Archiv für Januar 2018

Haaaaatschi – Teil II

Samstag, 20. Januar 2018

Letztes Mal, bei Teil I, hatte ich, wie so oft, einen kleinen Aufruf gestartet, dass ihr doch ein paar eurer Hausrezepte in den Kommentaren postet möget. Tatsächlich hat mich Rota in der Wüste rufen gehört und deshalb gibt es diesen Teil II.

Rotas Hausmittel

Ich kenne noch das Hausmittel, klein geschnittene Zwiebel mit Honig zu vermengen und über Nacht im Kühlschrank stehen zu lassen. Wirksam gegen Husten. Allerdings muss man sich dazu auch mal überwinden.
Außerdem trinke ich immer Eibischtee, der effektiv schleimlösend wirkt. Vorm Schlafengehen hilft auch noch Inhalieren mit einer Salz-Kräutermischung. Ca. 15 Minuten helfen gegen eine Schnupfennase und befreien die Atemwege. Das ist jedoch sehr ermüdend und für den Kreislauf anstrengend. Beim Schlafen selbsterständlich der Thermophor.

Außerdem kenn ich den Spruch: „3 Tage kommt es, 3 Tage bleibt es, 3 Tage geht es“. Gegen Ende, wenn der Kreislauf wieder halbwegs stabil ist, tun kurze Spaziergänge (warm angezogen!) gut, damit der Kreislauf wieder in Schwung kommt.

All das sind wirksame Hilfsmittel der großen Mütter aus meiner Familie, die mir schon oft geholfen haben.

P.S.:
Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Verkühlungen auch psychisch hervorgerufen werden können, sodass man auch reflektieren kann, ob man in der letzten Zeit zu viel Stress oder ähnliches hatte. Das ist aber wahrscheinlich sehr subjektiv.

Mein Kommentar

Als Grundlage freue ich mich immer sehr, wenn unsere Leser mit dem WurzelWerk ihre eigenen Erfahrungen auch wirklich real teilen! Daher nochmals vielen lieben Dank, Rota!
Aus der eigenen Hexenküche hätt ich da noch ein paar Anmerkungen auf Lager.

Die Hustenmischung mit Zwiebel und Honig mach ich z. B. im Stofftaschentuch. Ein Stofftaschentuch einlagig in ein kleines Schüsserl legen. Den klein geschnittenen Zwiebel in die Mitte des Tuches dazu geben. Den Honig darüber (auf eine kleine Zwiebel einen vollen Esslöffel Honig) und einfach über Nacht stehen lassen.  In der Früh den Inhalt des Tuches ins Schüsserl „auswinden“ und dann Esslöffelweise verwenden. Nach genau dem Rezept (nur ohne Taschentuch) funktioniert auch der Rettichsaft.
Schwarzen Rettich aushöhlen, den Ex-Inhalt klein hacken, in den Boden des Rettichs drei Löcher machen (Stricknadel hilft!). Den Rettich dann über ein Glas stellen, den gehackten Inhalt wieder einfüllen und den Honig drüber laufen lassen. Am nächsten Morgen ist der Hustensaft im Glas gesammelt.

Zum Inhalieren verwende ich unterschiedliche Kräuter und natürlich, wie Rota schon erwähnte, Salz.
Für Inhalier-Anfänger: 1 Liter Wasser mit 3 Esslöffeln Salz. Im letzten Artikel für unsere Kinder/ElternRubrik („Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen“) habe ich schon ein paar Tipps zum Besten gegeben, die das Inhalieren ein wenig gemütlicher machen. Was ich persönlich allerdings bevorzuge ist ein elektrischer Inhalierer. Vorsicht: Damit meine ich nicht die Ultraschallvernebler (ich bin der Ansicht, dass die Temperatur des „Dampfes“ durchaus wichtig ist) sondern Inhalationsgeräte, die das Wasser erhitzen und es wirklich zum Verdampfen bringen. Wenn ich ein solches verwende, dann mach ich aus den Kräutern einen ganz normalen Tee und gebe in diesen einen Teelöffel Salz.
Ansonsten kann ich die Kräuter direkt in den Topf geben und dort ziehen lassen bevor ich mit der Inhalation anfange. Die Flüssigkeit im Topf sollte nur leicht simmern und nicht sprudelnd kochen! Ätherische Öle würde ich für die direkte Inhalation so nicht verwenden – die bevorzuge ich in der Duftlampe oder in der Wasserschüssel auf der Heizung.
Welche Kräuter ich verwende … mein Liebling bei Verkühlung ist Thymian. Wenn der Schnupfen grad die Nase sehr verstopft, dann leistet die Pfefferminze gute Dienste. Kamille hilft bei Entzündungen weiter, trocknet aber auch aus und Huflattich beruhigt den Husten. Das ist nur eine kleine Auswahl – generell kann ich mit allen Kräutern inhalieren, die ich auch als Tee gefahrlos trinken  kann.

