Archiv für August 2017

Editorial

Samstag, 26. August 2017

Well met, alle zusammen!

Fast schon reif copyright Rothani

Mit schnellen Schritten nähert sich die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche – und obwohl es tagsüber noch ganz schön heiß ist, werden die Nächte schon recht frisch. Es herbstelt schon fast … und damit sind auch die Trauben schon fast reif.
Fürs heutige Update habe ich einen Artikel geschrieben, inspiriert durch meinen üblichen Fundus, facebook. „Religion/Spiritualität – Zerwas brauch ich das?!“ Nicht dass das Thema jetzt so neu für mich wäre, aber scheinbar taucht es routinemäßig immer wieder auf …
Den zweiten Artikel habe ich wieder einmal von Uwe gespendet bekommen, vielen Dank dafür. „Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht“ ist eine wunderbare Gelegenheit einen Blick auf verbreitete, doch etwas blauäugige, Vorstellungen zu werfen.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und ich möchte ich auch diese Woche wieder an unsere leider sehr leeren Artikelspeicher erinnern. Viele von Euch bloggen – was als Blogeintrag taugt, könnte doch auch ein spannender Artikel sein?? Unter diesem Gesichtspunkt meldet Euch einfach und teilt Eure Gedanken mit ein paar mehr Leuten, nämlich den WurzelWerk Lesern.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Religion/Spiritualität – Zerwas brauch ich das?!

Samstag, 26. August 2017

Im neuheidnischen Bereich gibt es einige Fragen, die selten bis nie gestellt werden – würden sie das, schaute das Neuheidentum wahrscheinlich um einiges anders aus.

Eine dieser Fragen ist die nach dem „Wozu“

Also wozu wird jemand Neuheide? Dafür möchte ich aber ein wenig ausholen, nämlich in den weiteren Bereich der Religion. Wozu braucht der Mensch überhaupt Religion, Ritual, Spiritualität?

Indischer Premier am Welt-Yoga-Tag

Für mich persönlich hat funktionierende Religion ganz viele Aspekte, darunter auch den sozialen, den lebensverbessernden, den persönlichkeitsentwickelnden, den gesellschaftsordnenden Anteil. Deshalb verwendet ich auch für all diese Themen gerne den Ausdruck „Religion“ und werde das somit auch hier tun. Also auch wenn – gerade – viele Neuheiden allein bei diesem Wort schon das Gruseln kriegen, ich verwende ihn bewusst und gerne. Generell bin ich davon überzeugt, dass jegliche Strategie, jeglicher Plan ge- aber auch missbraucht werden kann. So auch Religion und die damit verbundenen Themenkomplexe!! Die Geschichte liefert uns Unmengen an Beispielen, dieses Ge- und auch Missbrauches und die Lösung ist in meinen Augen sicher nicht, die Abschaffung von Religionen im Allgemeinen.

Baum des Lebens

Religion bedeutet für mich: ein bestimmtest Glaubensgebäude zu haben, ein definiertes Weltbild und das auf allen Ebenen. Angefangen bei „wo komme ich her“ bis zu „wo werde ich einmal enden“ und dem ganzen Leben dazwischen mit all den Herausforderungen, die sich einem Menschen so stellen (können). Das bedeutet dass ich mich als Mensch erfahren kann, mich als Teil einer Gemeinschaft, mich als Teil der Welt und schlussendlich des ganzen Seins wahrnehmen und verorten kann. Das wäre mein „Wozu“.
Dadurch ist auch ersichtlich, dass jedes System, das das zu leisten im Stande ist für mich gleich valide ist – ob es sich selbst als Religion verorten würde oder nicht.
Die Anregung zu diesem Artikel stammt aus einer Diskussion auf facebook zum Thema „Wozu schamanische Praxis?“ und diese Diskussion bestätigt so einiges, was ich persönlich über die Jahre aus dem neuheidnischen Bereich gelesen habe.

Heilung als Schlagwort

Das Schlagwort „Heilung“ ist eines, das immer wieder fällt. Allerdings fällt das in schamanischen oder hexenorientierten Kreisen öfter als in den rein „magischen“ Ecken. Als Hauptmotivation empfinde ich dieses Ansinnen als nicht wirklich geeignet.
Sofern sich das auf den einzelnen Praktizierenden bezieht, also im Sinne von „Selbstheilung“ sehe ich darin noch kein großes Problem. Schwierig wird es dort, wo dann auch andere Menschen „geheilt“ werden sollen. Da wären wir eigentlich im Bereich des Gesundheitswesen, das ländertypische Voraussetzungen verlangt, die dann entweder gegeben sind oder auch nicht.

