Archiv für den 10. Juni 2017

Editorial

Samstag, 10. Juni 2017

Well met, alle zusammen!

Sommerlich kommt die Wetterlage bei uns daher … bei der Weltlage ist das eher fraglich. Auch Rothani hat uns einen RegenBogen geschenkt … einen echten ohne Fotoshop!!!

 

In unserem heutigen Update findet Ihr ein Schmankerl vom Eibensang, der sich mit dem „Runenstellen“ beschäftigt hat. Vielleicht ein guter Anlass für mich, ein paar Worte aus der Körper-Arbeiter-Ecke dazu zu verlieren? Mach ich doch glatt, sofern es jemand interessiert …
Sat Ma´at hat uns ihren Blick auf den „Tragbaren Mini-Schrein“ zur Verfügung gestellt – was besonders die Anfänger sehr spannend finden werden und für die „Altgedienten“ ist es vielleicht eine schöne Anregung.

Natürlich verlinke ich Euch auch dieses Mal unseren SpendenAufruf … vielleicht haben ihn ja einige noch nicht mitbekommen!
Ansonsten wünsche ich Euch – wie immer – viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder vielleicht die eine oder andere Artikel- oder GeldSpende.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Runenstellen, geschrieben von Eibensang

Samstag, 10. Juni 2017

Auch schon mal dabeigewesen, wenn sich Leute eine Hand auf den Kopf legen, wodurch der Arm einen Winkel bildet und die damit eingenommene Körperhaltung in etwa die Form der Rune Wunjo nachstellt, die „Wonne“ bedeutet – die daraufhin Leib und Seele der dies Ausübenden durchfluten soll?

Ich probierte das auch, lange und immer wieder – mit dieser und anderen Runen… Spätestens bei etwas komplexeren, nicht so ganz der menschlichen Ergonomie entgegenkommenden Zeichen wie den Runen Sowilo, Mannaz, Dagaz oder auch nur Raidho (wackel-wackel…) empfand ich das Ganze eher als ungemütlich oder zumindest albern. Irgendeine „Wonne“ wollte sich jedenfalls nicht einstellen – weder bei dieser noch einer anderen Rune: nicht, wenn ich in mich hineinhorchte, was die Verrenkung mit mir machte und auch nicht, was ihre möglichen weiteren Folgen betraf.




Das „Grundlagenwerk“ der „Runengymnastik“: Marbys „Rassische Gymnastik als Aufrassungsweg“ (1935)

Woran liegt’s? Die Antwort ist eigentlich einfach: Es handelt sich keineswegs um geheimnisvolle altgermanische Magie, sondern halbwegs neumodischen Blödsinn mit okkultem Anstrich. Der Hintergrund allerdings ist ernster, als sich der Quatsch selbst anfühlt. Im Folgenden ein Appell an die magische Vernunft. Gibt es so etwas? Nur, wenn wir es zulassen. Was lassen wir zu und warum? Was erkennen wir an und was nicht? Wem oder was führen wir Energie zu – und was wollen wir erreichen? Lassen wir uns selbst etwas einfallen, oder turnen wir einfach alles nach, was uns jemand vormacht, im frommen Glauben, es bringe uns weiter? Ist solcherlei blinde Gefolgschaft einer ernstnehmbaren magischen und verantwortungsbereiten Lebenshaltung würdig?

Als „Runenstellen“ oder „Runen-Yoga“ wird das Nachstellen von Runenformen mit dem menschlichen Körper bezeichnet. Ursprünglich nur mit dem so genannten „18er System“ oder „Armanen-Futhork“ verbunden (einem ideologischen Runenkonstrukt, das Ariosophie-Begründer Guido List Anfang des 20. Jh. in die Welt setzte), wurde das Runenstellen im späten 20. Jh. auch auf die Runen des (damals von der Esoszene allmählich wiederentdeckten) Älteren Futhark übertragen. Inzwischen empfiehlt fast jedes esoterische Runenbuch solche Übungen und enthält detaillierte Anleitungen dazu. Spätestens seit den Runenbüchern Edred Thorssons (bürgerlich Stephen Flowers), der dasselbe mit „Stadha“ bzw. „Stödhur“ (altnordisch für Stehen oder Stellen, jeweils Singular/Plural) überschrieb, wird die Runenstellerei allgemein als „alte germanische Tradition“ betrachtet, die zu Runen gleich welcher Art offenbar dazugehört wie die Hörner zum Wikingerhelm (auch falsch) oder der Arsch zum Eimer. Tatsächlich ist „Runenstellen“ ungefähr so germanisch wie zwei Öltanks im Garten oder Glutamat im Essen (nur noch um einiges ungesünder, jedenfalls für Geist, Gemüt und Seele und damit auch für jegliche magische Praxis).

