Archiv für den 03. Februar 2018

Editorial

Samstag, 03. Februar 2018

Well met, alle zusammen!

Viele haben die ersten Samen für nie Zukunft schon gepflanzt. Klar ist es noch Winter, aber manche brauchen den Frost um wirklich gut wachsen zu können, andere sind dann tot. Wer was braucht, das ist eine der Fragen der Zeit.

 

Spring sprung copyright Sue

In unserem heutigen Update findet Ihr einen Beitrag von Veleda, die einen Eindruck (und vielleicht auch auch paar Ideen) zu „Imbolc„mit uns geteilt hat. Danke XVII fürs Editieren und Einbauen!
Der zweite Artikel ist wieder einmal eine Spende von Mike, der sich aus professioneller Ecke seine Gedanken zum Burnout gemacht hat – „Burn on statt Burn out„.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure tätige Mitschreibe-Arbeit!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Imbolc ’18, von Veleda Alantia

Samstag, 03. Februar 2018

Bild: Veleda Alantia

Die erste Wärme der Frühlingsonne,
in den Bäumen steigen erste Säfte.
Imbolc entfaltet seine Kräfte.

Bild: Veleda Alantia

Die ersten Vögel singen ihr Lied,
gegen die verblassende Nacht,
Brighid komm zu uns,
teil mit uns deine Macht.
Aus der Anderswelt,
wo der Quell auf der seligen Insel,
Feuer im Wasser,
und erhält.

Bild: Veleda Alantia

Bringt herbei die Kreuze aus Stroh,
Ritualbrot und andere Gaben.
Zum Festmahl mit der Göttin, Götter, Ahnen und Geistern.
Schaut, Sie erhebt sich, breitet ihre Arme zum Segen aus und spricht :

Die Kälte des Winters verliert seine Kraft. Der Rückzug in die stille Zeit ist nun vorbei. Meinen Segen geb ich euch allen. Jenen die (ver)zweifeln, die hardern, die ihr Herz versteinern liessen, die ohne Hoffnung und Mut sind…

Eine Welle für den Weg, den ihr geht, möge er euch entgegen kommen,

Eine Welle für Heilung und Mut, in euch ist die heilende Quelle, der gesundende Räuchersglut,

Eine Welle für Vertrauen, in euch selbst und alle Kreise,

Eine Welle für das Streben, einst gegebene Versprechen zu halten,

Eine Welle um den Mut zu haben, auch andere zu halten,

Eine Welle für jede Reise, daß ihr immer begleitet werdet,

Drei Wellen für den Segen aus allen Welten, von Luft, Erde und Meer.”
———————–

Geschrieben von Veleda Alantia
Bilder von Veleda Alantia

Burn on statt Burn out – Teil I, geschrieben von Mike

Samstag, 03. Februar 2018

Die rasant zunehmende Zahl an Burnout-Fällen ist die Kehrseite einer immer kompromissloseren Leistungsgesellschaft. Das eigentliche Problem ist jedoch: Wir brennen nicht, wir verkohlen. Wollen wir der inneren Erschöpfung entkommen, müssen wir erst recht ein Feuer in uns entfachen. Das Heilmittel gegen Müdigkeit ist Aktivität.

„Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag
in deinem Leben mehr zu arbeiten.“
Konfuzius

copyright Mike

Das ist schon interessant: Auf der einen Seite kann ein Halbtagsjob zu schwerem Burnout führen. Auf der anderen Seite gibt es Personen, die 60, 70 oder sogar 80 Stunden arbeiten und dabei noch aufblühen. Der Zeitfaktor alleine kann also nicht ausschlaggebend sein, um unsere Energie-Resservoires sukzessive aufzubrauchen. Und natürlich: Zeit ist relativ, sowieso. Tätigkeiten die uns erfüllen, die uns positiv fordern, die uns in einem rauschartigen Flowzustand versetzen, vergehen wie im Flug, während die Beschäftigung mit Belanglosigkeiten die Zeiger auf der Uhr oft zum Stillstand zwingt.

