Archiv für Juli 2017

Editorial

Samstag, 29. Juli 2017

Well met, alle zusammen!

Katastrophen, die das Leben auf den Kopf stellen, für die einen und eine kurze Ferienunterbrechung durch Schlechtwetter für die anderen. Der Erde ist es so und so gleichgültig … Sonne und Schatten, wie überall.

SchattenSpatz copyright Angelika Aliti

Unser heutiges Update bringt Euch einen weiteren Teil von Magister Botanicus „NATuQuTAN„, diesmal Teil V.
Isis hat für die BücherTruhe diesmal eine Rezension zum Buch „Hekate: A Devotional“ verfasst.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

NATuQuTAN – Teil V, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 29. Juli 2017

Einheitliche Beschreibung der materiellen Strukturen

Kleine Zwischenbemerkung

Entsprechend dem, was ich Ihnen in den letzten Kapiteln gezeigt habe, ist jede Art der Energie­übertragung in unserem Universum an ganz bestimmte Träger und deren defi­nierte Prinzipen gekoppelt und kann nicht von ihnen gelöst werden.

Es geht hier wirklich um Definitionsfragen – wenn also jemand von psychischer Energie redet, so kann er nur den materiellen Teil unserer Psyche meinen oder die Definition des Wortes bedarf einer klärenden Diskussion. Und sollte Ihnen irgend jemand demnächst mal was von „feinstofflichen und grobstofflichen Energien“ erzählen wollen, dann empfehle ich 3 Möglich­keiten der Beurteilung und einer Reaktion:

1. Er/Sie hat keine Ahnung von Physik! Sie können ihm raten, seine Definitionen für Energie und Materie zu überprüfen oder Sie finden gemeinsam andere, treffendere Definitionen für diese Begriffe, die nicht unbedingt naturwissenschaftlich-technisch besetzt sind.

2. Er/Sie ignoriert den Hinweis und faselt weiter, was schon schlimmer ist – aber maximal ist er ein Ignorant – und hier empfehle ich, ihn/sie mit geschicktem Argumentieren aufs Glatteis führen.

3. Nachdem sie nur den leisesten Hauch einer Kritik anbringen, schaut er/sie Sie weise an, nickt und sagt mit sanfter Stimme: „Um das zu verstehen muss Du noch sehr viel lernen.“ Hier ist alle Mühe vergeblich und Sie drehen sich am besten um und geht weg.

(4. Das unerquicklichste, was Ihnen passieren kann ist der Satz: „Das ist geheimes Priester­wissen!“ – der Red.-Elch)

Doch zurück zur Beschreibung der Welt der Materie und der Energie. Was ich bis jetzt erklärt habe, beschreibt, dass es materielle Letzteinheiten gibt, die auf ihre spezielle Art und Weise Träger von Energie sind. Diese Energie wird immer nur transformiert und kann nicht zerstört werden.

Auf der anderen Seite haben wir gesehen, dass es Prinzipien geben muss, die dafür sorgen, dass jede Energie ihr spezielles Trägermedium zugeordnet bekommt. Diese Trägermedien oder Prinzipen sind, wenn sie keine Energie übertragen nicht messbar – können also keine materiellen Strukturen mehr sein. Ebenso wie diese Prinzipien selbst (nennen wir sie vorerst mal Naturgesetze) keine materiellen Strukturen sein können.

(Was aber sind sie dann?! – der Red.-Elch).

Nun, ganz einfach: es sind informative Strukturen, die wahrscheinlichkeits­verändernde Charaktere besitzen !

(Häää??? – der Red.-Elch).

Eines ist klar und tatsächlich beobachtbar: Alle materiellen Strukturen unterliegen den Naturgesetzen der Materie, d.h. sie setzen z.B. einer Beschleunigung einen Widerstand entgegen (= Massenträgheitseffekt) – wir merken das, wenn wir im Auto sitzen und Gas geben. Tun wir das schnell, also setzen wir uns einer schnellen Be­schleunigung aus, merken wir, dass wir in den Sitz gepresst werden. Noch übler wird es, wenn wir diese Beschleunigung schnell abbremsen, z.B. bei einem Zu­sammenstoß (negative Beschleunigung). Der Wagen bleibt zwar stehen, aber unsere Körper bewegen sich trotzdem weiter – und der Sicherheitsgurt bekommt hier seinen physikalischen Sinn.

