Archiv für Juli 2018

Schamanin sein oder nicht sein – Ein paar Gedanken – Teil I, geschrieben von Tunritha

Samstag, 14. Juli 2018

Ganz kurz als Definition vorweg – kennzeichnend für jedwede Variante des Schamanismus sind meinem Verständnis nach die folgenden Punkte:
kennzeichnend, unabhängig von Zeit oder regionalem Raum:
Die Einsicht in die „Beseeltheit“ oder auch „Lebendigkeit“ von allem, das existiert

Ekstase- und Trancetechniken
Seelenflug – Schamanische Reisen in andere Welten
Kontakt zu und mit der Geisterwelt und daraus resultierende, geistige Verbündete. Diese werden als eigenständige Entitäten gesehen und behandelt
Kraft aus der geistigen Welt in die materielle Welt zu „transportieren“
Mit dieser Kraft werden reale Veränderungen ausgelöst, d.h. diese Kraft wird auch tatsächlich materialisiert
Die Arbeit für andere – für Klienten, die einen aktiv und ausdrücklich um diese Art der Hilfe bitten

Schamanin sein, so wie ich den Begriff im eigentlichen Sinn verstehe, ist etwas anderes als schamanisch zu praktizieren, schamanisch zu wirken oder auch schamanisch berufen zu sein.
Auch schamanisch Praktizierende sind häufig von den Spirits oder den Menschen berufen für bestimmte Aufgaben und Wege.

Was ist also, in meinem Sprachgebrauch, der Unterschied zur eigentlichen „Schamanin“?

Die Schamanin oder der Schamane sind neben der Berufung durch die Geister der Außerzeitlichkeit auch und vor allem berufen durch die Menschen, Geister, Götter und Ahnen einer Gruppe, einer Familie oder eines Stammes oder auch eines Landes/Landstrichs und sie haben diese Berufung angenommen mit allen Konsequenzen.
Und diese Konsequenzen sind es, die das Sein als Schamanin als Schamane so schwierig und manchmal schwer zu tragen machen.
Denn was bedeutet es diese Aufgabe, diese Berufung anzunehmen als tatsächlich wahrhaftig anzunehmen? Es bedeutet das die Schamanin, der Schamane für das spirituelle Wohl und Wehe und auch das sich daraus materialisierende Wohl und Wehe verantwortlich ist.
Es bedeutet wenn den Menschen oder Tieren dieser Gruppe etwas widerfährt, dann hat dies auch mit der Kraft ihres Schamanen zu tun. Mit dem Schutz und der Kraft die diese/dieser materialisieren kann.
Schamanin einer Familie oder eines Stammes zu sein, bedeutet das die Mitglieder der Gruppe, der Familie, des Stammes stetig unter dem Schutz und in der Kraftlinie der Schamanin stehen. Mit Mann und Maus, mit Kind und Kegeln, mit Hund und Katz.

Was für eine Verantwortung! Eine Schamanin ist nicht mehr nur für sich verantwortlich sondern auch für alles und jedes das der ihr anvertrauten Aufgabe, den ihr anvertrauten Menschen (und Tieren, Pflanzen, dem Land…) widerfährt.

Und diese Aufgabe muss ihr von den Menschen (und Tieren Pflanzen, dem Land…) freiwillig übertragen worden sein, diese Aufgabe kann man sich nicht einfach nehmen oder aneignen, auch die Geister können einem nicht die alleinige Verantwortung über einen Stamm/Gruppe/Familie „aufhalsen“. Es ist ein gemeinschaftlicher Akt der von allen drei Seiten gemeinsam bestimmt und gestaltet wird. Aber wenn einmal vollzogen, dann trägt die Schamanin die Verantwortung und das ist kein Spaß, das kann grauenhaft, erschreckend, belastend sein.

Wer tatsächlich in diesem Sinn Schamanin sein möchte, hat viel zu tun und viel zu tragen.
Dies ist nicht die „Beziehung“ die man zum „normalen“ Klienten hat, der einem für eine Sitzung und Hilfe ein paar Taler gibt. Dies ist die Beziehung die eine traditionelle Stammes- und Familienschamanin für ihre Gruppe, ihren Stamm und ihre Familie hat.

