Archiv für den 14. April 2018

Editorial

Samstag, 14. April 2018

Well met, alle zusammen!

Wo ich hinriech riechts bei uns nach Knoblauch (der Bärlauch fängt tatsächlich schon langsam an zu blühen)


oder nach Kuhmist (die Bauern der Umgebung odeln die Überschwemmungswiesen) – manch einer zieht die Nase hoch und meint das es stinken tät … Ich finde, dass die einfachen Alltäglichkeiten des Lebens immer die schönsten Beispiele liefert, sich alle Sachverhalten ein wenig näher anzuschauen.

In unserem heutigen Update tut das Sacriba wieder mit „Yin und Yang„, deren Zusammenhänge näher betrachtet, diesmal mit dem Teil III.
Uwe hat uns wieder seine Buddhistische Sicht auf – ebenfalls einfache Dinge des Lebens – gespendet. „Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung“ – was mensch aus einem Frühstückstisch so alles lernen kann.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und vergesst bitte nicht uns Eure niedergeschriebenen Gedanken zukommen zu lassen.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil I, geschrieben von Uwe

Samstag, 14. April 2018

Äußere Ebene

„Gut, ihr Mönche, also sagt ihr folgendes, und auch ich sage folgendes: „Wenn dies existiert, ist jenes; mit der Entstehung von diesem entsteht jenes.“ (Majjhima Nikaya)

Dies beschreibt in einem Satz das Entstehen, die Existenz in Abhängigkeit, wie es vom Buddha gelehrt wurde. Was dieser im Sutra „Von der Vernichtung des Begehren“ auf das Erscheinen der leidvollen Erfahrungen und deren Überwindung bezieht, gilt natürlich für alles Erfahrbare. Doch was hat dieser zentrale Lehrsatz, auf den sich die gesamte, relative buddhistische Sicht reduzieren lässt, nun mit dem Bild meines Frühstückstisches zu tun?

Sehr viel. Nein, einfach alles. Dieses Bild kann dabei von einer äußeren, einer inneren, einer „geheimen“ (oder, besser, verborgenen) und einer absoluten Ebene betrachtet und verstanden werden. Beginnen wir auf der einfachsten Ebene, der äußerlichen. Es zeigt einen, meinen Frühstückstisch.
Teller, Tasse, Brot, Butter, Milch, verschiedenes anderes. Nichts Spektakuläres. Nichts Spektakuläres? Wer das denkt, ist von der Sichtweise, wie sie der Buddhismus kennt, sehr weit entfernt. Und hat ein Problem.

Er oder sie ist dem Prozess von Leiden, konkret der Verwirrung und Täuschung vollkommen ausgeliefert. Erfahrungen wie Mitgefühl, Freude, Güte und Gleichmut sind dabei, wenn Weil das, was auf diesem Bild zu sehen ist, den Rahmen des Vorstellbaren bei weitem sprengt.

Eine Scheibe Brot, hat man schon mal überlegt, wie viele Faktoren, Bedingungen und Umstände dazu gehören, bis eine Scheibe Brot auf dem Teller liegt? In früheren Zeiten dankte man dem lieben Gott für das Brot auf dem Tisch. Dieser Dank war der Tatsache geschuldet, dass man einerseits angesichts drohender Hungersnöte, der mühsamen Arbeit für die Lebensmittelgewinnung überhaupt tatsächlich noch eine verständliche Wertschätzung für so etwas einfaches wie Brot hatte.
Zum anderen wollten oder konnten die Menschen gar nicht die dafür notwendige Denkarbeit leisten, tiefer in die Zusammenhänge hineinzusehen. Denn das Bedingt Abhängige Existieren, das allen Phänomenen zugrunde liegt und das der Buddha mit seinem kurzen Satz auf den Punkt bringt, ist nicht ganz so einfach zu erkennen. Von da aus war (und ist) die Verortung einer höheren, lenkenden Kraft wie die eines Gottes für diese, in früheren Zeiten so geheimnisvollen Vorgänge wie Pflanzenwachstum und Wetter nachvollziehbar.
Heute wissen wir um Genetik, Pflanzenschutz, Klima und metereologische Zusammenhänge, wir schauen sogar in quantenmechanische Vorgänge, die normalerweise verborgen ablaufen. Das ist aber immer noch nur eine sehr grobe, äußere Betrachtung des Abhängigen Existieren. Aber weiter mit dem Bild.

Man sieht Butter. Es handelt sich übrigens um eine französische Meersalzbutter. Um den salzigen Geschmack dieser Butter zu genießen, was ist dazu alles notwendig?
Abgesehen vom Salz, das aus den Salzpfannen der französischen Küste mühsam abgebaut wird muss diese Butter schließlich ihren Weg in deutsche Supermärkte finden.
Vom Honig im Glas
Sehen wir uns mal so etwas relativ einfaches wie den Honig im Glas, der im Korb zu sehen ist, genauer an. Dazu braucht es, ja was? Wo beginnen wir eigentlich bei der Betrachtung des Phänomens Abhängiges Entstehen?

