Verschwurbeltes Denken = Spiritualität!?

Ich bin ja vielfach als Pessimist verschrien und aus der „Licht und Liebe“ Ecke heraus betrachtet, mag das durchaus auch seine Berechtigung haben. Viele Dinge ertrage ich einfach nur mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie …

Als Hexe bewege ich mich (für mich völlig natürlich und unausweichlich) seit gut dreissig Jahren auch in der Anderswelt. Genauso wie ich mich in der materiellen Welt als Körperarbeiter mit den knochentrockenen materiellen Gegebenheiten auseinander setzen muss und auch will! Diese Mischung hat sich nicht zufällig ergeben, sondern quasi der Not gehorchend.

Verschwurbel, verschwurbel, … verschwurbel

Durch die Beschäftigung mit spirituellen Themen, schaut es für mich so aus, als ob eine der ersten Konsequenzen wäre, zu verschwurbeln … sich selber und alles rundherum. „Verschwurbelt“ ist für mich, wenn jemand an jeder Ecke, auf Schritt und Tritt, den ganzen Tag, einen Geist, einen Verstorbenen nach dem anderen trifft, die natürlich alle etwas von ihm wollen.

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Oder auspendeln zu müssen ob der Wocheneinkauf heute oder doch besser morgen zu erledigen wäre, es zum Abendessen Suppe oder Toast geben sollte und die Oma heute noch angerufen werden muss oder es morgen auch noch reicht. Als verschwurbelt sehe ich aber auch an, in einer Badewanne „heiliges Wasser“ zu fabrizieren und dann noch selber zu glauben, dass das magische Kräfte hätte – was dem einen oder anderen vielleicht aus den 80ern bekannt vorkommen dürfte …

Athrumwasser zubereitet von Uriella

In Worte, ohne meine übliche Bildersprache, gefasst: wenn jemand in einer Phantasiewelt unterwegs ist, die sich durch die (allgemein wahrnehmbare) Realität nur unter heftigsten Verrenkungen bestätigen lässt, das bezeichne ich dann als „verschwurbelt“.

Damit ist auch klar, dass ich der Ansicht bin, dass jeder (egal jetzt ob spirituell aktiv oder nicht) Phasen von Verschwurbelung haben kann und es wohl kaum jemanden gibt, der das nicht schon hatte. Problematisch wird es erst dann, wenn diese Phantasiewelt , wie immer sie auch aussehen mag, die Oberhand über die Realität bekommt und auch behält.
Für mich macht das aber keinen Unterschied, ob jemand eine Fettphobie entwickelt (tatsächlich aber anorektisch ist) oder jemand meint von Ufo-Strahlen gesteuert zu werden (sich in der Arbeit nicht konzentrieren kann) oder ob jemand das neue Gedankenkonstrukt für die ganze Menschheit in der Tasche hat (real aber Unzusammenhängedes, Unverständliches von sich gibt). Da hätten wir sie dann die Phantasiewelten.

Ein – wohl schon etlichen von uns geläufiges Beispiel: in Lokalen trifft mensch hie und da auch Leute, die nach reichlichem Alkoholgenuss die Lösung für die Probleme der Welt gefunden haben und die auch in Diskussionen schärfstens verteidigen. Genau diese Gespräche auf Sprachmemo aufgenommen bringen dann den wieder Nüchternen schier zum Verzweifeln, welchen Schmarrn er da verzapft hat. Während der Diskussion im Rausch hätte er sich aber für seine Ideen steinigen lassen … Manche brauchen dafür keinen Alkohol!


Wie meine Oma immer sagte …

„ a bissl deppat san ma alle – aber irgendwo is a Grenz“.

