Archiv für den 11. März 2017

Editorial

Samstag, 11. März 2017

Well met, alle zusammen!

Heute darf ich ein wunderschönes Bild von Kris, der auf Anglesey zu Hause ist, mit Euch teilen. Bei dem mieselsüchtigen Wetter und dem mieselsüchtigen Weltgeschehen grad richtig, finde ich …

In unserem heutigen Update findet Ihr eine der selten gewordenen Artikelneuigkeiten in der WeiberCraft. Wie ich schon vor langer Zeit einmal angesprochen hatte, verstehe ich es nicht ganz, weil mir (obwohl ich nicht danach suche!) doch so einige Frauenblogs vors Auge kommen. Kann doch nicht sein, dass sich niemand davon mit Spiritualität auseinander setzt?! Oder liegt es nur daran, dass das WurzelWerk zu wenig bekannt ist, als Plattform?
Diesmal auf jeden Fall, mein herzlicher Dank an Yvonne, die mir ihren Mehrteiler „Die dreifache Göttin“ zur Übersetzung überlassen hat.
Unser zweiter Artikel stammt aus der Feder von Beate Helene, „Mein Murmelgleichnis  zum Thema Seelenverlust„. Ein Thema über das vielerorts gesprochen wird und für das es viele Bilder gibt – dieses hier ist ein sehr klares … vielen Dank dafür!

Wie immer ist es nicht verboten einen Kommentar zu hinterlassen, sondern ganz im Gegenteil, mehr als erwünscht (auch wenn die Gelegenheit zur Diskussion von nur sehr wenigen genutzt wird!)
Wie wünschen Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Gedanken oder Artikel aus Euerer Feder.
Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Die dreifache Göttin – Teil I, geschrieben von Yvonne, übersetzt von Anufa

Samstag, 11. März 2017

Janet Stewart (Witches Way)

Die meisten Leute werden wohl, wenn die „Dreifache Göttin“ erwähnt wird, an „Maiden, Mother und Crone“, die Archetypen „Mädchen, Mutter und alte Frau“ denken. Diese Archetypen können jedoch sehr beschränkend sein und es gibt viele andere dreifache Göttinnen, die es sich lohnt zu erforschen: Göttinnen des Landes und der Landesherrschaft, Göttinnen mit vielfältigen Fähigkeiten und Rollenmodellen, Göttinnen, als eigenständige Frauen, nicht Rollenmodelle im Bezug zu einem Mann.

Warum der „Maiden, Mother, Crone“ Archetyp nicht hilfreich ist

Ich empfinde diesen Archetypen aus mehreren Gründen als nicht hilfreich. Einer davon ist, dass er essentialitisch ist. Im grundlegendsten Sinn bezieht es sich auf die Jungfrau, eine Frau, die geboren hat und die Frau nach der Menopause. Ja, biologisch betrachtet ist das wichtig, weil es das ist, wie wir uns verkörpern aber Kultur, Persönlichkeit, Kreativität und Temperament sind ebenfalls wichtig.
Dieses biologisch essentielle Modell schließt Trans-Frauen aus, Frauen die niemals Kinder geboren haben und Frauen, die sich nicht als den mütterliche Typ bezeichnen würden. Es kann für Frauen grundlegend verstörend sein, wenn sie keine Kinder bekommen können oder für diejenigen, die abgetrieben haben. Ich habe einmal eine Veranstaltung besucht, in der zwei ziemlich bekannte Heidinnen auf der (umgemein irrigen) Vorstellung herum ritten, dass „man keine richtige Frau wäre, wenn man keine Kinder geboren hätte“. Das hat zwei Frauen wirklich beleidigt und mich verärgert. Ja, viele Frauen werden Mutter und das ist eine wunderschöne Sache aber das ist nicht der einzige Archetyp, der für erwachsene Frauen zur Verfügung steht.
Auch sind die Leute vom Archetyp der Jungfrau verwirrt. Manche sehen die Interpretation des Mädchens oder der Jungfrau als sexuell unabhängige Frau (nicht die einer Frau, deren Hymen noch intakt ist) an. Für Feministinnen ist die Idee einer sexuell unabhängigen Frau eine wesentlich stärkendere  Idee als die einer Frau, mit intaktem Hymen. Die Idee, dass eine Frau ihrem Vater „gehört“ und von ihm ihrem Ehemann „übergeben“ wird, ist zutiefst patriarchal und unterdrückerisch und hat im Heidentum keinen Platz – es tut mir leid (es tut mir nicht leid), dass ich hier dogmatisch bin, aber das glaube ich wirklich. Die Vorstellung, dass eine Jungfrau eine Frau ist, in die noch kein Penis eingedrungen ist, ist hoffnungslos patriarchal und überbetont Penetrationssex.