Der Stamm oder die Familie wiederum trägt die Schamanin, materiell und auch emotional. Sie passen genauso auf sie und ihr Wohl auf wie umgekehrt (männliche Schamanen sind hier selbstverständlich mitgemeint) .
diese Verantwortung wünscht sich wohl kein Mensch freiwillig und diese Verantwortung kann nur in Liebe und Mitgefühl getragen werden. Jeder Schnupfen, jeder Unfall, jedes Unglück das den Lieben widerfährt, hat auch etwas mit dem sie begleitenden Schamanen zu tun. Denn wenn der Schamane, Schamanin die nötige Kraft hat, kann einer Gruppe nichts widerfahren, das nicht in Harmonie geschieht. Welche Vorwürfe macht sich also eine solche Stammesschamanin wenn es zu Krankheit und Unglück kommt? Welche Vorwürfe werden ihr gemacht?
Das ist der eigentliche Grund warum unter vielen indigenen Menschen der Beruf und die Berufung als Schamanin so gefürchtet ist, denn diese Berufung bringt eine ungeheure Last mit sich und eine ungeheure Verantwortung.
Ist die Schamanin nicht in ihrer Kraft, kann sie die Familie den Stamm nicht in ihrer/seiner Kraft halten und es geschehen vermeidbare Unglücke, Hungersnöte, Krankheiten. Wir finden dieses Prinzip auch in manchen Märchen und Legenden, in denen die versehrten alten Könige durch die Jungen ersetzt werden müssen. Der rituelle Königstod ist eine Variante davon oder auch die irisch/gälische Geschichte von Lugh der die Herrschaft vom verletzen König Nuada übernimmt, der eine Hand verloren hat und daher nicht mehr die Kraft halten kann.

Welcher Mensch im Westen der noch bei Verstand ist, wünscht sich bitte diese riesige Verantwortung auch nur für die eigene Kleinfamilie, geschweige denn für ein ganzes Dorf?

Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, in meinem Leben gibt es einen Kreis von Menschen die auf diese Weise zu meinem Stamm gehören und das ist kein Spaß und kein Ego-Vergnügen.
Das ist manchmal ganz schön hart und hat mich verstehen lassen warum so viele Indigene keinen Bock auf eine derartige Verantwortung haben.
Darum, bevor Du Schamane/Schamanin für andere sein willst, übernimm als erstes die volle Verantwortung für Dich, für Dein Leben, Dein Glück und Unglück.
Erkenne dass, das Leben das Du um Dich herum materialisierst, ein unübersehbarer Ausdruck Deiner eigenen Kraft ist und auch Deiner eigenen wachsenden oder schwindenden Kraft. Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht um Bewertung oder gar Schuld. Schlimme Dinge passieren guten Menschen und Andersrum. Leben heißt auch immer Leiden, das ist wohl unvermeidbar. Und Leben heißt genauso auch immer Freude, Liebe und Berührung… Und Leben als Schamanin bedeutet die volle Verantwortung für sich selbst, das eigene Glück und Unglück, die eigene Krankheit, das eigene Leid, die eigene Freude… einfach das eigene Leben zu übernehmen und Zusätzlich und freiwillig noch ein ganzes Stück Verantwortung für Glück und Leid von Anderen…

Ääächte ;-) Schamanen (so wie ich sie verstehe) sind daher eigentlich ganz wild darauf Menschen in ihrer Selbstbestimmung und Selbstverantwortung auf allen Ebenen zu unterstützen und nicht darauf ihnen als Guru und Bevormunder stets und ständig voranzugehen.

copyright Tunritha

Ende Teil I

Editorial

Samstag, 07. Juli 2018

Well met, alle zusammen!

Ein schönes Durcheinander bietet uns das Wetter … und nicht nur das Wetter. Wie sagte John F. Kennedy so schön? „There is a Chinese curse which says, ‘May he live in interesting times.’ Like it or not, we live in interesting times …“ …

Fingerhut für gesegnete Ruhe copyright Pferdekrähe

Im Update findet Ihr aber trotz der interessanten Zeiten wieder zwei neue Artikel.
Eine ArtikelSpende von Ngak’chang Rangdrol Dorje, „Erleuchtetes Wunderwirken“ und ein kleines Märchen von Veleda, „Das Märchen von der Fuchsspur„.

