Archiv für den 05. Mai 2018

Editorial

Samstag, 05. Mai 2018

Well met, alle zusammen!

Sehr spannend ist die Geruchskulisse gerade bei mir zu Hause … auf der einen Seite blüht der Bärlach (und deshalb riechts mehr als intensiv nach Knoblauch) und auf der anderen der Flieder (der für mich um etliches besser duftet). Wechselbäder für die Nase …

… wenn der weiße Flieder wieder blüht …

Das Update teilt sich diesmal wieder in Pole … einmal bringen wir Euch den letzten Teil von Sacribas „Yin und Yang“ mit der Betrachtung von BDSM.
Teil II von Uwes persönlicher Betrachtung zur Entstehung in Abhängigkeit, bildet den zweiten Pol.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Kommentare oder den Input (in Artikelform) den IHR unseren Lesern gerne mitgeben möchtet …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Yin und Yang – Teil IV, geschrieben von Sacriba

Samstag, 05. Mai 2018

Beispiele im Bereich Hetero-Sex im BDSM
Mann stößt Frau mit seinem Penis und “befiehlt” der Frau, sich nehmen zu lassen: Mann = Yang, Frau = Yin
Mann stößt Frau mit seinem Penis, während ihm die Frau “befiehlt”, wie genau er sie ficken soll: Frau = Yang, Mann = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Mann sagt der Frau, wie sie es sich besorgen soll: Mann = Yang, Frau = Yin
Frau reitet Mann, Mann liegt still, Frau benutzt den Körper des Mannes als lustvolles Werkzeug: Frau = Yang, Mann = Yin

Beispiele im Bereich Homo-Sex im BDSM
Frau fingert weitere Frau, hält sie fest und “befiehlt” der anderen Frau, auf ihre Finger abzugehen:
Aktive Frau = Yang, Frau, die gefingert wird = Yin
Frau fingert weitere Frau, welche aber der ersten ansagt, wie genau sie gefingert werden möchte:
Frau, die gefingert wird = Yang, aktive Frau = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, hält ihn fest und “befiehlt” ihm, sich nehmen zu lassen:
Mann, der fickt = Yang, Mann, der sich ficken lässt = Yin
Mann hat Analverkehr mit weiterem Mann, welcher aber dem ersten ansagt, wie er ihn ficken soll:
Mann, der sich ficken lässt = Yang, Mann, der fickt = Yin

Was ist eigentlich BDSM?

BDSM steht eigentlich für drei ineinander verwobene Begriffspaare:
B/D – Bondage/Discipline
D/S – Dominance/Submission
S/M – Sadism/Masochism
Die englischen Bezeichnungen können eins-zu-eins ins Deutsche übersetzt werden:
B/D – Bondage/Disziplin
D/S – Dominanz/Submission
S/M – Sadismus/Masochismus

Es handelt sich dabei um drei verschiedene Spielarten alternativer Sexualität, von denen sich jede der drei Gruppen noch in hunderte Feinvariationen mit eigener Bezeichnung auffächert.
Die Schreibweise der Begriffspaare ist ein Symbol: Der linke Buchstabe steht für die aktive, gebende und anstoßende Handlung (Yang), der rechte für die passive, aufnehmende und transformierende Handlung (Yin). Der Schrägstrich soll ausdrücken, dass die Begriffe Gegensätze sind, wird aber als “und” gelesen, da die aktive und die passive Seite ohne einander kein BDSM betreiben können.

Die Struktur eines (gesunden) BDSM-Spiels ist immer dieselbe:
Wenn von zwei beteiligten Menschen ausgegangen wird, übernimmt eine_r die Kontrolle über bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Handlungen, während das Gegenüber die eigene Kontrolle über dieselben Handlungen abgibt. Der Mensch, der kontrolliert, wird Domoder Top genannt, der Mensch, der Kontrolle abgibt, Sub oder Bottom.

Bondage bezeichnet Fesselspiele mit einem aktiven (fesselnden) und einem passiven (gefesselten) Menschen. Die bekannteste Spielart ist dabei das Fesseln mit Seilen aus der japanischen Kultur, allerdings können genauso Handschellen, andere Menschen, die den passiven Menschen festhalten, oder Halterungen an der Wand als Mittel für Bondage dienen. Da solche bewegungseinschränkenden Methoden vom passiven Menschen “Disziplin” verlangen, heißt die Rolle im Spiel dementsprechend.