„Honig entsteht, indem Bienen Nektariensäfte oder auch andere süße Säfte an lebenden Pflanzen aufnehmen, mit körpereigenen Stoffen anreichern, in ihrem Körper verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen“ (Wikipedia).

Tja, das wäre die einfache Seite. Andererseits braucht es Menschen, die diesen Honig sammeln, Imker nennt man diesen Handwerker. Es braucht die technischen Geräte, mit denen er die Honigwaben zentrifugiert. Dann braucht es einen Glaser, der die Gläser herstellt, denn wo könnte man sonst den Honig hineintun. Das Glas auf dem Bild hat einen Plastikdeckel, da braucht es also auch noch den richtigen Fabrikanten, der den entsprechenden Kunststoff verarbeitet.
Ob in das so hergestellte Glas am Ende Honig, Erdnussbutter oder Nutella, wie auf dem Bild zu sehen, hineinkommt, spielt dabei weniger eine Rolle.

Aber ich habe gefragt, wo beginnen wir bei der Betrachtung des Phänomens Abhängiges Erscheinen? Bleiben wir beim Honig.
Die derzeitige Diskussion um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat rückt die Tatsache, dass wir eine Pflanzenvielfalt für eine gesunde Umwelt brauchen, zunehmend in den Blickpunkt. Denn die Monokultur der Landwirtschaft und schließlich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln selbst führte in den letzten Jahren dazu, dass Bienen es zunehmend schwer haben, Pflanzen zu finden deren Blüten sie nutzen können und überhaupt zu überleben.
Ohne eine Vielfalt an Pflanzen keine Insekten. Keine Bienen. Kein Honig.

Bis Honig in seiner bekannten Form auf dem Tisch stehen, zu dem Preis, wie wir ihn kennen, braucht es also tatsächlich eine unglaubliche Vielzahl an Faktoren, die zusammen spielen, die perfekt passen müssen. Angefangen von den Umweltbedingungen bis zu den menschlichen Leistungen.
Von Nutella und Dinosauriern 
Honig ist noch eine der einfachsten Dinge, die auf dem Tisch zu sehen sind. So wie das Brot auf dem Teller.
Obschon auch hierüber eine lange Geschichte zu erzählen wäre. Ganz zu schweigen von dem Schwarztee oder der Nutella. Das Plastik, aus dem die Deckel und die Folien gearbeitet sind, ist dann eine noch kompliziertere Geschichte. Kunststoff ist das Produkt eines komplexen Zusammenwirkens von Erdgeschichte, Umwelt, technischer Hochindustrie und menschlichem Einfallsreichtum.
Wo beginnt man hier mit dem Abhängigen in Erscheinung treten? Vielleicht bei den Dinosaurieren. Was haben die mit unserem Plastikdeckel zu tun?

Zwischen 400 Millionen und 100 Millionen Jahren vor unserer Zeit wucherte das Leben auf unserem Erdball in einer Art, wie wir uns das nicht vorstellen können. Riesige Urwälder und Tiere, viele Saurier, die über 200 Millionen Jahre lang den Ton angaben, in den Meeren wimmelte es von Kleinstlebewesen und Pflanzen. All diese organische Materie starb natürlich immer und immer wieder, wurde geboren oder entwickelte sich, bedeckte den Boden, wurde untergepflügt und mit Kontinentalverschiebungen in die Tiefe verfrachtet. Bis irgendwann aus dieser gigantischen Masse mehr oder weniger tief unten mittels Druck und Temperatur Erdöl wurde. In den letzten 150 Jahren fand der Mensch Techniken, dieses Öl zu nutzen. Dazu ersann er Methoden, dies zu gewinnen, es umzuwandeln, es als Treibstoff zu nutzen, in Granulat zu pressen, er erfand Maschinen, die Formen gossen und so weiter und so fort. Ein jeder Kunststoffdeckel auf einem Honigglas ist also nichts weiter als jahrmillionenalte einstmals organische Substanz, ein Zusammenspiel aus Umwelteinflüssen und Produkt einer menschlichen geistigen und körperlichen großartigen Leistung. Wie man sieht, es braucht nicht den Rückzug auf ein göttliches Prinzip, um Dinge, wie sie sind wertzuschätzen. Einfach nur, weil sie sind wie sie sind. Und das ist schon mal weit mehr, als man es auf diese einfache Art, wie ich es jetzt getan habe, durchdringen kann. Wie nochmal hat es der Buddha einst so trefflich formulierte: „Wenn dies existiert, ist jenes“. Wie wahr.

So viel kann man, wenn man will, auf einem Frühstückstisch entdecken. Allerdings ist dies nur eine sehr grobe Betrachtung. Die aber etwas verstärkt in den Blickpunkt setzen kann: Die Fähigkeit zur Wertschätzung für das, was uns umgibt.

