Archiv für die Kategorie ‘SchamanenBlick’

Die Elfen und die A2…. ein Test oder was? geschrieben von Roadman

Samstag, 25. August 2018

Vor einiger Zeit geisterte (!) ein Bericht durch mehrere Zeitungen und soziale Netzwerke. In diesem hieß es, dass eine „Elfenbeauftragte“ und ihre Kollegin eine Unfallserie an der A2 in der Nähe von Hannover zu stoppen versuchte, indem sie mit dem dortigen Feenvolk Verbindung aufnahm. Das betreffende Amt liess die beiden Frauen tatsächlich zu kritischen Stellen fahren und sie begutachten, allerdings kostenlos. Das geschah schon im Juni, und als es publik wurde, hagelte es in den jeweiligen Kommentarfunktionen überwiegend hämische und spöttische Kommentare. Ich konnte nicht anders als mitmischen und auf die Kommentare mit den mir möglichen Mitteln zu antworten. Irgendwo leider immer vergeblich, da die meisten natürlich nur das glauben, was sie mit physischen Augen sehen. Mich machte das traurig und stinkend wütend. Dabei regt sich ein Zorn in mir, der uralt ist und nach Regeln, die heute nicht mehr sozial anerkannt wären, vorgehen würde. Aber – man kann nicht einfach jeden Ignoranten köpfen und pfählen.

Ich denke, ich lasse mal ein wenig die Hosen herunter: Ich sehe es gar nicht so sehr aus der menschlichen Perspektive, sondern als einer des Verborgenen Volkes. Mir fiel auf, dass ich über die Jahre massive Schwierigkeiten, mit potentiellen Klienten, Seminarteilnehmern oder anderen an meinem Weg Interessierten darüber zu kommunizieren, hatte, und der Grund ist der, dass ich vieles „von der Innenseite des Hügels“ aus wahrnehme und bewerte.

Gehen wir mal die ganzen Argumente von vorne durch: „Geister gibt es nicht!“. Nun, das mag aus Sicht der Naturwissenschaften stimmen, aber: hätte man schon zu Albert Einsteins Zeiten oder früher so gedacht, dann wären Schwarze Löcher oder Antimaterie vielleicht nie entdeckt worden. Ich verweise auf die Historie: https://www.spektrum.de/magazin/albert-einstein-und-die-schwarzen-loecher/823187

Mein Eindruck heute ist, dass die Wissenschaft sich selbstgefällig in ihren Bunker zurückgezogen hat und alles lächerlich macht, was ihr nicht in den Kram passt. Was eigentlich gar nicht zu ihrem eigentlichen Geist passt, der auf Erforschen und Grenzen ausloten besteht. Sie sieht zur Zeit einen bestimmten Ausschnitt der Welt, und wenn sie sich das eingestehen würde, dann täte vieles entspannter ablaufen.

Oft verweise ich Skeptiker darauf, es bitte selber mit der schamanischen Reise oder Remote Viewing* zu versuchen. Wenn man diese Techniken gut beherrscht, ergeben sich verblüffende Aha-Effekte. Besonders Remote Viewing ist in der Hinsicht sehr eindrucksvoll. Da klebt man schon mal unwissentlich an einem Proton oder redet mit seinen Verbündeten, ohne es zu merken. Erstaunlicherweise klemmen bei so einem Angebot die meisten den Schwanz ein und keifen noch ein wenig, wie unwissenschaftlich das sei und überhaupt – dabei hat keiner von denen sich ernsthaft mit dem RV-Protokoll oder der schamanischen Reise beschäftigt. Auch hier: Kleben an einer einzigen Weltperspektive, Nachhecheln, was einem gesagt wird und Angst vor einem neuen Weltbild.

Nächstes Argument: „Für Geister, Elfen, Aberglaube und Schamanismus ist in unserer heutigen Kultur kein Platz mehr. Wir sind aufgeklärte Menschen!“. Dazu muss man sich geschichtlich etwas bilden. Vor der Aufklärung war der Mensch tatsächlich unmündig und im Griff von Religion und Adel. Von daher war die Rettung des Menschen aus seiner „ihm selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ein wichtiger und notwendiger Schritt. Allerdings machten die Aufklärung und die Naturwissenschaften genau denselben Fehler wie die Religionsführer und stellten ihre Meinung als die absolute hin – siehe einige Absätze vorher.

Interessant ist, dass kaum jemand eine Synthese aus den beiden Ansichten im Betracht zieht oder gar lebt. Und die ist möglich. Sehr gut sogar. Beispielsweise ist es für mich kein Widerspruch, eine wissenschaftlich orientierte Fachsendung über die Entstehung von Sternen im Weltall zu verfolgen und GLEICHZEITIG darüber nachzusinnieren, ob die Sonnen, die Elemente in sich entstehen lassen, den Engeln, die die Welten erschufen, gleichzusetzen sind (faszinierenderweise gibt es in der henochischen Magie** in etwa so viele Geister oder Engel wie im Periodensystem bekannte Elemente). Die Synthese ist aus der Philosophie und gut geführten Diskussionen bekannt. Da gibt es eine These, jemand anderes stellt eine Antithese auf, man streitet sich und findet am Schluss eine Synthese oder einen Kompromiss aus beiden Ansichten.

