Archiv für März 2017

Editorial

Samstag, 25. März 2017

Well met, alle zusammen!

Wunderschöner Sonnenschein, wie es sich für den Frühling gehört … zumindestens heute mal und das sollte mensch genießen! Gerade wenn die sonstigen Nachrichten eher bewölkt aussehen und die Vorhersagen nicht allzu brilliant …

 

Schnee-weg-Rosen

In unserem heutigen Update gibt es wieder so einiges an mehr als spannendem Lesefutter.

Sati hat einen wunderbaren Reisebericht über ihren „Weg in das House of Netjer“ geschrieben und mit uns geteilt!
Ich hab auf einen ganzen Zuruf reagiert (Danke Irene!) und eine Fortsetzung vom „Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!!“ geschrieben. Für den gilt natürlich ebenfalls – wie für alles, was ich schreibe – wenn jemand Fragen hat oder diskussionswillig ist, dann steht die Kommentarfunktion offen und ich antworte natürlich gerne.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk-Team

Hirn is Trump-fffffffffff oder Wenn schon verfluchen, dann aber richtig!! – Teil II

Samstag, 25. März 2017

Da tatsächlich einer der gaaaanz seltenen Fälle eingetreten ist, dass tatsächlich jemand im Blog nach einer Fortsetzung gefragt hat. Also vielen Dank, fürs Kompliment Irene und speziell für dich ein zweiter Teil!

 

Herz is Trumpf

Ein mittlerweile zwanzig Jahre alter“ Film, „Der Hexenclub“, war lange Zeit (damals leistete ich noch Covenarbeit) einer meiner Lehrfilme, den ich mit den Newbies durchdiskutiert habe. In diesem wird zum Beispiel wunderschön ein Liebeszauber aufgearbeitet. In Kurzfassung: überlege gut, was Du Dir wünschst, es könnte eintreffen.
Sarah, eine der Hauptprotagonistinnen, webt einen Liebeszauber um Chris, einen Mitschüler, für sich zu gewinnen. Die Beziehung entgleist – Chris bedrängt sie massiv und sie wird ihn nicht mehr los. Nancy, ebenfalls eine der Hauptfiguren, bringt Chris schlussendlich um, indem sie ihn – mittels magischer Beeinflussung – aus dem Fenster springen lässt.

Die Grundsatzfrage, die mich, bezüglich derartiger Magie, immer wieder beschäftigt stelle ich dann ein wenig später – die Frage der Ethik.
Vorerst möchte ich mich ein wenig mit der Genese eines Zaubers beschäftigen, gleich anhand eines derartigen Liebeszaubers. Genauso wie es auch die ,im Film zu Rate gezogene, Hexe den Hexenclub-Teens erklärt.
Bei einem Zauber will ich ein bestimmtes Ergebnis erzielen (sonst wäre die Sache ja auch nie verifizierbar) und von diesem angestrebten Ergebnis hängt ab, wie der Zauber aussehen muss.
Klingt nach „no na ned“, ist aber vielfach schwieriger als es klingt. Eine glückliche Beziehung zu zaubern ist etwas völlig anderes als „diesen Typen will ich haben“ als Motto zu wählen. Wobei ich da noch weit von einer Frage der Ethik entfernt bin, sondern mich rein auf das Sachliche beziehe. Bei einer glücklichen Beziehung ziele ich nicht auf einen bestimmten Menschen sondern auf einen Seinszustand für mich! Ich werde dann jemanden kennen lernen, der es mir ermöglicht eine glückliche Beziehung zu führen.
Diese Formulierung habe ich bewusst gewählt, weil das noch lange nicht heißt, dass auch der andere mit dieser Beziehung glücklich sein muss! Es muss auch nicht sein, dass diese Beziehung Entwicklung für mich ermöglicht. Nichts ist inkludiert, außer dass ich glücklich bin – wie und warum auch immer!
Wenn Magie wirkt, dann wirkt sie auch. Damit sitze ich dann in dieser Beziehung fest … zumindest bis ich eindeutig mehr Kraft investiere um mich daraus wieder zu lösen also ich verwendet habe um sie zu bekommen. Und wenn die Energie, die ich für den Zauber verwendet habe erschöpft ist, wird sich die Verbindung von selber auflösen. Auch etwas das gerne vergessen wird. Ein gewirkter Zauber hat ein Ablaufdatum und so lang er dauert, dauert er auch.
Wenn ich genau diesen Menschen mit Magie für mich entflamme, dann muss mir klar sein (eben wie im Film), dass ich den/die dann auch bis zum Ablaufdatum nicht mehr los werde. Wenn ich die glückliche Beziehung inkludiere, werde ich um Ecken mehr Energie aufwenden müssen – und ob sich das machen lässt ist wieder ein anderes Thema, das ich noch vor der Ethikfrage in Angriff nehme.

