Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht – Teil I geschrieben von Uwe

Im Majjhima Nikaya 78 gibt es folgende hübsche Geschichte:

Der Zimmermann Pancakanga ging einst zum Wanderasketen Uggahamana. Er wollte wissen, wie er einen „Verwirklichten“ definiert. Der Wanderasket gab ihm folgende Antwort:

„Zimmermann, wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…) als einen, der das Höchste erlangt hat, als einen unbesiegbaren Mönch. Was sind die vier?

Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, beschreibe ich ihn als verwirklicht (…), als einen unbesiegbaren

Klar, sagen wir im ersten Überschwang. So ist es, genau so ist es.
Zumindest so genannte säkulare Buddhisten würden dem zustimmen und sagen, oh ja, genau so reicht es aus, um ein „buddhistisches“ Leben zu führen. Niemandem schaden und ethisch ordentlich handeln.

Nun, der Zimmermann Pancakanga ist offensichtlich, genau wie der etwas informierte „Buddhist“ nicht überzeugt und begibt sich zum Buddha und schildert diesem das vom Wanderasketen Uggahamana dargelegte.

Der Buddha antwortet direkt:

„Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, nach der Behauptung des Wanderasketen Uggāhamāna verwirklicht (…), ein unbesiegbarer Mönch.“

Logisch nicht? Der Buddha hat genau die Schwachstelle aufgedeckt, und argumentiert im Folgenden auch mit scharfer glasklarer Logik, die des Wanderasketen Behauptung zerschießt wie ein Artilleriegeschoss einen VW Golf.

„Denn ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Körper“, also wie könnte es da eine üble Handlung über bloßes Strampeln hinaus begehen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Sprache“, also wie könnte es da üble Rede über bloßes Jammern hinaus führen?
Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Absicht“, also wie könnte es da üble Absichten über bloßes Schmollen hinaus haben? Ein junges, zartes Kleinkind, das unbeholfen daliegt, hat noch nicht einmal die Vorstellung von „Lebensunterhalt“, also wie könnte es sich da seinen Lebensunterhalt durch üble Lebensweise über bloßes Gestillt werden an der Mutterbrust hinaus verdienen?
Wenn dem so wäre, Zimmermann, dann wäre ein junges, zartes Kleinkind, (…) ein unbesiegbarer Mönch.“

Der Buddha wird noch deutlicher.
Er führt die Behauptung des Wanderasketen nicht nur ad absurdum.
Sondern stellt diese auch noch ausdrücklich als falsch dar. Das ist beeindruckend, denn manche Leute denken ja, der Buddha wäre „tolerant“ gewesen.
Was er jedoch ganz und gar nicht war, wenn es darum ging, klare Kante zu zeigen und nicht nur irgendwelche wohlgefällige Worthülsen wie die des Wanderasketen unter sich zu lassen. Sondern das Gesagte auch mit Leben zu füllen.

„Wenn ein Mann vier Eigenschaften besitzt, Zimmermann, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht in dem , was heilsam ist, (…), der das Höchste erlangt hat, oder als einen unbesiegbaren Mönch, sondern als einen, der zur gleichen Kategorie gehört, wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt. Was sind die vier?
Er begeht keine üblen körperlichen Handlungen,
er führt keine üble Rede,
er hat keine üblen Absichten, und
er verdient sich seinen Lebensunterhalt nicht durch irgendeine üble Lebensweise.
Wenn ein Mann diese vier Eigenschaften besitzt, dann beschreibe ich ihn NICHT als verwirklicht (…), sondern als einen (…) wie das junge, zarte Kleinkind, das unbeholfen daliegt.“

Dass der Buddha natürlich eine „richtige“ Darlegung hat, was einen Mann (eine Frau) zu einem verwirklichten Menschen macht, kann man sich denken.
Dass er eben seine Behauptung auch mit „Leben“ füllen kann, wie ein solches verwirklichtes Sein auch erlangt werden kann.
Das werde ich ausführlich im nächsten Beitrag erörtern.
Denn das ist ja, wie man sich denken kann, nicht in ein paar Sätzen zu erläutern.

Vielleicht nützlich

Ende Teil I

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