Meditation? Um Gottes Willen… Über ein schwieriges Unterfangen – Teil II, geschrieben von Uwe

 

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Hm. Der war hartnäckig. Muss nachher auf das Display schauen, wer angerufen hat….
Okay, ich sollte doch auf den Atem schauen.
Kommt und geht, kommt und geht, kommt und…

…jetzt weiß ich es, ich wollte mit meiner Mutter zum Arzt fahren.

Das war meine Mutter. Scheiße.
Die hockt daheim und wartet dass ich komme.

Herrgott nochmal, in meinem nächsten Leben will ich keine Familie.
Dann kann ich gut meditieren.
Wenn du Familie hast, dann hast du immer zu tun.
Ich kann verstehen, dass manche Leute ihre Familien umbringen.
Auch wenn es ja nicht wirklich gut ist, so was zu tun.

Okay, ich habe eine Idee. Ich nehme mir fest vor, in meinem nächsten Leben sofort als Waisenkind aufzuwachsen. Also, das wäre nicht schlecht. Dann muss ich später nicht mit der zum Arzt fahren.
Oder besser, ich will so hässlich sein, dass meine Mutter einen Schreikrampf bekommt und mich stantepede zur Adoption freigibt.

Dann will mich keiner haben, ich komme ins Pflegeheim für schwer vermittelbare Kinder….
…ääääh… öhhh

Ne, auch nicht so toll. Wer weiß, wo ich hinkomme.

Dann adoptiert mich vielleicht der Erdogan und hält mich in seinem Ziegenstall.
Ne, nicht richtig gut.

Warum denke ich jetzt überhaupt darüber nach, was ich im nächsten Leben sein will oder was ich eventuell werde? Nur weil meine Mutter angerufen hat?
Vielleicht war sie es ja gar nicht. Vielleicht hat sie ja schon einen Herzinfarkt bekommen. Oder ist mit dem Taxi zum Arzt gefahren… Was denke ich da eigentlich grad für ne Scheisse zusammen?

Ich wollte doch meditieren. MEDITIEREN…MEEEEDIIIITIEEEEEREN…

Dieser Buddha hat seinen Jungs doch auch nur gesagt, sie sollen sich unter einen Baum oder in eine leere Hütte begeben, sich hinsetzen, die Beine kreuzen, den Rücken gerade machen und auf den Atem achten. So schwer kann das verdammt noch mal doch nicht sein.
Wieso gelingt es mir nicht, eine solch einfache, poplige Anweisung umzusetzen?

Ach was soll das. Die spinnen doch alle.
Das war auch eine ganz andere Welt damals, zu Buddhas Zeiten.
Heute ist das alles so komplex.
Alles ist verdrahtet und vernetzt.
Jeder hängt am anderen, zumindest mit dem Smartphone verbunden oder per WhatsApp.
Ich kann ja kaum das Handy ausmachen, schon gar nicht das Telefon abhängen. Vielleicht bekomme ich ja gleich eine super wichtige Message.
Oder meine Mutter ruft an. Wie gerade eben.

Wie soll man da anständig zum „meditieren“ kommen?
Um Himmels willen.
Die hatten es damals echt viel einfacher als ich armer Tropf heute.
Ständig auf Speed muss man sein. Immer erreichbar. Für alle. Besonders für Mütter.
Unvorstellbar, damals. Damals warst du halt ratzfatz mit 40 uralt und mit 50 tot. Heute werden Mütter locker 120 und überleben dich im Extremfall.

Außerdem wussten die damals im alten Indien ja im Prinzip nichts.
Völlig ahnungslos waren die.
Die haben null geschnallt, enger Horizont, geistig grenzdebil.

Ich dagegen weiß alles in Nullkommanix, das Internet gibt alles preis.

Ich kenn´ mich mit der Philosophie Hegels ebenso aus wie mit Kants „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“.
Was allerdings bitter war.
Der gute Kant wurde trotzdem Dement. Seine ganze Verstandeskraft hat ihm nix genützt.

Die Physik der Quantenmechanik ist mir ebenso nah und vertraut wie die Theorie der dunklen Materie, ich habe schon von schwarzen Löchern gehört, von Pulsaren geträumt und Schrödingers Katze kann ich streicheln wann ich will. Die Muschi der Nachbarin sowieso.

Und wenn ich Bock habe, mir einen Ring durch den Pimmel zu stanzen, an dem ich von meiner liebevollen Domina durch den Swinger Club geschleift werde während Natursekt auf mich niederplätschert, so steht es mir frei genau das zu erleben.

Hauptsache Markus singt in der Dauerschleife „Ich will Spaß ich geb´ Gas“ und Manfred, der Esoterikguru, der mit viagrasteifem Ständer nebendran steht zwitschert „Deine Scham und Schuldgefühle sind ein reiner Egotrip, vergiss sie“ und „Wenn es deinem wahren Wesen entspricht, dann fühlst du es“.

Ich wollte doch meditieren.
Jetzt sitze ich hier auf meinem Kissen und denke Schwachsinn.

Himmel, so ein Mist, warum ständig diese Gedanken? Und dann so bescheuerte.

Ich fühle mein wahres Wesen…oh yeah.
Nur, welches „Wahre Wesen“ soll ich „wahrlich“ fühlen?
Dass, was es war, als es ein Jahr alt und an der Titte hing, sich wohlfühlte und ab und an rülpste?
Oder jenes, was sich fürchtete, als es das erste Mal in einen Kindergarten kam?

Ach was… es geht nicht um ein „wahres Selbst“, das soll es ja nicht geben.
Mir reicht mein imaginäres Selbst, das mich grade zur Weißglut treibt, während ich „meditiere“.

Ich habe die Schnauze voll. Da sitze ich und denke statt zu meditieren.

Zu blöde, was soll das, das kann ja zu nix führen.
Meditieren… so nen Scheiß…

…womöglich bekommt man auch noch Hämorrhoiden davon.

Oder keinen mehr hoch.
Oder die Kniescheibe verreckt.

Ach lass´ mich.
Ich geb´ auf. Meditation ist nix für mich.

Es reicht doch völlig aus, dass der Buddha sich durch den ganzen Dreck gequält hat. So was muss ich mir nicht antun. Andere Zeiten eben sind das heute. Andere Sitten. Leiden? Ach so ein Quatsch. Ich leide im Moment unter meinen Gedanken. Ohne die wäre das alles nicht so. Nein. Ohne das Hinhören zu meinen Gedanken wäre da kein Leiden.
So ist das. Fertig. BASTA…
…ich höre auf. Das bringt nix.
Ich zerhacke den Holzbuddha, den ich mir auch kürzlich gekauft habeund verbrenne damit mein Kissen. Finito. Schluss mit meditieren.

Und morgen leih ich mir einen Porsche. Fahre ganz entspannt und meditativ mit 250 Sachen über die Autobahn nach Hamburg, zieh´ mir ´ne rote Robe an und geh´ ins nächste Buddhistenzentrum. Dort schwebe ich ein, sag´ ab und zu ganz entspannt Ommanipemehung und schmeiß mit 50 Euro Scheinen rum. Da stehen die Weiber drauf. Und lass mich völlig umsonst und voll tantrisch bereiten. Goil.

Keinen Nutzen
Muss auch niemand glücklich werden mit

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