Die kleine Geschichte vom Drachentrunk, geschrieben von Veleda Alantia

Märchen aus Avalon 3

In einem Ort im Anderswo lebte einst ein junger Mann mit seinem Vater in einem Dorf das umgeben war von Hügeln und tiefen Tälern und Wäldern. In diesem Dorf wohnte der Vater mit seinem Jungen etwas abseits von den anderen Dorfbewohnern. Es hieß, daß der Vater wunderlich sei, denn er sprach zu seinen Pflanzen, zu den Steinen und den Tieren.
Und Pflanzen wuchsen bei ihm im Garten kräftiger dadurch, daß er mit ihnen sprach, das machte es noch wunderlicher.
Der junge Mann liebte seinen Vater sehr und verstand, da er damit aufgewachsen war, nicht was die anderen hatten, wenn sie sich wieder über seinen Vater lustig machten.
Es geschah in einem kalten Winter, so kalt, daß Tropfen an Häusern zu Eiszapfen gefroren, daß der Vater krank wurde.
Der junge Mann tat alles um ihm zu helfen. Er wusch, buk das Brot, redete sogar mit den Pflanzen, versorgte die Tiere. Doch seinem Vater ging es immer schlechter je kälter der Winter wurde, und sogar des Vaters Pflanzen am Höhepunkt des Winters eingingen, brodelte seine Sorge zur Gänze hoch. Der junge Mann ging zu einer weisen Frau.
Sie kannte den Jungen gut, hatte sie das Kind einst auf die Welt geholt.
„Was möchtest du mein Junge?“ Der junge Mann sah sie fest an. „Meinem Vater geht es schlecht je weiter der Winter vorrückt.“
„Sterben gehört zum Leben dazu.“ sagte das alte Weib kichernd.

„Möglich, doch jetzt noch nicht.“ erwiderte der Junge im verzweifelten Stolz. Die Alte sah ihn lange an, entzündete sich eine Pfeife mit süßem Gras. „Gut..Ich werde dir helfen. Wenn du es schaffst, in einer tiefen Mutterhöhle, aus deren Bauch alle Höhlen in unserer Gegend entstehen, einen Drachen zu finden und von ihm den Drachentrunk zu bekommen..dann..und nur dann..mag dein Vater vielleicht gerettet werden.“ sprach sie paffend und musterte ihn mit blitzenden Augen.
Der junge Mann wollte mit großmütigem Herzen losstürmen doch die Alte hielt ihn zurück.
„Hilf mir zuerst etwas Jüngchen. Hol aus der Grube Lehm..Forme eine Figur daraus und back sie einen Sonnen- und einen Mondlauf im Ofen hinterm Haus.“
„Was soll das bringen?“ erwiderte der Junge.
„Sie wird dir helfen den Weg zum Drachenhort zu finden.“ entgegnete die Alte nur.
Zweifelnd ging er zur Grube, hob den Lehm heraus, vermischte ihn bis er weich war mit Wasser vom Fluss, formte eine Puppe daraus und begann den Ofen anzuheizen , der klein und kugelig hinterm Haus wartete und nach gebackenem Brot roch. Die alte Hebamme aß mit ihm draußen im Kräuter und Gemüsegarten und der Duft von Salbei, Lavendel und Rosmarin lag noch in der Luft.

Die Alte sprach nicht, doch musterte sie den jungen Mann prüfend. Zum Sonnenaufgang war die Puppe fertig gebrannt.
Die alte Hebamme holte die Figur heraus und wies den Jungen an, sie anzumalen.
„Geb ihr Gestalt und deinen Wunsch.“sprach sie mit gackerndem Ton.
Der Junge tat dies. Er malte Spiralen in den Ton, in Grün und Blau, da sie ihn an saftige grüne Wiesen und blühende Bäume unter dem Himmel erinnerten. Rote Streifen standen für das wärmende Feuer, die Sonne, gesundes Blut. So verging eine Zeit und die Figur war bunt gemalt. Als sie trocken war, kam die alte Hebamme und zertrat die Figur, daß der Ton scheppernd krachte und in viele Stücke zersprang.

