Archiv für den 26. Mai 2018

Editorial

Samstag, 26. Mai 2018

Well met, alle zusammen!

Die ersten Badetage sind ins Land gezogen, der Holler ist in Vollblüte, Bärlauch hat sich für heuer auch schon besprochen und die Erdbeeren sind grad im Kommen. Natur ist saisonal – nicht alles ist jederzeit verfügbar. Für den „modernen Menschen“ eine durchaus lohnende Sache, sich damit einmal auseinander zu setzen, wie ich finde!
Unser heutiges Bild ist wieder eine Spende von Gary Saunders dessen Frau wunderschöne Kunst herstellt!

copyright Gary Saunders

In unserem heutigen Update findet Ihr das „Märchen vom Glücksstein“ – grad richtig fürs gemütliche Lesen irgendwo im Schatten. Danke Veleda für Deine Spenden, die sicher vielen Lesern Freude bereiten!
Der Teil III von Uwes Betrachtung über „Das Entstehen in Abhängigkeit“ vervollständigt das WurzelWerk diese Woche.

Wie immer wünschen wir Euch viel Lesevergnügen und uns Eure Mithilfe beim Gestalten des WurzelWerks und vor allem beim vielfältig Halten unserer Beiträge. Je bunter die Artikel sind, die IHR mit uns teilt, desto breiter ist das Angebot, das wir für unsere Leser bereit halten können!

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Das Märchen vom Glücksstein, geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 26. Mai 2018

Dieses Märchen vertraute mir die Herrin der See an einem nebeligen Tag an ihrer Küste an. Das Geräusch von Wellen begleitete ihre Geschichte, die ich nun aufschreiben darf..

In einem Land zwischen Meer und Land, umgeben von Deichen und Dünen lebte eine junge Frau. Ihr Vater war gestorben und sie hatte nur noch Mutter und Bruder.

Sie ging am Strand an einem Sommertag spazieren. Am Tag davor war die See aufgewühlt und wer mit wissenden Augen ging, konnte kleine Schätze der Meeresgöttin entdecken.

Inmitten einer Welle fand sie einen Lochstein. Sie sah durch das Loch hindurch in die Anderswelt. Als Dank schenkte sie etwas Honig und Milch dem Meer und trug den Stein.

Bild: Veleda Alantia

Die Zeiten jedoch wurden düsterer für die junge Frau. Zweifel an sich und allem schlich sich in ihr Herz. Der Drache von der hohen Burg riet ihr in einem Traum sich an den Lochstein zu erinnern. Er sei ein Geschenk der Göttin und Ahnen und sei voller Magie. Ihrer eigenen Magie.

Mit dem Stein in der Hand ging sie an einem Markttag zu einer Verkäuferin, die mächtige Magie erkannte. Sie prüfte den Stein. An sich nichts Besonderes, so wie die Frau..So erzählte sie ihr eine Lüge um den Stein hinterher an eine schwarze Hexe zu verkaufen.

Die Hexe wollte der jungen Frau mit ihrem eigenen Stein schaden, schickte ihr Alpträume und Ängste. Doch die Göttin trat ans Dunkle und entriss ihr den Stein.

Als die junge Frau wieder am Meer war ging sie zutiefst betrübt und entmutigt daher. Ihr Leid war gross, ihr Vertrauen in sich, ihre Magie fast zerstört.

Die Göttin schickte drei Wellen aus der Tiefe die den Stein, ihren Stein, ihr an die Küste spülte.

Als die Frau ihn aufhob und an ihr Herz drückte, da sie ihn wiedererkannte, hörte sie die Göttin sprechen:

“Du bist mein Kind. Vergiss nie deine eigene Kraft und Magie. Du bist stark genug. Geh in deine Schatten, mache sie zu deinen Verbündeten.”

Die junge Frau sah durch das Loch des Steins, genau auf die Grenze von Meer und Land und spürte wie der Stein sie in eine andere Seite der Wirklichkeit zog.

Sie sah, daß sie in einer Höhle war und hörte die Wellen über sich. Sie musste am Meeresgrund sein! Schnell band sie sich ihren kleinen Verbündeten eng um den Hals dann ging sie weiter in die dunkle Höhle.

Vor ihr waren drei Ströme. Ein jeder schien unüberwindlich und sie konnte hören, daß sie hier unten nicht alleine war. Angst erfasste ihr Herz. Warum war die Göttin so grausam zu ihr? Hatte sie nicht schon genug Leid zu ertragen?

Aus dem ersten Fluss kroch eine unansehnliche Frau. Ihre Haut war voller Beschimpfungen. Die junge Frau sah das unter dem Hässlichen die Frau litt. So berührte sie kurz den Lochstein und ging auf die Frau zu.Umarmte sie. Die Worte in der Haut begannen zu schreien. Es sollte sie verletzten. Tränen liefen ihre Wange hinab, als sie die Frau tröstete.”Das bist du nicht. Es sind Worte ohne Kraft. Lass nicht zu, daß sie dich weiter verletzen.”

