Archiv für August 2018

Editorial

Samstag, 11. August 2018

Well met, alle zusammen!

Angeblich macht sich die Dürre in Europa schon so breit, dass sie aus dem Weltall zu sehen sein soll. Die einen waten knöcheltief in Hagelkörnern und die anderen wissen nicht, wo sie das Futter für das Vieh hernehmen sollen … Es wandelt sich alles, auch das Klima!

Wolken wechseln copyright Rothani

In unserem Update findet Ihr heute einen weiteren Teil von „Geismar“ eine Neuerzählung der, in Germanenkreisen, vielzitierten Bekehrungsgeschichte.

Ein bißchen Arbeit habe ich für Euch auch angerichtet … wer weiter von uns Updates lesen möchte, der möge uns das bitte Kund tun. In Anbetracht der ganzen neuen Internetregelungen haben wir keine Statistiken mehr laufen und stehen somit im Dunkeln. Kommentare und Artikel trudeln auch mehr als sparsam in der Redaktion ein. Die Heidenlandschaft hat sich seit den 2000ern massiv verändert und damit ist es für mich nicht mehr klar, ob wir ausreichend Leser erreichen um die Arbeit an neuen Updates zu rechtfertigen!

Wenn Plattformen, auf denen Material aus den unterschiedlichsten Richtungen zu finden ist, kaum mehr frequentiert werden, was anhand der obigen Punkte fast anzunehmen ist, weil sie durch Whatsapp, facebook, persönliche Blogs und Co ersetzt wurden, dann ist das eine Zeiterscheinung, der Rechnung zu tragen ist.

Solltet Ihr also weiter neue Artikel im WurzelWerk lesen wollen, dann lasst uns das wissen (per Mail oder per Kommentar im Blog oder vielleicht sogar durch Zusendung eines Artikels). Ende September werde ich Euch dann das Ergebnis gerne mitteilen.

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Geismar – Teil II, geschrieben von Michael

Samstag, 11. August 2018

Ein Tag vor Sonnwend, im Dorf Geismar in Hrodgars Haus

Habt ihr schon gehört? Der Prediger ist wieder da. Er trägt jetzt einen seltsam spitzen Hut und einen langen Stab. Hält sich wohl für den Wanderer.“ Hrodgar betritt das einräumige Langhaus, wirft seinen Ledersack in die Ecke und schnauft wie ein Zugochse: „Mann, hab ich Hunger.“ Der zahnlose und schwerhörige Ahne am Feuerplatz kräht aus dem Hintergrund : „Was ist mit dem Predigtfuzzi? Ist er endlich vernünftig geworden? Macht er jetzt ordentlichen Zauber?“ „Im Gegenteil, Mummelvater – wisst Ihr was er vor hat? Er möchte den heiligen Baum fällen.“ „In welchem Raum will er bellen?“ „Ach Hrodgar, was du immer für Geschichten erzählst. Wenn dir das Bier nicht bekommt, dann gieß den Garten damit. Wer sollte sich sowas ausdenken?“ Die Frau im mattblauen Wollkleid nimmt unbeirrt eine tönerne Schüssel vom Bord neben dem Herd und befüllt sie mit Suppe. Der blonde untersetzte Mann mit den ledernen Riststulpen trägt ein Gesicht zur Schau, als hätte ihm jemand den Bart angesengt und greift sich ein Stück Pökelfleisch: „Nein-es ist wahr, Oda! Beim Herrn der Eide! Ich habe es gehört. Die Langkittel erzählen es jedem, der des Wegs kommt. Ich sag ́ dir, der will ernst machen.“ Oda scheint ungerührt: „Er wird es nicht wagen. Immerhin haben wir ein paar gesunde, starke Männer im Dorf.“ Ihr Blick zieht rasch über die Gestalt ihres krumm dalehnenden Gatten mit dem ansehnlichen Speckunterbau, dann schüttelt sie den Kopf: „Unter anderem….“ Hrodgar schmeisst den Gürtel von seinem Leibrock mit der schön bestickten Kragenborte, eine Arbeit seiner Frau, und lässt sich auf den, mit Fellen bedeckten Hocker in der Westecke des lehmverputzten Hauses fallen. „Du hast keine Ahnung. Diesmal hat er nicht bloß ein paar seiner Pfaffen mit. Ich habe sie gesehen. Eine mächtige Horde dieser ekelhaften Franken. Gerüstet und bewaffnet. Man sagt, er sei nun befreundet mit dem Frankenhäuptling Karl, den sie den Hammer nennen. Sie haben die Büraburg wieder unter volle Besatzung gesteckt. Mit DEM Rückenschutz kann er einen ganzen Wald umhacken. Da ist nicht viel Heldentum nötig.“