Sadismus/Masochismus steht für das Zufügen von (Lust-)Schmerz mit einem ausführenden und einem empfangenden Menschen. Das kann mit allen Mitteln passieren, die Schmerz erzeugen: Klassisch sind Reitgerten oder Peitschen, genauso geht es jedoch mit der Hand (was Spanking genannt wird), oder Alltagsgegenständen wie einer Haarbürste aus Holz. Auch schmerzerzeugende Temperaturunterschiede durch Eiswürfel oder heißes Wachs auf der Haut fallen unter diese Kategorie.

Zwischen D/S auf der einen Seite und B/D und S/M auf der anderen Seite gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Ziel des Kontrollaustauschs bei Bondage/Disziplin Bewegungseinschränkung ist, sowie bei S/M die Erzeugung von Schmerz, hat D/S keine Vorgabe, welchen Bereich die Kontrolle umspannen soll. Daher sind B/D und S/M eine Unterkategorie von D/S – eben D/S bei bestimmten Handlungen.
D/S selbst kann in jeder beliebigen Handlung stattfinden, weswegen für die Beteiligten eines Spiels besonders wichtig ist, im Vorfeld zu vereinbaren, für welche Handlungen für die Dauer des Spiels D/S gelten soll, und für welche nicht.
So kann D/S strikt auf ein bestimmtes Thema beschränkt sein – zum Beispiel, wenn bei Bondage/Disziplin der_die Fesselnde nur Anweisungen gibt, die notwendig sind, damit die Fesseln funktionieren. Das Gleiche gilt natürlich für Sadismus/Masochismus. Wenn vereinbart wurde, dass D/S auch für andere Handlungen gilt, könnte der_die Fesselnde als Dom danach noch andere Menschen ins Spiel einladen und kontrollieren, von wem sich der gefesselte Menschen wie berühren lassen darf.
Um zu betonen, dass ein solches “erweitertes” D/S stattfindet, kann die aktive Handlung mit Großbuchstaben und die passive mit Kleinbuchstaben geschrieben werden: D/s, B/d (Bondage mit Dominanz) oder S/m (Schmerz zufügen mit Dominanz). Szenegänger ziehen außerdem dieselbe Differenz zwischen Top/Bottom von Dom/Sub: Das letztere Begriffspaar steht wiederum für ein erweitertes D/S.

Ohne Kontrollaustausch funktioniert Konsens verbal über die Sprache (Ja = Ja, Vielleicht = Nein, aber frag später nochmal, Nein = Nein) oder nonverbal über Körpersprache (sich zu jemanden hin/sich von jemandem weg bewegen). Da es in einem BDSM-Spiel um bewussten Kontrollaustausch geht – der passive Mensch also für Lustgewinn im Spiel bewusst auf die Standard-Möglichkeiten zur Konsensherstellung verzichtet – sind zusätzliche Ausdrucksweisen zur Konsensherstellung zwingend erforderlich:
Bei allen BDSM-Spielarten geschieht das in Form von Sicherheitswörtern (Safe Words) und/oder Sicherheitszeichen (Safe Gestures): Bottom/passiver Mensch und Top/aktiver Mensch müssen im Vorfeld Wörter, Geräusche oder Zeichen vereinbaren, mit denen Bottom bei allen Handlungen zu jeder Zeit ein Stoppsignal geben kann, das von Top prompt befolgt wird. Die Worte “Nein” oder “Stopp” können ebenso als Stoppsignal dienen wie extra ausgedachte Codewörter. Mindestens ein Stoppsignal muss dabei die komplette Aufhebung des Kontrollaustauschs bewirken: Dann ist das Spiel pausiert oder beendet und alle Beteiligten stehen wieder auf derselben Stufe – und können, wenn benötigt, die Regeln des Spiels auf Augenhöhe neu verhandeln.

BDSM ohne Sicherheitswörter oder -zeichen oder falls Top auf Stoppsignale nicht reagiert, ist nicht “besonders experimentell”, sondern sexueller Missbrauch! Bei Anzeige wird dieser vom Staat Österreich auch als solcher strafrechtlich verfolgt!

