Archiv für die Kategorie ‘WeiberCraft’

Wo ist hier meine Schublade bitte? – Teil I geschrieben von Karmindra

Samstag, 12. Juli 2014

Auf der Suche nach der richtigen Schublade habe ich mich im Laufe der letzten 15 Jahre mit so vielen spirituellen und religiösen Lehren befaßt das ich mehr und mehr das Gefühl habe, in eben keine der vorhandenen hineinzupassen. Bildlich gesprochen fühle ich mich weniger einer Schublade, mehr dem ganzen Schrank zugehörig. Doch was soll man von einer solchen Art der Spiritualität halten? Bedeutet dies nicht eine gewisse Wurzellosigkeit? Früher sprachen wir gerne von „Fluffy Bunnys“ und meinten damit diese freifliegenden Hexen welche sich aus allen Kuchenstücken die Rosinen rauspickten, nur mitnahmen was schön, einfach und bequem ist um allem anderen ignorant den Rücken zu kehrten. Bedeutet ein „sich nicht festlegen“ vielleicht ein „sich nicht einlassen können“? Und wie kommt es das ich mich in einer so unspezifisch wirkenden Definition meiner Spiritualität so zu Hause fühlen kann wir nirgends sonst? Vor einigen Wochen hörte ich in diesem Zusammenhang das erste Mal den Ausdruck „Metrospiritualität“. Wenn es bei Metrosexualität laut Wikipedia um Männer geht die „keinen Wert auf Kategorisierung in ein maskulines Rollenbild legen“, heißt dies im Umkehrschluß das ich metrospirituell unterwegs bin und keinen Wert auf die Kategorisierung in ein religiös/spirituelles System und Rollenbild lege? Darüber nachdenkend kann ich dieser Definition sogar zustimmen, denn mein Bedürfnis mich einem bestimmten System zugehörig zu fühlen und in mich in einer gewissen Rolle zu bewegen ist mir mehr und mehr unwichtig geworden.

Groß geworden bin ich in einem christlich geprägten Elternhaus. Mein Vater evangelisch getauft aber überzeugter Atheist, meine Mutter katholisch, gläubig aber keine Kirchengängerin. Mir wurde eine sehr freie Erziehung zu Teil in der Religion zwar eine Rolle spielte, sich aber mehr an christlichen Werten wie Nächstenliebe orientierte als an verstaubten Ritualen und langen Bibeltexten. Wir gingen meistens nur zu Weihnachten in die Kirche, ab und zu stöberte ich in meiner hübschen Kinderbibel und gemeinsam mit meiner Mutter beendete ich den Tag mit einem „Müde bin ich, geh zur Ruh, mache beide Äuglein zu…“. Doch mein Interesse galt weniger meiner religiösen Praxis sondern vielmehr unserem wundervollen Garten, den Pflanzen und Tieren mit denen ich unaufhörlich sprach, meinen blühenden Fantasiereichen in denen ich auf Pferden durch die Wildnis ritt, Feentau von den Blättern sammelte und mich mit der Natur verbunden fühlte.

Bevor der Bruch kam…

Ich war ungefähr 13 Jahre alt als ich durch pubertäre Auswüchse und Wunschvorstellungen erstmals mit Theorien über Magie, Okkultismus und Esoterik in Kontakt kam. Ungefähr mit 14 Jahren las ich mein erstes Buch über das Hexentum. Gehofft hatte ich auf eindrucksvolle Magie und hochwirksame Zaubersprüche, was ich statt dessen fand veränderte und bereicherte mein Leben bis heute. In jenem Buch fiel zum ersten Mal das die Wörter Wicca, Naturreligion, Göttin und Gott. Mit jeder Zeile dieses Buches prickelte meine Kopfhaut, spürte ich mein Blut heiß durch meine Adern fließen und mein Herz schrie mir förmlich zu: Das ist es! Damals hatte ich das Gefühl jemand beschrieb all dies was ich mir immer zu glauben und leben gewünscht hatte, von dem ich nur nicht ahnte das es wirklich existiert. Damals war mir die Vorstellung einer Muttergöttin um so vieles mehr sympathisch als dieser in meiner Vorstellung ältere Herr von dem im Christentum immer die Rede war. Ich las von der Verehrung der Göttin und ihres Gefährten im Verlauf des Jahreskreises, von den Vorstellungen und Mythen rund um die Hexensabbate. Kurz um – es war um mich geschehen. Es folgten Jahre voller Lektüren über das Hexentum, von freifliegend bis britisch traditionelles WICCA. Ich lernte andere Hexen und Heiden über das Internet kennen, mein Interesse war ungebrochen und wuchs immer weiter.

