Über die Kraft echten Schamanentums – Teil II, geschrieben von Frank

Schamane werden durch Absolvierung einiger Wochenendkurse? Oder im Zuge einer einjährigen Ausbildung? Und das kann dann also »jeder«? Da ist schon etwas mehr nötig! Die Verbündeten – reale Geister! – müssen ihrem Schamanenmeister zur Seite stehen. Denn er braucht ihre Kraft und Unterstützung, um sich mit all den widrigen Kräften auseinanderzusetzen, die aus schamanischer Sicht Krankheit und Leid verursachen. Die Grundlage dafür ist die Fähigkeit, Bewusstseinszustände willentlich wechseln zu können. Und mit dem umgehen zu können, was in diesen Zuständen gesehen und erfahren werden kann. Schamanische Trancen, die zugehörigen Methoden sowie der Erwerb von hilfreichen und zuverlässigen Schutzgeistern: Sowas fällt niemandem einfach in den Schoß! Das Schamanenhandwerk muss im Gegenteil durch langwieriges Training erlernt werden. »Langwierig« meint viele, viele Jahre praktischer Erfahrung.
Neben all dem kommen im Einzelfall viele weitere Wissensgebiete dazu, die, je nach Typ, ebenfalls erarbeitet werden müssen. Ritualistik, Kräuterkunde, Astrologie oder umfangreiches Medizinwissen als Beispiele.

Ich kenne eine Reihe »echter«, also tatsächlicher Schamanen persönlich. Mit einigen pflege ich langjährige Freundschaften. Viele dieser wahrhaftigen Schamanen im ursprünglichen Sinn des Ausdrucks sind es inzwischen gründlichst leid, sich immer und immer wieder diverseste Interpretationen überstülpen lassen zu müssen. Diese esoterisch, psychologisch oder »wissenschaftlich« verzerrten Projektionen kommen von Menschen, die oft genug keinerlei eigene Erfahrung mit echtem Schamanismus haben. Nun, echte Schamanen werden es wohl von Haus aus besser wissen müssen, was sie da eigentlich tun? Aufgrund intensiver, über mindestens ein bis zwei Jahrzehnte gewachsener Erfahrungen, verfügen sie über ein empirisches Wissen und eine daraus resultierende Gewissheit und Befähigung, die weit über Glauben, Wunschvorstellungen oder angelesenes Wissen hinausgeht.

Ich kann natürlich nicht für andere Schamanen sprechen. Jedoch was mich betrifft: Wer von mir schamanischen Rat erbittet, wer bei mir behandelt werden will, der möge bitte meine Arbeit als das akzeptieren, was sie ist. Nämlich eine für ihn oder sie wenigstens mögliche REALITÄT. Im Rahmen dessen: Ich kann und werde nur das sagen und bearbeiten, was ich sehe. Das gilt in meiner naturheilkundlichen Arbeit als Heilpraktiker ebenso, wie der als »Schamane«. Was ich nicht sehe, werde ich nicht behaupten – auch wenn Klienten da vielleicht noch so gerne etwas hören wollen. Wer zu mir kommt, den treibt der Wunsch nach wirksamer schamanischer Beratung und Behandlung. Dass Dinge in Bewegung gebracht werden, die manchmal auch unangenehme Informationen und Handlungen mit sich bringen, gehört dazu. Es ist eben keine seichtesoterische Wunschveranstaltung, aus der man sich das raussuchen kann, was einem zusagt und das Lügen straft, was vielleicht auch mal unangenehm ist, weh tut oder aus irgendwelchen Gründen nicht mit der eigenen Erwartungshaltung übereinstimmt. Wer mich beauftragt, schamanisch zu arbeiten, kann schlecht erwarten, dass beschädigte Selbstbilder und leidmotivierende Störungen von mir bedient werden. Nein – im Zweifel wird das aufgedeckt, angesprochen, bearbeitet. Dafür werde ich beauftragt und bezahlt. Und ich erwarte von Klienten, dass sie das nicht nur akzeptieren, sondern obendrein, dass sie kräftig daran mitarbeiten.
Was tausende Internetdiskutanten mit dem Schwerpunkt »Esoterik« über das Schamanentum denken, was sie glauben, was Schamanismus denn nun tatsächlich sei, und dergleichen: Nun, ich finde das zwar interessant. Man kann auch gern mal auf dieser Ebene Gespräche führen. Ein X für ein U vormachen lasse ich mir aber nicht. Wer als Anfänger, etwa als esoterisch vorgebildete Person, die seit zwei Jahren den Schamanismus für sich entdeckt zu haben glaubt, mir oder anderen »alten Hasen« auf dem Gebiet erzählen will, was denn nun wirklich Sache sei mit dem Schamanismus – ist bei mir an der falschen Adresse. Sowas kann ich nicht ernst nehmen. Ich selbst kann zum Beispiel recht gut Auto fahren. Ich weiß auch, wie man ein Auto betankt, und kann einige wenige Reparaturhandgriffe sogar selbst erledigen. Ich würde mir trotzdem nicht im Traum erlauben, einem ausgebufften Autoschrauber, der seit Jahren nichts anderes tut, mit meinem »Wissen« entgegen zu treten! Oder ihn gar für unwissend erklären und seine Methoden und seine Kenntnisse im Umgang mit Autos als »falsch« bezeichnen. Zu Recht würde ich bestenfalls ausgelacht, sollte ich mich auf diese Art in einem KFZ-Forum im Internet darstellen wollen!

Schamanismus ist lebendige Erde und Wildnis, ist Arbeit mit Geistern und deren eigenem Wollen, deren Über- und Einblick und deren Wohlgesonnenheit. Schamanentum ist das absichtsgelenkte Spiel mit Bewusstseinszuständen, ist Kraft, jahrelang geschliffene Technik und Wissen im Umgang mit diesen Kräften. Das Schamanische sprengt im Zweifel alle Fesseln, die uns die Erziehung und Sozialisierung unserer sogenannten Bildungsgesellschaft in Hirn und Energiesystem gepflanzt hat. Ein Grundmaß an Respekt und Akzeptanz gegenüber einem Jahrtausende alten Phänomen scheint also dringend angeraten. Und ebenso gegenüber denen, die sich schon lange Zeit mit einem solchen Mysterium auseinandersetzen und es, aller Widerstände und Widrigkeiten zum Trotz, erfolgreich leben. Es ist wahr: Esoterik kann vom Schamanentum eine Menge lernen. Synonym ersetzen allerdings kann sie es nicht. Das Gleiche gilt für reduktionistische Naturwissenschaften oder westliches Psychologieverständnis.

Eine Antwort zu “Über die Kraft echten Schamanentums – Teil II, geschrieben von Frank”

  1. Wie wahr! Danke dafür.

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