Archiv für den 17. März 2018

Editorial

Samstag, 17. März 2018

Well met, alle zusammen!

Es hätte ja schon fast nach Frühling ausgesehen … aber nur fast … Sue hat uns ein sehr sprechendes Bild gespendet.

Not yet spring copyright Sue, Passionate about photography – Todmorden

Dafür haben wir in unserem Update heute wieder sehr spannenden Lesestoff. Veleda hat uns ein weiteres Märchen aus Avalon gespendet, „Von der Frau im Wald
Christian hat einen – besonders für mich sehr interessanten – Artikel für die „Orte der Kraft“ (die ich wirklich viel zu lang vernachlässigen musste, weil mir leider keine Artikel zur Verfügung standen!) geschrieben. Ich bin da ja quasi zu Hause, „Wenn man auf ganz alten Pfaden wandelt“ …

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns (noch viel mehr!) Euren Input oder Eure ArtikelSpenden.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Wenn man auf ganz alten Pfaden wandelt – Teil I geschrieben von Christian

Samstag, 17. März 2018

In einer Druiden-Facebookgruppe hat kürzlich jemand etwas über ihre Liebe zu Landkarten und ihre damit verbundene spirituelle Beziehung zu diesen zweidimensionalen Darstellungen unseres Landes und seiner Topographie gepostet. Ihr Beitrag erinnerte mich daran, dass ich schon lange eine Erfahrung teilen wollte, die ich vor ein paar Jahren in meiner österreichischen Heimatstadt gemacht habe. Wie diese Erfahrung mit Landkarten zusammenhängt mag nicht sofort klar sein, ich verspreche aber, dass das noch kommt.

 

Das Gasthaus zum Reichsapfel, jedenfalls einen Besuch wert wenn man Baden bei Wien verweilt

 

Es war an einem angenehm lauen Sommerabend, nicht zu heiß aber gerade einmal warm genug um lange im Vorgarten meines Lieblingswirtshauses zu sitzen und ein paar Bier mit meinen Geschwistern und Freunden, zu denen die Wirtin zählt, zu trinken, als dann noch später der Schwager derselben zu unserer illustren Runde hinzustieß. Irgendwann ließ Rudolf, wie der Schwager heißt, dann so nebenbei fallen, dass er, immerhin damals Kurator des örtlichen Heimatmuseums, gerade ein paar bronzezeitliche Kupferbarren in Diskusform untersucht hat, die im Tal westlich der Stadt in einem Stück Land, dass von einem antiken Wall umgeben ist, gefunden worden waren.

 

Kupferbarren (Fundort Cholerakapelle)

 

Natürlich war meine Neugierde sofort geweckt. Es war zu früh, als dass Rudolf Details über den Fund herausgeben konnte, klar war aber auf jeden Fall schon, dass die Fundgegenstände aus Vor- wenn nicht Protokeltischer Zeit stammten. Ein paar der Tonscherben, die dort ebenfalls entdeckt wurden, zeigten Muster aus der frühen Hallstattzeit. Was für mich noch wichtiger war: ich fand heraus wo dieser Wall zu finden war.

Grün gekennzeichnetes Gebiet: „Regnum Noricum“, Teil des “ Gallia Transalpina“, besiedelt von den „Norii“. Wir finden Juvavum (Salzburg) dort, und Hallstatt. Im sandfarbenen Gebiet: Meine Geburtsstadt Baden (Aquae); Vindobona (Wien) und die römische Garnisonsstadt Carnuntum, alle im Stammesbereich der Boii. Die Grenze im Norden wird vom Verlauf der Donau angegeben,im südwestlichen Eckpunkt die nördliche Adria, wo sich heute Triest befindet.

Nein, hier geht es nach wie vor nicht um heilige Landkarten, auch wenn mein Bruder und ich eine benutzten um zu der besagten Stelle zu kommen. Auf einer modernen Karte findet man die Bastion in der als „Burgstall“ bezeichneten Flur unmittelbar nördlich der Cholerakapelle im Helenental, westlich der Stadt Baden bei Wien in Österreich.

