EINE FAMILIE ZIEHT IN DIE WILDNIS!

Wir würden uns freuen, wenn Du es direkt bei uns bestellst, denn damit unterstützt Du uns, danke.

Früher hatten die Frauen eine Moonlodge, in die sie sich zurückzogen, während ihrer Tage. Auch dazu steht mehr in meinem Buch.
Für ein Monatsblutungs Ritual kann man meine Baumperlen nehmen. Mädchen, die beginnen zu bluten können darin etwas von ihrer ersten Blutung aufbewahren. Wenn Interesse besteht – ihr findet solche Schatzkisten in meinem
Shop.

Hier geht es zu dem Video.

Wer noch mehr von uns wissen möchte kann uns auf unserem Blog besuchen!