Aua!! Mimimi… Von Jammerlappen und Weicheiern, geschrieben von Uwe

In dem kurzen Sutra „Der Pfeil des Schmerzes“ legt der Buddha sehr überzeugend dar, wie Gedanken dazu beitragen, dass man im leidvollen Erleben versacken kann.
Die Erläuterung dazu ist aufgrund der Wortwahl, die der Buddha hier vornimmt, schon mal ausgesprochen amüsant zu lesen.

„Schüler, erfährt ein unerfahrener Weltmensch ein schmerzhaftes Gefühl, verfällt er in Kummer und Sorge und klagt darüber; er weint, schlägt sich an die Brust und ist verstört. Er erfährt somit zwei Gefühle – ein körperliches und ein geistiges. Wie ein Mann, der von einem Pfeil verletzt und gleich darauf von einem Zweiten, so dass der Mann ein Gefühl erfährt, das von zwei Pfeilen verursacht wurde“.

Der „unerfahrene Weltmensch“, so beschreibt der Buddha einen Menschen wie dich und mich, einen Durchschnittsdeutschen, Durchschnittsweltbürger. Ein jammerndes, saturiertes Weichei also.
Überprüfe man doch diese schöne Beschreibung da oben einmal bei sich selbst.
Trifft sie nicht mehr oder weniger exakt zu?
Wie ist das, wenn ich, wenn du ein „schmerzhaftes Gefühl“ empfinde/st?
Vielleicht kann man ja bei kleineren Vorkommnissen noch lapidar darüber hinweggehen. Wie über einen zarten Kopfschmerz, den man registriert, sich davon aber nicht zu sehr ablenken lässt.
Oder ein klein wenig Zahnschmerz, einen Mückenstich oder sonst einem kleinen Wehwehchen.
Doch schon dabei gibt es genügend Menschen, die diesen Kopf- Zahn- Mückenstich- oder sonstigen Schmerz zum Anlass nehmen, sich Gedanken zu machen, woher dieser kommt, was er anrichtet.
Vielleicht hat man einen Gehirntumor? Ohne Gehirn zwar schwer möglich, aber warum nicht.
Bei einem Gebiss, ebenfalls schwer möglich, aber warum nicht.
Und ein Mückenstich ist tatsächlich das schlimmste überhaupt, besonders wenn es eine todgefährliche Tigermücke war.
Doch vor allem stellt man dann die Frage, wie man diesen bösartigen Schmerz wieder wegbekommen kann.
Der Buddha hat dieses „schmerzhafte Gefühl“, das er beschreibt, nun nicht nur auf die „groben“ Erfahrungen wie körperliche Schmerzen bezogen.
Schon ein einfaches Gefühl von Hunger oder Durst, das Gefühl von Langeweile, Unmut oder Unruhe sind nach dieser Definition ebenfalls „schmerzhaft“.
Und welche Folgen diese schmerzhaften Gefühle, seien sie nun grob oder fein, beim „Weltmenschen“ haben, also genau bei uns Anfängern und völlig im weltlichen Geschehen gefangene Menschen, das erläutert der Buddha im Folgenden recht schön und prägnant:

„Während er (also du und ich) ein schmerzhaftes Gefühl erfährt, hegt er dagegen Abneigung.
Dem liegt die Tendenz von Abneigung gegenüber schmerzhaften Gefühlen zugrunde.
Und während er ein schmerzhaftes Gefühl erlebt sucht er Freude in der sinnlichen Zerstreuung.
Und warum? Weil er keinen anderen Ausweg in Bezug auf schmerzhafte Gefühle kennt wie die Ablenkung durch Zerstreuung“.

Sehr gut beschrieben, nicht?
Eine glasklare Erkenntnis und Darlegung, wie unser „normaler“ abgelenkter Geist eben funktioniert.
Wir flüchten uns in die ganz normalen, bekannten Ablenkungen.
Weil wir keinen Ausweg in Bezug auf schmerzhaften Gefühlen kennen, vor allem nicht als den zwangsläufigen, schmerzhaften Gewohnheitsmustern Geburt, Krankheit, Alter und Tod, die wir ja für völlig real halten und die uns in ein dauerndes „Wiedergeborenwerden und Leiden ertragen“ werfen, müssen wir uns ablenken.
Leben für Leben, Jahr für Jahr, Monat für Monat, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute.
Weil all unser Erleben, betrachten wir es genauer, nur mal vom Hintergrund der Vergänglichkeit, Unbeständigkeit betrachtet, schmerzhaft ist.
Und diese Unbeständigkeit ist genau das, was uns Angst macht.
Und was ist Angst anderes als schmerzhaft? Leidbesetzt?
Und wer erkennt schon die Leerheit in all dieser Unbeständigkeit?
Niemand.
Nicht ich.
Nicht du.
Deshalb gibt es also wirklich Grund genug, sich Sorgen zu machen. Ja, tatsächlich.
Denn unsere einzige Sicherheit, das einzige, auf das wir uns verlassen können, in das wir wirklich vertrauen können ist…
…die Unbeständigkeit.
Von wegen entspannt bleiben.
Wir können gar nicht entspannt sein. Nein.
Unmöglich.
Dafür müssten wir erleuchtet sein.
Bin ich nicht. Bist du es?
Lol… erzähl´ es nicht mir. Erzähl´ es dem lieben Gott.
Es wird höchste Zeit, den doppelten Pfeil zu überwinden.
Also, raus aus diesem Scheiß.
Und wenn wir drin stecken bleiben…
…dann sollten wir nicht jammern.
Wir sind allein selbst schuld.
Niemand anderes.
Vielleicht nützlich
Wenn nicht, ist mir das auch herzlich egal

copyright Uwe

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