Archiv für den 10. Februar 2018

Editorial

Samstag, 10. Februar 2018

Well met, alle zusammen!

Und wieder sind wir in einer Schwellenzeit angekommen –  im deutschprachigen Raum – mitten im Fasching. Das Spannungsfeld zwischen Besäufnis und Tradition … zwischen Ekstase und Exzess …

Ruhiger gehen wir es in unserem Update diesmal an.
Veleda hat mit „Vom Kaffee zum Tee“ einen schönen Kontrapunkt gesetzt.
Der vorletzte Teil von „NATuQuTAN“ bringt die Serie, die uns Magister Botanicus gespendet hat, schon fast zum Abschluss.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Euren Input – in welcher Form auch immer!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Vom Kaffee zum Tee, Autorin Veleda Alantia

Samstag, 10. Februar 2018

Vom Kaffee zum Tee

Sie hatte noch den Geschmack ihres Latte Macchiatos auf der Zunge, als sie sich beeilte um die Bahn zum Park zu bekommen. Das leicht Bittere, was sie nicht mochte hatte sie mit viel Karamell übertüncht. Kaffee war ihre Göttin, doch huldigte sie ihr nie bewusst. Immer nur im Vorbeigehen.

Sie schaffte die Bahn nicht mehr und leise schnaufend glitt sie in den schwarzen Tunnel.

Was sollte sie jetzt tun? Sie könnte sich noch einen Kaffee holen und warten. Oder…

Ein kleines Plakat wies auf ein Teehaus im Stadtpark hin. “Chadô..” las sie laut. ”Dem Weg des Tees folgen.” Einen Weg des Tees? War Tee nicht langweilig und oft so bitter, daß er nur mit viel Zucker zu ertragen war?

Doch etwas bannte ihren Blick darauf und so lief sie los.

Im Gehen bemerkte sie die Natur der Stadt. Grüne Orte und Steinarragements wie bei einem Zengarten. Nur deutlich feiner. Wahrer. Echter.

Der Park war leicht zu finden, immerhin lebte sie schon lange in der Stadt am Fluss. Der Duft von Regen und Flieder und anderen Blüten lag noch in der Luft als sie den Schildern folgte. Immer abgeschiedener wirkte alles..wie aus der Welt gefallen. Ein süßlich bitterer Duft ging von dem niedrigen Häuschen aus.

Der Weg war aus grossen Steinen und sie folgte ihm. Beim niedrigen Eingang, der verhangen war mit kleinen Tüchern, verharrte sie kurz. Was tat sie nur? Ihr Herz klopfte, als störe sie ein heiliges Ritual in einer Kathedrale.

Nur, daß diese Kathedrale aus Ahorn und Fichte, Bambus und Metall bestand. Sie nahm all ihren Mut zusammen und trat hindurch, in das von Dämmerlicht gewirkte erfüllte Räumchen. Eine junge Asiatin bat sie höflichst Platz zu nehmen und sie setzte sich. Um sie herum war eine Fülle an Teegegenständen und Schalen.

Intressiert blätterte sie die Karte durch. Matcha… Sencha…klangen wie ein Singsang in ihr und die Geschichte dazu faszinierte sie sehr.

So bestellte sie sich Matcha und wartete .Gespannt wie bei einer heiligen Feier.

Es dauerte etwas und die Bedienung kam wieder mit einer grossen Schale, einem Besen und einem Pulver, sowie einer Kanne.

Warum war sie hier und nicht bei dem Kaffeegiganten aus München? Sie seufzte und beobachtete wie die andre Frau die Schale behandelte. Mit grosser Sorgfalt rührte sie Wasser und Pulver zusammen bis es giftgrün und schaumig war. Dann, in einer anmutigen Bewegung stellte die junge Frau die Schale vor ihr hin. “Geniesst den Tee und den Moment.” sagte sie wie eine Priesterin.

Ängstlich nahm sie die unebene Schale in beide Hände. Grüne Süße und Bitterkeit erfüllten ihren Mund und weckten ihren Geist.

Alles ist im Chadô enthalten. Eine ganze Schale Menschlichkeit und die Heiligkeit des Alltags.

Nun verstand sie diesen rätselhaften Satz in der Teekarte. Dankbar, daß sie hier hergefunden hatte trank sie andächtig weiter bis die Chawan leer war.

Geschrieben von Veleda Alantia

Bilder: Wikimedia, caffe machiato by Takeaway / Kaffeetassen by Hendrike (1998)

NATuQuTAN – Teil XIII, geschrieben von Magister Botanicus

Samstag, 10. Februar 2018

Eine erweiterte Weltsicht, die zeigen kann, das dieses Universum sich selbst erfahren will und daher die Möglichkeiten einer solchen Erfahrbarkeit schafft – unter ande­rem dadurch, das sich in ihm Lebensformen entwickelt haben, die diese Er­scheinun­gen und Ereignisse untersuchen, über ihre Umwelt reflektieren und darüber mitein­ander kommunizieren.

Wenn ich also nun mit diesem synthetischen Gedanken das vorgestellte Modell der Welt konsequent anwendet, so gibt es die Möglichkeit für wahrscheinlichkeits­verändernde Informationsstrukturen, die nicht zwingend an eine raum-zeitliche, energetisch messbare Struktur gebunden sein müssen. Dies bedeutet, das nicht jedes Lebewesen1 zwingend an seine körperliche Existenz gebunden ist und auch eine Exis­tenz darüber hinaus haben.

