Archiv für die Kategorie ‘Polaritäten’

Yin und Yang – Teil IV, geschrieben von Sacriba

Samstag, 05. Mai 2018

Beispiele im Bereich Hetero-Sex im BDSM
Mann stößt Frau mit seinem Penis und “befiehlt” der Frau, sich nehmen zu lassen: Mann = Yang, Frau = Yin
Mann stößt Frau mit seinem Penis, während ihm die Frau “befiehlt”, wie genau er sie ficken soll: Frau = Yang, Mann = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Mann sagt der Frau, wie sie es sich besorgen soll: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Frau benutzt den Körper des Mannes als lustvolles Werkzeug: Frau = Yang, Mann = Yin

Beispiele im Bereich Homo-Sex im BDSM
Frau fingert weitere Frau, hält sie fest und “befiehlt” der anderen Frau, auf ihre Finger abzugehen:
Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Frau fingert weitere Frau, welche aber der ersten ansagt, wie genau sie gefingert werden möchte:
Frau, die gefingert wird = Yang, aktive Frau = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, hält ihn fest und “befiehlt” ihm, sich nehmen zu lassen:
Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, welcher aber dem ersten ansagt, wie er ihn ficken soll:
Mann, der sich ficken lässt = Yang, Mann, der fickt = Yin

Was ist eigentlich BDSM?

BDSM steht eigentlich für drei ineinander verwobene Begriffspaare:
B/D – Bondage/Discipline
D/S – Dominance/Submission
S/M – Sadism/Masochism
Die englischen Bezeichnungen können eins-zu-eins ins Deutsche übersetzt werden:
B/D – Bondage/Disziplin
D/S – Dominanz/Submission
S/M – Sadismus/Masochismus

Es handelt sich dabei um drei verschiedene Spielarten alternativer Sexualität, von denen sich jede der drei Gruppen noch in hunderte Feinvariationen mit eigener Bezeichnung auffächert.
Die Schreibweise der Begriffspaare ist ein Symbol: Der linke Buchstabe steht für die aktive, gebende und anstoßende Handlung (Yang), der rechte für die passive, aufnehmende und transformierende Handlung (Yin). Der Schrägstrich soll ausdrücken, dass die Begriffe Gegensätze sind, wird aber als “und” gelesen, da die aktive und die passive Seite ohne einander kein BDSM betreiben können.

Die Struktur eines (gesunden) BDSM-Spiels ist immer dieselbe:
Wenn von zwei beteiligten Menschen ausgegangen wird, übernimmt eine_r die Kontrolle über bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Handlungen, während das Gegenüber die eigene Kontrolle über dieselben Handlungen abgibt. Der Mensch, der kontrolliert, wird Domoder Top genannt, der Mensch, der Kontrolle abgibt, Sub oder Bottom.

Bondage bezeichnet Fesselspiele mit einem aktiven (fesselnden) und einem passiven (gefesselten) Menschen. Die bekannteste Spielart ist dabei das Fesseln mit Seilen aus der japanischen Kultur, allerdings können genauso Handschellen, andere Menschen, die den passiven Menschen festhalten, oder Halterungen an der Wand als Mittel für Bondage dienen. Da solche bewegungseinschränkenden Methoden vom passiven Menschen “Disziplin” verlangen, heißt die Rolle im Spiel dementsprechend.

Sadismus/Masochismus steht für das Zufügen von (Lust-)Schmerz mit einem ausführenden und einem empfangenden Menschen. Das kann mit allen Mitteln passieren, die Schmerz erzeugen: Klassisch sind Reitgerten oder Peitschen, genauso geht es jedoch mit der Hand (was Spanking genannt wird), oder Alltagsgegenständen wie einer Haarbürste aus Holz. Auch schmerzerzeugende Temperaturunterschiede durch Eiswürfel oder heißes Wachs auf der Haut fallen unter diese Kategorie.

