Archiv für den 03. März 2018

Editorial

Samstag, 03. März 2018

Well met, alle zusammen!

Schnee, Eis und Sturm aus dem Osten … und irgendwie schaut es in der Politik ähnlich aus – nur dass der Sturm da fast schon von überall zu kommen scheint. Auf der anderen Seite singen bei mir hier die Vögel schon den Frühling ein und wir haben auch noch ein bissl Vogelfutter aufgehängt im Quittenbaum …

Da mein Hilferuf der letzten Wochen – den Göttern sei Dank – von einigen Schreibenden erhört wurde, gibt es heute doch wieder ein Update mit zwei Artikeln!
Danke Sacriba für Deine ArtikelSpende für die „Polaritäten“. Ein etwas anderer Blick auf die Dynamik zwischen „Yin und Yang“ und ich bin schon gespannt, was Euch dazu einfällt.
Der zweiten Artikel, ebenfalls ein SpendenArtikel, stammt aus der Feder des „Pagan Piper Project“ – „Als der Wandel der Zeit zur Musik wurde„. Vielen Dank, Kristina!

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und falls Ihr uns noch Artikel zur Veröffentlichung überlassen wollt, oder Kommentare hinterlassen möchtet – lasst Euch bloß nicht aufhalten!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Yin und Yang – Teil I, geschrieben von Sacriba

Samstag, 03. März 2018

Was ist das?

Yin und Yang ist ein Konzept aus dem Taoismus, einer alten spirituellen Strömung, die heute hauptsächlich in China und Japan verbreitet ist. Die traditionelle chinesische Medizin hat dessen Philosophie später teilweise übernommen. Die Grundidee ist, dass in jedem Menschen mehrere Energieströme fließen. Stehen diese im Gleichgewicht zueinander, ist der Mensch körperlich und/oder psychisch gesund. Geraten sie hingegen in ein Ungleichgewicht, wird derjenige Mensch körperlich und/oder psychisch immunschwach oder krank. Dabei gibt es kein allgemeines Gleichgewicht, wie etwa “Gesunde Blutwerte liegen zwischen Zahl 1 und Zahl 2.” in der eurozentrischen/westlichen Medizin. Vielmehr hat jeder Mensch ein individuelles Gleichgewicht, wie ein Fingerabdruck, weswegen der gleiche und gleich starke Energiestrom den einen Menschen gesund, einen weiteren jedoch krank machen kann. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich dieses individuelle Gleichgewicht mit den Lebensumständen des Menschen mitändert. Daher kommt auch die Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen jung hält – denn ein solcher Mensch kann den eigenen Lebensstil immer wieder an die vorhandenen Energieströme anpassen und so körperlich und psychisch gesund bleiben.

Yin und Yang sind zwei dieser Energieströme, die sich gegenseitig so stark beeinflussen, dass sie oft als Begriffspaar genannt werden. Jeder Mensch hat sowohl Yin, als auch Yang in sich, wobei genau das Zusammenspiel der beiden Energieströme alle Bedürfnisse, Wünsche und Verhaltensweisen bezüglich Sex steuert. Als Folge daraus sind Yin und Yang auch bei Themen ausschlaggebend, die Sex beinhalten, also der romantischen Liebe und der Geschlechtsidentität.

Was hat das mit Sex zu tun?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir einen Abstecher in die Geschichte der Evolution:

Die ursprünglichen Lebensformen wie Bakterien, Einzeller und frühe Pflanzen hatten noch keinen Sex. Sie hätten auch keinen haben können, denn das Konzept gab es noch gar nicht. Fortpflanzung funktioniert bei diesen Lebewesen auf eine andere Weise: asexuell, also durch Teilung. Das bedeutet, dass ein Lebewesen zuerst alle Teile von sich kopiert, diese dann zusammenbaut und schließlich als ein weiteres Lebewesen in die Umwelt entlässt. Das Ergebnis sind zwei exakt gleiche Lebewesen, die sich, wenn überhaupt, in nur wenigen Merkmalen unterscheiden – wie eineiige Zwillinge. Der Vorteil dieser Methode ist der relativ geringe Energieaufwand. Der Nachteil ist allerdings groß: Denn fast identische Lebewesen haben alle auch sehr ähnliche bis identische Schwachstellen. Ein Fressfeind, Parasit oder ein Virus kann also eine ganze Spezies über die gleiche Schwachstelle befallen, töten und im äußersten Fall ausrotten.