Für mich ist die Grenze erstens dort erreicht, wo ein sinnvolles Miteinander nicht mehr möglich ist … sofern das überhaupt möglich ist,  vorausgesetzt! Und zweitens dort, wo ich von außen (auch wenn es mich nicht betrifft!) Massen an Inkongruenzen entdecken kann aber versucht wird der Umwelt die eigene Denke als einzig wahre Lebensweise aufs Auge zu drücken. Wer in seinem Schwurbel glücklich ist und anderen damit nicht auf die Nerven fällt, dessen gutes Recht ist es auch, weiter in diesem Schwurbel zu leben.
Zwei wunderschöne Beispiele aus der täglichen Praxis kann ich dem werten Leser auch vor Augen führen.

Der Anlassfall, der mich überhaupt zu diesem DrachenSabber angestiftet hat, mit Genehmigung des Autors.

„kennt ihr einen guten heizungsinstallateur?“
die antworten:
-„ich kenne jemanden, der hat schon mal mit einem telefoniert.“
-„im nachbarort soll einer wohnen.“
-„nein, kenne ich nicht will ich nicht, sollen mich am arsch lecken.“
-„das sind die mit der latzhose….und mit werkzeugkoffer. nein, keine ahnung.“
-„ich hab schon mal einen gesehen. echt jetzt. der hat so ausgeschaut.
wird dann wohl ein heizungsinstallateur gewesen sein.“
-„ich hab ein buch gelesen darüber, ich kann das selber.“
-„ich glaube, es gibt auch frauen, die installateure sind.“
-„ich hab damit nichts zu tun. warum auch. ich heize mit strom.“

ersetze „heizungsinstallateur“ mit einem beliebigen esobegriff.
hurra.

Ein täglich in den Gruppen/Foren/Diskussionslisten stattfindendes Frage- und Antwortspiel. Mit leider meistens genau diesem Ergebnis. Nur dass das Ergebnis im Bezug auf „Installateur“ seine Skurrilität wohl mehr als deutlich macht, wenn es um Schamanen/Hexen/Priester/Druiden geht, scheint das irgendwie aber den wenigsten aufzufallen.

Warum ist das so?

Wenn spiritueller Outcome genauso merk- und messbar wäre, wie der reale Outcome eines Installateurs, dann wäre das wohl nicht so! Ob die Leitung dicht is, das Klo wieder spült und die Rechnung bezahlbar ist, bzw. der Fachmann, ned nur überhaupt sondern sogar pünktlich, aufgetaucht ist, das zeigt einem die Realität. Zugegeben früher oder später, weil manch Hoppala sich erst nach Tagen oder Monaten wirklich bemerkbar macht – den tropfenden Heizkörper merkt mensch halt erst dann, wenn der Radiator wieder aufgedreht wird. Dann aber ganz sicher und die Heizung selber hat auch noch was davon.
Auf spirituellem Gebiet fängt das Jammer meist damit schon an, dass sich kaum einer sicher ist, was denn nun überhaupt gefragt/gwünscht ist. Sollte es davon eine Idee geben, dann gibt es aber meist keinen Plan für eine Erfolgskontrolle. Woher will ich den wissen, ob mich das, was ich da tu, glücklicher gemacht hat. Woran mach ich das fest? Keine Idee – blöd! Beim tropfenden Rohr steht mensch irgendwann in der Lacke …

Ah, ok! Wenn ich unglücklich bin, dann hat das mit der Spiritualität halt nicht funktioniert? Leider ist das auch nicht so einfach. Wenn der Installateur einen Rohrbruch in der Wand beseitigt, dann schaut das zu Beginn auch eher nach Bombenangriff aus – solang er eben noch nicht fertig ist. Wann aber ist Spiritualität fertig?

Wann ist das Leben fertig?

 

Leben copyright XVII

 

2 Antworten zu “Verschwurbeltes Denken = Spiritualität!?”

  1. XVII sagt:

    Ah, den Artikel find ich gut. Regt schön an zum Mit- und Weiterdenken.
    (Außerdem freut es mich, daß Du das Beispiel mit dem Heizungsinstallateur verwendet hast…*ggg*) :-)

  2. AnufaEllhorn sagt:

    Na – ich danke für die Wortspende!!! Hat ja mehr als super den Einstieg geliefert *ggg*

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