Archiv für November 2017

Editorial

Samstag, 25. November 2017

Well met, alle zusammen!

Nachtfröste, Nebel – aber auf den Bergen auch wunderschöner Sonnenschein. Das alles ist nur das Präludium für den ersten Schnee … Regierungsverhandlung, Lohnrunden, Koalition oder doch nicht … jetzt fragt sich nur, wofür genau das das Vorspiel ist.

 

Sue´s Frostrose zu finden auf Passionate about photography – Todmorden

Bei uns gibt´s gleich den Hauptfilm. Diese Woche eine weitere Folge von Magister Botanicus „NATuQuTAN„, diesmal den Teil X und da geht´s besonders um Themen, die für magisch Tätige interessant sein dürften.
Den zweiten Artikel hat Sati für uns organisiert. „Stellenwert und Ansehen der Götter„. Herzlichen Dank an René für die Spende und an Sati fürs Organisieren!
Schön, dass die Vielfalt der Autoren im WurzelWerk weiter zunimmt! Je mehr Sichtweisen zur Verfügung stehen, desto lebensnaher wird das Bild, das sich unsere Leser über das real gelebte Heidentum machen können.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare (die die letzten Monate extrem selten geworden sind!) oder auch weitere GastArtikel.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

NATuQuTAN – Teil X, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 25. November 2017

Telepathie

Person A hegt den Wunsch, zu wissen, was Person B gerade denkt, wobei für dieses Beispiel eine starke emotionale Bindung zwischen beiden Personen bestehen soll. Dieser Wunsch fasst als stringenter und ständig bewusst wiederholter Gedanke in den dafür zuständigen Gehirnzentren von Person A Fuß. Zusätzlich versucht sich Person A ebenso beständig Person B vorzustellen – und zwar in allen ihren materiellen wie auch emotionalen Ausprägungen (Aussehen, Sprechen, Essen, Trinken, Gefühle usw.).

Diese Gedanken manifestieren eine kontinuierlichen Aktivität von Nervenzellen im Gehirn von Person A, die zum einen dem Wunsch und zum anderen ihrer Sicht von Person B entsprechen. Des weiteren werden analog zu Nervenzellaktionen Bio­fotonenströme von der Nervenzelle produziert, welche ihrerseits imaginäre In­formationsstrukturen tragen. Letzteres ist natürlich auch bei Person B der Fall, auch wenn Person B sich nicht auf Person A konzentriert.

Werden nun die imaginären Informationsstrukturen der Biofotonen im Bereich der Entelechie wirksam, so können sich durch wahrscheinlichkeitsverändernde Faktoren diese Informationsstrukturen an die von Person B angleichen. Dies hat zur Folge, das Person A und Person B auf der entelechalen Ebene gleiche oder ähnliche imaginäre Informationen gleichzeitig miteinander teilen, was zur Folge hätte, dass sich auch die imaginären Trägerstrukturen – also die Biofotonenströme – aneinander angleichen können. Dies bewirkt dann auch eine spontane Änderung der Nerven­zellaktivität, allerdings nicht in dem Maße, das tatsächlich völlig gleiche Gedanken­inhalte zur gleichen Zeit von Person A und B empfunden werden. Vielmehr führen die geringfügigen Änderungen der Spontanaktivität zu Assoziationen und Assoziationsketten, die sich gegenseitig rückkoppeln und wahrscheinlich eine ge­meinsame Grundassoziation bilden.

Telepathie würde dann in diesem Beispiel Person A die Möglichkeit bieten, zunächst einmal die psychische Grundgestimmtheit von Person B zu erfassen und über seine spontan auftretenden Assoziationen zu Person B – aufgrund der Kenntnis von Person B in allen Bereichen – ein wahrscheinliches Gedankenmuster entwerfen. Dies würde auch erklären, warum eine telepathische Verbindung zwar die Gefühle eines anderen Menschen transportiert und auch noch mehr oder weniger genaue Umrisse der Situation, in welcher er sich momentan befindet – nicht aber oder nur in ganz extremen Ausnahmefällen konkrete Gedankeninhalte.

Wichtig ist, dass bei diesem Vorgang keine Energien übertragen werden müssen oder andere als imaginäre Teilchen für die Informationserlangung in Betracht kommen. Wären nämlich materielle Elemente der Raum-Zeit an dem Vorgang der Telepathie betei-ligt (etwa Elektro-nen), so müssten sie oder ihre Auswirkungen auf das Gesamtsystem Mensch messbar sein.