Um dies zu verhindern, entwickelte sich im Laufe der Evolution die sexuelle Fortpflanzung, also Sex. Spätere Pflanzen, Pilze und Tiere begannen, ihre für die Fortpflanzung benötigten Merkmale innerhalb kompatibler Lebewesen auf zwei Formen aufzuteilen: weiblich und männlich. Die eine Hälfte der Information für ein neues Lebewesen ist in der weiblichen Form gespeichert, die andere Hälfte in der männlichen. Der Vorteil dieser Methode ist ein ganz entscheidender: Wenn beide Hälften der Information getrennt sind und erst später aufeinandertreffen, können sie durchgewürfelt werden, durch einen Prozess namens homologe Rekombination der Chromosomen. Im Wesentlichen ist das so, wie zwei verschiedenfarbige Haufen Sand in einen Kübel zu leeren, und solange umzurühren, bis der Inhalt in etwa gleich durchgemischt aussieht. Heraus kommt jedes Mal ein einzigartiges Lebewesen, mit individuellen Stärken und Schwachstellen. Dadurch müssen Fressfeinde, Parasiten und Viren immer wieder neue Strategien finden, was den angepeilten Lebewesen wiederum Zeit gibt, neue Abwehrmechanismen zu entwickeln, usw. In der gleichen Weise wie bei Fressfeinden haben die jeweiligen Lebensformen außerdem Möglichkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen (wie einem Klimawandel oder einer Naturkatastrophe) anzupassen, und können so besser überleben. Der Nachteil der neuen Fortpflanzungsmethode ist allerdings der höhere Energieaufwand: Da sich die beiden Informationshälften jetzt an getrennten Orten befinden, muss eine die andere finden, und auf dem Weg eventuelle Hindernisse überwinden. Die andere Hälfte wiederum muss das Gegenstück zur richtigen Zeit bereitstellen, die fehlende Hälfte empfangen und dann das gesamte Paket heranreifen lassen, bis daraus ein überlebensfähiges neues Lebewesen entstanden ist.

Diese Aufgabenteilung ist bereits eine Formulierung von Yin und Yang:

  • Yin entspricht der weiblichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) aufnehmende und (in ein Lebewesen) wandelnde Prinzip
  • Yang entspricht der männlichen Hälfte, ist also das (die Informationshälfte) gebende und (Leben) anstoßende Prinzip

Ende Teil I

Als der Wandel der Zeit zur Musik wurde, geschrieben von Kristina Pfeifer & Herbert Pfeifer

Samstag, 03. März 2018

Seit cirka 9 Jahren gibt es jetzt das Pagan Piper Project. Mittlerweile ist es eine fixe Band, begonnen hat es als offene Plattform, um modernes Heidentum künstlerisch zu beleuchten.

Ständig kamen neue Menschen hinzu, andere gingen wieder, je nach Änderung der Situationen, Vorlieben und Interessen. Manche bleiben lange, über Jahre, andere sind für wenige Songs – oder sogar nur für einen einzigen Song – zu Gast. Im neuen Album ist dieser Wandel, der das Projekt immer begleitet hat, besonders präsent. Wandel ist manchmal etwas Sanftes, Langsames, das auch eine gewisse Konstanz in sich birgt. Und es gibt natürlich den Wandel als plötzliches Ereignis, das ja oft als unangenehm wahrgenommen wird. Wer kennt das denn nicht? Wir wachsen ja alle damit auf.

Vivianne Crowley erschuf 2010 eine Sequenz von Worten, die aus den Inhalten des Buches „The Egyptian Book of the Dead“ zusammengesetzt sind, hierbei handelte es sich um eine Übersetzung von E.A.Wallis, die 1998 veröffentlicht wurde. In dieser Sequenz kommt die magische Abfolge dieser Zyklen des Wandels zum Ausdruck, worin einerseits die Vernichtung durch Veränderung zu spüren ist, aber auch ihre Konstanz, die in sich ein Geheimnis des Lebens birgt. „I am the Phoenix of the living flame, I arise from the ashes of the past. / I am the keeper of the book of things that are and the things that will be. / Eternity is the day. Everlastingness is the night.“ Etliche Jahre später, durch Sigrid Massenbauer, Veronika Kusová, Petra Kociánová und Anna Doubková wurden aus diesen Textzeilen ein Chant erschaffen und zusätzlich mit Damh the Bard, Karen und dem Broomstick Rallye Chor vertont und aufgenommen. Und dieser Chant ist das Herzstück des neuen Albums „Phoenix“ vom Pagan Piper Project.