Neben all der Literatur über das Hexentum studierte ich weitere Bücher über Magie, Kräuterheilkunde, Okkultismus, Esoterik, Runen, Schamanismus, Druidentum, Baumkunde, Chakren… ein nie enden wollender Wissenstrom in den ich eintauchen konnte. Ich besuchte Stammtische, schrieb in unzähligen Foren, traf mich mit Gleichgesinnten zu Ritualen, war für einige Monate in einem Hexenzirkel, trug Pentagramme um den Hals und fühlte mich in meiner Haut und in meinem ganzen Glaubenssytem pudelwohl. In meinem Dunstkreis fanden sich viele Asatru wieder weswegen ich mich längere zeit mit nordischem Heidentum auseinandersetze. Mein Herz schlug jedoch von Beginn meiner Beschäftigung mit vorchistlichen Kulturen an vor allem für den keltisch/irischen Zweig. Nur naheliegend also das ich mich eingehend mit der irischen Götterwelt, den Síde, Ogham und auch dem Druidentum auseinandersetzte. Wann aber kam der Bruch?

Ein jedes hat seine Zeit

Im Grunde kam er nie, nicht in Form eines Sinneswechsels, einer vollkommenden Neuorientierung oder des Abstoßens meiner alten Ansichten. Statt dessen befand ich mich seit Beginn meiner spirituellen Orientierung in meinem zarten Jugendalter immer in Bewegung. Religion, Spiritualität – für mich war und ist dies nie etwas Statisches gewesen. Im Grunde ist es mir wie ein großes Puzzel und ständig kommen neue Puzzelstückchen hinzu. Ich brauchte den Cut vom Christentum hin zur vorchristlichen Naturreligion um in eine neue Welt einzutauchen. Zu meiner Pubertät und dem Auflehnen gegen Althergebrachtes und mein Elternhaus passend wendete ich mich erst einmal vollkommen ab. Jedoch war für mich von Beginn meiner Reise an klar das mein eigentliches Weltbild – im gewissen Sinne eine Form des Panen- und Polytheismus – immer gleich blieb. Ich erinnere mich noch sehr genau daran wie ich in der Buchreihe „die Nebel von Avalon“ einmal das vergleichende Beispiel las, dass Göttliche sei wie ein Licht welches auf einen geschliffenen Kristall fiele und sich dort in unzählige regenbogenfarbene Fragmente breche. Wir Menschen würde einzelne dieser gebrochenen Lichtstrahlen wahrnehmen und uns anhand dessen ein Bild vom Göttlichen machen obwohl es im Grunde nur eine Facette der Quelle ist. Dieses Bild entspricht sehr dem, welches ich im Grunde vom Göttlichen habe. Für mich gab es schon immer die verschiedensten Zugänge zu Gott in Form und Ausdruck vieler verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen. Das Bild einer großen Göttin welche sich in viele Namen und Gesichter kleidet sprach mich zur damaligen Zeit am allermeisten an. Es war mein ganz bewußt gewählter Zugang, aber es war für mich niemals der einzig richtige oder einzig wahrhaftige. Ich habe mich vor vielen Jahren der Göttin geweiht und mich ihr als Dienerin und Botschafterin verschrieben. Dieses Gelübde ist für mich ein lebenslanges Versprechen, denn es entspringt ebenfalls meiner Innersten Überzeugung das ich niemals vom göttlichen getrennt bin, sondern das ich selbst Teil des göttlichen – der Göttin – bin wie jede andere Form der Schöpfung dieses Universums auch. Dies wird sich niemals ändern, mir war jedoch ein Versprechen wichtig mir dieser Verbindung bewußt zu bleiben und mich ihr in aktiver Hingabe zu widmen. Es spielt dabei keine Rolle ob ich zur großen Mutter bete, ob ich sie Isis, Astarte oder Diana nenne, ob sie für mich weiblich oder männlich ist oder ob ich sie mit Gott, großem Geist, Schöpfer oder Universum anspreche.

Das Interesse an Heilung als Möglichkeit der Perspektivwechsel

Da ich mich schon früh für heilerische Tätigkeiten interessierte lies ich mich mit 18 in den ersten Reikigrad einweihen und kam somit mit Energieheilsystemen und darüber hinaus erstmals mit indisch-fernöstlicher Spiritualität in Berührung. Durch meinen Reikimeister der neben Anhänger des Hexentums und traditionellem WICCA auch Yogalehrer war, las ich das Buch „Autobiografie eines Yogi“ von Yogananda Paramahansa. Es folgten in den kommenden Jahren noch weitere Auseinandersetzungen mit Yoga, Reiki, Chakrenlehre, Kundalini, vedischer Philosophie, Deeksha und Ayurveda. Über mein Interesse für verschiedenste Ernährungs- und Medizinsysteme erhielt ich Zugang zur traditionell chinesischen Medizin, der fünf Elemente Ernährung, ayurvedische Grundlagen und der Makrobiotik sowie den damit verbundenen Weltbildern. Mein Interesse an Heilwissen brachte mich ebenfalls zum Schamanismus, wobei ich sowohl Praktiken und Lehren aus fernen Ländern als auch aus dem europäischen Raum kennenlernen durfte. Auf Grund meines beruflichen Werdegangs traf ich sogar auf die Anthroposphie, jene Lehren Rudolf Steiners welche auf die Theosophie gründet und in der ich einen Aha-Effekt nach dem anderen verbuchen durfte da mir die Grundlagen dieses Weltbildes auf Grund meiner esoterisch-okkulten Interessen durchweg mehr als bekannt waren. Mein Interesse an Möglichkeiten der Heilung ließen mich mit offenem Blick in viele spirituelle Richtungen blicken. Ohne mich selbst dabei aus den Augen zu verlieren stecke ich meine Nase mal hier, mal dort hinein. Manche Entdeckungen stießen mich ab oder ließen mich kalt, andere kitzelten mich oder gaben mir eine Form von Erkenntnis und Verstehen.
Ende Teil I