Wie immer wünsche ich Euch viel Lesevergnügen und warne Euch auch schon vor, dass wir ab nächster Woche nur mehr einen Artikel im Update haben werden, weil zur Zeit unsere Speicher absolut leer sind.
Sollte uns jemand für Heiden interessante und relevante Artikel spenden wollen und diese auch an redaktion (klammeraffe) wurzelwerk.at schicken, dann reiche ich die natürlich sofort an Euch weiter.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Erleuchtetes Wunderwirken, geschrieben von Ngak’chang Rangdrol Dorje

Samstag, 07. Juli 2018

Übernatürliche Phänomene und Zauberkräfte sind auch den verschiedenen buddhistischen Traditionen nicht fremd. Neben der Befreiung, die durch die Realisation der Leerheit aller Phänomene erreicht wird und sich in der Manifestation des Dharmakaya verkörpert, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt, den des Formaspekts. Dieser Formaspekt manifestiert sich in einem subtilen und einem groben Aspekt. Diese werden Sambhogakaya und Nirmanakaya genannt. Die Formmanifestation ungetrennt vom grundlegenden Leersein dient dem Wohl der Wesen und wird dazu benutzt, auch Wesen, die schwer zu zähmen sind, zu führen.
Magische Kräfte wurden im Buddhismus schon immer als eine natürliche Folge von höheren spirituellen Errungenschaften angesehen und waren unauflösbar mit der Ausführung bestimmter Ritualformen verbunden. Da aber momentan die Vorstellung besteht, Buddhisten sitzen arhatgleich in Gleichmut, wird die Dimension der Wunderkräfte gerne ignoriert. Ein Grund dafür mag vielleicht sein, dass man die magischen Traditionen im Westen auch nicht mehr verstanden und wegen der mechanistischen und materialistischen Machbarkeit abgewertet hat. Im Westen gab es im Spätmittelalter bis ins 19. Jhdt. hinein eine reich blühende Literatur der Zauberbücher (Grimoire), in denen bestimmte Rituale höherer und niederer Natur dargelegt wurden.

Die Zauberbücher des Buddhismus

Dennoch ist es wert, sich mit diesem Aspekt der Lehre Buddhas näher zu befassen, da sich in verschiedensten Aufzeichnungen Hinweise dazu finden. Zwar findet man im Palikanon keine offensichtlichen Anleitungen, dennoch spricht der Buddha im Samannaphala Sutta über die allgemeinen und höheren Wunderkräfte, genauso wie im Mahasakuludayi Sutta entsprechende Hinweise zu finden sind. Im Mahasakuludayi Sutta steht: „Genau so habe ich meinen Schülern den Weg verkündet, wie man die verschiedenen Arten von übernatürlichen Kräften beherrscht: nachdem sie einer gewesen sind, vervielfältigen sie sich; nachdem sie sich vervielfältigt haben, werden sie einer; sie erscheinen und verschwinden; sie gehen ungehindert durch eine Wand, durch eine Einzäunung, durch einen Berg, als ob sie sich durch den freien Raum bewegten; sie tauchen in die Erde ein und aus ihr auf, als ob sie Wasser wäre; sie gehen übers Wasser gehen, ohne zu versinken, als ob es Erde wäre; sie reisen im Lotussitz durch den Raum, wie ein Vogel; sie berühren und streicheln mit der Hand den Mond und die Sonne, die so kraftvoll und mächtig sind; sie haben körperliche Beherrschung, die sogar bis zur Brahma-Welt reicht.“
Wie daran zu erkennen ist, wurden diese Lehren nicht der Allgemeinheit dargelegt, sondern nur einem kleineren Kreis an Schülern erteilt. Später wurden einige dieser Rituale und Zauberformeln auch in den Mahayana-Sutras wie z.B. dem Lankavatara-Sutra aufgezeichnet. Solche magischen Kräfte wurden von den Bodhisattvas manifestiert, um das Leiden der Wesen zu beseitigen und sie zur Befreiung zu führen. Diese Kräfte fallen in die Kategorie der „Geschickten Mittel“ (skt., upaya).
In Form von Zauberbüchern finden sich heute auch in der tibetischen Dharma-Tradition zahlreiche Texte zu diesem Thema. Ein wahrer Fundus dieser Grimoire-Literatur ist die „Sammlung kostbarer Schätze“ (Rinchen Terdzö; tib., rin chen gter mdzod), das von Jamgon Kongtrul Lodrö Thaye im 19. Jhdt. zusammengestellt wurde und aus 111 Bänden besteht. Einige Bände sind dieser Grimoire-Literatur gewidmet. Doch auch im Yuthog Nyingthig finden sich Anweisungen zu Heil-Mantras und zur Herstellung von Amuletten, genauso auch bei Ju Mipham Rinpoche, u.a. im Maha-Ati-Zyklus von Dudjom Lingpa oder in Panchen Nazawas „Naza Be’u Bum“ (tib., na bza‘ be’u bum) – einer Sammlung von esoterischen medizinischen Vorschriften und magischen Formeln für die Behebung verschiedener Leiden – oder dem Bari Be’u Bum von Bari Lotsawa, einer Sammlung, die auch verschiedenste Heilmantras und Anrufungen enthält, um nur einige wenige zu nennen.
Im Vajramala-Tantra wird gesagt: „Wenn jemand die Meditationsgottheit entsprechend dem Tantra praktiziert, erreicht er alle Verwirklichungen.“ Mit diesen Verwirklichungen sind die höchsten und gewöhnlichen Errungenschaften gemeint. Als höchste Errungenschaft gilt die Befreiung oder auch die Große Übertragung in den jugendlichen Vasenkörper oder die Realisation des Regenbogenkörpers. Die gewöhnlichen Errungenschaften sind besondere psychische Kräfte, Hellsehen, Bilokation oder ähnliches.