Psychokinese

In einer Experimentalsituation soll Person C berührungsfrei eine piezokristalline Folie psychokinetisch so beeinflussen, das sie ein geringer Stromfluss erzeugt. Der Person wird gezeigt, dass Druck auf die Piezofolie ein angeschlossenes Messgerät ausschlagen lässt, d.h. ein geringer Stromfluss durch diesen Druck erzeugt wird.

Person C konzentriert sich in diesem Fall darauf, dass ein imaginärer Druck auf die vor ihm liegende Folie ausgeübt wird. Wiederum manifestiert sich eine kontinuier­lichen Aktivität von Nervenzellen im Gehirn von Person C, die dem Wunsch und ihrer Interpretation des Vorgangs entsprechen. Des weiteren werden ebenfalls wie im ersten Beispiel analog zu den Nervenzellaktionen Biofotonenströme von der Nervenzelle produziert, welche ihrerseits wieder imaginäre Informationsstrukturen tragen. Würden diese imaginären Informationsstrukturen im Bereich der Entelechie tatsächlich wirksam, was nachweislich gerade im Falle der Psychokinesephänomene selten genug geschieht, so können sich gleichzeitig verschiedenste wahrscheinlich­keitsverändernde Faktoren ausbilden und als Möglichkeit in die Raum-Zeit abge­bildet werden.

Zum einen wäre eine, auf einen Teil der Piezofolie begrenzte Veränderung des Luft­drucks denkbar; ebenfalls vorstellbar wäre es, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines spontanen Stromfluss in der Folie soweit erhöht würde, das tat­sächlich ein Induktionsstrom fließt oder das der Zeiger des Messgerätes bewegt wird, ohne dass jedoch tatsächlich ein Stromfluss vorliegt.

Im Falle der Formbeeinflussung eines Gegenstandes, etwa einem Metallstab, durch Psychokinese, würde es genügen, durch die imaginären Informationsstrukturen das Wahrscheinlichkeitsfeld des Kristallgitters dahingehend zu verändern, das die ge­bogene Form in der Raum-Zeit wahrscheinlicher ist, wie die gerade Form. Somit er­scheint der Metallstab in der Raum-Zeit gebogen worden zu sein, aber ohne tat­sächlich für diesen Vorgang Energie aufzuwenden. Wären wägbare Teilchen am Vorgang der Psychokinese beteiligt, so müssten diese – wie bei anderen Energie­übertragungsvorgängen – gemessen werden können.

Präkognition

Vorauswissen, also die raum-zeitlich frühere Erfahrung eines zeitlich erst später stattfindendes Ereignis, kann nur unter Voraussetzung einer wie auch immer ge­arteten Futuralpotenz erklärt werden. Beispielsweise kann etwa die Voraussage über einen Flugzeugabsturz nur dann eine bestimmte Wahrscheinlichkeit besitzen, wenn besagtes Flugzeug auch tatsächlich fliegt. Das hört sich logisch an, bedarf aber trotz­dem näherer Erklärung.

Wenn auf der imaginären Informationsebene Äon alle Ereignisse (die jetzt nur dieses Flugzeug betreffen) in der Raum-Zeit stattfinden können vorliegen, so tun sie das zunächst als völlig gleichberechtigte Wahrscheinlichkeiten. Neben einer problem­losen Reise des Flugzeugs liegen also auch alle anderen Möglichkeiten, vom Defekt und der damit verbundenen Negierung einer Reise mit diesem Flugzeug überhaupt bis hin zum Absturz der Maschine nebeneinander.

Startet der Jet nun, so ergeben sich bestimmte, wahrscheinliche Zukunftsmöglich­keiten, die Futuralpotenzen, die von Makro- und Mikrokausalfaktoren abhängen. Da sich die Raum-Zeit anhand der wahrscheinlichsten Möglichkeit dieser Potenzen ständig neu manifestiert, kann ein stromführender, lockerer Draht im Triebwerk des Flugzeugs die Futuralpotenz eines Absturzes hervorrufen – als mögliches Ereignis.

