Archiv für Oktober 2017

Editorial

Samstag, 28. Oktober 2017

Well met, alle zusammen!

Stürmisch ist es hier bei uns – heftige Böen fegen die Blätter von den Bäumen und alles was nicht niet- und nagelfest ist, findet sich an einem anderen Ort wieder oder auch nicht mehr …
Dank Ronny können wir ein eher seltenes Farbenspiel mit Euch teilen – vielen Dank Ronny für die BildSpende!

copyright Ronny

Unser heutiges Update passt wieder wunderschön in diese bewegte Zeit. Beate Helene hat ihre „Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen“ mit uns geteilt – aus dem Leben gegriffen und aus dem eigenen Erleben niedergeschrieben. Ich persönlich mag derartige Artikel fast noch lieber als fachlich gut recherchierte SachArtikel. Aber das ist wohl Geschmackssache …
XVII hat eine weitere Folge seines „Necromanten“ in den RegenBogen gestellt – eine wunderbare Lektüre für den morgigen Regentag.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und ich freue mich, dass die Aufrufe zum Teilen Eurer Gedanken doch ein Echo gefunden haben.
Lasst das einen Anfang gewesen sein, damit wir uns alle noch auf viele neue und spannende Artikel freuen können!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen, geschrieben von Beate Helene

Samstag, 28. Oktober 2017

Die Tage sind merklich kürzer geworden, der Oktobersonnenschein schenkt uns das goldene Licht, das typisch ist für das müde gewordene Jahr. Ich bin sehr dankbar um diese Sonnenstunden, die nun nicht mehr so selbstverständlich sind.
Vieles bewegt mich im Moment. Vielleicht merkt man das an meinem Rückzug im Außen, meine Schneckenhauszeit hat wieder Einzug gehalten. Wie kann man sich auch mit vielen anderen Menschen beschäftigen, wenn es manchmal schon schwer fällt, sich auf ein beiläufiges Gespräch einzulassen. Mit meinen Hortkindern genieße ich diese Zeit, denn mit ihnen gibt es keinen Smalltalk, das haben erst die Erwachsenen erfunden. Das ist Kommunikation von Herz zu Herz und mein Erziehungsauftrag, der mir in Fleisch und Blut liegt. Ich empfinde dieses Tun nicht mehr als meine Arbeit, sondern als einen wichtigen, freudvollen Teil meines Lebensinhaltes, den zu erfüllen ich hier auf der Welt bin.

Was ist es nun, das mich in die Nebel zieht? 

Melancholie umspielt mein Herz. Ihre Wellen treffen mich, manchmal hart, manchmal ganz sanft. Die Erinnerungen an letztes Jahr um diese Zeit steigen auf, manchmal brechen sie auch komplett unvermittelt über mich herein. Es sind Bilder von Krankenhaus und dem Bangen um Leben und Tod, es ist die Erinnerung an eine unzerstörbare Liebe, die vom Tod nicht tangiert wurde.
Ich habe das große Bedürfnis, meine braun gewordenen Blätter dieses Jahres einem Mantel gleich über meine Wurzeln fallen zu lassen. Meine Kräfte ziehen sich zurück aus den kleinen Ästchen und sammeln sich in Stamm und Wurzeln. Ich brauche den Geruch der nassen Herbsterde und ihrer noch bunten, raschelnden Blätterdecke, durch die ich erst letztes Wochenende an wunderbaren Orten spazieren durfte. Dieser Oktoberduft beschreibt mein Gefühl am besten.

Beates Samhain copyright Beate Helene

Ich bemerke, dass ich große Sehnsucht nach meinen lieben Verstorbenen habe. Ich erinnere mich an meinen Opa mit seiner Ruhe und Herzlichkeit. In seinen Armen war die Welt immer in Ordnung, egal was mir vorher passiert war. Er konnte alles wieder gut machen. Meine Schwester fehlt mir so unendlich. Ihr Lachen, ihre unverhohlene Liebe zum Leben und zu uns, ihre kleinen Phrasen, die sie so gerne verwendete… am meisten ihr gesprochenes „Liiiiiebe“, das sie uns so oft sagte, zu allen möglichen Gelegenheiten… Die anderen Mitglieder meiner Familie, die früher sehr groß war und es gewohnt war, alles zu feiern was ging… dies alles fehlt mir.
Sehnsucht breitet sich aus… nach etwas, das dem Menschen Beate nicht mehr wiederbringlich ist.