Die Vorstellung, dass eine sexuell aktive Frau auch gleichzeitig Mutter sein muss, erscheint mir ebenfalls patriarchal. Das legt nahe, dass die letztendliche Rolle der erwachsenen Frau die Mutterschaft wäre und dass jegliche sexuelle Aktivität zur Mutterschaft führt. Einige Leute haben konstatiert, dass „Maiden, Mother, Crone“ matriarchal wäre, aber ich will genauso wenig in einem Matriarchat leben, wie in einem Patriarchat. Die Idee eines Matriarchats ist gender-essentialistisch und für diejenigen potentiell unterdrückerisch, die in das binäre Geschlechtermodell nicht hinein passen.
Die alte Frau ist vielleicht ein wenig stärkender weil es die Beschäftigung mit dem Tod beinhaltet und auch die Weisheit des Alters begrüßt. Warum aber muss die Linie zwischen Mutter und alter Frau die Menopause sein? Das schließt wieder Trans-Frauen aus, auch genderqueere Frauen und so weiter – und wieder ist das biologisch essentialistisch. Nur um sicher zu gehen: Die Menopause kann für viele Frauen eine tiefgreifende und kraftvolle Erfahrung sein und das ist wunderbar; wir sind aber mehr als nur Biologie.

Die Idee von Jungfrau, Mutter, alter Frau lässt einfach viele andere Archetypen aus – wie die Priesterin, die Hexe (Schwarzmond), die Kriegerin, die Dichterin, die Architektin, die Schreiberin und viele, viele andere.

Wie Mary Jones aufzeigt, sind die Attribute, die „Maiden, Mother, Crone“ zugeschrieben werden selber schon limitierend. Warum wird nur die Alte als die Verkörperung von Weisheit angesehen? Warum wird nur die Jungfrau als Muse angesehen? Warum kann sie nicht selbst Lyrik und Kunst aus sich heraus erschaffen anstatt herum zu hängen und darauf zu warten, einen Mann mit ihrer Schönheit zu inspirieren? Können Frauen in ihrer Jugend nicht auch weise, inspiriert und kreativ sein?
Sogar Robert Graves, der mehr oder weniger den Archetypus „Maiden/Mother/Crone“ erfunden hat, beschrieb die dreifache Göttin anders. Als Mutter/Braut/Leichenfrau und Mädchen/Nymphe/Hexe. Graves scheint diese Rollen noch immer in Bezug auf einen Mann gesehen zu haben, aber zumindest sind es andere Archetypen.
John Halstead entdeckte, dass Sigmund Freud über eine dreifache Göttin der Geburt, der Liebe und des Todes geschrieben hatte und diese mit den Schicksalsgöttinnen, den Jahreszeiten, der dreifachen Artemis-Hecate und Mutter Erde, die die Toten aufnimmt, vergesellschaftet.

Ende Teil I

Mein Murmelgleichnis  zum Thema Seelenverlust – oder warum es wichtig ist, seine Murmeln beisammen zu haben, geschrieben von Beate Helene Reither

Samstag, 11. März 2017

Es mag vielleicht etwas humorvoll anmuten, wie ich meine Sichtweise des Themas „Seelenverlust“ schildere, aber dieser Vergleich beschreibt meine Sicht der Dinge ziemlich treffend.
Da ich mich in letzter Zeit immer wieder mit unterschiedlichen Definitionen dieses, in schamanischem Kontext oft verwendeten Begriffes, konfrontiert sah – von denen mich einige ziemlich schockierten – möchte ich nun diesen bildhaften Vergleich meiner persönlichen Meinung zum Besten geben.

Nehmen wir einmal die Seele als Menschen an. Ein Mensch ist im Prinzip normalerweise und von Natur aus unzerteilbar. So betrachte ich auch die Seele, als unzerteilbare Einheit.

Dieser Mensch trägt immer ein Beutelchen mit Murmeln bei sich, nehmen wir an, das sind seine Seelenanteile. Sie gehören ihm, haben eine einzigartige Farbe, ein bestimmtes Gewicht, eine bestimmte Größe. Niemand sonst hat genau die gleichen Murmeln wie er.

Begegnet dieser Mensch einem anderen Menschen, so kann es sein, dass die beiden miteinander spielen wollen. Sie packen ihre Murmeln aus, bewundern oder kritisieren sie, lassen sie zusammen prallen und und und… manchmal ist es ein gutes, faires Spiel und man spielt gerne öfters miteinander, manchmal kann man sich nicht einigen, manchmal betrügt man einander, manchmal beginnt man zu streiten – wie das beim Spielen eben so vorkommt.

Manchmal mag es passieren, dass der Mensch eine Murmel verliert, weil er auf dem Weg stolpert, sein Beutelchen aufplatzt oder eine Murmel durch die Erschütterung heraus springt. Im besten Falle merkt er dies relativ bald, nachdem er wieder aufgestanden ist, entweder weil er die Anzahl gleich überprüft, er die Murmel wegspringen sah, oder weil das Gewicht des Beutelchens nicht mehr stimmt.
Dann wird dieser Mensch seine nächste Umgebung genau absuchen, unter jedes Grasbüschel schauen, bis er seine fehlende Murmel wieder gefunden hat. Ist er bereits weiter gegangen, bemerkt er möglicherweise erst beim nächsten Murmelspiel mit einem anderen die fehlende Murmel, weil er seinem Mitspieler gegenüber plötzlich im Nachteil ist. Dann gilt es sich zu erinnern, wo er diese Murmel verloren haben könnte, sich zu erinnern an Zeit und Ort, und wieder dahin zurückzukehren und seine Murmel einzusammeln.