Baden, das in vieler Hinsicht dem englischen Bath ähnlich ist – unter anderem darin, dass dort seit spätestens der Antike heiße Quellen aufgesucht wurden – war den Römern unter „Aquae Pannoniae“ bekannt. Diese Eindringlinge aus dem Süden wurden von dem warmen Schwefelwasser angezogen, weil sich die Kombination von Hitze und Schwefel als exzellentes Heilmittel gegen Rheumatismus herausstellte, einer Krankheit an der viele der an die trockene Hitze gewöhnten Römer in diesem nasskalten Außenposten ihres Reiches litten. Vor allem die Offiziere, die Zenturionen der in Carnuntum stationierten Legion, sollen die heißen Quellen frequentiert haben. Die Römer ließen übrigens auch ein Geschenk für uns Badener zurück: den Weinbau. Seit dieser Besatzung (es folgten über die Jahrhunderte hinweg noch weitere solche) war meine Heimatstadt von Weingärten umgeben.

Das Gebiet war allerdings schon lange vor den Römern besiedelt, unter anderem von dem Keltenstamm der Boier, und auch sie haben sich schon an den heißen Schwefelquellen ergötzt. Weniger am damit verbundenen Gestank, würde ich jedoch meinen. Wir wissen, dass der Schwefelduft schon früh ein Thema war. Immerhin geht der Name des Flusses, der durch meine Heimatstatt fließt, Schwechat, auf das alte deutsches Wort „swechan“ – riechen, stinken – zurück. Außerdem veranlasste der üble Geruch, oder ein schlechtes Gehör, einen frühen Kartenzeichner dazu, das den Fluss darstellende blaue Band auf seiner Karte mit dem Ausdruck „Schwöfat“, also schwefelig, zu versehen. Der Fluss wird in den Ausführungen über heilige Landkarten auch noch einmal eine Rolle spielen.

Ende Teil I

Von der Frau im Wald, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 17. März 2018

Von der Frau im Wald
(Märchen aus Avalon 7)

Tief im Harz, in den Waldschluchten am Brocken lebte eine weise Frau. Sie war schon sehr alt und hatte viele Kinder zur Welt gebracht, Menschen über die Schwelle geleitet. Sie lebte lieber allein, da war sie ungestörter. Jedoch wenn man sie rief, erschien sie immer, da man sie brauchte.

Eines Tages, es neigte sich gerade die Sonne in den späten Nachmittag, wurde die alte Frau von einem kleinen Jungen gerufen. Ein Baby wurde erwartet und die Mutter hatte es schwer.

So ging sie los, durch die Schluchten des Harzwaldes. Vorbei und mit den Findlingen plauschend, sich Rat vom Wind holend. Begleitet wurde sie von den Tieren und den Geschöpfen des Waldes, die für uns heute unsichtbar geworden sind. Deswegen hatte sie keine Angst allein zu gehen. Sie war ein Teil des Waldes, ein Teil von Mutter Erde, so fühlte sie sich nie allein.

Auf dem Weg pflückte sie Frauenmantel, Brennessel und etwas Eichenrinde. Immer wenn sie etwas nahm, gab sie etwas. Zu einer guten Beziehung gehörte sich das. Immer näher kam sie dem Dorf. Als sie am Fluss war, hörte sie drei alte Frauen reden. Sie wuschen ihre Wäsche in den Wogen des Flusses. “Diese Kräuterfrau ist sonderbar. Zwar ein Teil von uns, doch so selbständig. Fügt sich ins Dorfleben nicht richtig ein.“ Die ,die das sprach besaß eine dicke Lippe.

