Archiv für Dezember 2017

Von wegen „uralt“: Von Adventskränzen und Dirndln – Teil I, geschrieben von MartinM

Samstag, 23. Dezember 2017

Es gibt angeblich uralte „Traditionen“, die vor gar nicht so urlangen Zeiten mehr oder weniger frei erfunden wurden. Es aber auch Traditionen, die relativ neu und trotzdem authentisch sind. Sie sind echte neue Traditionen, sogar dann, wenn sie auf „kulturelle Innovationen“ zurückgehen.

Adventskranz, in der von Wichern eingeführten FormMädchen im Dirndl, ca 1933

Erfundene Tradition (oder auch: konstruierte Tradition) ist ein ideologiekritisches Konzept, das von den Historikern Eric Hobsbawm und Terence Ranger mit der Aufsatzsammlung „The Invention of Tradition“ (1983) in die Geschichtswissenschaft eingeführt wurde. Allerdings war die Erkenntnis, dass nicht alles, was unter dem Label „altes Brauchtum“ firmiert, wirklich „alt“ und wirklich „Brauchtum“ ist, schon damals ein „alter Hut“. Kritischen Volkskundlern war das sogar schon im 19. Jahrhundert aufgefallen. Unter Historikern sah man das lange Zeit allenfalls als ein Problem der Quellenkritik. Vor allem Hobsbawm kommt das Verdienst zu, in den 1980er Jahren eine überfällige, ebenso ideologiekritische wie selbstkritische, Debatte unter Historikern angestoßen zu haben. – übrigens deutlich später als die entsprechenden Debatten unter Soziologen.

„Erfundene Traditionen“ werden in ihrer jeweiligen Gegenwart konstruiert, und in eine bestimmte Vergangenheit zurückprojiziert. Diese „Traditionen“ gab es, nach Auskunft ihrer Erfinder, also „schon immer“ oder „von altersher“ und sie werden in der Regel als „wiederentdecktes Brauchtum“ getarnt.
Hobsbawm, als marxistischer Historiker, betonte, dass Traditionen dazu dienen, gesellschaftliche Normen und Strukturen gesellschaftlich zu legitimieren. Traditionen verkörpern das Erkennungszeichen einer Volksgruppe, ein Ritual und der nationalen, regionalen und auch lokalen Geschichte. Ein Stück Identität. Also ist es auch kein Wunder, dass erfundenen Traditionen vor allem deshalb erfunden werden, um das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe zu stärken.

MITTEL ZUM ZWECK

Es gibt allerdings auch „Traditionen“, die aus anderen Interessen erfunden wurden, wie der „Sirtaki“, ein erst 1964 für den Film „Alexis Sorbas“ erfundener „traditioneller griechischer Volkstanz“. Der Sirtaki fördert das Zusammenheitsgefühl der Griechen nur insofern, als dass sie sich weitgehend einig sind, dass Anthony Quinn, der Hauptdarsteller des Films, ein miserabler Tänzer war. Für die griechische Tourismuswerbung ist er hingegen so unverzichtbar wie der Ouzo beim „Griechen“ um die Ecke.

Das „traditionelle südafrikanische Blasinstrument“ Vuvuzela gibt es erst seit den 1990ern. Von Anfang an war es ein Lärminstrument südafrikanischer Fußballfans, das sich zur kollektiven Gehörschädigung ähnlich wirksam erwies wie die beliebten, aber verbotenen, Böller, und das sich in seiner originalen Ausführung mit aus einem Stück bestehendem Rohr auch als Argumentationsverstärker gegenüber Fans der gegnerischen Mannschaft eignete.
Die Gerüchte über eine alte folkloristische Tradition des technisch zu den Blechblasinstrumenten zählende Plastikhorns tauchten sicher nicht zufällig zuerst auf, als sich Südafrika für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bewarb.

„Es war schon immer so“ ist eine beliebte Verteidigung der Anhänger bestehender Normen und Strukturen gegenüber einem gegenwärtigen Wandlungsdruck.
Die „traditionelle Familie“, die von rechtskonservativen Kreisen gegen Kinderkrippen, „Schwulenehe“, „Frühsexualisierung“, Frauenemanzipation und vieles andere, was ihnen nicht passt, angeführt wird, ist ein Musterbeispiel dieses Traditionsgebrauchs- bzw. -missbrauchs. Das funktioniert sogar dann, wenn die „gute alte Zeit“, zu der die Tradition Kontinuität herstellt, gar nicht so „gut“ war. Im Falle erfundener Traditionen ist diese Kontinuität künstlich, aber wirksam. Und manchmal ist auch die dazugehörige „gute alte Zeit“ erfunden.