Mein persönlicher Zugang für die Arbeit mit anderen wäre – egal wie auch immer die aussehen mag – die vom Gesundheitssystem ortsüblich verlangten Voraussetzungen zu erlangen und erst dann die eigenen spirituellen Erfahrungen in diese Arbeit einfließen zu lassen. Gerade bei neu dazugekommenen Heiden ist diese Verzögerung vielfach mehr als gesund, weil der Anfängerenthusiasmus schon abgeebbt sein sollte, wenn dann schlussendlich die rechtlichen Fragen zufriedenstellend erledigt sind. Aus meiner Erfahrung und Beobachtung heraus kann ich sagen, dass „spirituelle“ Ausbildungen öfter den professionellen Anteil der Arbeit mit anderen vermissen lassen als sie ihn wirklich bieten. Deshalb rate ich hier zu doppelter Aufmerksamkeit und dem Augenmerk auf Eigenverantwortung.
Sollte die Heilung im eigenen Selbst angestrebt sein, ist es sinnvoll auf ein Sicherheitsnetz zusätzlich zu setzen! Sinnvoll wäre es am Anfang heraus zu finden, warum Heilung auf diesem Gebiet gesucht wird und nicht z. B. durch Psychologie. Bei vielen Problemen (die vom Allgemeinmediziner nicht behandelt werden) ist der Psychologe wohl der primäre Ansprechpartner. Meiner Erfahrung nach wird gerade in belasteten Situationen der Beginn eines neuen spirituellen Weges alles andere als einfacher.
Da ein solcher in den allermeisten Fällen mit der Selbsterforschung beginnt (oder beginnen sollte) werden persönliche Probleme noch zusätzlich an die Oberfläche gebracht und sollten bearbeitet werden. Wenn die Ressourcen sowieso schon knapp sind, dann stehen die Chancen dazu nicht so besonders gut. Je gesettelter das Leben sich darstellt, desto besser können die auftauchenden Herausforderungen bewältigt werden.

Dann halt zurück in die „Schule“?

Es sieht also so aus, als ob eine zertifizierte und offizielle Ausbildung Abhilfe schaffen und Sicherheit bieten könnte, wenn es um Religion geht. Was ich für die Arbeit mit oder an anderen durchaus als notwendig erachte, so unnötig sehe ich das für persönliche spirituelle Praxis an.
Ein Glaubensgebäude, eine Weltsicht lässt sich durch das Leben erlangen oder mensch bekommt es von seinem Lebensumfeld vermittelt. Durch einen Kurs, eine Ausbildung, einen oder mehrere Workshops ist das nicht zu bewerkstelligen.

Es kann Wissen erlangt werden aber dieses muss dann noch in die Tat umgesetzt werden. Das reicht in meinen Augen durchaus für den Broterwerb oder eben um anderen einen Dienst zu tun. Das hat aber keinen zwingenden Einfluss auf den Anwender selber. Sonst gäbe es kaum gestresste Ärzte, straffällige Richter oder oder oder.
Mit seinem Gewicht unglücklich zu sein ist eine Sache (ohne diese Erkenntnis sind Änderungen im Verhalten meiner Erfahrung nach eher fruchtlos bzw werden erst gar nicht angegangen), Diäten zu machen eine andere (dadurch werden keine bleibenden Veränderungen hervor gebracht). Aus der Diäterfahrung heraus Diätberater zu werden wieder etwas anderes (das kann auch mit höherem Gewicht immer noch gut funktionieren, aber die Ernährung und das Leben umzustellen, sodass Gewichtsprobleme kein Thema mehr sind – ist ein ganz andere Sache.

Die Frage ist jetzt real – WOZU ich mich mit Religion beschäftigen will

Will ich Dienstleister für andere sein und damit eventuell auch Geld verdienen? Dann kann ich Wissen im Bereich Ritualleitung erwerben, kann auf dem Gebiet „Selbstfindung und Heilung“ mir Fertigkeiten aneignen, kann künstlerisch tätig sein und Handwerksprodukte anbieten, die in diesem Bereich Verwendung finden.
Will ich einfach irgendwo dazu gehören, Freundschaften finden, eine Ersatzfamilie haben? Dazu gäbe es auch anderweitig genügend Vereine oder Hobbies, die unter Umständen dafür sogar besser geeignet wären.
Habe ich jemanden kennen gelernt, der mich fasziniert hat und möchte „das“ jetzt auch sein/haben/können?
Will ich etwas Besonderes sein/können?