Hat der Zauber funktioniert, dann erhebt sich nur noch die Frage nach dem Preis. Im besten Fall steht auf dem Rechnungszettel der Posten „Ich bin mir im Klaren, dass ich einen anderen Menschen durch Magie in die Lage gebracht habe mich zu lieben“. Selbst wenn alles zu 100% so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, bleibt immer noch der Zweifel, ob mein Partner nicht nur wegen meines magischen Wirkens mein Partner ist oder ob wirklich ich als Person gemeint bin … Wie kann ich mir da sicher sein? Wäre mir das egal?
Es muss also nicht so überzogen sein, wie im Film – aber alles hat seinen Preis.


Wo kommt die Energie denn überhaupt her?

Als kurzen Einschub möchte ich noch die Frage nach dem Treibstoff eines Zaubers einwerfen. Wo kommt die denn eigentlich her?
Einfache Antwort: im Normalfall aus oder durch einen selber!

Aus einem selber ist natürlich eher eine begrenzte Ressource – wie das Beispiel vom „Cone of Power“ schön zeigt. Natürlich kann ich auch Fremdenergie durch mich durch leiten. Dazu muss ich aber geübt sein, sowohl im „Anzapfen“ (weil ich ja wissen muss wo und wie) als auch im „Kanalisieren“. Opfer sind natürlich auch eine Möglichkeit an ein Energiereservoir zu kommen. Wie funktioniert denn das?
Generell geht es, meiner Ansicht nach, um Lebenskraft (Chi, Vitalkraft, Od, Prana oder wie auch immer mensch sie nennen will). Dabei möchte ich aber betonen, dass ich diese Lebenskraft nicht als spezifisch menschlich, sondern als universal ansehe (weshalb auch Opfer durchaus funktionieren können).

Ein Beispiel, gefällig?
Ob der Treibstoff aus Erdöl, Pflanzenöl, Wasserstoff oder Sonnenenergie hergestellt wird – je nach Motor wird unterschiedlicher Treibstoff benötigt und dann bringt mich mein Fahrzeug in die Richtung in die ich möchte. Ob ich das Ziel auch erreiche, das liegt an der zu fahrenden Strecke, der Reichweite meines Treibstoffs und meinem Fahrstil. Ich glaube, dass dieses Beispiel am besten verdeutlicht, wo die Problemquellen auch beim Zaubern liegen.


Und nun zur Ethik

Damit wären wir wieder zurück beim „Hexenclub“ … hier ein paar (durchaus berechtigte, wie ich finde) Kommentare aus Wikipedia

„Wenn er doch nur wirklich böse wäre. Bei allem Horror und bei der anständigen Unterhaltung stört – neben der Hauptdarstellerin –, dass Der Hexenclub brav und moralisch ist.“
Günter H. Jekubzik auf filmtabs.de
„Es zeigefingert ganz kräftig in diesem Film, und so wirkt Der Hexenclub trotz ausgeklügelten Produktionsdesigns, spektakulärer Genreeffekte und treffsicheren Soundtracks eher wie die professionell bebilderte Broschüre eines Landesbeauftragten für Sektenfragen.“
Martin Schwickert auf ultimo online
Ethik ist für mich nicht gleichbedeutend mit Moral. Der Zeigefinger ist also für mich ein Zeigefinger und kein „DuDu“-Finger, der mir meine Verfehlungen um die Ohren haut. Der Film wirkt in großen Passagen moralisierend , das würde ich durchaus unterschreiben. Obwohl wohl jede Parabel auf die eine oder andere Art moralisiert … und niemand hat behauptet, dass dieser Film etwas anderes wäre.

