Archiv für den 15. April 2017

Editorial

Samstag, 15. April 2017

Well met, alle zusammen!

Die Feiertage sind da und das eher mässige Wetter ebenso – von der restlichen Lage kann ma nur sagen, dass wir alle mit einer Bombenstimmung konfrontiert sind (um es mal positiv auszudrücken). Da möchte mensch frank davonlaufen, nur wird´s schwierig mit dem „wohin“ …

copyright Ferdinand

In unserem Update beschäftigen wir uns wieder einmal mit Literatur. Maras Mehrteiler „Fantasy und Neuheidentum“ erfährt eine weitere Fortsetzung, diesmal Teil XI.
Der Teil II von Yvonnes „Die dreifache Göttin“ vervollständigt unseren dieswöchigen Lesestoff.

Wie immer wünschen wir Euch viel Vergnügen und uns Eure Kommentare.
Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Fantasy und Neuheidentum – Teil XII, geschrieben von Mara

Samstag, 15. April 2017

Mary Mackey, geboren 1945 in Indianapolis, USA, studierte an der Harvard Universität und ist Professorin für Englische Literatur an der California State University in Sacramento. Sie hat neben ihrer Lehrtätigkeit zahlreiche Romane, Gedichtbände und Drehbücher verfasst. Im Jahr 1981 gründete sie zusammen mit anderen Autorinnen die Feminists Writers Guild.

Die hier vorgestellten Romane können genausogut in das Genre des Historischen Romans eingeordnet werden, zumal sie ja bei der Beschreibung der dargestellten Gesellschaften Exaktheit beanspruchen. Da aber hier die Magie (in gewissen Grenzen) wirksam ist, die Große Göttin durch Träume und Visionen zuweilen direkt in die Handlung eingreift und die Zaubereien der indoeuropäischen Priester-Schamanen ebenfalls als wirksam beschrieben werden, ist es nicht ganz falsch, sie auch unter der Überschrift Fantasy zu besprechen.

Alle vier Romane beschreiben die Konfrontation zwischen matriarchalen und patriarchalen Gesellschaften. Kornmond und Dattelwein (1983) spielt in Mesopotamien im Jahr 3643 v.u.Z., als die patriarchalen Sumerer eine vorher dort existierende matriarchale Kultur erobern und überformen. Besonders beeindruckend im Roman finde ich die Beschreibung des Zagrosgebirges östlich von Mesopotamien, das heute im Iran liegt. In der Gegenwart ist es eine trockene Halbwüste. Damals aber, und das ist durch Pollenanalysen tatsächlich belegt, war es ein dichter, subtropischer Feuchtwald. Offenbar ist diese reichhaltige Vegetation durch Überweidung, zunächst mit Schafen und Ziegen, vollständig zerstört worden.

Die drei Romane Im Jahr der Pferde (1993), Die Schmetterlingsgöttin (1995), Das Lied der Erde (1998) gehören zusammen und werden im Englischen als Earthsong-Trilogy bezeichnet. Im Deutschen haben sie keinen bestimmten Namen. Sie beschreiben die Konfrontation zwischen den matriarchalen Kulturen Alteuropas und der patriarchalen indoeuropäischen Kultur.

Mary Mackey orientierte sich bei ihrer Beschreibung Alteuropas und der Indoeuropäer an den Theorien von Marija Gimbutas, die sie insbesondere in ihren Werken Die Sprache der Göttin und Die Zivilisation der Göttin ausgearbeitet hat. Frau Mackey hatte zudem Marija Gimbutas (1921-1994) noch persönlich gekannt und sie bei den Recherchen für ihre Trilogie mehrfach getroffen. Dass es gelungen ist, ihre Theorien in eine dramatische Handlung umzusetzen, belegt der Kommentar von Marija Gimbutas zum ersten Band, der 1993, ein Jahr vor ihrem Tod erschienen ist: „Brilliant, accurate … an unforgettable work of fiction that provides much more than entertainment … Mary Mackey truly has a researcher’s precision combined with a storyteller’s magic.” (http://marymackey.com/praise-for-mary-mackeys-novels/)

Der erste Roman beginnt im Jahr 4372 v.u.Z.. In ganz Europa existiert eine matriarchale Kultur friedlicher AckerbäuerInnen, die die Große Göttin in verschiedenen Gestalten verehren. Das Mädchen Marrah aus dem Dorf Xori in der heutigen Bretagne entdeckt an der Küste ausgerechnet am Tag ihrer Volljährigkeitsfeier den schiffbrüchigen Stavan, der aus einer völlig anderen – patriarchal geprägten – Kultur von indoeuropäischen Reiternomaden kommt, die für das friedliche Alteuropa eine tödliche Bedrohung darstellen können.