Burnout ist ein Phänomen, das sich schwer greifen lässt

… außer an dem Umstand, dass es immer mehr Leute betrifft und mittlerweile Dimensionen erreicht hat, die auf individueller als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene äußerst ernst zu nehmen sind.
Eine aktuelle Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) hat gezeigt: In der Schweiz fühlen sich rund anderthalb Millionen Menschen an ihrem Arbeitsplatz häufig gestresst. Innerhalb von zehn Jahren hat diese Zahl um fast ein Drittel zugenommen. Das kostet die Volkswirtschaft mehrere Milliarden Franken pro Jahr, durch Krankenstände oder Leistungsabfall am Arbeitsplatz.
Ein Zeitgeistphänomen unserer Leistungsgesellschaft
Die Zukunftsprognose: Düster. Weil es eben nicht immer nur schneller, weiter, höher und besser gehen kann, die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen aber genau dies vermehrt einfordern, jeder muss sehen wo er bleibt, immer noch vorne blicken, keine Möglichkeit zum Stillstand, vor allem in Zeiten, in denen klassische Sicherheiten kontinuierlich wegzubrechen drohen, denn egal ob beruflich oder privat, der Lebenslauf 2.0 ist geprägt von Geschwindigkeit und zwingender Flexibilität, bis hin zum nicht mehr auf das Parkett der guten Verträglichkeit legenden Spagat zwischen allen möglichen und unmöglichen Anforderungen des Alltags, des Berufes und des Beziehungslebens.

Bei stetig steigendem und omnipräsenten Druck, schon beginnend in der Schule, nein, sogar schon im Kindergarten. Die Ich-Gesellschaft wird vermehrt zur Ellenbogengesellschaft und wer sich nicht zeitig profiliert, bleibt früher oder später auf der Strecke. Immer weniger Personen werden mit immer mehr Arbeit eingedeckt. Man kann das Gewinnoptimierung nennen. Der Rest muss sich mit nicht ganz freiwillig erwünschter Umstrukturierung auseinandersetzen.
Und auch das ist interessant: Selbst unter Arbeitslosen ist Burnout weit verbreitet, denn der existentielle Stress, nichts tun zu können, wird oft als genauso schlimm erfahren wie dauernd tun zu müssen. Burnout kann daher durchaus als Zeitgeist-Phänomen betrachtet werden, als den individuellen Kollaps, der zum Ausdruck bringt, was früher oder später auch unsere extrem leistungsorientierte Profitgesellschaft an sich treffen wird. Die eine oder andere wirtschaftliche Krise hat ja schließlich schon an die Tür geklopft.
Aber Krisen wird ungern das Tor geöffnet. Vielmehr werden alle Reserven mobilisiert, um sich dagegen zu stemmen und sie ja nicht hereinzulassen. Wobei gerade die Auseinandersetzung mit der Krise die Lösung wäre.

Das aus dem altgriechischen stammende Wort Krise bedeutet (Ent)scheidung, entscheidende Wende. Das Potential einer Krise ist: Umzudenken. Neue Wege einzuschlagen. Sich vom dem zu scheiden, was sich als nicht konstruktiv erwiesen hat. Und somit eine entscheidende Wende einzuschlagen. Burnout-Zustände sind eine persönliche Krise. Aber anstatt alles daran zu setzen, wieder fit zu werden, um genau den Weg weiter zu verfolgen, der direkt in die Krise geführt hat, sollte man diese als Chance sehen, entscheidende Wenden einzuleiten. Wenden, die eigentlich schon viel früher hätten passieren sollen.
Denn warum brennen wir überhaupt aus?

Hitze entsteht durch Reibung und Druck. Simpel auf den Punkt gebracht: Hitze entsteht meist durch Reibung oder durch Druck. Wir laufen heiß, wenn es im Leben nicht reibungslos läuft. Wir laufen heiß, wenn wir mit zu viel Druck umherlaufen. Und Reibung kann es auch bei einem 20 Stunden Job geben. Druck kann es auch bei gar keinem Job geben.
Die moderne Burnout-Forschung spricht bei Burnout begünstigenden Faktoren von geringen Entfaltungsmöglichkeiten oder Handlungsspielräumen, von Überengagement und Perfektionismus, von mangelnden Stressbewältigungsmechanismen, schlechtem Betriebsklima, fehlenden Zielvorgaben oder zu hohen Erwartungen an sich selbst. Aber: Es geht um Reibung, es geht Druck. Und das über einen längeren Zeitraum, wir sprechen von Monaten und Jahren. Wenn wir uns immer wieder entfalten wollen, aber nicht können, dann reiben wir uns am Widerstand heiß. Oder an den KollegInnen. Oder am Partner.
Aber: Im Endeffekt brennen wir dabei gar nicht wirklich, wir verkohlen nur, ganz langsam, und zerbröseln schließlich. Denn wenn wir wirklich für etwas brennen, wenn das Feuer der Leidenschaft die treibende Kraft für unser Tun ist, und nicht die engen Zielvorgaben der Abteilungsleitung oder des internen, vielleicht durch die elterliche Erziehung oder die Schule oder den gesellschaftlichen Konsens in das eigene System implementierten Kritikers, dann geht es uns im Regelfall auch gut.

Ende Teil I