Je ehrlicher und offener ich mir diese Fragen (und vielleicht noch einige mehr!!) beantworte, desto zufriedener und glücklicher werde ich in der Zukunft schlussendlich sein. Das wage ich jetzt einmal aus der Kristallkugel zu lesen …

Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht – Teil I geschrieben von Uwe

Samstag, 26. August 2017

Im Majjhima Nikaya 78 gibt es folgende hübsche Geschichte:

Der Zimmermann Pancakanga ging einst zum Wanderasketen Uggahamana. Er wollte wissen, wie er einen „Verwirklichten“ definiert. Der Wanderasket gab ihm folgende Antwort:

„Zimmermann, wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…) als einen, der das Höchste erlangt hat, als einen unbesiegbaren Mönch. Was sind die vier?

Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht (…), als einen unbesiegbaren

Klar, sagen wir im ersten Überschwang. So ist es, genau so ist es.
Zumindest so genannte säkulare Buddhisten würden dem zustimmen und sagen, oh ja, genau so reicht es aus, um ein „buddhistisches“ Leben zu führen. Niemandem schaden und ethisch ordentlich handeln.

Nun, der Zimmermann Pancakanga ist offensichtlich, genau wie der etwas informierte „Buddhist“ nicht überzeugt und begibt sich zum Buddha und schildert diesem das vom Wanderasketen Uggahamana dargelegte.

Der Buddha antwortet direkt:

„Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, nach der Behauptung des Wanderasketen Uggāhamāna verwirklicht (…), ein unbesiegbarer Mönch.“

Logisch nicht? Der Buddha hat genau die Schwachstelle aufgedeckt, und argumentiert im Folgenden auch mit scharfer glasklarer Logik, die des Wanderasketen Behauptung zerschießt wie ein Artilleriegeschoss einen VW Golf.

„Denn ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Körper“, also wie könnte es da eine üble Handlung über bloßes Strampeln hinaus begehen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Sprache“, also wie könnte es da üble Rede über bloßes Jammern hinaus führen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Absicht“, also wie könnte es da üble Absichten über bloßes Schmollen hinaus haben? Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Lebensunterhalt“, also wie könnte es sich da seinen Lebensunterhalt durch üble Lebensweise über bloßes Gestillt werden an der Mutterbrust hinaus verdienen?
Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, (…) ein unbesiegbarer Mönch.“

Der Buddha wird noch deutlicher.
Er führt die Behauptung des Wanderasketen nicht nur ad absurdum.
Sondern stellt diese auch noch ausdrücklich als falsch dar. Das ist beeindruckend, denn manche Leute denken ja, der Buddha wäre „tolerant“ gewesen.
Was er jedoch ganz und gar nicht war, wenn es darum ging, klare Kante zu zeigen und nicht nur irgendwelche wohlgefällige Worthülsen wie die des Wanderasketen unter sich zu lassen. Sondern das Gesagte auch mit Leben zu füllen.

„Wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, Zimmermann, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…), der das Höchste erlangt hat, oder als einen unbesiegbaren Mönch, sondern als einen, der zur gleichen Kategorie gehört, wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt. Was sind die vier?
Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht (…), sondern als einen (…) wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt.“

Dass der Buddha natürlich eine „richtige“ Darlegung hat, was einen Mann (eine Frau) zu einem verwirklichten Menschen macht, kann man sich denken.
Dass er eben seine Behauptung auch mit „Leben“ füllen kann, wie ein solches verwirklichtes Sein auch erlangt werden kann.
Das werde ich ausführlich im nächsten Beitrag erörtern.
Denn das ist ja, wie man sich denken kann, nicht in ein paar Sätzen zu erläutern.

Vielleicht nützlich

Ende Teil I

Editorial

Samstag, 19. August 2017

Well met, alle zusammen!

Wetterkapriolen, bei uns in Österreich sogar mit Schwerverletzten und Toten – leben wir in interessanten Zeiten?

