Meditation? Um Gottes Willen… Über ein schwieriges Unterfangen – Teil I, geschrieben von Uwe

Vorsicht, könnte Spuren von Sarkasmus und Ironie beinhalten

Meditation? Ich ertappe mich in den meisten Fällen tatsächlich dabei, dass ich „meditiere“ wenn ich meditiere.
Ja genau, ich tu dann „meditieren“.
Dann sitz´ ich auf einem Kissen rum, hab´ die Beine verschränkt und meditiere.
Dass sieht, so glaube ich, von außen betrachtet fantastisch aus.
Phänomenal.
Manchmal setz´ ich mich vor einen großen Spiegel um mich selbst zu bewundern.
Zumindest wenn andere mich sehen, spüre ich deren bewundernde Blicke auf mir ruhen.
Das macht mich dann erst recht meditierend.
Und dann die Kommentare.
„Oh, du meditierst. Toll. Ja, so die Ruhe weg zu haben, dass muss toll sein“, höre ich dann.
Oder auch „Ich könnt nicht mal zwei Minuten still sitzen. Also, dass du da rumsitzt und so meditierst das finde ich unheimlich gut“.
Und „Ich habe dich vorhin so sitzen sehen und das sah so ruhig und toll aus. Aber ich könnte das nicht, ehrlich, das wäre mir zu schwer. Ich würde nicht mal die Beine so toll hinbekommen“.
Oh Gott, denke ich dann in einem lichten Moment.
Was bin ich für ein Scharlatan.

Überhaupt, wer hat jemals behauptet, Meditation sei leicht? 

Oder dass sie so einfach funktioniert, wie sie beschrieben wird?
Wie viele Leute, so frage ich mich manchmal, meditieren wohl wirklich und reden nicht nur drüber? Oder tun nur so.
Und wenn ja, wie oft „tun“ sie es? Und wie lange?
Keine Ahnung.
Ob es wohl eine Statistik der durchschnittlichen Meditationsdauer bei deutschen Buddhisten gibt?
Eher nicht, aber wahrscheinlich meditieren alle viel mehr als ich.
Aber was ist viel? Was wenig?
Zwanzig Minuten morgens? Oder Abends? Oder vielleicht morgens und abends? Oder vielleicht sogar 30 Minuten? Eine Stunde …
Klar.
Ich Buddhist, meditiere …
Grunz.
Zu Hochform laufe ich auf wenn Leute mich fragen. „Wie ist das mit der Meditation? Wie geht das? Kannst du das mal erklären? Sieht so einfach aus, obwohl das mit dem Sitzen würde ich glaube ich nicht hinkriegen… aber so ein bisschen Ruhe, das wäre schon was Tolles“.
Manche Leute stellen viele Fragen.
Dann sagt man, ja, es ist toll, so ein bisschen Ruhe reinzubekommen.
Nur welche Ruhe?
Manchmal möchte ich dann eigentlich so richtig losbrüllen.
Glaubt bloß nicht, dass es wirklich so einfach ist, die Sache mit der Meditation.

Von wegen „Ruhe“.

Denn irgendwer kommt immer und erzählt irgendeinen Scheiß wie:
„Oh, ich hätte auch gern so einen ruhigen Geist wie du. Ich kann nicht fünf Minuten still sitzen, ständig muss ich an was anderes denken. Irgendwie ist immer was los in meinem Kopf. Wie machst du das nur. Mein Alltag ist da viel zu durcheinander“.
Ha. Das ist es doch.
Warum soll es denn ausgerechnet bei der Übung der „Meditation“ anders sein als im ganz normalen Alltagsleben? Zumindest bei mir?
Die Frage ist doch, fällt es mir im Alltag auf, wenn ich abgelenkt bin durch eine Menge Gedanken? Oder bin ich einfach meist viel zu beschäftigt um das überhaupt zu bemerken?
Warum, Herrgott nochmal, soll also bei der „Meditation“ plötzlich alles anders sein als im „Alltagsleben“? Ich persönlich habe im Leben auch nichts anderes als Alltag. Alle Tage dasselbe. Und meine Meditation ist Alltag.
Ich möchte allen Meditierwilligen und -sehnsüchtigen nur mal auf den Weg mitgeben, wenn euch nach „Ruhe“ ist und ihr es „Schön“ haben wollt, angenehm und friedlich …
… dann ist Kiffen eindeutig besser.

Lasst euch vom Arzt einen Burnout bescheinigen und dann auf Rezept zwei Kilogramm Cannabis. Das ist heute möglich, nur zu.
Und zwar so richtig gutes Gras mit mindestens zehn Prozent THC Gehalt, das stellt fantastisch ruhig.
Dazu noch nen gut gefüllten Kühlschrank um den Heißhunger zu stillen. Dann gibt auch der Bauch endlich Ruhe …
Was auch hilft, um zur Ruhe in den Karton zu kommen ist viel schlafen.
Das hat auch deutlich weniger Nebenwirkungen als das Kiffen.
Autogenes Training kann auch super sein, um Ruhig zu werden.
Was ganz hervorragend ist, ein Schaumbad mit lauschiger Meditationsmusik.
Ich empfehle da Andreas Vollenweiders Harfengepinsel aus den frühen 80-er Jahren, düdeldüdüklimpfklampfklumpf dideldadeldumm, schrummschrummschrumm …
… oder auch gut und modern, Unheilig „Wir sind geboren um zu leben“.
Da kann man sich nämlich gleich ertränken dabei. Wobei zum Ertränken passt dann besser noch Helene Fischers „Atemlos“.
Noch besser ist es, während man so im Schaumbad liegt und Herr Unheilig vor sich hin rülpst oder Frau Fischer keucht den Fön anzumachen und vor sich ins Wasser plumpsen zu lassen.
Dann ist garantiert Ruhe im Kopf, und zwar dauerhaft.
Richtig Ruhe.

RUUUHEEE

Zumindest für dieses Leben.
Ne, also soooo war das nun nicht gemeint, wispern dann einige Tollejünger und säkulare Wellnessbuddhisten.
Ich wollte doch meditie…
Ah, du willst MEDITIEREN.
Na, das ist was anderes. Da geht es darum, was zu erfahren.
Na gut, probieren wir es halt mal aus. Ohne gleich an RUHE zu denken.
Zuerst mal hinhocken, auf ´nen Kissen, mit gekreuzten Beinen.
Wie war das? Sah so schick aus auf den Plakaten der AOK.
Okay, nach einigen Anläufen und Korrekturen bekommst du es tatsächlich hin und dann sitzt du. Auf deinem 20 Zentimeter hohen, mit Haferspelzen gefüllten und obendrauf mit einem OM bedrukten rot-blauen Kissen aus Biobaumwolle aus Bangladesh das du dir extra dafür im Eine-Welt-Laden gekauft hast.
Da hockste dann, okay, du sitzt also, zehn Minuten schon…
… und es klingelt das Telefon.
Verdammt, warum gerade jetzt.
Die letzten fünf Stunden hat es nicht geklingelt, kaum setze mich hin klingelt dieses Scheißding.
Nein, ich bleib hocken.
Es klingelt. Warum geht der Anrufbeantworter nicht dran?
Es klingelt. Muss dringend sein, wer sonst lässt es so lange klingeln.
Dann plötzlich hat es aufgehört. Endlich Ruhe …

Ende Teil I

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