Archiv für den 18. März 2017

Editorial

Samstag, 18. März 2017

Well met, alle zusammen!

Das Wochenende ist da und damit ist auch das schöne Wetter wieder mal auf nächste Woche verschoben … deshalb ein Bild von meinem Hausaltar

 

Fortuna im Frühling

In unserem heutigen Update bringen für den Teil VII von Rays „Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist“ und den ersten Teil eines Mehrteilers, den uns Magister Botanicus fürs WurzelWerk dankenswerter Weise gespendet hat. Vielen Dank, MagBot!! NATuQuTAN, ein wissenschaftlich-universitärer Blick auf das, was wir oft „FeinStoffliches“ nennen.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare und vielleicht sogar wieder einmal Gedanken aus Eurer Welt, die wir dann mit allen WurzelWerk-Lesern teilen können.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

NATuQuTAN – Teil I, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 18. März 2017

Einleitung

Der Versuch, Magie und Naturwissenschaft über den Ansatz einer metronisch quantisierten Feldtheorie und den String- bzw. Brane-Theoremen miteinander zu verknüpfen, wird einigen Naturwissenschaftlern als blanker Unsinn erscheinen, denn an der Universität hat man ihnen beigebracht, dass das, was nicht sein darf, auch nicht sein kann.

Ihnen stehen ebenso viele Gele(e)hrte der „anderen“ Fakultät gegenüber – und ihnen in nichts nach – denn es gibt ebenso viele Menschen, die sich mit Magie und/oder Naturreligionen beschäftigen, die von Naturwissenschaften im Allgemeinen nicht die Bohne verstehen und im Besonderen von Biologie, Chemie oder etwa Physik nichts wissen wollen.

Warum das so ist, kann ich nur mutmaßen, aber die Befürchtung liegt nahe, dass es sich bei diesen Extremhaltungen nicht nur um die natürliche Ignoranz von Fach­idioten handeln kann. Nein, der Grund für diese ablehnende Haltung liegt wohl tiefer, denn eine Haltung haben die Verfechter dieser kurz angerissenen – und ge­wissulent überzogenen – Weltbilder gemeinsam:

Ihr arrogantes Auftreten und der Glaube an die Gültigkeit von unveränderlichen Dogmen, welche hinter dieser Weltsicht steht. Weiterhin nennen sie ein gerüttelt Maß an blindem Fa­natismus ihr eigen – vor allem der eigenen Idee gegenüber, das genau ihr Weltbild eine ultima­tive Gültigkeit habe. Und da ist natürlich kein Platz für eine Koexistenz oder die Diskussion gegensätzlicher Standpunkte.

Glaubt hier der eine Extremist fest an sein rein magisches Weltbild, nur weil er Angst hat, dass bestimmte physikalische Modelle nicht zu seinem Glauben passen – und ihm quasi damit auch noch die Arbeitsgrundlage entzogen würde?

Keine Bange, der andere Extremist hat die gleichen Ängste bezüglich der Konse­quenzen, zöge man die Existenz von Magie auch nur in Erwägung – nur eben dia­metral entgegengesetzt. Und nicht nur mit der Tatsache, dass durch eine Aner­kennung, dass es Magie gäbe, viele der alltäglichen Handlungen in Frage zu stellen wären; sondern auch wegen der religiösen Konsequenzen, die sich aus einem naturwissenschaftlich-magischen Modell von selbst ergäben.

Letztlich sind beide hier beschriebenen Sub-Spezies des Homo sapiens gleich ängst­lich und stets darauf bedacht, sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegen­heit gegenseitig in die Pfanne zu hauen, indem jeder das Weltbild des Anderen be­harrlich ableugnet und sein eigenes – s.o. – als das einzig Richtige ins Rampenlicht stellt…

Um es gleich zu sagen: die in diesem Essay entworfenen theoretischen Vorstellungen haben nichts mit solchem Fanatismus oder Dogmen zu tun!

Ich will mit dieser Arbeit den Versuch unternehmen, ein Modell dieser Welt zu be­schreiben, in welchem magische, energetische und spirituelle Phänomene gleich­berechtigt auftreten können ohne sich gegenseitig auszuschließen – und sich manchmal sogar einander bedingen. Ich möchte mit diesem Werk ein Bild der Welt entwerfen, welches einen Kontext zwischen allen Dis­ziplinen des Lernens herstellen kann – ob Geistes- oder Naturwissenschaften, ob Magie oder Naturreligionen – und dabei so offen ist, dass immer ein Platz ist, für ein sowohl – als auch.