Zwischen D/S auf der einen Seite und B/D und S/M auf der anderen Seite gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Ziel des Kontrollaustauschs bei Bondage/Disziplin Bewegungseinschränkung ist, sowie bei S/M die Erzeugung von Schmerz, hat D/S keine Vorgabe, welchen Bereich die Kontrolle umspannen soll. Daher sind B/D und S/M eine Unterkategorie von D/S – eben D/S bei bestimmten Handlungen.
D/S selbst kann in jeder beliebigen Handlung stattfinden, weswegen für die Beteiligten eines Spiels besonders wichtig ist, im Vorfeld zu vereinbaren, für welche Handlungen für die Dauer des Spiels D/S gelten soll, und für welche nicht.
So kann D/S strikt auf ein bestimmtes Thema beschränkt sein – zum Beispiel, wenn bei Bondage/Disziplin der_die Fesselnde nur Anweisungen gibt, die notwendig sind, damit die Fesseln funktionieren. Das Gleiche gilt natürlich für Sadismus/Masochismus. Wenn vereinbart wurde, dass D/S auch für andere Handlungen gilt, könnte der_die Fesselnde als Dom danach noch andere Menschen ins Spiel einladen und kontrollieren, von wem sich der gefesselte Menschen wie berühren lassen darf.
Um zu betonen, dass ein solches “erweitertes” D/S stattfindet, kann die aktive Handlung mit Großbuchstaben und die passive mit Kleinbuchstaben geschrieben werden: D/s, B/d (Bondage mit Dominanz) oder S/m (Schmerz zufügen mit Dominanz). Szenegänger ziehen außerdem dieselbe Differenz zwischen Top/Bottom von Dom/Sub: Das letztere Begriffspaar steht wiederum für ein erweitertes D/S.

Ohne Kontrollaustausch funktioniert Konsens verbal über die Sprache (Ja = Ja, Vielleicht = Nein, aber frag später nochmal, Nein = Nein) oder nonverbal über Körpersprache (sich zu jemanden hin/sich von jemandem weg bewegen). Da es in einem BDSM-Spiel um bewussten Kontrollaustausch geht – der passive Mensch also für Lustgewinn im Spiel bewusst auf die Standard-Möglichkeiten zur Konsensherstellung verzichtet – sind zusätzliche Ausdrucksweisen zur Konsensherstellung zwingend erforderlich:
Bei allen BDSM-Spielarten geschieht das in Form von Sicherheitswörtern (Safe Words) und/oder Sicherheitszeichen (Safe Gestures): Bottom/passiver Mensch und Top/aktiver Mensch müssen im Vorfeld Wörter, Geräusche oder Zeichen vereinbaren, mit denen Bottom bei allen Handlungen zu jeder Zeit ein Stoppsignal geben kann, das von Top prompt befolgt wird. Die Worte “Nein” oder “Stopp” können ebenso als Stoppsignal dienen wie extra ausgedachte Codewörter. Mindestens ein Stoppsignal muss dabei die komplette Aufhebung des Kontrollaustauschs bewirken: Dann ist das Spiel pausiert oder beendet und alle Beteiligten stehen wieder auf derselben Stufe – und können, wenn benötigt, die Regeln des Spiels auf Augenhöhe neu verhandeln.

BDSM ohne Sicherheitswörter oder -zeichen oder falls Top auf Stoppsignale nicht reagiert, ist nicht “besonders experimentell”, sondern sexueller Missbrauch! Bei Anzeige wird dieser vom Staat Österreich auch als solcher strafrechtlich verfolgt!