Ende Teil I

Yin und Yang – Teil III, geschrieben von Sacriba

Samstag, 14. April 2018

Da Sex nicht mehr ausschließlich auf Fortpflanzung abzielte, sondern auf den sozialen Zusammenhalt der Gruppe, entwickelten sich zahlreiche sexuelle Spielarten, die aus Sicht der Fortpflanzung keinen Sinn ergeben, und aus deren Blickwinkel als überflüssig erscheinen. Das berühmteste Beispiel ist Homo- und Bisexualität.
Für die Fortpflanzung ist sie irrelevant, die biologisch ja nur über Hetero-Sex möglich ist. Aus Sicht des sozialen Zusammenhalts ist sie eine großartige Entwicklung: Denn Menschen, die bisexuell sind, können grundsätzlich mit den meisten der anderen Gruppenmitglieder lustvollen Sex haben und so die meisten positiven sozialen Vernetzungen aufbauen. Menschen, die rein homosexuell sind, können Druck aus der Gruppe nehmen, indem sie lustvollen Sex haben können, der garantiert keine Nachkommen produziert.
So bekommt die Gruppe in Notzeiten nicht noch mehr Mitglieder, während der soziale Zusammenhalt, der ja gerade dann wichtig ist, weiterhin gestärkt wird.
Die Prinzipien Yin und Yang entwickelten sich mit der neuen Situation mit:
Geht es um Fortpflanzung, ist Yang als das gebende und anstoßende Prinzip die Seite, die Spermien produziert, und Hindernisse überwindet, um diese zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen.
Yin ist als das aufnehmende und wandelnde Prinzip die Seite, die die Spermien aufnimmt, schwanger wird, und neues Leben gebärt. Wenn die Fortpflanzung aber nicht mehr Ziel des Sex ist, oder im Fall von Homosexualität gar nicht passieren kann, macht es keinen Sinn mehr, Yin und Yang so zu beschreiben.

Allerdings änderte das nichts am Ablauf von Sex: Die Körper, die Geschlechtsorgane, und die biologischen Prozesse hinter der sexuellen Lust sind schließlich immer noch dieselben, auch wenn am Ende keine Schwangerschaft herauskommt. Yin und Yang entwickelten sich daher in Richtung der einen Eigenschaft, die sich geändert hatte, also worum es bei Sex zum Spaß vorrangig geht – der Entstehung von lustvollen Gefühlen für alle Beteiligten: Eine Seite gibt und stößt an, die andere Seite nimmt diese Stöße auf und wandelt sie in sexuelle Lust um, die sich auch für die gebende Seite lustvoll anfühlt. Das macht die aktive Seite, die gibt, zum Yang. Und die passive Seite, die aufnimmt, zum Yin.

Da aber alle sexuellen Orientierungen vertreten sind, und somit auch zwei gleiche Geschlechtsorgane aufeinander treffen können, entscheidet sich diese Verteilung nicht mehr daran, wer welches Geschlechtsmerkmal hat, sondern wer eine Handlung als aktiver Mensch durchführt, und wer diese als der passive Mensch in sich aufnimmt.

Beispiele:
Hetero-Sex:
Mann stößt Frau mit seinem Penis: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still: Frau = Yang, Mann = Yin
Homo-Sex:
Frau fingert weitere Frau: Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann: Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin

Nun gibt es aber noch einen Unterschied zwischen den erwähnten besonders intelligenten Tierarten und der Tierart Mensch:
Während Tiere mit einem Gegenüber mittels Körpersprache und einigen Lauten kommunizieren, hat beim Menschen die verbale Sprache einen wesentlich größeren Teil der Kommunikation übernommen. Obwohl auch beim Menschen die nonverbale Kommunikation nach wie vor die meisten Informationen transportiert, hat die verbale Kommunikation einen so großen Stellenwert, dass sie Yin und Yang beim Sex beeinflusst hat. Über verbale Sprache können Menschen beim Sex nämlich “spielen”, also wie bei einem Spiel Regeln im Konsens ausverhandeln, nach denen der Sex dann abläuft. So können die obigen Handlungen in einen ganz anderen Kontext gesetzt werden.

Zur Wiederholung:
Yin ist das aufnehmende und wandelnde Prinzip
Yang ist das gebende und anstoßende Prinzip

Durch verbale Sprache kann aus der gebenden Seite eine werden, die nicht nur die körperlichen Handlungen, sondern auch einen Teil oder sogar die gesamte lustvolle Situation “gibt”, diese also herstellt und dann Regie führt. Die aufnehmende Seite wiederum nimmt nicht nur die körperlichen Handlungen auf, sondern folgt den Regieanweisungen, soweit für sie lustvoll, und wandelt so die Fantasie des “Regisseurs” in realen, für alle Beteiligten lustvollen Sex um.

Die Zusammenfassung aller sexuellen Spielarten, die auf diese Weise funktionieren, hat im eurozentrischen Kulturkreis die Bezeichnung BDSM bekommen. Der Einsatz von Regeln und Kontrolle durch verbale Sprache kann die Position von Yin und Yang im Vergleich zu den körperlichen Handlungen sogar umkehren:

Ende Teil III