Feministische Spiritualität, Göttinnenspiritualität, Frauenspiritualität: Wo ist sie geblieben? geschrieben von Thursa

Samstag, 22. März 2014

Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Kommentar zu einem Artikel von Anufa im Wurzelwerk werden.

Tenor von Anufas Artikel war, daß die Rubrik WeiberCraft im WuWe brachliegt und sie sich fragt, ob einfach kein Interesse mehr besteht, aber gleichzeitig beobachtet, daß es Göttinnenkonferenzen etc. nach wie vor gibt.

Da er ziemlich lang wurde, schreibe ich ihn hier – das ist mein Senf zu besagtem Artikel aus meiner queerfeministischen/polytheistisch-animistischen Sichtweise:

Ich habe Ende 2012 mal im altgedienten Lesbenarchiv Spinnboden in Berlin recherchiert. Da stellte ich etwas fest: Die meisten Bücher im Bestand waren aus den 80ern. Wenige Anfang der 90er und später erschienen. Manche dieser Bücher blätterte ich durch und hatte den Eindruck: Die sind progressiver als vieles, was heute als “göttinnenspirituell” vermarktet wird.

Das bestätigte einen Eindruck, den Distelfliege hier einmal wunderbar formuliert hat:

Mein Eindruck ist es, dass die moderne Hexenszene und die naturspirituelle Szene und die Frauenspiri-Szene insofern rückständig sind (und vielleicht auch schon vor Jahren den Anschluss an aktuelle feministische Diskussionen verloren haben), dass kaum irgendwo erkennbar ist, dass sich eine Gruppe mit dieser Frage [nach Inklusion von trans*Personen, thursa] auseinandergesetzt hat. Es ist auch kaum zu verzeichnen, jedenfalls dort wo ich so mich umtue, dass in der Spiri-Frauen-Szene eine ähnliche Bereicherung durch vielfältigste Entwürfe und Politiken von Queer-Seite stattfand wie in der feministischen Ecke.

Ein Eindruck, den ich nach ein paar Jahren in Göttinnenspiri-Kreisen samt einem für mich welterschütternden Konflikt nur teilen konnte. Inzwischen habe ich mich zurückgezogen in ein nicht ganz mainstreamiges Asatrú, und ich habe wunderbare Rituale mit zwei kleinen queeren 1 Ritualkreisen gefeiert.

Ist meine Spiritualität noch göttinnenspirituell, wie ich sie am Anfang mal verstand, irgendwann Mitte der Neunziger?
Nein. Denn dazu hat sich das Geschlecht meiner Gottheiten und spirits einfach zu sehr vervielfältigt. Über diese Vielfalt kam ich dazu, dezidierte Polytheistin zu werden. Männliche und/oder genderqueere Entitäten sind durchaus wichtig für mich, und meistens spielt Geschlecht eine untergeordnete Rolle für mich.

Ist meine Spiritualität “weiblich”?
Nein. Auch nicht mehr. So sehr ich mir für mich dieses Konstrukt “Weiblichkeit” nehme und es auf eine Weise lebe, die für mich stimmig und empowernd ist, so sehr ist meine Spiritualität zu etwas geworden, auf dem das Ettikett “weiblich” nicht mehr paßt. Sie ist inzwischen halt meine und eine zutiefst unregulierbare, und Geschlechtsspezifik paßt da einfach nicht.

Wenn ich heute meine knappe Zeit zum Schreiben über Spirituelles nutze, dann schreibe ich nicht über “weibliche Spiritualität”, sondern bevorzugt über queere Spiritualität. Das mag vielleicht noch weniger Menschen interessieren, aber ich sehe einen viel dramatischeren Mangel, und der betrifft mich ganz direkt – genau wie so manche queere Person, mit der ich gesprochen habe, die_der das Heidentum & Hexentum, das sie_er vorfand, als unerträglich reaktionär in puncto Geschlechterbilder und Sexualitäten empfand.

Daß die Frauenspiritualität, die es früher mal gab, nicht mehr da ist: Ich weiß nicht, ob eins das so behaupten kann. Sicher hat sie sich verändert. Ich frage mich nur, in welche Richtung; offensichtlich scheint mir nur, daß mein Weg heute ein anderer ist. Ob mir weibliche Spiritualität wichtig wäre? Ich finde durchaus wichtig, daß es spirituelles Empowerment für Frauen* gibt. Meine Baustelle ist jedoch eine andere.