Besonders erwähnenswert finde ich noch Rotas letzten Absatz.
Je gestresster ich bin, je schlechter ich schlafe (dazu zählt auch „zu wenig“), je schlechter ich mich ernähre und je mehr ich mich verausgabe, desto leichter werde ich krank. Das Immunsystem arbeitet in einem ausgeglichen Menschen eben besser als in einem gestressten.

Zusätzlich möchte ich noch eine Lanze fürs Händewaschen und gegen Desinfektionstücher oder ähnliche chemische Maßnahmen brechen. In Grippezeiten hilft häufiges Händewaschen wirklich. Dabei geht´s nicht so sehr darum, dass die kleinen Viechers getötet werden, sondern weggeschwemmt. So schnell würden die nicht sterben – aber wegspülen funktioniert durchaus. Für schon Erkrankte wäre es ein Tipp sich beim Husten oder Niesen nicht die Hand vor den Mund oder die Nase zu halten, sondern einen Ärmel. Dann fliegen wesentlich weniger Tröpfchen durch die Gegend und es haben eben nicht alles was davon.

Zum Schluss möchte ich auf den Unterschied zwischen grippalem Infekt und der echten Grippe hinweisen. Mit zweiterer ist nicht zu spaßen!! Echt Grippe macht sich meist zuerst durch Halsschmerzen bemerkbar und wird von einem wirklich ernsten Krankheitsgefühl begleitet. Abgeschlagenheit, Ganzkörpergliederschmerzen und Fieber über 39 Grad sind ebenfalls ein Warnzeichen. Da ist viel Trinken (möglichst zumindest körperwarmes Leitungswasser oder passender Kräutertee) angeraten und Schonung, Schonung, Schonung. Am sinnvollsten ist es jegliche körperliche Anstrengung zu vermeiden. Falls der Appetit fehlt, ist Fasten (für unter einer Woche und für die meisten von uns) kein Problem, im Gegenteil es hilft sogar, da der Körper nicht zusätzlich belastet wird.
Symptomatisch darf natürlich auch bei der echten Grippe geholfen werden. Also bei starkem Halsweh hilft Gurgeln mit Salbeitee und Emser-Salz. Bei Fieber an die 40° darf und soll das ein wenig gesenkt werden. Wadenwickel helfen da, und im Teil I finden sich ja auch schon so einige Tipps dafür.

Dann wünsche ich im Aktufall gute Besserung und falls euch noch etwas einfällt, dann steht euch die Kommentarfunktion wie immer offen!

Editorial

Samstag, 13. Januar 2018

Well met, alle zusammen!

Winterzeit ist in unseren Breiten … jawoll Grippezeit – obwohl das ja nicht der einzige Grund ist die Nase voll oder einen dicken Hals zu haben. Gerade im Moment nicht …
Von einem unserer LangzeitWurzelWerker stammt das passende Bild. Dankeschön XVII!