Die Zuordnungsprinzipien für Energien und die Prinzipien des Trägermediums, sind offensichtlich überall im Universum die selben. Sie unterliegen weder einer Be­schleunigung noch springen sie von einem Ort zum anderen. Ja, sie sind sogar zeit­lich unabhängig, denn sie sind scheinbar immer gültig – egal zu welcher Zeit der Existenz des momentan existierenden materiellen Universums.

Mit anderen Worten unterliegen diese Prinzipien oder Naturgesetze keinen Materie­gesetzen, sondern sie selbst sind diese Gesetze bzw. ordnen bestimmte Gesetz­mäßigkeiten zu Prinzipien an, welche sich dann sozusagen in das Universum als messbare Materie wie Elektronen oder Fotonen „abbilden“.

Kurze Unterbrechung!

Diese Überlegungen sind natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen. Sie stammen zum großen Teil von einem einzigartigen Physiker, Burkhard Heim, der 1985 ein Buch veröffent­lichte, welches den Titel hatte „Einheitliche Beschreibung der materiellen Strukturen mittels der metronisch-quantisierten Feldtheorie“.

Diese Buch machte Furore in der Fachwelt und kein Mensch – vor allem kein Physiker – war sich zunächst sicher, wie er dieses Buch beurteilen sollte. Noch dazu war es in einem Verlag erschienen, der normalerweise Literatur über „paranormale Phänomene“ oder „geistlichen Inhaltes“ herausgab. Ein prekäre Situation, wären da nicht einige der – sagen wir mal höflich – weniger ignoranten Herren auf die Idee gekommen, dass Ganze mal nachzuvollziehen.

Und siehe da! Mittlerweile hat die Theorie noch ein paar Feinheiten mehr und an den mathe­matischen Methoden musste noch ein wenig gefeilt werden, aber dafür ist sie mittlerweile eine Standardliteratur in den Bibliotheken von CERN und DESY, wenn es um die Berechnungen von Elementarteilchen geht.

Ende der Unterbrechung!

Das besondere an Heims Theorie ist der Ansatz; eben die Geschichte, dass es materielle Letzteinheiten geben muss, die nicht nur eine gewisse raum-zeitliche Stabilität aufweisen, son­dern auch quantifizierbar, also messbar sind. Zum anderen muss es aber auch qualitative (virtuelle = vorstellbare) Struk­turen geben, die ihrer­seits zwar nicht messbar, aber in ihren Auswirkungen nachweisbar sind.

Eine solche qualitative Struktur wäre das Prinzip des Fotons, wenn es keine Energie trägt. Es ist nur vorstellbar vorhanden, also virtuell, und kann zunächst nicht quanti­fiziert oder gemessen werden. Aber es ist ohne Zweifel die Informationsstruktur eines Fotons, welches als Wahrscheinlichkeit existiert.

Jetzt „tunnelt“ irgendwo im Universum ein Elektron von einem höheren auf ein tieferes Energieniveau und die Energie wird frei. Ohne Zeitverzögerung – eben weil keine raum-zeit­liche Struktur sondern virtuelles Prinzip – greift das Gesetz der Energieerhaltung und verändert die Wahrscheinlichkeit in der Umgebung des „tunnelnden“ Elektrons. Von der Wahrscheinlichkeit 0, d.h. dort ist kein Foton, springt die Wahrscheinlichkeit um auf 1, d.h. hier muss ein Foton existieren. Und tatsächlich, wie im beschriebenen Beispiel, hier ist ein Foton, welches ein Äquivalent zu dem vom Elektron abge­gebenen Energiebetrag darstellt. Für den unbedarften Be­obachter erscheint dieses Foton aus dem Nichts – was ja auch nicht ganz so falsch ist.

Eine einfache Modellbeschreibung soll die Zusammenhänge in einem Gesamtbild für sie deutlicher machen:

Nehmen wir an, dass Universum sei auf einem Diafilm abgelichtet. Solange, wie ich das Dia nicht durchleuchte, erscheint auf einer Leinwand (= der Raum-Zeit-Ebene) kein Bild. Führe ich dem System Energie zu (Licht) wird auf der Leinwand ein Bild sichtbar, die Prinzipen (das Diapositiv) werden innerhalb des Universums, inner­halb der Raumzeit abgebildet. Natürlich lässt dieses Modell keine Dynamik zu, aber zu dem dynamischen Modell kommen wir etwas später.

