Heilung und Heilkunst – Teil 1

Inspiriert von Anufas Artikel „Religion/Spiritualität – Zerwas brauch ich das?!“ möchte ich mich in diesem Artikel dem von ihr angesprochenen Aspekt der Heilung widmen. Heilung, so erwähnte sie ja bereits, ist ein großes Thema, besonders wenn man sich in der Neoheiden- ,Hexen- und Schamanenszene umsieht. Nicht nur die Heilung seiner selbst, sondern ganz besonderes auch die Heilung anderer. Zwar macht nicht jeder von den ambitionierten Heilern gleich einen Beruf daraus, eine Berufung jedoch schon und das oft mit großem Enthusiasmus.

Indianischer Schamane beim Heilen einer kranken Frau, U.S. National Archives and Records Administration, Wikimedia Commons

Ich beteilige mich gern an Internetdiskussionen in den verschiedensten Online-Hotspots zum Thema Heilung und Spiritualität. Ganz besonders interessiert mich in letzter Zeit das Gebiet der Schamanen, aber natürlich auch Neuheiden und Hexen und deren heilerische Praxis. Ich habe selbst mal in dieser Szene begonnen mich für die Kunst des Heilens zu interessieren, habe mich dann im Verlauf meiner Lehrjahre davon wegentwickelt und mich eher der wissenschaftlich orientierten, aber dennoch alternativen Heilkunde gewidmet und befinde mich nun in einer Phase der Wiederannäherung an die spirituelleren Konzepte von Heilung.

Wahrscheinlich ist das mitunter ein Grund, warum sich mir bei sehr vielen Berichten von spirituell orientierten Heilern die Stirn in tiefe Falten legt und ich mich frage, wie es um die praktische Erfahrung vieler Heiler tatsächlich bestellt sein kann. Es gibt einige „Das-ist-so“-Dogmen, die immer wieder im Brustton der Überzeugung angeführt werden, die besonders in der heilerischen Praxis  keinen erkennbaren Sinn machen, auch wenn sie theoretisch noch so ausschweifend begründet werden. Dinge, die mir zB. während meiner Ausbildung auch mehrfach als typische Fallgruben von angehenden Heilern beigebracht wurden und deren Kenntnis sich im heilerischen Alltag vielfach bewährt hat.

„Healers“ von Setongo, Wikimedia Commons

Da der Artikel etwas länger wird, möchte ich vorab einen kleinen Überblick geben, wie ich mich diesem Thema widmen werde. Ich möchte zunächst ein bisschen was zu mir selbst und zu meinem Werdegang sagen. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern einfach Hintergrundinformation, weil man Aussagen meiner Ansicht nach oft besser versteht, wenn man ein ungefähres Bild hat wer der Autor überhaupt ist und vor welchem Background diese Ansichten entstanden sind.

Im Anschluss möchte ich einige von diesen nicht ausreichend hinterfragten Glaubenssätzen der Heilung schildern und daraus resultierende Fehler in der praktischen Heilkunde beschreiben. Um das Verständnis zu erleichtern, werde ich sofern möglich auch ein paar Beispiele aus meinem eigenen beruflichen Alltag anführen.

Mein eigener Werdegang

Ich befasse mich wie eingangs erwähnt internsiv mit der schamanischen und neuheidnisch-hexischen Szene und deren Verständnis von der Heilerei. Das interessiert mich zurzeit deswegen, weil mein Metier die Osteopathie, sehr viele Aspekte eines animistischen Weltbildes, also dem Konzept des Allesbeseelten besitzt und ich auf diese Weise meinen eigenen heilerischen Horizont erweitern möchte und neue Perspektiven gewinnen möchte. Nichts anderes haben auch unsere osteopathischen Gründerväter getan, die sich sowohl mit klassischer Medizin und Anatomie befassten, wie auch mit Spiritismus, Mesmerismus, Schamanismus und ähnlichen Dingen.

Ich im Anatomie Kurs an der LMU, Foto: Sati

Mein professioneller heilerischer Weg beginnt mit einer  3-jährigen Vollzeitausbildung, die mir 2008 meine Zulassung als Heilpraktikerin bescherte. Danach folgten einige kleinere Ausbildungen, darunter die Lymphdrainage nach Dr. Vodder, Neuraltherapie nach Huneke, Grundlagen der Chiropraktik, Phytotherapie und Homöopathie, bis ich mich 2010 entschied nochmal die Schulbank für längere Zeit zu drücken und eine 5-jährige Osteopathieausbildung mit einem Abschluss der BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft für Osteopathie) zu absolvieren. Seit 2013 bin ich nun hauptberuflich als Heilpraktikerin und Osteopathin tätig und bin Assistentin an der Hochschule Fresenius für den Studiengang Osteopathie.