In unserem heutigen Update findet Ihr eine RegenBogen-Geschichte von XVII „Die weiße Braut“ und den Teil VI von Magister Botanicus „NATuQuTAN„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügung und uns – da unsere ArtikelSpeicher wieder wieder einmal im Sommer trocken gelegt wurden und fast leer sind – Eure Gedanken in Artikelform oder den einen oder anderen Kommentar.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Die weiße Braut, geschrieben von XVII

Samstag, 19. August 2017

 

„Uhhhh….muß das sein, Chris? Muß das sein? Ich mag solche Schauergeschichten nicht. Ich geh jetzt lieber schlafen. Schlimm genug, daß ich in einer solchen herabgekommenen Hütte schlafen muß.“

-“Bäh, du bist einfach überempfindlich. Komm mal runter du Pussy.“

–“Jeff, kannst du nicht einmal freundlich sein, nicht mal zu deiner eigenen Freundin?“

-“Die verstehts schon, misch dich nicht ein. Chris erzähl einfach weiter.“

„Ich geh jetzt pennen, und du kannst bei deinen Kumpels am Lagerfeuer schlafen,
zu mir brauchst heute nicht kommen.“

-“Ja, schon recht, geh schlafen. Ich trink lieber noch einen.“

–“Jeff, du bist ein Arsch. Ich weiß echt nicht was Bridge an dir findet.“

-“Komm schon, du bist nur eifersüchtig.“

—“So, jetzt halten mal alle den Rand, sonst überleg ich mir echt ob wir uns nochmal hier treffen. Ich hab lang genug meine Großmutter beknien müssen, daß wir die Hütte bekommen.“

—-“Yes…wir reißen uns alle zusammen, trinken noch ein Bier, ich erzähl die Geschichte weiter und morgen pennen wir uns aus und…“

—-“Ich finde es überhaupt schön, daß wir fünf uns mal wieder treffen…fünf Freunde, das sind wir…wir haben eh sonst viel zu viel um die Ohren…“

–“Stimmt. Wir fünf kennen uns jetzt schon ziemlich lange. Und wir haben ja auch viel Spaß miteinander. Die letzten Tage hier im Wald waren ja auch cool. Das Lagerfeuer hier ist auch lässig und die Hütte, wenn wir da mal alle ein bißchen Hand anlegen, dann wird das ein toller Treffpunkt, wo wir einfach ab und an mal rausfahren und gemeinsam entspannen. Fischen gehen, die Natur genießen…in den See mal hüpfen…ist ja alles da. Und….endlich mal keine Leute, weit und breit nichts und nicht mal Handyempfang!“

-“Ja, nicht mal Handy. Wenigstens haben wir genug Bier mit.“

–“So, erzähl mal weiter!“

—-“Alsooooo…man erzählt sich hier so Geschichten von einer weißen Braut, die…“

–“So eine mit weißem Kleid und Brautschleier und so? Die durch die Wälder streift?“

—-“Genau.“

–“Hahaha…ja die kenn ich….aber erzähl mal…“

—-“Also….man erzählt sich seit Generationen…daß hier so ein junges Mädel, manchmal wird sie auch die weiße Frau genannt…durch die Wälder geht. Barfüßig. Sie soll ein Wesen zwischen dem Tod und dem Leben sein. Eine verlorene Seele, die sich in einer Gestalt manifestiert hat. Eine enttäuschte, verbitterte Seele, die es geschafft hat in einem Grenzbereich zwischen dem Dasein und dem Jenseits sich als Person zu….“

-“Wir wollen da jetzt keine Abhandlung, sondern eine Geschichte…gibst du mir noch ein Bier rüber?“

—-“Ja, also…es sollen mehrere junge Mädchen im 16. Jahrhundert zur Heirat gezwungen worden sein. Hier in einem kleinen Ort in der Nähe…ein mächtiger Gutsbesitzer, ein alter Sack, soll die Familien genötigt haben ihm die Mädchen zu überlassen…junge, unschuldige Mädchen an die er sich dann vergriffen hat. Dafür durften die armen Familien ihren spärlichen Besitztum weiter führen und bei ihm weiter arbeiten. Er hat ein Mädchen geheiratet, welches dann unter mysteriösen Umständen verstorben ist…um dann darauf gleich das nächste zu heiraten. Und darauf nochmal.

Mehrere Mädchen sind zu Tode gekommen. Aber es hat sich keiner darum gekümmert…die Familien wurden nicht gehört, waren unterdrückt…und es waren alle nur betroffen, aber keiner hat was gemacht…bis….“

—“Bis…..“

—-“Bis auf einmal die weiße Braut aufgetaucht ist. Zunächst soll sie nur als Nebel und Spukwesen hier aufgefallen sein…mehrere Leute haben von einem jungen Mädchen berichtet, welches in der Nacht gespensterhaft über die Felder ging…und dann…soll dieses Wesen sich immer mehr geformt haben…wurde mehr lebendig…und der Gutsbesitzer, der Widerling, soll in der Nacht von ihr besucht worden sein, jede Nacht, jede verdammte Nacht…er hat sich dann an den Pfarrer gewandt…ist zum Arzt gegangen, hat an seinem Verstand gezweifelt. Es haben zwar andere auch die Gestalt gesehen…auf den Feldern…aber es wurde keiner heimgesucht. Nur er.