Person D hat nun tatsächlich präkonitive Fähigkeiten und prophezeit einen Flug­zeugabsturz eines ganz bestimmten Jets. Dann hat diese Präkonition nur für eine der vielen möglichen Futuralpotenzen des Jets Gültigkeit und unterliegt den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit. Passiert die Katastrophe tatsächlich, stimmt die Prä­kognition und Person D hat über ihre imaginären Informationsstrukturen die Zukunftsmöglichkeit erfahren, die sich dann auch in der Raum-Zeit manifestiert hat.

Entdeckt ein Techniker bei der Wartung vor dem Flug des Jets den lockeren Draht und repariert er das Triebwerk, stimmt die Präkognition von Person D ebenfalls, nur das Ereignis, welches er wahrgenommen hat, manifestiert sich in nicht in der Raum-Zeit.

Es dürfte damit klar sein, dass eine Präkognition umso unschärfer wird, je weiter das erfahrene Ereignis in der Zukunft liegt und sich die verschiedenen Ereignis­wahrscheinlichkeiten potenzieren (deswegen Futuralpotenzen!). Zu erfahren, welche Spielkarte auf einem Stapel die nächste ist, ist demnach wahrscheinlicher, als eine ganz spezifische, raum-zeitlich definierte Katastrophe vorherzusagen.

Homöopathie

Das Homöopathie als Heilmittel wirkt, steht mittlerweile außer Frage. Alleine, ein Erklärungsmodell für die Wirkungsweise ist nur im Ansatz gefunden, gerade von Hochpotenzen, in welchen sich theoretisch nur noch ein Molekül der tatsächlichen Arznei befindet. Es scheint sich also beim Einsatz von homöopathischen Mitteln um eine Informations-übertragung zu handeln, die auf imaginären Informations­strukturen beruht. Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich niedrige Potenzen auf zellulärer Ebene in einer Frequenz-Harmonisierung der Bio­fotonenstrahlung äußern, Hochpotenzen die Amplituden dieser Strahlung beein­flussen können. Das heißt also, dass die imaginären Informationsstrukturen der Bio­fotonen mit den in der Flüssigkeit enthaltenen imaginären Informationen inter­agieren.

Hier handelt es sich augenscheinlich um wahrscheinlichkeitsverändernde Faktoren, die einen Gesundungsprozess nicht über eine direkte chemische Reaktion mit dem Organismus auslöst, sondern durch Beeinflussung der Biofotonen, die ihrerseits offensichtlich als ursächliches Regulativ für den Gesamtorganismus agieren können.

Krankheit wäre somit erweitert zu definieren, als ein Zustand der von einer idealen, aber imaginären, Funktionalstruktur eines Individuums abweicht. Dieser Ideal­zustand kann durch die Anwendung verschienener Methoden wieder erreicht werden, sowohl auf materiell-energetischer Ebene (Immunsystem, Chemikalien etc.) als auch auf informatorischer Ebene (Homöopathie, psychische Heiler). Anzuregen wäre eine Kombination aller Möglichkeiten die sich je nach Schwere der Erkrankung zu richten hat.

Morphogenese

Noch immer ist die Morphogenese von Organismen nicht vollständig aufgeklärt. Es gibt zwar in der einschlägigen Fachliteratur Hinweise auf Mechanismen, die die Morphogenese beeinflussen, jedoch keine ursächliche raum-zeitlich Struktur, an­hand derer sich die Gene orientieren könnten, den Organismus zu gestalten. Ein morphogenetisches Feld zu postulieren, wie es Sheldrake vor einigen Jahren getan hat, löst zwar das Problem, hat aber leider den Nachteil, das dieses Feld quantifi­zierbar sein müsste, was aber nicht der Fall ist.

Es kann sich demnach als Ursache einer Morphogenese um keine raum-zeitliche Struktur handeln, sondern nur um eine imaginäre Informationsstruktur von quali­tativem Charakter. Anhand dieser Struktur und über die imaginären Anteile der Biofotonen wird ein morphogenetisches Wahrscheinlichkeitsraster zur Verfügung gestellt, anhand dem die Gene sozusagen eine Vorlage für die Form eines Organis­mus besitzen und mit welcher sie durch die speziellen Eigenschaften der Biofotonen wechselwirken können.

