„Die schönste Zeit im Jahr …“, geschrieben von Damh, the Bard, übersetzt von Anufa

Das singt die Stimme im Weihnachtsspot, den ich garantiert in den nächsten Wochen zu sehen bekomme. Für viele meiner Freunde ist jetzt aber wirklich ihre Lieblingszeit. Meine ist es nicht aber ich verstehe völlig, warum sie es für meine heidnischen Freunde ist.

Ich mag daran fast alles außer dem plötzlichen Frösteln, das in der Luft hängt. Gestern war es schon da, als wir , unter dem Long Man of Wilmington, den Kreis des offenen Anderida Gorsedd Samhain Rituals geöffnet haben. Zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche ist das letzte Mal, bis zur Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche des nächsten Jahres, dass er die Sonne sieht. Ab Samhain berührt ihn die Sonne kaum mehr. Sein kleiner Teil des Hügels taucht in die Schatten ein, genauso wie es der ganze Hügel tut, auf dem wir für unsere Ritualkreise stehen. In diesem Schatten fühle ich auch die Kälte des Atems der Cailleach. Tritt in den Sonnenschein hinaus und es gibt noch ein bisschen Wärme und das ist, für mich, der Grund, warum ich Samhain nicht so sehr mag.


Sobald der Kreis intakt war, bekamen wir Begleitung von einigen über uns kreisenden Krähenvögeln. An Samhain forme ich den Kreis als Rand des Cauldron of Annwn, auf dem wir alle stehen. Ich lade die Nebel der Anderswelt ein, den Kessel vor uns zu füllen und in diesen Nebel sprechen wir die Namen unserer Lieben, unserer Freunde, Familie und der Ahnen unserer Tradition, die schon vor uns gegangen sind. Während wir in den Nebel eintreten, sprechen wir ihre Namen laut aus, damit sie uns auch hören und wissen, dass wir uns an sie erinnern. Dann teilen wir ein mit ihnen ein symbolisches Mahl, die Leute singen, rezitieren Gedichte und erzählen Geschichten die in die Jahreszeit passen, bevor wir den Geistern danken und den Kreis wieder schließen. Das ist ein sicherer Raum, ein Platz den dem die Tränen vergossen werden können, wenn sie kommen. Ein Platz um den Verlust zu empfinden aber auch die Verbundenheit. Mir wurde einmal erklärt, dass unsere Augen überlaufen, wenn sich unsere Herzen auffüllen. Das ist niemals so wahr, wie im Samhain-Kreis. Wir machen genau dieses Ritual nun seit 17 Jahren. Es fühlt sich schlichtweg nicht richtig an, daran etwas zu verändern. Es tut, was es tun soll. Wir Briten sind eigentlich nicht sehr offen, wenn es um unsere Gefühle geht, aber es ist wichtig tatsächlich zu fühlen. Samhain gibt uns dazu die Gelegenheit.
Ich habe neulich in einigen Blogs und Facebookposts gelesen, dass es historische Beweise gäbe, dass Samhain niemals ein „Totenfest“ gewesen wäre. Das ist mir ziemlich wurscht.Wenn es das nicht gewesen ist, dann hätte es eines sein sollen. Es macht einfach Sinn. Was wir haben sind Wagenladungen voll von Brauchtum, dass uns sagt, dass Feen um diese Zeit des Jahres unterwegs wären – dass der Schleier dünn ist. In der Anderswelt, in Annwn, steht der Kessel der Wiedergeburt. Die Geschichten erzählen, dass diejenigen, die in den Kessel geworfen werden, wiedergeboren würden, aber ohne die Fähigkeit zu sprechen. Das macht auch Sinn. Der Geist der Verstorbenen sollte niemals den Lebenden über das erzählen, was sie gesehen haben. Wenn sie also wiedergeboren werden, dann können sie nicht sprechen, genauso wie Neugeborene nicht sprechen können. Vielleicht sind diese ersten Schreie der Kinder, „Oh Götter! Ich glaubt nieee wo ich gerade gewesen bin!! Es war erstaunlich! Verflucht nochmal! Warum versteht mich denn keiner!!!“ Alles was wir hören, sind die Schreie von neugborenen Babies … aber das Brauchtum legt nahe, dass der Geist derer, die vor uns gegangen sind, zum Kessel zurück kehren, um wiedergeboren zu werden. Deshalb funktioniert das erstellen eines Kreises und die Nebel zu Samhain zu rufen, wenn die Tore offen sind, für mich hervorragend.

Sobald neue Forschungsergebnisse ans Licht kommen, wird oft angenommen, dass das was wir uns unter einem Fest vorgestellt haben, nicht das ist, was es mal gewesen ist. Ich habe auch oft festgestellt, dass es nicht darauf hindeutet was es tatsächlich war, dass halt unsere moderne Art es zu feiern nicht 100%ig mit der Vergangenheit zusammen passt. Mein Leben unterscheidet sich von meinen eisenzeitlichen Druidenvorfahren. Ich denke, dass sogar wenn es eine ununterbrochene Linie von Samhain-Ritualen bis dahin zurück gegeben hätte, dann hätten wir diese Veränderungen über die Jahrhunderte beobachten können. Ich bin mir 100%ig sicher dass Weihnachten, Ostern, Ramadan, jede dieser Feiern in jeder anderen Religion unserer modernen Gesellschaft, nicht mehr in genau derselben Art gefeiert werden, wie vor 100 Jahren. Aber sie funktionieren für diejenigen, die heute diesen Wegen folgen und das ist, was mir wichtig ist.

Wenn Samhain nicht das heidnische Fest der Toten gewesen sein mag, dann schlage ich vor, dass es das jetzt ist und für die letzten 50 Jahre gewesen ist. Ich habe einen Haufen meines Wachstums als Heide und Druide für den Blick über die Schulter in die Vergangenheit verbraucht. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wo man herkommt – die alten Geschichten und Gedichte des Mabinogion und von Taliesin erfüllen mich und es sind großartige Lehrstücke darin enthalten. Aber ich bin weniger von wissenschaftlichen Erkenntnissen beunruhigt, wenn es darum geht, wie wir Dinge wie das Jahresrad feiern. Natürlich ist das immer noch interessant aber ich bin in meiner eigenen, modernen heidnischen Haut sehr glücklich.

Hinterlasse eine Antwort