Archiv für den 12. August 2017

Editorial

Samstag, 12. August 2017

Well met, alle zusammen!

Sommergewitter an allen Ecken und Enden – da bebt er Boden mit dem Krachen des Donners und die Wassermassen – in die sich Hagel mischt – bringen dem Zivilisierten, der verzweifelt nach Kerzen sucht (um trotz Stromausfalls wenigstens ein wenig Licht zu haben) einmal mehr in Kontakt mit Mutter Natur. Nachdrücklich!

Unser Spendenbild heute stammt mal wieder von Ronny, der die Mondfinsternis für uns eingefangen hat – vielen Dank dafür!

Partielle Mondfinsternis copyright Ronny

In unserem heutigen Update findet Ihr wieder einmal eine Geschichte von Veleda Alantia, „Die Geschichte von der Tiefe„, für die wir uns auch herzlich bei XVII bedanken, der sie fürs WurzelWerk organisiert hat.
Der Teil III von „Ein Treffen mit Dayonis“ vervollständigt unseren heutigen Lesestoff für Euch.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare – oder vielleicht sogar den einen oder anderen Artikel aus Eurer Feder?!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

 

Die Geschichte von der Tiefe, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 12. August 2017

Diese Geschichte vertraute mir ein Stein an,
der vor einem Bergwerksstollen am Eingang lag.
Die Sonne wärmte ihn und er war bereit mir die folgende Geschichte zu erzählen..

Vor einer Zeit, als die Welten noch regelmäßig miteinander verkehrten und Freundschaft eine Tugend war, lebte eine junge Frau in einem Tal. Sie war früh zur Außenseiterin geworden da sie Freundschaft mit den Elben hatte und die Geheimnisse der Wälder ihr nicht unvertraut waren.

Eines Tages hiess es ein Drache bedrohe das Land. Die Tapfersten zogen mit Getöse aus. Manche kamen angstzitternd zurück, andere nie mehr.

Das Mädchen sass am Brunnen und unterhielt sich mit der Quelljungfrau. “Was sollen wir nur tun? Keiner der Männer traut sich mehr aus dem Dorf.”

“Dann musst du es wagen.”  Erstaunt sah sie ihre Freundin an .
”Ich? Was kann ich denn schon tun.”

“Etwas, daß nur Du kannst. Hab keine Angst. Geh in den Wald bis zum heiligen Ort. Am Rand ist eine Höhle. Darin findest du Hilfe um das Bevorstehende zu bestehen.”

Sie ging nach Hause, packte ihren Beutel und nahm Proviant und Geschenke für die Anderswelt mit und machte den ersten Schritt ins Ungewisse.

Sie fand die Höhle wie von ihrer Freundin vorhergesagt.

Von aussen war die Höhle unheimlich, es roch nach Tod und Algen. Als stünde irgendwo Wasser.

Die junge Frau ging nun mit vor Angst klopfendem Herzen vorran. Ein Wind geboren aus Chaos bliess ihr das Feuerzeug aus und sie bekam es nicht wieder an.

Nun hatte sie die Wahl. Zurückzugehen und ihr Scheitern eingestehen oder die Angst zum Freund machen.

Sie wählte letzteres, machte die Angst zu ihrem Verbündeten und ging weiter in die Dunkelheit.

Es war so dunkel wie in einem Mausoleum.

Plötzlich schimmerte es vor ihr, als sei in der Höhle der Mond aufgegangen.

Es war so schön, daß ihr das Herz aufging. Ein Mond mitten in der Höhle? Sie ging in das Licht und spürte wie es sich wie Seide um sie schmiegte. Als sie heraustrat trug sie ein silbriges Gewand mit Glockenärmeln. An deren Enden waren Mond und Wassersymbole gestickt. Nun hatte sie die Erkenntnis, daß die Höhle nicht unbewohnt war. Ein Wesen musste hier leben.Verborgen von der Welt.

“Danke für das schöne Kleid. Zeig dich mir doch.” sagte sie in die Finsternis.

Eine Frau trat raus. Jung und alt zugleich. Sie strahlte voller Macht und Geheimnis. ”Lebe eine Zeit bei mir. Der Herr der Höhle und ich sind gute Nachbarn seit langer Zeit. Und von ihm ist auch das Kleid.”