„Warum hast du das getan?“ rief er aus, böse sah er die Hebamme an.
Sie lachte wieder, doch ihr Blick war ernst.
“Ich habe dir deine Angst zerstört. Denn wenn du den Drachen finden willst, musst du ohne Angst sein. Geh mit meinem Segen nun.“
Und er spürte, nachdem er sie verlassen hatte, daß er wirklich keine Angst mehr verspürte.
Der Wald war tief und voller Täler und auch Anhöhen. Voller Geheimnisse die ihn locken oder zerstören konnten.
Immer tiefer ging er in den Wald, umgeben von knackenden Ästen, grasenden Hirschen und über ihn schwebte ein mächtiger grauer Falke.
Der Junge empfand dies als seinen Beschützer und so fand er in der tiefsten Stelle des Waldes eine Höhle, vor dessen Eingang ein Bach floss. Drei Frauen saßen da, spielten miteinander und lachten.
Ihre Kleidung schwebte wie Seegras im Wasser um ihre Körper, in ihren Augen schien die Tiefe der Seen zu sein.
Ihre Stimmen waren hell wie Glöckchen.
“Guter Jüngling, komm, spiel mit uns .“ riefen sie ihn an.
Doch der Junge spürte ein Unbehagen.
“Ich ehre euch, ihr Wasserfrauen, doch bitte ich euch um Segen auf meiner Weiterfahrt.“ sprach er voller Ehrerbietung.
Die drei Wasserfrauen schwebten zu ihm, wie Nebel der auf dem Wasser glitt, und umringten ihn. Bildeten einen Kreis und fassten sich an den Händen. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem Chor, der sang :“ Bei den alten Mächten bist du geborgen, mag der Weg noch so sein verworren. Wir segnen dich mit unserer Macht, sie hat schon vieles geschafft. Nun geh mit unserem Segen fort, hinein in den dunklen Hort.“

Sie verließen ihn, wie ein Gewitter das aufgezogen und wieder verschwunden war. Der Junge fühlte sich ermutigt und trat nun in die Höhle ein. Es war nicht dunkel, denn Steine und Mineralien leuchteten im sanften Schein um ihn her. Ein seltsames Flüstern erfüllte die warme Luft.
„Hallo?“ fragte der Junge in die vom Flüstern erfüllte Dunkelheit.
„Wir sind die Erde, umfangen stirb und werde. Wir sind eins mit unser Erde und sie trägt uns gerne. Menschenkind, gehe fort,
denn was suchst du hier an diesem Ort?“
Es klang in den Ohren wie ein Gedicht aus alten Sagen und Tagen.

„Ich komme von weit her, das Herz es ist mir in der Brust so schwer. Ich komme aus dem Dorf am Grund, mein Vater ist krank, wird nicht gesund.“
Weiter ging er hinab, fühlte sich in der Höhle und dem Gang sehr geborgen.
Sollte er nicht Angst haben? Immerhin näherte er sich einem Drachenort. Drachen waren alles, aber nicht gut. Sie waren mächtig und zauberreich. Schlau und uralt. Wesen des Feuers und der Luft mit glühendem Herzen und Schuppen hart wie die Klingen der Schwerter. Drachen waren Mächte, die man fürchten sollte, das wurde dem Jungen beigebracht.
„Geh weiter Kind, gut ist dein Wille, dein Herz wurd erkannt in der Stimme der Stille, zwischen Herzschlag und Herzschlag. Nun geh voran und wag.“
Die Stimmen der Steine verklangen und er blieb allein zurück, nur begleitet vom Leuchten der Mineralien. Der Junge trat immer näher bis er zu einem Gewölbe kam. Hoch wie das Innenschiff einer Kirche war es, hallte sein Schritt wieder. In der Mitte, umgeben von Rauchquarzen und Amethysten, saß an einem prasselnden Feuer eine Gestalt.
„Hallo..?“ Der Junge kam näher. “Tritt ruhig näher und wärm dich auf.“ sprach die Gestalt mit warmer Stimme.
Mit einem leichten Schauer den er nicht einordnen konnte, setze er sich zu der Gestalt ans Feuer. Er sah vor sich einen älteren Mann, der seltsam zeitlos wirkte, ohne daß man es genau ausmachen konnte wodran.
“Nach langer Reise sollte man sich an einem Feuer aufwärmen. Das sagten schon seid uralten Zeiten die Großmütter, da das Feuer Segen gibt.“sprach der Alte und rührte in einem großen aus Eisen gefertigten Kessel.
Es duftete herrlich und der Jüngling verspürte doch Hunger. Ohne seine Frage abzuwarten, gab der Alte ihm eine Tonschüssel.