Aufgeschreckt durch seine Erzählungen und die Visionen ihrer Mutter, der Priesterin Sabalah, machen sich Marrah, ihr Bruder Arang sowie Stavan auf den weiten Weg von der Bretagne in die Steppen des Ostens, um mehr über diese Reiternomaden herauszufinden, so die Inhaltsbeschreibung in der Wikipedia.

In den ersten zwei Dritteln von Im Jahr der Pferde beschreibt Mary Mackey diese Reise und lässt das Panorama einer längst vergangenen Zivilisation wieder auferstehen. Auch beschreibt sie eine „leere Erde“, die noch nicht vollkommen von den Menschen beherrscht wird und wo noch große Regionen in ihrem natürlichen Zustand sind. Das Küstenvolk Marrahs lebt, wie der Name bereits andeutet, an den Küsten der heutigen Bretagne. Es ist die Bretonische Megalithkultur, die u.a. das Alignment von Carnac errichtete. Wenige Siedlungen erstrecken sich noch die Küste herunter bis zum Mündungstrichter (Ästuar) der Ibai Nabar (Gironne). Dann aber wird beschrieben, dass sich auf der ganzen Strecke zwischen Ibai Nabar und Blauem Meer (Mittelmeer) ein riesiger, fast völlig unbewohnter Wald befindet. Im Atlantikum, der Zeitepoche, in der der Roman spielt, war das ein lichter Eichen-Eschenwald. Hier lebten nicht nur die üblichen Wildtiere, die heute meistens ausgestorben sind, wie Bären, Wölfe, Auerochsen, Wisente sondern sogar noch Löwen! Mitten in diesem Wald liegen die Höhlen von Nar. Das ist eine der bekannteren französischen Bilderhöhlen aus dem Paläolithikum. Die Menschen Alteuropas wissen, dass die Wandbilder schon vor sehr langer Zeit geschaffen wurden, beziehen sie aber in ihren gegenwärtigen Glauben mit ein, zumal ja die Göttin die gleiche war, nur in einer anderen Form. (siehe dazu Gimbutas 2006, S. XIX)

Im Roman wird beschrieben, dass die Menschen dieser Zeit bereits hochseetüchtige Boote hatten, die als Raspas („Heilige Vögel“) bezeichnet werden. Im Vergleich zu moderneren Schiffen waren sie klein und schwer zu steuern, sie hatten aber immerhin schon ein großes Gaffelsegel aus Leinen. Die Völker des Blauen Meeres betrieben mittels dieser Schiffe bereits einen schwunghaften Tauschhandel. HändlerInnen konnten sowohl Männer als auch Frauen sein. Es kam dennoch nicht zur Entstehung von Reichtumsunterschieden, da diese Schiffe von den Dörfern und Städten gemeinsam betrieben wurden und die Menschen in verzweigte Clanstrukturen eingebunden waren. Geld gab es ja ohnehin noch nicht.

In der Stadt Itesh auf Gira (Sardinien) erleben Marrah, Stavan und Arang ein rauschhaftes, orgiastisches Fest zu Ehren der Schlangengöttin mit einem spektakulären, mehrere Tage dauernden Schlangentanz, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt.

Anschließend reisen Marrah, Stavan und Arang über Italien und die Adria weiter nach Osten und erreichen den Rauchfluss (Donau). Dort sehen sie die Wunder der Donauzivilisation mit ihren Tempeln, der ausgefeilten Keramik, der Metallverarbeitung und der Schrift.

Es wird im Roman dargestellt, dass es bereits in Alteuropa am Mittelmeer und im Balkan eine hochentwickelte städtische Zivilisation gab.