Über Konformitätsänderungen von Enzymen und die Beeinflussung der extra- und interzellulären elektrochemischen Eigenschaften, wird dann die Morphogenese ge­steuert – immer in Rückkopplung mit der imaginären Matrize, die in Äon vorliegt, über die Entelechie in der Raum-Zeit manifestiert wird und so Futuralpotenzen aus­prägen kann.

Stellenwert und Ansehen der Götter – geschrieben von René Dieken

Samstag, 25. November 2017

In der Hrafnkels saga freysgoða finden wir Hinweise welchen Stellenwert die Götter früher hatten.

>>> Als aber Hrafnkell das Land zu Adalbol in Besitz genommen hatte, da veranstaltete er ein grosses Opfer; er Hess einen grossen Tempel erbauen.
Hrafnkell liebte keinen Gott mehr als Freyr und ihm gab er von allen seinen besten Kostbarkeiten die Hälfte.<<<<

Zudem erzählt die Saga uns noch, was passieren kann, wenn man ein Versprechen den Göttern gegenüber nicht halten konnte.

Kurzversion :
Hrafnkell weihte seinen Hengst Freyfaxi Frey und schenkte ihm die Hälfte und versprach jeden zu töten der es wagen würde diesen zu reiten. Einarr wurde von Hrafnkell eingestellt und sollte die Tiere hüten und bekam die Warnung, dass er alle Pferde nutzen dürfe außer Freyfaxi. An einem Morgen war die Herde weg und er dachte sich er nutzt das schnellste Pferd und ritt mit Freyfaxi aus um die Herde zu suchen und fand sie auch, doch beim Zurücktreiben warf Freyfaxi Einnar ab und ritt zum Hause Hrafnkell zurück, der gerade beim Essen war. Er nahm daraufhin seine Axt und tötete Einarr um sein Versprechen gegenüber Freyr einzuhalten.

Foto von René Dieken

Wenn man bedenkt, dass auf die Tötung die Verbannung stand, kann man nicht davon sprechen, dass Menschen Götter gleichgestellt waren. Denn Hrafnkell riskierte die Verbannung und den Verlust von all seinem Hab und Gut um Freyr zu besänftigen. Zudem ist die Schenkung der Hälfte seines Besitzes (in dem Falle auch das Vergraben seines Gold Silber und Co.) ein Beleg für die Ehrerbietung die
er für seinen Lieblingsgott Freyr hatte.

Kommen wir nun zu Ibrahim ibn Ahmed at-Tartuschi (ein Chronist aus Tortosa der in Haithabu zu Gast war im 10ten Jahrhundert ). Ihre Bewohner sind Sirusanbeter (Anmerkung dazu , Arabische Reisende/Chronisten dachten damals das Heidentum wäre eine zentrale Allgemeinreligion mit den selben Göttern und nannten daher alle Heiden Siriusanbeter) außer einer kleinen Anzahl, welche Christen sind und die dort eine Kirche besitzen.

Sie feiern ein Fest, an dem die alle zusammenkommen um den Gott zu ehren und um zu essen und zu trinken. Wer den Göttern ein Opfertier schlachtet errichtet an der Tür Pfähle und bringt das Opfertier darauf. Sei es ein Rind oder ein Widder oder ein Ziegenbock oder ein Schwein, damit die Leute
wissen, dass er es seinem Gotte zu Ehren opfert.

Die Stadt Haithabu selber ist arm an Gütern und Segen (aus arabischer Sicht ) und ihre Hauptnahrung besteht aus Fischen, denn die sind dort zahlreich. Bezogen auf die Praktik größere Tiere den Göttern zu opfern und Tartuschis Hinweis, dass an sich die Nahrung großteils auf Fisch besteht, beweist auch welche Opfer den Göttern gebracht wurden. Statt für sich die Tiere zu verwenden wurden sie den Göttern geopfert. Was einen großen Verzicht innerhalb der Familie brachte und man dann sich lieber dem Fisch zuwendete. Was auch ein Hinweis darauf ist, dass der damalige Mensch sich nicht
gleich mit den Göttern sah.

Dann hätten wir da den Stentoftenstein. Der 1,2 m hohe Stein wurde 1864 in die Kirche von Sölvesborg verbracht und im dortigen Portal aufgestellt. Die neuere Übersetzung des Textes zeigt auf, dass der Erbauer/Aufsteller des Steines auf sein Opfer aufmerksam machte wollte, das er
den Göttern gab um so für ein gutes Jahr zu sorgen.