Anhänglich und stachelig copyright XVII

XVII hat uns auch einen weitere Folge seines „Necromanten“ für den RegenBogen geschrieben. An trüben Tagen immer sehr willkommener Lesestoff, wie ich finde.
Passend zum Wetter habe ich ein paar meiner Tipps zusammen gesammelt, was bei „Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen“ vielleicht helfen könnte. Diesmal speziell für Kinder – deshalb auch für die „SternenKinder-ErdenKinder„.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mit-WurzelWerklerei. Wie immer brauchen wir spannend, gut recherchierte oder persönlich erlebte Artikel! Unsere Speicher leeren sich wieder einmal beträchtlich und wir können nur so vielfältig sein, wie die Artikel die von Euch gespendet werden.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Husten, Schnupfen und sonstige Katastrophen

Samstag, 13. Januar 2018

Wie so oft im Winter laufen die Nasen, krächzen die Stimmen (sofern sie überhaupt noch einen Ton rausbringen) und lassen sich die Viren per Hustenexpress durch die Gegend schippern. Gerade bei Kindern ist das besonders schlimm. Zusehen zu müssen wie sie verzweifelt versuchen durch verstopfte Nasen Luft zu kriegen oder mit Fieber apathisch im Bett liegen ist kein Spaß. Mit Medikamenten zuschütten ist aber auch nicht die beste Lösung – vielfach geht es auch mit ganz einfachen Hausmitteln. Dabei ist allerdings Obacht geboten und Hausverstand von Nöten. Ein paar kleine Tipps helfen da vielleicht ein wenig weiter.

Mein Nachwuchs ist verkühlt und der Schnupfen ist bös

Was in diesem Fall immer sinnvoll ist, ausreichend zu trinken. Am besten sind da natürliche Tees.

Besonders empfehlenswert sind Hollerblüten, die nicht nur gegen die Erkältung als solche angehen sondern auch den Kreislauf unterstützen und vor allem den Stoffwechsel. Wichtig ist, dass Hollerblütentee immer frisch zubereitet werden muss, da sich seine ätherischen Anteile recht leicht verflüchtigen. 1 Teelöffel pro kleinem Häferl mit kochendem Wasser aufgießen, zudecken, fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und auf Trinktemperatur – zugedeckt oder im Flascherl – abkühlen lassen. Dann mit einem kleinen Löfferl Honig (falls es sich um Kleinkinder über 12 Monaten handelt!!!) aber am besten ungesüßt zu trinken geben. Wen ungesüßt so garnicht geht, dann ein Teelöffel Agavendicksaft dazu mischen.
Zwei bis drei solche Portionen pro Tag sind ausreichend. Reines Wasser geht natürlich auch, das aber bitte ohne Kohlensäure und ebenfalls warm.

Suppen sind eine gute Möglichkeit um Flüssigkeit anzubieten.
Wurzelgemüsesuppe (manche mögen sie lieber klar, andere mit dem gemixten Gemüse drinnen) machen Sinn, die wohlbekannte Hühnersuppe und wenn ein wenig Gerste oder Reis mitgekocht wird, schadet das gar nicht. Wichtig ist nur nicht zuviel zu essen – wobei die Gefahr eher gering sein dürfte, weil es meistens sowieso „nicht schmeckt“. Deshalb macht es auch nichts, wenn für zwei, drei Tage keine feste Nahrung angenommen wird – Hauptsache, die Flüssigkeitszufuhr stimmt.

Länger als zwei oder drei Tage sollte das Schlimmste aber auch nicht dauern, sonst auf jeden Fall den Arzt konsultieren.

Die gute alte Rotlichtlampe hilft ebenfalls weiter. Am besten funktioniert das, wenn der Krankensessel auf den Schoß genommen wird und dann gemeinsam mit jemandem, der noch Spaß macht auch, vor der Lampe sitzen kann. Wenn dann eine Geschichte erzählt oder gemeinsam ein Bilderbuch angeschaut wird, fällt das auch viel leichter für die 10 Minuten halbwegs still zu sitzen. Der Abstand ist dann richtig, wenn es auf dem Handrücken (vor die Schnupfennase gehalten) gerade angenehm warm aber nicht heiß ist.