Der Wissenschaftler kann somit sagen: „Wir können die Existenz von Elfen mit unseren Mitteln nicht beweisen, aber wir sind auch in einem Bereich, der anders arbeitet als z.B. die Geisteswissenschaften“, und umgekehrt kann die Esoterik (im „alten“ Sinne verstanden, das, was heute so rumkraucht, ist eigentlich keine Esoterik) akzeptieren, dass sie (noch) nicht in die Bereiche der Naturwissenschaft kommt.

Und jetzt kommt der äußerst subjektive Teil, der nicht aus Sicht des „menschlichen“ Matthias geschrieben ist: Diese Tendenzen, die ich „Ent-Seelung“ nenne, und die eigentlich schon mit dem „macht euch die Erde untertan“ begannen, haben meines Erachtens mit zu der ökologischen Krise, in der der Mensch sich heute befindet, geführt. Wenn etwas ein „Ding“ und z.B. keine Erdgöttin mehr ist, dann fällt es leichter, dieses Unbelebte auszubeuten, zu roden oder Schadstoffe reinzupumpen. Den Gegensatz sieht man ganz massiv bei den südamerikanischen Indianerstämmen, denn von denen haben einige noch ein sehr großes Wissen von den Naturzusammenhängen (was ich „Gesetz der Natur nenne“), und sie behaupten, dass ihnen die Geister des Waldes das beigebracht haben. Übrigens trifft dieses ökologische Denken nicht für alle „Naturvölker“ zu. Die Maya haben z.B. ebenfalls den Dschungel gnadenlos abgeholzt, und die Azteken frönten am Schluss einem Blutkult. Aber aus meiner Sicht führt diese Ent-Seelung und das Nicht-Wissen oder Mißachten des Gesetzes der Natur zum Untergang. Und zwar des Menschen.

Der Mensch ist eine intelligente Spezies. Früher war er offensichtlich lernfähiger. Wenn man die Stränge des Schicksals auf der „anderen Seite“ betrachtet, braucht er wieder ein offenes Denken, dass die Gegensätze von Naturwissenschaft und Geisterarbeit vereint und ihn weise macht. Wir sind in dieser Hinsicht schon weit über 5 nach 12 hinaus. In diesem Sinne glaube ich, das die Geschichte mit der A2 ein Test war. Das Ergebnis – nun ja, es ist leider offensichtlich. 6. Setzen.

 

*Remote Viewing ist eine „protokollierte“ Technik der Fernwahrnehmung. Siehe dazu die Bücher von Manfred Jelinski

**Henochische Magie beschäftigt sich mit den Engeln. Siehe hierzu John Dee und http://www.kondor.de

Schamanin sein oder nicht sein – Ein paar Gedanken – Teil II, geschrieben von Tunritha

Samstag, 28. Juli 2018

Das Konzept zur Schamanin wie ich es im ersten Teil meines „Gedankenstromes“ vorgestellt habe, ist selbstverständlich nur eines von vielen möglichen Bildern zum Thema „Schamanin“ und wie diese so zu sein hat und welche Aufgabe diese hat.

Das von mir geschilderte Konzept der Schamanin, die Verantwortung trägt für Wohl und Wehe der Gruppe, ist Eines das ich mit meiner eigenen Familie zu spüren bekommen habe und das war nicht besonders lustig. Ich erfuhr je heiler und ganzer ich bin um so heiler und ganzer ist nämlich auch meine Familie. Im Umkehrschluss bedeutet dies leider auch das je verletzter und geschwächter ich bin, umso geschwächter sind auch sie.
Dieser Art der Verstrickung und Verknüpfung mit den eigenen Lieben sollten „Schamaninnen“ sich durchaus bewusst sein.

Jedoch bin ich ein Fan von Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstermächtigung.
Meiner Ansicht nach sollte jeder zuerst einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen. Weder will ich die Verantwortung für alles was meinen Lieben geschieht, noch steht es mir zu sie ihnen einfach zu nehmen. Jeder trägt sein Päckchen, das ist unser aller Pflicht und Privileg. Auch all meine Lieben sind zuerst einmal vor allem für sich selbst verantwortlich und das in jeder Hinsicht.
Aber natürlich liegt es in meiner Verantwortung das ihnen aus meiner Richtung und Tätigkeit, Kraft zuwächst und nicht etwa Schaden.

Heute

Das eigentliche Ziel schamanischen Wirkens HEUTE muss sein, jedenfalls meiner Überzeugung nach, die Menschen (wieder) selbst zu ermächtigen und sie zu schulen ihre eigenen Erkenntnisse zu gewinnen, selbst schamanisch tätig zu werden, selbst den Kontakt zu den Spirits und der Kraft herzustellen und ihren Erkenntnissen und ihrer Kraft auch zu vertrauen.