Vierfaches erleuchtetes Wirken

Man kennt im Dharma vier Arten der erleuchteten Aktivität. Diese ergeben sich aus den Mantra-Siddhis, der Kraft durch Versenkung in die Mantra-Visualisation und –Rezitation. Als Vorbedingung für die erfolgreiche Anwendung muss die Praxis der Meditationsgottheit ausgeführt werden, wobei der Aspekt der Visualisation und Erzeugung dieser Meditationsgottheit entscheidend ist. Durch die vierfache Ermächtigung wird man in diese Praxis eingeführt und lernt im Laufe der Praxis das gewöhnliche Konzept des Körpers zu transformieren, sodass die vier erleuchteten Aktivitäten erfolgreich ausgeführt werden können.
Die erleuchtete Aktivität des Befriedens wird eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, äußere und innere Hindernisse zu beruhigen, gegen störende Gefühle, gegen Geister, Dämonen und alles, was Schwierigkeiten bereiten könnte. Die erleuchtete Aktivität des Vermehrens führt zum Anwachsen von Lebensspanne, Wohlstand, Ansehen, Ausstrahlung, Gefolge und Verdienst, sowie den eigenen Erfahrungen und der Realisation. Die erleuchtete Aktivität des Magnetisierens ist ein Heranziehen und unter Kontrolle bringen von hartnäckig störenden Wesen. Man verschafft sich auf diese Weise auch Respekt. Auf diese Weise werden Wesen unter Dienst gestellt und unterworfen, man hat die Kraft, andere Wesen wie weltliche Gottheiten, Geister und Dämonen – also alle nichtmenschlichen Wesen – anzuziehen und von ihnen ihre magischen Kräfte zu erlangen. Die erleuchtete Aktivität des „Heiligen Zorns“ ist eine machtvolle, zornvolle Ritualhandlung. Diese wird gegen rigide Geisteshaltungen eingesetzt, gegen die zehn Feinde des Dharma, aber auch gegen Geister und Dämonen, um ihr reines Bewusstsein aus dem Festhalten an Form zu befreien und ihre Elemente zu transformieren.
Wesentlich für das Ausführen dieser erleuchteten Ritualhandlungen sind die Grundlagen des Dharma – Zuflucht; Bodhicitta; reine Sicht; die Fähigkeit, Wesen auf den Pfad der Befreiung zu führen usw.

Weltliche Wunderkräfte

Zu den gewöhnlichen Verwirklichungen zählen das Siddhi des Schwertes, das Siddhi der Augenmedizin, das Siddhi der Pillen, das Siddhi des schnellen Gehens, das Siddhi des Sehens unter die Erde, das Siddhi der Unsichtbarkeit, das Siddhi des langen Lebens und das Siddhi, durch das man Kupfer und Eisen in Gold verwandeln kann.
Es hängt von der eigenen Realisation ab, ob man diese Siddhis verwirklichen kann. Nicht alle können dies. Auch gliedern sich die gewöhnlichen Verwirklichungen in drei Gruppen: 1) niedere Siddhis; 2) mittlere Siddhis; und 3) höhere Siddhis. Zu den niederen Siddhis gehören die vier Aktivitäten und die zwölf Taten, die mit den vier Aktivitäten in Verbindung stehen. Zu den zwölf Taten gehören u.a. Fähigkeiten wie, Wesen zu kontrollieren, zu fangen, sie heranzuziehen, zu trennen usw. Die acht Vollendungen wurden bereits zuvor genannt. Zu den acht höheren Siddhis zählt die Fähigkeit, in verschiedenen Manifestationen den Wesen zu nützen, Kontrolle über die Lebensdauer zu haben oder sich in verschiedene Formen zu verwandeln.