DIE ERFINDUNG DER HEXEN ALS „UNTERGRUND-HEIDEN“

Übrigens sind sehr viele vielleicht sogar die meisten jener „Traditionen“, auf die sich Neu-Heiden und moderne Hexen berufen, um ihre spiritueller Orientierung historisch zu unterfüttern, relativ neuen Datums. Ein Beispiel ist die Tradition der Hexen-Coven aus Margaret Alice Murrays „Der Hexen-Kult in Westeuropa“ (1921). Ihre Hypothesen von einer von der Steinzeit bis in die Frühe Neuzeit fortbestehenden Hexen-Religion sind gut ausgedrückt und wirken plausibel. Sie sind aber das Ergebnis von Fehlinterpretationen, Wunschdenken und Überspitzungen, unter reichlicher Verwendung unbestätigter Quellen und gelegentlicher absichtlicher Verfälschungen. Ich halte das Werk der wohl zu recht in ihrem eigentlichen Fach einen guten Ruf genießenden Ägyptologin für ein hervorragendes Fantasy-Epos in Form eines Fachbuchs, in dem außer Phantasie auch viel Recherchearbeit und Sachkunde steckt. Das lässt sich allerdings auch über Tolkiens Silmarillion sagen. Murrays These vom universalen heidnischen Kult, der parallel zum christlichen in Westeuropa existiert hätte, hat mit der historischen Wirklichkeit etwa genau so viel zu tun.

Liebe Mithexen und -heiden: Bitte spart Euch Eure Bannflüche. (Die wirken eh nicht, jedenfalls bei mir.) Ich bin der Letzte, der leugnen würde, dass es Überreste der vorchristlichen Zeit im überlieferten Volksbrauchtum gibt. Sehr wahrscheinlich „überlebte“ auch die Verehrung einiger heidnische Gottheiten in der Form christlicher Heiliger oder als Volksglauben an Feen, Dämonen usw. . Aber das sind eben Überreste vergangener Traditionen, keine im Untergrund fortlebenden heidnischen Kulte.

Dass erfundene Traditionen an reale überlieferte Objekte anknüpfen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Sogar der für einen Film erfundene „Volkstanz“ Sirtaki lehnt sich an überlieferte griechische Tänze an.
Auch den etwas klobigen aus Schweden stammenden Turmleuchter gab es schon, bevor das „Ahnenerbe“ der SS die entsprechende „alte Tradition“ zum weder mittelalterlichen noch heidnischen Kerzenständer alias „Julleuchter“ hinzudichtete.

Weiter: 2. Eine im 19. Jahrhundert neu begründete „echte“ Tradition: Der Adventskranz.

Editorial

Samstag, 16. Dezember 2017

Well met, alle zusammen!

Im Radio tönt Wham oder Chris Rea, im Fernsehen häufen sich schon die Sender, die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ bringen und die Straßen zu den Einkaufszentren sind chronisch verstopft und etliche Nasen auch. Aber für viele ist das die schönste Zeit des Jahres – mensch könnte sie tatsächlich dazu machen!

Die Ruhe weg copyright Rothani

In unserem heutigen Update freu ich mich über eine ArtikelSpende für den lang vernachlässigten „HeidenSterz“. Q. Albia Corvina bäckt für uns „Libum – römisches Opferbrot„, schmackhaft für Götter und Menschen und auch bestens für die Festlichkeiten zur Sommersonnwende geeignet!
In unserem zweiten Artikel sind wir heute beim Blick auf die Magie – gemacht von Magister Botanicus in seiner „NATuQuTAN“ Serie. Der Teil XI wird damit auch diejenigen interessieren, die sich für Wissenschaft normalerweise nicht begeistern können.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mit(denk/schreib)arbeit.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

NATuQuTAN – Teil XI, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 16. Dezember 2017

Magie

Bisher haben wir uns von der naturwissenschaftlichen Seite an verschiedene Phä­nomene angenähert, auch wenn scheinbar „magische“ Ereignisse kurz angerissen wurden. Jetzt also kommen wir mal von der anderen Seite und betrachten uns die Welt mit magischen Augen. Dafür sollten ich den Begriff Magie zunächst definieren, damit alle wissen, wovon ich spreche.