Die (vor allem dauerhafte) Abhängigkeit von einzelnen Gurus und Schamanenpersönlichkeiten ist das Gegenteil von Selbstermächtigung und kann keine echte Erkenntnis und damit Ganzheit und Heilung bringen.
Wenn Menschen zu mir in die schamanische Sitzung kommen übernehme ich für eine kurze Weile die Rolle als „Schamanin“ für sie, aber sicher nicht für immer und nicht für alles das ihnen widerfährt, das wäre Zuviel und die meisten erwarten dies heute glücklicherweise auch nicht mehr von mir.
Schamanen haben ganz klar ihren Sinn und ihre Aufgabe, auch oder sogar ganz besonders in der heutigen Zeit. Es ist gut wenn es in in der Not Schamaninnen und Schamanen gibt an die man sich wenden kann, die eine Zeitlang die Kraft halten und die helfen die spirituelle Straße wieder frei zu räumen. Denn manchmal sieht man selber einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht, ist „Betriebsblind“ oder auch selber zu geschwächt um sich noch selbst helfen zu können.
Dann ist es wunderbar wenn einem jemand die Straße wieder klärt, einem Hilfe zur Selbsthilfe gewährt.

Für mich ist es wichtiger meine Klienten und Schüler, meine Besucher, meine Hilfe- und Kraft-Suchenden in IHRE eigene und ganz persönliche Kraft zu bringen. Sie zu den verantwortlichen „Schamanen“ ihres eigenen Lebens zu machen, denn ich kann und will nicht diese Rolle für andere auf Dauer übernehmen.
Ich bin der festen Überzeugung jeder kann für sich selbst Schamane/Schamanin sein. Dies scheint mir auch die Aufgabe eines jeden Menschen zu sein, die volle materielle und spirituelle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und hin und wieder mal Hilfestellung den Anderen zu geben, geben zu können.

Der Schritt der fernen Vergangenheit, verantwortliche Schamanen zu berufen und so die spirituelle Verantwortung für sich selbst abzugeben, ja regelrecht auszugliedern aus Alltag und Leben, ist eine der schlechtesten Ideen der Menschheit überhaupt gewesen. Eine verlockende sicher, denn Spezialisierung kann das Niveau der Arbeit, der Kunst ja ungemein heben. Aber es ist meine feste Überzeugung: wir brauchen keine Gurus, keine Schamanen, keine Heiligen die für uns die Kraft halten. Wir dürfen und müssen diese Aufgabe endlich alle wieder weitestmöglich selbst übernehmen und sie uns auch zutrauen.

In meinen Augen sollten die heutigen und modernen Schamanen ganz unbedingt weniger an ihrem eigenen Mythos stricken und die Menschen statt dessen (wieder?) dahin bringen selber den Mythos zu leben.

Schamane/Schamanin ist wer von den Geistern, den Menschen und sich selbst berufen ist und dieser Berufung auch folgt.
In dem Moment, in dem die Geister Dich (be)rufen, Du Dich selbst berufst und Du dann die spirituelle Verantwortung für DICH auch tatsächlich in aller Konsequenz übernimmst, bist Du Schamane/Schamanin.
Für Dich selbst in erster Linie und an erster Stelle. Du trägst die volle Verantwortung für Dich und für Dein Sein, nicht irgendwelche Kräfte im Außen. Nicht der Nachbar, Deine Mutter, Dein Partner oder Arbeitskollege.
Erst wenn Du Kraft, Glück und Heilung in Deinem Leben materialisieren kannst, solltest Du dies überhaupt bei Anderen probieren.
Und wenn Deine Kraft ausreicht und andere sich, zumindest zeitweise, unter Deinen Schirm der Kraft stellen wollen, Du diese dann auch noch annimmst DANN bist Du vielleicht auch deren Schamanin, zumindest für einige Zeit.
Wahre Heilung kann letztlich nur in der Selbstbestimmung und eigenen Erkenntnis liegen. Alles andere können nur Zwischenlösungen sein.
Schamanische Praxis führt idealerweise über die Selbsterkenntnis zur Selbstermächtigung.
Die grundlegende schamanische Arbeit für uns SELBST, die Fähigkeit SELBER in die Anderswelt zu reisen um von dort Kraft und Heilung für uns selbst zu holen ist etwas das uns die „spirituelle“ Macht über unser Leben und unsere eigene Spiritualität zurückgibt. Wir sind nicht (mehr?) Ohnmächtig. Jede Frage die ein schamanisch Praktizierender hat, kann er mit auf die schamanische Reise nehmen und dort seinen geistigen Verbündeten und Lehrern stellen. KEIN schamanisch Praktizierender ist angewiesen auf einen Priester, Guru, Iman, Schamanen oder anderen Mittler zur geistigen Welt.
Schamanismus ist wohl die älteste und ursprünglichste Lehre der Menschheit, um ganzheitlich, im Zusammenwirken mit dem Universum und seinen Kräften, Heilung und Unterweisung in allen nur denkbaren Lebensbereichen zu erhalten. Dafür braucht es nicht immer einen „Experten“ sondern ein jeder und eine jede die dies möchten, können diese Kraft, Heilung und Unterweisung für sich selbst erlangen. Sei DEINE eigene verantwortliche Schamanin. Sei DEIN eigener verantwortlicher Schamane.

copyright Tunritha

Schamanin sein oder nicht sein – Ein paar Gedanken – Teil I, geschrieben von Tunritha

Samstag, 14. Juli 2018

Ganz kurz als Definition vorweg – kennzeichnend für jedwede Variante des Schamanismus sind meinem Verständnis nach die folgenden Punkte:
kennzeichnend, unabhängig von Zeit oder regionalem Raum:
Die Einsicht in die „Beseeltheit“ oder auch „Lebendigkeit“ von allem, das existiert