So begann ihre Lehrzeit bei der alten Frau in der Tiefe. Sie lernte den Rhytmus und die Magie des Meeres. Aus Buchenstäben weisszusagen. Mit Kristallen zu heilen.

Eines Abends hörte sie ein Grollen in der Tiefe der Höhle und sie fragte die Alte was das sei. “Geh nur und schau nach. Du hast alles in dir was du brauchst.“ sagte sie mit wissendem Lächeln. Da sie die Alte liebte und ihr vertraute ging sie voran.

Es wurde wärmer, je weiter sie kam. Am Ende brannte ein Feuer und ein knorriger Mann sass dort. ”Sei willkommen.” flüsterte er mit brüchiger Stimme.

Da sie eingeweiht worden war machte sie ihm einen Tee aus Heilkräutern und segnete ihn ehe sie den Tee an den Mann weiter reichte.

Dankbar trank er, wurde gesund, schien jünger zu werden. Der Schatten, den er warf, war der Schatten des Drachen! Wasser rauschte um ihn, das Feuer sprang an ihm hoch wie ein Welpe und die Erde und die Luft trugen den Duft der Magie mit sich, als er sich verwandelte und zum Drachen wurde.

Doch statt wie früher vor Angst zu vergehen kniete sie nun in Demut vor ihm nieder.

“Mein Herr der Elemente nehmt bitte den Schatten von unserem Land..”
Eine Kralle hob sie an daß sie aufstand.

“Steh aufrecht vor mir. Ich liebe dich für deine Beharrlichkeit und Demut. Darum tue ich was du dir erbittest. Bleibe bei mir.”

Als geachtete Priesterin ging sie in ihr Dorf zurück. Geliebt von ihrem Drachen und gesegnet von der Göttin der Tiefe trat sie aus der Höhle hinaus.

An manchen Tagen der kommenden Jahre sah man sie auf ihrem Drachen über das Land gleiten. Verbunden in Liebe.

Ende

Autorin: Veleda Alantia, Bild: Veleda Alantia

„Ein Treffen mit Dayonis – Teil III , geschrieben von Morgana, übersetzt von Anufa, bearbeitet von Chris“

Samstag, 12. August 2017

Wie so oft ist britisches praktisches Denken und Pragmatismus am Werk. Das ist für mich einer der Aspekte des Gardnerischen Wicca, den viele Leute schwer zu begreifen finden. Wir sorgen dafür dass „es funktioniert“ und erfinden Dinge aus dem Stehgreif. Wir veräppeln gern Leute aber wir haben auch eine gewisse Überheblichkeit, die sich oft in unserem Sprachgebrauch zeigt. Jeder, der schon einmal die Online-Listen „Was Briten sagen … und was sie meinen“ gesehen hat, wird genau wissen, wovon ich hier spreche. 

Also, nein, wir haben keine standardisierte „spezielle rote Kerze“ – wir können aber eine rote Kerze haben, die speziell ist …

Aber ich schweife ab, noch eine typisch britische Gewohnheit.

Dayonis und ich verstanden uns so gut, dass sie mich einlud, sie länger zu besuchen – was ich im Oktober 2016 tat. Was für eine wunderbare Woche wir hatten! Vierzig Jahre Neuigkeiten aufzuholen war eine Herausforderung, aber wir konnten eine ganze Menge teilen. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich vorher noch kein so außerordentliches Paar getroffen habe! Seit 60 Jahren verheiratet und sich immer noch so zugetan. Sie interessieren sich immer noch beide für die Welt und lesen jeden Tag die Zeitungen. Ich war während der Endphase der Präsidentenwahl im November dort und wie sprachen über die unterschiedlichen Kandidaten, die Skandale und die Schlammschlachten, aber auch über den Effekt des Brexit und den erstarkenden Rechtspopulismus in Europa.

Obwohl Dayonis jetzt Amerikanerin ist, ist sie in ihren Anschauungen immer noch sehr britisch. Wir ähneln uns in dieser Hinsicht sehr – wir haben beide das Vereinigte Königreich in unseren Zwanzigern verlassen – und haben beide in unserer Wahlheimat eine neue Nationalität angenommen. Wir sprachen auch eine Menge über unsere englische Erziehung, obwohl wir beide in Wales geboren waren. Und auch über unsere ununterbrochene Liebe für BBC Dramas, beispielsweise.