Yin und Yang – Teil III, geschrieben von Sacriba

Samstag, 14. April 2018

Da Sex nicht mehr ausschließlich auf Fortpflanzung abzielte, sondern auf den sozialen Zusammenhalt der Gruppe, entwickelten sich zahlreiche sexuelle Spielarten, die aus Sicht der Fortpflanzung keinen Sinn ergeben, und aus deren Blickwinkel als überflüssig erscheinen. Das berühmteste Beispiel ist Homo- und Bisexualität.
Für die Fortpflanzung ist sie irrelevant, die biologisch ja nur über Hetero-Sex möglich ist. Aus Sicht des sozialen Zusammenhalts ist sie eine großartige Entwicklung: Denn Menschen, die bisexuell sind, können grundsätzlich mit den meisten der anderen Gruppenmitglieder lustvollen Sex haben und so die meisten positiven sozialen Vernetzungen aufbauen. Menschen, die rein homosexuell sind, können Druck aus der Gruppe nehmen, indem sie lustvollen Sex haben können, der garantiert keine Nachkommen produziert.
So bekommt die Gruppe in Notzeiten nicht noch mehr Mitglieder, während der soziale Zusammenhalt, der ja gerade dann wichtig ist, weiterhin gestärkt wird.
Die Prinzipien Yin und Yang entwickelten sich mit der neuen Situation mit:
Geht es um Fortpflanzung, ist Yang als das gebende und anstoßende Prinzip die Seite, die Spermien produziert, und Hindernisse überwindet, um diese zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen.
Yin ist als das aufnehmende und wandelnde Prinzip die Seite, die die Spermien aufnimmt, schwanger wird, und neues Leben gebärt. Wenn die Fortpflanzung aber nicht mehr Ziel des Sex ist, oder im Fall von Homosexualität gar nicht passieren kann, macht es keinen Sinn mehr, Yin und Yang so zu beschreiben.

Allerdings änderte das nichts am Ablauf von Sex: Die Körper, die Geschlechtsorgane, und die biologischen Prozesse hinter der sexuellen Lust sind schließlich immer noch dieselben, auch wenn am Ende keine Schwangerschaft herauskommt. Yin und Yang entwickelten sich daher in Richtung der einen Eigenschaft, die sich geändert hatte, also worum es bei Sex zum Spaß vorrangig geht – der Entstehung von lustvollen Gefühlen für alle Beteiligten: Eine Seite gibt und stößt an, die andere Seite nimmt diese Stöße auf und wandelt sie in sexuelle Lust um, die sich auch für die gebende Seite lustvoll anfühlt. Das macht die aktive Seite, die gibt, zum Yang. Und die passive Seite, die aufnimmt, zum Yin.

Da aber alle sexuellen Orientierungen vertreten sind, und somit auch zwei gleiche Geschlechtsorgane aufeinander treffen können, entscheidet sich diese Verteilung nicht mehr daran, wer welches Geschlechtsmerkmal hat, sondern wer eine Handlung als aktiver Mensch durchführt, und wer diese als der passive Mensch in sich aufnimmt.

Beispiele:
Hetero-Sex:
Mann stößt Frau mit seinem Penis: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still: Frau = Yang, Mann = Yin
Homo-Sex:
Frau fingert weitere Frau: Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann: Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin

Nun gibt es aber noch einen Unterschied zwischen den erwähnten besonders intelligenten Tierarten und der Tierart Mensch:
Während Tiere mit einem Gegenüber mittels Körpersprache und einigen Lauten kommunizieren, hat beim Menschen die verbale Sprache einen wesentlich größeren Teil der Kommunikation übernommen. Obwohl auch beim Menschen die nonverbale Kommunikation nach wie vor die meisten Informationen transportiert, hat die verbale Kommunikation einen so großen Stellenwert, dass sie Yin und Yang beim Sex beeinflusst hat. Über verbale Sprache können Menschen beim Sex nämlich “spielen”, also wie bei einem Spiel Regeln im Konsens ausverhandeln, nach denen der Sex dann abläuft. So können die obigen Handlungen in einen ganz anderen Kontext gesetzt werden.

Zur Wiederholung:
Yin ist das aufnehmende und wandelnde Prinzip
Yang ist das gebende und anstoßende Prinzip

Durch verbale Sprache kann aus der gebenden Seite eine werden, die nicht nur die körperlichen Handlungen, sondern auch einen Teil oder sogar die gesamte lustvolle Situation “gibt”, diese also herstellt und dann Regie führt. Die aufnehmende Seite wiederum nimmt nicht nur die körperlichen Handlungen auf, sondern folgt den Regieanweisungen, soweit für sie lustvoll, und wandelt so die Fantasie des “Regisseurs” in realen, für alle Beteiligten lustvollen Sex um.