Heldentum….jawohl. Heldentum ist nötig . Ich erinnere mich an meine Jugend, da haben wir am Ederufer die Rübenfresser vom Nachbardorf vermöbelt, dass sie aus dem Arsch geraucht haben! Bis auf den Eckerich haben wir sie gejagt, die feigen Saukerle.“ Mummels Backen nehmen

Farbe an, er begeistert sich. Die Frau stellt die letzte der Schüsseln ab. „Aber denkst du denn…“ hebt sie nun mit einer Stimme an, die klingt, als wollte sie einem Kind die Angst vor den Schwarzalben nehmen: „…denkst du, Donar wird es zulassen, dass man sein Heiligtum zerstört? Der Segner des Feldes und der Schützer der Menschen? Denkst du nicht dass einer, der es gegen die Frostriesen schafft, einen einfachen spitzhütigen Spaßmacher in die Schranken weisen kann?“ Hrodgar zuckt die Achseln: „Ich weiß nicht. Man hört so viel von diesen Missionarren mit ihren neuen drei Göttern; sie sind überall. Und sie sind Zauberer. Verwandeln Wein und machen irgendwas mit Brot: Die Leute lassen sich in Scharen von ihnen Wasser über den Schädel gießen und sind dann ganz wunderlich hinterher. Das sagt zumindest der Hiltmunt , der weiter unten an der Eder wohnt, und der muss es wissen, weil er…“ Von draußen dringt das Krakeelen rauher Jungenstimmen herein und unterbricht das Gespräch. Offenbar haben sich zwei Vertreter der Dorfjugend, die der akuten Prahlsucht verfallen sind, in der Wolle. Oda wirkt kurz genervt, dann hebt sie die Hand, und geht zum Fenster. Mit der ganzen Autorität der Hausherrin öffnet sie den Verschlag und schleudert ein paar Worte an die Luft. Schlagartig senken die zwei Fünfzehnjährigen da draußen die Stimmen zu einem Flüstern herab. Oda dreht sich wieder ihrem Mann zu: „Was meintest du?“ Hrodgar sucht den Faden, aber es scheint, als hätte eine Dise ihn durchtrennt. Oda schüttelt den Kopf: „Ach, wie auch immer, mach dir keine Sorgen. Weißt du, ich denke, bevor er die heilige Eiche zerstört, wird eher das Bier mit Hopfen gebraut.“

Zur selben Zeit, auf der Feste Büraberg

Filius Amatus“ – Er murmelt es leise vor sich hin, bemüht, nicht der Sünde des Stolzes zu erliegen. Der auffallend hochgewachsene Mann, er mag so um die fünfzig sein, den noch immer jugendliche Kraft umweht, rollt das Schriftstück langsam und bedächtig auseinander. Seine Augen über der kräftigen Nase und dem dichten, aber sorgsam geschnittenen, grauen Vollbart schweifen leuchtend über die Zeilen. – Filius Amatus – heißt es da. Geliebter Sohn. Damit ist er gemeint. Er hat sich durch seine, von manchen als Zehenleckerei diskreditierte, unverbrüchliche Treue gegenüber Papst Gregor, vom einfachen Wandertäufer und Almosensammler zum überregional befugten Missionar und letztlich sogar zum Bischof emporgearbeitet. Die letzte Romreise, von der er nun zurückgekehrt ist, war für ihn wie ein einziges Geschenk gewesen. Den stiernackigen Hausmeier der Franken, Martell, hatte er über dessen Stolz mit einem Empfehlungsschreiben seiner Heiligkeit gekriegt, womit die Unterstützung der fränkischen Soldaten nun sicher gewährleistet war. Immerhin, die Franken waren seit der Zeit Chlodwigs christianisiert. Auf die konnte man durchaus zählen, wenn was für sie dabei abfiel.