Dayonis wurde am 20. März 1931 in Cardiff geboren. Nach Fred Lamond, den Dyonis zu Imbolc 1957 einweihte, hat Gerald Gardner Reportern einmal erzählt, dass Dayonis „aus einer Hexenfamilie stammte. Sie sah mit ihrem Elfengesicht auch so aus, als ob sie geradewegs aus einem Arthur Rackham Bild käme.“
Zufällig war es auch Fred, der Dayonis ihrem späterem Ehemann vorstellte. Sie trafen sich alle bei „Mensa“ (in England 1946 gegründet), als Dayonis dort bei der Gesellschaft einen Vortrage hielt. Er und Fred waren zwei Gründungsmitglieder der Mensa Gesellschaft. Dieses Treffen war 1959. Sie heirateten im September 1959, eine Woche, bevor sie nach Kanada auswanderten.

Als Dayonis in die Craft kam, war sie jedenfalls die Freundin von Jack Bracelin und er wurde später ihr Hohepriester. Sie wurden beide 1955 eingeweiht. Jack wurde von Barbara Wickers initiiert und Dayonis von Gerald Gardner. Sie war 24 Jahre alt. Sie wurden Teil von dem was später der „Bricket Wood Coven“ genannt werden würde.

Sie erinnert sich:

Wir waren nur eine Gruppe an Leuten, die etwas gefunden hatte, das zu ihnen passte und wir folgten „ihm“ dorthin, wohin „es“ uns führen sollte. Das war so eine Menge an Zufällen, die alle auf einmal passierten. Wir schienen alle nach etwas zu suchen und die Craft wurde genau das, was wir gesucht hatten. Das war das Gefühl der Gemeinschaft und des sich sehr, sehr Mögens, im Großen und Ganzen eine gute Zeit zusammen zu haben. Die Craft war damals sehr intim, weil wir nur sehr wenige waren, die sie ausübten.

Bricket Wood fing wirklich mit Jack an. Er war derjenige, der Geralds Buch „Witchcraft Today“ (herausgegeben 1954) gefunden hat. 
Jack sprach mit Gerald und das war der Anfang des Bricket Wood Coven. Er und ich waren zu dieser Zeit zusammen und wir hatten beide Geralds Buch gelesen. Wir fühlten, dass die Craft zu finden, ein „nach Hause Kommen“ war. Als Jack mich Gerald vorstellte, fiel alles an seinen Platz. Wir gingen nach Bricket Wood hinauf, sahen das Hexenhaus und Gerald sagte uns, wie wir uns organisieren könnten um die Leitung des Five Acres Club zu bewerkstelligen.
Tatsächlich war es Jack, der die Basisarbeit leistete. Er war der Arbeiter und er arbeitete unglaublich hart. Im Hexenhaus legte er den Fussboden; er malte die Begrenzung des Kreises, den wir benutzten, auf den Boden und markierte die Himmelsrichtungen. Er war eigentlich der Leiter.“

Über Jack sagte sie: „Er war nett, ein bisschen anders als die meisten Leute. Er trank sehr viel Tee und war wirklich sehr angenehm. Jack war freundlich und freigiebig, wirklich eine nette Person. Er suchte, er suchte wirklich, nach etwas Spirituellem. Er war sehr unterstützend. Wenn man etwas brauchte, etwas erledigt werden sollte oder man etwas wissen wollte, dann fragte man Jack.“

Wenn sie von Jack redete, dann erinnerte sich Dayonis auch wie er dabei half, das berühmte Hexenhaus, „Witch´s Cottage“ herzurichten. – „ Es war sehr schlicht. Es war ein einziger Raum. Jack legte einen neuen Fußboden, strich diesen dann schwarz und malte dann in weiß einen Kreis mit 9 Fuß Durchmesser auf, mit Markierungen, wo die Himmelsrichtungen waren. Die Außenbegrenzung war zwei Inches breit und gab mir die Begrenzung an, wenn ich herumging um den Kreis zu erschaffen. Es gab eine Truhe, die wir als Altar nutzten, und in der wir die Dinge aufhoben, die für den Altar benutzt wurden. Das war´s. Wir hielten es einfach.“

 

Ende Teil III