Manchmal passiert es, dass ein Mitspieler einfach eine Murmel mitnimmt, weil sie ihm besser gefällt als die eigene.
Manchmal passiert es auch, dass man Murmeln bewusst oder unbewusst vertauscht, vor allem, wenn es ein chaotisches Spiel ist, in dem beide Spieler ihre Murmeln schlecht voneinander unterscheiden können, weil sie sie schon länger nicht genau betrachtet haben.
In diesem Fall vergeht oft mehr Zeit, bis der Mensch aufmerksam wird, dass da in seinem Murmelbeutelchen etwas nicht stimmt. Irgendwie mag sich das Gewicht nicht richtig anfühlen, vielleicht ist das Beutelchen plötzlich schwerer oder leichter, als er es kennt. Schwierig ist es auch, wenn er nur flüchtig zählt, aber die Anzahl der Murmeln korrekt ist. Da heißt es dann, sich jede einzelne Murmel genau anzusehen und nachzuschauen, welche nicht dazu passt. Wodurch auch immer sie sich von den eigenen Murmeln unterscheidet – Gewicht ? Farbe? Größe? – Nimmt der Mensch jede Murmel in seine Hand, erkennt er den Unterschied durch genaue Beobachtung und durch das Erfühlen des Gewichtes oder der Größe. Das braucht natürlich etwas Zeit, aber weil der Mensch wieder gute Chancen beim Spielen haben möchte, ist es ihm wert, darauf Zeit zu verwenden.

Früher oder später findet er die fremde Murmel und dann heißt es sich zu erinnern, wer solche Murmeln hatte. Manchmal besucht der Mensch dann seine letzten Spielgefährten und bittet sie, ihm ihre Murmeln noch einmal zu zeigen. Meist ist der andere Mensch, der die Murmel genommen hat auch sehr erleichtert, dass er sie wieder gegen seine eigene Murmel tauschen kann, da – auch wenn die fremde Murmel vielleicht ästhetischer ist – sie trotzdem sein Spiel stört, weil er damit immer anders spielen muss, als mit seinen gewohnten Murmeln. Im Endeffekt hat er dadurch auch schlechtere Chancen. Manchmal braucht es erst klärende Worte und längere Verhandlungen. Sie sprechen miteinander so lange, bis ein Mensch versteht, was der andere sagt. Meist geschieht der Rücktausch in dieser Erkenntnis und Versöhnung. Beide Menschen verstehen dann, dass sie mit ihren eigenen Murmeln am erfolgreichsten spielen können und testen dies ein paar Mal, ob es wirklich stimmt. Wenn sie wieder Spaß und Erfolg dadurch beim Spielen haben, können auch die Wehmut und der Neid vergehen, die vorher vielleicht bestanden haben.

Im Laufe des Lebens und der vielen Spiele, die man spielt, kann es passieren, einmal die eine oder andere Murmel zu verlieren. Nicht die strikte Vermeidung des Verlustes ist anzustreben, denn es kann trotz gebotener Achtsamkeit passieren. Man will ja auch nicht sein ganzes Leben mit Murmelsuchen verbringen.
Wichtig ist nach der Erkenntnis, dass mir etwas fehlt, auf die Suche danach zu gehen und die Murmel wieder zurück zu holen. Mit Gewalt ist dies nicht möglich, denn da verliert man möglicherweise sogar noch mehr Murmeln, wenn das Beutelchen zerreißt. Wohl aber liegt es in der Natur der Seele, sich zu vertragen und miteinander zu kommunizieren. Wenn man einander respektvoll begegnet. Wenn man sich Zeit nimmt für die Geschichte, die damit verbunden ist. Wenn man hört, was gemeint ist und nicht, was man verstehen will.
Wenn man in Beziehung geht, ist das Zurückholen kein Problem mehr, jedoch kann es meiner Meinung nach immer nur von dem Menschen – von der Seele selbst vollzogen werden, damit es wahrhaftig und selbst erfahren ist.

Meine Inspiration zum Murmelgleichnis: Die Geschichte von Peter Pan lehrt schon in ihrer einfachen und liebenswerten Art und Weise, dass es wichtig ist, seine Murmeln beinander zu haben. Ihr erinnert euch vielleicht an den alten Onkel Tootles in der Verfilmung mit Robin Williams, der seine Murmeln nicht mehr beisammen hatte und sich dadurch nicht mehr erinnern konnte, wie das Fliegen geht.

So wünsche ich uns allen ein spannendes Weiterspielen,
Eure Beate Helene