Ungeachtet ihrer bluttriefenden Geschichte: Mit ihnen im Rücken konnte er sehr viel mutiger an sein Werk gehen.

Ein Werk, das gerade hier, in diesem Land, schier übermenschliche Anforderungen verlangte, zumal es sich bei den hier ansässigen Chatten um extrazähe Esel handelte, die durch die heilige Schrift nicht zu knacken waren. Man konnte mit ihnen nicht disputieren, wie unter Gelehrten üblich. Etwas ,das auch nicht in Synoden oder Konzilen ausgeräumt werden konnte, weil sich diese Menschen hier völlig außerhalb des christlichen Systems bewegten. (Der Graubärtige lächelte nachsichtig, wie ein strenger aber gutherziger Vater, indes er den Brief des Papstes zärtlich streichelte.) Dennoch wusste er, dass sich nach und nach alle würden taufen lassen. Lediglich musste er die Strategie ändern, wie mit seiner Heiligkeit besprochen und von ihr voll gedeckt. Er machte sich keine Illusionen über die Missionierbarkeit der chattischen Herzen. Sie mit einem Taufgeschenk zu ködern, hatte bei den Ärmeren zwar gewirkt, war aber ein Pyrrhussieg, zumal sie dafür jeden Unsinn versprochen hätten. Es war, als würde man Wildschweine mit Eicheln in eine Kapelle locken und dann meinen, sie kämen aus Frömmigkeit. Nein, diese Geschenke bargen keinen Sinn. Das beste Mittel zur Bekehrung war immer noch Furcht. Papst Gregor der erste hatte zwar das Konzept der Angst vertreten, doch nur für die Reichen anwenden lassen. Den Armen hingegen kam er mit Versprechungen und Gaben. Leider hatte er in all seiner Weisheit vergessen, dass die Armen durch Geschenke nur gierig wurden, nicht aber eben gläubig.

Ende Teil II

Editorial

Samstag, 04. August 2018

Well met, alle zusammen!

Viele von uns stöhnen unter der Hitze und holen sich gleichzeitig in den klimaanlagen-gekühlten Büros ihre Sommergrippe. Gut, dass wir Technik haben, sie sinnvoll einzusetzen ist etwas, das gelernt werden muss. Mutter Natur lässt sich nur bedingt verbiegen …

Es braut sich etwas zusammen copyright XVII

Leider kann ich Euch wieder nur ein „EinArtikel-Update“ bieten, aber Dank XVII könnt Ihr Euch trotzdem auf eine großartige Geschichte freuen, „Nicht nur … eine fantastische Reise„! Vielen Dank für Deine Mithilfe!!

Falls Ihr Gedanken mit uns und unseren Lesern im WurzelWerk teilen wollt, dann kontaktiert mich einfach unter redaktion (klammeraffe) wurzelwerk Punkt at. Vielleicht habe ich dann auch genügend Material für zwei Artikel …

Bright blessings
Anufa, fürs WurzelWerk Team

Nicht nur … eine fantastische Reise, geschrieben von XVII

Samstag, 04. August 2018

-“Herr Friedberg? Herr Friedberg, es ist Zeit für ihre Tabletten…“
Ich mochte Herrn Friedberg. Es war so ein gemütlicher alter Mann, der sehr charmant war, nie jammerte…und mir immer wieder kleine Geschichtchen erzählte.

Sehr, sehr fantasievolle, es waren Geschichten wie Märchen. Und stets klang es so, als würde er sich mit dem jeweiligen Helden identifizieren, als wäre er Teil seiner Erzählungen.