„Durch das Opfer von neun Böcken, neun Hengsten gab Haþuwolafʀ ein gutes Jahr. Hariwolafʀ ist dem Jungen jetzt Schutz. Der Glanzrunen Reihe berge ich hier, Zauberrunen. Rastlos durch Argheit, eines tückischen Todes ist, wer dies Denkmal zerstört.

Und wenn man den Wert von 9 Hengsten zu der Zeit betrachtet, war das nicht gerade ein kleines Opfer. Zudem erhofft er durch die Anbringung von Runen, dass denjenigen der Tod ereilt, der diesen Stein zerstört.

Und dann zitieren wir mal Ibn Fadlan aus seinem Reisebericht aus dem 10ten Jahrhundert. So bald ihre Schiffe an diesen Ankerplatz gelangt sind, geht jeder von ihnen an Land, hat Brot, Fleisch, Zwiebeln, Milch und berauschend Getränk bei sich und begibt sich zu einem aufgerichteten hohen Holze, das wie ein menschlich Gesicht hat und von kleinen Statuen umgeben ist,
hinter welchen sich noch andere hohe Hölzer aufgerichtet befinden.
Er tritt zu der großen hölzernen Figur, wirft sich vor ihr zur Erde nieder und spricht:
„o mein Herr! ich bin aus fernem Lande gekommen, führe so und so viel Mädchen mit mir, und von Zobeln so und so viel Felle;“ und während er alle seine mitgebrachte Handelsware aufgezählt, fährt er fort: „Dir hab‘ ich dies Geschenk gebracht,“ legt dann, was er gebracht vor die hölzerne
Statue und sagt: „ich wünsche, Du bescherest mir einen Käufer, der brav Gold- und Silberstücke hat, der mir abkauft alles, was ich möchte, und der mir in keiner meiner Forderungen zuwider ist.“ Dies gesagt, geht er weg.

Besonders Fadlans Bericht zeigt auf, dass der damalige Mensch seine Götter geehrt hat und auch vor ihnen gekniet hat. Und sich nicht auf eine Ebene mit ihnen gestellt hat, wie es heute oft zu lesen gibt und von vielen Neuheiden propagiert wird. Denn ein Mensch ist nur ein Mensch und nicht auf derselben Stufe wie ein Gott.

Solange das deutsche Heidentum sich nicht von diversen Klischees wie z.B. der stolz stehende Heide, der nie kniet und Seite an Seite mit den Göttern in die Schlacht zieht und anderen Wagner´esken Fieberphantasien verabschiedet, wird es niemals eine Chance haben ernst genommen zu werden.

Editorial

Samstag, 18. November 2017

Well met, alle zusammen!

Der erste Schnee hat sich schon eingestellt, die ersten Nachtfröste auch schon und natürlich lauert auch schon die Weihnachtsbeleuchtung an allen Einkaufsstraßen (Weihnachtsgebäck brauchen wir ja nicht zu erwähnen, das gibt´s ja schon seit Oktober zu kaufen). Jahreszeiten, Feiertage, Jahreskreisfeste … wie schauen sie aus, warum feiern wir sie. Vielleicht nicht so schlecht, sich darüber ein paar Gedanken zu machen.

In unserem heutigen Update sind wir alles andere als weihnachtlich. XVII hat für uns seine Geschichte „Der Necromant“ weitergeschrieben (den Anfang findet ihr im RegenBogen „Der Necromant„).
Der Teil II von Uwes „Meditation … um Gottes Willen“ vervollständigt den Lesestoff dieser Woche.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und falls Euch zu den Themen „Feste“ irgend ein Gedanke kommt, lasst Euch bloß nicht aufhalten, den aufzuschreiben und mit uns zu teilen. Einfach an redaktion klammeraffe wurzelwerk Punkt at schicken …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Der Nekromant – Fortsetzung, geschrieben von XVII

Samstag, 18. November 2017

 

Warum wir hier sind…ist mir nicht ganz klar.

Sicher, Kirche…ja, beeindruckend. Aber eben…warum ausgerechnet hier in einer der größten Kirchen Österreichs, dem Stephansdom?

Ich sitze auf einer Kirchenbank in den hinteren Reihen.