Er hat keine Ruhe gefunden. Und alle sprachen nur davon, daß es auch so rechtens wahr, daß nun er leidet. Er, der ja offensichtlich mit dem Tod der jungen Mädchen zu tun hatte.

Letztlich soll er dann bei einer Sonntagsmesse mit einer Axt den Pfarrer bedroht haben.

Da hat sich dann zum ersten Mal die Gemeinde gegen ihn gestellt.

Sie haben ihn aus der Kirche geworfen…ihn geschlagen…und mit Abfällen vom Marktplatz davor beworfen. Ihn bis zu seinem Gut getrieben…wo er sich dann eine Woche nicht blicken ließ.

In der nächsten Woche am Sonntag hing er dann unterhalb der Kirchenglocke.

Hat sich in der Kirche oben aufgehängt.

Von da an, war diese Gestalt nicht mehr gesehen…bis…..vor ein paar Jahren. Nun geht das Gerücht um, daß hier in den Wäldern dieses Mädchen wieder sein Unwesen treibt.

Es soll hier durch die Wälder gehen…und grausamen Menschen ihre Existenz nehmen.

Ihre Existenz komplett auslöschen. Dieses Wesen ist über die Jahrhunderte gewachsen und mächtiger geworden…und soll nun nicht mehr die Leute in den Wahnsinn treiben, sondern sie gänzlich vernichten.

Als hätten sie nie gelebt. Einfach weg. Sie nimmt die Leute mit. Mit ihren Erinnerungen, mit den Erinnerungen, die andere an sie haben. Deswegen, so sagt man, gibt es hier nur friedvolle Menschen, es haben sich nur nette Leute hier angesiedelt, Leute, die die Harmonie schätzen und Gewalt und Mißbrauch ablehnen.“

—“Und wie ist dann die Geschichte zustande gekommen? Ich mein…wenn es irgendetwas gäbe, daß jemandes Existenz aus der Menschheitsgeschichte löscht, als hätte es den nie gegeben, dann weiß ja auch keiner davon, daß das Ding da, das Wesen das auch können würde? Oder habe ich da einen Gedankenfehler?“

—-“Nein, nein…es soll nur eine alte Frau, die hier im Dorf gewohnt hat…gesagt haben…daß nur gute Menschen sich hier ansiedeln dürfen, denn alle anderen würde die weiße Frau mitnehmen…und zwar so…als hätte es sie nie gegeben….diese Frau soll eine Verwandte eines der Mädchen sein….aus der Linie einer Schwester eines der armen Mädchen.“

—“Ok. Hm. Komisch. Ich trink noch das Bier aus.“

-“Ja, eines haben wir noch immer getrunken, weg mit dem Bier! Das wird ja nur alt! Und das Märchen da…Alter, da hab ich schon wirklich Langweiligeres spannender gefunden…hahahaha“

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–“Bridge?“

„Ja?“

–“Gut geschlafen?“

„Voll gut. Ich hab aber echt merkwürdig geträumt.“

–“Setz dich mal, Kaffee haben wir schon aufgesetzt, gleich fertig.“

„Ich hab von einer Gestalt geträumt…einer Frau…die ist durch die Hütte geschlichen, hat aber nur geschaut, ob alle gut schlafen, hat mir die Decke sogar raufgezogen, die ich runterstrampelt habe…dann ist sie raus…und am Lagerfeuer ist ein Typ gelegen mit Bierflaschen um sich…den hat sie geweckt und ist mit ihm dann in den Wald gegangen.“

—-“Arg. Ich hab nämlich gestern eine Geschichte erzählt von einer weißen Frau….“

„Ja, die hatte so ein langes weißes Kleid an. Und langes Haar.“

–“Du machst mir echt Angst.“

„Du, die war ja voll nett. War ja nur ein Traum. Was war das für eine Geschichte?“

–“Erzähl ich dir nachher. Jetzt sitzen wir vier mal gemütlich zusammen und essen gutes Frühstück.“

—-“Ja, wir vier, die fantastischen Vier! Meine Güte haben wir schon viel gemeinsam erlebt. Und du, Bridge, du solltest dir mal wieder einen Freund suchen, echt jetzt, bist so ein tolles Mädel, bist jetzt lange genug allein.“

Autor: XVII

Bilder: Wikimedia Commons, cabin: jerrye & roy klotz md,
Married Clark Wallace Bishop, 1928