Die Zusammenfassung aller sexuellen Spielarten, die auf diese Weise funktionieren, hat im eurozentrischen Kulturkreis die Bezeichnung BDSM bekommen. Der Einsatz von Regeln und Kontrolle durch verbale Sprache kann die Position von Yin und Yang im Vergleich zu den körperlichen Handlungen sogar umkehren:

Ende Teil III

Yin und Yang – Teil II, geschrieben von Sacriba

Samstag, 24. März 2018

Was sind Fraktale?

Dieser Artikel mag auf den ersten Blick nicht zur Artikelreihe passen. Inwiefern das Thema für Yin und Yang relevant ist, werde ich erklären.

Das Konzept über Fraktale, die Fraktaltheorie, wurde von Benoît Mandelbrot entwickelt und 1975 publiziert. Mittlerweile wird es als die größte Weiterentwicklung der Mathematik seit dem 18. Jahrhundert angesehen. In seiner Grundidee besagt es, dass alle von selbst wachsenden Strukturen (direkt: wie Lebewesen, indirekt: wie Sterne) sich selbst ähnliche Strukturen bilden. Eine solche Struktur wird dann ein Fraktal, oder mehrere Fraktale, genannt.

Beispiele:
Ein Baum besteht erst einmal aus Wurzeln. Dann wächst ein Stamm, von dem Äste wegstehen, die wiederum Zweige entwickeln. Das Netzwerk aus Wurzeln sieht dem Netzwerk aus Ästen ähnlich, und wie die Äste vom Stamm wegwachsen, sieht ähnlich aus wie die Zweige, die von den Ästen wegwachsen, usw. Die Wurzeln sind ein Fraktal von den Ästen, und die Äste sind fraktal zu den Zweigen. Die Reihenfolge ist allerdings nicht wichtig, sondern nur die Ähnlichkeit: So sind auch die Wurzeln fraktal zu den Zweigen, usw.

Die korrekte Formulierung ist dabei entweder “ist ein Fraktal von” oder “ist fraktal zu”, mit der gleichen Bedeutung.

Eine häufige Anwendung erfahren die Gleichungen der Fraktaltheorie in Computerspielen mit hohem Anspruch an lebensechte Grafik, um genau über solche Ähnlichkeiten Lebewesen realitätsnah zu animieren.

Aber nicht nur physische, sondern auch psychische Strukturen (wie Ideen und Konzepte) wachsen selbst – und bestehen daher aus Fraktalen, welcher wieder neue Fraktale ausbilden können. Diese beiden Fraktalmöglichkeiten beeinflussen sich sogar gegenseitig – und so kommen Konzepte wie Yin und Yang in der Evolution physisch und psychisch an immer wieder neuen Orten vor.

Wie bereits gesagt, ist die Reihenfolge zur Bestimmung von Fraktalen irrelevant. Allerdings kann es hilfreich sein, die jeweils älteste Form eines Fraktals zu kennen, da sich so andere Fraktale, die sich aus diesem entwickelt haben, leichter identifizieren lassen. Bei Yin und Yang ist das älteste (bekannte) Fraktal die Aufgabenteilung bei der sexuellen Fortpflanzung. Um weitere Fraktale zu finden, macht es daher Sinn, die Evolution der Sexualität zu durchforsten.

 

Sex ist mehr als nur Fortpflanzung

 Evolution funktioniert nach dem Faulheitsprinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Klar, denn ein Lebewesen, das unnötigerweise Energie verbraucht, wird die nächste Verknappung an Ressourcen schwerer überleben. Daher muss jeder hohe Energieaufwand durch einen entsprechenden Nutzen gerechtfertigt sein, denn sonst bleibt der Spezies nur, das “teure” Merkmal rechtzeitig wieder zurückzubilden – oder auszusterben. Eine interessante Folge daraus ist, dass Vorgänge mit einem hohen Energieverbrauch, die bereits einen Nutzen haben, sich oftmals so weiterentwickeln, dass sie noch mehr Vorteile bringen.