Und genau wie ich heute woanders bin und andere Anliegen habe als vor 20 Jahren oder auch nur vor 10 Jahren, so sind heute auch ein paar Protagonist_innen von damals woanders, weil sie sich mit ein paar Dingen befaßt haben. Sei es, daß ihre Spiritualität in Aktivismus aufgegangen ist, sei es ein Rückzug ins Persönliche – oder sei es, daß sie (wie ich auch) heute nicht mehr göttinnenspirituell unterwegs sind, sondern in anderen heidnischen Kreisen unterwegs sind. Wenn z.B. im Asatrú, das ich kenne und praktiziere, weibliche* Blickwinkel und weibliche* Präsenz inzwischen selbstverständlich sind, dann freut mich das. Und irgendwann (hoffentlich bald) gilt das auch für queere, nicht-weiße und behinderte Menschen.

Wege werden weitergegangen. Die Fragen, die ich gerne zum Thema “Weibliche Spiritualität” und feministische Spiritualität stellen würde, sind keineswegs neu: Was heißt hier eigentlich “weiblich”? Welche Normen werden mit diesem Begriff aufgerufen, welche Erfahrungen unterstellt? Die “gemeinsame Erfahrung aller Frauen” hat sich spätestens Ende der 80er als Phantom herausgestellt (vgl. Butlers “Gender Trouble”) – wie kann eine heutige feministische Spiritualität damit umgehen? Wer darf in einem Frauen*kreis mitmachen – die Transfrau, die gerade erst angefangen hat, sich als Frau zu begreifen? Der Post-OP-Transmann? Die Person, die sich als genderqueer, agender und/oder nonbinary trans* versteht? Muß feministische Spiritualität sich vorrangig mit weiblichen* Gottheiten befassen? Wessen Erfahrungen wird eigentlich Raum und Zeit gewidmet, welche Erfahrungen sind “diskussionswürdig”? Wem wird zugehört und geglaubt, wessen Stimme wird als wichtig angesehen? Wer dominiert das Bild?

Last not least: Was macht feministische Spiritualität feministisch?

  1. Wenn ich queer sage, dann meine ich eine Haltung, die von einem grundsätzlichen Konstruktcharakter von Geschlecht und sexueller Orientierung ausgeht und das Ziel verfolgt, die Spielregeln, die dazu führen, daß Geschlecht und sexuelle Orientierung heute so und nicht anders konstruiert werden, zu subvertieren.

The times, they are a changing … ?!

Samstag, 01. Februar 2014

WeiberCraft war ein mehr als gefragtes Thema als wir mit der Planung des WurzelWerk begonnen haben – im Jahre der westlichen Zeitrechnung 2000, quasi pünktlich zur Jahrtausendwende. Viele beschäftigten sich damals mit “Frauenfragen”, Gleichberechtigung, Frauenpower, Frauenspiritualität und vielen anderen Frauenthemen. Sind die Baustellen heute schon erledigt? Damals latent vorhandene Kriegsschauplätze befriedet?
Die Gesamtheit dieses mehr als komplexen Feldes soll allerdings heute nicht mein Fokus sein, sondern eher (wie so oft) die spirituelle Seite des Frau-Seins. Da mir persönlich der Feminismus nie ein grundlegendes Anliegen gewesen ist und ich die Entwicklungen vornehmlich ob meiner spirituellen Interessen mitbekommen habe, kann es gut sein, dass ich schlichtweg den Anschluss verpasst habe an das, was sich auf diesem Gebiet heute tut. Solltet ihr, werte Leserschaft, da bessere und breitere Zugänge habt, dann würde ich mich über eure Darstellung natürlich mehr als freuen!!!


Eine kurze Herleitung

Für diejenigen, die mich noch nicht (oder nicht mehr) kennen, will ich kurz beschreiben, wessen Geistes Kind ich bin. Für mich ist diese materielle Welt polar aufgebaut, weshalb ich auch seit vielen Jahren von der traditionellen chinesischen Medizin mehr als fasziniert bin. Dabei gibt es kaum “harte” Definitionen nach dem Muster “das IST so” sondern eher “im Vergleich mit x ist y dieses und jenes”. Je nachdem auf welche Beobachtung ich mich beziehe, können sich diese Klassifizierungen ändern (weil ich ja auch jedes Mal andere Bezugsrahmen habe).
Deshalb fühle ich mich in der Craft (in dem, was viele als “Wicca” bezeichnen) zu Hause. Für meine Spiritualität brauche ich einen Ansprechpartner, deshalb auch ein Pantheon, eine Götterwelt. So gibt es Göttinnen und Götter genauso wie “geschlechtslose” oder “mehrgeschlechtliche” Wesenheiten – wie in der Natur, wenn ich mir Fauna und Flora so ansehe.