Die Worte auf der Haut verschwanden und die hässliche Frau bekam anstatt der Beleidigungen goldene Linien. Ihre Haut erinnerte jetzt an japanische Keramik die das Kaputte damit ehrt.

“Hab Dank…”flüsterte die andere goldene Frau und strich ihr über den Bauch.”Dies ist das Zeichen deiner Kraft. Das Leben mag noch hart und dunkel werden doch wirst du alle Kraft in dir allein finden.”

Dann wurde sie eins mit dem ersten Fluss und drei Steine erschienen als Weg zum zweiten und dritten Fluss.

Mit unsicheren Schritten erreichte sie das Ufer des zweiten Flusses. Eine gefesselte Frau entstieg dem Fluss.

Bänder aus Eisen bannten sie und nahmen ihr den Platz zum Atmen. Als die junge Frau näher trat sah sie daß auf den Eisenbändern Worte standen..Anforderungen wie sie zu sein habe. ‘Eine gute Frau tut dies, eine gute Frau hat so zu sein’. Sanft berührte sie die Bänder. Schluckte. ”Nein…so musst du nicht sein. Du kannst sein was du selber möchtest.” Die Bänder schnappten auf und die Frau konnte das erste Mal überhaupt atmen.

Die junge Frau streichelte tröstend die andere Frau. Sie sprach: “Hab dank Kriegerin des Herzens. Mein Segen begleite dich zu deiner dritten und letzten Prüfung.” Dann wurde sie eins mit den dunklen Wassern.

Bestärkt überschritt sie den steinigen Pfad.

Nun stand sie am Ufer des letzten Flusses. Sie hörte den Ruf von Raben und Eulen, sowie weit entfernt den Schrei der Möwen. Kam niemand? Sie ging zum Wasser und sah hinein. Ihr eigenes Gesicht, verzerrt und entstellt, sah ihr entgegen. “Das ist das wie andere mich sehen, die mich nicht kennen…”ihre Stimme brach unter Traurigkeit und ihre Tränen fielen in den Fluss. Wurden eins mit den Wassern und bildeten kleine Kreise.

Ihr Spiegelbild erhob sich aus den Wassern. “Du hast dich angenommen. Deinen Schmerz und deine Schatten. Geh mit dem Segen zurück in deine Welt.”

Plötzlich war sie wieder am Wasser, den Stein noch vorm Auge haltend. Sie hatte sich selbst erkannt. Ihre eigene Kraft, die in ihrer Vergangenheit ruhte. Mit diesem Wissen bestärkt konnte sie ihren Alltag meistern. Jedoch vergaß sie nie denen auf der anderen Seite zu danken die ihre Verbündeten waren.

Ende

Autorin: Veleda Alantia

Bild: Veleda Alantia

Entstehen in Abhängigkeit, eine persönliche Betrachtung – Teil III, geschrieben von Uwe

Samstag, 26. Mai 2018

Wie zum Beispiel Honig. Oder Liebeskummer. Oder Depression. Hass. Mitgefühl. Tupperschüsseln. Klimawandel. Dass dabei etwas aus etwas anderem entsteht ist eine von vielen Menschen gestellte Behauptung. Die allerdings nichts anderes als dem „einfachen“ Denken geschuldet ist.
Zwar sind Blüte, Nektar und Biene definitiv was „anderes“ als Honig. Dass aus ihnen Honig entstehen würde, diese Sichtweise beruht jedoch auf einer Art Faulheit. Auf einer grundlegenden Unachtsamkeit, besser ausgedrückt, einem NichtGewahrsein. Dieses Nicht-Gewahrsein wird insbesondere von theistisch orientierten Menschen gepflegt. Und auch von Atheisten.

Vom Schöpfergott zum Gehirn

Theisten haben sich dabei etwas ganz besonders „anderes“ ausgedacht. Alles Erfahrbare und auch nicht Erfahrbare, so stellen sie ihre Sicht dar, gehe auf die Schöpfung einer überlegenden Wesenheit, eines Gottes zurück. Der ewig, unveränderlich und unabhängig agiere. Der in der Lage ist, aus dem Nichts etwas zu erschaffen.
Nun, wie etwas aus dem Nichts erschaffen wird, mag man erst mal erklären. Aber dazu später mehr.

Der Glaube an einen ewigen, unveränderlichen und allmächtigen Schöpfergott ist dabei in doppelter Hinsicht denkwürdig. Wohlgemerkt, die buddhistische Sicht lehnt den Glauben an Götter nicht pauschal ab. Allerdings befinden sich diese Götter, so machtvoll, schöpferisch oder langlebig sie auch sein mögen jedoch logisch betrachtet ebenfalls innerhalb dieses relativen Geschehens. Und nicht irgendwo außerhalb.
Denn wären sie außerhalb dieses Geschehens, dann könnten sie keinen Einfluss auf die wechselseitigen, abhängigen Vorgänge bewirken.
Sobald sie jedoch etwas bewirken, sind sie innerhalb dieses Geschehens. Und dann unterliegen sie denselben Bedingungen wie alle Erscheinungen dieser relativen, erfahrbaren Existenz.