Ich habe mir deshalb Mühe gegeben, dass dies kein Essay für eine – in welchem Fachgebiet auch immer angesiedelte – Elite sein soll. Dafür habe ich die Erklärungen der naturwissenschaftlichen und metaphysisch-magischen Sachverhalte so gewählt, dass sie auch ein Laie nachvollziehen kann.

Wer sich auf seinem Fachgebiet auskennt und dem die Leserei der Grundlagen zu langweilig wird, der möge diese Kapitel überspringen und gleich in die Vollen gehen.

Es ist mir einigermaßen schwer gefallen, Prioritäten zu setzen, mit welchem Thema ich beginnen soll und wie ich das Ganze so aufbaue, dass die Darstellungen ei­ner­seits gedanklich nachvollziehbar und andererseits nicht nur langweiliger Theoriekram sind.

Wegen der trockenen Theorie kam ich auf die Idee, manche Sachverhalte durch Cartoons zu beschreiben; ich bin mir sicher dass es eine kosmische Humorformel gibt und wir über uns als Spezies, welche auf einem winzigen Staubkorn durch das Universum rast, viel zu wenig lachen.

Ich habe mit den physikalischen Grundlagen begonnen, damit der interessierte, aber natur­wissenschaftliche Laie weiß, wovon Physiker sprechen, wenn sie mal etwas anderes als nur Formeln von sich geben. Und damit ein Physiker sieht, dass ich mei­nen Einstein nicht nur ge­lesen, sondern auch verstanden habe … was nicht sonderlich schwer war, da ich mit magischen Parallelmodellen zu arbeiten gewöhnt bin.

Warum ich danach die parapsychischen Phänomene gesondert anspreche und von den magischen Grundlagen getrennt habe, hat etwas mit Akzeptanz zu tun. Namentlich damit, dass die – zu­mindest phänomenologische – Akzeptanz der Para­psychologie von Seiten der Meister magischer Disziplinen her ähnlich groß zu sein scheint, wie von der Seite mancher Gelehrten der Na­turwissenschaften. Wer einer Natur­religion angehört, weiß sowieso, dass diese Dinge existie­ren, insofern ist hier die Akzeptanz gegeben.

Und wenn etwas wie eben die parapsychischen oder paranormalen Phänomene – zwar mit Widerwillen, aber dennoch als möglich – akzeptiert werden, dann möchte ich diesen Zustand nutzen; z.B. wie energetische Phänomene und psychische Phä­nomene zu­sammenhängen oder aufeinander einwirken können.

Die magischen Grundlagen habe ich wiederum aus den gleichen Gründen auf­geführt, wie die physikalischen. Nur eben hier im umgekehrten Sinne, damit die magischen Spezialisten unter meinen Lesern sehen, dass ich mein 5. Arkanum; äh, das 7.?, oder war’s Aleister Crowley??? – na, was soll’s, jedenfalls damit klar ist, dass ich auch da meine Hausaufgaben gemacht habe.

Ach ja, natürlich braucht kein Leser eine abgeschlossene Ausbildung in einer magischen oder naturwissenschaftlichen Disziplin, noch muss er einer Naturreligion angehören. Um dem Text gedanklich zu folgen, lassen Sie sich einfach erst einmal auf die beschriebenen Überlegungen ein – und denken Sie daran – nichts ist so, wie wir glauben, dass es ist…

Ende Teil I

Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist – Teil VIII, geschrieben von Raimund Karl

Samstag, 18. März 2017

Was die HobbychirurgInnen-Metapher über unser Fach verrät

So falsch die Metapher von den HobbychirurgInnen und HobbypolizistInnen auch ist, so viel verrät sie über unser Fach bzw. unsere eigene Einstellung zu diesem.

Zum einen zeigt sie deutlich das auf, was Marianne Pollak beschrieben hat, als sie festgestellt hat, dass

das Fehlen einer theoretischen Diskussion über die Grundlagen der archäologischen Denkmalpflege … auf dem weitgehenden Konsens aller beteiligten Fachleute seit rund zwei Jahrhunderten“ (Pollak