Magie bzw. die Definition von Magie erscheint vordergründig direkt abhängig von den Erkenntnissen über die Welt und dem daraus erwachsenden individuellen Weltbild. Aus Steinen Eisen herzustellen war für unsere Vorfahren ein magischer Akt, eine magische Transmutation an welchem die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft auf geheimnisvolle Weise beteiligt zu sein schienen und die vom Magier (dem Schmied) nach seinem Willen Neues schaffen konnten. Heute lernt jedes Kind, das man Eisen aus Eisenerz gewinnt, man lehrt die chemischen und physikalischen Prozesse, die dafür nötig sind und bezeichnet das im weitesten Sinne als Werkstoff­kunde.

Die Gedanken eines anderen Menschen im Detail zeitgenau zu erfassen, ist heute Magie, in ein paar Jahrzehnten wird dies vielleicht ein Gehirnscanner leisten können, welcher aus einem Kernspintomografen und einem damit gekoppelten Quantencomputer entwickelt wurde.

Eine kulturell geprägte oder technische Beschreibung von scheinbar magischen Vor­gängen kann also nicht die tatsächliche Grundlage einer Definition des Begriffs Magie sein, weil diese keine wahren Aussagen zulässt. Bleiben wir aber dabei, Magie ist eine individuelle Erfahrung. Ausserdem bewirkt Magie Ereignisse – wel­cher Art auch immer – die sich einem rein raumzeitlichen Erklärungsmodell ent­ziehen, m.e. nicht stringent quantifizierbar sind.

Definition des Begriffs Magie

Magie bezeichnet die Zuschreibung von qualitativen (virtuellen) Kräften an Gegenstände, Wesenheiten und Individuen, sowie das Verfügbarmachen dieser virtuellen Kräfte durch bestimmte Handlungen, Praktiken, Riten oder besondere Kenntnisse; in deren Folge quantifizierbare Ereignisse ausgelöst werden, welche einer Wahrscheinlichkeit für ihr Auftreten nicht entsprechen1.

Das magische Bild der Welt

Eine magische Weltsicht beinhaltet nicht nur das materiell/naturwissenschaftlich sichtbare, erfahrbare und berechenbare Universum, sondern erweitert sich um mannigfaltige Dimensionen der Existenz, welche in einem permanenten Prozess der Veränderung eingebettet sind.

Die magische Weltanschauung ist geprägt von einem Willen der Erfahrung und Nutzbarmachung aller Erfahrungen und kann sich in letzter Konsequenz als eine tiefe Spiritualität in der tatsächlichen Wortbedeutung einer „Gottesschau“ – oder besser formuliert – in einem tatsächlichen und persönlichen „Erfahren der Natur“ ausdrücken. Außerdem beinhaltet ein solches Weltbild zwingend eine Art der „ani­mistischen“ Weltschau. Dies kann sich als eine Betrachtung der Welt im Sinne eines qualitativen Wissens äußern, das alles in der Natur bzw. im Universum auf irgend­eine Art „belebt“ sein kann und damit eine Art eigenes „Bewusstsein“ besitzt.

Die magische Handlung – am Bespiel der Heilung erläutert

Von einer „magisch“ induzierten Heilung zu sprechen wäre zu trivial und vorder­gründig, deswegen müssen wir den Begriff der Heilung wesentlich differenzierter betrachten, indem wir den Begriff der Krankheit näher definieren. Was bedeutet es, wenn ein Mensch krank ist?

Modern betrachtet heißt das nichts anderes, als das der betroffene Mensch „arbeits­unfähig“ ist, im Gegensatz zu zeitgenössischen Definitionen, die von „genuss­unfähig“ über „glaubensun-fähig“ bis zu „überlebensunfähig“ reichen. Diese Art der Beschreibungen bietet keine zureichende Befundung des Begriffs Krankheit; also zäumen wir das Pferd mal andersherum auf.

Krankheiten können durch physische, psychische, seelische oder magische Stressoren initiert werden, die sich ihrerseits wiederum im betroffenen Lebewesen in physischen, psychischen. seelischen und magischen Auswirkungen manifestieren können. Ist diese Manifestation nur kurzzeitig, können wir von akuten Erkran­kungen sprechen, eine längerfristige Auswirkung kann als chronische Erkrankung definiert werden.

