Geistestraining – Dharma – Teil II, geschrieben von Enrico

In den Pfad bringen

Alle quälenden Geisteszustände, alle Ängste und Probleme entstehen aus unseren falschen Auffassungen, fehlerhaften Konzepten, sowie den falschen Wahrnehmungen und deshalb liegt es bei uns, unseren Geist durch die Anwendung der befreienden Information des Dharmas zu zähmen.
Die Wurzelursache für die Lebensqualen ist das Greifen nach einer Identität, da man der falschen Auffassung unterliegt, das Dasein hätte eine inhärente Existenz. Man erkennt nicht die wechselseitige Bedingtheit und somit die Untrennbarkeit von zwischen dem eigenen Geist und den Wahrnehmungs- und Handlungsobjekten, sowie dem eigenen Tun. Diese sind untrennbar. Aber durch ein falsches Selbstverständnis versteht man diese als getrennt. Wenn man jedoch diese Untrennbarkeit erkennt, dann erlangt man eine Freiheit von der Qual, da man in die Handlungskompetenz kommt und versteht, dass man selbst Schöpfer bzw. Schöpferin ist, die niemals verschieden vom Geschaffenen ist.
Nebenbei bemerkt, das ist kein Zurückfallen in einen präspirituellen Zustand, kein Eintauchen in einen Ozean des Daseins (oder des Geistes), was ja manche postulieren. Wäre dem nämlich so, dann hätte die Befreiung und Erleuchtung eines einzigen Wesens genügt, weil diese Erleuchtung dann auf alle anderen automatisch übergesprungen wäre. Untrennbarkeit – Non-Dualität – meint eben genau diese Nichtverschiedenheit von Subjekt, Objekt und Aktion. Dies nennt man im Dharma auch „frei von den drei Kreisen“. Um eben diese falschen Ansichten, die die Wurzel für das Greifen nach inhärenter Existenz sind, zu beseitigen, muss man die wahre Natur der Phänomene und des Geistes verstehen lernen. Andernfalls wird es nicht möglich sein, Freiheit vom beständigen Auf- und Abwogen des Lebens zu erlangen.
Aufgeben – Annehmen
Um zunächst einmal überhaupt günstige Bedingungen zu schaffen, versucht man die Zusammenhänge zwischen Handlungen und ihren Auswirkungen zu verstehen, da jede Erfahrung aufgrund von Ursachen und Bedingungen zustande kommt. Qualvolle, leidbringende Umstände resultieren aus negativen Motivationen und Handlungen und erfreuliche Erfahrungen ergeben sich durch positive Motivationen und Taten. Es ist ratsam, negative Motivationen und Handlungen aufzugeben, da negative Erfahrungen bloß noch ein weiteres Greifen nach inhärenter Existenz nach sich ziehen. Auf diese Weise gelingt kein Entkommen aus diesem Teufelskreis. Doch auch durch das bloße Erleben von erfreulichen Zuständen ergibt sich auch keine Befreiung.

Bedingt und abhängig

Wenn man allerdings auf diese Weise das wechselseitig bedingte Erscheinen versteht, dann fasst man gewiss mehr Vertrauen in die Lehren Buddhas. Der Buddha hat den Dharma gemäß der Verständnisfähigkeiten der fühlenden Wesen gelehrt. Dadurch sieht man, dass die Lehren selbst auf einer wechselseitigen Bedingtheit basieren.
Die Entwicklung des kostbaren Erleuchtungsgeistes ist unabdinglich. Ohne dass man diesen großen, alle Wesen umfassenden Erleuchtungsgeist entwickelt und kultiviert, verbleibt man gerade im einem ruhigen Geisteszustand, der aber noch immer durch ein subtiles Selbstkonzept die Natur des Geistes verhüllt. Man ist bestenfalls frei von störenden Emotionen, habt aber noch immer kognitive Schleier – eben Konzepte.
Zunächst erkennt man, dass alle fühlenden Wesen in den zahllosen Existenzen unsere Mütter und Väter gewesen sind. Dadurch beginnt man das Festhalten an einer inhärenten Identitätsauffassung und das Greifen danach abzulösen. Wir zähmen auf diese Weise den selbstbezogenen Geist.
Solange wir weiterhin selbstbezogen körperlicher Bequemlichkeit nachjagen, schaffen wir nur noch mehr Unsicherheiten und Verlustängste. Entsagen wir dieser Selbstbezogenheit, lassen von ihr los, schaffen wir auf einmal mehr Raum und wir werden zufriedener. Genau da setzt das Geistestraining an.
Wenn man wirklich den Dharma praktizieren will, bleibt einem nichts anderes übrig, als den Stufenpfad und das Geistestraining zu erlernen.
Stufenpfad
Die Trainingsaspekte des Stufenpfades umfassen äußere und innere Bereiche. Auf äußerlicher Ebene reflektiert man zunächst einmal, welche Freiheiten und Bedingungen einem gegenwärtig zur Verfügung stehen. Weiters setzt man sich mit der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit aller Erfahrungen und Erscheinungen auseinander. Man versucht die Unzulänglichkeit aller weltlichen Erfahrungen zu verstehen und schließlich lernt man auch die Zusammenhänge zwischen Motivation, Handlung, Bedingungen und Erfahrungen zu verstehen. Ohne diese Aspekte zu verstehen, bringt der Dharma überhaupt keinen Nutzen, da die Täuschungen, Begehrlichkeiten und Abneigungen weiterhin bestehen bleiben.
Wenn man diese erwähnten Aspekte durchdrungen und verstanden hat, versucht man eine sichere Ausrichtung zu finden. Diese findet man in Buddha, Dharma und Sangha – der höchsten Gemeinschaft. In ihrer Essenz sind diese Drei Juwelen nichts anderes als drei Aspekte unserer Buddha-Natur. Aber das wird erst am Ende des Pfades realisiert. Vorerst kann man es bloß als Theorie aufnehmen.
Das eigentliche Training und die Zähmung des Geistes beginnt jedoch erst beim Entwickeln des wünschenden und tätigen Erleuchtungsgeistes und dem Verstehen des relativen und absoluten Bodhicitta. Dies bietet ein Gegenmittel, die eigenen Täuschungen zu unterwerfen und den Geistesstrom zu wandeln.
Für Details zum Geistestraining mag ich Euch hier nun einfach auf Lojong – Schulung von Herz und Geist verweisen und Euch bitten, lest das zunächst einmal durch und versucht dann, beispielsweise die 37 Bodhisattva-Übungen in den Alltag umzusetzen. Als kleine Hilfestellung findet Ihr bei den 37 Bodhisattva-Übungen am Ende des Posts diese auch zum Ausdrucken und eine kleine Praxisanleitung.
Ende Teil II

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