Die Suppe, stellte der Junge beim Trinken fest, schmeckte krautig-würzig, und erfüllte nicht nur seinen Körper mit Wärme.
“Ich suche den Drachen der hier in dieser Höhle wohnen soll. Ich muss ihn besiegen um an den Drachentrunk zu kommen.“
Der alte Mann schnaubte, sah mit vom Feuer glühenden Augen zu dem Gast.
“So? Du glaubst, daß man alles besiegen muss was älter und magischer ist als du? So kommst du nicht weit und nicht an dein Ziel. „sprach der alte Mann mit grollender Stimme.“Alles was lebt ist Teil der Göttin Erde. Sie ist die Mutter von Frauen, Männern, Kindern, den Welten innerhalb der Welt. Vom Großen bis ins Kleinste. Ihr Gemahl ist der Himmel, in Liebe und Vertrauen begegnen sie sich jeden Tag in jedem was lebt.“
Tiefe Weisheit sprach aus dem Alten. Eine uralte Weisheit. Der alte Mann lächelte und seine Augen schimmerten grün wie das frische Gras. „Lebe eine Zeit bei mir Junge, und ich werde sehen wie ich deinem Vater helfen kann.“
So tat der Junge es. Der Alte lehrte ihn die Sprache der Mutter Erde, zeigte ihn das Sammeln von Heilkräutern zur richtigen Zeit, den Lauf des Jahresrades und die Zeichen des Sturmes. Während er all dies ihn lehrte, beobachtete er die Redlichkeit des Jungen. Er war flink im Denken, verstand all die Lehren aber auch im Herzen.

Er nahm das Wissen auf, wie die kleinen Kinder die Milch der Mutter. So verging die Zeit und der Junge vergaß seinen Wunsch den Drachen zu fangen und zu töten. Zu Zeit von Jule, der Wiedergeburt der heiligen Flamme und des heiligen Kindes, sprach er den Alten an.
“Ich habe viel bei euch gelernt Meister, nur nicht einen Drachen zu töten. Stattdessen lernte ich die Liebe zu allem was lebt. Würde ich ihn finden..ich würde ihn bitten mir zu helfen, falls es noch Hilfe für meinen Vater gibt.“
Der Alte nickte und entfachte mit seinem Atem ein Feuer in der Mutterhöhle. Die Schatten tanzten um ihn und der Alte wurde groß und größer. Bekam Schwingen und Schuppen. Uralt und mächtig stand der Drache nun vor ihm. Der Junge kniete in Ehrfurcht nieder.
„Helft mir, Flammenmeister, ich bitte euch..“
Der Drache kannte das Herz des Jungen, als Mensch hatte er ihn kennengelernt und er sah die Seele und den Ursprung den sie teilten. So gab der große weise Drache dem Jungen den Drachentrunk, ein Gemisch aus der Energie der Erde, den Flammen seines Drachenherzens, aus den Lüften der Berge und dem Wasser des entfernten Meeres.
„Gehe nun, und vergiss unsere Zeit nicht, unser gemeinsames Lernen nicht.“Der Junge umarmte den Drachen als er extra für ihn wieder menschliche Gestalt annahm, lang und innig. Dankte ihn für alles.
Der Weg nach Hause war voller Zeichen und Wunder und der Junge sah überall die Verbindungen des Lebens.
Die Schönheit in hell und dunkel. Als er das Haus seines Vaters erreichte und ihm den Trank des Drachen gab, wurde er im Dorf als weiser Mann anerkannt und geehrt.
Die Zeit verging und der Junge reifte mit den Jahreszeiten. Hin und wieder sah man bei ihm einen seltsamen alten Mann und sie saßen gemeinsam unter einer Birke. Dann flog segnend über dem Dorf ein merkwürdiger Schatten und diese Geschichte erzählt man sich bei uns im Dorf noch heute.

Ende

(Fotos und Geschichte von Veleda Alantia)

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