Dementsprechend gibt es für die jeweiligen Stressor-Manifestations-Paare klare Handlungsanweisungen, die zur einer Beseitigung des Stressors, der Manifestation oder Beidem führen müssen. Diese Handlungsanweisungen müssen in diesem Fall jedoch im Licht der animistischen Weltschau betrachtet werden, welches eine ganz­heitliche Be-Handlung des erkrankten Menschen auf allen Ebenen notwendig macht.

Die physische Behandlung ist selbstverständlich einem Arzt oder Mediziner vorbe­halten, ebenso wie eine psychologische Behandlung von den entsprechenden Fach­kräften durchgeführt wird. Eine zusätzliche Unterstützung des Heilungsprozess (physischer oder psychischer Erkrankungen) durch Magie oder Seel­sorge/Lebensberatung ist selbstverständlich im Detail mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

Das bedeutet, das es viele physische und psychische Erkrankungen gibt, die auf physischen, psychischen und seelischen Stressoren beruhen; z.B. Bakterien, Stress oder ähnlichem. Dementsprechend sind die grundlegenden Behandlungen der Symptome und Ursachen auf (phyto-)pharmakologischer Basis völlig in Ordnung und auch sinnvoll. Jedoch ist es ebenfalls sinnvoll, die Heilung durch magische Handlungen wie Heilungsrituale oder magische Kräutertees zu unterstützen und zu fördern, wenn der Erkrankte dies will.

Wie sich die Behandlung durch Medikamente, psychologische Beratung oder Seel­sorge/Lebensberatung auf die Krankheit auswirkt, ist hinlänglich bekannt: Anti­biotika töten Bakterien, Chemotherapeutika wirken gegen Krebszellen, Gesprächs­therapien können bei psychischen Erkrankungen helfen und die Seelsorge hilft oft über Verlustängste nach Todesfällen hinweg.

Wie aber wirken magische Rituale, Räuchermischungen oder Tees zur Unter­stützung der Heilung?

Wissenschaftstheoretisch erklärt, wären magische Rituale solche Handlungen, bei denen bestimmte Informationsinhalte direkt oder indirekt auf den erkrankten Menschen übertragen werden sollen. Der magisch arbeitende Mensch benötig dem­nach ein Medium, mittels dessen er diese Informationen auf den Erkrankten über­tragen kann und der Erkrankte benötigt seinerseits ein Medium, durch das sich diese Information in seiner Ganzheit manifestiert und in Reaktionen des Körpers umsetzen lässt.

Setzen wir an dieser Stelle die Überlegungen an, die wir schon bei den para­normalen Phänomen zur Erklärung verwendeten:

Völlig unabhängig von der Methode der magischen Arbeit oder des Rituals lösten die Gedanken des Menschen bestimmte Reaktionen aus, die mit einer Aktivität der Nervenzellen einhergeht. Diese Aktivität hat ein ganz bestimmtes Muster, welches durch ständiges Wiederholen noch verstärkt werden kann. Mit der Aktivität der Nervenzellen findet eine Erhöhung der Biofotonenstrahlung statt, die dieses Muster auch in den virtuellen Dimensionen nachzeichnet.

So entwickeln die wahrscheinlichkeitsverändernden Strukturen der Fotonen ein be­stimmtes Muster, entsprechend jener Informationsgehalte, und liegen als mehr­dimensionale Informationsstruktur vor. Diese Informationsstruktur ist nicht an die Raum-Zeit gebunden, daher kann sie überall und jederzeit existieren.

Der Gedanke eines Menschen, der Wille des Schamanen, Magiers oder einfach des Magic Users wird somit zur wahrscheinlichkeitsverändernden Informationsstruktur, welche jetzt ihrerseits die Biofotonenstrahlung eines anderen Menschen – in diesem Falle des Patienten – beeinflussen kann. Wie in den vorangegangenen Kapiteln ge­zeigt, beeinflusst die Biofotonenstrahlung alle physiologischen Vorgänge im Körper – ergo: ein Heilungsprozess kann dadurch unterstützt oder sogar in Gang gebracht werden.

Natürlich muss auch das Ritual, welches nur für den Patienten eine immense Be­deutung hat, als eigenständige Struktur mit wahrscheinlichkeitsverändernden Qualitäten für diese Betrachtung mit einbezogen werden.

