Die dreifache Göttin – Teil II, geschrieben von Yvonne, übersetzt von Anufa

Alternative Dreifache Göttinnen

Eine sehr kraftvolle dreifache Göttin ist Brighid, die drei Rollen erfüllt, die der Heilerin, der Schmiedin und die der Poetin. Auf den ersten Blick scheinen diese Rollen miteinander nichts zu tun zu haben aber der Schmied arbeitet Metall um und transformiert es, der Heiler transformiert Körper und Geist und der Dichter transformiert Worte. Alle drei sind Aspekte eines kreativen Impulses.

Mary Jones schreibt:

Die berühmteste der dreifachen Göttinnen ist Brighid, die Tochter des Dagda, die auch oft „die Dichterin“ genannt wird. Ihre Verehrung war weit verbrietet, eventuell auch durch die Teil-überlegenheit des Briganter-Stammes, der ein großes Gebiet von Irland bis Gallien abdeckte. Cormac´s Glossary folgend, gab es drei Brigits, alle Schwestern – Brigit, die Dichterin, Brigit, die Schmiedin und Brigit, die Ärztin – Schirmherrinnen der jeweiligen Kunst. Jedoch wird nicht erwähnt, dass sie Maiden-mother-crone wären; sie sind alle im selben Alter. Stattdessen legt ihre Vielzahl nahe, dass sie Meisterin vieler Künste war und wie die Matronen, Schirmherrin ihres Stammes.

Eine andere wirklich wichtige keltische Dreiheit waren die Matronen, die oftmals als romano-britische Figurine dargestellt wurden. Erst letztens habe ich ein Beispiel dafür im Corinium Museum in Cirencester (UK) gesehen. Das sind drei Frauen, manchmal dargestellt als verheiratet, manchmal als unverheiratet, mit Blumensträußen, Obst oder Weizen. Sie sind im selben Alter. Manchmal haben sie die Namen lokaler Gottheiten erhalten. Die Darstellung in Cirencester war den Suleviae gewidmet, was möglicherweise ihr lokaler Name war.

Three goddesses, small Roman relief, Corinium Museum. Photo by Tony Grist (Public domain)

Gwenhwyfar (Guinevere) die Frau von König Arthur, könnte ebenfalls eine dreifache Göttin gewesen sein, da sie in den „Welsh Triads“ als drei Königinnen beschrieben wird. „Gwenhwyfar, Tochter von Cywryd Gwent und Gwenhwyfar, Tocher von Gwythyr, Sohn von Greidiawl und Gwenhwyfar, Tocher von Gogfran, dem Riesen. Noch eine Form der dreifachen Göttin findet sich in den Göttinnen des Landes. Hier wieder Mary Jones:

Die Dreiergruppen in diesen Fällen haben nicht denselben Namen, sondern es sind drei Schwestern wie Eriu, Banba und Fotla, Töchter von Ernmas, die drei Namen für Irland. Sie waren mit den drei Königen von Irland verheiratet, den Brüdern Mac Cuill, Mac Cecht und Mac Grienne, alle Enkel des Dagda und eine männliche Dreiergruppe. Dann gibt es Erius, Banbas und Fotlas Schwestern, die Kriegsgöttinnen, Morrigan (manchmal Anand oder Anu genannt), Badb und Macha, die wiederum die Hoheitsgewalt Irlands (de facto ist diese Verwandtschaft sehr komplex und benötigt einen zweiten Zugang). Sie sind nicht in drei unterschiedlichen Altern oder Stadien sondern im selben Alter. Und sie spiegeln sich zu einem gewissen Grad in den drei Schwestern Arthurs, Morgan le Fay, Morgause und Elaine.

Also sind die meisten Beispiele für dreifache Göttinnen aus der tatsächlichen Mythologie entweder Schwestern oder Einzelfrauen, in drei unterschiedlichen Rollen. Wie Mary Jones aufzeigt, gibt es auch männliche Dreiergruppen (Lugh, Lamhfhada, the Samildánach; Brian, lucar und lucharba, die Söhne Turenn; Cian, Cu und Cethe, die Söhne von Cainte; und Bleiddwn, Hydwn und Sychdwn, der Große, die Söhne von Gilfaethwy und Gwydion, in The Mabinogion).

Andere Mythologien haben ebenfalls dreifach Göttinnen, die nicht Maiden, Mother und Crone-Archetypen waren. Hecate, eine sehr komplexe und alte griechische Göttin, wurde öfters als dreigestaltig dargestellt, aber sie hatte mehrere Beinamen und Rollen. Die frühesten Darstellungen waren nicht dreigestaltig. Das dreigestaltige Bild (Trimorphe, dreigestaltig; Triodia/Trioditis, diejenige, die die Kreuzwege beschreitet; und Trivia, eine römische Form) kam erst später. Pausanias schrieb, dass Hecate das erste mal als dreigestaltig von dem Bildhauer Alkamenes (in der klassischen griechischen Periode, spätes 5. Jahrhundert vor Christus) dargestellt worden wäre.
Noch mehr Dreiergruppen finden sich in den Figuren der Drei Fates und er Drei Grazien, die in der grieschischen, römischne und slavischen Mythologie erscheinen und den drei Nornen aus der nordischen Mythologie. Bei all diesen ist ebenfalls kein Maiden-mother-crone Muster zu erkennen.