Die Stadt Shara, das vorläufige Ziel der Reise, liegt am Süßwassersee (Schwarzes Meer) südlich der Donaumündung etwa auf der Höhe des heutigen Varna (Bulgarien). Dort verweilen die Reisenden längere Zeit. Das gibt Gelegenheit, die Sozialstrukturen und Bauten einer größeren Siedlung zu beschreiben: Wie eine Königin von der Bevölkerung gewählt wird, wie der Rat der Stadt in schwierigen Situationen Entscheidungen trifft, wie ein Geburtstempel aussieht etc.

Anschließend reisen sie weiter in die südrussischen Steppen und werden von dem Stamm der Hani, der indoeuropäischen Reiternomaden, gefangen genommen. Während Stavan seinen Platz als Sohn des großen Häuptlings wieder einnimmt, aber merkt, wie sehr er sich verändert hat, wird Marrah zwangsweise zur Nebenfrau eines Unterführers namens Vlahan gemacht. Anhand dieses Beispiels wird die Gewalttätigkeit und Frauenverachtung der Indoeuropäischen Gesellschaften beschrieben, die ja ebenfalls durch archäologische Ausgrabungen belegt ist und sich auch aus Vergleichen mit der vedischen Mythologie ergibt.

An Ende des ersten Bandes können Marrah, Arang und Stavan fliehen. Im zweiten Band wird dargestellt, wie die BewohnerInnen der Stadt Shara mit letzten Kräften eine großangelegte Invasion der Hani abwehren. Wie sich aber im dritten Band Das Lied der Erde zeigt, konnten sie den Niedergang Alteuropas nur um wenige Jahre aufhalten: Marodierende Reiternomaden streifen immer wieder durch das Land, die Kinder von Shara werden zu ihrer eigenen Sicherheit auf die Insel Alzac (vielleicht die heute St. Ivan genannte Insel bei Burgas) geschickt, patriarchale Vorstellungen sickern immer stärker nach Alteuropa ein, der Ackerbau wird durch die Unsicherheit zunehmend erschwert.

Möglicherweise hat Mary Mackey die Beschreibung Alteuropas etwas idealisiert, was dann den Kontrast zu den Indoeuropäern umso schärfer erscheinen lässt. Immerhin scheint ja Marija Gimbutas mit ihren Beschreibungen einverstanden gewesen zu sein.

Diese Romane bergen, genau wie die von Stefanie von Schnurbein besprochenen, eine Menge Sprengstoff. Wie ich bereits im Artikel zu den Megalithkulturen Nordhessens erwähnt habe, sind die Herkunft der Indoeuropäer und die Frage, ob es ein weitverbreitetes Matriarchat in der Vorgeschichte der Menschheit gab, in der Wissenschaft hoch umstritten und haben immer auch eine politische und ideologisch-weltanschauliche Dimension.

Während in den 90er Jahren nach ihren Tode das Werk von Marija Gimbutas gänzlich verworfen wurde und die Anatolien-Hypothese (Herkunft der Indoeuropäer aus Anatolien) von Colin Renfrew weit dominierte, ist die Situation heute nicht mehr so eindeutig. Immerhin hat sich mit David Anthony ein angesehener Archäologe praktisch für die Kurganhypothese, also für den Ursprung der Indoeuropäer in der südrussischen Steppe ausgesprochen. Harald Haarmann zählt in seinen Büchern weitere AutorInnen und eine überwältigende Anzahl von Indizien für die Kurganhypothese auf, die sich jetzt sowohl auf geographische, als auch auf linguistische, archäologische und genetische Belege stützen kann (vgl. Anthony 2007, S. 39ff, Haarmann 2010a, S. 154ff, Haarmann 2010b, S. 17ff, Haarmann 2011, S. 230).

Etwas anders sieht die Frage dem Charakter der Gesellschaft Alteuropas aus. Bisher hat von den jüngeren WissenschaftlerInnen außerhalb der modernen Matriarchatsforschung nur Harald Haarmann die Gesellschaften der Donauzivilisation aufgrund von zahlreichen Belegen unumwunden als matristisch in der Definition von Gimbutas bezeichnet, also als egalitäre Gesellschaften mit einer zentralen Stellung der Frau (vgl. Haarmann 2011, S. 150ff). Genau das ist aber die Definition von Heide Göttner-Abendroth für den Begriff Matriarchat. Alle anderen WissenschaftlerInnen lehnen die Vorstellung einer in diesem Sinne matriarchalen alteuropäischen Gesellschaft vehement ab, auch und gerade David W. Anthony.