Die Seite der Göttin hat mich am Anfang meines Weges wesentlich mehr fasziniert, weil ich schlicht und ergreifend vornehmlich mit männlichem Muster an Spritiualitätsausübung, dem Katholizismus, aufgewachsen bin. Budapest und Starhawk waren damals meine Hängebrücken auf denen ich balancierte. In den Feministenecken der Buchgeschäfte fanden sich etliche Autorinnen, wie Luisa Francia und Angelika Aliti (die mir beide bis heute Gedankenstöckchen werfen in Blog und facebook). Eine Zeit, in der ich mich selber erforschte, meine Rolle in diesem kosmischen Spiel und die Modelle, die sich mir anboten. Die Erfahrungen und Sichtweisen all dieser Autorinnen zu Hilfe nehmen zu können, war ein großes Geschenk! Eigene Erfahrungen sind in meinen Augen durch nichts zu ersetzen, aber die Lebenszeit und die Ressourcen sind begrenzt, deshalb bin ich immer dankbar, wenn mir jemand aus seinem Leben und Denken erzählt. Das erlaubt mir, gewisse Vorgehensweisen bevorzugt zu erkunden und andere eher hinten anzustellen. Für mich hat sich das mit den Jahren sehr bewährt.

Nach einigen Jahren, Mitte meiner Zwanziger, stellte ich fest, dass ich mit der Sichtweise, “Alles ist die Göttin, Frauen haben´s einfach besser, weil sie von Haus aus besser sind!” nichts anfangen konnte, sich dieses unterschwellige Motto aber immer weiter auszubreiten schien. Retrospektiv finde ich diese Einstellung, im Sinne einer Selbstfindung, als durchaus normal, wenn auch nicht sinnvoll als bleibendes Lebensmotto. Fast jeder Jugendliche hat eine Zeit in der alle Erwachsenen, besonders die Eltern, sowieso von nichts eine Ahnung haben und nur die eigene Clique den Durchblick beanspruchen kann und das auch heftigst tut. In diesem Alter durchaus berechtigt, finde ich …

Weiterspinnen

Nach wie vor gibt es Göttinnenkonferenzen (auf einigen sind heute sogar schon Männer zugelassen), der Anfang war in USA, dann folgte Glastonbury, dessen Konfernz mittlerweile zur Institution geworden ist und seit ein paar Jahren gibt es sogar eine eigene österr. Konferenz.
Ein paar feministische Blogs verfolge ich auch noch – obwohl mir in den letzten Jahren die spirituell-feministischen Blogs eher abhanden gekommen sind. Aber der spirituell-feministische oder feministisch-spirituelle Ansatz aus der WuWe Anfangszeit, den finde ich heute nicht mehr.

Wenn ich mir die “Frauenecken” in den, zugegeben knapp zehn, Foren ansehe, dann erinnern mich die eher an Handarbeitsrubriken, Bastelecken, Kochrezeptebörsen oder Kindererziehungsratgeber (vornehmlich oder fast ausschließlich zu nichtspirituellen Themen).
Natürlich kann es jetzt gut sein, dass die Protagonisten dieser Foren es mittlerweile bevorzugen, sich im realen Leben zu treffen und ihre Spiritualität real auszuleben, anstatt im Netz darüber zu schreiben. Dagegen spricht für mich zwar,  dass ganz schön viel Zeit ins Netz investiert wird und meine Beobachtung eher in die Richtung geht, dass Leute über Themen schreiben, die sie tatsächlich auch beschäftigen (besonders, wenn das Schreiben mehr Zeit fordert).
Dieses Phänomen habe ich auch schon im WurzelWerk eigenen Forum anno damals beobachtet und schon damals nicht verstanden … In der WeiberCraft hatten wir das letzte Update vor mittlerweile fast einem Jahr. Wieder kann es durchaus sein, dass das an mir liegt, obwohl ich mein Bestes getan habe, GastAutorinnen anzusprechen und um Artikel oder Mitarbeit zu bitten. Das Ergebnis waren viele konsequenzlose Zusagen und bei etlichen anderen Projekten beobachte ich (in den zugehörigen Foren) ähnliches. Warum ist das so?

Wenn weibliche Spiritualität kein Thema mehr wäre, dann würden wohl die Göttinnenkonferenzen auch nicht mehr stattfinden können (wie es einige andere Festivals, mangels helfender Hände und begeisterter Besucher ja auch nicht mehr tun!)? Ist sie ein derartiges Randgruppenphänomen geworden, dass die Anzahl der Interessieren zu klein geworden ist? Ist die Zeit so knapp mit Kindern, Beruf, eigener gelebter Spiritualität, dass sie zum Schreiben nicht mehr reicht? Kann Frau die relevanten Themen nicht ausreichend sinnvoll be-schreiben? Gibt es keine relevanten Themen mehr? Reicht es sich einmal im Jahr (oder ein paarmal pro Jahr) zu treffen und die restliche Zeit davon zu zehren?
Viele Fragen und es gibt wohl noch mehr, aber auf keine davon finde ich persönlich eine wirkliche Antwort … vielleicht habt ihr ja die eine oder andere, die ihr mit uns teilen wollt?