Auch soll an dieser Stelle deshalb nicht unerwähnt bleiben, das es die Möglichkeit von magischen Erkrankungen gibt, die sich gänzlich einer Diagnose im physischen, psychischen oder seelischen Bereich widersetzen. Ein Mensch zeigt dann meist sehr subtile Krankheitssymptome, aber kein Arzt weiß, wo sie herkommen und sie widerstehen einer Behandlung durch Medikamente.

11Oops, da hab ich ja gleich die Definition für Zauberei mitgeliefert!

Libum – römisches Opferbrot, geschrieben von Quinta Albia Corvina

Samstag, 16. Dezember 2017

Kleine römische Opferbrote für besondere Anlässe

KLEINE RÖMISCHE OPFERBROTE FÜR BESONDERE ANLÄSSE

Das „Libum“ ist mehr als ein Brot – es spielte in der römischen Antike als traditionelles Opferbrot eine wichtige Rolle. Es wurde zu besonderen Anlässen gebacken und geopfert, zum Beispiel anläßlich des Rituals zum eigenen Geburtstag.

Daneben war es auch eine beliebte Beilage zum Essen, die würzig oder süß serviert werden konnte.

Das Libum wird in mehreren antiken Quellen erwähnt und, was ein besonderer Glücksfall ist, darüber hinaus existiert ein vollständiges überliefertes Backrezept: Marcius Porcius Cato beschreibt in „De Agricultura“ (75-76), wie das Opferbrot hergestellt wird.

„Libum hoc modo facito: casei p. II bene disterat in mortario; ubi bene disteriverit, farinae siligineae libram aut, si voles tenerius esse, selibram similaginis solum eodem indito permiscetoque cum caseo bene; ovum unum addito et una permisceto bene. Inde panem facito, folia subdito, in foco caldo sub testu coquito leniter.“

„Ein Libum mache so: Man zerreibe 2 Pfund Käse in einem Mörser; wenn man das fein zerrieben hat, gib ein Pfund sehr weißes Weizenmehl oder, wenn du es zarter willst, nur ein Halbpfund Weizenmehl dazu hinein und vermische es gut mit dem Käse; gib ein Ei hinzu und mische es gut mit hinein. Daraus forme einen Laib, lege Blätter darunter, backe es langsam auf warmem Herd unter einer Schüssel.“ (Übersetzung aus: O.Schönberger, „Marcus Porcius Cato – Vom Landbau – Fragmente“)

Lararium mit Libum als Opfergabe

LARARIUM MIT LIBUM ALS OPFERGABE

Hierzu muß man wissen, daß das römische „Pfund“ („pondus“) nicht mit dem modernen Pfund übereinstimmt, sondern ein Pondus entspricht 327,45 g.

Wie dem Rezept zu entnehmen ist, handelt es sich beim Libum nicht um ein „klassisches“ Brot, sondern eher um eine Art Käsegebäck. Es kann nach dem Backen mit Honig bestrichen werden, schmeckt aber auch hervorragend, wenn man es warm zu Kräuterbutter oder Moretum serviert.

Die Technik des Abdeckens mit einer Schüssel ist nicht sonderlich geheimnisvoll – hier wird, ganz pragmatisch, ein Backofen ersetzt, so daß man das Opferbrot auch dort backen kann, wo man keinen aufwendigen Backofen in der Nähe hat, sei es in einer kleinen Küche oder draußen. Wir können deshalb heute problemlos auf einen Backofen zurückgreifen und müssen keine Schüssel-Herd-Experimente machen, nur um es besonders „authentisch“ zu machen. Es sei denn, man möchte diesen mobilen Reisebackofen experimentalarchäologisch ausprobieren 😉

Mit den Mengenangaben muß man etwas experimentieren. Wie geschmeidig der Teig wird, hängt von einigen Faktoren ab: in erster Linie vom Feuchtigkeitsgehalt des verwendeten Käses (wir bevorzugen eingelegten Schafs- oder Ziegenkäse, andere backen das Libum mit Ricotta) und der Größe des Eies. Deswegen empfehlen wir, das Mehl nur sehr zaghaft nach und nach zuzugeben, da der Teig bei zu trockenem Käse schnell bröselig werden kann und beim Formen der Kugeln dazu neigt, auseinanderzufallen. Deshalb lieber etwas weniger Mehl oder mehr Flüssigkeit hinzufügen, als im Rezept angegeben.