Die Konfrontation mit dem Tod, mit immer mehr Toden und Abschieden im Laufe eines Lebens, lässt mich jedes Mal ein Stück mitsterben. Ich werde nachdenklich. Eigentlich beginnt das Sterben schon bei der Geburt. Nichts sonst im Leben ist wirklich determiniert, bis auf den Tod. Dies meine ich keinesfalls negativ oder aus einer pessimistischen Einstellung heraus. Was ich bei mir beobachten kann, ist, dass mich jeder Tod eines geliebten Menschen ein bisschen in die andere Welt hinüber bringt. Ich meine damit die Welt hinter den Schleiern der Materie.
Ich habe dadurch, dass ich bereits zwei Menschen (meinen Großvater und meine kleine Schwester) vom Leben ins Sterben begleitet habe und dabei war, als sie ihren letzten Atemzug taten, einen ganz speziellen Bezug zum Tod bekommen.

Der Tod ist kein Feind

Er ist auch nicht unbarmherzig, wie es das Sterben sein kann – nein, der Tod ist friedlich, er ist das Ende, die Krone eines Lebenszyklus‘, ästhetisch und furchtbar zugleich. Er mag Sinngeber sein – was täte ich, hätte ich die Ewigkeit zur Verfügung und wäre immer in diesem Wesen eingesperrt… Dieser Gedanke kommt für mich der mittelalterlichen Hölle am nächsten. Der Tod begrenzt das Leben und gleichzeitig ist er der größte Motivator zur Vollendung eines Projektes, genannt „Leben“.
Denn hätte ich die Ewigkeit zur Verfügung, die Unsterblichkeit, so verdiente dieser Zustand im Körper eines Menschen wohl eher die Bezeichnung „untot“ oder „existierend“.

Der Tod bringt mich dem Leben näher. Ich spüre intensiver. Meine Wahrnehmung wird tiefer. Oft verbinden sich Geschmacks-, Geruchs-, Tast- und Sehsinn, sodass Geschmäcker Formen bekommen, oder ich etwas sehe und den Geschmack dieses Ereignisses auf der Zunge schmecke, genauso wie ich die Ausstrahlung eines Menschen riechen kann (was nicht immer angenehm ist, wenn man jemanden nicht sympathisch findet z. B.).

Der Tod hat mich grundlegend verändert

Nie mehr werde ich die sein, die ich war, bevor er mich sicher durch meine größte Angst auf der Welt geführt hat. Und er war ein guter Begleiter, voll des Trostes, denn er leerte meinen vollen Kopf von allen kreischenden Gedanken und er leerte mein überschwappendes Herz durch die Wasser meiner Augen. Vor allem im vergangenen Trauerjahr, das in etwa zwei Monaten zu Ende geht, begann ich Zuneigung zu ihm zu empfinden.
Er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse meines Körpers und meines Geistes wieder sehen zu lernen und sie zu stillen. Ich erkannte den Unterschied zwischen „mich für andere verbiegen“ und etwas für mich selbst zu tun – oder wie gerade in dieser Zeit NICHT zu tun, in die Stille zu gehen. Meinem Geist ist das schon unheimlich, er will mich immer wieder dazu überreden, wieder voll loszulegen, doch ich weiß, dass meine Energie für ein sprühendes Gesellschaftsleben noch nicht stabil genug ist. Ich weiß noch nicht einmal, ob mir dies noch gefällt… aber das werde ich herausfinden an der sicheren Hand des Todes, der mich festen Schrittes wieder zurück in mein Leben führt, während er meiner Seele immer größere Räume eröffnet und ihr zeigt, wie sie ihre Schwingen nutzen kann, um diese Räume Zentimeter um Zentimeter zu erforschen.
Ich bin überzeugt davon, am Ende meines Lebens jenes wirklich ausgekostet zu haben, von bitter bis honigsüß. Ich werde ohne Angst gehen können, denn ich weiß, dass ich meinen persönlichen Tod bis dahin sehr gut kennen gelernt haben werde. Möge viel Zeit in Glück und Gesundheit bis dahin vergehen!
Doch wenn es auch einmal soweit ist und ich meinen Körper zurück zu Mama Erde legen darf, so werde ich meinen Tod umarmen und wissen, dass ich den letzten Schritt über die Schwelle niemals werde alleine bewältigen müssen, wenn ich seiner Hand vertraue.