Hanf – Das Kraut der germanischen Göttin geschrieben von Leilani

Samstag, 11. Mai 2013

Bereits seit 9000 Jahren wird Hanf als Heil- sowie Nutzpflanze kultiviert. Bereits früh wusste man um die psychoaktive Wirkung des Hanfs gut Bescheid. Im antiken Indien und Ägypten, wie auch im europäischen Raum, wurde Hanf neben seiner Verwendung als Rauschmittel bereits medizinisch eingesetzt. Er sollte bei Hypochondrie helfen und galt auch schon früh als „Frauenheilmittel“. Schnell war es auch allgemein üblich, Hanf zur Steigerung der Lust einzusetzen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hanf - der auch bei dem Germanen als Liebeskraut und Aphrodisiakum galt – der germanischen Liebesgöttin Freya zugesprochen wurde. Da Freya die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und Schutzgöttin des Lebens und der Ehe war, sollte Hanf den Menschen zu Fruchtbarkeit und Gesundheit verhelfen.

Cannabis plant, shot in, Himachal Pradesh, India by Subhashish Panigrahi

Sogar Hildegard von Bingen…

Am deutlichsten akzeptiert finde ich, wird in Esoterik-Kreisen die Wichtigkeit eines Krauts, wenn man folgende Tatsache anmerkt. Ich würde fast sagen, sie ist über alle Zweifel erhaben: Bereits Hildegard von Bingen lobte und nutzte die heilende Wirkung von Hanf.
Dass Hanf schon früh einen gewissen Wert hatte beweisen Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus in Brandenburg. Dort wurden Hanfsamen (von Cannabis sativa) in der Asche einer Graburne aus Wilmersdorf nachgewiesen. Anscheinend wurden solche Samen bereits bei südgermanischen Stämmen in prähistorischer Zeit als Grabbeigabe verwendet. In den Gräbern fand man neben den Samen zudem Hanffasern sowie Blütenstänge. Hanf wurde bei den Germanen gemeinsam mit Nutzpflanzen wie Getreide und Gemüse auf Äckern angebaut. Er hatte den Namen hanapiz, heanep oder hanaf. Ein interessantes Detail am Rande ist, dass Hanf angeblich nur von Frauen ausgesät, gepflegt und geerntet werden durfte. Galt diese Regelung bereits dem Ursprung, dass der Hanf der Liebesgöttin zugeordnet war, oder wurde uns ob unserer zarten Hände und der Kenntnis um den großen Wert des Hanfes das Vergnügen zuteil, die „Herrinnen des Hanfes“ zu werden? Leider konnte ich keine Aufzeichnungen dazu finden, ob auch die Mondphasen oder ähnliche äußere Einflüsse, die Art des Anbaus oder vielleicht der Ernte, mitbestimmten. Es heißt aber, dass sowohl Aussaat und Ernte von erotischen Ritualen begleitet wurden.

Mehr als nur ein Rausch

Hanf galt aber nicht nur als Faserlieferant. Er wurde als Aphrodisiakum sowie Heilmittel eingesetzt. Hanfstengel nahmen auch eine wichtige Rolle in der Austreibung des Winters ein. „Man legt einen solchen Stengel quer auf zwei Gartenböcke, schnellt ihn mit einer Gerte in die Luft … Diese fliegenden Hanfstengel stellen die Pfeile des Frühlings dar, durch die der Winter fortgeschossen wird.“ (A. R. von Perger, 1864).

Im Mittelalter wurde Hanf meist wegen des Hanföls angebaut, ein Fastenfett. Aber auch das Hanföl (Oleum cannabium) wurde gerne zu medizinischen Zwecken verwendet und wohl besonders eingesetzt bei Nervenschmerzen, Koliken, Magenkrämpfen und Verhärtung des Uterus und zwar indem man die betroffene Stelle damit einrieb. In Deutschland wurde zudem im 19. Jahrhundert der Gebrauch von Hanf als psychoaktives Aphrodisiakum explizit empfohlen. Natürlich schrieb man dies damals den serbischen Zigeunern in die Schuhe und war der Meinung, diese würden die Hanfblume gepulvert und gemeinsam mit Menstruationsblut vermischt einnehmen. Hanf wurde nur zu gern bei Liebeszaubern eingesetzt. Der deutsche Arzt Dr. Georg Friedrich Most beschrieb in seinem damals einflussreichsten „Arztbuch“, der „Encyklopädie der gesammten Volksmedicin“, bereits die vielseitige und wunderbare Wirkung der Hanfpflanze, von der Wurzel bis zur Blüte.