Mir persönlich geht es um Ursache und Wirkung – Karma wie ich es verstehe. Wenn ich zaubere und damit einen anderen seines freien Willens beraube, dann wird mir (wohlgemerkt mir persönlich) auf Dauer kein Glück bringen, weil ich (ich ganz persönlich) es nicht richtig finde, jemanden zu meinem Vorteil so zu steuern. Wenn jemand damit wirklich d´accord wäre, dann hätte er  auch kein Problem damit und auch kaum mit negativen Folgen seines Handelns zu tun. Deshalb ist auch der Schluss – eine Nancy die im Irrenhaus für ihre Untaten büßt – für mich eher der Moralecke zuzuordnen. Abgesehen davon, dass Sarah für den Rest ihres Lebens damit leben wird, zu wissen, welche Panik Rochelle und Bonnie ihr gegenüber empfinden – was natürlich im Skript nicht mehr vorkommt …

Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer – Teil 1

Samstag, 25. März 2017

Um das „House of Netjer“, einem der größten kemetischen Tempel der Welt, unter der Leitung von Rev. Tamara L. Siuda und die moderne Tradition der „Kemetic Orthodoxy“ ranken sich viele Gerüchte. Sie reichen vom Vorwurf des dunklen Sektentums, über Machtmißbrauchvorwürfe, bis hin zu dubiosen magischen Praktiken, die angeblich von den Mitgliedern durchgeführt werden.

Da ich mich Anfang diesen Jahres entschlossen habe, mich dem Aufnahmeverfahren in das House of Netjer zu unterziehen, möchte ich im Folgenden schildern, wie genau das abläuft, wie die Glaubensinhalte aussehen, wie sich die Gemeinschaft zusammensetzt und wie meine persönlichen Eindrücke auf dem Weg zum „Remetj“, also zum Mitglied des House of Netjer, waren.


Hauptschrein im House of Netjer

Gründung und Glaubensinhalte

Das House of Netjer wurde in den späten 80ern von Rev. Tamara L. Siuda in Chicago, Illinois gegründet. Tamara (47) ist Ägyptologin und Koptologin, Autorin und war schon in einigen BBC Sendungen über das Alte Ägypten zu sehen. Die Kemetische Orthodoxie versteht sich als rekonstruktionistische Religion, die an den authentischen Glauben und die Riten der Alten Ägypter anknüpft. „Kemetic“ stammt von der mittelägyptischen Bezeichnung „Kemet“ für das Alte Ägypten und „Orthodoxy“ bezieht sich im eigentlichen Sinne des Wortes Orthodoxie auf das Bestreben die Tradition so authentisch wie möglich zu erhalten.

Die Kemetische Orthodoxie ist den traditionellen afrikanischen Religionen nicht unähnlich (wie den westafrikanischen Religionen der Yoruba-, Akan-, Kongo- und Dahomeyan-Völker und den afro-karibischen Praktiken von Vodou, Candomble und Lukumi ) sowie spirituellen Praktiken aus dem nordöstlichen Afrika und dem Alten Orient. Die Tatsache, dass Rev. Tamara Siuda seit mehr als 15 Jahren auch initiierte Mambo im Haitianischen Vodou ist („Mambo T“ oder „Mambo Chita Tann“), ist daher nicht verwunderlich.


Rev. Tamara L. Siuda

Bewerbung für die Aufnahme in das House of Netjer

Die Bewerbung für den sog. „Beginner’s course“ erfolgt über ein Online-Formular. Hier beantwortet man neben einigen personenbezogenen Daten, Fragen zum religiösen bzw. spirituellen Hintergrund, Beweggründe der Bewerbung, und es wird auch gleich gefragt, ob man bereit ist einer hierarchisch strukturierten, konservativ organisierten Tradition mit festgeschriebenen Abläufen zu folgen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass man als Basismitglied, also als Remetj, nicht verpflichtet ist irgendeiner anderen Religion zu entsagen. Die Aufnahme in das House of Netjer stellt kein Glaubensbekenntnis dar, sondern lediglich die Aufnahme in eine religiöse Gemeinschaft. Die Konvertierung wird nur dann relevant, wenn man eine priesterliche Laufbahn anstrebt.