2011, 227) beruhe: die „disziplinierte“ Fachwelt ist sich seit dem Beginn der modernen Denkmalpflege weitgehend einig darüber, was sie will; nämlich uns nicht „aus dem bequemen Areal, in dem [wir] bislang auf dem Gebiet der Archäologie von der Öffentlichkeit völlig ungestört arbeiten konnte[n], hinaus bewegen [zu] müssen“ (VG Wiesbaden, 3.5.2000, 7 E 818/00, 10). Dieser Konsens ist das, was Laurajane Smith (2006, 29-34) als „autorisierten Denkmaldiskurs“ bezeichnet hat, dessen vielleicht bedeutendste Eigenheit die Vorstellung ist, das „Fachleute“ sich selbst als die einzig legitimen Vertreter der „Interessen der Vergangenheit“ und ebenso einzig legitimen Sachwalter für die „Interessen zukünftiger Generationen (an der Vergangenheit)“ betrachten (und aufgrund ihrer anerkannten Stellung als wissenschaftliche ExpertInnen auch von staatlichen Institutionen als solche gesehen und mit besonderen Machtbefugnissen ausgestattet werden; siehe dazu schon Karl 2016a) und dadurch alle gegenwärtigen Menschen, die nicht die Sonderstellung von „FachexpertInnen“ einnehmen, also „die Öffentlichkeit“, vollkommen entmachten und entrechten (siehe dazu auch Smith 2006, 29).

Dass dieser Konsens dabei aus den „ständisch-feudalen“ (Berka 1999, 488) Gesellschaften stammt, die sich gerade dadurch charakterisiert haben, dass gewissen gesellschaftlichen Gruppen (wie eben dem Adelsstand, dem Klerus und teilweise andere Eliten) bestimmte Vorrechte zustanden, gegen die sich insbesondere der Gleichheitsgrundsatz richtet, der untrennbar mit dem Entstehen modernen, demokratischer Bürgergesellschaften – eben von demokratischen Rechtsstaaten im modernen Sinn – verbunden ist (Berka 1999, 488-92), braucht also keineswegs zu verwundern: die „graduierte“, „professionelle“ archäologische Wissenschaft sieht sich als ebensolche „Elite“, als „Stand“, der Vorrechte im Bereich, der in seine „Zuständigkeit“ fällt, aus standesinterner Sicht zustehen. Wie ich bereits andernorts ausgeführt habe, gefällt sich die Archäologie und insbesondere die staatliche archäologische Denkmalpflege in der Rolle der vordemokratischen, mit kaiserlicher Autorität und damit zusammenhängenden Vorrechten ausgestatten, „Obrigkeit“, der sich „gewöhnliche“ BürgerInnen als „Untertanen“ zu unterwerfen und der sie zu gehorchen haben (Karl 2016a).

Dass aus einem derartigen, durch „Standesdünkel“ gekennzeichneten Blickwinkel die für moderne, demokratische Rechtsstaaten kennzeichnenden und fundamentalen Grund- und Menschenrechte als störend, entbehrlich und für „unseren“ Aufgabenbereich nicht geeignet, ja als nicht geltend betrachtet werden, folgt zwingend. Und ebenso zwingend folgt, dass wir uns nicht mit sachlichen Argumenten aufhalten müssen, mittels derer wir eine allfällig aus fachlicher Sicht notwendige „Qualitätssicherung“ begründen können: wir glauben ja, besser zu wissen als alle anderen, was „das Beste“ für „die Archäologie“ bzw. „die Vergangenheit“, „die zukünftigen Generationen“, und natürlich auch „die

Allgemeinheit“ ist als „unverständige“ HobbyarchäologInnen; glauben, „die Wahrheit“ schon zu kennen. Wie es Paul Watzlawick ausdrückt: „Mit dem Wissen des Weisen um die ewige Wahrheit ist es nicht getan, sie muß den Unwissenden vermittelt werden – wenn nötig auch gegen deren Willen. Das berechtigt den Philosophen-König, auch Unwahrheiten in den Dienst der Wahrheit zu stellen. Jede individuelle Auslegung der Wahrheit muss unterdrückt werden (Platon empfiehlt zu diesem Zweck

Institutionen, die der Inquisition und den Konzentrationslagern in jeder Hinsicht entsprechen).“

(Watzlawick 2001, 102-103). Propagandamethoden wie die Verwendung der „Hobbychirurgen“-Metapher kommen uns da gerade recht.

Den anderen Grund, warum wir die Metapher verwenden, haben hingegen schon Frank Siegmund und Diane Scherzler, wenn auch nicht explizit in Zusammenhang mit der Metapher und wohl auch nicht an sie denkend, in einem Beitrag aus dem Jahr 2014 erklärt: „Es ist eine unangemessene

Eigenwahrnehmung vieler Fachkollegen, Archäologie sei ja ein schönes Hobby, das man glücklicherweise zum Beruf habe machen können…“ (Siegmund & Scherzler 2014, 175). Der fachliche Wunsch, dass es keine HobbyarchäologInnen geben dürfe, erklärt sich letztendlich auch aus dieser Eigenwahrnehmung bzw., um es etwas schärfer zu formulieren, aus einem fachlichen (und eventuell auch persönlichen) Minderwertigkeitskomplex.

