Ihr Kinderlein kommet! Oder warum gut sein allein nicht ausreicht – Teil II geschrieben von Uwe

Im ersten Beitrag zu der Behauptung eines Wanderasketen, es reiche „ethisch richtiges“ Verhalten, um als Mensch verwirklicht zu sein, ging es darum, dass der Buddha selbst diese Behauptung mit dem Kleinkind Vergleich wiederlegte.
Sicher, es mag ja in Ordnung sein, in seinem alltäglichen Verhalten so zu agieren. Doch von der „Verwirklichung des Heilsamen“, wie es der Wanderasket beschreibt, ist man dennoch so weit entfernt wie die Sonne vom Pluto.
Und der Buddha beschreibt natürlich, was dazu gehört, um diese Verwirklichung tatsächlich zu erreichen. Doch geschickt wie er ist geht er nicht sogleich auf diese Beschreibung ein.
Er stellt klar, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, dass jemand überhaupt soweit kommt, sich der „üblen“ Handlungen zu enthalten. Und diese Voraussetzungen liegen in einem klaren Nachdenken und Reflektieren.
Hier mal im Wortlaut des vom Buddha dargelegten:

„Aber zunächst einmal sage ich, muß es so verstanden werden:
„Dies sind unheilsame Angewohnheiten“, und so: „Unheilsame Angewohnheiten entspringen in diesem“, und so: „Hier hören unheilsame Angewohnheiten ohne Überbleibsel auf“, und so: „Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von unheilsamen Angewohnheiten“. Und ich sage, es muß so verstanden werden: „Dies sind heilsame Angewohnheiten“, und so: „Heilsame Angewohnheiten entspringen in diesem“, und so: ‚Hier hören heilsame Angewohnheiten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von heilsamen Angewohnheiten‘. Und ich sage, es muß so verstanden werden: ‚Dies sind unheilsame Absichten‘, und so: ‚Unheilsame Absichten entspringen in diesem‘, und so: ‚Hier hören unheilsame Absichten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von unheilsamen Absichten‘. Und ich sage, es muß so verstanden werden: ‚Dies sind heilsame Absichten‘, und so: ‚Heilsame Absichten entspringen in diesem‘, und so: ‚Hier hören heilsame Absichten ohne Überbleibsel auf‘, und so: ‚Jemand, der auf diese Weise praktiziert, übt sich im Weg zum Aufhören von heilsamen Absichten“.

Unheilsame Angewohnheiten, so erläutert der Buddha sind Handlungen und Lebensweisen, die im allgemeinen Sprachgebrauch und im ethischen Empfinden eindeutig unheilsam zu definieren sind.
Im Umkehrschluss ist es mit den heilsamen Angewohnheiten genauso. Sie sind eindeutig als heilsam zu definieren.
Interessant ist, woher sie nach des Buddhas Worten kommen:

„Und wo entspringen diese unheilsamen Angewohnheiten? Sie entspringen im Geist. In welchem Geist? Obwohl der Geist vielfältig ist, verschiedenartig und mit unterschiedlichen Aspekten, gibt es Geist, der von Begierde beeinflußt ist, von Haß und von Verblendung. Unheilsame Angewohnheiten entspringen in diesem.“

Womit wir die drei grundlegenden „Geistesgifte“ haben. Dieselbe Erläuterung gilt für die heilsamen Angewohnheiten, die ihren Ursprung in einem Geist haben, der nicht von Begierde, Haß und Verblendung beeinflusst ist.
Dass man die unheilsamen Teile ablegen sollte ist selbstverständlich. Dies geschieht durch Vermeidung solcher möglichen und der Verminderung entstandener.
Nun empfiehlt der Buddha allerdings auch noch ein vollständiges Aufhören der heilsamen Angewohnheiten.

„Ihr Aufhören ist dargelegt: da ist einer sittsam, aber er identifiziert sich nicht mit seiner Sittlichkeit, und er versteht jene Herzensbefreiung, die Befreiung durch Weisheit, in der jene heilsamen Angewohnheiten ohne Überbleibsel aufhören, der Wirklichkeit entsprechend.“

Interessant, nicht? Das besagt nicht mehr und nicht weniger, dass heilsames Tun als Selbstzweck keinen Nutzen hat. Denn es führt nicht zur Befreiung aus dem Kreislauf der Existenzen im trügerischen Anschein.
Genauso gilt dies für „Absichten“, die der Buddha ebenfalls klar definiert.

„Was sind unheilsame Absichten? Es sind die Absicht der Sinnesgier, die Absicht des Übelwollens und die Absicht der Grausamkeit. Diese werden unheilsame Absichten genannt.“

Sie entspringen, so beschreibt es der Buddha, der Wahrnehmung. Ebenso die heilsamen Absichten, die geprägt sind durch die Abwesenheit von Sinnesgier, Übelwollen und Grausamkeit.
Und auch diese, müssen überwunden werden. Sowohl die unheilsamen Absichten als auch die heilsamen. Die unheilsamen werden wie folgt überwunden:

„Da tritt einer ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind.“

Interessanterweise gibt es ja auch noch die heilsamen Absichten.
Die allerdings ebenfalls überwunden werden müssen.
Und dies geschieht durch die so genannte zweite Vertiefungsstufe.
Wird fortgesetzt mit dem Weg, der zum Aufhören von Angewohnheiten und Absichten führt.


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