Heim geht davon aus, dass es verschiedene Ebenen geben muss, denen ganz be­stimmte Prinzipien oder die Manifestationen dieser Prinzipien zugeordnet sind. Da wären zunächst einmal tatsächlich stattfindende Ereignisse, welche durch 2 An­gaben quantifizierbar sind: Die Ortsangabe (Länge, Höhe, Breite) und die Zeit­angabe (wann).

Mit anderen Worten haben wir jetzt drei räumliche Dimensionen und eine zeitliche Dimension definiert, die für alle Quantitäten, also alle materiell-energetischen Er­eignisse, als Erklärungsmodell aus­reichen. Oberhalb der Zeit als Dimension, müssen aber noch weitere Dimensionen liegen, in welchen die Prinzipien der materiell-energetischen Strukturen sowie deren Zu­ordnungsprinzpien verborgen sind. Diese Dimensionen können kein Raum-Zeit-Gefüge besit­zen, weil deren Inhalte rein in­formativer (virtuelle, vorstellbarer, qualitativer) Struktur sind.

Heim nannte diese beiden Dimensionen Entelechie und Äon – ich habe sie für mich mit „Ideenreservoir“ = Äon und „Kritik“ = Entelechie bezeichnet, weil ich so ihre Funktionen besser beschreiben konnte. Denn im „Ideenreservoir“ existieren alle Möglichkeiten, alle Er­eignisprinzipien, die jemals in einem Universum stattfinden können. In der Dimension „Kritik“ werden die Prinzipien der aktuell stattfindenden Ereignissen bewertet und anhand der Zuordnung von Wahrscheinlichkeiten im Rahmen der Naturgesetze der Raumzeit neu bewertet.

Die philosophischen Hintergründe oder evt. religiöse Konsequenzen einer solchen Be­trachtungsweise möchte ich hier noch nicht diskutieren.

Doch ein kurzer Einschub: Es darf allerdings an dieser Stelle nicht der Eindruck ent­stehen, dass hier ein „deterministischer“ (vorherbestimmter) Plan verfolgt würde, oder eine Art starres Kochrezept für das Universum, wo alles und jedes vorbe­stimmt ist. Es gibt zwar bestimmte Prinzipien und Naturgesetze, die (noch) nicht außer Kraft gesetzt oder manipuliert werden können. Aber nur die Art der Naturgesetze oder Prinzipien sind es, die für die Raumzeit determiniert sind.

Alle stattfindenden Ereignisse unterliegen immer einem Wahrscheinlichkeitsraster – was bedeutet, wenn mir ein Glas aus der Hand fällt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es zerbricht. Aber es ist eben nicht sicher! – wie wir alle sicher aus Erfahrung mit ähnlichen Situationen und ähnlichen Gegenständen wissen.

Aus diesen Betrachtungen heraus müssen wir also unser Modell mit dem Dia modi­fizieren, denn dieses Modell würde eine solche Welt mit determinierten Ereignissen beschreiben. Also greifen wir zur modernen Fotografie und wenden uns dem Holo­gramm zu.

Ende Teil V

Hekate: A Devotional

Samstag, 29. Juli 2017

 

Vivienne Moss
Hekate: A Devotional

2015/Pagan Portals/ISBN-10: 1785351613/ISBN-13: 978-1785351617/
97 Seiten/Paperback: 8,12 Euro

Über die Autorin

Vivienne Moss ist eine geborene Hexe und Priesterin der Hekate. Sie lebt mit ihrem Freund und ihren beiden Töchtern in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Indiana.

Andere Bücher der Autorin: By Blood, Bone, and Blade: A Tribute to the Morrigan (2014)

 

Über das Buch

Der Göttin Hekate und ihrer tiefen, innigen Verbindung zu ihr hat die Autorin ein Buch gewidmet. Wer hinter dem Buchtitel mehr vermutet als eine Ehrerbietung an Hekate, wird enttäuscht. Vivienne Moss reißt ein wenig die Geschichte der Göttin an, doch ist dieses Buch keine Fachliteratur. Viel mehr beschreibt die Autorin mit gewaltigen, tief unter die Haut gehenden Worten die Hingabe, die Liebe, die sie Hekate tagtäglich entgegenbringt. Und wie ihr die Göttin andererseits hilft, ihren Alltag zu meistern. Das Buch ist eine Mischung aus spirituellem Tagebuch, ein Buch über die Magie und Gedichtband. Ideal für Leser, die ihre persönlichen Erfahrungen vergleichen oder eine neue Perspektiven erhalten möchten, wie sie ihre Beziehung zu Hekate vertiefen können.