„Jaa..immer kommt und geht sie.
Hält sich nur an ihre eigenen Regeln.
Spricht vom Herzen weg und schweigt wenn es nötig ist.“ sprach die zweite alte Frau mit einem dicken Daumen.
Die dritte kicherte übers Wasser.
„Ja, sie ist eine komische Alte, allein im Wald.“ Die letzte hatte einen dicken Zeigefinger.
„Ich grüße euch, ihr weisen Spinnenfrauen.
Dank euch weiß ich, daß mein hartes Leben Sinn macht und ich das tue, was ich geschworen habe unter den Sternen.“
Sie verneigte sich und ging leichten Schrittes weiter.
Eine neue Erdenseele wollte wiedergeboren werden und sie musste sich beeilen.
Endlich erreichte sie das Dorf und die Hütte der Gebärenden.
Die Frau aus dem Wald begann ein Geburtslied zu singen und setzte die Kräuter zu einem stärkenden und schmerzstillenden Trunk auf.
Mit geübten Griffen und Wissen aus den Knochen holte sie ein kleines Mädchen zur Welt.
Das Kinde auf dem Arm trat sie hinaus unter das Sternenzelt.
„Ich weihe dich mit dem Licht unserer Großmutter Mond.
Dem Atem deiner Ahninnen des Waldes,
dem Wasser des Lebens,
dem Feuer des Ofens.
Sei Willkommen kleine Seele, willkommen zurück!“
Freude erfüllte das Heim der Eltern und sie aß und trank mit ihnen und warf ihnen dann noch die Geburtsrunen.

„Nautiz. Sie wird die Kraft haben Not zu wenden.
Ansuz und Eilaz. Sie wird eine große Frau auf den Wegen sein, die vor ihr beschritten wurden.
Sie wird ein Teil der Schwesternschaft der Verborgenen sein.“ prophezeite die Frau aus dem Walde. “Ich werde über sie wachen und sie lehren was ich weiß.
Wenn die Zeit reif ist und unsere Mutter mir das Zeichen gibt.“
Mit Brot und Salz als Dank verliess sie das Haus .
Auf dem Weg in den Wald zurück dachte sie an die Spinnenden.
Ob sich da die Nornen gezeigt hatten?
Egal wer es war, diese Drei waren der Urgrund und ein Teil des Ursprungs. Zuhause kümmerte sie sich noch um ihr Gemüse im kleinen umzäunten Garten.Butterte noch etwas und trug alles in ihr Buch der Geheimnisse ein.
Die Zeit verstrich.
Das Mädchen wurde zu einer Frau.
Neugierig, offen, stellte sie viele Fragen.
Gerne verbrachte sie Zeit bei der Alten im Walde.
Sie rann mit den Hirschen umher, lernte sich anzufreunden mit den Elementen und Mutter Erde.
Kein Wild im Wald war ihr fremd, weder Stein noch Pflanze mit deren Hilfe sie zu heilen wusste.
Und wie die Runen vorhergesagt hatten, fand das Mädchen ihren Platz im Lebensnetz.
Doch auch wenn unser Schicksal uns zu unserem Platz im Lebensnetz weist, so kommen neue Abenteuer und ewiges Lernen auf uns zu.
Die junge Frau begann sich auf ihren Erfolgen auszuruhen.
Bald vergass sie die Weisheit ihrer Knochen.
Vergass den Gesang im Blut, der der Gesang ihrer Ahninnen war.

Sie verlor die Lust, verliebte sich.
Doch machte diese Beziehung sie zu einer Gefangenen. Ihre Eigenständigkeit gab sie auf. Der Hirsch und die Bärin sahen nach ihr, die Raben sprachen zu ihr, immernoch. Doch wollte sie es nicht mehr hören.

Ihr Partner starb bei einem Jagdunfall, er hatte nicht auf die Gesetzte der Natur geachtet und zur Unzeit gejagt.

So war sie allein.
Mit sich und dem was ihr hinterlassen wurde.

Als ihre Lebensflamme fast verlöscht war träumte sie. Immer und immer wieder. Es war ein Ruf und sie musste ihm folgen. Sie ging zur Hütte, entschuldigte sich bei ihrer alten Lehrerin. Sie lernten zusammen zu vergeben, aber auch ihre Stärke aufzubauen. Später erbte die Frau das Buch der Geheimnisse und vergass nie mehr auf den Gesang der Sterne, des Blutes, der Knochen zu lauschen.

By Veleda Alantia

 

Bilderquelle: Veleda Alantia