Auch verpflichtet man sich zur uneingeschränkten Toleranz gegenüber Andersgläubigen, Menschen aller Geschlechter, jedweder sexueller Orientierung, unabhängig von ethnischem Hintergrund, sowie körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Das House of Netjer positioniert sich eindeutig als anti-diskriminierend und erwartet selbiges auch von den Mitgliedern.

Online-Kurs

Der kostenlose Kurs ist in 10 „Lessons“ gegliedert beginnend mit der Lesson 0 und endend mit der Lesson 9. Man erhält diese per Email und je nach Umfang kommen ca. alle 7-14 Tage entsprechende Mails. Zu jedem der einzelnen Unterrichtseinheiten gibt es ein Quiz bestehend aus ca. 10 Fragen die als Lernkontrolle dienen. Die Fragen sendet man zurück an die betreuende Priesterin, die sie überprüft und ggf. mit erklärenden Kommentaren zurücksendet. Der Arbeitsaufwand dafür liegt bei ca. 30 Minuten bis einer Stunde pro Unterrichtseinheit.

Zu jeder Unterrichtseinheit gibt es jeweils einen wöchentlichen Chat unter der Leitung der zuständigen Priesterin in der nochmal auf das aktuelle Lernthema eingegangen wird und Fragen gestellt werden können. Einige Lessons enthalten praktische Aufgaben, wie Rituale oder magische Handlungen, die durchgeführt werden sollen und anschließend diskutiert werden, wie zB. die Einrichtung eines Schreins oder Rituale zur Kontaktaufnahme mit den Göttern. Jeder Chatlog wird anschließend an alle Teilnehmer des Kurses versendet, so dass man nichts verpasst, wenn man an diesem nicht teilnehmen konnte. Zum Schluss des Kurses hin erscheint auch Rev. Tamara L. Siuda selbst im Chat, so dass man sich mit ihr persönlich unterhalten kann.

In den Unterrichtsdokumenten erfährt man die Grundlagen der Religion, die Organisationstruktur des House of Netjer mit den einzelnen Priestergraden, Wissenswertes über die Funktion der sog. „Nisut“, also das religiöse Oberhaupt der Kemetischen Orthodoxie, die kemetische Kosmologie, die magische Praxis (die für jeden, also auch nicht-priesterliche Kemeten, zugänglich ist), Ritualanleitungen für Standardrituale und Gebete. Dabei wird auch immer wieder auf mögliche Fragen und Mißverstänndisse eingegangen, die in diesem Zusammenhang häufiger auftauchen. Großen Wert wird darauf gelegt, die Inhalte so transparant wie möglich darzustellen und auch immer wieder darauf hinzuweisen, dass wirklich keinerlei Zwang oder Indoktrination beabsichtigt wird, sondern stets die absolute Freiwilligkeit gewährleistet bleibt.

Den Kurs kann man auch zu reinen Informationszwecken durchlaufen ohne hinterher Remetj zu werden. Dabei kann man sich die Lessons einfach regelmäßig zusenden lassen und ist nicht verpflichtet weitere Aktivitäten zu unternehmen.

Betreuung

Die House of Netjer Foren stehen einem jederzeit zur Verfügung, egal ob Mitglied, Anwärter oder auch einfach nur Interessierter. Während des Kurses erhält man außerdem Zugang zu speziellen Forenbereichen, die für die Kursschüler bereitsgestellt werden um wiederrum Fragen anbringen oder persönliche Anliegen diskutieren zu können. Auch hier sind wiederrum jederzeit Priester und Priesterinnen verfügbar die stets schnell, freundlich, fürsorglich und kompetent auf Fragen eingehen. Gerade auch in misslichen Lebenslagen, kann man sogar um priesterliche Intervention bitten und um Fürbitten oder Segen ersuchen.

House of Netjer Forum

Jedes Email enthält den Hinweis, dass Priester jederzeit und rund um die Uhr persönlich kontaktiert werden können, was wirklich größten Respekt verdient, denn es handelt sich hier um eine rein ehrenamtliche Tätigkeit von Menschen die ein ganz normales bürgerliches Leben mit Job und Familie führen und die religiöse Arbeit zusätzlich in ihrer Freizeit verrichten.