Ekstase- und Trancetechniken
Seelenflug – Schamanische Reisen in andere Welten
Kontakt zu und mit der Geisterwelt und daraus resultierende, geistige Verbündete. Diese werden als eigenständige Entitäten gesehen und behandelt
Kraft aus der geistigen Welt in die materielle Welt zu „transportieren“
Mit dieser Kraft werden reale Veränderungen ausgelöst, d.h. diese Kraft wird auch tatsächlich materialisiert
Die Arbeit für andere – für Klienten, die einen aktiv und ausdrücklich um diese Art der Hilfe bitten

Schamanin sein, so wie ich den Begriff im eigentlichen Sinn verstehe, ist etwas anderes als schamanisch zu praktizieren, schamanisch zu wirken oder auch schamanisch berufen zu sein.
Auch schamanisch Praktizierende sind häufig von den Spirits oder den Menschen berufen für bestimmte Aufgaben und Wege.

Was ist also, in meinem Sprachgebrauch, der Unterschied zur eigentlichen „Schamanin“?

Die Schamanin oder der Schamane sind neben der Berufung durch die Geister der Außerzeitlichkeit auch und vor allem berufen durch die Menschen, Geister, Götter und Ahnen einer Gruppe, einer Familie oder eines Stammes oder auch eines Landes/Landstrichs und sie haben diese Berufung angenommen mit allen Konsequenzen.
Und diese Konsequenzen sind es, die das Sein als Schamanin als Schamane so schwierig und manchmal schwer zu tragen machen.
Denn was bedeutet es diese Aufgabe, diese Berufung anzunehmen als tatsächlich wahrhaftig anzunehmen? Es bedeutet das die Schamanin, der Schamane für das spirituelle Wohl und Wehe und auch das sich daraus materialisierende Wohl und Wehe verantwortlich ist.
Es bedeutet wenn den Menschen oder Tieren dieser Gruppe etwas widerfährt, dann hat dies auch mit der Kraft ihres Schamanen zu tun. Mit dem Schutz und der Kraft die diese/dieser materialisieren kann.
Schamanin einer Familie oder eines Stammes zu sein, bedeutet das die Mitglieder der Gruppe, der Familie, des Stammes stetig unter dem Schutz und in der Kraftlinie der Schamanin stehen. Mit Mann und Maus, mit Kind und Kegeln, mit Hund und Katz.

Was für eine Verantwortung! Eine Schamanin ist nicht mehr nur für sich verantwortlich sondern auch für alles und jedes das der ihr anvertrauten Aufgabe, den ihr anvertrauten Menschen (und Tieren, Pflanzen, dem Land…) widerfährt.

Und diese Aufgabe muss ihr von den Menschen (und Tieren Pflanzen, dem Land…) freiwillig übertragen worden sein, diese Aufgabe kann man sich nicht einfach nehmen oder aneignen, auch die Geister können einem nicht die alleinige Verantwortung über einen Stamm/Gruppe/Familie „aufhalsen“. Es ist ein gemeinschaftlicher Akt der von allen drei Seiten gemeinsam bestimmt und gestaltet wird. Aber wenn einmal vollzogen, dann trägt die Schamanin die Verantwortung und das ist kein Spaß, das kann grauenhaft, erschreckend, belastend sein.

Wer tatsächlich in diesem Sinn Schamanin sein möchte, hat viel zu tun und viel zu tragen.
Dies ist nicht die „Beziehung“ die man zum „normalen“ Klienten hat, der einem für eine Sitzung und Hilfe ein paar Taler gibt. Dies ist die Beziehung die eine traditionelle Stammes- und Familienschamanin für ihre Gruppe, ihren Stamm und ihre Familie hat.

Der Stamm oder die Familie wiederum trägt die Schamanin, materiell und auch emotional. Sie passen genauso auf sie und ihr Wohl auf wie umgekehrt (männliche Schamanen sind hier selbstverständlich mitgemeint) .
diese Verantwortung wünscht sich wohl kein Mensch freiwillig und diese Verantwortung kann nur in Liebe und Mitgefühl getragen werden. Jeder Schnupfen, jeder Unfall, jedes Unglück das den Lieben widerfährt, hat auch etwas mit dem sie begleitenden Schamanen zu tun. Denn wenn der Schamane, Schamanin die nötige Kraft hat, kann einer Gruppe nichts widerfahren, das nicht in Harmonie geschieht. Welche Vorwürfe macht sich also eine solche Stammesschamanin wenn es zu Krankheit und Unglück kommt? Welche Vorwürfe werden ihr gemacht?
Das ist der eigentliche Grund warum unter vielen indigenen Menschen der Beruf und die Berufung als Schamanin so gefürchtet ist, denn diese Berufung bringt eine ungeheure Last mit sich und eine ungeheure Verantwortung.
Ist die Schamanin nicht in ihrer Kraft, kann sie die Familie den Stamm nicht in ihrer/seiner Kraft halten und es geschehen vermeidbare Unglücke, Hungersnöte, Krankheiten. Wir finden dieses Prinzip auch in manchen Märchen und Legenden, in denen die versehrten alten Könige durch die Jungen ersetzt werden müssen. Der rituelle Königstod ist eine Variante davon oder auch die irisch/gälische Geschichte von Lugh der die Herrschaft vom verletzen König Nuada übernimmt, der eine Hand verloren hat und daher nicht mehr die Kraft halten kann.