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil II, geschrieben von Uwe

Samstag, 05. Mai 2018

Die innere Ebene „Wenn dies existiert, ist jenes. Mit der Entstehung von diesem entsteht jenes“ Wie ich in der äußeren Betrachtung meines Frühstückstisches belegt habe, lässt sich das Entstehen in Abhängigkeit an einer Vielzahl von Objekten leicht beobachten. Wer nachdenkt erkennt, dass alles, was in diesem relativen, weltlichen Geschehen erfahrbar ist, auf bestimmten Bedingungen beruht. Und nicht nur bestimmten, nein. Unendlich vielen bestimmten.

Vom Supermarkt zum Ich

Im äußeren Bereich ist also beispielsweise ohne Biene, Blüte und Nektar kein echter Honig möglich. Und aus Nutella entsteht nun mal kein Brot oder umgekehrt. Es braucht für das eine wie das andere die passenden Bedingungen und Umstände. Die zwar in vielen gleich sein können, in anderen jedoch unterschiedlich. So wie, auf den Honig bezogen, Biene, Blüte und Nektar nur drei Bedingungen sind, die für Honig benötigt werden.
Wobei Boden, Sonne und Regen ebenfalls nötig, die aber ebensogut für Brot, Nutella und Tupperschüsseln wichtig sind. Diese Zusammenhänge kann jeder mit ein wenig gutem Willen klar als eine logische und beweisbare These befürworten.

Nun kommen wir damit auf die „Innere“ Ebene des abhängigen Erscheinens zu sprechen. Denn das, was auf dem Bild des Frühstückstisches vordergründig zu sehen ist, ist nur die äußere Seite. Was ist mit dem Verkäufer, der den Honig handelt? Der Supermarkt, der Zulieferer, die Infrastruktur, das Geld? Was ist mit dem Haus, in dem diese Küche mit dem Tisch zu sehen ist? Mit der Kamera, die das Bild aufgenommen hat? Der Computer, der das Bild verarbeitet, das Internet, über das dieser Artikel weitergeleitet wird? Wir sehen, die äußeren Bedingungen, damit diese Betrachtung überhaupt gemacht wersen kann, werden noch vielfältiger.

Vor allem jedoch, was ist mit dem Menschen, der diesen Beitrag nun liest?  Und was ist mit dem, der dies alles schreibt? Hier berühren wir die innere Ebene des bedingt abhängigen Entstehens. Tatsächlich gibt es eine Menge Menschen, die davon ausgehen, dass Dinge wie Honig, Brot, Kunststoff, Haus, Computer, Internet und vor allem sie selbst, ihre Probleme, Beziehungstreitereien, Kriege, Liebe, Glück und all der Quatsch aus etwas anderem entstehen.
Wie der Honig aus Nektar. Oder diese Dinge entsteht aus sich selbst. Oder aus dem Nichts. Oder gar aus einer Mischung der ersten und zweiten Behauptung.
Diese vier theoretischen Möglichkeiten des Entstehens gibt es. Was aber so nicht ist. Denn Abhängig Bedingtes Entstehen hat (und hier berühren wir schon die „verborgene“ Ebene) keine wirkliche Ursache. Aber halt. Bleiben wir bei der relativen Erscheinung der Dinge.

Auf Messers Schneide

Alles folgt hier einem klaren Ursache-Wirkungsprinzip. Auf dieser Ebene der relativen Erscheinung zweifellos. Was auf der Ebene der Erscheinung, wie wir sie erfahren und nachvollziehen können, auch zuverlässig funktioniert, wie jeder bestätigen wird. Deshalb „entstehen“ in Abhängigkeit natürlich auch aus heilsamen Handlungen, wie es der Buddha dargelegt hat, nur heilsame Erfahrungen. Und aus unheilsamen folgen unheilsame.
Aus diesem Grund konnte der Buddha auch davon sprechen, dass die Wesen Eigentümer und Erben ihrer Taten sind. Weil Erfahrungen nur aufgrund der entsprechenden Bedingungen gemacht werden können. Und in Bezug auf Erfahrungen, die Wesen machen, seien sie nun angenehme oder unangenehm handelt es sich bei einem Teil dieser Bedingungen um Handlungen, die von Wesen gesetzt werden. Immer und immer wieder.