Sonnen- und Schattenseiten eines Krauts

Ebenso diente Hanf, wie andere Pflanzen, denen eine Fruchtbarkeits-steigernde Wirkung zugesprochen wurde, als Heiratsorakel. Da vielleicht ein paar der jungen Damen gerne wissen möchten, ob und wen Sie einmal heiraten werden, bin ich relativ sicher, dass sich nun einige der LeserInnen auf dem Weg zur nächsten Hanfstaude befinden um diese eingehend zu befragen. Aber all jene, die das Kraut lieber rauchen oder daraus Hosen weben möchten, anstatt ein gesittetes Gespräch mit eben diesem zu führen, müssen an dieser Stelle nicht verzweifeln. Wie wir wohl alle wissen kann ein guter Rausch sowohl beim Erkennen eines potentiellen Liebespartners, sowie beim Liebesakt selbst, Wunder bewirken. Wie immer gilt hier auch hier: die Dosis macht das Gift. Auch dies war bereits früh bekannt: „Übrigens hat dieser Missbrauch des Hanfes doch auch, wenn er zu lange fortgesetzt wird, Dummheit, Blödsinn und große Körperschwäche zur Folge“ (Dr. Georg Friedrich Most). Dummheit – wir können das in vielerlei Hinsicht interpretieren. Wer hat sich denn nicht schon mal am nächsten Morgen gewünscht, er hätte sich weniger intensiv dem Rauschmittelchen hingegeben und mehr darauf geachtet, seine kognitiven Fähigkeiten weiterhin an erster Stelle zu wissen. Wo der Alkohol einen – zumindest in der eigenen Wahrnehmung bis zu einem gewissen Punkt unangefochten gültig – zum Superhelden mutieren lässt, trägt der Genuss von Hanf tatsächlich (oder sollte ich sagen angeblich?) zu einer übertriebenen Liebesfähigkeit bei, die durchaus dazu führen kann, mit sich und der Welt dermaßen im Einklang zu sein, dass selbst hartgesottene Sarkasten Gefahr laufen, sich taumelnd in Glück und Liebe zu verlieren. Wie gefährlich dieses Kraut sein kann, bemerkt man wohl erst, wenn am nächsten Morgen das gegenüber im Lichte des Tages eine nicht mehr allzu aphrodisierend anmutende Wirkung besitzt. In diesen schweren Momenten kann man nur hoffen, noch eine Dosis griffbereit zu haben. Sofort sind alle Zweifel ausgeräumt und man kann sich langsam an die Entscheidungsfindung der letzten Nacht erinnern. Darf man als emanzipierte Frau so etwas sagen? Von schlechten One Night Stands sprechen und davon, wie kleine Rauschmittelchen einem die Entscheidung abgenommen haben? Nehmen wir es doch heute mal nicht so genau. Hallo also, Göttin der Liebe, dir sei der Hanf gewidmet, du wusstest wohl schon immer was gut ist. Die Schande liegt nun auf unserer Seite, denn wir können wohl nicht mehr allzu gut mit diesem Geschenk umgehen.

Theodor_von_Hörmann_Hanfeinlegen

Hier noch ein paar angebliche Hausmittelchen, basierend auf Hanf:

Pomade für den Haarwuchs
Zutaten
- ca.120 Gramm Hühnerfett
- ca.120 Gramm Hanfsamenöl
- ca.120 Gramm Honig
Alle Zutataen mischen und so lange rühren, bis sich eine schöne fette Pomade ergibt. Den Kopf damit 8 Tage hintereinander einreiben.


Noch ein weiteres Rezept für den Haarwuchs
Zutaten
- 2 Handvoll Wurzel des weißen Weinstocks
- 2 Handvoll Wurzel vom Hanf
- 2 Handvoll Kohlstrünke
Alle Zutaten trocknen und dann verbrennen. Aus der Asche eine Lauge machen und vor dem Waschen des Kopfes mit dieser Lauge den Kopf mit Honig massieren. Dies sollte man 3 Mal hintereinander tun an jedem zweiten Tag.

Quellen:
„Heimische Pflanzen der Götter“, Erwin Bauerreiß, 1995

Die Göttin in der Schweiz – eine Spurensuche – Teil II geschrieben von Nepthis

Samstag, 29. Dezember 2012

Maria, Madonna, Herrin über Leben und Tod

Auf den ersten Blick hat die Maria, wie wir sie aus dem Katholizismus kennen, wenig mit der machtvollen Göttin zu tun. Doch in der Schweiz  und in vielen andere Ländern gibt es einen ausgeprägten Madonnenkult. So spricht Margrit Rosa Schmid in ihrem Bericht „Schwarz bin ich und schön –Das Geheimnis der Schwarzen Madonna“ (2002) von mehr als hundert „Schwestern“ der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Diese wird seit über 600 Jahren mit Wallfahrten verehrt. Und dies nicht nur von Christen, auch Tamilen sehen in Ihr eine Göttin, „ihre Schutzgöttin der verlassenen Heimat“, wie Schmid schreibt. Jedes Jahr kommt auch eine Gruppe von Sinti und Roma zur Wallfahrt nach Einsiedeln. Sie mussten zehn Jahre für dieses Recht kämpfen und vor zehn Jahren konnten sie endlich zum ersten Mal ihre Madonna offiziell besuchen.