Auch wenn ich als Krankenschwester sehr, sehr wenig Zeit hatte, aber ich genoß es immer wieder, wenigstens ein paar Minuten gemeinsam mit ihm aus dem Alltag zu entfliehen….ihm zu lauschen.
Während ich also ihm die Medikamente richtete und bei der Einnahme half…ich seine Temperatur gemessen habe…legte er schon lange mit einer seiner Geschichten los…die stets so begonnen haben:

„Werte Schwester Maria, eines Tages werden auch sie auf diese Reisen gehen, doch dieses Mal erzähl ich ihnen wie es mir erging…“….und dann wartete eine Welt der Elfen, Zauberer und Feen auf mich…

Doch diesmal wartete keine Geschichte auf mich.

Kein Herr Friedberg. Der Raum war ordentlich…wirkte übertrieben zusammengeräumt.

Das Bett gemacht. Der Kopfpolster akkurat ausgerichtet, das Leintuch ganz, ganz genau mit einer Falte im Überschlag, die Decke am Fußende zusammengerollt.

Aber der Raum war ohne Herrn Friedberg.

Schon lange konnte er nicht mehr …mehr als zwei, drei Schritte gehen, ja sogar kleinste Bewegungen bereiteten ihm Schmerzen. Meist lag er nur im Bett.

Er hatte ein kleines Einzelzimmer. Die Altenpfleger mussten ihn täglich waschen, aber es war trotzdem ein kleines Badezimmer Teil des Zimmers.

Natürlich schaute ich sofort dort nach. Auch hier…Zahnbürste ausgerichtet, Duschvorhang glatt,

Handtücher ordentlich gefaltet.

Ich wurde panisch…rannte zum Fenster…die Fenster konnten aus Sicherheitsgründen nur gekippt werden, aber ich hatte Angst, daß er vielleicht trotzdem…aber nichts. Das Fenster war fest verankert. Zu.

Ich rannte auf den Gang…sprach sofort jede Person an, die mir begegnete, ob sie den Herrn Friedberg gesehen haben…und nein..niemand hatte ihn gesehen.

Ich machte sofort Meldung auf der Station…und dann direkt in der Verwaltung.

Der Mann von der Verwaltung versuchte mich zu beruhigen…aber ich wusste hier stimmt was nicht.

Wir durchsuchten Station für Station…alle anderen Zimmer, alle Wartungsräume, Keller.

Polizei wurde eingeschalten. Suchtrupps.

Natürlich wurde zuerst das Zimmer gründlichst auf Hinweise untersucht, und eine Beamtin in Uniform kam dann schließlich zu mir auf die Station und reichte mir ein Buch und einen Brief.

Sie hätte das in seinem Nachtkästchen gefunden. Auf dem Brief stand „Für Schwester Maria“.

Er hatte ein Wachssiegel. Ein Symbol mit mehreren Schwertern waren auf dem Wachs als Abdruck zu sehen. Das Buch war sehr dick und alt…mit vielen losen Blättern, mit vielen alten gelblichen Seiten…und es wirkte selbst zusammengenäht…mit einem harten Lederumschlag.

Die Beamtin fragte mich…ob ich davon was wüsste…und das schon mal gesehen habe…

Nein. Noch nie. Sie reichte mir den Brief und wollte, daß ich ihn mit ihr öffne.

Ein altes Pergament darin. Wunderschöne Schrift, große geschwungene Lettern mit Feder geschrieben…fast gezeichnet.

„Schwester Maria, eines Tages werden auch sie auf diese Reisen gehen, doch dieses Mal möchte ich Ihnen von dem Anfang meiner Reisen erzählen, auch wenn es nicht wie ein Beginn aussieht, weil wir oft schon mittendrin sind und es gar nicht sehen. Zu gefangen von dem was wir wahrnehmen. Und zu wenig offen für das…was NOCH da ist.“

Das „noch“…hat er ganz fett geschrieben.

In dem Brief bedankte er sich noch für meine Fürsorge und daß ich ihm stets gelauscht habe…und dann meinte er noch abschließend, daß er gar nicht weg sei. Und wir ihn auch nicht suchen müssten. Er sei wieder auf Reisen. Und zwar wieder am Anfang seiner Reise. Er würde sich freuen, wenn ich ihn dort einmal besuchen würde. Und dafür hätte er das Buch geschrieben. Für andere Leute, die Reisen wollen. „wirklich reisen“…meinte er. „Wirkliches Reisen“.