Auch ein hauseigenes Wiki gibt es, so dass man sich jederzeit selbständig über verschiedene Dinge der Kemetischen Orthodoxie informieren kann. Inzwischen steht auch ein großer Teil der Informationen auf Deutsch, Französisch, Spanisch oder Portugiesisch zur Verfügung. Englischkenntnisse sind aber dennoch erforderlich, da der Großteil der Kommunikation immer noch auf Englisch stattfindet.

(Ende Teil 1)

Fotos: Wikimedia Commons, Google Street View

Editorial

Samstag, 18. März 2017

Well met, alle zusammen!

Das Wochenende ist da und damit ist auch das schöne Wetter wieder mal auf nächste Woche verschoben … deshalb ein Bild von meinem Hausaltar

 

Fortuna im Frühling

In unserem heutigen Update bringen für den Teil VII von Rays „Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist“ und den ersten Teil eines Mehrteilers, den uns Magister Botanicus fürs WurzelWerk dankenswerter Weise gespendet hat. Vielen Dank, MagBot!! NATuQuTAN, ein wissenschaftlich-universitärer Blick auf das, was wir oft „FeinStoffliches“ nennen.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare und vielleicht sogar wieder einmal Gedanken aus Eurer Welt, die wir dann mit allen WurzelWerk-Lesern teilen können.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

NATuQuTAN – Teil I, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 18. März 2017

Einleitung

Der Versuch, Magie und Naturwissenschaft über den Ansatz einer metronisch quantisierten Feldtheorie und den String- bzw. Brane-Theoremen miteinander zu verknüpfen, wird einigen Naturwissenschaftlern als blanker Unsinn erscheinen, denn an der Universität hat man ihnen beigebracht, dass das, was nicht sein darf, auch nicht sein kann.

Ihnen stehen ebenso viele Gele(e)hrte der „anderen“ Fakultät gegenüber – und ihnen in nichts nach – denn es gibt ebenso viele Menschen, die sich mit Magie und/oder Naturreligionen beschäftigen, die von Naturwissenschaften im Allgemeinen nicht die Bohne verstehen und im Besonderen von Biologie, Chemie oder etwa Physik nichts wissen wollen.

Warum das so ist, kann ich nur mutmaßen, aber die Befürchtung liegt nahe, dass es sich bei diesen Extremhaltungen nicht nur um die natürliche Ignoranz von Fach­idioten handeln kann. Nein, der Grund für diese ablehnende Haltung liegt wohl tiefer, denn eine Haltung haben die Verfechter dieser kurz angerissenen – und ge­wissulent überzogenen – Weltbilder gemeinsam:

Ihr arrogantes Auftreten und der Glaube an die Gültigkeit von unveränderlichen Dogmen, welche hinter dieser Weltsicht steht. Weiterhin nennen sie ein gerüttelt Maß an blindem Fa­natismus ihr eigen – vor allem der eigenen Idee gegenüber, das genau ihr Weltbild eine ultima­tive Gültigkeit habe. Und da ist natürlich kein Platz für eine Koexistenz oder die Diskussion gegensätzlicher Standpunkte.

Glaubt hier der eine Extremist fest an sein rein magisches Weltbild, nur weil er Angst hat, dass bestimmte physikalische Modelle nicht zu seinem Glauben passen – und ihm quasi damit auch noch die Arbeitsgrundlage entzogen würde?

Keine Bange, der andere Extremist hat die gleichen Ängste bezüglich der Konse­quenzen, zöge man die Existenz von Magie auch nur in Erwägung – nur eben dia­metral entgegengesetzt. Und nicht nur mit der Tatsache, dass durch eine Aner­kennung, dass es Magie gäbe, viele der alltäglichen Handlungen in Frage zu stellen wären; sondern auch wegen der religiösen Konsequenzen, die sich aus einem naturwissenschaftlich-magischen Modell von selbst ergäben.

Letztlich sind beide hier beschriebenen Sub-Spezies des Homo sapiens gleich ängst­lich und stets darauf bedacht, sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegen­heit gegenseitig in die Pfanne zu hauen, indem jeder das Weltbild des Anderen be­harrlich ableugnet und sein eigenes – s.o. – als das einzig Richtige ins Rampenlicht stellt…

Um es gleich zu sagen: die in diesem Essay entworfenen theoretischen Vorstellungen haben nichts mit solchem Fanatismus oder Dogmen zu tun!