Die Konsequenz einer solchen Aussage wäre im nächsten Gedankengang, das jedes Lebewesen auch ein Pedant in Form eines unzerstörbaren Wesenskernes im Sinne einer virtuellen Informationsstruktur unterschiedlicher Komplexität besitzt, welcher von der Raum-Zeit unabhängig existieren kann.

Für einen jetzt lebenden Organismus bindet dieser Wesenskern an eine jetztzeitige Raum-Zeit-Struktur, dadurch kann dieser Organismus mit der Raum-Zeit solange direkt wechselwirken, wie die entsprechende Raum-Zeit-Struktur des Lebewesens existiert. Und je komplexer ein Wesenkern strukturiert ist, desto komplexer kann auch die Raum-Zeit-Struktur konzipiert sein, an welche er sich binden kann.

Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit einer indirekten Wechselwirkung zwischen Wesenskern und Raum-Zeit – also ohne eine feste Anbindung an Raum-Zeit-Strukturen. Und ebenso selbstverständlich können sich mehrere Wesenskerne zu einer komplexeren Informationsstruktur zusammenschließen oder auch direkt miteinander Informationen austauschen.

Für einen Menschen bedeuten diese Schlüsse: der Tod ist nicht das Ende seiner Existenz und die jetzige Zustandsform als lebender Mensch ist nicht notwendiger­weise die Einzige. Es bedeutet aber auch, das Geister, Ahnen, Andersweltebenen mit den dazugehörigen Lebewesen tatsächlich existieren und ein Mensch mit jenen Ahnen, Geistern oder Andersweltlebewesen kommunizieren kann.

Die Frage nach einem Gottesbegriff, die sich notwendigerweise hier stellt, erfährt innerhalb dieses Weltbildes eine Wandlung – und eine andere Antwort, die ebenso einfach wie neutral ist. Es kann durch diese Sicht der Welt weder gefragt werden: „Gibt es einen Gott?“ oder „Gibt es Einen Gott?“, weil diese Frage bereits eine all­umfassende Entität postulieren würde, die sich als allmächtiges und universelles Regulans darstellte, die das Universum und die Welt nach seinem Gutdünken ge­schaffen hat und nun deterministisch geschehen ließe.

Die Frage muss demnach neu formuliert werden und frei sein von dogmatischen Grundideologien der etablierten monotheistischen Religionen: Gibt es eine Entität, welche die Dimensionen der Raum-Zeit und der Dimension Beurteilung der Wahr­scheinlichkeit umfassen könnte?

Nach Heim, Dröscher und Einstein gibt es eine Dimension, innerhalb der alle Ideen (als virtuelle Informationsstrukturen) eines materiell-energetischen Universums ent­halten sind bzw. durch ihre tatsächliche Existenz in der Raum-Zeit neue Ideen durch Kombination, Veränderungen der Wahrscheinlichkeit und den Naturgesetzen ent­stehen können. An der Schnittstelle der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlich­keit des Auftretens dieser Ideen innerhalb der Raum-Zeit sind jedoch Beeinflus­sungen durch Wesenskerne oder komplexeren Verbindungen von mehreren Wesenskernen möglich.

Diese Erklärung lässt viel Raum für die Interpretation des Begriffes Gott, Göttin oder Götter, denn wenn ein Mensch einen definierten Wesenskern besitzt, kann dieser Mensch selbstverständlich auch ganz individuell Wahrscheinlichkeiten und damit virtuelle Informationsstrukturen beeinflussen – und dies unabhängig davon, ob er gerade an eine raum-zeitliche Struktur angebunden hat oder nicht.

Alleine die pure Vorstellung eines Individuums oder der feste Glaube von Menschengruppen an eine bestimmte, virtuelle Wesenform oder eine vorgestellte, individuelle Gottheit – ob nun anthropomorph oder nicht – kann die Wahrschein­lichkeit ihre Existenz verändern und damit möglicherweise einen weiteren noch nie vorgestellten, individuellen (wenn auch zunächst virtuellen) Wesenkern schaffen – welcher seinerseits eine Individualität besäße und somit Wahrscheinlichkeiten be­einflussen könnte.

Diese Feststellung zerstört in ihrer Konsequenz jede scheinbar universelle, aber sehr anthropozentrische Auffassung von Moral und Ethik und löst einen dogmatisch ausgelegten Gegensatz von Gut und Böse vollends auf, da diese Begriffe für Wahr­scheinlichkeiten nicht anwendbar sind. Gut oder Böse, Ethik oder Moral sind rein menschliche Konstrukte, die je nach Gesellschaftsstruktur frei variabel sind und nur in einem kulturellen Kontext einen Sinn ergeben.

Im universellen Sinne kann es sich bei jenen Entitäten, nach denen in der Frage ge­sucht wurde, nur um Tendenzen handeln, welche im weitesten Sinne als konstruktiv oder destruktiv zu verstehen sind.

Damit wird deutlich, das solche Konstrukte – völlig gleich ob sie von destruktiver oder aufbauender Tendenz seien – keinesfalls die Grundlage einer Religion oder eines Gottesglaubens sein können. Ethik und Moral werden, wie bereits erklärt, nicht von Göttern bestimmt, sondern von Menschen gemacht und konstruiert – und dieses virtuelle Konstrukt kann seinerseits sowohl destruktiv als auch konstruktiv sein.

1 Ich möchte hier als Lebewesen jede organische oder anorganische Form, die im Raum-Zeit-Universum existiert, definieren; diese Lebewesen unterscheiden sich lediglich nach dem Grad ihrer Komplexität.

Ende Teil XIII