Genau das ist mit der sexuellen Fortpflanzung passiert, die verglichen mit der asexuellen Fortpflanzung einen höheren Energieaufwand benötigt. In allen genügend komplexen Lebewesen haben sich Belohnungsmechanismen entwickelt, die sich einschalten, sobald dasjenige Lebewesen eine Handlung setzt, die förderlich für das eigene Überleben ist. Handlungen, die zwar das Überleben fördern, aber gleichzeitig einen hohen Energieaufwand und damit ein gewisses Risiko beinhalten, haben besonders starke Belohnungsmechanismen. Die Belohnung für Sex ist die sexuelle Lust und die anschließende Befriedigung. Beim Menschen und einigen anderen besonders intelligenten Tierarten hat genau dieser Belohnungsmechanismus beim Sex einen weiteren Nutzen bekommen: Zusätzlich zum Sex für Fortpflanzung haben diese Lebensformen eine weitere Form von Sex entwickelt, deren Ziel nicht mehr die Schaffung von Nachkommen ist – nämlich Sex zum Spaß. Bisher ist bekannt, dass große Aras (eine Papageienart), Delfine, Elefanten, einige Menschenaffen wie Schimpansen und Bonobos, sowie Menschen selbst das Konzept von Sex zum Spaß kennen.

Alle diese Lebensformen haben gemeinsam, dass sie eine gewisse Mindestintelligenz haben und in sozialen Gruppen zusammenleben. Sex ist eine lustvolle Handlung, die ein Mitglied der Gruppe mit den anderen Mitgliedern teilen kann. Wenn Individuen der Gruppe nun miteinander lustvollen Sex haben, stärkt das den sozialen Zusammenhalt: Schließlich werde ich einem Gegenüber, das mir Lust bereitet, und mir positive Erfahrungen verschafft, eher helfen, wenn es in einer Notlage ist, als einem anderen Gegenüber, das mir mögliche lustvolle Erlebnisse vermiest, oder mir sogar mein Fressen und andere Ressourcen wegnimmt. Sex zum Spaß erhöht so die Bereitschaft der Gruppenmitglieder, sich gegenseitig zu helfen, also Solidarität zu zeigen, und macht damit die gesamte Spezies überlebensfähiger.

Wenn du der obigen Beschreibung von Solidarität innerlich zugestimmt hast – Gratulation: Du hast die Fairness einer solchen Situation instinktiv verstanden. Das bedeutet, dass du ein unbewusstes evolutionäres Erbe (nämlich das Verständnis von und das Bedürfnis nach Solidarität) im Bewusstsein hast. Während alle Menschen dieses Erbe in ihren Gehirnwindungen mit sich herumtragen, schlummert es bei der Mehrheit unbewusst und ungenutzt vor sich hin, weswegen sich die meisten erwachsenen Menschen immer wieder in Lebenssituationen wiederfinden, in denen sie entweder ausgebeutet werden oder selbst ausbeuten – also eben keine Solidarität erfahren oder zeigen.

Ende Teil II

 

 

Yin und Yang – Teil I, geschrieben von Sacriba

Samstag, 03. März 2018

Was ist das?

Yin und Yang ist ein Konzept aus dem Taoismus, einer alten spirituellen Strömung, die heute hauptsächlich in China und Japan verbreitet ist. Die traditionelle chinesische Medizin hat dessen Philosophie später teilweise übernommen. Die Grundidee ist, dass in jedem Menschen mehrere Energieströme fließen. Stehen diese im Gleichgewicht zueinander, ist der Mensch körperlich und/oder psychisch gesund. Geraten sie hingegen in ein Ungleichgewicht, wird derjenige Mensch körperlich und/oder psychisch immunschwach oder krank. Dabei gibt es kein allgemeines Gleichgewicht, wie etwa “Gesunde Blutwerte liegen zwischen Zahl 1 und Zahl 2.” in der eurozentrischen/westlichen Medizin. Vielmehr hat jeder Mensch ein individuelles Gleichgewicht, wie ein Fingerabdruck, weswegen der gleiche und gleich starke Energiestrom den einen Menschen gesund, einen weiteren jedoch krank machen kann. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich dieses individuelle Gleichgewicht mit den Lebensumständen des Menschen mitändert. Daher kommt auch die Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen jung hält – denn ein solcher Mensch kann den eigenen Lebensstil immer wieder an die vorhandenen Energieströme anpassen und so körperlich und psychisch gesund bleiben.