Weil Bedingungen zu den Resultaten passen müssen, fließt Honig deshalb auch nicht aus einem Messer. Selbst wenn dies so aussehen mag. Genauso wenig wie Glück nicht aus unheilsamen Handeln entspringen kann. Selbst wenn dies so aussehen mag. Allerdings „entsteht“ Honig auch nicht aus dem Nektar der Blüte. Denn dann müsste Nektar immer zu Honig werden oder in der Blume schon als Honig vorhanden sein. So ist es aber nicht.
Genauso ist das erfahrbare „Selbst“ eines Menschen, der etwas Angenehmes oder Unangenehmes erfährt nicht etwas, das einfach so entsteht aus dem Zusammentun verschiedener Komponenten. Oder in diesem irgendwo inhärent vorhanden. Es scheint so. Ja. Körper, Empfindung, Unterscheidung, Gewohnheitstendenzen, Bewusstsein scheinen so etwas wie ein „Selbst“ zu bilden. Diese sind aber nichts anderes als willkürlich benannte, wiederum aus vielen Komponenten bestehende Erscheinungen.

Insbesondere das, was wir „Ich“ nennen ist eigentlich sehr einfach zu durchschauen als zusammengesetztes Ding. Einige Gewohnheitsmuster, Verhaltensweisen, das Attribut männlich oder weiblich, ein Name, den wir uns nicht mal selbst rausgesucht haben, ein Aussehen, dass ebenfalls nicht von uns abhängig ist sondern genetisch bedingt, Wissen, dass wir uns von anderen angeeignet haben und Meinungen, die wechseln wie der Wind. All das nennen wir „Ich“.
Und alles, was dieses Ich unterstützt, was ihm gut tut ist „Freund“, „Heimat“, „Parteifreund“ oder sonst ein Zeug. Alles was dieses Ich bedroht ist „Feind“, „Ausländer“, „Mobbing“ oder „Parteifreund“. Dabei sind das alles nur Bedingungen, irgendwann zusammen gekommen und benannt. Und das alles zusammen nennt man dann „Ich“ und „Mein“.

Ein fataler Irrtum

Es braucht also, um zum Honig zurückzukommen, eine unendliche Vielzahl von Bedingungen, die nicht Honig sind um den Honig in seine letztliche „Existenz“ als Honig in Erscheinung treten zu lassen. Es ist aber genau diese Vorstellung „Entstehen aus Anderem“, die zum grundlegenden, fatalen Irrtum wird. Der zu dem Leiden führt, das der Buddha benennt.
Aufgrund dieses Irrtums glauben Menschen, dass irgendetwas anderes dafür verantwortlich oder schuld ist,. dass sie glücklich sind oder dass sie leiden. Ihr Nachbar. Ihre Vergangenheit. Ihre Gedanken. Ihre Gefühle. Ihr Lebenspartner. Ihr Beruf. Ihre Gesundheit. Ihr Aussehen.

Wenn dem so wäre könnte auch eine einfache Sache wie Honig tatsächlich aus etwas anderem entstehen. Dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass Honig wie gesagt auch aus einem Messer entstehen kann. Dem ist aber nicht so, wie wir erwachsene und aufgeklärte Menschen wissen. Einem Kind kann man noch erzählen, der Honig würde vom lieben Gott gemacht. Oder wir lassen eben Honig aus einem Messer fließen. Ein Kind würde das ohne Zweifel glauben. Aber wir sind ja keine Kinder mehr. Höchstens kindisch in unserer Denkfaulheit. Deshalb glauben wir auch, dass das, was wir erfahren etwas außerhalb von uns stattfindendes ist. Wird fortgesetzt mit einem zweiten Teil zu diesem etwas komplexeren Geschehen um das Entstehen in Abhängigkeit. Dann geht es um die beiden Wirklichkeiten des Geschehens. Die relative und die absolute. Es braucht eine Vielzahl ganz bestimmter Bedingungen, um etwas Bestimmtes zu erwirken.

Ende Teil II