Ein Treffen mit Dayonis – Teil I , geschrieben von Morgana

Als ich 1979 initiiert wurde, war es für mich nicht seltsam, dass ich über die Gruppe in die ich aufgenommen wurde, so gut wie nichts wusste. Der Weg auf dem Merlin und ich das Paar fanden, das später unser Hohepriester/Hohepriesterin werden sollte, war auch nicht seltsam. Er war eher … schicksalshaft (im Englischen: weird). Weird oder wyrd im Sinne von “werdend, sich entfaltend”, – als ob es vorherbestimmt gewesen wäre. Das zufällige Finden einer Adresse, das zufällige Treffen mit jemandem im Zug. Zweifellos kennt jeder diese Erfahrungen, die ich da meine. Nichtsdestotrotz, war es in den 1970ern noch immer sehr schwierig, Gardnerische Hexen zu finden, die bereit waren, Leute aufzunehmen. Nicht dass sie irgend etwas zu verbergen hatten. Ganz im Gegenteil, es war die Gesellschaft im Allgemeinen, die es nicht gewohnt war mit Menschen umzugehen, die eine andere Wahrnehmung von der Natur und eine andere Art der Kommunikation mit ihr hatten, eine andere Sichtweise auf das Hexe-sein und auf den Kontakt mit Göttern (Plural) …
Das Nachkriegsengland erfuhr viele Veränderungen, inklusive die Ablösung von überholten Gesetzen, wie dem „Witchcraft Act 1735“ durch den „Fraudulent Mediums Act 1951“ (der übrigens 2008 in Folge einer EU Verfügung durch die neuen „Consumer Protection Regulations“ ersetzt wurde). Das bedeutete allerdings nicht sofort, dass Hexen so einfach aus dem Besenschrank heraus kommen konnten. Es gab, und gibt immer noch, die Notwendigkeit zur Diskretion. Nachdem wir den Erstkontakt geschlossen hatten, fanden wir heraus, dass die Leute eigentlich sehr offen mit ihrer Praxis umgingen.
Sogar heute, innerhalb des „initiatorischen Wicca“, das in den US oft als BTW/British Traditional Witchcraft bezeichnet wird, gibt es immer noch Dinge, die als eidgebunden betrachtet werden. Sicherlich sind die bürgerlichen Namen und Name und Ort des Covens absolut privat aber das gilt auch für bestimmte Praktiken und natürlich magische Arbeiten. Wicca selber kann nicht studiert werden, ungeachtet der Existenz von sogenannten „Wicca-Schulen“. Bestimmte Techniken können erlernt werden aber was Wicca ist, kann nur erfahren werden – als persönliches Mysterium. Zumindest ist das meine Wahrnehmung!

Initiation war 1979 also verbunden mit einer bestimmten Tradition, einer bestimmten Strömung. In unserem Fall der Garderischen Tradition. Wir lernten bald, dass ein Großteil unseres Trainings mündlich stattfand, mit einem starken Schwerpunkt auf der Entwicklung unserer Intuition. Zuhören und Muster zu erkennen – „die Punkte verbinden“ – zu verstehen, was Körpergedächtnis wirklich ist. Den Mondphasen zu folgen und den Jahreszeiten. Die Vermischung von altem Volksbrauchtum und Stadleben. Alte Grimoires zu studieren und über okkulte und natürliche Gesetze zu lernen – pure Alchemie, pure Magie!

Darüber hinaus war ich von Gerald Gardners Arbeit und Einfluss fasziniert. Wie haben die/der frühere(n) Coven gearbeitet? Wer waren die frühen Gardnerischen Wicca-Priester und Priesterinnen? Einmal sah ich sogar ein Diagramm, das unser „Familienstammbaum“ sein sollte. Nicht ganz ein normale Stammbaum aber nichts desto Trotz unser Abstammungslinie.

Tatsächlich sah ich einige Namen die mir vertraut waren; andere waren völlig neu. In den nachfolgenden mehr als 35 Jahren wurde ich mit den meisten Leuten in diesem Baum mehr und mehr vertraut. Etliche waren gestorben, einige hatten die Craft verlassen – andere waren weitergezogen um ihre eigenen Zweige oder Linien zu erschaffen.

Eine der sehr frühen Priesterinnen auf diesem Diagramm – Dayonis – hatte augenscheinlich die Kunst (siehe oben) verlassen, nachdem sie geheiratet hatte und ausgewandert war. Aufgrund des Berufs ihres Ehemannes, war es nicht passend von Wicca oder von ihrem Engagement im Hexentum zu sprechen. Für viele Jahre war ihr Name damit nur ein Eintrag auf unserem Stammbaum. Ich konnte diesen Wunsch nach Diskretion auch völlig verstehen, weil ich zu dieser Zeit ebenfalls in einer Anstellung war, in der es schwierig hätte werden können, wenn bekannt gewesen wäre, dass ich eine Hexe war. Zu der Zeit war ich Lehrerin und später habe ich im Finanzsektor gearbeitet.
Der Name Dayonis, der ihr von Gardner gegeben worden war, war eigentlich ein Name, den er in seinem ersten Roman „A Goddess Arrives“ (1939), der auf Zypern spielt, verwendet hatte.

Wie auch immer, rund um 1996, suchte Dayonis, die in der Zwischenzeit in Amerika lebte, Kontakt und fand über ein sehr frühes Internet eine Verbindung zu Gardnerians in Kalifornien, USA. Zu dieser Zeit waren nicht allzu viele von uns online. Ich habe 1996 angefangen E-mails zu verwenden, aber wir hatten bereits seit den frühen 80ern Kontakt mit Gardnerischen und Alexandrischen Hexen und anderen Heiden in den Vereinigten Staaten, Großbrittannien, Australien und Kanada.
Nichtsdestotrotz  war ich verwundert als ich sah wie sich Dayonis plötzlich im Juli 1998 auf einer amerikanischen Gardnerischen E-mailliste vorstellte.

Meine Lieben,
Ich habe nur ein paar Kommentare:
1. Bitte – Ich bin keine „Lady“, nur Dayonis. Ich verstehe die Ehrenbezeichnung in diesem Kontext nicht. Ich war nie eine „lady“, nur eine Frau. Nicht ich, meine Lieben, ich bin nur eine Frau. Aber trotzdem vielen Dank.
2. Wenn ich das Obige mit einbeziehe, dann sehe ich mich selbst als Hexe, „witch“ (kleines „w“), die Hexenkunst, „witchcraft“ (kleines „w“) mit Wicca-Symbolismus praktiziert. Heutzutage allerdings, stelle ich mich in der alltäglichen Welt als „born again pagan“ vor – das macht das Leben einfacher, wenn man technisch betrachtet noch in der Besenkammer sitzt. Ich neige dazu Großschreibung als “Betitelung” zu empfinden, aber das nur vielleicht. Auf den Rest bezogen verbeuge ich mich vor Annas tiefen Verständnis des Amerikanischen Gardnerianismus.
Darf ich mich jetzt auch noch vorstellen:

Ende Teil I

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