Yin und Yang sind zwei dieser Energieströme, die sich gegenseitig so stark beeinflussen, dass sie oft als Begriffspaar genannt werden. Jeder Mensch hat sowohl Yin, als auch Yang in sich, wobei genau das Zusammenspiel der beiden Energieströme alle Bedürfnisse, Wünsche und Verhaltensweisen bezüglich Sex steuert. Als Folge daraus sind Yin und Yang auch bei Themen ausschlaggebend, die Sex beinhalten, also der romantischen Liebe und der Geschlechtsidentität.

Was hat das mit Sex zu tun?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir einen Abstecher in die Geschichte der Evolution:

Die ursprünglichen Lebensformen wie Bakterien, Einzeller und frühe Pflanzen hatten noch keinen Sex. Sie hätten auch keinen haben können, denn das Konzept gab es noch gar nicht. Fortpflanzung funktioniert bei diesen Lebewesen auf eine andere Weise: asexuell, also durch Teilung. Das bedeutet, dass ein Lebewesen zuerst alle Teile von sich kopiert, diese dann zusammenbaut und schließlich als ein weiteres Lebewesen in die Umwelt entlässt. Das Ergebnis sind zwei exakt gleiche Lebewesen, die sich, wenn überhaupt, in nur wenigen Merkmalen unterscheiden – wie eineiige Zwillinge. Der Vorteil dieser Methode ist der relativ geringe Energieaufwand. Der Nachteil ist allerdings groß: Denn fast identische Lebewesen haben alle auch sehr ähnliche bis identische Schwachstellen. Ein Fressfeind, Parasit oder ein Virus kann also eine ganze Spezies über die gleiche Schwachstelle befallen, töten und im äußersten Fall ausrotten.

Um dies zu verhindern, entwickelte sich im Laufe der Evolution die sexuelle Fortpflanzung, also Sex. Spätere Pflanzen, Pilze und Tiere begannen, ihre für die Fortpflanzung benötigten Merkmale innerhalb kompatibler Lebewesen auf zwei Formen aufzuteilen: weiblich und männlich. Die eine Hälfte der Information für ein neues Lebewesen ist in der weiblichen Form gespeichert, die andere Hälfte in der männlichen. Der Vorteil dieser Methode ist ein ganz entscheidender: Wenn beide Hälften der Information getrennt sind und erst später aufeinandertreffen, können sie durchgewürfelt werden, durch einen Prozess namens homologe Rekombination der Chromosomen. Im Wesentlichen ist das so, wie zwei verschiedenfarbige Haufen Sand in einen Kübel zu leeren, und solange umzurühren, bis der Inhalt in etwa gleich durchgemischt aussieht. Heraus kommt jedes Mal ein einzigartiges Lebewesen, mit individuellen Stärken und Schwachstellen. Dadurch müssen Fressfeinde, Parasiten und Viren immer wieder neue Strategien finden, was den angepeilten Lebewesen wiederum Zeit gibt, neue Abwehrmechanismen zu entwickeln, usw. In der gleichen Weise wie bei Fressfeinden haben die jeweiligen Lebensformen außerdem Möglichkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen (wie einem Klimawandel oder einer Naturkatastrophe) anzupassen, und können so besser überleben. Der Nachteil der neuen Fortpflanzungsmethode ist allerdings der höhere Energieaufwand: Da sich die beiden Informationshälften jetzt an getrennten Orten befinden, muss eine die andere finden, und auf dem Weg eventuelle Hindernisse überwinden. Die andere Hälfte wiederum muss das Gegenstück zur richtigen Zeit bereitstellen, die fehlende Hälfte empfangen und dann das gesamte Paket heranreifen lassen, bis daraus ein überlebensfähiges neues Lebewesen entstanden ist.