Welcher Mensch im Westen der noch bei Verstand ist, wünscht sich bitte diese riesige Verantwortung auch nur für die eigene Kleinfamilie, geschweige denn für ein ganzes Dorf?

Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, in meinem Leben gibt es einen Kreis von Menschen die auf diese Weise zu meinem Stamm gehören und das ist kein Spaß und kein Ego-Vergnügen.
Das ist manchmal ganz schön hart und hat mich verstehen lassen warum so viele Indigene keinen Bock auf eine derartige Verantwortung haben.
Darum, bevor Du Schamane/Schamanin für andere sein willst, übernimm als erstes die volle Verantwortung für Dich, für Dein Leben, Dein Glück und Unglück.
Erkenne dass, das Leben das Du um Dich herum materialisierst, ein unübersehbarer Ausdruck Deiner eigenen Kraft ist und auch Deiner eigenen wachsenden oder schwindenden Kraft. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht um Bewertung oder gar Schuld. Schlimme Dinge passieren guten Menschen und Andersrum. Leben heißt auch immer Leiden, das ist wohl unvermeidbar. Und Leben heißt genauso auch immer Freude, Liebe und Berührung… Und Leben als Schamanin bedeutet die volle Verantwortung für sich selbst, das eigene Glück und Unglück, die eigene Krankheit, das eigene Leid, die eigene Freude… einfach das eigene Leben zu übernehmen und Zusätzlich und freiwillig noch ein ganzes Stück Verantwortung für Glück und Leid von Anderen…

Ääächte ;-) Schamanen (so wie ich sie verstehe) sind daher eigentlich ganz wild darauf Menschen in ihrer Selbstbestimmung und Selbstverantwortung auf allen Ebenen zu unterstützen und nicht darauf ihnen als Guru und Bevormunder stets und ständig voranzugehen.

copyright Tunritha

Ende Teil I

Scheibenschlagen – ein schamanisches Ritual? geschrieben von Karin

Samstag, 24. März 2018

Dieses Mal geht es nicht direkt um die Kräuter, sondern um eine uralte Tradition, die die Vegetationskräfte in der Natur weckt. An diesem Sonntag ist es nämlich wieder soweit: Im Vinschgau ist wieder  Scheibenschlagsonntag. Dieser Brauch hat mich vom ersten Moment an, vor nun rund 27 Jahren, seit ich im Vinschgau lebe, auf einer tiefen Ebene berührt. Er strahlt so eine Kraft und Magie aus, wie ich es noch nie vorher in meinem damaligen jungen Leben erlebt habe. Und er hat mich nie mehr losgelassen.

Scheibenschlagen in Mals Unterdorf, vor der gigantischen Bergkulisse
Foto&Bearbeitung Martin Ruepp

Ich muss vielleicht noch vorausschicken, dass ich mich nicht nur tief mit den Pflanzen und deren Heilkraft verbunden fühle, sondern auch mit den uralten Traditionen. Es mag ihr Sinn und Zweck vergessen geworden sein, aber ihr Geist umweht uns heute noch.
Meine Zugänge zur Wissenserfahrung sind einmal wissenschaftlicher Natur und ein andermal durch meinen Zugang zur Anderswelt. Diese Ebene, die untrennbar mit der alltäglichen Wirklichkeit verbunden ist, und die auf ihr Einfluss nimmt sowie umgekehrt.
Früher wusste man noch, dass solche mächtigen Rituale die Brücken sind, durch die Kraft und Energie von der Anderswelt in die materielle Welt manifestiert werden konnte. So auch das Scheibenschlagen. Wie bei jedem Wechsel und Übergang macht es einen Unterschied, ob man es gehen lässt, wie es halt geht, oder ob man die Veränderungskraft lenkt und leitet. Am besten geht die Lenkung durch ein Ritual mithilfe der Kräfte aus der feinstofflichen Ebene. Und solch ein Ritual ist das Scheibenschlagen; eigentlich sind es ja zwei getrennte Rituale, die zusammen praktiziert werden. Aber dazu später mehr.

Brennende Hex beim Scheibenschlagen in Schluderns

Bild und Copyright: Sybille Tröger

Hier an dieser Stelle möchte ich euch an meiner Sicht von der Seelenebeneaus teilhaben lassen.  Die wissenschaftliche Sicht auf diesen Brauch ist schließlich schon öfter beschrieben worden.
Die Bräuche unterscheiden sich in ihrer Ausführung und in ihrem Aussehen von Ort zu Ort sehr. Wie so üblich, wächst jedes Ritual mit den Menschen, die es ausführen, und dem jeweiligen Geist des Ortes zu einer individuellen und für hier stimmigen Handlung.