Fazit: Eine echte Bereicherung für all jene, die die „private“ Seite der Göttin Hekate kennenlernen möchten.

Editorial

Samstag, 22. Juli 2017

Well met, alle zusammen!

So richtig Sommer ist es … Hitze – Gewitter – Hitze. Alles ist möglich, nix is fix!

Gewitterstimmung von Rothani

Unser heutiges Update bringt Euch den Teil II von Stefans Betrachtung zum Thema „Lehrer – Meister – Gurus„.
Zur Entspannung danach hat uns XVII eine seiner Geschichten gespendet, „Der Nekromant„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder vielleicht sogar den einen oder anderen GastAutoren-Artikel.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Der Nekromant

Samstag, 22. Juli 2017

Der Nekromant, Teil 1

Warum gerade eine Großstadt?
Ich hasse Großstädte. Die hektischen Leute.
Aggressionen. Jeder anonym. Und an jeder Straßenecke komische
Typen, die dich anquatschen.
Ich stehe hier am Bahnhof, der eher einem Flughafen ähnelt.


Riesengroß. Die Menschen gehen nicht, sie rennen fast hin- und her.
Viele ziehen Trolleys nach, haben eine Karte in der Hand…oder ein Smartphone.
Schauen umher…auf der Suche. Alle auf der Suche.
Keiner ist hier wirklich angekommen.

Ich auch nicht. Ich bin hier ebenso auf der Suche.
Wenn auch eine etwas ungewöhnlichere.
Ich suche einen Nekromanten.
Ich bin selbst Magier, doch schon lange.
Aktives Mitglied eines Ordens…und einer Loge.
Habe selbst viel erlebt, viel Erstaunliches.
Magisches.

Ja, ich glaube, nein…ich weiß, es gibt nicht nur Magie, sondern
ich selbst kann sogar magisch tätig sein.
Mit ganz guten Ergebnissen.
Magier.
Aber mir reicht mein Können nicht.
Es gibt noch viele Disziplinen in denen ich unsicher bin,
oder zu denen ich keinen Zugang habe.
In einigen Trancereisen wurde mir bewußt, daß ich mich noch mehr meinen Tiefen
stellen muß. Noch weiter hinunter gehen muß.
In die tiefe Dunkelheit.
Mir wurde gezeigt, ich solle lernen.
Als würde das nicht schon reichen, was ich kann.
Frustrierend. Nie reicht etwas. NIE.
Und…mit dem „mir wurde gezeigt“…will ich sagen…ich habe ausdrückliche Zeichen
bekommen und Aufforderungen mich dem zu stellen.
Habe mich eh lange genug dagegen gewehrt.
Aber ich kann das nicht mehr ignorieren.

Dann ging das Erkundigen los.
Was ist Nekromantie? Wer lehrt so etwas? Warum sollte man sich da überhaupt in
solche Gebiete begeben?
Schnell habe ich erfahren, daß es da nicht nur um Weissagungsmethoden geht.
Nicht nur um Totenbeschwörung. Oder Zombies oder so ein Scheiß.
Paracelsus und Aggrippa waren mir nun wirklich nicht unbekannt…
…und so ging ich deren Forschungen und Meinungen nach.
Aber vieles blieb offen…Bücher konnten mir das nicht beantworten.
Ich verstand Zusammenhänge nicht…und die Oberfläche war mir zu wenig.
Geister beschwören. Tote wiedererwecken. Wesenheiten der Unterwelt beschwören.
Mir war das alles nicht unbekannt. Aber ich merkte…ich kratzte nur weit oben…
oben…oberhalb der Unterwelt.
Ich wollte mehr. Ich brauchte jemanden, der mir den Weg zeigt, einen Lehrer.
Habe meine Meister gefragt, offene Anfragen gestellt.
Es hat gedauert, aber dann hat ein Ordensmitglied einen Kontakt hergestellt.
Herstellen können….es war nämlich nicht ganz so leicht jemanden zu finden.
Dieser soll einer der wenigen sein, der diese Kunst noch lehrt.
Ich bekam einen Brief, ja, genau…einen Brief!
Kein Mail, keinen Anruf… einen Brief.
Ich solle ihn heute um 2000 Uhr in der Hauptbibliothek treffen.
Nicht mehr, nicht weniger.
Nur dieser Satz.
„Am 06. Juni, 2000 Uhr, Hauptbibliothek Wien.“
Und darunter ein komisches Zeichen, welches ich, trotz langer Erfahrung im Bereich
Sigillen, Glyphen und magischem Zeug…einfach nicht zuordnen konnte.
Sah aus wie ein kleiner Rorschachtest. Ein Klecks. Ein schwarzer Flecken.
Vielleicht auch ohne Bedeutung, keine Ahnung.