Diese Aufgabenteilung ist bereits eine Formulierung von Yin und Yang:

  • Yin entspricht der weiblichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) aufnehmende und (in ein Lebewesen) wandelnde Prinzip
  • Yang entspricht der männlichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) gebende und (Leben) anstoßende Prinzip

Ende Teil I

Heisses Eisen, geschrieben von Dreamdancer

Samstag, 01. April 2017

Ich habe vor langer Zeit einmal einen Artikel zum Thema “Licht und Liebe” geschrieben, der auch auf den Seiten des Blogs zu finden ist: und zwar HIER (falls es Dich interessiert) Es ist inzwischen doch ganz schön die Zeit vergangen; einige Erlebnisse/Beobachtungen meinerseits aber auch im Kollegenkreis haben ihn mir aber kürzlich in Erinnerung gerufen und ich habe ihn noch mal gelesen und mir die Frage gestellt: sehe ich das heute auch noch so? Und ich darf sagen: “Ja”. Ich sehe das immer noch so, auch wenn die Jahre natürlich auch Veränderungen in mir bewirkten und die lustvoll provokative Persona die damals so gerne aktiv war, heute eher im Schlummerzustand verweilt.

Im Zeitalter der “politischen Korrektheit” und einer extremen und kommunikativen Vernetzung haben sich jedoch einige Verhaltensweisen verstärkt und auch die Verdrängungen von als “negativ” empfundenen Emotionen sich weiter ausgeprägt. Und damit baut sich oft ein Druck auf, der so manche Maske ziemlich unschön zerdeppern kann wenn es nur ein kleines bisschen zu viel wird. Der aber manchmal auch unschöne Resultate im Aussen nach sich ziehen kann wenn er sich subtil den Weg an die Oberfläche sucht.

So findet man auf immer mehr esoterischen Diskussionsplattformen zunehmend Rassismus und rechtes Gedankengut sowie Finger die auf Andere zeigen, während man sich selbst in engelsgleichen Sphären wahrnimmt und damit natürlich auch den Anspruch auf die “alleinige Wahrheit” stellt.

Passt für mich nicht zusammen. Man kann nicht von sich behaupten tolerant und verständnisvoll zu sein und in bedingungsloser Liebe im Einklang mit den Heerscharen des Himmels zu schweben aber dann auch nur eine Gruppe, Rasse, Religion, sexuelle Orientierung davon auzusschliessen und als minderwertig oder “niedriger schwingend” zu betrachten.

Aber es ist gewaltig wie dann oft die “Engelsgleichen” extrem aus sich rauskommen und aufbauschen wenn sie nicht mehr diskutieren oder argumentieren wollen oder können. Ich habe Kolleginnen und Kollegen die schon aus so manchem “lieben” Forum geworfen wurden weil sie die falschen(?) Fragen stellten. Ich übrigens nicht. Ich tu mir Foren schon lange nicht mehr an. Hatte da aber auch meine Macken als ich es noch tat (meine Macke war der Versuch immer Frieden stiften und nicht zwischen die Stühle fallen zu wollen, auch wenn man selber eigentlich durchaus einen Standpunkt vertrat —- laaaang ist´s her, und das ist gut so, auch wenn ich immer noch aufpassen muss in manchen Situationen es nicht wieder jedem recht machen zu wollen)…

Sicher, es ist eine Zwickmühle: denn soll man nichts mehr kritisieren dürfen nur weil man sich gewissen Werten verschrieben hat? Mitnichten! Aber wenn man von sich behauptet alles zu verstehen und ein soooo weites Bewusstsein zu besitzen dann passt es einfach nicht zusammen wenn man Sündenböcke sucht oder gar Hetze gegen jemanden betreibt. Oder bewusst jemanden vorsätzlich verbal verletzt oder blossstellt, um das eigene (angeblich aufgelöste) Ego zu beschützen.

Bei gleichwohl unerwünschter (in)Fragestellung kommt die Nr. 1 Waffe zum Vorschein:


Du projizierst!