Besprochene Romane

Mary Mackey: Kornmond und Dattelwein, Frankfurt am Main 1987 (Erstveröffentlichung 1983 unter dem Titel The Last Warrior Queen)

Mary Mackey: Im Jahr der Pferde, München 1997a (Erstveröffentlichung 1993 unter dem Titel The Year the Horses Came)

Mary Mackey: Die Schmetterlingsgöttin, München 1997b (Erstveröffentlichung 1995 unter dem Titel The Horses at the Gate)

Mary Mackey: Das Lied der Erde, München 1999 (Erstveröffentlichung 1998 unter dem Titel The Fires of Spring)

Sekundärliteratur

David W. Anthony: The Horse, the Wheel, and Language, Princeton und Oxford 2007

Marija Gimbutas: The Civilization of the Goddess, San Francisco 1991

Marija Gimbutas: The Language of the Goddess, New York 2006

Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation, München 2011

Harald Haarmann: Weltgeschichte der Sprachen, München 2010a

Harald Haarmann: Die Indoeuropäer, München 2010b

Während in diesem Teil die positiven Aspekte der Matriarchatsromane von Mary Mackey herausgestellt wurden, geht es im nächsten Teil um Kritik an diesen Romanen sowohl um eigene als auch um Kritik aus der Wissenschaft.

Die dreifache Göttin – Teil II, geschrieben von Yvonne, übersetzt von Anufa

Samstag, 15. April 2017

Alternative Dreifache Göttinnen

Eine sehr kraftvolle dreifache Göttin ist Brighid, die drei Rollen erfüllt, die der Heilerin, der Schmiedin und die der Poetin. Auf den ersten Blick scheinen diese Rollen miteinander nichts zu tun zu haben aber der Schmied arbeitet Metall um und transformiert es, der Heiler transformiert Körper und Geist und der Dichter transformiert Worte. Alle drei sind Aspekte eines kreativen Impulses.

Mary Jones schreibt:

Die berühmteste der dreifachen Göttinnen ist Brighid, die Tochter des Dagda, die auch oft „die Dichterin“ genannt wird. Ihre Verehrung war weit verbrietet, eventuell auch durch die Teil-überlegenheit des Briganter-Stammes, der ein großes Gebiet von Irland bis Gallien abdeckte. Cormac´s Glossary folgend, gab es drei Brigits, alle Schwestern – Brigit, die Dichterin, Brigit, die Schmiedin und Brigit, die Ärztin – Schirmherrinnen der jeweiligen Kunst. Jedoch wird nicht erwähnt, dass sie Maiden-mother-crone wären; sie sind alle im selben Alter. Stattdessen legt ihre Vielzahl nahe, dass sie Meisterin vieler Künste war und wie die Matronen, Schirmherrin ihres Stammes.

Eine andere wirklich wichtige keltische Dreiheit waren die Matronen, die oftmals als romano-britische Figurine dargestellt wurden. Erst letztens habe ich ein Beispiel dafür im Corinium Museum in Cirencester (UK) gesehen. Das sind drei Frauen, manchmal dargestellt als verheiratet, manchmal als unverheiratet, mit Blumensträußen, Obst oder Weizen. Sie sind im selben Alter. Manchmal haben sie die Namen lokaler Gottheiten erhalten. Die Darstellung in Cirencester war den Suleviae gewidmet, was möglicherweise ihr lokaler Name war.

Three goddesses, small Roman relief, Corinium Museum. Photo by Tony Grist (Public domain)

Gwenhwyfar (Guinevere) die Frau von König Arthur, könnte ebenfalls eine dreifache Göttin gewesen sein, da sie in den „Welsh Triads“ als drei Königinnen beschrieben wird. „Gwenhwyfar, Tochter von Cywryd Gwent und Gwenhwyfar, Tocher von Gwythyr, Sohn von Greidiawl und Gwenhwyfar, Tocher von Gogfran, dem Riesen. Noch eine Form der dreifachen Göttin findet sich in den Göttinnen des Landes. Hier wieder Mary Jones:

Die Dreiergruppen in diesen Fällen haben nicht denselben Namen, sondern es sind drei Schwestern wie Eriu, Banba und Fotla, Töchter von Ernmas, die drei Namen für Irland. Sie waren mit den drei Königen von Irland verheiratet, den Brüdern Mac Cuill, Mac Cecht und Mac Grienne, alle Enkel des Dagda und eine männliche Dreiergruppe. Dann gibt es Erius, Banbas und Fotlas Schwestern, die Kriegsgöttinnen, Morrigan (manchmal Anand oder Anu genannt), Badb und Macha, die wiederum die Hoheitsgewalt Irlands (de facto ist diese Verwandtschaft sehr komplex und benötigt einen zweiten Zugang). Sie sind nicht in drei unterschiedlichen Altern oder Stadien sondern im selben Alter. Und sie spiegeln sich zu einem gewissen Grad in den drei Schwestern Arthurs, Morgan le Fay, Morgause und Elaine.

Also sind die meisten Beispiele für dreifache Göttinnen aus der tatsächlichen Mythologie entweder Schwestern oder Einzelfrauen, in drei unterschiedlichen Rollen. Wie Mary Jones aufzeigt, gibt es auch männliche Dreiergruppen (Lugh, Lamhfhada, the Samildánach; Brian, lucar und lucharba, die Söhne Turenn; Cian, Cu und Cethe, die Söhne von Cainte; und Bleiddwn, Hydwn und Sychdwn, der Große, die Söhne von Gilfaethwy und Gwydion, in The Mabinogion).

Andere Mythologien haben ebenfalls dreifach Göttinnen, die nicht Maiden, Mother und Crone-Archetypen waren. Hecate, eine sehr komplexe und alte griechische Göttin, wurde öfters als dreigestaltig dargestellt, aber sie hatte mehrere Beinamen und Rollen. Die frühesten Darstellungen waren nicht dreigestaltig. Das dreigestaltige Bild (Trimorphe, dreigestaltig; Triodia/Trioditis, diejenige, die die Kreuzwege beschreitet; und Trivia, eine römische Form) kam erst später. Pausanias schrieb, dass Hecate das erste mal als dreigestaltig von dem Bildhauer Alkamenes (in der klassischen griechischen Periode, spätes 5. Jahrhundert vor Christus) dargestellt worden wäre.
Noch mehr Dreiergruppen finden sich in den Figuren der Drei Fates und er Drei Grazien, die in der grieschischen, römischne und slavischen Mythologie erscheinen und den drei Nornen aus der nordischen Mythologie. Bei all diesen ist ebenfalls kein Maiden-mother-crone Muster zu erkennen.

In der griechische Mythologie werden die drei Fates Moirai genannt (die Vollmachtgeber). Sie ähneln den Sudice aus der slavischen Mythologie. Die Moirai werden Clotho (die Spinnerin), Lachesis (die Zuteilerin) und Atropos (die Standhafte) genannt. Sogar die Götter konnten nicht verändern was die Fates auferlegt hatten.
In der römischen Mythologie wurden die Drei Fates die Parcae genannt. Sie sponnen den Lebensfaden, teilten den Menschen und den Göttern das Schicksal zu und durchschnitten am Ende das Lebens den Faden. Ihre Namen waren Nona, die den Faden des Lebens von ihrem Spinnrocken auf die Spindel spannte; Decima, die den Lebensfaden mit ihrem Stab abmaß und Morta, die den Faden abschnitt und die Todesart der Menschen bestimmte.
Die Nornen, der nordischen Mythen, waren kein direktes Äquivalent der Fates, aber sie erfüllten eine ähnliche Rolle, indem sie das Schickal der Menschen kontrollierten. Der Ursprung ihrer Namen ist interessant. Nach Wikipedia:

Der Ursprung des Namens „Nornen“ ist unsicher. Er mag von einem Wort abstammen, das „winden, verflechten“ bedeutet und was auf ihr Verzwirnen der Schicksalsfäden hindeuten könnte. Bek-Pedersen schlägt vor, das das Wort „Norn“ Verwandtschaft mit dem schwedischen Dialektwort „norna (nyrna)“ hätte, ein Wort das „geheimes in Verbindung setzen“ bedeutet. Das weist auf die Wahrnehmung der Nornen als düstere Hintergrundfiguren, die ihre schicksalhaften Geheimnisse den Menschen erst durch den Schicksalslauf selber kundtun, hin.