Außergewöhnliche Kräfte

Zu den außergewöhnlichen Siddhis zählen die Fähigkeit, sich in verschiedenen Formen manifestieren, die Körpergröße verändern, das Körpergewicht verändern, die Fähigkeit des Durchdringens von fester Materie, sowie einen durchsichtigen Körper zu manifestieren. Man kann den Regenbogenkörper manifestieren, man geht in den Raum ein und man erlangt den Vajra-Körper, die Vajra-Rede und den Vajra-Geist. Und schließlich ist es die Befreiung in die letztendliche Realität aller Dinge, sowie das Erkennen der relativen Wahrheit.

Das Märchen von der Fuchsspur (Märchen aus Britannia I), geschrieben von Veleda Alantia

Samstag, 07. Juli 2018

Diese Geschichte vertraute mir mein Begleiter bei einer unserer gemeinsamen Reisen an. Nicht immer ist alles Schlechte wirklich schlecht. Und um manche Wünsche muss man kämpfen. Der Wind in den Eichen war ein Zuhörer der mir jetzt beim Erzählen hilft…

Es war zu einer Zeit, die immer sein wird und doch schon vergangen ist, daß eine junge Frau zum Markt ging. Viel Geld besaß sie nicht und oft kreisten ihre Gedanken darum.

Der Markt war für sie ein Ort der Magie. Dort gabs Händler die Gewürze in Form von duftenden bunten Pyramiden auftürmten. Edle Geschmeide und viel Fleisch das duftend an Spiessen briet. Ein Bäcker buck Brot und Naschwerk.

Ihr Magen machte sich bemerkbar so schlich sie um die Stände herum. Manchmal schien der Moment gut zu sein…da aber liess sie es doch bleiben.

Als sie etwas vom Stand des Bäckers stehlen wollte ergriff eine Hand die ihre.

“Stehlen ist nichts für Kinder.” Der Mann hatte rote Augen wie Granaten und trug Leder in der gleichen Farbe während an seinem Kragen ein Fuchsfell hing.

“Ich wollte nichts stehlen!” verteidigte sie sich. Irgendwie fühlte sie sich von ihm bloßgestellt.

Der Mann lächelte geheimnissvoll. ”Komm mit mir mit und du kannst dir etwas verdienen.“ Sie wurde von ihm mitgezogen. Erst weg vom Markt, dann raus aus der Stadt, hin zu einem Wald.

Dort zeigte er ihr eine Grube. Auf eine der dicken Wurzeln eines Baumes kletterte er und hockte sich hin. Deutete nach unten.

“Dort ist dein Lohn. Los, los…zeig mir kleine Diebin wie gut du bist.” Doch blieb sie wie erstarrt stehen…bis der seltsame Mann sie hinunter stiess und lachte.

Sie fiel und landete in Dunkelheit und Dreck. Einfach rauskommen konnte sie nicht!

Tatsächlich sah sie vor sich einem Gang und dem folgte sie, Flüche murmelnd.

Am Ende des Tunnels fand sie einen sanften Lichtschimmer. Da war ein Ausgang!

Doch war sie plötzlich in der mächtigen Krone eines riesigen Kirschbaumes.

Ein Kelch aus Silber schwebte über einem Teich. Das Wasser roch seltsam. War das der Lohn?

Als sie den Kelch ergreifen wollte verschwand er von einer Ranke fortgetragen.

Von unten hörte sie Männergeschrei. Soldaten! Und sie griffen den Baum an!

Ihre Oma, eine weise Frau hatte ihr erzählt, daß der Wald denen zu Hilfe kam der darum bat. Es ging nicht nur um ihr Leben…alles hier schien von einer seltsamen Lebendigkeit.

“Ich bitte euch, Geister des Waldes, helft mir!” Der Baum wehrte sich auf ihrem Ruf hin. Blätter gaben ihr Wasser auf um das Feuer zu löschen.

Ein Ast gab ihr eine kleine Glasphiole aus dunkelblauem Glas das ein Zeichen aufwies. Sonne und Mond zusammen, umgeben von Sternen.

“Danke…”

wisperte sie und sah, daß der Baum eine Öffnung hinab führte.

Sie ging den Weg zurück und fand sich am Eingang der Grube. Der Mann war zu einem roten Fuchs geworden.

“Dies ist ein Lohn der jemandem gehört der Neues wagt. Diebe erhalten einen anderen Lohn.”

Der Fuchs musste ein Trickser sein. Statt ihn zu verjagen dankte sie ihm mit einem Schluck aus der wundersamen Phiole.

Das Fläschchen brachte ihr Glück, sie fand arbeit und fand die Magie und Reichtum im Alltag, selbst wenn ihr Einkommen nur für das Nötigste reichte.

Ende

 

Autorin: Veleda Alantia