Gespräch mit der Göttin (I) und (II), geschrieben von Veleda Alantia

Gespräch mit der Göttin (I)

Endlich kam sie nach Hause. Ihr Leben ein Trubel von Sehnen, Suchen und Finden. Dort hatte sie einen Raum um zu sein, bei sich daheim.

Ein Raum, der nur ihr gehörte und dem was sie rufen würde. Manchmal fühlte sie sich berührt ..mitten im Alltag.  Dann kamen die Zweifel.
Und die Vorwürfe und Misstrauen sich selbst gegenüber.

Erst nahm sie ein Bad. Eine Vorbereitung sei ein Muss. Von der Reinigung der Seele spürte sie nicht viel, da sie doch gedanklich wieder bei der Arbeit war. Immer woanders. Immer besser sein oder werden. Schnell schnell.

Nach dem Bad und einer kleinen Ruhephase ging sie zu ihrem Regal. Dort stand eine kleine Figur der Tara. Es war ein Geschenk von einer spirituellen Freundin.

Die junge Frau entzündete das Räucherstäbchen. Der Duft war herb und ganz anders als sie erwartet hatte. Nichts Heiliges oder so.  Es stank sogar etwas. Und der Duft sollte eine Göttin rufen?

Der ging gar nicht. Allerdings stand es so in dem schlauen Buch einer SternenFalkin.

Wütend, daß es so formell sein musste verwarf sie das. Wenn es Göttinnen gab konnte man sie dann nicht treffen wie andere Menschen auch?

Die Tage vergingen im Ticken der Uhr und sie ging einkaufen. Ausnahmsweise war ein Bauernmarkt in der Stadt. An einem Stand verkaufte eine Frau, unbestimmten Alters und mit silbrigem Haar, bemalte Steine, trockene Kräuter und Kurioses.

“Und das soll magisch sein?” fragte die junge Frau und strich über einen Stein mit Sonnensymbol. “Magisch wird es wenn du dich nicht auf etwas Fernes konzentrierst sondern auf etwas Nahes. Dich selbst, deine Fähigkeiten. Dein brennendes Herz . Wenn du das kannst ist dein Leben Magie.”

Die Alte liess sie eine Karte ziehen. Es zeigte eine Art Baum oder Figur mit ausgebreiteten Armen. “Das ist Algiz. Der Moment um Magie zu leben ist jetzt. Und nur jetzt.”

Gespräch mit der Göttin (II)

Nach dem seltsamen Tag auf dem Bauernmarkt ging sie mit gemischten Gefühlen in ihren Lieblingspub. War das die Göttin gewesen? Eine alte Frau, doch so normal? Sie hatte gehofft es wäre erhabener..magischer! Doch weder glitzernder Feenstaub, noch ein ekeliges Gebräu, das im Kessel siedete. Was also war das was die alte Frau von ihr wollte?

Im Bad sah sie sich selten im Spiegel an. Weder fand sie sich ansehnlich noch liebenswert. Manche sagten ihr sie habe das gewisse Etwas. Nur was soll das sein?

Was war genau Magie? Waren das die Worte der Frau? ‘Magie ist immer im Moment, im Jetzt’. Dazu diese ..’Rune’. Wie ein Baum…oder der Abdruck von Raben im Schnee. Sie hörte oft die Raben wenn sie raus ging. Als riefen sie sie. Erinnerten sie…

Sie schminkte sich die Augen schwarz. Im alten Ägypten war dies zum Schutz. Vor der Sonne und dem bösen Blick. Das sagten zumindest Leute, die sie aus Ägypten kannte.

Sie erinnerte sich an das Zeichen. Algiz. Geschützt und im Moment sein..Eine andere Bedeutung war die der Verbindung zum Göttlichen.

Sie fand eine CD ‘schamanische Seelenreise’ und liess sie laufen während sie sich anzog.

Als sie wieder zum Spiegel ging, war im Spiegel ein Tor zu sehen. Es schien hinab zu führen. Ihr Verstand rebellierte, doch wusste ihr Herz, daß sie folgen musste. Sie kletterte hinab. In einem höhlenartigen Raum standen Steine aufrecht. Alle mit diesen Runen verziert. Ein Mann trat hinter einem Stein hervor. Schelmisch wissende grüne Augen funkelten sie an und er trug bei sich den Geruch des Feuers. ”Dein Mut ist wunderbar. Du kannst nicht mehr abschätzen was geschieht.”

“Wer bist du?” fragte sie. “Loki. Der Trickster. Der Fuchs der Götter. ”Sein Lächeln erinnerte sie an Ban. “ Ist klar..wo bin ich hier?” “Du bist wie Alice durch den Spiegel gegangen und hier ist nun dein Ort der Kraft. Doch erwarte keine Glitzermagie und Egogepusche.“ Verdutzt wie frech dieser Loki war…

Er nahm ihre Hand küsste diese. Sein Kuss brannte und sie stand vor dem Spiegel wieder.

“Was eine CD…” hauchte sie verwirrt.

Geschrieben von Veleda Alantia

Bilder: Wikimedia Commons, Loki by Erechel

Hinterlasse eine Antwort