Dieser Brauch wurde Gott sei Dank nie standardisiert, denn das würde seine Lebendigkeit einschränken und ihm damit einen grossen Teil der Kraft berauben. Hinter all den Unterschieden geht es um Folgendes:

Wenn die Larmstange oder die Hex aufgestellt wird, geschieht das durch mehrere Männer gleichzeitig. Sie stellen ihre körperliche, aber auch männliche Kraft zur Verfügung, um den Fuß der Hex oder der Larmstange tief in der Erde zu verankern und durch das Aufrichten dieser hohen Gebilde, den Himmel mit der Erde zu verbinden. Die Stange ist mit Stroh umwickelt und wird zu einem vorgegebenen Zeitpunkt, meist zu  Beginn der Dämmerung, angezündet. Danach wird ein anderes grosses Feuer entfacht, in dem die Scheiben (Holzscheiben in verschiedenen Formen) an Haselnussgerten zum Glühen gebracht werden. Diese werden für sich selbst oder für jemand anderem mit einem Spruch, der auch von Ort zu Ort variert, ins Tal geschleudert. Das sind die zwei Rituale in einem, die ich vorher schon angedeutet habe.

Im Folgenden erzähle ich euch die Sicht auf diese zwei Rituale, die ich in der Anderswelt erhalten habe. Damit erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da hinter Allem mehrere Ebenen und Bilder stehen.

Seelenreise zum Brauch des Scheibenschlagens im mittleren und oberen Vinschgau:

Brennende Hex

Scheibenschlagen in Schluderns, Foto und Coppyright: Sybille Tröger

Ich sehe die Hex, die mit ihrem Fuß, ihrer Basis, in der Erde verankert ist. Dahinter steht der große Weise und entzündet sie. Die Hex brennt und in diesem Moment wird ihre Kraft frei. „Die Kraft der großen Mutter“, höre ich.
Ich sehe im Tal die weißen Lebensgeister erwachen, jedoch  nicht vollständig. Sie sind irgendwie statisch, wie blockiert. Trotzdem ist das ganze Tal erfüllt von ihnen. Wie die Spitzen von weißen Eiern, die aus der Erde lugen, bereit zu schlüpfen…

Das Bild wechselt: Neben dem großen Weisen stehend, sehe ich, wie hinter dem Fuß der Hex eine Treppe hinunter in die Erde führt. Ich steige hinab und es taucht ein Bild, gleichsam einer Erinnerung, von früher auf, das eine Höhle mit einem orangen, warmen Licht zeigt. Mich durchflutet ein warmes Gefühl. In der Höhle zeigt sich eine weibliche, mütterliche Gestalt. Aber so wie ich das Bild erfasst habe, ist es auch schon wieder weg. Zurückbleibt ein Hohlraum, kalt, leer und dunkel.
Dann kommt die Botschaft:
Wenn die Männer mit dem Aufrichten der Hex die Absicht haben, den Himmel mit der Erde zu verbinden, sie zum einen durch ihre Basis mit der Mutter Erde zu verbinden, ihre lebensspendende Kraft nach unten auszurichten, zum anderen die aufragende Spitze der Hex nach oben mit der Kraft des Göttlichen, des Schöpfers zusammen bringen, dann entseht eine grosse Kraftsäule, die durch das Entzünden eine gigantische Lebenskraft freisetzt.
Diese Kraft kann jetzt vollständiger fliessen und dem Land zur Gänze, nach der Winterruhe, zur Verfügung stehen. Es ist die Kraft des Aufbruchs, der Veränderung und der Fruchtbarkeit. Es gibt dabei aber noch einen wesentlichen Aspekt, der nicht vergessen werden darf – die Kraft der Frauen.
Während die Männer ihre körperliche Kraft zur Verfügung stellen, damit das gigantische Kreuz oder die Stange, je nach Dorf, aufgerichtet werden kann, geben die Frauen auf ihrer Weise noch ihre Kraft dazu. Mit Singen, Jubeln, Tanzen, Klatschen, Stampfen, Beten, in Gedanken oder auf einer anderen ihnen entsprechenden Weise. Dadurch, dass sie es sich ebenfalls bewusst machen, dass sich jetzt das Weibliche mit dem Männlichen verbindet, ist nun der ewige Kreislauf geschlossen… Himmel und Erde, Mann und Frau erreichen eine Kraft, mit der Alles möglich ist; Fruchtbarkeit…. Neues entsteht.

Scheibenschlagen im Vinschgau

Scheibenschlagen in Kortsch, oberhalb der Ägidiuskirche. Fotografie, Gestaltung und Copyright Martin Ruepp

Anschließend wird mir noch gezeigt, wie sich das Ritual in der Feinstofflichkeit durch das veränderte Bewusstsein auf das Land auswirkt:

Ich sehe, wie in der vorbereiteten Öffnung, in die die Stange verankert worden ist, ein Ei liegt (als Symbol? als Opfer? … Ich weiss es nicht). Die Männer richten die gigantische Stange mit dem Kreuz und der doppelten Drachenform auf. Die Frauen stehen dabei und geben ihre Kraft durch das Anfeuern, Jubeln, Tanzen und Klatschen dazu. In dem Moment, in dem sie vollständig in der Erde verankert ist, aufrecht in den Himmel ragt,  sehe ich wie sich das orange, warme Licht über die ganze Hexe verteilt. Von oben hingegen ergiesst sich gleissendes helles Licht über die strohumwickelten Holzstangen. Es sieht aus wie elektrisch geladen und verteilt sich vollständig um die Hex.