Holle – Herzenskunst made by Beate

Wie geht es euch in dieser Zeit?
Schwarz und Weiß
Leben und Tod
Wo ist der Schatten, wo ist das Licht?
Fehlt eins der beiden, definiert das and’re sich nicht.
So ist’s auch die Not mit Leben und Tod:
Was ist des Lebens wahrer Sinn,
wenn ich der Endlichkeit ungewahr bin!

Der Nekromant – Teil II

Samstag, 28. Oktober 2017

-“Chad? Chaaaaaaaad!“

Meine Augenlider sind schwer. Ich bin noch so müde.
So müde. Die Decke ist so schön warm.

-“Chad. Aufstehen.“

„Gleich…ich…“

Sie zieht mir die Decke weg.

-“Komm schon, ich hab dir Kaffee gemacht und ein paar Semmeln aufgebacken.“

Jetzt kann ich den Kaffee riechen.
Mhhhh.
Ich setz mich auf.
Sie reißt die Vorhänge auf.
Licht blendet mich.
Ich bedecke meine Augen mit der Hand…und zwischen meinen Fingern sehe ich Flower.

Wie sie beim Fenster steht. Sie hat nur ein leichtes Hemdchen an, welches ihr bis zu den Knien reicht. Und wird von hinten mit dem starken Sonnenlicht umhüllt…wie ein Engel.

-“Chad. Engel bin ich sicher keiner.“

Ich vergess das nur zu rasch…sie liest mich, sie kann einfach alles von mir erfassen und sehen.
In mir wie in einem Buch lesen.
Das Zimmer, welches ich bewohnen darf ist sehr schlicht eingerichtet.
Schlicht, aber schön.
Zwei Kästen, einer für Persönliches einer für „die Arbeit“.
Ein Schreibtisch, darauf ein leerer Notizblock DinA4, zwei Bleistifte.
Ein kleines Tintenfass, mehrere Federn unterschiedlicher Größe.
Liegt alles fein penibel nebeneinander.
Davor ein Holzstuhl.
Keine Bilder, der Raum ist weiß.
Holzboden. Darauf ein kleiner Teppich.
Der Teppich ist tiefrot.
Die Vorhänge ebenso. Schwere Vorhänge, tiefrot.
Blutrot.
Ein Bett, mit verdammt weicher, angenehmer Matratze.
Die Bettwäsche sanft…selten so gut geschlafen.

-“Chad?“

„Ja, Flower?“

-“Milch?“

„Ja, Danke.“

Sie gießt mir ein und reicht mir die Semmeln.
Wir sitzen beide nun im Esszimmer.
Im Hintergrund läuft klassische Musik im Radio.

-“Bevor Iver kommt, werden wir noch jemanden abholen.“

„Ok. Ist gut. Wen holen wir ab?“

-“Einen alten Freund. Du wirst ihn mögen.“

Sehr geheimnisvoll.

-“Vor was hast du Angst? Also so wirklich Angst?“

„Pffff…schwer zu sagen. Ich meide Menschenansammlungen, also wenn wirklich viele
Leute zusammen sind, Veranstaltungen. Und…du, ich liebe ja alle Tiere, aber Hunde machen mir Angst. Ich weiß nicht warum, aber die wirken besonders gefährlich auf mich.“

-“Gut, gut.“

„Flower, du machst mir auch Angst.“

Ich grinse.

Sie lacht.

-“Ich weiß. Wird sich legen. Vor mir brauchst du ganz sicher keine Angst haben. Ich bin für dich da. Ich nehme das sehr ernst mit meiner Aufgabe dir als Mentorin zur Seite zu stehen.“

Minuten später sitzen wir in ihrem kleinen roten Flitzer.
Sie rast durch die Stadt. Hat ihr Auto vollkommen im Griff.

Wir hören im Auto weiter klassische Musik.

-“Du hast heute gute Arbeit geleistet. Und nachher…du bist ja sofort eingeschlafen!“

„Kein Wunder. Ich war so fertig. Nicht nur körperlich. Ich war überdreht und gleichzeitig todmüde. Dachte, ich könne nie einschlafen. Und war offenbar gleich weg. Arg, was du dort im Spital leistest. Ich ziehe meinen Hut vor dir.“

-“Wie du das kleine Mächen beruhigt hast, das hat mir am besten gefallen. Hast du gut gemacht.
Auch, als du nachher das kleine Strichmännchen auf ihren Gips gemalt hast, du, das hat mich wirklich berührt. Du warst gut gestern.“

„Der alte Mann…“

-“Ja, seine Zeit ist gekommen. Hast du es gesehen? Hast du es wahrgenommen?“

„Ja. Ja. Da war etwas.“

-“Nein, nicht etwas…was hast du gesehen?“

„Farben. Da waren ganz viele Farben.“

-“Gut. Ein guter Anfang. Und was hast du bei ihm gespürt?“

„Angst. Aber auch Loslassen. Entspannung. Hoffnung, ja, da war auch Hoffnung.“

-“Gut. Sehr gut. Ah…wir sind schon da.“

Tierhandlung SPÖRK.
Steht da in großen Lettern.
Eine Frau öffnet uns.