Der Name Urd (Altenglisches „Wyrd“ Weird) bedeutet „Schicksal“. Es ist erwähnenswert, dass wyrd und urðr etymologisch gleicher Abstammung sind. Das garantiert aber nicht, dass wyrd und urðr durch die Zeiten die selben semantischen Qualitäten von „Schicksal“ geteilt haben. Beide urðr und Verðandi stammen vom Altnordischen Verb verða „werden“. Während Urðr von der Vergangenheitsform abstammt (was „geschehen ist“) stammt Verðandi von der Gegenwartsform ab („was gerade ist“). Skuld stammt vom Altnordischen Verb „skulla“, was sein wird, nötig ist, dass wird; was bedeutet, „was werden soll“ oder „was erscheinen soll.

Noch eine Dreigestalt aus der griechischen und römischen Mythologie ist die der Grazien oder Charites:

In der griechischen Mythologie, eine Charis keɪrɪs Χάρις , oder Grazie, eine von drei oder mehr kleineren Gottheiten der Anmut, der Schönheit, der menschlichen Natur, der Kreativität und der Fruchtbarkeit – alle zusammen bekannt als die Chariten ˈkærᵻtiːz/ (Χάριτες [kʰáritɛːs] oder Grazien. Die übliche Reihung von der Jüngsten bis zur Ältesten ist Aglaea (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn) und Thalia (Hochstimmung). In der römischen Mythlogie waren sie als Grazien bekannt, die Gratiae. In einigen Varianten ist Charis eine der Grazien und nicht die Einzahlform ihres Namens.

Somit waren sie Göttinnen, die Glück, Schönheit und Harmonie erschufen und damit durchaus der Verehrung würdig waren.

Bilder von vierfaltigen oder fünffaltigen Göttinnen

Das Bild der dreifachen Göttin, Maiden-mother-crone wird oft mit den Wandlungsphasen des Mondes in Verbindung gebracht (Neumond, zunehmender und abnehmender Mond). Das lässt aber die Göttin des Schwarzmondes aussen vor, manchmal Hag genannt, die mit Menstruation, ungezähmter Sexualität, Widerstand gegen das Patriarchat, Lilith, Hexentum und Kinderlosigkeit verknüpft wird.

Dieser Archetyp ist enorm wichtig um Frauen von Beschränkungen der patriarchalen Bildern zu befreien, die ihnen aufgezwungen wurden. Erich Neumann identifizierte eine vierfache Göttinnenfigur. John Halstead schreibt:

Die Aspekte von Neumanns Göttin waren die Muttergöttin (betraut mit Vegetation und Geburt, repräsentiert von Demeter, Isis und Maria), die Jungfrau-Muse (betraut mit Inspiration, Vision und repräsentiert von Maria und Sophia), die Schreckliche-Mutter-Hexe (betraut mit Tod und Verschlingen, repräsentiert von Kali und Hecate) und die Junge Hexe (betraut mit Rausch, Irrsinn und repräsentiert von Astarte, Lilith und Circe).

Es ist auch der Erwähnung wert, dass die Aspekte der fünffaltigen Göttin Geburt, Einweihung, Vollendung, Rast und Tod sind. Diese werden auch im “The White Goddess” von Robert Graves genannt.

Viele Göttinnen

Es gibt viele unterschiedliche Göttinnen. Viele gibt es in einer Form und manche sind dreifach. Die dreifache Göttin des Altertums kam vornehmlich in der Form von drei Schwestern, drei Müttern, drei Königinnen und als Göttinnen des Landes, die mit Getreide, Blumen und Früchten in Verbindung standen, vor. Einige waren Einzelgöttinnen in drei unterschiedlichen Rollen, wie Hecate und Brighid. Einige waren für das Weben des Schicksals zuständig, wie die Nornen, die Sulevice, die Parcae und die Moirai; andere waren veranwortlich dafür Freude zu erschaffen, die die Drei Grazien.

Weiterführende Literatur:

Lupa Greenwolf: Maiden, Mother, Crone / Youth, Warrior, Sage and strict gender roles

Mary Jones, Triple Goddesses

John Halstead: 13 things you don’t need to know about the Triple Goddess but are kind of interesting

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 1: triads, triplicities, and trinities

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 2: the search for the Triple Goddess of antiquity

John Halstead: Beyond female role models: the Triple Goddess as Nature