Und wenn ein Schöpfergott etwas erschafft, woraus erschafft er etwas? Wie gesagt, aus dem Nichts geht ja schon mal gar nicht. Und wenn der Schöpfergott ebenfalls Bedingungen nutzen würde, woher kommen diese Bedingungen? Oder hat dieser Gott diese Bedingungen ebenfalls aus dem Nichts erschaffen? Ja ja, so einfach ist das nicht.

Zum Zweiten stellt sich bei einem Schöpfergott noch die folgende Frage: Wer oder was hat diesen geschaffen?
Wenn nun jemand behauptet, dieser Gott sei „ewig“, ungeschaffen, dann sind wir schon bei der zweiten Behauptung angelangt. Das etwas aus sich selbst entstanden ist. Das eine solch komplexe Sache wie ein Schöpfergott, der etwas bewirkt und daher ja zielgerichtet vorgeht, mit einem Plan und auch Ausrichtung, aus sich selbst entstehen könnte geht aber auf dieser relativen, erfahrbaren Ebene schon mal gar nicht.

Atheisten haben ebenfalls eine sehr nette Erklärung parat wenn es um das Thema Geist geht. Diese, von keinem Neurologen, Biologen oder Wissenschaftler auch immer erklärbare Sache Geist wird flugs als ein Produkt des Gehirns bezeichnet. Nun denn, hierfür gilt selbiges wie für einen Schöpfergott.
Die Wissenschaft hat ein an und für sich lebloses Objekt wie Gehirn zu einem Schöpfer einer ihm völlig fremden Sache erklärt. Da wundert es, dass man Pinocchio, den hölzernen liebenswerten Bengel in den Bereich der Mythen verschiebt. Denn auch Holz etwas, dass wie Gehirn aus vielen Bedingungen in Erscheinung tritt. Und dann könnte Geist auch in Pinocchio „entstehen“.

Von gehörnten Hasen und Spaghettimonstern

Nun sagen einige findige Bürger, dass Gott, der Geist und die Dinge aus dem Nichts entstünden. Nun denn, das passiert ebenfalls nicht.
Auch Honig, wir erinnern uns, entsteht nicht aus dem Nichts. Und wenn dem so wäre, dann könnte auch im Himmel ein gehörnter Hase erscheinen. Einfach so.
Oder aber, wenn es denn einen Schöpfergott geben sollte, es die Gottheit der fliegenden Spaghettimonster ebenfalls geben müsste. Gibt es übrigens tatsächlich. Sogar eine Kirche, die diese anbetet. Dinge und Götter, auch nicht fliegende Spaghettimonster entstehen aber nicht aus dem Nichts.
Manche sagen auch, da gibt es halt eine Mischung aus diesen Möglichkeiten und die Dinge entstünden halt zufällig. Zwar betonen manche Leute, die Quantenphysik würde genau auf solches verweisen. Dass Dinge zufällig erscheinen. Dass es Multiversen gibt und darin Vorgänge, die jenseits der relativen physikalischen Gesetzmäßigkeiten liegen. Wo die Schwerkraft nicht gilt und Dunkle Materie die Dinge umkehrt. Wo Wurmlöcher Verbindungen zwischen den Galaxien und Dimensionen bilden und Warpantriebe Raumschiffe voranbewegen. Mit Mutter Theresa als Kapitän und Adolf Hitler als Schiffskaplan.

Nun, das ist jetzt ein wenig überspitzt. Tatsächlich verdanken wir unsere heutigen hochentwickelten technischen Geräte auch den teils verrückten Thesen der Quantenphysik. Das heißt aber nicht, dass diese Thesen nicht doch Regelmäßigkeiten folgen würden. Es kommt dabei nur darauf an, wie sie interpretiert oder überhaupt verstanden werden.
Denn, wer stellt diese Theorien auf? Sind es nur Physiker, die das mit ihrem Denken durchdrungen haben wollen und mit besonderen Geräten beobachten? Wer programmiert die Computer, die etwas außerhalb der relativen Realität beobachten wollen? Und wie interpretiert man eine solche Messung, die man macht? Und ist das Chaos, das manche Physiker dann erkennen wollen vielleicht auf einer verborgenen Ebene nicht doch wieder wohlgeordnet? Nicht, dass Quantenphysik nicht eine Geltung haben würde. Nicht, dass sie nicht gute, phantastische Theorien liefert für unser Sein. Das ist aber eine andere Sache.

Ende Teil III