Scheibenschlagen in Kortsch, oberhalb der Ägidiuskirche

Fotografie & Bearbeitung & Coppyright, Martin Ruepp

Beim Entzünden des Strohs verströmen diese vereinten Kräfte über das ganze Tal.
Jetzt kommt Bewegung in die vorher schon gesehenen Lebensgeister, sie wirbeln über das Land und nehmen dunkle Schatten auf, verbrauchte Reste des vergangenen Jahres, die es nicht mehr braucht. Sie verwirbeln sie, sodass nichts anderes mehr zurückbleibt als lichte Energie. Hell wird’s im Tal. Bis in den letzten Winkel geht der Tanz der weißen Gestalten und verwirbelt die Schatten.
Die Natur macht sich bereit, die Kräfte des Wachstums sind geweckt.
Was ist mit dem Scheibenschlagen selbst, von dem der Brauch seinen Namen hat ?

Schwingen der glühenden Scheiben

Foto & Copyright
Sybille Tröger

Ich sehe das Bild, wie eine Person die Holzscheiben ins Feuer hält und auf den richtigen Moment wartet. Dann nimmt sie die glühende Scheibe am Haselnussstock, und schwingt sie. Wieder wartet die Person den richtigen Moment ab, um dann die glühende Scheibe ins Tal zu schleudern.  Bei diesem Bild erhalte ich folgende Erklärung: Der Vorgang des Scheibenschlagens erfordert Geduld, um den richtigen Moment abzuwarten, den Willen sowie eine große Entschiedenheit und schlussendlich wohldosierte Kraft. Dies alles für ein Ziel: Die Scheibe so weit als möglich in die Welt hinaus zu schicken. Diese Fähigkeiten werden bei der ausführenden Person geweckt: Geduld, Wille, Fokusiertheit und Tatkraft. Der Person, der die Scheibe geweiht ist, bekommt auch diese geweckten Kräfte zu spüren, besonders, wenn der, oder die Schlagende vollständig in diesen Vorgang aufgeht.

Birkenscheiben für ein Feuerritual im Vinschgau

Fotografie & Bearbeitung & Copyright Martin Ruepp

Und leise höre ich :
Die Hex ist für’s Land, das Schlagen der Scheibe für den Mensch!

Heiliger Kakao – Ein Stoff der Liebe?

Samstag, 23. September 2017

Ein neuer Trend in der Neoschamanenszene ist in letzter Zeit im Kielwasser der sich häufenden Ayahuasca Zeremonien zu bemerken. Wer einen nicht ganz so psychedelischen, milden Rausch bevorzugt und eine wohlschmeckende Variante dem bitterem Pflanzengebräu vorzieht, der probiert die Kakaozeremonie. Zentrum dieses neuen Trends scheint Berlin zu sein, wo der selbsternannte Kakao-Schamane Keith dieses spirituelle Happening anbietet. Auch die Partyszene soll davor nicht halt gemacht haben, die sanft anregende Wirkung des Kakaos, die weit länger hält als das Koffein der Energydrinks soll für Ausdauer beim Feiern sorgen.

Kakaofrüchte; Foto: Rhaessner, Wikimedia Commons

Was ist eigentlich drin im Kakao?

Tatsächlich enthält Kakao Wirkstoffe, die eine anregende, pulsbeschleunigende Wirkung haben. Allen voran ist hier das Theobromin von größtem Interesse, das in einer Konzentration von 1,2% in der Kakaobohne zu finden ist. Theobromin ist dem Koffein chemisch nicht unähnlich hat aber eine beinahe konträre Wirkung. Im Gegensatz zu Koffein wirkt es gefäßerweiternd, harntreibend und entspannend auf die glatte Muskulatur, also auf den Verdauungstrakt. Außerdem wirkt es in höheren Dosen pulsbeschleunigend, was als anregende Wirkung empfunden wird. In der modernen Pharmakologie hat es kaum Bedeutung lediglich bei Pferden wird es als Dopingsubstanz angewendet. Für Hunde und Katzen dagegen ist Theobromin giftig.

Neben dem Theobromin enthält Kakao auch noch Serotonin und Dopamin, die beide anregend und stimmungsaufhellend wirken würden, nur leider sind die beiden Moleküle so groß, dass sie die Bluthirnschranke nicht passieren können und die gewünschte Wirkung wahrscheinlich äußerst überschaubar bleibt. Serotonin wirkt durchaus auch in der Körperperipherie, allerdings besteht die Wirkung vor allem darin Übelkeit und vermehrte Darmbewegungen zu verursachen.

Kakao enthält aber auch die Serotoninvorstufe Tryptophan eine Aminosäure, die die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und von der Hirnanhangdrüse in Serotonin umgewandelt werden kann. Die Passage funktioniert dann besonders gut, wenn mit dem Tryptophan auch Zucker aufgenommen wird und anschließend sofort irgendeine Form von körperlicher Aktivität folgt. Die stimmungsaufhellende Wirkung von Schokolade erklärt sich auf diese Weise. Abends eingenommen bewirkt Tryptophan eher Schläfrigkeit, da es vorzugsweise in das Schlafhormon Melatonin umgewandelt wird.