Ich will mit dieser Arbeit den Versuch unternehmen, ein Modell dieser Welt zu be­schreiben, in welchem magische, energetische und spirituelle Phänomene gleich­berechtigt auftreten können ohne sich gegenseitig auszuschließen – und sich manchmal sogar einander bedingen. Ich möchte mit diesem Werk ein Bild der Welt entwerfen, welches einen Kontext zwischen allen Dis­ziplinen des Lernens herstellen kann – ob Geistes- oder Naturwissenschaften, ob Magie oder Naturreligionen – und dabei so offen ist, dass immer ein Platz ist, für ein sowohl – als auch.

Ich habe mir deshalb Mühe gegeben, dass dies kein Essay für eine – in welchem Fachgebiet auch immer angesiedelte – Elite sein soll. Dafür habe ich die Erklärungen der naturwissenschaftlichen und metaphysisch-magischen Sachverhalte so gewählt, dass sie auch ein Laie nachvollziehen kann.

Wer sich auf seinem Fachgebiet auskennt und dem die Leserei der Grundlagen zu langweilig wird, der möge diese Kapitel überspringen und gleich in die Vollen gehen.

Es ist mir einigermaßen schwer gefallen, Prioritäten zu setzen, mit welchem Thema ich beginnen soll und wie ich das Ganze so aufbaue, dass die Darstellungen ei­ner­seits gedanklich nachvollziehbar und andererseits nicht nur langweiliger Theoriekram sind.

Wegen der trockenen Theorie kam ich auf die Idee, manche Sachverhalte durch Cartoons zu beschreiben; ich bin mir sicher dass es eine kosmische Humorformel gibt und wir über uns als Spezies, welche auf einem winzigen Staubkorn durch das Universum rast, viel zu wenig lachen.

Ich habe mit den physikalischen Grundlagen begonnen, damit der interessierte, aber natur­wissenschaftliche Laie weiß, wovon Physiker sprechen, wenn sie mal etwas anderes als nur Formeln von sich geben. Und damit ein Physiker sieht, dass ich mei­nen Einstein nicht nur ge­lesen, sondern auch verstanden habe … was nicht sonderlich schwer war, da ich mit magischen Parallelmodellen zu arbeiten gewöhnt bin.

Warum ich danach die parapsychischen Phänomene gesondert anspreche und von den magischen Grundlagen getrennt habe, hat etwas mit Akzeptanz zu tun. Namentlich damit, dass die – zu­mindest phänomenologische – Akzeptanz der Para­psychologie von Seiten der Meister magischer Disziplinen her ähnlich groß zu sein scheint, wie von der Seite mancher Gelehrten der Na­turwissenschaften. Wer einer Natur­religion angehört, weiß sowieso, dass diese Dinge existie­ren, insofern ist hier die Akzeptanz gegeben.

Und wenn etwas wie eben die parapsychischen oder paranormalen Phänomene – zwar mit Widerwillen, aber dennoch als möglich – akzeptiert werden, dann möchte ich diesen Zustand nutzen; z.B. wie energetische Phänomene und psychische Phä­nomene zu­sammenhängen oder aufeinander einwirken können.

Die magischen Grundlagen habe ich wiederum aus den gleichen Gründen auf­geführt, wie die physikalischen. Nur eben hier im umgekehrten Sinne, damit die magischen Spezialisten unter meinen Lesern sehen, dass ich mein 5. Arkanum; äh, das 7.?, oder war’s Aleister Crowley??? – na, was soll’s, jedenfalls damit klar ist, dass ich auch da meine Hausaufgaben gemacht habe.

Ach ja, natürlich braucht kein Leser eine abgeschlossene Ausbildung in einer magischen oder naturwissenschaftlichen Disziplin, noch muss er einer Naturreligion angehören. Um dem Text gedanklich zu folgen, lassen Sie sich einfach erst einmal auf die beschriebenen Überlegungen ein – und denken Sie daran – nichts ist so, wie wir glauben, dass es ist…

Ende Teil I