Einige Gläubige und vor allem viele Touristen sind hier.

Aufgeregt werden Skulpturen betrachtet oder in versunkener Stille ein Kerzchen als Opfergabe angezunden.

Schon gigantisch. Man fühlt sich automatisch klein. Mächtig.

Aber auch düster hier.

Flower sitzt neben mir, hat die Augen geschlossen. Schweigt.

Ich schließe auch die Augen. Wir sitzen ruhig einige Minuten nebeneinander.

Ich öffne die Augen.

Flower lächelt sanft. Sieht mich an. Flüstert:

-“Chad…wie ist das für dich so…hier in einer Kirche?“

„Ich weiß nicht so recht. Ich bin schon christlich aufgewachsen, aber ich kann mit der christlichen Kirche einfach nichts anfangen, also mit der Religion und…“

-“Was nimmst du wahr?“

„Es ist groß…düster, das Licht wirkt unecht, welches durch die Kirchenfenster bricht, es ist…hm… Trauer hier, Frust, aber auch Erleichterung, ich denke es wird viel hier gelassen an, ja ich weiß nicht, Gefühle…es ist auch Hoffnung hier, also ich spüre sowas wie Hoffnung…“

-“Was, wer ist der Christengott für dich, Chad?“

„Sicher nicht dieser bärtige alte Mann, der auf einer Wolke sitzt…“

Ich lächle sie an.

-“Nein, das sicher nicht…aber wie nimmst du das Allmächtige, von dem die Christen sprechen, wahr?“

„Ich weiß nicht. Ich…ich hab da nicht so den Zugang dazu, vor allem zu derlei Gottesform.“

-“Wir könnten an jedem Platz der Welt sein, aber nun sind wir hier. Chad, ich möchte, daß du dich in einen gnostischen Zustand begibst und den Christengott anreist.“

„Den Gott?“

-“Ja. Such dir hier einen Platz an dem du das ungestört machen kannst. Ich bleibe derweil hier und nachher kommst du wieder und erzählst mir deine Wahrnehmungen.“

„Gut. Ok. Ich finde es komisch, aber…“

-“Tu es Chad. Mach es einfach.“

Ich stehe auf und gehe in der Kirche umher…ich gehe nach vorne und setze mich wieder, genau dort wo das Licht von außen gerade sich auf einer Bank spiegelt. Die Reihen vor mir und hinter mir sind leer. Ich habe das Bedürfnis mich zu schützen. Ziehe um mich gedanklich einen Kreis. Merke, wie mir das schwer fällt, als würde ich etwas stören, oder etwas nicht einverstanden sein. Ich versuche dem mehr Kraft, mehr Nachdruck zu verleihen. Verkleinere den Kreis, versuche mich mehr auf mich zu konzentrieren, von Innen nach Außen. Schließe die Augen. Überraschenderweise bin ich schnell…wie weggetreten. Anderer Ort. Hell. Viel zu hell. Blau, wie lächerlich. Kitschiges Blau. Und viele Wesen. Ich spüre ihre Anwesenheit. Aber sie sind weit weg. Ich fühle mich schwebend im Raum. In einem mit klarem Licht durchfluteten Raum. Gott. Gott, wo bist du, Gott.

Das Licht wird noch heller. Viel zu hell. Eine unglaubliche Kraft. Alles durchdringend. Ich fühle mich hilflos. Schwach. Zwei Gestalten erscheinen neben mir. Engel? Ich habe schon mit Engeln gearbeitet, aber noch nie sah ich sie so, wie sie sich mir gerade zeigen. Überdimensional groß.

Wie Türsteher. Vor einer Insiderdisco. Der eine sieht mich mit finsteren Blick an.

–“WAS IST DEIN BEGEHR, CHAD?“

Eine mächtige Stimme, die meinen Körper zum Vibrieren bringt. Ich spüre die Stimme überall. Er hat dazu nicht mal seinen Mund geöffnet. Ich spüre was er sagt. Ich bin erfasst von seiner Stimme.