Auch der hohe Magnesiumgehalt hat eine relaxierende Wirkung auf die Muskulatur und gilt als nervenstärkend insbesondere zusammen mit den B-Vitaminen. Kakao ist also definitiv ein gesundes Lebensmittel. In der Schwangerschaft konsumiert, senkt es sogar das Risiko einer Präklampsie.

Kakao in Maya Schrift, Wikimedia Commons, Bild: VVVladimir

Mythologie des Kakaos – Blutopfer und kriegerische Götter

Der Name des Kakao stammt aus dem Nahuatl, der auch heute noch gesprochenen Sprache der Azteken, von dem Wort „cacahuatl“. Es bedeutet „bitteres Wasser“. Es stammt von einer Pflanze namens Theobroma cacao, dem Kakaobaum, ein Malvengewächs.

Den Berichten über die heilige Kakao Zeremonie ist nun zu entnehmen, dass ein indigener Mythos erzähle, „dass, wann immer das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur bedroht ist, der Geist des Kakaos aus dem Regenwald kommt, um die Herzen der Menschen zu öffnen und den Planeten wieder in einen Zustand der Harmonie zu begleiten.“ Kakaozeremonie bedeute Heilung durch Liebe, heisst es dort.

Menschenopfer bei den Azteken, Wikimedia Commons, Darstellung aus dem Codex Magliabechiano

Die historische Realität sieht leider ein wenig anders aus. In der Maya Mythologie wurde Kakao den Menschen von der gefiederten Schlange gegeben, die mit dem Gott Quetzalcoatl assoziiert wird. Bei den Azteken gibt es einen ähnlichen Mythos der besagt, dass Kakao vom gleichnamigen Quetzalcoatl, einem wichtigen Schöpfer- und Weltengott, entdeckt wurde. Bei den Maya wurde alljährlich zu Ehren des Gottes Ek Chuah, auch bekannt als der „schwarze Kriegsherr“ oder der schwarze Skorpion“, ein Fest gefeiert bei dem traditionell eine Hund geopfert wurde, der vorher mit Kakao bemalt war, sowie weitere Tiere. Bei den Azteken wurden Quetzalcoatl zu Ehren Priestern die Ohrläppchen durchbohrt um den Kakao mit Blut zu benetzen und anschließend dem Gott zu opfern. Für Frauen und Kinder, so glaubte man, sei Kakao giftig.

Diese sehr archaischen Rituale waren durchaus üblich in den frühen mesoamerikanischen Kulturen. Der Mythologie zufolge standen die Menschen in der Schuld der Götter, die für das Fortbestehen der Welt und der Menschen ihr eigenes Leben hingaben. Man vermutet dass der Brauch Menschen und auch Tiere zu opfern, daher stammt. Das frische Blut sollte die Lebenskraft der Götter anregen und damit den Weltuntergang auch künftig verhindern. In Nahuatl heißt Opfer „Nextlaoalli“, was wörtlich übersetzt “die Schuld bezahlen” bedeutet.

Kakao war kein Grundnahrungsmittel, sondern vor allem eine Opfergabe an die Götter und ein Ritualtrunk. Kakaobohnen wurden u.a. auch als Währung verwendet.

Kakao heute – Sklaverei und Cadmium

Über die spanischen Eroberer kam Kakao auch nach Europa. Als die Azteken in einem blutigen Krieg von den Spaniern besiegt wurde, fand das „braune Gold“ schnell Anklang als Exportgut. Bereits zur Kolonialzeit wurde Kakao mithilfe von Sklavenarbeit für den europäischen Markt angebaut.

Auch heute ist Kakao neben Kaffee ein wichtiger Exportstoff von Entwicklungsländern. Insbesondere in Westafrika wird Kakao auch mit Hilfe von Kinderhandel und -sklaverei angebaut. Kleinbauern und Landarbeiter müssen oft weit unter dem Existenzminimum für den Anbau arbeiten. Gerade bei Kakao lohnt es sich also auf FairTrade Produkte zurückzugreifen.

Kinderarbeit in Afrika, Wikimedia Commons, Foto: Julien Harneis

Kritisch ist häufig auch die hohe Cadmiumbelastung des Kakaos, der aus dem Böden stammt, wo Kakao angebaut wird. Im Moment gibt es dafür noch keine Grenzwertregelung. Das gleiche gilt auch für Pestizide, die in hohem Maße eingesetzt werden, das trifft nicht nur die Kakaokonsumenten sondern in hohem Maße auch die Plantagenarbeiter.

Kakao – ein Stoff der Liebe?

Die biochemische Wirkung des Kakao ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, aber der Mythos, der darum geschürt wird, ist leider als weitgehend erfunden einzustufen. Auch die menschenunwürdigen Anbaubedingungen wirken im Zusammenhang mit der propagierten „Liebe der Götter“ fast ein wenig zynisch. Ob das der ideale Stoff ist um „sein Herz zu zentrieren“ wie es der Erfinder dieser Zeremonien verspricht bleibt mehr als fraglich.

Wer sich übrigens über die moderne Mexika („aztekische“) Tradition informieren möchte, dem sei dieses Interview mit einem modernen Mexika Paganen empfohlen:

Auf den Spuren der Azteken – Moderner Mexica Rekonstruktionismus