Unsere Empfehlung zur Herstellung von 4 kleinen Opferbroten:

Die Zutaten sind sehr einfach!

DIE ZUTATEN SIND SEHR EINFACH!

Zutaten:

  • 200 Gramm Schafs- oder Ziegenkäse (in Salzlake)
  • 200-300 Gramm helles Mehl (abhängig von der Feuchtigkeit des Käses)
  • 1 Ei
  • Lorbeerblätter
  • ggfs. Honig

Die typischen Gewürze, die sich sonst in römischem Brot finden, sind nicht notwendig, da das Brot aufgrund der Verwendung des eingelegten Schafskäses und des Backens auf Lorbeerblättern schon salzig ist.

Zubereitung:

Den Schafskäse in eine Schüssel bröseln und mit einer Gabel zerdrücken.

Den Schafskäse mit einer Gabel zerdrücken

Nach und nach das Mehl hinzugeben und immer wieder vermischen und zerdrücken.

Das Ei hinzugeben und ebenfalls gut untermischen.

Nun beginnt die Kneterei: Den Teig auf ein gemehltes Brett legen und gut durchkneten, bis er gleichmäßig, geschmeidig und glatt ist. Wenn der Teig zu feucht ist, vorsichtig Mehl nachgeben, bis er gut formbar ist.

03_Libum_Kneten

Aus dem Teig vier gleichmäßige, etwa brötchengroße runde Laibe formen. Diese nach Geschmack oder entsprechend des geplanten Rituals sternförmig einschneiden oder mit einem anderen Muster versehen.

08_Libum_2

Ein Backblech mit Lorbeerblättern auslegen und die Laibe auf das Bett aus Blättern legen.

09_Libum_2

Bei etwa 200 Grad (Umluft 180 Grad) backen, bis der Teig durch ist und die Laibe eine goldbraune Farbe angenommen haben. Dies dauert bei der beschriebenen Größe etwa 30 Minuten.

Opferbrot für Apollo und Sirona

OPFERBROT FÜR APOLLO UND SIRONA

Für die süße Variante werden die Brote direkt nach dem Backen (noch heiß) mit Honig bestrichen und trocknen gelassen.

Für die würzige Variante entfernt man nur die eventuell an der Unterseite haftenden Lorbeerblätter.

Schmeckt Menschen und Göttern gleichermaßen ;)

SCHMECKT MENSCHEN UND GÖTTERN GLEICHERMASSEN😉

Das Brot kann sowohl heiß als auch kalt verzehrt werden, wird nach einiger Zeit aber etwas hart, so daß man es lieber frisch und warm servieren sollte.

Zur Verwendung als Opferbrot, zum Beispiel beim morgens durchgeführten Geburtstagsritual, kann es problemlos am Tag zuvor vorgebacken werden.

Editorial

Samstag, 09. Dezember 2017

Well met, alle zusammen!

Stürmisch ist es draußen – politisch haben wir uns ja an den schärferen Wind fast schon gewöhnt und in einigen anderen Ecken bläst es ebenfalls ordentlich um die Ecke … Da ist es schon gemütlicher, wenn die Füße auf dem  Boden bleiben. Bei mir geht das ganz gut mit „Wohlfühlen“ – also warme Sommererinnerungen mit, von lieben Menschen, geschenkt bekommenem superschön anzusehendem Tee. Eine willkommene Pause im allgemeinen Weihnachtsstress.

 

In unserem heutigen Update gibt es einen kleinen Nachtrag fürs „SternenKind-ErdenKind„. Samhain kommt aber (nona ned) jedes Jahr, also schon mal merken für 2018. Ich durfte wieder eine Pooka-Geschichte von Lora übersetzen, „Pookas Samhain-Zauberspruch„. Wie immer würden wir liebend gerne auch Geschichten, speziell für Kinder aus „heimischen Gefielden“, mit Euch teilen – können wir aber leider nicht, weil wir keine ausfindig machen können!
Den zweiten Artikel bestreitet MartinM mit dem Teil II von „Wikingerkult und Rechtsextremismus„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure tätige Mithilfe, damit das WurzelWerk weiter wachsen und noch vielfältiger werden kann!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team