Die Suchen waren alle erfolglos.

Herr Friedberg wurde nicht mehr gefunden.

Das Buch und der Brief wurden mehrmals nach Hinweisen gelesen, aber bis auf „wunderliche Geschichten und Texte eines alten Mannes“ blieb nichts über.

Letztlich wurde mir das Buch gegeben, ich durfte es behalten. Friedberg hatte keine Verwandten.

Keine Angehörigen. Er war alleine. Ein alter Mann ohne Anhang. Ohne Familie.

Langsam kehrte wieder Alltag ein.

Ab und an wurde noch von dem seltsamen Verschwinden des alten Mannes gesprochen…

aber die meisten waren sich sicher, daß er in seinem Zustand wohl nicht weit gekommen ist…und er wohl tod irgendwo sei.

Das Buch rührte ich lange Zeit nicht an.

Ich hab es zunächst einfach auf der Station liegen gelassen. In meinem Schrank.

Ich war sehr betrübt, es war ein wirklich netter alter Mann, aber ich hatte auch einen Job zu verrichten. Mit vielen alten Leuten auf den Stationen.

Doch irgendwann…ich hatte gerade Pause…ich vermisste seine Geschichten.

Ich war alleine auf der Station. Nachtdienst. Die Gänge waren dunkel.

Nur die Notbeleuchtung flackerte.

Ich hatte mir Spaghetti Bolognaise gemacht. Kam den ganzen Tag noch nicht zum Essen.

Hungrig stürzte ich mich auf die lauwarmen, frisch aus der Mikrowelle gekommenen Nudeln.

Total übermüdet. Langer Tag.

Drehte das Radio an. Irgendwann fiel mir auf…daß die letzten Titel alle vom Reisen handelten.

Von fernen Ländern…ich holte das Buch aus dem Schrank.

Schlug es einfach mittig auf….und war recht erstaunt…dort stand:

„Werte Maria, ich hoffe die Mahlzeit hat Ihnen gut bekommen? Auch ich mag italienische Küche, doch hab ich Ihnen schon erzählt, wie es in Falfarie war? Die besten Nudeln, was sag ich, die beste Mahlzeit aller Länder!“

Ich schlug das Buch wieder zu.

Schüttelte meinen Kopf.

Schlug das Buch willkürlich an anderer Stelle auf.

„Sind sie bereit? Für ein kleines Abenteuer?“

Darunter eine Zeichnung…eine Frau, die ein Buch in der Hand hält.

Bin das ich?

Ich hab zu wenig geschlafen. Im Radio…ertönte gerade ein merkwürdiges Lied….

Englisch. Aber übersetzt…war der Refrain ungefähr so…

„Versuch es, willst du reisen, versuch es, reise, reise…beginn mit deinem ersten Schritt, reise, reise“

Ich schaltete das Radio aus.

Nahm mein Handy in die Hand. Spammail erhalten. Von einer Reisegesellschaft.

Ich glaube ich werde irr.

Wird Zeit, daß ich mir Urlaub nehme.

Vielleicht wirklich verreisen. Ein paar Tage Wellness.

Ich konnte nicht lockerlassen…ich…es zog mich trotzdem zum Buch.

Ich öffnete es wieder an beliebiger Stelle.

„Stellen Sie sich einfach vor, sie wären im Wald. Gehen dort spazieren. Mhhhh..die Waldluft. Sie hören Tierstimmen…die Sonne erwärmt ihre Haut…wunderschöne Pflanzen am Wegesrand. Farbenprächtig, bunt. Sie kommen zu einer Lichtung. Auf dieser Lichtung ist ein Kreis aus Steinen. Sie stehen im Kreis. Innerhalb des Kreises fühlt sich die Erde wärmer an, lebendiger. Sie setzen sich auf den Boden. Schließen ihre Augen. Hören ihrem Atem zu. Hören dem Wald zu. Hören was ihnen der Wald sagt…..Hören wie…“

–“Wer bist denn du? Hm?“

Ich öffne die Augen. Ein Eichkätzchen mit großen, also wirklich großen Augen schaut mich an.