Luftfeuchtigkeit ist bei Schnupfen der nächste Punkt. Es gilt – je feuchter das Raumluft desto besser für das kranke Kind und genauso für die Mitbewohner. Wenn die Luft trocken ist, dann steckt man sich viel schneller an, als bei feuchtem Raumklima.
Aromalampen sind da gleich das passende Thema. Zwei drei Tropfen Thymianöl, eine Fingerspitze Salz ins Wasser und für eine Stunde so aufstellen, dass sie für neugierige Kinderfinger nicht erreichbar ist. Für Babies reicht es völlig eine Wasserschale mit den zwei oder drei Tropfen ätherischem Öl auf die Heizung zu stellen, so verdunstet es langsamer.
Inhalationen gefallen wohl den wenigsten Kindern, deshalb gibt es eine Reihe an Tricks. Sollte das Kind nicht fiebern, kann anstatt dessen einfach ein Dampfbad gemacht werden. Badezimmer dicht machen, Heißwasser solang laufen lassen, bis z. B. die Spiegel beschlagen sind, dann erst das Badewasser mit temperiertem Wasser, einer Handvoll Salz und zwei Litern Thymiantee einlassen. Darauf achten, dass das Wasser nicht zu kalt wird und spätestens nach einer Viertelstunde raus aus der Wanne, rein is Bett (vorher noch Nase putzen).

Bei Fieber geht das natürlich nicht, also Plan B. Niemand sitzt gerne am Küchentisch, mit dem Kopf unter einem Badetuch über einer Wasserschüssel, 15 Minuten lang. Eine Alternative ist, mit dem Kind zu inhalieren (schadet ja auch einem Gesunden nicht!). Den Topf mit Wasser auf eine der vorderen Kochstellen am Herd zu stellen, nach dem Aufkochen Salz und einen gehäuften Esslöffel Thymian dazu geben und auf kleiner Flamme zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen. Der Topf sollte größer als das Kochfeld sein! In der Zeit einen Sessel neben den Herd stellen, eine Decke – so weit hinter dem Topf ,mittels eines schweren Gegenstandes, „festmachen“, dass sie nicht mit dem heißen Kochfeld in Berührung kommt – und nachdem man auf dem Sessel Platz genommen hat, über den Topf und den eigenen Kopf ziehen. Dadurch einsteht ein Zelt in dem der Dampf aus dem Topf eingefangen wird und bereits etwas abgekühlt, nach unten fällt. So kann das kranke Kind gemütlich am Schoß sitzen und dann ist das Inhalieren sogar gemütlich.
Natürlich kann so ein Zelt auch unter dem Tisch gebaut werden, indem die Decke einfach über den Tisch gehängt wird. Allerdings ist der Dampf dann weniger dicht, weil der Nachschub langsam versiegt (außer man hat eine zusätzliche Kochplatte, die man da unten verwenden kann). Dann wieder die Nase putzen und hinlegen (falls die Müdigkeit zuschlägt, was ich jetzt einmal annehme).

Womit wir schon beim Schlafen mit Schnupfen wären – eine oft böse Geschichte für die ganze Familie.

Wie kommen wir zu ein bisschen Schlaf?!

Verstopfte Kindernasen sind wahrlich kein Vergnügen, für niemanden. Deshalb vor dem Schlafen bei den ganz Kleinen nochmals die Nase absaugen. Bei den Größeren kann durchaus solang ein Meersalznasenspray angewendet und wieder ausgeschneuzt/weggeputzt werden, bis sie halbwegs durchgängig geworden ist. Über die Luftfeuchtigkeit haben wir schon gesprochen und falls das alles noch nicht genügt, dann hilft Zwiebel.
Einfach eine größere halbierte Zwiebel neben das Bett legen und das hilft die Nase halbwegs frei zu halten. Soll die Wirkung verstärkt werden (bei älteren Kindern!) dann einfach die Zwiebel klein würfeln, in ein Stück Stoff einwickeln und neben das Bett legen. Diesen Zwiebel dann bitte morgens wegwerfen!

Nächstes Mal beschäftige ich mich mit dem Umgang mit hustenden Kindern.