Fast unbeholfen und, ja…leicht eingeschüchtert meine ich: „Gott, ich will zu Gott reisen, will ihm begegnen.“

–“GOTT ZU SCHAUEN IST DIR NICHT MÖGLICH.“

„Aber…“

–“NICHT NUR DIR. DU KANNST ALS MENSCH GOTT NICHT IN SEINER FORM GANZ ERFASSEN.“

Der zweite Engel meldet sich ebenso zu Wort. Seine Stimme klingt sanfter, das Vibrieren auf meinem Körper ist anders…nein, es ist weniger ein Vibrieren, es ist nun als würden seine Worte wie Farben auf meinen Körper niederregnen und die unterschiedlichen Regionen meines Körpers erwärmen. Es ist als würde Licht zu mir sprechen.

—“CHAD; WÄHLE NICHT DEN WEG VON FLOWER. DAS IST UNSERE BOTSCHAFT NUN DARFST DU WIEDER GEHEN.“

„Wie, was…was heißt…“ Sie verschwinden plötzlich. Und wie vom Blitz getroffen bin ich schlagartig wieder in der Kirche. Ich zucke hoch.

„AAHHH….“

Ein Tourist mit fetter Kamera, die um seinen Hals baumelt, schaut mich entgeistert an.

Ich kann noch das Licht, die Farben auf meinem Körper spüren. Noch die Stimmen hören, als wäre da noch ein Echo, ein Widerhall.

Der Tourist tut nun so, als hätte er mich nicht gesehen und schaut auf die Wand.

Ich blicke auf meine Hände. Es kribbelt.

Ich stehe langsam auf und gehe wieder zurück zu Flower.

-“Nun? Chad?“

„Ich bin vor dir gewarnt worden.“

Ich schau ihr tief in die Augen.

-“Nein, das ist so nicht richtig, Chad. Sie haben dich nicht vor mir gewarnt, sondern nur gemeint, du sollst nicht meinen Weg gehen. Und da haben sie recht. Chad, gehe nicht meinen Weg.“

„Wie, was, ich bin verwirrt? Bitte, klär mich auf. Was soll das?“

Sie berührt meine Hand. Hält sie. Lächelt mich aufmunternd an.

-“Gehen wir mal in die Richtung der Katakomben. Wir sind wegen der Katakomben hier.“

Wir bewegen uns langsam. Sie schweigt. Kurz vor dem Abgang bleiben wir stehen.

Abgesperrt. Gitter. Daneben eine Tafel mit den Zeiten an denen jeweils eine Führung stattfindet. Heute ist keine mehr.

-“Wir werden nun in einen unserer Ritualräume gehen. In die Katakomben. Auf dem Weg dorthin erkläre ich dir alles, alles was du möchtest.“

„Es ist zu. Ritualräume? Hm?“

Sie wedelt mit einem goldenen großen Schlüssel vor meiner Nase rum.

-“Der Schlüssel sperrt, aber er ist nur als Symbol zu sehen. Wir dürfen den Zugang nutzen. Natürlich wäre es ein Leichtes auch ohne diesen Schlüssel reinzukommen, aber wir haben auch Regeln und an die halten wir uns auch.“

Sie sperrt auf. Öffnet die Tür. Mit weiträumiger Geste bittet sie mich ihr zu folgen.

Sie schließt wieder hinter mir. Versperrt die wuchtige Tür.

Sie schnippt mit dem Zeigefinger…und es geht Licht an.

-“Ach, das…das war jetzt nichts Magisches. Ist so ein geräuschgesteuertes Modul, welches das Licht angehen lässt. Magie der modernen Technik.“

„Komm, Flower, jetzt lass mich nicht länger im Ungewissen.“

Wir gehen durch einen langen Raum. Am Ende sehe ich eine weitere Tür.

Es riecht modrig. Es ist feucht.

-“Gut, gut…also ich versuche es Dir zusammenzufassen. Damit du rasch einen Überblick hast und dann kannst ja noch immer nachfragen.

„Ok. Leg los.“

-“Daß ich mich nicht ganz nach meinem körperlichen Alter verhalte ist dir ja schon aufgefallen. Und das ist auch so. Ich bin tatsächlich viel….viel älter. Ich hab schon in Wien gelebt, als hier nur Kutschen gefahren sind, als es hier noch…nun ja, nicht mal elektrisches Licht gab und als hier hm…auch die Pest zigtausende Leute hingerafft hat. Mich auch…fast. Aber nur fast. Ich zähle meine Geburtstage schon lange nicht mehr. Alle paar Jahre ziehe ich um, ändere meinen Realnamen…nur als Spitznamen behalte ich mir…Blume vor. Bluoma …nannte man mich früher, vor langer, langer Zeit. Aber ich bin ja auch eine moderne Frau und deswegen, also…Englisch „Flower“ finde ich doch ganz gut.“

Wir stehen vor Gittern. Hinter den Gittern sind Gebeine zu sehen. Zahllose Knochen.