Gerade angekommen. Ich bin müde, ich habe eine lange Zugfahrt hinter mir,
und langsam merke ich auch, daß ich hungrig werde.
Blicke auf mein Smartphone, es ist gerade 1807 Uhr.
Die Bibliothek ist nur wenige Stationen entfernt,
mit der U- Bahn bin ich in spätestens 20 Minuten dort.
Heißt ich habe noch Zeit.
Mal raus aus dem stickigen Bahnhof.
-„Hast Du vielleicht einen Euro?“
Genau das fehlt mir jetzt. Genau dassss.
Von einem Penner angequatscht werden.
Ich schau an ihm vorbei.
Und höre hinter mir, wie er andere weiter anbettelt.
-“`nen Euro? Oder 50 Cent wenigstens?“
Beschleunige meinen Schritt.

Endlich aus dem Bahnhof draußen.
Atme tief durch.
Großstadtluft. Mit Diesel und Feinstaub angereichert.
Ich hasse Großstädte.
Hupende Autos. Ich sollte ein Taxi nehmen,
ich habe keine Lust noch mit der U- Bahn rumzufahren.
Aber…kein verdammtes Taxi da, das gibt’s ja nicht.
Also…runter…die Rolltreppe runter.
Das gibt’s doch nicht…ist das nicht derselbe Penner, wie vorher?
-“Hast Du…Kleingeld?“
Ich schüttle nur rasch den Kopf.
Weiter runter. Warten auf die U- Bahn.


Genau so mag ich das.
Hier unten…am Bahnsteig…Leute mit einem offensichtlichen Alkoholproblem.
Oder noch schlimmer.
Lümmeln da auf den wenigen Sitzen rum.
Es riecht wie auf der Toilette.
Grauenhaft.
Wenigstens spielt hier jemand auf seiner Geige.
Katzenmusik.
Davor liegt ein Hut.
Ein paar Münzen drin.

Endlich, endlich kommt die U- Bahn.
Das Licht flackert durch den Tunnel.
Luft wird angesogen…und kurz danach weggeblasen.
Ich stehe nahe der Linie, die den Gefahrenbereich markiert.
Der Zug fährt langsam an mir vorbei, bis er zum Halten kommt.
Ich steig ein.
Ein unsanfter Ruck…und die Fahrt geht weiter.
Ein paar Studenten sitzen hier.
Sind mit sich selbst beschäftigt.
Ein Pärchen knutsch gerade, als hätte es kein Zimmer.
Und würde es nicht mehr bis in irgendein Zimmer schaffen.
Ein Typ schaut mich mit finsterem Blick an.
Zerrissene Jacke.
Kommt zu mir rüber.
–“Problem?“
Ich schau auf den Boden.
–“Ob Du ein Problem hast, Alter!“
Er hat eine Bierdose in der Hand.
Und ist jetzt gerade mal so 2 m weit weg…aber ich kann seinen Atem riechen.
Und der ist echt übel.
Verdammt übel.
„Nein, alles Ok.“
–“Dann ists gut, Alter!“
Lallt er.
Geht einen Meter wieder zurück.
Das fehlt mir gerade noch. Stunk mit einem angesoffenen Typen.
Die U- Bahn bleibt endlich wieder stehen.
Ich steige aus.