Doch wer ist diese schwarze Madonna? Eine ihrer Schwestern trägt einen Schwarzmondmantel und ist in Loretto, Italien zu finden. Dargestellt wird Sie oft auch als Himmelskönigin. Die Statue, die in Einsiedeln zu sehen ist, wurde während der Reformation entführt und als „heidnische Diana“ „verhöhnt“. Die Schwarzen Madonnen wurden verbrannt oder weiß übermalt und immer wieder verboten. Doch irgendetwas ist an dieser Schwarzen Madonna, daß das Volk Ihr immer treu geblieben ist. Und das obwohl, oder vielleicht gerade weil, es sich bei der Madonna nicht um „eine ausschliesslich demütig dienende und anspruchslose Maria“ handelt. Dies zeigt am eindrücklichsten die historisch gut dokumentierte Geschichte vom Marienbrunnen von Luther Bad. 1583 stand Jakob Minder wegen sechsfacher Kindstötung in Willisau vor Gericht. Seine Kinder waren alle innerhalb eines Jahres verstorben. Doch er wurde freigesprochen, denn dem Tod der Kinder ging ein wundersames Ereignis voraus. Er träumte in der Nacht auf Pfingstsamstag 1581 von der Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Diese riet ihm, an einem bestimmten Ort zu graben: „Du wirst dort eine Quelle finden. Wasche dich mit dem Wasser und du wirst geheilt sein.“ Tatsächlich wurde er so von seiner Gicht befreit und viele andere Menschen kamen, um das heilkräftige Wasser zu trinken. (Schmid zitiert eine ältere Frau, die noch 1978 durch das Wasser der Quelle von Schmerzen geheilt wurde.) Doch im Traum hatte die schwarze Madonna auch gesagt: „ Ich werde deine Kinder innert Jahresfrist versorgen. Ich werde Mutterstelle an ihnen annehmen.“ Diese Begebenheit zeigt die ambivalente Seite der Göttin. Sie gibt nicht nur Leben, Sie nimmt es auch. Sie ist Herrin über Leben und Tod, die dunkle Mutter.
Verena vom Guggisberg

Als Göttinnengläubige gehört für mich der Tod also zum Leben mit dazu. Auch er ist göttinnengegeben und so verdränge ich Gedanken an den Tod nicht, sondern weiß bereits jetzt, dass ich eine Beisetzung in einem Friedwald möchte und dass Verena, eine meiner ältesten Freundinnen dabei das Guggisberglied singen wird. (Wer es sich einmal anhören möchte)

Doch wer ist diese im Lied erwähnte Verena? Sie findet sich in sehr vielen schweizerischen Volkslieder und auch viele Orte in der Schweiz sind nach ihr benannt, wie sich im Buch von Kurt Derungs „Der Kult der heiligen Verena: Auf den Spuren magischer Orte und Heilkräfte“ (2007) nachlesen lässt. Der Name Verena könnte von Venus oder von Freja stammen, viel wahrscheinlicher aber ist der Ursprung Belena/Bhelanna wobei keltisch Bhel für weiss und wir mit Anna wieder bei der Göttin Aubeth wären, die wie gesagt aus anderen Sagen bekannt ist.


Göttinnenglauben heute

Ich habe also die Spuren der Göttin doch noch gefunden. Zu verdanken ist dies den Historikerinnen, die genau hingesehen haben. Und natürlich auch den „aufmüpfigen feministischen Theologinnen“, die dafür „aus den Kirchen ausgeschlossen wurden“, Lehraufträge verloren und kein Geld mehr bekamen, wie Schmid berichtet. Nur weil sie es wagten, eine Verbindung zwischen der schwarzen Göttin und der Schwarzen Madonna herzustellen. Schmid berichtet weiter: „Durch das jahrhundertelange Redeverbot innerhalb der Kirche hatten die Frauen ihren Blick längst nach innen gerichtet und der dunklen Göttin zugewandt.“ Die Göttin wird auch als „Frau Weisheit“ in der Philosophie verehrt und als Shekina im Jüdischen, ist aber auch „unter dem Schleier“ zu finden, zum Beispiel als Fortuna in so manchem Namen von Fußballvereinen. Ich bin den Spurensucherinnen vor mir dankbar. Und es erzürnt mich, dass noch 1986 die evangelische Theologin Elga Sorge ihre Lehrerlaubnis verlor, weil sie z.B. ein „Mutterunsere“ schrieb, wie Edith Franke in ihrem Buch „Die Göttin neben dem Kreuz“ (2002) berichtet. Und doch gehe ich, und viele andere mit mir, noch einen Schritt weiter. Wir brauchen die Göttin und den Gott. Doch wir verehren sie nicht in Kirchen. (Außer wir sind gerade auf einer Wallfahrt nach Einsiedeln)
Wir leben unser Leben nicht nach dem Kirchenjahr, sondern nach dem keltischen Jahresrad. (Was uns nicht daran hindert, nach Jul gleich noch Weihnachten zu feiern.) Wir träumen von einem Göttinnentempel in der Schweiz, so wie es in Glastonbury bereits einen gibt. Wir wollen neue Spuren der Göttinnenverehrung hinterlassen. Und Sie begegnet uns. Als Bergsteigerin auf einer Hütte, wie Luisa Francia in „Mond Tanz Magie“ (1986) schreibt. Oder als Teilnehmerin an einer Pagan Federation Konferenz. Denn in meiner Religion gilt der indische Gruß: Namaste. Ich grüße das Göttliche in dir. Und so erkennen wir die Göttin auch in anderen Menschen, egal ob sie auch auf den Spuren der Göttin sind oder nicht.