Ende Teil I

Der Nekromant, Fortsetzung, geschrieben von XVII

Samstag, 13. Januar 2018

Türglocke läutet

Nein, nein, nein. Das kanns jetzt nicht sein. Es muß ja mitten in der Nacht sein.

Mitten in der Nacht. Ich schlaf weiter. Ich ignoriere das einfach.
Ja, die Bettdecke raufziehen. Über die Augen. Gut. Weiterschlafen.

Türglocke läutet

Holy shit. Das habe ich nicht verdient. Bitte.

Ich will nur schlafen. Ich…ach, verdammt. Es war gestern zu lange. Ich hätte früher heimgehen sollen. Und weniger Alkohol. Viel weniger…Ufff…viiiiiiiiel weniger.

Türglocke läutet

„Jaaaa, verdammt nochmal, jaaaa…ich komm.“

Mist. Ich bin so, wie die Götter mich geschufen haben, oder das was von ihnen überblieb…nackt.

Was ziehe ich rasch an. T- shirt. Wo ist mein verdammtes….

Jacke…

Türglocke läutet

„SCHEISSE, ja ich komm ja schon!“

Bettdecke. Ich wickle mir die Bettdecke rum…Mist. Mist.

Hollla…meine Füsse berühren zwar den Boden…aber die Wände bewegen sich auch.

NIIIIE wieder Alkohol.

Außerdem Füsse…abgesplittertes Rot auf meinen Nägeln. Wäh. Da muß ich mich nachher drüber stürzen. Ich hasse abgesplitterte Farbe auf meinen Nägeln.

Gehe langsam zur Tür. Zum Glück ist der Eingang gleich in Nähe von meinem Schlafzimmer.

Altbau. Ich liebe Altbau. Ziemlich viele Kisten stehen rum. Tja, das bringt es halt mit sich,

wenn man seinen Exverlobten verlässt. Viel Zeug. Zum Glück habe ich meine Wohnung behalten.

-“Nein, Liebes, zieh doch ganz zu mir.“ Jaja..dann könnt ich jetzt im Hotel pennen.

„Wer ist da überhaupt?“ ich bin fast bei der Tür.

–“Die Post“

Das kann ja wirklich jeder sagen. Ich strecke meine Hand Richtung Tür. Fächere die Finger auf.

Scanne. Ok. Da ist wirklich jemand mit nem Paket.

Ja, sicher..ich hätte auch zur Tür gehen können und durch den Türspion schauen, aber heh…

…ich öffne die Tür. Der Bote schaut mich von oben bis unten an.

„Und, bin ich hübsch genug?“

–“Äh, wie bitte?“

„Was wecken sie mich mitten in der Nacht an einem Sonntag? Ich will schlafen.“

–“Entschuldigen sie…aber es ist 10 Uhr 20, also so ziemlich genau 10 Uhr 20, ich läute bei ihnen schon seit 10 Minuten und es ist…es ist Montag.“

Er zieht eine Augenbraue hoch.

–“Und ich möchte auch gar nicht beurteilen müssen, ob sie hübsch sind oder nicht, und Leute haben auch schon nackt Pakete von mir entgegen genommen, aber es hat sich noch nie jemand in einen Duschvorhang eingewickelt, der noch dazu halb durchsichtig ist. Verzeihen sie, ich wollte sie mit meinen Blicken nicht belästigen.“

Holllly…shit. Ich schau an mir runter.

Ich hab mich tatsächlich in meinen Duschvorhang eingewickelt.

Stimmt. Ich wollte mich gestern noch duschen. Das habe ich dann wohl auch noch gemacht…

…und dann irgendwie…hm. Wie genau ich ins Bett kam, weiß ich nicht mehr.

Ich kann zwar jedem seinen Tod voraussagen oder wie so die Geschäfte am nächsten Tag laufen, sehe Empfindungen wie andere Farben, kann mit Tieren sprechen, kann Pflanzen zuhören und kann mit der Zwischenwelt mal eben locker Gespräche halten…und vieles mehr…aber wie ich gestern ins Bett kam….