Schaut mir direkt ins Gesicht. Es bewegt hektisch seinen Kopf hin- und her. Und schaut mich beim Bewegen jedes Mal mit einem Auge noch intensiver an.

–“Sag, wer bist denn du?“

„Ich, ich…“

–“Ja, weißt du denn nicht mehr wie du heißt? Und was hast du für Sachen an? Und was ist das da?“

Ich schaue an meinen Körper herunter.

Ich hab meine Schwesternkluft an. Eine weites blaues Hemd, eine weite blaue Hose, Stifte in meiner linken Brusttasche. Ein Stethoskop lässig um den Hals geschlungen. Und die bequemen luftigen Holzschlapfen.

–“Was ist das da?“

Es deutet mit einer Kralle auf das Stethoskop.

„Das ist ein….hm…damit kann man Geräusche im Körper hören.“

–“Wunderliches Ding. Wozu ist das gut?“

„Wenn Leute krank sind, dann sind die Geräusche anders.“

–“Aha…aha…aha. Woher kommst du? Ich hab dich hier noch nie gesehen?“

„Ich…ich…wo bin ich hier überhaupt?“

–“Falfarie! Ich bin Ell…das Eichhörnchen.“

„Du bist ein Eichhörnchen. Ja, das dachte ich mir schon.“

–“So klar ist das….ist das nun nicht, wenn du nicht mal weißt wer du bist und wo du bist, hm?“

Da hatte das kleine Tierchen wohl recht.

Was war da los? Bin ich eingeschlafen? Was für ein seltsamer Traum?

–“Baum. Ich bring dich mal zum Baum. Bäume wissen immer was zu tun ist.“

Es hoppelt neben mir her…und wartet immer, bis ich endlich Schritt halte.

Wir gehen ein paar Minuten…und sind dann bei einer großen alten Eiche.

Diese Eiche wirkt…als hätte sie ein riesengroßes Gesicht als Stamm…und ihre Äste erscheinen wie zahllose Arme.

–“Eiche?“

Die Eiche scheint, als würde sie aus einem Schlaf aufwachen…ganz, ganz langsam formt sich ein Loch mittig des Baumes…das wie ein Mund erscheint…und fängt an zu sprechen…

—“Mhhhhh….J…..aaaa? W….a….sssss…….wollt….iiiiiii….hr.“

–“Ich hab da jemanden gefunden, der nicht weiß wer er ist und was er da macht.“

—“Mhhh…ein …. ein….Reisen….der?“

Das Eichhörnchen stupst mich…

–“Bist du ein Reisender?“

„Ich bin hier einfach aufgewacht und Krankenschwester und hab in einem Buch gelesen…und..“

—“O….hhh….oh. Das…das B….uch? Du….h…ast in dem Buch….ge….les….en?“

–“Dann kann sie uns helfen, Eiche? Ist sie es? Kann sie?“

—“B….ist du….Ma……ria?“

„Ich bin Maria, ja…also…“

–“Sie ist es, ja…sie? Sie ist es….sie?“

Das Eichhörnchen schaut mich noch größer an…und hoppelt um mich rum…und beäugt mich noch viel genauer.

—“Fu……ch….s wird dich….zu….m Zauber…..er….br….ingen.“

–“Ja, ja…komm…wir gehen zu Fuchs, Fuchs ist immer eine gute Idee. Fuchs ist schlau mußt du wissen. Baum weiß alles, aber Fuchs…der Fuchs ist schlau.“

Ich schau auf das Eichhörnchen und schau auf den Baum.

Gut, dann gehen wir zu Fuchs.

Viel seltsamer kann es ja nicht mehr werden…und ja, vielleicht wache ich dann auch auf…oder…

—Fortsetzung folgt—

Autor: XVII

Krankenzimmer, Author: Tomasz Sienicki This work has been released into the public domain by its author, tsca. This applies worldwide. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hospital_room_ubt.jpeg