Das Phänomen hat eine einzige historische Quelle – und die entstammt nicht etwa irgendwelchen Bräuchen alter germanischer Kulturen zu Zeiten der Antike oder des Mittelalters (selbst die im Hochmittelalter verfasste „Edda“ enthält keinerlei Hinweise auf diesbezügliche Praktiken einstiger heidnischer Germanenkulturen), sondern geht auf den Okkultisten Friedrich Bernhard Marby zurück, der 1934 eine diesbezügliche Broschüre veröffentlichte. Ihr Titel sagt im Grunde bereits alles Wesentliche aus über Herkunft, Idee und Zielrichtung der Sache: „Rassische Runengymnastik als Aufraffungsweg“. Das ist so unappetitlich und menschenfeindlich, wie es klingt – und wird von all den esoterischen Autor*innen, die diese Körperverrenkungen als magische Übung und meditatives Studium und sinnliches Erfahren von Runenkräften empfehlen und vorstellen, verschwiegen. Wohlweislich? Oder warum? Viele, die darauf schwören und beharren, wissen es nicht: Sie haben keine Ahnung, woher das stammt – einmal oder auch wiederholt darauf aufmerksam gemacht, verweigern sie sich jedoch jeder Konsequenz der Erkenntnis. Sie „meinen“ es ja „ganz anders“ und seien oder sähen es jedenfalls „unpolitisch“. Ja, klar: Du kannst auch ständig bei McFett futtern und es irgendwie „vegan meinen“ und/oder dir ein paar warme ökologische Gedanken machen.

Aber von Leuten mit solcher Geistes- und Lebenshaltung lasse zumindest ich mir nichts mehr erzählen über „magisches Bewusstsein“, das angeblich auf „verborgene Zusammenhänge“ achtet (über physikalisch beweisbare Kausalketten hinaus) und irgendeine Konsequenz daraus zöge, dass „alles mit allem“ zusammenhängt. Offenbar aber doch nur das, was gerade in den persönlichen Kram passt und nicht unangenehm oder unbequem werden könnte, und sei es nur dadurch, dass sich eine vermeintliche Bewusstseinsvertiefung oder -erweiterung als blödsinnige Verrenkung erweist, die ihre magische Energie aus giftigen Quellen bezieht und magisch wieder dorthin zurückführt. Übertrieben? Nun – der beharrliche Verzehr von Glutamat und anderen Neurotransmittern bringt auch so schnell niemand um. Nicht jeder Schaden ist offensichtlich und eindeutig auf bestimmte Quellen zurückführbar – was nicht heißt, dass es keinen gäbe. Fürs Runenstellen gilt Entsprechendes. Was zwingt eigentlich dazu, an so etwas festzuhalten?

Tragbarer Mini-Schrein, geschrieben von Sat Ma´at

Samstag, 10. Juni 2017
Eine Frage, die sich kemetisch Praktizierende recht häufig stellen ist:

„Wie mache ich mein tägliches Schrein-Ritual, wenn ich auf Reisen bin?“

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Wie viele anderen Kemeten, habe auch ich hier meine ganz persönliche Lösung erdacht und mir einen kleinen Reise-Schrein kreiert. Das macht durchaus nicht jeder so, andere behelfen sich auch einfach mit dem was sie vor Ort vorfinden und durchaus nicht alle machen tägliche Rituale. Mir persönlich ist es aber wichtig meine göttlicher Begleiter auf diese Weise bei mir zu haben, wenn ich für längere Zeit mein Haus sowie meinen Hausschrein verlasse.

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In einem kleinen Beutel aus festem schwarzen Damast, befindet sich die kleine Holzbox. Sie ist außen dunkelbraun lasiert, außerdem habe ich sie noch mit einer Lösung aus ätherischen Ölen (Zimtrinde und Myrrhe) bestrichen um dem Holz etwas Duft zu verleihen und die Box gleich ein wenig einzuweihen.

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Innen ist die Box mit goldener Effektfarbe gestrichen. Darin befindet sich ein schwarzer Baumwollbeutel mit Räucherwerk in Form von Räucherkegeln (die sind platzsparender als Räucherstäbchen und lassen sich auch leichter mit dem beigefügten Keramikplättchen irgendwo aufstellen). Außerdem ein kleiner Block mit Kärtchen die verschiedene Gottheiten, die mir wichtig sind, darstellen und genau in die Rückwand der Holzbox eingepasst sind. Das heisst ich blättere den Block soweit bis die Gottheit erscheint, die ich ansprechen möchte und setze ihn dann in das Schrein-Innere an die Rückwand. Und ein Teelicht hat auch noch Platz gehabt. Der Beutel dient gleichzeitig als Unterlage für den kleinen Ritualort.

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Nun kann ich entweder von dem was ich unterwegs vorfinde Opferungen machen, manchmal tut es auch reines Wasser, kleine Naschereien oder aber ich entfache etwas Räucherwerk, zünde die Kerze an und spreche ein Gebet.

  • Übrigens eignet sich ein solcher Schrein auch sehr gut als „Anfänger“-Schrein. Er ist recht kostengünstig und mit wenig Aufwand gemacht, benötigt nicht viel Platz, erfüllt aber seinen Zweck und kann jederzeit wieder weggeräumt werden.