„Tut mir leid. Ich hatte einen schweren Tag gestern….was sag ich, eine schwere Woche…und…“

–“Keine Ursache. Bitte hier die Unterschrift.“

Er reicht mir einen Touchpendingskuli..keine Ahnung wie das Zeug heißt…ich mag das moderne Zeug nicht…ich kracksle meine Unterschrift auf so ein Plastikfeld, Minimonitordings…da steht aufgeregt „HIER ZEICHNEN“…jo…und da zeichne ich halt meinen Namen.

Paket. Er reicht mir ein kleines Paket.

„Danke.“

–“Keine Ursache. Und der Duschvorhang ist hübsch.“

Ok. Jetzt muß ich fast lachen. Ich ja, ich lächle und gehe mit gesenktem Haupt in meine Wohnung zurück. Mann. Mann.

Ich muß echt gestern zu viel erwischt haben.

Das Paket lege ich mal auf den Küchentisch. Jetzt gibt’s mal tiefschwarzen Kaffee der müde Nekromanten munter macht. Den Duschvorhang…hm…ich schau nachher ob ich den wieder montiert bekomme…den lege ich mal ab. Sooo….Kaffeemaschine läuft.

Was gibt der Kühlschrank her? Ich hab Hunger. Ich könnte jetzt nen kleinen Magier essen…wuaaahahaha…kleiner Spaß…ohhhh…damn….ich seh da gerade was. Synchro.

Die Idee da mit dem Magier. Das kam nicht so…um mich selbst zu erheitern. Damn.

Ich sehe was. Ich schau auf das Licht im Kühlschrank…ich sehe tief ins Licht. Ich bin im Licht.

Und…damn. Da ist wer. Den kenne ich noch nicht. Ein Magier. Ich lerne einen Magier kennen.

Ein Novize? Einen…was…Butter. Ich brauch Butter. Honig. Und…Butterstriezel.

Kaffee ist fertig.

Mein Exverlobter sagte dann immer in der Früh…-“Und magst du heute Iris-sch- Kaffee?“
Er fand das immer superlustig. Irish Coffee. Ich bin Iris. Und er spielte gerne mit meinem Namen.

Ich mochte das ja nicht soooo…aber ab und an hat er mich damit schon erheitert. Und mir hats gefallen..daß er stets -“EIRIS“…also lautmalerisch…Englisch Iris zu mir sagte.

War irgendwie stolz darauf englische Vorfahren zu haben. Umso lustiger fand mein Ex den Bezug zu „Irish“.

Paket. Jetzt hätte ich mich fast gedanklich versprochen und wollte schon Pakt denken.

Kennt ihr das? Pakt- Paket.

Ich brauch das Ding gar nicht öffnen. Ich weiß was drin ist.

Also so ungefähr.

Ich spüre Iver. Das Paket hat eindeutig seine Signatur. Und Flowers. Flowers hat das eingepackt.

Warum ruft der Kerl nicht einfach an? Nein, sicher wieder ein Brief in so uraltem Papier mit nem Siegel drauf…und ein paar Worte hingefetzt. Uaaaaah.

Ich habe echt andere Sorgen jetzt.

Ich bin nicht umsonst jetzt hier in Salzburg.

„Nie wieder Wien.“ Das waren meine Worte damals beim Abschied.

Ich hasse Wien. Verdammtes Wien. Scheiß Großstadt. Salzburg ist anders. Die Leute sind anders.

Angenehmer. Und mein Verlobter, mein Exverlobter…ist aus der Gegend hier.

Ich liebe Salzburg. Ich habe hier eine kleine Boutique.