Wandel drückt sich natürlich nicht nur so aus, er hat viele Gesichter, er hat einen Anfang und ein Ende, er erschafft Angst und Zuversicht, Isolation und Befreiung, Zweifel und Erkenntnis, sowie letztendlich einen Überblick über das Leben im Großen und im Kleinen. Im Song “Starting the Rite“, der bald nach dem ersten Album „The Turning of the Wheel“ entstand, werden schlichtweg die vier Elemente angerufen und der Ritus gestartet. Das hatte seine Wirkung, da in der Band sich zugleich ein heftiger Wandel vollzog. Eine schwierige Zeit. Wie soll es weitergehen? Da kam ein alter Spruch zu Tage, der von Kristina schon vor Jahren gedankenlos auf Papier gekritzelt worden war, und nicht nur die Situation ausgezeichnet beschrieb, sondern auch Hoffnung geben sollte: „Fear is just a mirror in the demon’s eyes.“ Darum herum entstand der Song „Morning Star“. Ein anderes Mitglied der Band hatte sich nach Jahren endlich aus einer schlimmen privaten Situation befreit, und schrieb darüber den Song „Tree of Life“, wo es darum geht, dass unser Lebensweg manchmal wie der verästelte Zweig eines Baumes wirkt, voller Weggabelungen, wo wir uns entscheiden müssen. Manchmal sind diese Entscheidungen besonders schwierig, und man fühlt sich gefangen, aber in Wirklichkeit ist man in jedem Moment frei, das zu tun, das einem nahe steht.

Als die schwierigen Zeiten sich dann zu lichten begannen, entstand aus langen Improvisationen schließlich einer der imposantesten Songs des Albums: „Panta Rhei“, der in sich dann schon eine abgeklärte Einstellung zu dem Auf und Ab der Zeit trägt. Nachdem das alles eigentlich auch immer wieder mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat, und dies dann besonders intensiv wird, wenn es um Liebe geht, kamen noch zwei Songs dazu, die mit einem leichten Augenzwinkern das Thema Partnerwunsch aus der heidnischen Sicht beleuchten („I Want a Pagan Man“ und „The Witches‘ Song“).

Und dann kam wieder die Kunst selbst ins Spiel. Die Band hat Kontakt zu vielen Formen des Heidentums und aber auch zu Menschen, die zu mystischen oder heidnischen Konzepten gar keinen Zugang haben. Doch da gibt es für alle ein verbindendes Element, das zudem den Wandel hervorruft: Es ist die Kunst selbst, die Kreativität, die uns hilft, das Gewohnte zu verlassen. Ein sehr alter Song, „Troubled and Sad“ der keinen Bezug zum Heidentum hatte, trug in sich eine Erklärung für die Wirkung in den verschiedensten Traditionen des Heidentums, wo in vielfältiger Art durch Kreativität eine neue Sicht der Dinge geschaffen wird. Und letztendlich in „Hands of Time“ wird rekapituliert, wie man doch immer wieder versucht, „sehend“ oder „erleuchtet“ zu sein, und dann stets auf die Ernüchterung trifft, dass man doch nicht alles sehen kann – oder vielleicht gar nicht will. Aber dafür gibt es eine Erklärung und letztendlich zumindest Anerkennung für den Versuch, der in sich Wert trägt.

Und damit ist das Album zu Ende. Die Geschichte selbst natürlich nicht. Mittlerweile geht es weiter und wir werden sehen, ob es Wandel oder Konstanz ist, oder eigentlich beides ohne klare Grenzen.


Ist es im Heidentum, abseits der Musik hier, nicht auch so? Es wandelt sich stets und jeder von uns hat sein/ihr Lied zu singen. Es ist oft eine Geschichte, die im Laufe der Zeit ein gesamtes Bild malt oder einen übergreifenden Song erschaffen kann. Vielleicht findet die eine oder der andere darin sich wieder. Man probiere es aus, auf 
www.paganpiper.com, auf Facebook oder Youtube, oder auf einer der anderen zahlreichen Plattformen, wo man die Videos des Projekts sehen kann oder die Musik lädt und hört.