Mittlerin zwischen den Welten

Ich denke also von mir inzwischen sagen zu können, dass ich einiges an praktischer Erfahrung im Bereich des Heilens und der Heilkunde habe sammeln dürfen. Als Osteopathin bewege ich mich zudem in einem Bereich, der eine besondere Stellung in der alternativen Heilkunde einnimmt. In den USA zählt die Osteopathie ganz selbstverständlich zur klassischen Medizin, in Europa und insbesondere in Deutschland zählt sie zur Komplementärmedizin. Als Osteopathin habe ich sowohl engen Kontakt zu Schulmedizinern und arbeite natürlich auf der Basis medizinischer Befunde, aber gleichermaßen auch zu alternativen Heilern und deren unterschiedlichsten Heilkonzepten. Mein Klientel ist sehr häufig an beiden Verfahrensweisen gleichermaßen interessiert und nutzt sie ganz selbstverständlich parallel ohne darin einen Gegensatz, sondern vielmehr eine wertvolle Ergänzung zu sehen.

Ganz ähnlich ist auch mein Verständnis von der alternativen Heilkunde. Ich sehe mich nicht als Freund oder Feind von Schulmedizin oder Naturheilkunde, sondern oftmals als Vermittler zwischen diesen beiden Welten. Hinzu kommt natürlich, dass ich im Gegensatz zu den meisten niedergelassenen Ärzten in der Regel viel mehr Zeit für meine Patienten habe und auch mal sehr tiefgründige Gespräche führen kann. Daher ist es oft auch an mir Aufklärungsarbeit zu leisten, Arztbriefe und Befunde zu erklären und natürlich auch Seelen zu trösten, wenn schwerwiegende Diagnosen plötzlich alles auf den Kopf stellen.

Osteopathie, Foto: Sati

Osteopathie als Mittelweg

Die Osteopathie selbst ist nicht nur eine Heilmethode, die auf der klassischen Anatomie und Physiologie fußt, sondern vielmehr eine Heilphilosophie mit sehr anspruchsvollen geistigen, ja spirituellen Inhalten. Wissenschaftlich Belegbares ist genauso Teil der Methodik, wie Kraft der eigenen Intuition Erlebtes und Gefühltes oder aus praktischer Erfahrung vieler Therapeuten gemeinsam Etabliertes. Auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in Bereiche wie TCM, Homöopathie, Ayurveda, Kräuterheilkunde, Hypnose, usw. usf. ist in der Riege der Osteopathen durchaus üblich. Alles was hilft darf sein – zum Wohle des Patienten. Ich bin also alles andere als eine alternativmedizinische Möchtegernärztin, die sich verzweifelt an ihr Buchwissen klammert und die „Ärztelobby“ verteidigt, wie mir oft vorgeworfen wird, nur weil ich weiß, wie man einen Arztbrief liest und nicht mit allen in das Böse-Schulmedizin-Horn stoße oder alles Siechtum dieser Welt mit der „Pharma-Mafia“ begründe . Ich habe gerade als Osteopathin gelernt offen zu sein für verschiedenste Methoden ohne mich bei deren Bewertung von persönlichen Präferenzen leiten zu lassen. Mich interessiert oft vielmehr WER heilt und nicht womit. Mein diagnostisches Instrument sind meine Hände und ihr seit Jahren trainierter Tastsinn und die spüren ganz unabhängig von dem, was mein Kopf gern glauben will. „Hände irren sich nicht, der Kopf schon.“ Hat einer meiner Dozenten ganz am Anfang meiner Ausbildung zu mir gesagt.

„spine guitar“ ;D, Foto: Sati

Ich habe schon so manches Wunder erlebt durch Heilmethoden, die mir mehr als suspekt waren und habe hundertfach belegte und in den heiligen Stein der Therapierichtlinien gemeißelte Verfahren kläglichst versagen gesehen. Als Therapeutin ist es mir ein besonderes Anliegen stets so synergistisch wie möglich zu arbeiten – letztlich ist das genau das was Osteopathie zum Ziel hat – und dabei ist es für mich unerheblich, ob meine Patienten vorher beim Orthopäden oder beim Schamanen war. Ich sehe es als meine Aufgabe an sinnvolle Verknüpfungen zum Wohle des Patienten herzustellen. Dabei geht es mir zum einen um faire Kollegialität zu meinen Mitbehandlern – selbst wenn ich diese niemals persönlich zu Gesicht bekomme – aber noch viel mehr darum meine Patienten nicht zu entmündigen. Denn schließlich war es DEREN Entscheidung zu Heiler A oder Arzt B zu gehen und gleichsam eben zu mir zu kommen und diese Entscheidung ist unter allen Umständen erstmal zu respektieren.

Im nächsten Teil werde ich mich näher mit unterschiedlichen mit den Glaubenssätzen befassen, die in der virtuellen Heilerszene kursieren, sie hinterfragen und ein paar Denkanstöße dazu anbieten.

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