–“Flowers! Schön, daß du vorbekommst. Arak wartet schon.“

-“Danke.Ich freu mich schon ihn mal wieder zu sehen.“

Wir gehen rein.

-“Chad? Was spürst du? Was nimmst du wahr?“

„Angst. Ich habe Angst. Es kriecht Angst in mir hoch.“

-“Und? Was ist da, was…wer wartet auf dich?“

„Es ist groß, schwarz, unheimlich, mit einer tiefen Weisheit. Gefährlich.“

-“Hm…dann begrüssen wir ihn doch mal…ARAK!“

Aus einem Hinterzimmer hört man Poltern. Dann ein Kratzen auf dem Boden.
Hektisches, rasches Kratzen.
Und aus dem dunklen Raum rennt was wirklich Großes auf uns zu.
Ein HUND. Ein RIESENHUND.
Ich weiche zurück. Mein Puls rast.
Der Hund rast auf mich zu. Richtet sich auf. Er ist so groß wie ich.
Legt seine Pfoten auf meine Schulter. Ich erstarre.

-“Arak mag dich.“

Ich bewege mich keinen Millimeter.

-“Du wirst die nächsten Tage einen Begleiter haben. Arak.
Du wirst dich um ihn sorgen und er wird für dich da sein.
Ein vorübergehender Begleiter. Und du wirst von ihm lernen.“

Ich bin starr.

-“Arak ist übrigens kein Hund. Er ist ein Wolf.“

Arak schaut mich an.
Und ich berühre sein Fell.
Er setzt sich vor mich hin.
Und lässt sich streicheln.
Ich streichle seit 20 Jahren wieder einen Hund…äh…Wolf.
Und mein Puls wird langsamer.
Er schaut mich gütig an.

-“Sehr gut. Ich bin auf euch beide stolz. So…und ihr kommts jetzt beide ins Auto
und wir fahren wieder heim, Iver kommt bald.“

Arak schaut sie an, als würde er jedes Wort verstehen.
Dann schaut er mich an. Meine Stimme zittert leicht:

„Buh, Arak, du machst mir Angst. Aber, schön dich kennenzulernen. Ich hoffe,
wir kommen gut miteinander aus.“

Und der mächtige Wolf, der mich sofort in 1000 Stücke reißen könnte, reicht mir die Pfote.

Autor: XVII

Bildquelle: Wikimedia:
Wien Margaretengürtel CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=171983
Black Canis Lupus By Bruce McKay – http://www.flickr.com/photos/brucemckay/5069335754/

Editorial

Samstag, 21. Oktober 2017

Well met, alle zusammen!

Wieder einen Schritt näher an Samhain … die Nebel werden bei uns auch schon dichter und die Nächte empfindlich kalt. Die Wahl bei uns in Österreich ist auch geschlagen und die Frage ist, ob sich zumindest ein bisschen etwas ändern wird – und wenn ja, in welche Richtung?! Ändert sich vielleicht die ganze Webart des Netzes …

Weaver of the web copyright Sati

Unser heutiges Update ist auf der künstlerischen Seite. Roady hat sich so seine Gedanken zum Thema „Seminare“ gemacht und Veleda Alantia hat uns wieder eine ihrer Geschichten gespendet, diesmal die „Geschichte von der AllRaunen Frau„.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mitarbeit, damit uns auch in Zukunft das Material nicht ausgeht. Meldet Euch einfach bei redaktion klammeraffe wurzelwerk.at oder antwortet hier im Blog (oder auf fb) – wir setzen uns dann umgehend mit Euch in Verbindung. Für gute Artikel laufen wir schnell und weit *zwinker*

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Wie das so ist mit Seminaren … gezeichnet von Roadman

Samstag, 21. Oktober 2017


Roady hat zum Thema „Seminar“ so einiges zu zeichnen … sichtlich gibt´s ja viele Motive, Seminare zu besuchen.


Was dabei dann so passiert ist halt auch nicht jederelfs Geschmack … vielfach eher im Gegentum!