Von hier sinds nur wenige Gehminuten zur Bibliothek.
Wie werde ich ihn dort finden?
Ich weiß…daß sich die Bibliothek hier als Treffpunkt gemausert haben soll.
Viele Studenten. Die bis in die Nacht hier sind
und oben auch mal ein bißchen feiern,
oben auf dem Dach gibt es so eine Lounge,
da bekommt man angeblich leckere Gerichte
und Cocktails.
Und kurz vor Wochenende ist hier halt wahnsinnig viel los.
Habe ich mir sagen lassen.
Ah…da…erstaunlich.
Architektonisch erstaunlich.
Ein tolles Gebäude!
Kein Wunder, daß sich hier gerne die Leute treffen.

Gut, meinen Rucksack kann ich hier unten in einem Schließfach einsperren.
Ich löse noch einen Pass, der mir hier auch Zugang zu den Einrichtungen gewährt.
Hält sich preislich im Rahmen.
Dann kann ich vielleicht das Angebot auch nutzen, wenn ich die nächsten Tage noch hier bin.
Ich habe ja nicht mal eine Ahnung, wie lange ich hier bleibe.
Mal etwas essen.
Ich fahr mit dem Lift rauf.
Tolle Aussicht, wirklich tolle Aussicht!

Aber fast alle Tische bereits besetzt.
Ich werde mich zu wem dazu setzen.
Eine junge Frau nippt an einem Getränk mit Strohhalm und Schirmchen.
Daneben zwei Plätze frei.
„Darf ich, äh…entschuldigen sie, darf ich mich zu ihnen setzen?“
—“Ja, natürlich!“
Sie grinst.
„Danke!“
—“Ich warte nur auf jemanden. Aber du kannst dich gern hier dazu setzen.“
Sie dutzt mich. Sie ist gut 15 Jahre jünger.
Vermutlich eine junge WU- Studentin.


Gut gekleidet, schick, aber sommerlich,
sie gibt Blick auf ihren sportlichen Körper frei,
aber noch dezent genug. Hübsches Mädel.

Die Bedienung kommt…
—-“Sie wünschen?“
Ah, Wiener Charme. Schon lange nicht mehr gehört.
Ich mag ja den Dialekt.
„Mineral und einen…haben sie einen Schinkentoast?“
—-“Gerne, mit Spiegelei?“
Oh….klingt lecker.
„Ja, bitte!“