-“Hier würde ich wohl auch liegen. Sind durch Pest Verstorbene. Ich bin gerettet worden. Vielleicht wäre es auch besser, wenn ich damals verstorben wäre. Ich…es ist schwer so lange zu leben. Ich habe es zunächst genossen, aber ich habe auch fürchterliche Sachen gemacht, Chad, Grausames. Iver hat mich davon befreit. Er hat mir ein neues Leben geschenkt. Er hat mich zum ersten Mal Sachen sehen lassen, die ich davor nicht kannte. Ich war eine sehr verbitterte Frau. Eine verbitterte Frau, die unglaubliches Talent hatte was Zauberei und Magie betraf. Eine miese Kombination.

Ich hab mich in den Dienst von Mächten gestellt, die sich gegen das Leben und gegen den Menschen richteten. Mir war Ansehen, Gold und Vergnügen wichtig. Irgendwann erkannte ich, daß sowas wie ein Fluch auf mir lastete. Eine alte Frau hat mir damals das Leben gerettet. Aber es war an Bedingungen geknüpft…die ich über lange Zeit zu erfüllen hatte, was mich veränderte und mich zu einem grausamen gierigen Weib machte. Letztlich konnte ich mich von der Frau lösen und die Verpflichtungen auch magisch beseitigen, aber…meine Gier und mein Hass blieben. Lange. Bis ich auf Iver traf. Ich hatte den Auftrag ihn zu töten. Ich unterlag aber im Kampf. Er allerdings verschonte mich. Ich wollte und bettelte, daß er mich töten solle…aber er….er nahm nur meine Hand. Er fuhr mir durchs Haar. Wortlos. Ich erinnere mich noch genau an diese Szene. Dann küsste er meine Stirn. Half mir mich vom Boden zu erheben. Ich taumelte. Er stützte mich. Und das tut er bis heute. Nein, Chad. Wähle nicht meinen Weg.“

Ich bin wortlos. Was soll ich auch zu so einer Geschichte sagen.

Wir gehen weiter. Folgen einigen Verzweigungen, bis wir schließlich in einen festlich geschmückten Raum gelangen.

-“Das ist unser Ritualraum.“

„Wie kommst du an den Schlüssel und warum haben wir einen eigenen Ritualraum in den Katakomben?“

-“Der Schlüssel ist ein Abkommen mit der christlichen Kirche. Der Raum auch. Wir mischen uns nicht in ihre Angelegenheiten und sie sich nicht in unsere. Wir können aber hier den Raum nützen. Dafür darf Iver nie wieder eine Kirche betreten…und die Katakomben nur durch einen externen Zugang.“

„Ich bin verwirrt. Auch, daß du meinst schon einige Jahrhunderte zu leben.“

-“Es gibt Sachen, die leider wirklich verwirrend sind, nicht alltäglich und weit, weit ab von dem was wir als Realität wahrnehmen. Und es gibt halt Extreme, die die Realität ordentlich durchschütteln, das ist halt kein Niveau hier, wo wir mal Frühstückseier aus nem Tuch zaubern und das Huhn dazu in nem Hut verschwinden lassen und die Zuschauer dazu belustigt applaudieren. Oder wie es Jugendliche heute wohl sagen….“krasses Zeug, Alter“.“

Sie nimmt eine Flasche aus einer Kiste. Öffnet sie.

Schenkt die Flüssigkeit in zwei Gläser ein.

Stellt mir eines hin.

„Was ist das?“

-“Hm….krasses Zeug!“ Und lächelt.

Ich nehm das Glas trinke einen Schluck und meine:

„ALLLLLLTER!“

-Fortsetzung folgt-

  • Autor: XVII

[Bilder: wikicommons: Nordostansicht des Stephansdomes in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien © Bwag/Wikimedia , Grab des Kaisers Friedrich III von Niclas Gerhaert van Leyden im Wiener Stephansdom, Fotograf: Uoaei1]