In der griechische Mythologie werden die drei Fates Moirai genannt (die Vollmachtgeber). Sie ähneln den Sudice aus der slavischen Mythologie. Die Moirai werden Clotho (die Spinnerin), Lachesis (die Zuteilerin) und Atropos (die Standhafte) genannt. Sogar die Götter konnten nicht verändern was die Fates auferlegt hatten.
In der römischen Mythologie wurden die Drei Fates die Parcae genannt. Sie sponnen den Lebensfaden, teilten den Menschen und den Göttern das Schicksal zu und durchschnitten am Ende das Lebens den Faden. Ihre Namen waren Nona, die den Faden des Lebens von ihrem Spinnrocken auf die Spindel spannte; Decima, die den Lebensfaden mit ihrem Stab abmaß und Morta, die den Faden abschnitt und die Todesart der Menschen bestimmte.
Die Nornen, der nordischen Mythen, waren kein direktes Äquivalent der Fates, aber sie erfüllten eine ähnliche Rolle, indem sie das Schickal der Menschen kontrollierten. Der Ursprung ihrer Namen ist interessant. Nach Wikipedia:

Der Ursprung des Namens „Nornen“ ist unsicher. Er mag von einem Wort abstammen, das „winden, verflechten“ bedeutet und was auf ihr Verzwirnen der Schicksalsfäden hindeuten könnte. Bek-Pedersen schlägt vor, das das Wort „Norn“ Verwandtschaft mit dem schwedischen Dialektwort „norna (nyrna)“ hätte, ein Wort das „geheimes in Verbindung setzen“ bedeutet. Das weist auf die Wahrnehmung der Nornen als düstere Hintergrundfiguren, die ihre schicksalhaften Geheimnisse den Menschen erst durch den Schicksalslauf selber kundtun, hin.

Der Name Urd (Altenglisches „Wyrd“ Weird) bedeutet „Schicksal“. Es ist erwähnenswert, dass wyrd und urðr etymologisch gleicher Abstammung sind. Das garantiert aber nicht, dass wyrd und urðr durch die Zeiten die selben semantischen Qualitäten von „Schicksal“ geteilt haben. Beide urðr und Verðandi stammen vom Altnordischen Verb verða „werden“. Während Urðr von der Vergangenheitsform abstammt (was „geschehen ist“) stammt Verðandi von der Gegenwartsform ab („was gerade ist“). Skuld stammt vom Altnordischen Verb „skulla“, was sein wird, nötig ist, dass wird; was bedeutet, „was werden soll“ oder „was erscheinen soll.

Noch eine Dreigestalt aus der griechischen und römischen Mythologie ist die der Grazien oder Charites:

In der griechischen Mythologie, eine Charis keɪrɪs Χάρις , oder Grazie, eine von drei oder mehr kleineren Gottheiten der Anmut, der Schönheit, der menschlichen Natur, der Kreativität und der Fruchtbarkeit – alle zusammen bekannt als die Chariten ˈkærᵻtiːz/ (Χάριτες [kʰáritɛːs] oder Grazien. Die übliche Reihung von der Jüngsten bis zur Ältesten ist Aglaea (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn) und Thalia (Hochstimmung). In der römischen Mythlogie waren sie als Grazien bekannt, die Gratiae. In einigen Varianten ist Charis eine der Grazien und nicht die Einzahlform ihres Namens.

Somit waren sie Göttinnen, die Glück, Schönheit und Harmonie erschufen und damit durchaus der Verehrung würdig waren.

Bilder von vierfaltigen oder fünffaltigen Göttinnen

Das Bild der dreifachen Göttin, Maiden-mother-crone wird oft mit den Wandlungsphasen des Mondes in Verbindung gebracht (Neumond, zunehmender und abnehmender Mond). Das lässt aber die Göttin des Schwarzmondes aussen vor, manchmal Hag genannt, die mit Menstruation, ungezähmter Sexualität, Widerstand gegen das Patriarchat, Lilith, Hexentum und Kinderlosigkeit verknüpft wird.

Dieser Archetyp ist enorm wichtig um Frauen von Beschränkungen der patriarchalen Bildern zu befreien, die ihnen aufgezwungen wurden. Erich Neumann identifizierte eine vierfache Göttinnenfigur. John Halstead schreibt:

Die Aspekte von Neumanns Göttin waren die Muttergöttin (betraut mit Vegetation und Geburt, repräsentiert von Demeter, Isis und Maria), die Jungfrau-Muse (betraut mit Inspiration, Vision und repräsentiert von Maria und Sophia), die Schreckliche-Mutter-Hexe (betraut mit Tod und Verschlingen, repräsentiert von Kali und Hecate) und die Junge Hexe (betraut mit Rausch, Irrsinn und repräsentiert von Astarte, Lilith und Circe).

Es ist auch der Erwähnung wert, dass die Aspekte der fünffaltigen Göttin Geburt, Einweihung, Vollendung, Rast und Tod sind. Diese werden auch im “The White Goddess” von Robert Graves genannt.

Viele Göttinnen

Es gibt viele unterschiedliche Göttinnen. Viele gibt es in einer Form und manche sind dreifach. Die dreifache Göttin des Altertums kam vornehmlich in der Form von drei Schwestern, drei Müttern, drei Königinnen und als Göttinnen des Landes, die mit Getreide, Blumen und Früchten in Verbindung standen, vor. Einige waren Einzelgöttinnen in drei unterschiedlichen Rollen, wie Hecate und Brighid. Einige waren für das Weben des Schicksals zuständig, wie die Nornen, die Sulevice, die Parcae und die Moirai; andere waren veranwortlich dafür Freude zu erschaffen, die die Drei Grazien.

Weiterführende Literatur:

Lupa Greenwolf: Maiden, Mother, Crone / Youth, Warrior, Sage and strict gender roles

Mary Jones, Triple Goddesses

John Halstead: 13 things you don’t need to know about the Triple Goddess but are kind of interesting

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 1: triads, triplicities, and trinities

John Halstead: The secret history of the Triple Goddess, part 2: the search for the Triple Goddess of antiquity

John Halstead: Beyond female role models: the Triple Goddess as Nature

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