Nichts wird von “spirituellen” Menschen öfters ins Feld geführt als dieses Argument. Manchmal mag es sogar stimmen, aber oft dient es nur dazu dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen und sich nicht selbst in Frage stellen zu müssen.

Und ein Verhalten hat sogar stark zugenommen: nämlich das passiv/aggressive Reagieren. Dann wird hinter Witzchen und liebevollen Seitenhieben ein ganzer Tsunami von unterdrückten Emotionen in Gang gesetzt weil ein anderer eine individuelle Meinung zu einer Sache hat die der eigenen Sichtweise oder Wahrnehmung widerspricht. Oder man wird ironisch und verletzend, wähnt sich selber als der/die Gute während die anderen “einfach nicht verstehen” wollen oder können “weil sie einfach noch nicht so weit sind”… Und das muss man ihnen natürlich unterschwellig beibringen und klar machen…

Naja, wir sind Menschen und kochen alle mit Wasser (in der westlichen Magie steht das Wasser unter anderem für die Gefühlswelt)… Aber wenn man seine eigenen Ideale so untergräbt und dann nicht bereit ist zumindest mal bei sich nachzuschauen, dann läuft was schief. Egal was von wo aus gechannelt wird. Denn sogar das läuft durch den eigenen Bewusstseinsfilter, weshalb der klar gehalten werden sollte, was schon eine Herausforderung an sich ist in diesem Dauerfeuer and Informationen, “Fakten”, Emotionen und Meinungen.

Das Gegenteil davon sind dann jene die sich ständig hinterfragen und/oder in Frage stellen. Die Schattenarbeit zum Lebensinhalt machen und darüber etwas vergessen…… nämlich zu leben. Dann wird nämlich alles hinterfragt, jede eigene Meinung zurückgedrängt, und man hat immer das Gefühl “noch mehr” machen zu müssen. “Noch mehr Lehrer” zu brauchen um weiterzukommen, weil man alleine ja nie ganz raus kommt aus dem Dilemma und an sich arbeiten muss.

 

Leute, ich gebs zu, es ist nicht einfach! Auch für mich nicht.

Wie oft muss man – gerade als Blogger der sich auch kritischen Themen widmet – aufpassen das man nicht aus dem Glashaus mit Steinen wirft.

Alleine das Verfassen eines solchen Beitrages wird heutzutage zum Risiko. Das Internet vergisst nicht und alles das man vielleicht auch nur aus einer Laune oder Befindlichkeit heraus veröffentlicht bleibt lange irgendwo gespeichert und ist abrufbar. Jedes einst gesagte Wort, jede einmal veröffentlichte Meinung bleibt “drin” egal ob man sich vorwärts, rückwärts oder im Kreis bewegt hat.

Aber ich nehme für mich auch nicht in Anspruch “heilig”, “perfekt” oder “hochschwingend” zu sein. Das gibt hoffentlich mildernde Umstände wenn ich selber mal wieder Mist baue, selber passiv aggressiv bin oder aus einer Laune heraus “Seich” schreibe der eigentlich mehr über mich als über die anderen aussagt. Und das kann – und wird vermutlich – irgendwann wieder vorkommen. Und in den Augen mancher vielleicht sogar recht oft.

Aber die projizieren sicher nur *frechgrins*… Ganz bestimmt 

Spass beiseite: dann werde ich hoffentlich weiter daraus lernen oder zumindest eine Menge Freude dabei gehabt haben 

Und alles nur mehr an- und hinzunehmen ohne auch einen kritischen Blick zu wagen würde sowohl die Diskussion als auch die Entwicklung unserer Spezies ziemlich ausbremsen und vielleicht Kräften Raum schaffen, die nicht wirklich in eine konstruktive Zukunft steuern wollen und glauben sie hätten den Anspruch auf “die Wahrheit” und alles das dieser nicht entspricht ist “das Andere”. “Das Gefährliche”… Oder man redet es anderen so ein um die eigene Macht auszubauen.

Ein heisses Eisen… immer wieder und heute – in Zeiten zunehmender Polarisierung auch im esoterischen Bereich – wieder mehr denn je… Ein Grund mehr sich damit auseinanderzusetzen…

Prost