—“Flower.“
Sie schaut mich an. Die junge Studentin.
—“Ich heiße Flower.“
Ich lächle.
„Freut mich, Flower! Ich bin…äh….“
—“Nichts sagen, lass mich raten!“
Ich grinse noch mehr.
—“Peter? Paul?….Nein, sag nichts…du bist…hm…irgendwas mit Geschwister?“
Ich lache.
—“Irgendwas mit Bruder?“
Äh?
—“BruderMK?“
Ich erblasse.
Sie lächelt mich breit an.
—“Stimmts? BruderMK?“
„Äh…also…äh.“
Sie streckt mir die Hand entgegen.
—“Flower. Schön dich kennenzulernen.“
Und nuckelt an ihrem Getränk.
Woher weiß sie…ich…ja..also im Orden bin ich BruderMK.
FraterMK.
—“Keine Sorge. Kannst ruhig meine Hand angreifen.“
Ich, verwirrt, schüttle ihre Hand.
Ein Schatten.
Hinter mir.
Eine Person nähert sich.
—–“Ah, fein, ihr habt euch schon gefunden. War ja gar nicht so schwer, hm?“
Ich schaue auf.
Er streckt mir die Hand entgegen.
Ein Mann mit Brille. Ich schau auf die Brille.
Nein, besser gesagt…auf die Augen hinter der Brille.
Da ist was. Die Augen. Diese Augen.
—–“Ivor, die meisten nennem mich aber Iver, manche sagen auch Meister zu mir.
Das gefällt mir persönlich weniger. Denn wer ist schon Meister?“
Er lächelt.
Ich sehe seine Zähne.
„Ich bin…also…“
—“BruderMK oder FraterMK, soweit waren wir schon, nicht?“
„Chad. Ich habe kanadische Wurzeln.“
—–“Wie spannend, Flower, wußtest du das?“
Sie nickt. Und lächelt zuerst ihn an…dann mich.
Er setzt sich.
—–“Wie gefällt dir Wien? Warst ja schon lange nicht mehr hier, hm, Chad?“
„Nein, ich, äh, während meiner Studienzeit hatte ich zwei Auslandssemester hier und dann…“
—–“Berlin?“
„Nur kurz, dann hauptsächlich Regensburg.“
—–“Chad, willkommen in Wien. Schön, daß du wieder hier bist.
Bist du fleissig? Gehst du über deine Grenzen? Flower, was meinst du?“
—“Er könnte mich ja heute begleiten, meine Schicht beginnt um zehn.“
—–“Flower, eine ausgezeichnete Idee. Chad?“
„Äh, ja?“
—–“Ein Vorschlag…ich weiß, du bist müde, angespannt und kennst dich momentan nicht so recht aus, weil du so ziemlich zum ersten Mal in deinem Leben eine Situation so ganz und gar nicht einschätzen kannst und glaubst, du hast schon alles gesehen, wärest ein hervorragender Magier und deine Loge und dein Orden schätzen dich so sehr und du bist müde und hungrig, hungrig nach mehr Wissen, nach Tiefe…ich kann dir beides bieten. Nicht mehr, nicht weniger. Auf meine Art.
Flower wird dich unterstützen. Sie ist dir zur Seite gestellt, deine Mentorin. Was sie sagt, tust du.
Was SIE sagt. Ich lehre, aber was sie sagt, befolgst du. Sie hat mein absolutes Vertrauen.
Sehe mich mehr als Beobachter. Wenn es Fragen gibt, klärst du sie zunächst mit Flower.
Ok, soweit?“
„Ja.“
—–“Deinen Rucksack kannst du zu Flowers mitnehmen, aber du wirst nichts davon benötigen.
Du wirst nicht im Hotel wohnen, sondern direkt bei Flower, in ihrer Wohnung. Sie hat in der Nähe vom Naturgeschichtlichen Museum eine hübsche Wohnung mit einem Gästezimmer, welches schon für dich hergerichtet ist. Nach der Nachtschicht heute schlaft ihr euch beide mal aus und ich hole euch dann morgen abends ab. Dann schauen wir uns die Stadt mal näher an, mir ist es eine Freude dir die Stadt mal aus einer anderen Perspektive zu zeigen.“
„Danke. Ja, ich bin überascht, aber, ja, danke für die Möglichkeit. Was macht, was, also was ist die Nachtschicht? Was macht Flower?“
—–“Frag doch Flowers! Fragen klärst du zuerst mit Flower.“
Er lächelt.
„Flower, was…“
—“Ich arbeite im AKH, also im Krankenhaus in der Notaufnahme. Ich habe heute nur eine kurze Schicht, weil ich für eine Kollegin einspring. Das, so denke ich, kann ich dir somit zumuten. Wir werden von zehn Uhr abend bis zehn in der Früh Notfallpatienten versorgen. Erstversorgung, Anamnese, Daten aufnehmen, kleine Problemchen versorgen, größere weitergeben. Ach, ja…ich bin Ärztin. Keine Wu- Studentin. Und du bist für heute Pfleger Chad aus Deutschland, der mich heute unterstützt. Ich weiß, daß du medizinische Grundkenntnisse hast, somit sehe ich da auch keine Bedenken…wenn du tust was ich sage. Geht das für dich in Ordnung? Ich habe dich bereits angekündigt, also alles hochoffiziell. Ich übernehme die Verantwortung. Du bekommst auch nen schicken Kittel, wir arbeiten mit zwei Schwestern und fünf weiteren Ärzten direkt zusammen, es wird hektisch, aber du wirst das Leben…und auch den Tod heute mal auf eine andere und neue Art kennenlernen. Und deine Arbeit dazu leisten. Ja?“
„Ja, ja…ungewöhnlich aber ja. Danke.“
—–“Gut, dann verabschiede ich mich mal wieder, wir sehen uns morgen, euch wünsche ich eine gute, möglichst ereignisarme Nacht. Und…Chad….?“
„Ja?“
—–“Hast Du vielleicht nen Euro?“
Er lacht. Und geht…ich schau ihm nach.
Er…er war der Penner?

Oh. Ich bin gespannt was mich noch erwartet.
Wien ist anders. Oh, ja.

Autor: XVII

Bilder: wikimedia commons:
Bahnhof Wien Praterstern, Daniel W.
Stanice metra Praterstern, Dezidor
central building of the Viennese library, Ninanuri
pixabay: bar
wikimedia: Kapuzinergruft Wien, Erwin Kugler