Eigentlich bin ich ja Psychotherapeutin. Da bin ich schon stolz darauf. War schon hart die Ausbildung. Und ich war ganz gut darin. Nun, ja…ich hab auch gut „dahinter“ sehen können. Ich wußte was die Leute wirklich empfinden, und was sie wirklich durch gemacht haben. Machts aber nicht leichter. Und als ich mich mal dazu hinreißen ließ…daß ich meinem Klienten gesagt habe…gut…ich habe ihn fast angebrüllt…“Verlassens doch endlich ihre Scheiß Frau, die sie ständig betrügt…sie kommen seit nem Jahr her…und wir bewegen uns keinen Millimeter, weil sie einfach die Schlampe nicht ziehen lassen können…“ Gut…ok…ich habe ihn nicht fast angebrüllt…ich habe ihn angebrüllt. Und er hatte nicht den leisesten Hauch einer Ahnung, daß ihn seine Frau betrügt. Zunächst war er schockiert, dann entsetzt. Dann wollte er mich verklagen….und letztlich hat er seine Frau verklagt….nun, ja…jetzt ist er getrennt…und keine Ahnung was mit ihm ist. Aber ich hab das als Anlaß genommen diesen Job…an den Nagel zu hängen. Manchmal bin ich einfach zu emotional. Jetzt verkaufe ich hübsche italienische Mode. Mailand. Mhhhh…ich bin so gern in Mailand.

Nicht so gern bin ich wieder in meiner Wohnung. Allein.

Damn.

-“Du hast Geheimnisse vor mir. Du vertraust mir nicht. Du…“

Usw. Blabla.

Ja, klar….ich wollte ihm nicht sagen, daß ich eine Nekromantin bin und und…daß ich sehe, daß sein Bruder Leute auf dem Gewissen hat, seine Mutter in Wirklichkeit lieber mit ihrem Schwager zusammen wäre und …und…ich sehe seinen Tod. Ich sehe seinen verdammten Tod.

Da werden Beziehungen nicht gerade einfacher.

Ja, ja…ich kann das unterdrücken. Ich blende meine Fähigkeiten oft aus.

Weils das Leben einfacher macht. Ich weiß gerne was NICHT. Ich lasse mich gerne überraschen.

Ich liebe Überraschungen.

Das Paket.

Ich nippe an der Kaffeetasse…mhhhh…lecker.

Das Paket…gut…

Als wäre ich eine Katze mache ich eine schwungvolle Bewegung mit meiner Hand… tu so…als hätte ich Krallen…und nähere mich dem Klebestreifen…yessss…scharfe Fingernägel braucht die Frau.

So…offen.

Vorsichtig reinblicken.

Ein Brief. Ein doch sehr großes Paket…und darin ein Brief.

Typisch Iver. Das ist sooo typisch. Theater. Drama.

Ich nehme den Brief auf. Altes Papier. Geschlossen mit Wachs. Siegel.

Draaaama. Iver ist sooo eine Dramaqueen.

Nein, da können wir nicht einfach anrufen…oder auch mal nachfragen wie es einem denn geht…nein…da schreiben wir nen suuuuperokkultmagischen Brief.

Ratsch. Brief offen. Altes Pergament darin. Darauf steht mit Tinte geschrieben:

„Montag, 17 Uhr, Wien, Cafe Dreivierteltakt“….dann noch unser Zeichen unterhalb…

…und…oh…ich staune…ganz klein steht da „Bitte“.

Oh…Iver setzt ein „Bitte“ unter seinen Brief? Das ist neu. Flowers muß da nen gewaltig guten Einfluß haben….17 Uhr. Es ist jetzt so…11…dann kann ich mich nochmal hinlegen und….

handygeklingel

Na. Nicht ernsthaft jetzt. Wo ist mein Handy?

Ich…ich…nie wieder Alkohol.

Es kommt so aus Richtung Schlafzimmer…ok…dann mal…ja…da…unter der verf—- echten Bettdecke, die da am Boden liegt…da liegt auch mein Handy…und….ah…unbekannter Teilnehmer, die habe ich ja besonders gerne…und…nein, ich spüre auch nichts…ich weiß wirklich nicht wer das ist…ich…

Ach, was solls. Ich heb ab.

—-“Schatz? Schwester? EIIIIIRIS?“

Flowers. Es ist Flower.