Eine der ReviewerInnen hat diesen Minderwertigkeitskomplex völlig unbeabsichtigt zum Ausdruck gebracht, wenn er bzw. sie schreibt: „… die Ausführung [archäologischer Projekte sollte] zumindest unter Verantwortung von Archäologen geschehen. Sonst bräuchte man tatsächlich keinerlei Archäologie als Spezialwissenschaft, und der Artikel kommt nah an diese Forderung. Gilt dies dann auch für andere Wissenschaften, etwa Ingenieurswissenschaften, Architektur, Biochemie? Wenn nein, was macht die Archäologie dann zu so einer Pseudowissenschaft?“. Dieses Argument habe ich auch schon von anderen ArchäologInnen oft genug gehört. Im persönlichen Gespräch nimmt es meiner, zugegebenermaßen nur anekdotischen, Wahrnehmung nach meist die folgende Form an: „Wenn jeder archäologisch forschen kann, wofür habe ich denn dann jahrelang studiert?“. Das Wort „kann“ ist dabei mit dem Wort „darf“, deren sich teilweise überscheidenden semantischen Gehalt in der deutschen Umgangssprache entsprechend, beliebig austauschbar.

Können“ hat allerdings nicht notwendigerweise etwas mit „dürfen“ zu tun, und dass jemand eine Tätigkeit ausüben darf, auch wenn er dazu nicht kompetent ist, macht diese Tätigkeit nicht zu einer „Pseudotätigkeit“. Der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker glaubt wohl kaum, dass das

Geigenspiel eine „Pseudokunst“ ist, weil jeder nach Belieben Geige spielen und auch den Hummelflug massakrieren darf; auch wenn Rimski-Korsakov darob womöglich im Grab rotiert. Ebenso wenig bedeutet die Tatsache, dass jeder in einem bestimmten Tätigkeitsbereich dilettieren darf, dass man in diesem Bereich keine professionell ausgebildeten SpezialistInnen braucht. Die Wiener Philharmoniker werden nämlich, obwohl sich jedeR als HobbygeigerIn versuchen darf, trotzdem als KonzertmeisterIn eine entsprechend professionell ausgebildete GeigerIn beschäftigen (und wenn sie weiterhin Erfolg haben wollen, dann müssen sie das aller Wahrscheinlichkeit nach auch).

Es kann also nur einen Grund geben, weshalb man befürchten müsste, dass die Tatsache, dass jeder in der Wissenschaft dilettieren darf, für die man universitär ausgebildet wurde und die man sich zum Beruf gemacht hat, diese zu einer „Pseudowissenschaft“ macht: wenn man entweder diese Wissenschaft, die universitäre Ausbildung in ihr, oder sich selbst, in irgendeiner Weise für minderwertig hält. Nur wenn man die Archäologie im Vergleich zu anderen, „ernstzunehmenden“

Wissenschaften für minderwertig hält; glaubt, dass die universitäre archäologische Ausbildung im Vergleich zu der Ausbildung in anderen wissenschaftlichen Fächern minderwertig ist, weil sie nicht sicherstellt, dass man als StudienabsolventIn deutlich besser archäologisch wissenschaftlich arbeitet als durchschnittliche AutodidaktInnen; oder glaubt, dass man selbst in Bezug auf seine Fachkompetenz

minderwertig ist und keine bessere archäologische Arbeit leistet als beliebige, dahergelaufene DilettantInnen; muss man sich Sorgen machen, wenn auch nicht entsprechend fachliche ausgebildete BürgerInnen archäologisch forschen dürfen. Nur wer sich selbst, seine fachlichen Fähigkeiten, oder seine eigene Wissenschaft für unnötig hält, muss Angst davor haben, durch „HobbyarchäologInnen“ ersetzbar zu sein.

Wie stark dieser Minderwertigkeitskomplex im Fach verbreitet ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ihn 4 der 5 „FachreviewerInnen“, die sich zu jeweils einem der drei genannten Artikel geäußert haben, durch die Verwendung der „HobbychirurgInnen“-Metapher ausdrücken. Zugegebenermaßen, 5 ReviewerInnen sind kein aussagekräftiges Sample, man kann daraus also nicht ableiten, dass 80% der ArchäologInnen an diesem Minderwertigkeitskomplex leiden. Trotzdem ist es bedenklich, nicht zuletzt, weil man dieses Argument ja auch sonst oft von KollegInnen hört, wenn man mit ihnen z.B. über archäologische Bürgerbeteiligung oder auch das sogenannte „Metallsucherproblem“ spricht.

Ende Teil VIII