—-“Komm sag was. Du freust dich doch.“

„Verdammt ja, Flowers. Süße. Das Paket habe ich gerade erhalten. Du….“

—-“Ach, du kennst doch Iver. Er kann das nicht lassen. Aber das „Bitte“ kommt doch schon mal gut, oder?“

„Das hast du ihm gesagt, gell? Du Luder.“

—-“Hihihi….ja, ich hab ihm gesagt, das freut dich sicher.“

„Und was ist los? Weltverschwörung? Illuminaten, Reptilienkongress, Mondlandung, diesmal die echte?“

—-“Du hast deinen Humor nicht verloren, Iris…ich vermisse dich echt. Wir fahren einfach gemütlich nach Wien und Iver wird dir alles persönlich sagen.“

„Wir fahren…was heißt…“

—-“Schau doch mal aus dem Fenster, Schatz.“

Ich ziehe die Vorhänge auf die Seite. Da unten. Flower. Und n Typ. Der Magier.

„Novize?“

—-“Genau.“

„Wie macht er sich?“

Sie reicht ihm das Handy.

—–“Sie sind dann wohl Iris?“

„Ja, das zur Hölle bin ich. Und du?“

—–“Chad. Freut mich.“

„Mich auch, sag einfach Iris zu mir und nenne mich bitte nie Schwester sonst reiß ich dir die Juwelen raus und sag nie Süße zu mir und…“

—–“Iris, das merke ich mir…ich geb dir wieder Flowers.“

„Flowers? Netter Typ. Kann ihn nicht scannen…aber wirkt sympathisch. Warum hab ich dich nicht spüren können?“

—-“Iris, ich wollte dir die Überraschung nicht nehmen. Hab uns abgeschottet. Und auch jetzt Chad. Lern ihn einfach mal kennen. Er kann viel von dir lernen. Hilf ihm ein bißchen. Und…Iver braucht dich. Wir brauchen dich. Die Suppe kocht heiß…und….wir müssen wieder mal zusammenkommen.“

„Danke, mein Schatz. Ok. Klingt gefährlich. Wenn ihr Tante Iris braucht ists gefährlich. Bin dabei.“

—-“Natürlich bist du das. Leg dich nochmal hin. Chad und ich gehen ein paar alte Kultstätte hier besuchen…dann essen wir gemeinsam zu Mittag in der Stadt und nachher fahren wir nach Wien, ganz entspannt.“

„Liebe Schwester, so machen wir das. Bin gespannt. Ich liebe Überraschungen….“

—-“Guuuuut. Wir holen dich nachher ab.“

„Bis später!“

Sie winkt mir. Chad winkt.

Das wird spannend.

Und….ja….jetzt lege ich mich nochmal nieder.

Ohne Duschvorhang diesmal.

—–Fortsetzung folgt—–

Autor: XVII

Bildquelle: Salzburg_view_from_Monchsberg, By Paulo Maurício (56501) (Self-photographed) [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons. org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons,
Description= Photo of a human skull |Source=Personal work |Date=7 june 2008 |Author= Cyril NOVEL (~~~~Xerto), via Wikimedia Commons

Editorial

Samstag, 06. Januar 2018

Well met, alle zusammen!

Und schon sind sie vorbei, die Rauhnächte – wie schaut´s aus mit Eurem neuen Kalenderjahr? Hoffentlich so, wie das SpendenBild von Brighid

Brighids gewendete Sonne

In unserem Update geht es in gewohnter Weise weiter, wie im alten Kalenderjahr. Magister Botanicus „NATuQuTAN“ beschäftigt sich in Teil XII unter anderem mit Magische Naturwissenschaft – Naturwissenschaftliche Magie. Gerade für uns ein spannender Blickwinkel!
Der Teil II von Martins „Von wegen „uralt““ Serie beleuchtet Traditionen generell und den Adventskranz im Speziellen.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und hoffen, dass Ihr uns weiter mit spannendem, möglichst bunten und vielfältigen Artikeln versorgen werdet, die wir dann mit dem ganzen WurzelWerk teilen können! Vielfältige Wurzeln ernähren einen starken Baum halt am besten …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team